Freitag, 12. Juli 2013
„Die Privatisierung – das war der ‘heilige Krieg’ gegen die Kommunisten. Und Geld spielt im Krieg keine Rolle, die Opfer zählen nicht.“ Tschubais geht aus sich heraus und sagt viele gescheite Worte. Tschubais sagt: „Wir beschäftigten uns nicht mit dem Sammeln von Geld, sondern mit der Vernichtung des Kommunismus.“
Das Klassenbewusstsein der Eliten
Übersetzung aus dem Russischen: I.W.
Manchmal bricht bei denen, in deren Händen sich heute die wirtschaftliche und politische Macht konzentriert, unerwartet das von einer dichten Demagogie sorgfältig maskierte Klassenbewusstsein ans Licht. Dann sehen wir das wahre Wesen der erfolgreichen „Unternehmer“ und effizienten Politiker, in ihrer bestimmt nicht beneidenswerten Lage. Und hier gibt es wirklich nichts, um das sie zu beneiden wären. Diese moralischen Missgeburten, die für die Höhe ihrer Gewinne bereit sind, die Hälfte der Welt zu zerstören, sehen in den Menschen, die den ganzen Wohlstand der Zivilisation schaffen, eine Ressource, die man mit aller Härte behandeln muss – damit die untereinander konkurrierenden Sklaven lieber arbeiten und sich davor fürchteten, auf die Straße zu gehen.
„Die Privatisierung – das war der ‘heilige Krieg’ gegen die Kommunisten. Und Geld spielt im Krieg keine Rolle, die Opfer zählen nicht.“ Tschubais geht aus sich heraus und sagt viele gescheite Worte. Tschubais sagt: „Wir beschäftigten uns nicht mit dem Sammeln von Geld, sondern mit der Vernichtung des Kommunismus.“ … er meint: „Wir beschäftigten uns mit der Vernichtung Russlands“. Und dieser Mensch ist in Russland noch an der Macht. Und er zerstört noch!
Anatoli Tschubais über die Ziele der Privatisierung:
„ … Der Westen kann das nicht beurteilen! Kaum jemand versteht das im Westen. Wir beschäftigten uns nicht mit dem Sammeln von Geld, sondern mit der Vernichtung des Kommunismus. Es ist verschiedene Aufgaben, mit verschiedenem Wert. Es gibt wenige, die im Westen verstehen, was Kommunismus in Wirklichkeit ist und welchen Preis unser Land dafür bezahlt hat. Es gibt wenige, die das im Westen verstehen.
Was bedeutet Privatisierung für einen normalen westlichen Professor, für irgendeinen Jeffrey Sachs? Der in diesem Zusammenhang schon fünf Mal seine Meinung geändert hat, und der zu dem Schluss gekommen ist, dass man die Privatisierung aufheben muss und alles von neuem beginnen. Für ihn ist das, entsprechend den westlichen Lehrbüchern, ein klassischer Wirtschaftsprozess, in dessen Verlauf die Kosten optimiert werden, um die vom Staat übergeben Aktiva in höchsten Grade effektiv in private Hände zu übertragen. Und wir wussten, dass jeder verkaufte Betrieb ein Nagel im Sargdeckel der Kommunisten ist. Ob er teuer ist oder billig oder umsonst oder mit Zuschlag – das ist die zwanzigste Frage, die zwanzigste. Und die erste Frage ist die: jeder private Besitzer in Russland, der daherkommt ist eine Unumkehrbarkeit. Er ist eine Unumkehrbarkeit. Genauso, wie wir am 1. September 1992 Jahre mit dem ersten ausgestellten Voucher den Roten den Beschluss über die Beendigung der Privatisierung in Russland buchstäblich aus den Händen gerissen haben, genauso bewegten wir uns mit jedem folgenden Schritt in eben derselben Richtung.
Bis 1997 war die Privatisierung in Russland überhaupt kein Wirtschaftsprozess. Sie löste Aufgaben in einem ganz anderen Maßstab, was wenige hier damals verstanden haben, umso mehr aber im Westen. Sie löste die Hauptaufgabe – den Kommunismus zu beenden. Wir haben diese Aufgabe gelöst. Wir haben sie vollständig gelöst. Wir hatten sie von dem Moment an gelöst, als bei den Wahlen im Jahr 1996 Sjuganow[1] auf die Losung «Nationalisierung des Privateigentums» verzichtete. Er hat nicht deshalb darauf verzichtet, weil er das Privateigentum liebgewonnen hatte, sondern deshalb, weil er verstand, dass – wenn du die Macht in diesem Land haben willst, dann ist es Wahnsinn das zurückzunehmen. Das bei dir selber zurückzunehmen, erscheint nicht wenig. Genau damit haben wir ihn – unabhängig von seinem Wunsch – gezwungen, nach unseren Regeln zu spielen, und genau das ist es, was man auch erreichen musste. Und für den Sachs war das billig, wäre es teuerer geworden, hätte man die Prozedur ändern müssen. Wir haben andere Aufgaben gelöst, diese Aufgabe haben wir gelöst.“
* * *
Wer ist dieser Jeffrey Sachs? Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_Sachs
Er ist ein amerikanischer Ökonom, einer der Ausarbeiter der Politik einer „Schocktherapie“ in Bolivien, Polen und Russland. Seit Herbst war 1991 bis zum Januar 1994 war er Leiter der Gruppe der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Boris Jelzin. Das Folgende hat sogar einmal ein Monetarist über ihn gesagt:
„Die Hauptsache, was wir sahen, war der enorme Gegensatz zwischen der Rhetorik der ‘Reformatoren’ und ihren realen Handlungen … Und, wie mir scheint, übertraf die russische Führung dabei sogar die phantastischsten Vorstellungen der Marxisten über den Kapitalismus: sie hielten es so, dass es die Aufgabe des Staates ist, einem kleinen Kreis von Kapitalisten zu dienen, damit die sich ihre Taschen möglichst schnell mit möglichst viel Geld füllen konnten. Das war keine ‘Schocktherapie’. Es war eine böswillige, absichtliche und gut durchdachte Aktion, die auf die großangelegte Umverteilung der Reichtümer im Interesse eines engen Personenkreises abzielte.“
Das Interview mit Jeffrey Sachs am 15. Juni 2000 lesen Sie hier:
http://www.pbs.org/wgbh/commandingheights/shared/minitext/int_jeffreysachs.html#16 (engl.)
Und hier ein Zitat aus dem Buch von A.P. Parschew «Warum Russland nicht Amerika ist»:
Wenn die Reformatoren Russland hätten umwandeln wollen, so wäre ihnen eine feste Basis das Wichtigste gewesen – nämlich die Unterstützung durch die Bevölkerung. Ja, ich wäre auch mit Gaidar[2] und Tschubais[3] einverstanden gewesen! Aber warum haben ausgerechnet sie selbst das (im politischen Sinn) am meisten verhindert? Weil es nach der Unordnung der Basis nur im Konjunktiv möglich gewesen wäre, etwas über eine Unterstützung durch den Staat zu sagen. Eine bewusste Unterstützung der Reformen war unmöglich geworden. Hat sich irgendjemand darum bemüht, etwas Derartiges zu unternehmen? Nein, natürlich nicht.
Das oben gesagte hätte man nicht machen können, wenn es nicht die Notwendigkeit gegeben hätte, zu erklären: alles was bei uns im Land geschieht, ist auf keine Weise mit einer «Marktreform der Wirtschaft» verbunden. Aus der Analyse der Handlungen der ‘Reformatoren’ war jedoch gut sichtbar, dass das Ziel ein anderes war. Und sie haben nicht einfach nur die Situation der Abneigung Russlands demgegenüber übersehen. Somit bestand das Wesen der Reformen nicht im Aufbau irgendwelcher mystischer “Marktmechanismen”. Das Wesen bestand in der einfachen und brutalen Enteignung der Einkünfte des Staates zugunsten eines Haufens von Privatpersonen, ohne den Versuch, einen solchen privaten Unternehmerkapitalismus aufzubauen. Alle Rufe über die «Fortsetzung des Reformkurses» und einen «zivilisierten Markt» waren nur Rauchschleier, ein Klappern für die Kretins. Es ist sinnlos, hier eine Logik zu suchen. Hier gab es keine Ökonomie. Es ging einzig und allein um den Kampf gegen den Kommunismus!
Quelle: http://www.pravda-tv.ru/2010/08/23/4364
[1] Gennadi Andrejewitsch Sjuganow: Vorsitzender der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF)
[2] Jegor Timurowitsch Gaidar: Rechtsliberaler russischer
Politiker (Union der rechten Kräfte). Unter Jelzin brachte er es zum Wirtschaftsminister Russlands
[3] Anatoli Borissowitsch Tschubais: „Gaidar, Boris Nemzow und Tschubais wurden als Junge Reformer bezeichnet und werden assoziiert mit der Schocktherapie, der Privatisierung (siehe auch Coupon-Privatisierung) und den sehr umstrittenen Kredite-für Aktien-Privatisierungen, sowie dem Aufstieg der Oligarchen.“ (Wikipedia)
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