„... Der Staatsstreich, der in westlichen Medien gemeinhin als
Rückritt von Evo Morales präsentiert wird, nahm seinem Anfang mit dem
Überlaufen von Armee und Polizei zu den Regierungsgegnern. Der
Oberbefehlshaber der bolivianischen Streitkräfte, Williams Kaliman,
und der Oberbefehlshaber der bolivianischen Polizei, Yuri Calderón,
forderten am Wochenende den Rücktritt von Präsident Morales. Dies sei
notwendig, um Bolivien aus der sozialen und politischen Krise zu
führen, die das Land seit den Wahlen am 20. Oktober erlebe. Kaliman
und Calderón verlasen am Sonntag zwei Kommuniqués, in denen sie
Morales zum Rücktritt aufforderten. Auch kündigte die Armee am Sonntag
auch Luft- und Bodenoperationen gegen "illegale und bewaffnete
Gruppen" an, nachdem nach zu Angriffen auf Busse mit Regierungsgegnern
gekommen war. Zugleich gab es Berichte über Angriffe von
Scharfschützen auf Morales-Anhänger, die nach La Paz vorzudringen
versuchen. Auf dem zentralen Prado-Boulevard in La Paz und Oruro
marschierten derweil Dutzende Polizisten in einer Reihe mit
Regierungsgegner und skandierten Slogans gegen Morales, wie es in
einem Korrespondentenbericht der Nachrichtenagentur AFP heißt. Als die
Einwohner der Stadt El Alto im Departement La Paz am Montag gegen den
Staatsstreich protestierten, wurden sie von Polizei massiv attackiert.
Dabei kam ein kleines Mädchen ums Leben. "Nach dem ersten Tag des
Putsches geht die meuternde Polizei mit Schusswaffen vor und
provoziert Tote und Verletzungen in El Alto. Meine Solidarität mit den
unschuldigen Opfern, darunter ein Mädchen, und dem heldenhaften Volk
in el Alto, das die Demokratie verteidigt", schrieb Morales auf
Twitter. Polizei und Armee haben den Staatsstreich durch ihr
politisches Agieren und das Überlaufen zu den Regierungsgegnern erst
ermöglicht. Zumindest die Polizei ist bislang - in einem kompletten
Machtvakuum - führend daran beteiligt, Proteste Indigener und andere
Anhänger der Bewegung zum Sozialismus mit zunehmender Brutalität zu
unterdrücken. Und das, obwohl Morales mit knapp 47 Prozent der Stimmen
de facto Wahlsieger ist...“ – aus dem Beitrag „Warum es in Bolivien
einen Putsch gab“ von Harald Neuber am 12. November 2019 bei
telepolis, der vier Gründe anführt, die, entgegen medialer
„Weichspülung“ auch hierzulande, deutlich machen, wie ein solcher
Putsch, der es war und ist, abläuft... Siehe dazu auch zwei Beiträge
über – sehr unterschiedliche – Reaktionen auf den Putsch, eine
konkrete Skizze der Entwicklung seit den Wahlen und zwei Beiträge zu
führenden Oppositionellen und dem „Handeln“ der Polizei – sowie den
Hinweis auf unseren ersten Beitrag zum Putsch
http://www.labournet.de/?p=157209
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen