Mittwoch, 17. April 2013
Bericht von den Wahlen am 14. April 2013 in Venezuela
Briefe aus Merida/Venezuela
Von Willi Übelherr
Quelle: e-Mail an die Redaktion
Liebe Freunde,
die Wahl am Sonntag, den 14.04.2013, hat die Noch-Schwäche der revolutionären Bewegung in Venezuela deutlich werden lassen oder sollte es. Von den Lebensbedingungen her können wir das Potential locker auf 70-80% setzen. Das Ergebnis für ganz Venezuela:
Wahlberechtigt: 18.904.364
zugelassen: 18.780.476 99,34%
Beteiligung: 14.983.748 79,78%
davon gültig: 14.917.057 99,55% (von Beteiligung)
ungültig: 66.691 0,44%
Nicolas Maduro: 7.575.506 50,78%
Henrique Capriles: 7.302.641 48,95%
Nicolas Maduro 16(24) Regionen
Henrique Capriles 8(24) Regionen
Stand 15.04.2013 19:09
ohne Ausland und ohne Krankenhäuser.
www.cne.gob.ve/resultado_presidencial_2013/r/1/reg_000000.html
In den Regionen können wir sehen, dass Capriles in den Zentren stark wurde. In den ländlichen Räumen mit wenig Bevölkerung dominiert klar Nicolas Maduro. Ganz besonders in den Gebieten der Indigenas. Aber sie stellen nur 3% der Bevölkerung.
Es wird nicht offen ausgesprochen, aber im direkten Kontakt erklärt, dass die Rechten durch ihre Dominanz der technischen Systeme über externe Firmen die Ergebnisse manipulierten. Auch hier können wir sehen, wie wichtig es in Venezuela ist, Unabhängigkeit und Souveränität auch im technischen Bereich herzustellen. Und wie trottelig die staatlichen Instanzen agieren. Vor allem CANTV, das halbstaatliche Kommunikationsunternehmen. Das gleiche gilt für PDVSA, das halbstaatliche Ölunternehmen, die ebenfalls vollständig abhängig sind von externen Firmen. Und selbst das Benzin wird meist extern raffiniert.
Aber darum geht es mir jetzt nicht. Es geht um die Wahl und das drum herum.
Am Samstagnachmittag und frühen Abend waren schon mächtige Konfrontationen auf der Strasse. Die Chavistas kontrollieren die Strasse. Unterstützt von den Motorradgruppen der Tupamaros. In Merida sind das etwa 500. Oft sind sie mit ihren Frauen und Freundinnen zusammen unterwegs. Auch bei ihren Einsätzen gegen die M13, den reaktionären bewaffneten Studenten der ULA. An den Kreuzungen traf ich viele Freunde aus den Kommunalorganen, die nicht zulassen, dass sich das rechte Gesindel ausbreiten kann.
Am Sonntag 14.04.2013 wurde etwa 23:00 das Ergebnis bekanntgegeben. Die Gesichter waren lang. Entsetzen breitete sich aus. Die Leute konnten es nicht fassen. Damals noch nur 1% Abstand. Unglaublich. Inzwischen sind es fast 2%.
Dann war ich wie immer auf der Strasse. Meine Freunde im Umfeld gehen nachts nicht raus. Und schon gar nicht zurzeit. Im Vergleich zum 7. Oktober lächerlich. Keine Autokarawane, die hupend durch die Stadt fährt, keine Motorräder mit Fahnen und lautem Getöse. Dann zwischen 0:00 und 1:00 kamen sie langsam aus ihren Häusern. Wenige, aber immerhin. Vielleicht auch nur die mutigsten. Aber auffällig viele junge Frauen. Der Frauenanteil ist sowieso immer deutlich höher. Die revolutionäre Bewegung wird von Frauen dominiert und getragen. Ganz klar.
Als ich auf die Strasse ging, wurde ich mächtig bedrängt, dies nicht zu tun. Es sei tierisch gefährlich. Die Rechten planen einen Umsturz, indem sie Krawalle organisieren. Und vor allem Stromsabotage und sonstiges. Und die Polizei und GNB ist auch nicht sicher. Aber ich weiß, wie massiv hier übertrieben wird. Das ganze zog sich hin bis in die frühen Morgenstunden. Für Musik war natürlich auch gesorgt.
Heute, am 15.04.2013 war ich erst spät auf der Straße. Die Geschäfte geschlossen und verriegelt. Selbst die Chinos wollten heute kein Geld organisieren. Und das will wirklich etwas heißen. Am Abend begannen die Escualid@s, also die Rechten, mit Topfgetrommel aus ihren Häusern. Meist Balkon oder Fenster. Auf die Strasse trauten sich nur wenige. Dort waren die Linken unterwegs und beherrschten den öffentlichen Raum. Polizei und GNB bzw. Militär des Bundesstaats Mérida standen überall rum. Hielten sich aber völlig zurück. Und von ihrem Verhalten her zu schließen sind sie meist Rechte. Wie überall auf unserem Planeten.
Auf dem zentralen Platz „Plaza Bolivar“ trafen wir uns alle nach den Ausschweifungen durch die Strassen. Die rechten hatten einen Umzug geplant. Machten aber einen großen Bogen. Viel Lärm mit Alu-Töpfen. Auf dem Platz natürlich Musik, selbstgemacht. Viele Lieder von Ali Primera wurden gesungen. So langsam entsteht wieder die Gelassenheit dieser Straßenfeste – rückt die Bedrohung zurück.
Wenn ich mit meiner REDES-Fahne durch die Strassen ziehe und auf dem Platz zu den schnellen Rhythmen tanze, sind sie sowieso alle begeistert. Wir müssen die Lähmung überwinden. Und wir haben es in der Hand. Nicht die Rechten sind das Problem, sondern die rechten und reaktionären im Staatsapparat. In allen. Auch und vor allem in der Polizei und GNB. Weniger im Militär außerhalb des Staats Mérida.
in Merida die Ergebnisse
wahlberechtigt 575.509
beteiligt 473.985 82.35%
davon
Capriles 268.723 56,94%
Maduro 202.395 42,88%
ungültig 2.080 0,43%
Die meisten ungültigen Stimmen sind bewusst. Mérida, ein Zentrum der Parasiten aus der ULA und noch so mancher Instanzen. Vor allem Tourismus. Dort konzentrieren sich die rechten. Nur nicht in der Posada Alemaia. Hier dominieren die Sozialisten oder Anarchisten. Und die Anarchisten wählen ungültig, klar.
Im Stadtzentrum erreichte Capriles 69.25% und Maduro 30.54% von 140.366(84,68%) von 165.752 Wahlberechtigten. Das ist landesweit schon ein besonderer Wert für Caprilles. Hier konzentrieren sich 29.6% aller beteiligten Wähler. Der städtische Sumpf.
Noch schlimmer ist die Konzentration auf die Städte in Ecuador. Aber Raffael Correa fängt das noch auf, weil er die städtische Bevölkerung bevorteilt. Er ist selbst Städter und hat nie in seinem Leben gearbeitet. Bei Hugo Chavez war das etwas ganz anderes. Und bei Evo Morales ist es auch etwas anderes. Und ebenso bei Nicolas Maduro. Auch er kommt aus einfachen Verhältnissen und wird von den eingebildeten Schnöseln hier in Mérida, nur weil sie irgendeinen nutzlosen Papierzettel vorweisen, nicht anerkannt.
Wenn wir uns den Zertifikatsträgern hier nähern, besonders an der ULA, und da etwas nachstochern, da treffen wir nur auf große Blasen. Egal auf welcher politischen Seite sie stehen. Und egal in welcher Fachrichtung. Bei den Physikern und Ingenieuren geht es noch. Aber bei den Ökonomen oder Staatsrechtlern und politischen Theoretikern wird es ganz schlimm. Da ist nur dummes Geschwätz angesagt.
Dass wir massiv umbauen müssen, massiv aufräumen und öffnen, ist vielen klar. Sie reden offen darüber. Vor allem die Ökonomie. Die Nahrungsmittelversorgung ist extrem eingebrochen. Eigentlich die beste Gelegenheit, das private Distributionssystem größtenteils dadurch aufzulösen, dass wir es überflüssig machen. Und dann gleich mit dem privaten Transportsystem inklusive. Aber im Vordergrund steht die Organisierung unserer eigenen Produktion.
mit lieben Grüßen,
Willi Übelherr, 15.04.2013
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