Montag, 14. August 2017

Und sie macht nicht frei.

Anne Allex im Gespräch über die »Arbeitsscheuen«- Verfolgung im Faschismus und zum Umgang mit Erwerbslosen damals wie heute

"... Die Wissenschaft »Rassenhygiene« trugen in der Weimarer Republik 
alle weltanschaulichen Strömungen. Daher gingen auch politisch 
Verfolgte der Ideologie des angeblich verschiedenen »Wertes der 
Menschen« auf den Leim. (...) Erwerbslosen im deutschen Faschismus 
wurde grundsätzlich »Arbeitsscheu« unterstellt; das beinhaltete einen 
»Hang zum Verbrechen«. In der deutschen Geschichte wurde Erwerbslosen 
durchgehend die Schuld an ihrer Situation in die eigenen Schuhe 
geschoben. Das war bereits vor 1933 so, was sich beim Phänomen der 
sogenannten Arbeitshäuser zeigt. Die Faschisten wollten Erwerbslose 
als »Minderwertige« ausrotten. Nach 1945 wurde in der BRD die 
Zwangsarbeit laut Bundessozialhilfegesetz eingeführt, die verfälschend 
»Hilfe zur Arbeit« hieß. Seit 2005 kennen wir Zwangsarbeit – so nennt 
es auch die Internationale Arbeitsorganisation ILO – in Form von 
»Ein-Euro-Jobs«. Deutschland erweist sich im Umgang mit Erwerbslosen 
seit mehr als einem Jahrhundert als lernunfähig. Breite 
Gesellschaftsteile unterstützen süffisant verletzende Diffamierungen 
Dritter, weil sie Sündenböcke brauchen. Mangelndes Einfühlungsvermögen 
und auch die Faulheit in der Auseinandersetzung mit den NS-Postulaten 
bei Gedenkverwaltungen zeigen dies. (...) Im abschätzigen Umgang mit 
Erwerbslosen sehe ich erschreckende Parallelen zu den Jahren ab 
1924..." Interview vom 9. August 2017 von und bei Peter Nowak
http://peter-nowak-journalist.de/2017/08/09/und-sie-macht-nicht-frei/

Das Interview bezieht sich auf ihr neues Buch: "Sozialrassistische 
Verfolgung im deutschen Faschismus. Kinder, Jugendliche, Frauen als 
sogenannte »Asoziale« – Schwierigkeiten beim Gedenken" herausgegeben 
von Anne Alex erschien Juli 2017 bei Verlag AG Spak (447 Seiten) zum 
Preis von 28 Euro. Band 2 kann auch zusammen mit Band 1, "ausgesteuert 
- ausgegrenzt - angeblich asozial" zum Preis von 49 Euro beim Verlag 
bestellt werden.
http://www.agspak-buecher.de/epages/15458842.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15458842/Products/%22M%20318%22

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