Samstag, 17. Dezember 2016

Kuba will Staatsschulden bezahlen: Mit Rum


Die Regierung des Karibikstaates schuldet Tschechien 276 Millionen US-Dollar / Eine Rückzahlung in Naturalien ist dort nicht so gern gesehen

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Schulden angehäuft? Darauf erstmal einen Drink. Ein Barkeeper in Havanna bereitet einen Mojito mit kubanischem Rum zu.
Laut dem tschechischen Finanzministerium hat die kubanische Regierung in aktuellen Verhandlungen über Jahrzehnte alte Staatsschulden angeboten, einen Teil der angehäuften Rückstände zurückzuzahlen – mit Rum.

30 Millionen Liter Hochprozentiges

Der Inselstaat steht bei der Tschechischen Republik seit dem Kalten Krieg in der Kreide. Sollte die Regierung in Prag das Angebot annehmen, wären die TschechInnen für das nächste Jahrhundert mit ausreichenden Mengen der Spirituose versorgt. Die tschechische Statistikagentur berechnete, dass das Land im vergangenen Jahr lediglich kubanischen Rum im Wert von zwei Millionen Dollar importierte.
Begeistert über den Vorschlag zeigte sich die tschechische Regierung derweil nicht. Michal Zurovec, Sprecher des Finanzministeriums, gab gegenüber der BBC an, sein Land bevorzuge eine Rückzahlung der Schulden mit Geld, zumindest teilweise.
Der berühmte kubanische Rum ist eines der wichtigsten Exportprodukte des sozialistischen Inselstaates. Die letzten Zahlen aus dem Jahr 2008 beziffern den Absatz allein der bekannten Marke »Havanna Club« auf 30,6 Millionen Liter jährlich.

Deals ohne Geld

Es wäre indes nicht das erste mal, dass Kuba ökonomische Deals ohne finanzielle Mittel aushandelt. Das finanzschwache Land hatte so beispielsweise sein exzellent ausgebildetes medizinisches Personal - das kubanische Gesundheitssystem gilt als eines der besten Lateinamerikas - nach Venezuela entsandt. Im Tausch hierfür hatte die Regierung in Havanna Benzin- und Erdölvorräte zu besonders günstigen Konditionen aus dem südamerikanischen Staat erhalten.

 Nicht zuletzt aufgrund des Jahrzehnte andauernden Wirtschaftsembargos durch die USA häufte Kuba in der Vergangenheit enorme Auslandsschulden an. Ende 2014 wurde die Summe von 24,7 Milliarden US-Dollar beziffert, das entspricht 31 Prozent des aktuellen Brutoinlandsprodukts.
Mit zahlreichen EU-Staaten, sowie mit Japan, Mexiko und Russland hatte die kubanische Staatsführung in den vergangenen Jahren bereits teilweise oder gar vollständige Schuldenerlasse für alte Staatsschulden ausgehandelt.

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