Montag, 22. April 2013

"Moralapostel" Uli Hoeneß am Pranger

22.04.13 - Millionen Werktätiger und Rentner haben keinerlei Chance, sich dem Zugriff der Steuerbehörden zu entziehen, weil die Lohn- und Einkommenssteuer einfach von Lohn oder Rente abgezogen wird. Anders bei Reichen, Supereichen und internationalen Monopolen. Dort ist gängige Praxis, durch Konten und Scheinfirmensitze in so genannten Steueroasen keine oder nur minimale Steuern auf Vermögen zu entrichten. Auch die Ikone und Saubermann des deutschen Fußballs, Uli Hoeneß, steht nach seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung nun am Pranger. Noch ist unklar, ob diese Selbstanzeige so rechtzeitig erfolgt ist - das heißt vor offizieller Einleitung von Ermittlungen - dass Hoeneß straffrei ausgeht und nur die Steuern nachzahlen muss. Ob sich der Imageverlust mit einem der mächtigsten Fußballverein im Rücken aussitzen lässt, ist in jedem Fall fraglich. Zu groß ist inzwischen die öffentliche Ablehnung solcher parasitärer Steuerhinterziehung unter den breiten Massen. Hoeneß hatte offenbar auf das von der Regierung geplante Steuerabkommen mit der Schweiz gepokert. Es wurde vor einigen Wochen im Bundesrat abgelehnt. Mit seiner Hilfe wollte die CDU/CSU/FDP-Regierung zahlreichen Steuerflüchtlingen gegen Nachzahlungen Straffreiheit gewähren. Wobei die Nachzahlungen pikanter Weise niedriger als die ursprünglich zu zahlenden Steuern gewesen wären. Ein Witz ist, wenn sich die SPD jetzt für die Ablehnung im Bundesrat als "Rächer der Enterbten" auf die Schultern klopft. Die von ihrem Kanzlerkandidaten ins Spiel gebrachte "Reichensteuer" ist bestenfalls Kosmetik. O-Ton Peer Steinbrück zur anvisierten Erhöhung der Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer: Es werde nach der Bundestagwahl zu keiner Entwicklung kommen, "die ihnen die Pickel ins Gesicht treibt." Wenn du nicht zu den „Reichen“ gehörst, läuft es anders. Ein Kollege zu rf-news: „Ich hatte im Zusammenhang mit einem Trauerfall in der Familie vergessen, die Kfz-Steuer zu überweisen und 2 Mahnungen nicht beachtet. Plötzlich bekomme ich einen Anruf meiner Bank, dass mein Konto gepfändet ist, EC- und Kreditkarte gesperrt wurden. Ich musste mir den Betrag von 249 Euro bei Freunden leihen, bar einzahlen und die Bank ließ sich 14 Tage Zeit mein Konto wieder freizugeben.“ Die jüngsten Enthüllungen im Rahmen der so genannten "Offshore-Leaks" haben die Debatte um Steuerhinterziehung neu entfacht. Internationale Medien hatten einen riesigen Datensatz über geheime Geschäftspraktiken in Steueroasen veröffentlicht. Vielleicht hätte Hoeneß als selbsternannter Moralapostel nicht in der Schweiz, sondern auf den Bahamas seine Millionen bunkern sollen. Dann wäre der enge Vertraute von CSU Chef Seehofer nicht so wahltaktisch ungünstig ins Kreuzfeuer geraten. Seehofer wusste schon seit Wochen über den Vorgang bescheid. Aber unter "Amigos“ schweigt man eben. Dabei war alles gar nicht so unvorhersehbar. Noch im September 2012 hatte der Bayern-Präsident sich in einer Talk-Runde Runde zum Thema Reichensteuer ereifert. Damals hat er prophezeit, dass alle Reichen nach Österreich und in die Schweiz gehen werden. Ein Mann ein Wort oder wie man bei Bayern München sagt: Mir san mir!

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