Samstag, 9. November 2019
Das Ultimatum der chilenischen Gewerkschaften an die Regierung: „Sie haben 5 Tage Zeit, sich ihrer historischen Verantwortung zu stellen und die folgenden grundlegenden Forderungen zu erfüllen...“
Der chilenische (ex?) Präsident Pinera hat sich gleich dreimal
verkalkuliert. Die blutige Repression, die seine Regierung gegen die
protestierenden Menschen Chiles wochenlang jeden Tag organisierte, hat
diese Hunderttausende nicht daran gehindert, Protest und Widerstand
fortzusetzen. Im Gegenteil, die Fratze der Diktatur hat noch mehr
Menschen mobilisiert, die in den cabildos (Ratschlägen) und asambleas
(Versammlungen) immer wieder ihre Vorstellungen, wie sich Chile
verändern müsste und wie der Weg dahin aussehen könne, diskutieren –
und dabei immer deutlicher die Einberufung einer Verfassungsgebenden
Versammlung als beste Option sehen. Auch seine zweite Taktik, soziale
Reformen zu versprechen, hat nicht funktioniert. Spätestens zerschellt
ist sie in dem Augenblick, als er seine Direktive für einen neuen
Mindestlohn veröffentlichen ließ: 350.000 Pesos wollte er
gnädigerweise zubilligen, obwohl die Forderung nach 500.00 Pesos
extrem populär ist. „Das ist noch nicht einmal eine Provokation, das
ist nur eine Schande“ war die – weitgehend offensichtlich
exemplarische – erste Reaktion eines Sprechers der
Hafenarbeitergewerkschaft Union Portuaria. Und auch die dritte
Vorgehensweise, die orchestrierte Medienkampagne gegen die
DemonstrantInnen, ihre Kriminalisierung versuchend, hat offensichtlich
zumindest bei weitem nicht solche Ergebnisse erbracht, wie erwartet:
Er stürzt weiterhin in Umfragen und ähnlichem ab. Alles das hat dazu
geführt, dass sich in der Gewerkschaftsbewegung jene Kräfte in den
Vordergrund geschoben haben, die bereits seit längerem entschiedeneren
Kampf fordern. Das „Ultimatum der Neun“ an die Regierung ist mit
einigen wenigen konkreten und zentralen Forderungen begründet – und
läuft am 12. November 2019 ab. Siehe dazu unsere Dokumentation des
Briefes mit dem Ultimatum (inklusive einer deutschen Zusammenfassung)
und fünf aktuelle Beiträge zu den Reaktionen darauf von Seiten der
Regierung und aus der Bewegung – auch zur Frage, ob es ein
Protest-Generalstreik am 12. November sein soll oder ein andauernder…
http://www.labournet.de/?p=156938
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