Bildungsministerium plant riesige Bildungszentren statt lokaler Schulen
(Mexiko-Stadt/Berlin, 04. Dezember 2016, poonal).- Der
umstrittene mexikanische Bildungsminister Aurelio Nuño trug
Mitte November auf dem Social Mobility Summit 2016
sein neuestes Projekt vor. Etwa 100.000 kleine und vor allem in
ländlichen und armen Regionen verstreute Schulen, auf denen
Kinder und Jugendliche die Vor-, Grund- und Sekundarschule
besuchen, sollen in großen Bildungseinrichtungen „neu
konzentriert“ werden. Laut Nuño wird an den kleinen Schulen „der
Effekt der Ungleichheit am meisten reproduziert“. Einen Zeitplan
für die Umsetzung gab der Minister nicht bekannt.
Das Vorhaben stößt auf alles andere als ungeteilte Zustimmung.
Selbst die Vorsitzende der Nationalbehörde für die
Bildungsevaluierung (INEE), Sylvia Schmelkes, erklärte, es „kann
sich um keine allgemeine Maßnahme handeln“. Nicht in allen
Fällen gäbe es die entsprechenden Bedingungen, die
Zusammenlegung sei „weder immer möglich, noch empfehlenswert“.
Zudem sei die Erklärung des Ministers vom 18. November „eine
Ankündigung, noch kein Programm“.
Weniger regierungsnahe Kritiker*innen der Ministeridee sprachen
schlichtweg von „Unsinn“ (s. Kommentar von Luis Hernández
Navarro). Hugo Aboites, Rektor der Autonomen Universität von
Mexiko-Stadt (UACM) erwähnt die „radikale Abnahme der Verbindung
von Kindern mit dem familiären und kommunitären Leben, einem
fundamentalen Element für die Identitätsschaffung der künftigen
jungen Leute“ als voraussehbare Folge der vorgesehenen
Schulzusammenlegung. Andere Expert*innen aus dem Bildungsbereich
bezeichneten den Vorschlag mit Adjektiven, die von
diskriminierend und besorgniserregend bis pervers und
abscheulich reichten (zu Letzerem siehe: http://www.jornada.unam.mx/2016/11/23/sociedad/043n1soc ).
_______________________________________________
Chiapas98 Mailingliste
JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
Chiapas98@listi.jpberlin.de
https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen