Sonntag, 16. August 2015

Ein antikommunistischer Agent und Lügner weniger: Zum Tod von Robert Conquest

Von Grover Furr, August 2015 Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von J. T. Bielefeld Nun hat es sich ausgelogen. Am 3.August 2015 verabschiedete sich Robert Conquest von den Lebenden. Er war zweifellos nach Trotzki der größte Geschichtsfälscher und Erfinder von Lügengeschichten über die Sowjetunion und Stalin. Im Folgendem ist ein Artikel von Grover Furr, Verfasser von CHRUSCHTSCHOWS LÜGEN, beigefügt, der die Verdienste Conquests für das Kapital und seine Institutionen aufzeigt. J. T. Robert Conquest, nach Leon Trotzki wohl der Hauptantikommunist und Anti-Stalinpropagandist des 20. Jahrhunderts, ist gestorben. Natürlich trauern die kapitalistischen Medien in liebedienerisch-kriecherischer Art und Weise um ihn. Über Robert Conquest könnte eine Menge gesagt werden. Ich werde am Ende ein wenig über ihn sagen. Hier einige Fakten, die Conquests berühmtestes Buch: Der große Terror (The Great Terror ) betreffen – die ich sorgfältig geprüft habe. Robert Conquest ist auch als Mitarbeiter für das IRD identifiziert worden, als dieses 1956 gegründet wurde. Das Information Research Department (IRD) war eine Abteilung (des Britischen Außenministeriums ) ursprünglich Kommunistisches Informationsbüro (Communist Information Büro) genannt, das 1947 gegründet worden war. Dessen Hauptaufgabe bestand darin, den kommunistischen Einfluss weltumspannend zu bekämpfen, unter Politikern, Journalisten und Personen in öffentlichen Positionen weltweit Geschichten zu platzieren, um so auf die öffentliche Meinung einwirken zu können. Ein Artikel in der britischen Zeitung The Guardian von 1978 unterstellt, dass Conquest`s Arbeit darin bestand, zu der sogenannten „black history“ („Schwarze Propaganda“) über die Sowjetunion beizutragen. Mit anderen Worten Texte und gefälschte Geschichten als Fakten unter Journalisten und anderen einflussreichen Personen zu verbreiten mit dem Ziel die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Sein Buch, Der große Terror, ein im Wesentlichen ein anti-kommunistischer Text über den 1937 stattfindenden Machtkampf in der Sowjetunion. Es war faktisch ein Sammelwerk, das er geschrieben hatte, als er für den Geheimdienst arbeitete. Das Buch wurde mit der Unterstützung des IRD fertiggestellt und herausgebracht. Ein Drittel der Gesamtpublikation wurde von der Praeger Press gekauft, die normalerweise mit der Verbreitung von literarischen Publikationen aus CIA – Ursprüngen befasst war. Conquest`s Buch war bestimmt für „useful fools“ ( „nützliche Dummköpfe“), wie Universitätsprofessoren und Leute die in Presse Radio und Fernsehen arbeiteten. Bis zum heutigen Tage bleibt Conquest für antikommunistische Historiker eine der wichtigsten Hauptquellen für historisches Material über die Sowjetunion. http://www.fact-index.com/r/ro/robert_conquest.html Der Artikel in The Guardian von 1978 dokumentiert die Propagandaaktivitäten des IRD: David Leigh, „Death oft the Departement that never was“ („Der Tod der Abteilung die es nie gab“.) The Guardian, 27. Januar 1978, S.13; auf: http://WWW.cambridgeclarion.org/e/fo_deceit_unit_graun_27jan1978html Eine Reproduktion des Originals kann heruntergeladen werden auf: http://www.mariosusa.se/TheGuardianFridayJanuary271978050831_Sida_1.jpg sowie auf: http://www.mariosusa.se/TheGuardianFridayJanuary271978050831_Sida_2.jpg Arch Getty weist in seiner Doktorarbeit (aber nicht in dem Buch, dass er aus dieser verfasste) hin: „Die dominante Tendenz (beim Verfassen der „Säuberungen“) war, ohne Weiteres alles beliebige von Emigranten zu glauben, während alle Wahrheiten über die stalinistische Seite abgeleugnet wurden. Wenn sich jemand ein ausgewogenes Bild über Zar Iwan IV. („Der Schreckliche“) machen möchte, würde man ja auch nicht die Beschreibungen des während der Periode des russisch-polnischen Krieges in Polen im Exil lebenden Prinzen Kubisky akzeptieren. Wenn jemand sich ein ausgewogenes Bild über Mao Tse Tung`s Regierungsform in China machen möchte, würde man wohl auch nicht Tschiang Kai Schecks Version der früher 1950ger Jahre als essentiell zuverlässig betrachten. Falls der Eine an einer solchen Sichtweise nicht interessiert sein würde, ein anderer würde es aber. Die scheinbaren Ungeheuerlichkeiten von Stalins Verbrechen und eine Generation von Kalten Kriegs – Gesinnungen haben dazu beigetragen zu akzeptieren, was in anderen wissenschaftlichen Bereichen als schlampige Forschung angesehen würde.“ Getty weist ebenfalls darauf hin, dass Conquest, spezialisiert in antikommunistischer Propaganda, verkleidete diese als Wissenschaft, während er für den britischen Geheimdienst arbeitete. „Manchmal war die „Gelehrsamkeit“ mehr als einfach nur nachlässig. Neueste Untersuchungen von britischen Geheimdienstaktivitäten ( in der Folge von US Nach-Watergate-Enthüllungen) legen nahe, dass Robert Conquest, Verfasser des hoch einflussreichen Großen Terror, akzeptierte Zahlungen von britischen Geheimdienstagenturen für bewusst gefälschte Informationen über die Sowjetunion. Infolgedessen können die Arbeiten eines solchen Individuums von seinen Kollegen in der westlichen akademischen Gemeinschaft kaum als zuverlässige wissenschaftliche Arbeit berücksichtigt werden.“ Getty, „The Great Purges Reconsidered“, Ph.D. dissertation, BostonCollege, 1979,S.48 Im Jahre 1980 interviewte ich Professor John Hazard von der Columbia Universty, zu der Zeit der Weltexperte in sowjetischem Rechtswesen. Hazard sagte mir, das Leute im Feld der sowjetischen Studien ihm mitgeteilt hatten, dass der britisch Geheimdienst für Conquest die Recherchen anstellte. …Conquest (Terror, 754) … macht das erstaunliche Statement, dass „Wahrheit kann nur in der Form von Gerüchten durchsickern“ Und weiter, „In politischen Angelegenheiten ist das Beste grundsätzlich – obwohl nicht unfehlbar – das Gerücht als Quelle …“ Er glaubte, dass der beste Weg Gerüchte zu überprüfen, sei diese mit anderen Gerüchten zu vergleichen – eine dubiose Vorgehensweise, berücksichtigt man die Tatsache, dass die Emigranten untereinander ihre Werke gelesen haben. Selbstverständlich, Historiker können weder Gerüchte noch Geschichten vom Hörensagen als Beweise in irgend einem anderem Gebiet der Geschichte akzeptieren. Getty, „The Great Purges Reconsidered“, Ph.D.dissertation, BostonCollege, 1979,S.64, Anmerkung 57. Diese Passage ist auch angegeben in Getty, Origins of the Great Purges. The Soviet Communist Party Reconsidered, 1933-1938. (New York and Cambridge: Cambridge University Press, 1985) S.5 und Anmerkung 12, S.222. Bereits im Jahre 1979 folgerte Getty: „Die hier angenommene Anschauungsweise, dass die Interpretation der „großen Säuberungen“, wie die von Fainsod und Conquest, ist gravierend fehlerhaft, kann nicht als vorhandener Nachweis gelten, und ist deshalb nicht länger haltbar. (53) Eine weiterer guter Hinweis auf Conquest`s Unehrlichkeit ist der Artikel von Robert W. Thurston, „On Desk-bound Parochialism, Commonsense Perspective, and Lousy Evidence: A Replay to Robert Conquest“ in Slavic Review 1986, 238-244. Ich kenne keinen anderen offiziell anerkannten Wissenschaftler auf dem Feld der sowjetischen Geschichte, der es jemals gewagt hatte, Conquest in einer etablierten Zeitschrift so frontal anzugreifen. Conquest erwiderte in dem er Thurstons Buch über die Geschichte der UdSSR der 1930ger Jahre schlechtmachte, als es von Yale University Press im Jahre 1996 herausgegeben wurde. Thurstons Buch war zu diesem Zeitpunkt und ist bis heute mit Abstand das beste Buch über diese Periode, weil es den reflexhaften Antikommunismus und die Anti-Stalin-Linie ablehnt und sich nur strikt an belegbare Tatsachen hält, wenn auch mit nur einer Handvoll von kleinen Fehlern. Thurston publizierte auch einen hervorragenden Artikel, in dem er die Unehrlichkeit der Bezeichnung „Großer Terror“ nachweist, er aufzeigt, dass nur sehr, sehr wenige Menschen tatsächlich „terrorisiert“ wurden. „Fear and Belief in the UdSSR`s“Great Terror“: Response to Arrest, 1935-1939“. Slavic Review 45 (1986), 214-234. Dieser Artikel entlockte Conquest eine feindliche, aber äußerst schwache Erwiderung, zu der Thurston mit dem Artikel über „miserable Beweise“ („lousy Evidence“ , wie oben angegeben) antwortete. Nachdem Conquest`s Buch über die Hungersnot in der Ukraine, Die Ernte des Todes. (The Harvest of Sorrow) 1980 erschienen war, wurde dieses von den antikommunistischen Experten auf der Feld der sowjetischen Geschichte grundsätzlich abgelehnt. Einige Zitate aus einem Artikel von Jeff Coplon können nachgelesen werden in: „In Search of a Soviet Holocaust. A 55- year old Famine Feeds the Right“. Village Voice, 12. Januar 1988. Colons Artikel mit Zitaten der antikommunistischen Geschichtswissenschaftler ist auf: https://msuweb.montclair.edu/~furrg/vv.html Selbstverständlich war es keine „vorsätzliche Hungersnot“. Im Gegenteil. Die Kollektivierung machte den Hungersnöten in Russland und in der Ukraine ein Ende. Conquest zog später seine Meinung zurück, dass Stalin die Hungersnot bewusst verursacht hatte. „Unsere Meinung über Stalin und die Hungersnot ist nahe der von Robert Conquest, der früher als der Verfechter der Ansicht angesehen wurde, dass Stalin die Hungersnot vorsätzlich verursacht und in völkermörderischer Manier gehandelt habe. Im Jahr 2003 teilte uns Dr: Conquest schriftlich mit, in dem er uns erklärte , dass er nicht mehr der Meinung sei, Stalin habe vorsätzlich die Hungersnot in 1933 angezettelt. Nein. Mein Argument ist, mit einer resultierenden Hungersnot bevorstehend, er hätte diese verhindern können, aber er behandelte „sowjetische Interessen“ vorrangig vor der Ernährung der Hungernden – dadurch begünstigte er diese bewusst“. W. Davies & Stephen G.Wheatcroft. “Debate. Stalin and the Soviet Famine of 1932-33 : A Replay to Ellman.” Europe-Asia Studies 58 (4) Juni 2006, 629; auch in Davies & Wheatcroft, The Years of Hunger: Soviet Agriculture, 1931-1933, (Basingstoke, Palgrave Macmillan, 2004), 441n. 145. Über diese Zitate und mehr , siehe mein Buch : Grover Furr, Blood Lies. The Evidence that Every Accusation Against Josef Stalin and the Soviet Union in Thimothy Snyder`s Bloodland Is False. ( New Kork: Red Star Publications, 2014), Chapter1 “The Main-Made Famine” and “Deliberate Famine” Arguments in Bloodlands ,Chapter1” Nach der Veröffentlichung meines Buches Chruschtschows Lügen in Russland wurde ich von der literatur-kulturellen Zeitschrift interviewt. Der Befrager stellte mit doch recht hartnäckige Fragen, wogegen ich keine Einwände hatte! Ein Teil meiner Antworten waren über Robert Conquest`s Buch Der Große Terror: Als Doktorrand von 1965-1969 opponierte ich gegen den US-Krieg in Vietnam. Zu irgendeinem Zeitpunkt sagte mir jemand, dass die vietnamesischen Kommunisten keine „good gays“ (hier etwa „akzeptierbare Kerle“) sein könnten, weil sie alle „Stalinisten“ seien und „Stalin habe Millionen von Menschen umgebracht.“ Ich erinnerte mich an diese Bemerkung. Das war vielleicht der Grund, weshalb ich früh in den 70er Jahren die erste Ausgabe von Robert Conquest`s Buch Der Große Terror lesen konnte. Ich war erschüttert von dem was ich dort las! Ich möchte hinzufügen, dass ich die russische Sprache beherrschte seit ich russische Literatur auf der Hochschule studiert hatte. Deshalb studierte ich Robert Conquest`s Buch sehr sorgfältig. Offensichtlich hatte niemand das zu dem Zeitpunkt getan! Ich entdeckte, dass Conquest sehr unehrlich in seinem Gebrauch von Quellen war. Seine Fußnoten belegten nicht seine Anti-Stalin – Schlussfolgerungen! Im Grunde genommen gebrauchte er jede mögliche Quelle die Stalin feindlich gegenüberstand, bedenkenlos und ohne sich um ihre Zuverlässigkeit zu kümmern. „The Sixty-One Untruths of Nikita Khrushchev“. Auf: https://msuweb.montclair.edu/~furrg/research/litrossianterv0608_eng.html Conquest – mit der Unterstützung des britischen Geheimdienstes – übernahm die Lügen über Stalin, zusammengebraut unter Chruschtschow und von ihm selbst, und fügte diesen mehr Lügen aus westlichen antikommunistischen Quellen hinzu, wie die von Alexander Orlow und Walter Krivitsky und präsentierte das dann als „Geschichtsschreibung.“ Conquest`s Der Große Terror hat sehr viele Fußnoten, die dazu angelegt sind den gebildeten, aber naiven Leser zu täuschen. Aber diese Fußnoten machten es mir möglich nach zu weisen, dass Conquest verlogene Beweise benutze und niemals irgendeinen seiner antikommunistischen, antistalinistischen Behauptungen mit nachprüfbaren Tatsachen belegte. 25 Jahre später, als Gorbatschow die antikommunistischen und antistalinistischen Lügen Chruschtschows übernahm, sie wiederholte und diesen seine eigenen Lügen hinzufügte, bewegte dies Conquest dazu, eine neue Ausgabe von Der Große Terror herauszubringen und beanspruchte: „Ich hatte Recht“. „Recht“ er hatte nicht. Gorbatschow erzählte einfach nur dieselbe Art von Lügen und nicht selten genau dieselben Lügen über die Stalinperiode, die Chruschtschow und seine Handlanger in die Welt gesetzt hatten. Conquest erhielt eine große Anzahl von Ehrungen, von imperialistischen Massenmödern, von Margret Thatcher bis Ronald Reagan und darüber hinaus. Er verdiente ihr Lob. Er erhielt zusätzlich auch einen bequemen und hochbezahlten Job am Hoover Institut. Das sind die Belohnungen für die Verbreitung der Lügen im Dienste der Antikommunisten. Wir sollten erkennen, dass niemand, belohnt von den Hauptmassenmördern der Weltgeschichte, jemals die Wahrheit sagen kann. Wir alle, die für eine bessere und kommunistische Welt kämpfen, sollten von den Erfolgen und den Fehlern der Sowjetunion der Stalinära und der weltweiten kommunistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts lernen, nachahmen was richtig war und uns bemühen, die gemachten Fehler zu vermeiden. Lasst uns deshalb unsere Verpflichtung und Anstrengungen verdoppeln.

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