Montag, 12. November 2012
DIE EIGENTÜMER VON 147 SUPERKONZERNEN BEHERRSCHEN DIE WIRTSCHAFT DER „WESTLICHEN WELT“
Diese Studie verschweigen die bürgerlichen Medien tunlichst
von Ernesto Carmona, chilenischer Publizist
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
Havanna, 6. November 2012, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 11. November 2012) – Eine Studie der Universität Zürich offenbarte, dass eine kleine Gruppe von 147 großen transnationalen Konzernen vor allem aus dem Finanzbereich und dem Bergbau- und Rohstoffbereich in der Praxis die Weltwirtschaft beherrscht. Die Studie ist die erste Studie, welche 43.060 transnationale Firmen analysiert und den Nebelschleier über den Eigentumsverhältnissen diesbezüglich lüftet. Dabei kam heraus, dass 147 Konzerne ausgemacht wurden, die einen „Superkonzern“ bilden, welcher 40% des Reichtums der Weltwirtschaft beherrscht.
Diese kleine Gruppe von Konzernen ist über personelle Verflechtungen zwischen den Vorstandsmitgliedern eng miteinander verknüpft und bildet ein wirtschaftliches Machtnetzwerk, welches für einen Zusammenbruch anfällig ist und laut Meinung von Fachleuten für das „systemeigene Risiko“ anfällig ist. Das Zensur-Forschungsprojekt der Sonoma-Universität des US-Bundsstaates Kalifornien entdeckte diese Meldung unter den von den Medien tunlichst verschwiegenen Meldungen. Der ehemalige Projektleiter Peter Phillips, Soziologieprofessor dieser Universität, und derzeit Vorsitzender der Stiftung Medienfreiheit/Zensurprojekt, führte diese Meldung in seiner Arbeit „Die globalen 1%: Eine Darstellung der transnationalen herrschenden Klasse“ mit der Unterschrift auch des Mitherausgebers Kimberly Soeiro an, welche auf www.ProjectCensored.org erschienen ist.
Die Autoren der Studie sind Stefania Vitali, James B. Glattfelder und Stefano Battiston, Wissenschaftler an der Universität Zürich in der Schweiz, welche die Arbeit am 26. Oktober 2011 unter dem Titel „Das Netzwerk der weltweiten Konzernherrschaft“ („The Network of Global Corporate Control“) in der wissenschaftlichen Zeitschrift PlosOne.org veröffentlichten.
Beim Vorstellen der auf PlosOne veröffentlichten Studie schrieben die Autoren: „Die Struktur des Netzwerks der Herrschaft der transnationalen Konzerne beeinträchtigt den Wettbewerb auf dem Weltmarkt und die finanzielle Stabilität. Bisher wurden nur kleine nationale Beispiele studiert. Und es gab keine geeignete Methodologie, um die Wirtschaftsmacht im Weltmaßstab einzuschätzen. Hier wird die erste Untersuchung der Architektur des Netzwerks an internationalem Eigentum zusammen mit der Berechnung der von jedem global player ausgeübten Funktion vorgestellt.
Wir fanden heraus, dass die transnationalen Konzerne eine gigantische Struktur bilden, wie ein Korbgeflecht, und dass ein Großteil der Machtströme zu einem kleinen Kern führen, welcher am stärksten im Finanzwesen konzentriert ist. Dieser Kern kann als eine wirtschaftliche Größe, eine 'Super-Einheit' angesehen werden, was neue wichtige Fragen aufwirft, und zwar sowohl für die Forscher als auch für die politisch Verantwortlichen.“
Die britische konservative Tageszeitung Daily Mail war wohl das einzige Blatt im bürgerlichen Medienwald dieser Welt, welches diese Meldung am 20. Oktober 2011 in einem Artikel von Rob Waugh unter der fragenden Titelzeile „Gibt es einen Superkonzern, der die Weltwirtschaft beherrscht?“ brachte. „Die Studie alarmiert, dass dieser Superkonzern verheerend instabil sein dürfte. Die Untersuchung fand heraus, dass 147 Konzerne einen 'Superkonzern' innerhalb der Weltwirtschaft ausmachen, welcher 40% des weltweiten Reichtums beherrscht“.
Waugh erklärt, dass die Studie der Universität Zürich „nachweist“, dass eine kleine Gruppe von Konzernen vor allem aus dem Bankbereich eine enorme Macht über die Weltwirtschaft ausübt. Als Herz der Weltwirtschaft wird in der Studie eine „Landkarte“ aus 1318 Konzernen ausgemacht, nachdem insgesamt 43.060 Konzerne analysiert worden waren.
Jene „147 vor allem Finanzkonzerne (...), welche 40% des weltweiten Reichtums aller Konzerne beherrschen, besitzen jeweils Anteile aneinander. Mehrheitlich geht es dabei um Großbanken, darunter die 20 größten Banken wie Barclays und Goldman Sachs. Aber die enge Verflechtung bedeutet, dass das Netzwerk äußerst anfällig für einen Zusammenbruch ist“, schreibt Waugh.
DIE WELTKARTE DES REICHTUMS
Die Einnahmen werden vom Ausmaß der Kreise dargestellt. Die roten Kreise sind „miteinander verflochtene Superkonzerne“, während die gelben Kreise „miteinander verknüpfte Konzerne“ sind. „Die 1318 transnationalen Konzerne, die den Kern der Weltwirtschaft bilden, weisen wechselseitige Eigentumsanteile auf, und das Ausmaß der Kreise entspricht den Einnahmen. Über diese Konzerne beherrschen deren Eigentümer den Großteil der 'realen' Wirtschaft“ (Illustration der Autoren, PlosOne, 26.10.2012).
„Im Endeffekt sind weniger als 1% der Konzerne dazu imstande, 40% des gesamten Netzwerkes zu beherrschen“ sagte Daily Mail James Glattfelder, Theoretiker für komplexe Systeme des Schweizerischen Bundesinstituts Zürich, einer der drei Autoren der wissenschaftlichen Untersuchung.
Einige in der Studie erarbeitete Aussagen sind kritisiert worden, so beispielsweise die Idee der Gleichsetzung von Eigentum mit Herrschaft. „Dennoch haben die Schweizer Wissenschaftler keinerlei persönliches Interesse, sondern sie beschränkten sich darauf, mathematische Modelle auf die Weltwirtschaft anzuwenden, wie sie gewöhnlich verwendet werden, um Natursysteme zu berechnen. Dabei nutzten sie Orbis 2007, eine Database, die 37 Millionen Unternehmen und Investoren umfasst“, berichtete Waugh.
Wirtschaftswissenschafter wie John Driffil von der Universität London, ein Fachmann für Makroökonomie, sagte der Zeitschrift New Scientist, dass der Wert der Studie nicht darin liegt zu ersehen, wer die Weltwirtschaft beherrscht, sondern sie zeigt die engen Verflechtungen zwischen den größten Konzernen der Welt. Der Finanzkollaps von 2008 zeigte, dass diese Art von eng vereinten Netzwerken sehr instabil sein dürfte. „Wenn ein Konzern Angst verspürt, dann greift das über“, so Glattfelder.
Für Rob Waugh und den Daily Mail gibt es ein „Aber“: „Es scheint wenig wahrscheinlich, dass die 147 Konzerne tief im Herzen der Weltwirtschaft eine reale politische Macht ausüben können, denn sie vertreten zu viele Interessen“, so versicherte es diese konservative britische Tageszeitung.
Der weltweite Reichtum wird auf rund 200 Milliarden Dollar geschätzt. Laut Peter Phillips und Kimberly Soeiro umfasst das 1 % reichster Bevölkerungsteil des Planeten Erde ungefähr 40 Millionen erwachsene Menschen. Diese Menschen bilden das reichste Segment in den ersten Rängen der Bevölkerung der am meisten entwickelten Länder und auch in den anderen Regionen.
Laut Buch von David Rothkopf „Die Superklasse: Die Elite der Weltmacht und die Welt, die sie gerade schaffen“, umfasst die Super-Elite mal gerade ca. 0,0001% (1 Millionstel) der Weltbevölkerung und setzt sich folglich aus 6000 bis 7000 Personen zusammen, laut anderen Quellen sind es 6660 Personen. In dieser Gruppe muss man die Eigentümer der 147 größten Konzerne suchen, die die Studie der Forscher von Zürich herausfand.
(Anmerkung von Jens-Torsten Bohlke: Unter dem Titel „DIE TOP TEN DER ZENSUR“ übersetzte ich bereits einen Artikel auf Cubadebate vom 14.10.2012 zur gleichen Thematik.)
Quellen und Verweise:
● Stefania Vitali, James B. Glattfelder, und Stefano Battiston, „The Network of Global Corporate Control,” Public Library of Science, October 26, 2011, http://www.plosone.org/
● Rob Waugh, „Does One ‘Super Corporation’ Run the Global Economy? Study Claims it Could be Terrifyingly Unstable,” Daily Mail, October 20, 2011, http://www.dailymail.co.uk/
● Stefania Vitali, James B. Glattfelder, Stefano Battiston, Revista PlosOne, 26 de octure 2011
http://www.mediafreedominternational.org/
● Peter Phillips und Kimberly Soeiro, „The Global 1%: Exposing the Transnational Ruling Class”
http://www.projectcensored.org/top-stories/articles/the-global-1-exposing-the-transnational-ruling-class/
Forschungsstudent: Sean Lawrence ( Sonoma State University )
Akademischer Gutachter: Peter Phillips ( Sonoma State University )
http://www.cubadebate.cu/
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