Freitag, 16. November 2012
Belgiens Arbeiterklasse marschiert für die Zukunft und fordert das RECHT AUF ARBEIT, LOHN UND BROT
von Jens-Torsten Bohlke
Kommunisten-online vom 13. November 2012 –
„Genkenaaren steunen elkaar“ („Genker helfen einander“) steht auf dem Spruchband am Werkstor von Ford Genk, daneben das symbolisch durchgestrichene Logo von Ford als Zeichen der Verbitterung der Ford-Autoarbeiter in Genk.
DAS SOZIALE BLUTBAD FÜR EINE GANZE PROVINZ BELGIENS DROHT
4300 von ihnen bekommen die Entlassungsbriefe, weil das Werk 2014 geschlossen werden wird. In den Zulieferbetrieben ringsum sind weitere über 5000 Arbeitsplätze gefährdet, so dass von insgesamt 10.000 verlorenen Arbeitsplätzen die Rede ist. Die Arbeiter wollen jedoch nicht klein beigeben, sondern um ihre Arbeitsplätze und den Erhalt des Werkes kämpfen. Was nicht heißt, dass sie dies nur von Ford abhängig machen. Bevor jedoch nicht geklärt ist, dass Ford für die sozialen Folgen der Massenentlassungen kräftig zu zahlen hat, wird kein im Fordwerk Genk produziertes Auto mehr das Werk verlassen. Und ab 2014 könnten ja auch belgische Busse oder andere Fahrzeuge im Werk produziert werden, so die Meinung der kämpferischen Arbeiter.
ZU HOHE LOHNKOSTEN? EIN AMMENMÄRCHEN FÜR IDIOTEN ...
Im Gewerkschafterbus zum Fordwerk Genk wurden klare Fakten benannt. 5,5% beträgt der Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten der Autoproduktion im Fordwerk Genk. Es kann also nicht an „zu hohen Lohnkosten“ liegen, dass das Werk schließt. Sondern es liegt an der Überproduktion durch die großen Konzerne, denn wir haben es mit einer kapitalistischen Überproduktionskrise zu tun. Diese Wahrheit verkündet im Gewerkschafterbus nicht etwa ein Sprecher des kommunistischen Jugendverbandes COMAC, sondern die zuständige Gewerkschaftssekretärin der einst aus der christlichen Arbeiterbewegung hervorgegangenen ACV.
FORD IST NICHTS WEITER ALS EIN PROFITGIERIGER US-KONZERN
Natürlich benennt sie auch die über 8 Milliarden Dollar Rekordprofit von Ford weltweit im letzten Jahr. Und sie verschweigt nicht, dass in der Bilanz auch ein Verlust von 1 Milliarde Dollar bei Ford in Europa aufgelistet ist. In Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal ist der Umsatz für Ford um über 50% eingebrochen. Autos kaufen keine Autos! Gebt den Menschen sichere Arbeitsplätze mit guten Löhnen, und sie werden sich auch wieder ein Auto leisten können.
PROFITSICHERUNG DURCH MASSENENTLASSUNGEN - SO DIE LOGIK DES KAPITALS
2010 hatte Ford mit den belgischen Gewerkschaften einen Zukunftsvertrag geschlossen und darin Bestandssicherheit für das Fordwerk Genk bis 2020 zugesichert. Im Gegenzug wurden die Fordarbeiter zur Mehrarbeit bei 12% Lohneinbußen verpflichtet, was für Ford die Lohnkosten unter das Niveau in den deutschen Fordwerken drückte. Dieser Vertrag, an welchem auch die Regionalregierung von Flandern mit Subventionszahlungen an Ford beteiligt ist, wird nun gebrochen. Die Gewerkschaften wollen nun gemeinsam mit der flämischen Regierung gegen Ford vor Gericht ziehen. Dass sie allein damit die sicherlich in Detroit beim Konzernvorstand von Ford beschlossene Werksschließung verhindern können, glauben sie jedoch nicht. Die einzige Chance, Ford zum Weiterbetrieb des Werks zu zwingen, liegt nach ihrer Meinung darin, das Schließen teurer als eine Erhaltung des Werkes zu machen.
NICHT NUR BELGIENS ARBEITERKLASSE STEHT AUF
Der Demonstrationszug begann im Zentrum der Stadt Genk und führte von dort aus zur Steinkohlenzeche Genk-Winterslag auf einer Strecke von über zwei Kilometern. Freundliche Stadtpolizisten übernahmen die Verkehrsregelung. Bürgermeister und Vertreter aller politischen Parteien, Geistliche, Universitätsrektoren, Schöffen sowie die Spitzen der Gewerkschaften führten den Demonstrationszug an. Aufsehen erregte die recht starke Delegation der Kölner IG Metall aus Deutschland mit immerhin 500 Teilnehmern, welche sehr freundlich von den belgischen Kollegen empfangen wurden. Ebenso erschien eine bejubelte Delegation der Fordwerker aus Valencia (Spanien). Mit 15.000 Teilnehmern am „Marsch für die Zukunft“ war gerechnet worden, es wurden jedoch mehr als 20.000 Teilnehmer amtlich gezählt. Viele Gewerkschafter nahmen einfach aus Solidarität teil.
„WIR LASSEN UNS NICHT FÜR DIE AMERIKANER ABSCHLACHTEN!“
Die Kampfdemonstration der Arbeiterklasse Belgiens strahlte durchaus Selbstbewusstsein in die Kraft der Arbeiter aus. „Wir lassen uns nicht einfach abschlachten für die Amerikaner“, Wir sind keine Sklaven“, „Fuck Kapitalismus“, „Ford soll uns jetzt den Vorruhestand ab 50 bezahlen“, „Wir wollen die Zukunft vor allem auch für unsere Kinder“. Mäuschenstill wurde es, als ein sehr bewegender Brief der Kinder der gefeuerten Fordwerker verlesen wurde. Den in stiller Anteilnahme zuhörenden Menschen standen die Tränen in den Augen, als die Arbeiterkinder fragten, wie ihre Eltern ohne Arbeit und ohne Lohn weiterhin dafür sorgen sollen, dass zuhause Brot auf den Tisch kommt, und dass Geld für Schule und Studium der Arbeiterkinder bereitsteht.
DER KLASSENKAMPF VERSTÄRKT SICH WEITER
Das zynische Verhalten des Konzerns Ford gegenüber den Beschäftigten in Genk hat erst Verzweiflung und dann Wut bei den Tausenden Betroffenen hervorgerufen. Die Wut schlug nicht in Zerstörungswut um. Vielmehr verhalten sich die Arbeiter bei ihren kämpferischen Protesten durchaus diszipliniert, bereiten die Gewerkschaften Aktionspläne vor. Der Fordkonzern soll vor allem beim Finanziellen getroffen werden, denn da schmerzt es das Monopolkapital am meisten. Zugleich wird sich das arbeitende Volk in und um Genk nicht damit abfinden, keinerlei Erwerbsmöglichkeiten in der Region mehr zu haben. Die PVDA war bei der Kampfdemonstration mit einer Bühne und einem Infostand gut vertreten und machte die Demonstrationsteilnehmer u.a. darauf aufmerksam, dass derzeit EU-Subventionen in die Türkei fließen, um dort für Ford eine Fabrik zu errichten. So öffnen immer mehr Arbeiter die Augen und nimmt der Klassengegner ganz konkret Gestalt für sie an. Und die Erkenntnis wächst, dass der Kapitalismus zum Scheitern verurteilt ist und auf revolutionärem Weg überwunden werden muss.
Quellen:
http://www.deredactie.be/cm/vrtnieuws.deutsch/nachrichten/121110_Ford%2BVerfahren%2BZukunftsvertrag
http://www.deredactie.be/cm/vrtnieuws.deutsch/mediatheek_de/1.1479439
http://www.deredactie.be/cm/vrtnieuws/regio/limburg/121111_Genk_mars
http://brf.be/nachrichten/national/499535/
http://www.netzwerkit.de/projekte/ford/nachrichten/news20121108-001#1352662414
http://www.abvv.be/
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