Von Gerold Schmidt, Ceccam
(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, poonal).- Mit einem
überraschenden Dekret hat Yucatans Gouverneur Rolando Zapata Bello
den Bundesstaat für frei von gentechnisch veränderten Organismen
(GVO) erklärt. Faktisch richtet sich das Dekret 418/2016 vor allem
gegen den Anbau von Gensoja. Die vom Monsanto-Konzern beantragte
kommerzielle Aussaat von Gensoja ist derzeit aufgrund einer
einstweiligen Verfügung und der höchstrichterlich angeordneten
Befragung der Mayabevölkerung zum Thema, in den Bundesstaaten
Yucatán und Campeche gestoppt. Das Vorgehen der Regierung Yucatans
kommt in diesem Zusammenhang aber unerwartet. Gouverneur Zapata
Bello gehört der auch auf Bundesebene regierenden Institutionellen
Revolutionären Partei (PRI) von Präsident Enrique Peña Nieto an.
Diese ist bisher in keinster Weise als entschiedene GVO-Gegnerin
aufgetreten. Insbesondere das Landwirtschaftsministerium gilt als
absolut gentechnikfreundlich und Monsanto nahestehend.
Dekret erst nach Veröffentlichung im Amtsblatt bekannt
geworden
Das Dekret wurde bereits am 5. Oktober vom Gouverneur
unterzeichnet, aber erst nach der Veröffentlichung im Amtsblatt
Ende Oktober bekannt. In Artikel 1 erklärt es etwas umständlich
den „Bundesstaat Yucatán als von landwirtschaftlichen
Pflanzungen mit gentechnisch veränderten Organismen freie Zone,
ebenso [frei] von kontaminierten Produkten für
landwirtschaftliche Zwecke sowie für die Produktion von Inputs
für den menschlichen oder landwirtschaftlichen Gebrauch; mit dem
Ziel die biologische Vielfalt, die landwirtschaftliche
Biodiversität und die Qualität der Produkte der Land- und
Küstengemeinden zu schützen“. Artikel 2 enthält Bestimmungen
über die Förderung des Bioanbaus. Den beiden kurzen Artikeln
sind auf elf Seiten ausführliche „Betrachtungen“ vorangestellt,
die das Dekret begründen.
In dieser Rechtfertigung werden auf meist erstaunlich
verständliche Weise so gut wie alle Kritikpunkte gegenüber
GVO-Saaten und der damit verbundenen massiven Anwendung von
Pestiziden erwähnt. Es wird mit dem Verweis auf internationale
Konventionen und wissenschaftliche Studien auf den Schutz der
Menschenrechte, eine gesunde Umwelt, die Gesundheit der
Bevölkerung sowie deren ökonomische Rechte als Kleinbauern und
Kleinbäuerinnen und Imker*innen abgehoben (das Dekret kann unter
anderem über folgenden Link heruntergeladen werden: http://www.ceccam.org/sites/default/files/Decreto_Yucatan.pdf ).
Umweltminister des Bundesstaates: Yucatan will
Präzedenzfall schaffen
Yucatans Umweltminister Eduardo Batllori erklärte gegenüber der
Zeitung La Jornada, der Bundesstaat habe seit 2012
die fachliche und wissenschaftliche Meinung des mexikanischen
Landwirtschaftsministeriums nachgefragt. Eine Antwort habe es
jedoch nie gegeben. Batllori gab zu, dass das von Kritiker*innen
„Monsantogesetz“ genannte Bundesgesetz über Biosicherheit und
Gentechnisch Veränderte Organismen über der Regelung auf Ebene
der Bundesstaaten stehe. Yucatán habe jedoch einen Präzedenzfall
schaffen wollen. Der Bundesstaat sei zudem anfällig für die
Kontaminierung durch Agrargifte. So sei in einem
Grundwasserspeicher Agrarchemikalien nachgewiesen worden. Ziel
sei unter anderem, die Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln
von der Aussaat bis zur Ernte zu minimieren.
_______________________________________________
Chiapas98 Mailingliste
JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
Chiapas98@listi.jpberlin.de
https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen