Mittwoch, 19. Dezember 2018

Im Augenblick war Hitler sprachlos (Otto Köhler)


Man kann sie leicht durcheinanderbringen. Beide heißen August von Finck. Der eine war der Vater (1898–1980), der andere (*1930) ist noch immer der Sohn. Aber dann hören die Unterschiede auch schon wieder auf: Der eine hatte für die SA Millionen bereitgestellt – der andere zahlt heute für die AfD. Da gibt es also kaum etwas zu verwechseln. Aber viel zu verschweigen. Besonders, wenn man als deutsches Nachrichtenmagazin eine delikate Aufgabe hat.

Am 24. November brachte der Spiegel eine Acht-Seiten-Titelgeschichte: »Der Milliardär und die AfD. Wie geheime Spenden die Rechtspopulisten groß machten«. Inhalt: Milliardär August von Finck, junior, hat mit seinen geheimen Spenden die FDP – »Mövenpick« – klein und die AfD groß gemacht. Doch über den Vater, der mit sowas angefangen hat, steht in der ganzen großen Titelgeschichte nur ein einziger kleiner Satz: »Fincks Vater August senior war ein Bewunderer Hitlers und finanzierte die Nazis.«

»Hitler aus nächster Nähe«, so heißen die Aufzeichnungen des ehemaligen Generalstabsoffiziers Otto Wagener, der von 1929 bis 1932 Hitlers engster Mitarbeiter in Wirtschaftsfragen war.

Der Grund: Die Nazis brauchten 1931 die Bereitstellung von einigen Millionen, damit ihre SA sofort mit Waffen ausgerüstet werden konnte, wenn es zu Unruhen käme. Das musste man ausgewählten Vertretern der deutschen Wirtschaft im persönlichen Gespräch mit Hitler klarmachen. Wagener zu seinem Führer: »Wir brauchen dazu nicht von Pontius zu Pilatus zu laufen. Sondern wir wenden uns dabei nur an die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft.« Der von der Interessengemeinschaft Farben finanzierte NS-Börsen-Journalist und spätere Wirtschaftsminister Walther Funk sollte einladen, er meinte aber: Im Hotel Sanssouci, wo Hitler immer abstieg, wenn er in Berlin war, konnte er die Creme der deutschen Wirtschaft unmöglich standesgemäß empfangen. Und so mietete er eine Suite im vornehmsten Haus am Platze, dem Kaiserhof.

Als erste erschienen dort der Allianz-Aufsichtsratsvorsitzende und Bankier August von Finck – heutzutage zur besseren Unterscheidung von seinem Sohn, dem AfD-Finanzier: Senior. Und der Generaldirektor der Allianz Kurt Schmitt (später als Vorgänger von Funk Reichswirtschaftsminister). Wagener: »Als sie um vier Uhr kamen, trug ihnen Hitler in etwa halbstündiger Rede seine Gedanken vor. Daran schloß sich noch eine kurze Unterhaltung, die durchblicken ließ, daß beide Herren die politische Lage angesichts der offenbaren Unmöglichkeit, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, schwarz ansahen und deshalb unbedingt über lang oder kurz mit Unruhen und einem großen Ruck nach links rechneten. Funk begleitete sie hinaus und kam nach 5 Minuten mit der Mitteilung zurück, daß der Allianz-Konzern im vorgesehenen Fall 5 Millionen Mark zur Verfügung stellen werde. Hitler war im Augenblick sprachlos.«

Zu Recht. Die Sturmabteilungen der Nazis waren nach einem kurzen Gespräch voller guter Argumente allianzversichert. Wagener: »Als Funk uns verlassen hatte, fragte Hitler, ob ich mit solchen Ziffern gerechnet habe. Als ich bejahte, sagte er: ›Da erkennt man erst, was die Großwirtschaft für eine Macht besitzt. Denn diese Millionen sind Macht. Und wenn sie die Millionen uns zur Verfügung stellen, dann können sie sie nicht gleichzeitig einer anderen Partei oder Organisation zur Verfügung stellen. Also geben sie uns ihre Macht.‹«
Am nächsten Morgen tanzten vom Deutschen Kali-Syndikat Geheimrat August Diehn und der Generaldirektor von Wintershall August Rosterg an und danach der Großindustrielle Günther Quandt. Da waren es dann schon 13 Millionen Mark. Und als am darauffolgenden Vormittag noch vier weitere Wirtschaftsmänner, deren Namen Wagener nicht nennt, ihre Aufwartung gemacht hatten, da waren von der in den Kaiserhof geladenen deutschen Wirtschaft insgesamt 25 Millionen zur Bewaffnung der SA bereitgestellt.

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So macht man das, Frau Weidel, Herr Gauland. Sie aber lösen ihre Sturmtruppen auf und schicken das Geld des Juniors zurück. Es war aber auch viel zu wenig.

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