Sonntag, 28. Juli 2013

Internationale Logistikbranche "fährt" über Leichen

26.07.13 - Das schwere Zugunglück in Spanien mit mittlerweile 80 Toten reiht sich in eine Kette verschiedener Unglücke unterschiedlicher Schwere ein, die in den letzten Monaten passiert sind. Am 6. Juli war eine Boeing 777 der „Asiana Airlines“ mit 307 Menschen an Bord beim Landeanflug auf den Airport von San Fransisco zu tief eingeflogen und gecrasht. Anschließend hatte die Maschine Feuer gefangen. Drei Menschen starben bei dem Unfall. 182 wurden verletzt. Nur einen Tag später, am 7. Juli, stürzte eine DHC-3 Otter der Fluggesellschaft „Rediske Air“ bei dem Ort Soldotna in Alaska ab. Hier fanden zehn Menschen den Tod. Am 21. Juli stürzte ein Eurocopter 120B nach einem missglückten Startversuch im Oblast Murmansk in Russland ab. Dabei wurden zwei britische Passagiere und ihr Übersetzer, die noch auf dem Start- und Landeplatz standen von den Rotorblättern des Hubschraubers erfasst und getötet. Vor vier Tagen, am 22. Juli, crashte eine Boeing 737-700 der „Southwest-Airlines“ auf dem Flughafen New York-LaGuardia. Das Flugzeug hatte beim Aufsetzen das Bugfahrwerk verloren. Dabei wurden acht Menschen leicht verletzt, davon mussten sechs mit Schürfwunden ins Krankenhaus. Die Häufung dieser Unfälle wirft die Frage nach den Hintergründen und dem „Warum“ auf. Wenn sich zum Beispiel im Fall des spanischen Zugunglücks die bürgerlichen Massenmedien wie die Geier auf den Lokführer stürzen, ist das nichts anderes als die Suche nach dem berühmten Sündenbock. Seit Jahren werden Wartungsintervalle bei Bussen, Bahnen und Flugzeugen wissentlich verlängert. Die Eisenbahn- und Fluggesellschaften, egal ob staatlich oder privatisiert sparen beim Wartungspersonal und bei den Piloten, bzw. Lokführern. Die vorhandenen Kräfte werden einem unmenschlichen Arbeitsdruck ausgesetzt. Sie müssen mit weniger Personal die gleichen Leistungen bringen wie zuvor und erhalten dabei weniger Zeit zur Regeneration. Die Vorstände dieser Unternehmen, deren Hauptumsatz mittlerweile vor allem mit dem Transport von Gütern gemacht wird, wollen Maximalprofite um jeden Preis erwirtschaften, um im mörderischen internationalen kapitalistischen Konkurrenzkampf zu überleben. Deshalb ist auf dem internationalen Logistikmarkt seit Jahren eine wahre Übernahmenschlacht im Gange. Dazu schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Ähnlich der 'Deutschen Post', die erst durch vielfältige Übernahmen - darunter 'DHL', 'Danzas' oder 'Exel' - zu einem globalen Logistikkonzern wurde, versuchen zum Beispiel die (ehemaligen) Staatsbahnen von Italien oder Deutschland, sich zusätzliche Standbeine im Ausland zu schaffen. So übernahm die 'Deutsche Bahn' Güterbahnen in den Niederlanden und Dänemark als Töchter in den 'Railion' Konzern. Zugleich kaufen sich ausländische Staatsbahnen in Deutschland ein. So hat die italienische T'renitalia Carg' ihre Anteile an der 'TX Logistik AG' auf über 50 Prozent erhöht. Mit dieser Strategie sind die Staatsbahnen allerdings nicht allein. Auch private Bahn- und Logistikkonzerne bemühen sich verstärkt um neue Märkte." Wer dabei nicht mithalten kann, wird selbst übernommen. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Bereich Luftfahrt. Auch hier schließen sich die großen Fluggesellschaften entweder zu großen Zusammenschlüssen - wie zum Beispiel der "Star Alliance" - zusammen, oder sie fusionieren miteinander um sich gegenseitig zu überbieten und nicht pleite zu gehen. Beispiele dafür sind der Zusammenschluss aus niederländischer "KTM" und französischer "Air France" oder die Fusion von "Iberia" und "British Airways". Die staatliche spanische Eisenbahngesellschaft „RENFE“ zu der der Unglückszug vom 24. Juli gehört, hat seit ihrer „Neuordnung“ im Jahr 2005, die das Unternehmen auf den Wettbewerb auf der Schiene ausrichten sollte, allein im Jahr 2010 zwei Unglücke, eines davon mit dreizehn Toten, zu verzeichnen. Sicher muss der Lokführer des Unglückszugs von Santiago de Compostela klar verurteilt werden, wenn er tatsächlich eine Kurve, die nur für 80 km/h ausgelegt ist, mit 190 km/h passiert hat, dass darf aber nicht von der Verantwortung der Logistikunternehmen für die oben genannte Entwicklung ablenken. Ein System, das nicht nur zulässt, dass derartige furchtbare Unglücke passieren, sondern, dass das Risiko wissentlich eingeht und somit für Höchstprofite über Leichen marschiert, hat keinerlei Berechtigung mehr auf dieser Welt. Die Alternative für einen modernen Öffentlichen Personen-Nah- und Fernverkehr, bei dem die Devise „Dem Volke dienen“ im Vordergrund steht, heißt echter Sozialismus.

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