Mittwoch, 21. Mai 2014

WDR-Fernsehen wirbt für Jobs bei Horch&Schnüffel

PR-Aktion für Verfassungsschutzjobs Von Günter Ackermann Zwei nette junge Menschen, die Azubine Sahra und Azubi Mathias, aber man erkennt nur die makellosen Zähne von Sahra und den Dreitagebart von Matthias. „Sie müssen anonym bleiben – zur eigenen Sicherheit“, meint der Moderator des WDR. Der WDR wurde einst in den 70ern bei der CDU/CSU abwertend „Rotfunk“ genannt. Der Intendant war das CDU-Mitglied Klaus von Bismarck. Seine Nachfolger waren alles eher SPD-nahe, aber der „Rotfunk“ wurde „Rechtsfunk“. Hofberichterstattung im Regionalprogramm ist die Regel – kritische Berichterstattung verschwand immer mehr. Da wird schon mal der SPD-Minister Steinmeier zum „Chefdiplomaten Europas“ hochstilisiert, der Frieden für die Ukraine bringt. Als 2010 im Rahmen des Spektakels „Ruhr 2010“ die Katastrophe der Love-Parade mit 21 Toten passierte, blieb das Lokalfenster des WDR – zufällig – schwarz. Angeblich Stromausfall im Studio. Naheliegender ist m.E. aber, man hatte noch keine Sprachregelung von oben bekommen. Denn in der Geschichte steckte bis zu den Nasenspitzen ein gewisser Fritz Pleitgen drin und Pleitgen war bis einige Jahre vorher Intendant des Senders gewesen. Und am Donnerstag, in der Aktuellen Stund am Abend, der Filmbericht über die Schule des Verfassungsschutzes (siehe). Seit den 60er Jahren sei hier keine Kamerateam mehr gewesen. Klar, die Schlapphüte scheuen die Öffentlichkeit. Wenn aber nun auf einmal doch Kameras bei ihnen nicht nur auftauchen, sondern reinkommen und drehen dürfen, dann ist das kein Zufall, sondern gewollt. Und tatsächlich hat vor einiger Zeit Spiegel-TV (siehe) einen ganz ähnlichen Bericht geliefert. Der war etwas informativer als der des WDR, hatte auch einen etwas kritischen Unterton, aber auch der war PR für den Verfassungsschutz. Während der WDR von „Schule des Verfassungsschutzes in Köln“ redete, gab Spiegel-TV sogar die Adresse preis: Heimerzheim bei Bonn, Gabrielweg (6137 Einwohner). Ob die Adresse richtig ist, vermag ich nicht zu sagen. Schickt denen doch mal eine Grußkarte aus dem Urlaub. Die, die dort das 1×1-des Spitzeldienstes lernen, schnüffeln uns morgen hinterher oder versuchen sich an uns ran zu machen. Einen Urlaubsgruß an die ist ein Gruß an zukünftige – wenn auch unfreiwillige – Bekannte. Ich frage mich, ob die Kollegen von Horch&Schnüffel so klamm an Personal sind, dass sie auf Hofberichte des öffentlich-rechtlichen Propagandafunks angewiesen sind? Vermutlich schon. Bezahlt der Verfassungsschutz so schlecht, dass sie Bewerber für ihre Jobs so suchen müssen? Lt. Spiegel-TV werden jährlich zwanzig Nachwuchsschlapphüte in die Geheimnisse der Schlapphüterei eingeweiht – bei 2000 Bewerbern. Alle müssen Abitur haben und werden strengen Sicherheitskontrollen unterzogen. Ich frage mich weiter, ob sich die Berichterstatter des WDR nicht für solche Berichte zu schade sind? Ich denke aber, das sind sie nicht. Wer WDR 3 gelegentlich sich ansieht, wird wissen, dass Hofberichte und dümmste Propaganda für Landes- und Bundesregierung da inzwischen die Regel sind. So weiß ich von einer WDR-Journalistin, der ich vor 15 Jahren begegnete, dass der damalige WDR-Chef Pleitgen den Ukas raus gegebnen hatte, dass die damalige PDS (heute Linkspartei) im WDR nicht erwähnt werden dürfe. Alle hielten sich damals daran. Umso mehr suhlt man sich in Nebenproblemen, die dann als Ersatzkritik herhalten. Ich denke an das Problem, ob mehr Frauen in die Vorstandsetagen der Konzerne sein sollten. Als wenn es den Arbeitern und Angestellten nicht vollkommen gleichgültig ist, wer sie antreibt und ausbeutet. Für die bürgerliche Politik und Presse aber ist das sehr sehr wichtig. Man kann dahinter verstecken, was wirklich berichtenswert wäre. G.A.

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