„Durch den Zusammenschluss der Kommunistischen Partei mit der sozialistischen und sozialdemokratischen Partei drang der sozialdemokratische Wurm in die Partei ein und blieb nicht draußen.“(„Der Kampf derArbeiterklasse in den revisionistischen Ländern.“)
Aus: Enver Hoxha: Die Chruschtschowianer, Tirana 1984 S. 168/169:
„Nach Stalins Tod allerdings wurde ihre Offensive zur Zerstörung des Sozialismus in den anderen Ländern immer heftiger. Chruschtschow begann sowohl in der Sowjetunion als auch in Bulgarien, in der Tschechoslowakei, in Polen, in Rumänien, in Ungarn und in Albanien die verkappten und entlarvten antimarxistischen Elemente aufzustacheln. Chruschtschow und Konsorten waren bestrebt, diese Elemente, wo sie in der Führung saßen, unter seine Kontrolle zu bringen, oder sie dort in die Führung hineinzubringen, wo sie es nicht waren, indem die zuverlässigen Führer durch Intrigen, Putsche oder auch durch Attentate beseitigt wurden, wie sie es mit Stalin vorhatten (und, dafür spricht einiges, tatsächlich auch taten). Kurz nach Stalins Tod starb auch Gottwald. Ein sonderbarer, unerwarteter Tod! Wer Gottwald kannte, hätte nie geglaubt, daß dieser gesunde, starke und bewegliche Mann… an einer Grippe, oder einer Erkältung sterben könnte, die er sich am Tag der Beisetzungsfeierlichkeiten für Stalin geholt haben soll. Ich kannte Gottwald. Als ich einmal zu einem Treffen mit ihm in die Tschechoslowakei fuhr, sprachen wir in Prag lange über unsere Sorgen. Er war ein einfacher, aufrichtiger Genosse, der nicht viel Worte machte. Im Gespräch mit ihm fühlte ich mich unbefangen; er hörte mir aufmerksam zu, wobei er hin und wieder an seiner Pfeife zog, und sprach mit viel Sympathie über unser Volk und unseren Kampf, stellte uns Hilfe beim Aufbau der Industrie in Aussicht. Er versprach keine Berge und auch keine Wunder, sondern einen sehr bescheidenen Kredit der Tschechoslowakei für uns.
„Damit sind unsere Möglichkeiten erschöpft“, sagte er zu mir. „Später, wenn wir unsere Wirtschaft in Ordnung gebracht haben, werden wir die euch betreffenden Fragen dann noch einmal prüfen.“
Gottwald, ein alter Freund und Genosse Stalins und Dimitroffs, verstarb unerwartet. Das traf uns tief, kam uns aber auch merkwürdig vor. Später kam dann Genosse Bieruts genauso unerwarteter Tod, ganz zu schweigen von dem schon zuvor verstorbenen großen Georgi Dimitroff. Sowohl Dimitroff als auch Gottwald, als auch Bierut fanden in Moskau den Tod.
Was für ein Zufall! Alle drei waren Genossen des großen Stalin!“
„Die Tschechoslowaken waren, meiner Meinung nach, anders als die übrigen. Sie waren die Seriösesten von allen. Über Gottwald habe ich schon gesprochen, es muß aber gesagt werden, daß wir Albaner auch mit seinen Nachfolgern gut auskamen. Wir waren zu ihnen aufrichtig wie zu allen anderen, doch auch die tschechische Führung verhielt sich uns gegenüber anständig. Sie hatten Achtung vor unserem Volk und unserer Partei. Sehr lebhaft waren sie nicht, man könnte sie eher zurückhaltend, korrekt und liebenswürdig nennen. Sowohl Novotny und Siroky als auch Dolansky und Kopecky, mit denen ich oft zusammentraf und sprach, wenn ich ihr Land dienstlich oder zum Urlaub mit der Familie besuchte, verhielten sich mir und allen unseren Genossen gegenüber schlicht und aufrichtig, offen. Bei ihnen entdeckte ich nicht die Hochnäsigkeit und Arroganz der anderen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht halfen uns die Tschechen nach den Sowjets am meisten.
Sie waren natürlich genaue Rechner, nüchtern und vorsichtig, wenn es um die Vergabe von Krediten ging. Doch wenn sie uns etwas gaben, war dabei weder Geringschätzigkeit zu spüren, noch kehrten sie ihre wirtschaftliche Überlegenheit heraus. Die Tschechoslowakei war unter den volksdemokratischen Ländern industriell am weitesten entwickelt, das Volk war fleißig, tüchtig, methodisch, ordentlich bei der Arbeit und im Leben. Überall, wo ich hinkam, war festzustellen, daß die Tschechoslowakei ein entwickeltes Land mit einem gebildeten Volk war, das die Traditionen seiner alten Kultur pflegte. Die Sowjets benutzten sie bis zum Mißbrauch als Land der Kurorte, bis sie sie dann in die heutige Lage brachten.
Die Führer der anderen volksdemokratischen Länder betrachteten die Tschechoslowakei mit scheelen Augen und machten die tschechische Führung, die ein bedeutend würdigeres Bild abgab als alle anderen, grundlos schlecht.
Auch auf den Beratungen des sozialistischen Lagers hatte das Wort der tschechischen Führung Gewicht. Und innerhalb des Landes genoß sie, soweit ich feststellen und mir ein Urteil bilden konnte, Achtung und Sympathie. Wenn ich in die Tschechoslowakei kam, hatte ich nicht das drückende Gefühl der Verlassenheit wie in Moskau, nachdem Chruschtschow das Heft in die Hand genommen hatte.“
Nachtrag:
Clement Gottwald, tschechoslowakischer Arbeiterführer
-geboren 23. November 1896 in Dědice bei Wischau, Mähren, Österreich-Ungarn;
- gestorben 14. März 1953 in Prag, Tschechoslowakei
- 1921 Mitbegründer der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei
- 1929 Generalsekretär
- 1928/43 deren Vertreter in der Kommunistischen Internationale
- Stand seit 1935 an der Spitze des Kampfes um die Erhaltung der Tschechoslowakische Republik gegen die faschistische Bedrohung
- Organisierte von 1938 bis 1945 von Moskau aus die tschechoslowakische Befreiungsbewegung
- 1945-46 stellvertretender Ministerpräsident – 1948-53 Staatspräsident
- 1945-53 Vorsitzender der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei

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