Mittwoch, 29. Mai 2019

FABRIK-ZEITUNG Klasse gegen Klasse – Gegen Ausbeutung für Sozialismus! In Köln, Saarlouis, Blanquefort ...

...bei Ford, VW, Daimler, Opel oder sonstwo Aktionstage sind nur der Anfang!
Gegen Massenentlassungen KÄMPFEN und STREIKEN!
Diese zwanzigste Ausgabe unserer Fabrikzeitung ist die zweite extra für das Ford-Werk in Köln. Wir haben gegen die Entlassungskonzepte Stellung bezogen, uns mit vielen ArbeiterInnen ausgetauscht, diskutiert und versucht, gegenseitig Mut zu geben, weil wir den Kampf in die eigene Hand nehmen müssen. Wir haben mit unserer Propaganda und Agitation die verräterische Sozialpartnerschaftspolitik von IG Metall und Betriebsrat entlarvt.
Wandeln wir Enttäuschung, Hilfslosigkeit und Wut in Widerstand!
Wir haben allen Grund dazu!
Wegen sinkender Rendite, also weil die Milliardengewinne nicht so hoch sind, wie die Aktionäre fordern, wird die Existenz von uns ArbeiterInnen bedroht.
Betriebsrats- und Gewerkschaftsfürsten versuchen, uns auf die „Rettung der Standorte“ einzuschwören. Das soll unsere Arbeitsplätze sichern. Seit Jahren, nein Jahrzehnten, tun wir nichts anderes:
Profitgier nicht befriedigt - Drohung, Angst, Einschwören, Arbeitsplatzvernichtung, Profitsteigerung - Profitgier immer noch nicht befriedigt, Drohung ... immer weiter und weiter. WENIGER Jobs, WENIGER Lohn, MEHR Profit.
Wenn wir ArbeiterInnen in dieser endlosen Abwärtsspirale das Ziel der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit akzeptieren, unterwerfen wir uns der Profitlogik des Kapitals. So verdammen wir uns selbst zu Ohnmacht und Resignation und wiederholen im Untergehen immer wieder den Appell ans Kapital, doch bitte, bitte ein Einsehen zu haben.
Schluss mit „bitte, bitte“!
An Aktionäre und Unternehmensleitung zu appellieren, sich doch mit einem Gewinn als solchem zufrieden zu geben, ist der vergebliche Versuch, so etwas wie „Gerechtigkeit“ und „soziale Balance“ in das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital einzubauen. Dabei sind das unvereinbare Gegensätze!
Das ist unsere Schwäche. Wir ArbeiterInnen scheinen vergessen zu haben, dass wir auf der einen, die Kapitalisten auf der anderen Seite der Produktionsverhältnisse stehen. Unsere Interessen sind entgegengesetzt.
WIR wollen Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung, Recht auf Arbeit, Gesundheit, Bildung und Kultur, Arbeitsplätze für alle, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Schutz und Erhalt unserer Lebensgrundlagen, Frieden.
SIE wollen Profit, Profit, Profit und deswegen:
1. Arbeitszeitverlängerung, 2. massenhaft Erwerbslose, die zu immer niedrigeren Löhnen bereit sind, immer länger zu arbeiten, 3. Produktionsbedingungen, die am Maximalprofit ausgerichtet sind, 4. Ausplünderung und Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen für den Profit, 5. Krieg zur Durchsetzung ihrer imperialistischen Interessen, 6. einen Staat, der uns ArbeiterInnen und werktätigen Massen im Griff hält ... und was immer sonst noch notwendig ist, den Widerstand der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen zu verhindern.
Was wir wollen, können wir in diesem System nicht erreichen. Denn dies ist das System der Kapitalisten. Dieser Staat dient ihren Interessen und unterdrückt uns - mögen sie noch so oft von „demokratischer Grundordnung“ faseln.
Um zu erreichen, was wir als ArbeiteInnenklasse brauchen, müssen wir dieses System bekämpfen und abschaffen.
Das klappt nicht allein mit großen Worten, „wehenden Fahnen und flammendem Schwert“. Für diesen Kampf brauchen wir die Einheit der ArbeiterInnenklasse!
Wenn wir uns unsere schlagkräftige Organisation, die kommunistische Partei, aufbauen. Wenn diese uns dann in die Revolution führt - dann kann es klappen mit der Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung!
Was ist mit den Gewerkschaften?
Die bestehenden Gewerkschaften sind Teil dieses Systems. Sie sind dazu da, unseren Widerstand einzudämmen und uns daran hindern, vereint für unsere Interessen aufzustehen und zu kämpfen. Hin und wieder organisieren IG Metall und Co Protestaktionen, bei denen wir Dampf ablassen sollen, um dann brav abzuwarten, was alles „im kleinen Kreis geklärt wird“ hinter verschlossenen Türen, versteht sich!
Was dann, über unsere Köpfe hinweg, vereinbart wurde, erfahren wir meist auf Betriebsversammlungen. Da feiern sich solche Betriebsratsfürsten dann für ihre wahnsinnig tollen Kompromisse aus durchverhandelten Nächten. Manch einer oder eine denkt, dass die mächtigen Betriebsräte der Autoindustrie Fehler machen. Dass sie es falsch einschätzen, wenn sie auf ihr Verhandlungsgeschick setzen. Standortdenken für Köln, Saarlouis, Wolfsburg – West-Deutschland. Deutsche Standorte zuerst …
DAS ist sicher falsch. Aber kein Fehler im Sinne der Betriebsratsfürsten.
Diese Arbeitervertreter denken nicht für die Interessen der ArbeiterInnenklasse! Sie sind in Wirklichkeit Vertreter der Kapital-Interessen. So sieht‘s aus!
Und was tun wir?
Sind wir noch nicht oft genug reingefallen?
Die Belegschaften bluten für angebliche Beschäftigungssicherheit, die aber vom Kapital nie ernst gemeint ist und durch Rücktrittsklauseln schon bei Vertragsbeginn nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Ganz abgesehen davon, dass im Kapitalismus kein Arbeitsplatz je sicher ist. Genau das erleben wir jetzt - IG Metall und Betriebsrat verhökern unsere Arbeitsplätze für ein lausiges Abfindungsprogramm. PFUI!
Wir wollen nicht einfach abgewickelt werden. Wir wollen kämpfen! Aber daran werden wir von „unseren eigenen“ Vertretern gehindert. Warum? Weil die Kapitalisten gerissen dafür sorgen, dass unsere Interessenvertreter schnellstmöglich aus unseren Reihen abheben und sich in Komplimenten, Lobhudeleien und Zuwendungen sonnen.
„...wenn sich die englische Arbeiterklasse auch nur einen Tag einig wäre, dann gäbe es keine Macht der Welt, die ihr widerstehen könnte. Die Kapitalisten wissen das besser als die Arbeiter selbst. Und deshalb organisieren sie sich zu ihrer Rettung Unterstützung aus den Reihen der Arbeiter. Das ist das beste Rezept zur Spaltung und Verwirrung der Arbeiterklasse. Denn kein Vertreter der Bourgeoisie kann den Einfluss, kann die Glaubwürdigkeit in der Arbeiterklasse finden wie einer, der aus ihren Reihen selber kommt“ sagt Karl Marx
Noch heute arbeitet das Kapital nach diesem Prinzip: Durch Bestechung einiger aus den Reihen der ArbeiterInnenklasse schaffen sie eine treu ergebene Arbeiteraristokratie
und können sich immer weiter damit brüsten, Demokratie in den Betrieben zu unterstützen.
1951 stellt ein bekannter Wirtschaftsführer zum Mitbestimmungsgesetz in Düsseldorf fest:
„Wir werden das Gesetz aushöhlen. Nach einigen Jahren werden die Arbeiter ihre Vertreter aus den Betrieben hinausjagen. Die Arbeitsdirektoren bekommen sofort die größten und luxuriösesten Personenwagen. Wir bauen ihnen Villen und geben diesen eine Luxusausstattung, die diese Bonzen korrumpieren. Mit Hilfe der Aufsichtsratsvergütungen sind so viele Möglichkeiten der Manipulierung gegeben, dass sich die Gewerkschaftsbonzen in den ihnen gelegten Schlingen nicht mehr bewegen können.“
Meist geht es viel billiger. Bestechung in den Reihen der Bourgeoisie ist wesentlich teurer. Für Arbeiteraristokraten reicht schon ein Schulterklopfen, ein scheinbar gleichberechtigtes Verhandeln.
Geld spielt dennoch eine erhebliche Rolle:
Wir haben nur eine Aufstellung aus 2015. Auch wenn die Einkommen der Gewerkschaftsbosse in keinster Weise mit Managerbezügen zu vergleichen sind. Mit ArbeiterInnenlöhnen haben sie jedenfalls nichts gemeinsam.
Michael Vassiliadis, IG Bergbau Chemie Energie, Jahreseinkommen: 135.150 Euro brutto.
Frank Bsirske - seit 2001 Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Jahreseinkommen: 187.343 Euro.
Robert Feiger seit 2013 Chef der IG BAU. Jahresgehalt: 160.000 Euro.
Reiner Hoffmann seit Mai 2015 Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Aufsichtsrat bei Bayer AG u. a. Boss der Gewerkschaftsbosse. Jahres-Brutto vom DGB: 182.250 Euro.
Detlef Wetzel, 2015 noch Chef der IG Metall: 261.000 Euro brutto brachte ihm das im Jahr.
Wir müssen feststellen: Die Verräter unserer Sache kommen aus der ArbeiterInnenklasse, sind aufgestiegen durch ihre Klasse, in Betriebs- und Personalratsposten, in Gewerkschaftsfunktionen, von dort aus dann in Leitungsfunktionen für Regierung und Kapital. Sicher sind in den DGB–Gewerkschaften ArbeiterInnen organisiert, die den DGB–Führern lieber heute als morgen den Laufpass geben würden. Nur können die DGB–Mitglieder diese ArbeiterverräterInnen in Wirklichkeit gar nicht abwählen. Denn unter der zahlenmäßig kleinen DGB–Spitze macht sich von Ebene zu Ebene der gesamte arbeiterfeindliche, bürokratische Apparat breit.
Und sowas sollen wir die Zukunft der Arbeit anvertrauen?
NEIN, NEIN und nochmals NEIN!!!
Organisieren wir uns für unsere Interessen selbst.
Schaffen wir eigene Streik- und Kampfkomitees - unabhängig von Betriebsrat und IG Metall.
Unter der Anleitung unserer eigenen Kampfkomitees, die solidarisch mit den Kampfkomitees anderer Belegschaften arbeiten, werden wir endlich aktiv.
Wir dürfen und werden nicht mehr passiv hinnehmen, was andere über unsere Köpfe entscheiden.  UNSERE Interessen, die Interessen ALLER KollegInnen durchsetzen. Egal gegen wen! Lassen wir uns nicht spalten. Vereint gegen das Kapital!
Alle Räder stehen still, wenn unsere Klasse es will!
Uns ArbeiterInnen in den Fabriken, in Leiharbeit, mit befristeten aber auch festen Jobs wird ständig gedroht: Na, warte! Schlimmer geht immer!
Kein Zufall, dass wir Werktätigen in immer neue Gruppen aufgetrennt und gegeneinander aufgehetzt werden: Die kapitalistischen Ausbeuter, Ford-, VW-, Daimler- usw.- Chefs spalten und hetzen uns gegeneinander, damit wir nicht vereint die notwendige Stärke für unseren Widerstand aufbauen. Alles nicht neu.
Spaltung überwinden – gemeinsam kämpfen!
Für jeden Arbeitsplatz, egal wo!
Umbau der Industrie, Umorganisierung der Fabriken, neuerdings: „TRANSFORMATION“
Worum geht‘s da eigentlich?
Digitalisierung, Neue Produktionsmöglichkeiten durch künstliche Intelligenz und alles, was damit zusammenhängt. Allein der Umbau der PKW-Produktion auf Elektroantrieb soll ca. 40 Prozent der rund 1,8 Millionen direkten und indirekten Arbeitsplätze in der Automobilindustrie kosten.
Auch sonst sehen die Planungen nicht rosig aus für Automobil-Jobs.
Am Samstag 29.6.2019 findet in Berlin um 13:00 Uhr am Brandenburger Tor eine große Kundgebung statt.
Auf die negativen aber auch positiven Folgen aus dieser „Transformation“ will die IGM aufmerksam machen und Forderungen an den Staat stellen.
Irgendwie ja niedlich...
Wir stellen fest: Eine Kundgebung reicht sicher nicht!
Wir fahren trotz alledem nach Berlin!! Lasst uns dort kraftvoll und kämpferisch für UNSERE Forderungen die Trommel schlagen.
Für die Macht der Reichen  - bleiben am Ende nur Leichen
Zuerst wirbt die Bundeswehr mit diesem Ladeflächen-Plakat nicht nur direkt vor den Ford-Toren sondern mit dem gleichen Bild auch in großformatigen Anzeigen bei auflagestarken Tageszeitungen dafür, dass wir doch bei Jobverlust „machen sollen, was wirklich zählt“ - sprich: In die Armee eintreten und „Deutschland dienen“!
Dann verirrt sich Anfang April ein „Soldat“ vor Tor 8 und versucht, uns mit überdeutlichen Sprüchen für das deutsche Militär zu rekrutieren:
„Kameraden! Seid ihr bereit für euren neuen Job bei der Bundeswehr? Wir nehmen jedes Alter für Krieg und Völkermord!“
Viele mussten zweimal hinhören. Doch im Gegensatz zu den unverschämten Werbeanzeigen war dieser „Soldat“ kein Reklamerekrut!  Die krasse Aktion war wohl zum Aufwecken gedacht!
Hey fremder „Soldat“, danke für deinen Besuch! Wir haben verstanden!
Und spätestens jetzt wissen wir auch, dass die Reaktion der Ford-Leitung auf die Bundeswehrwerbung reine Heuchelei ist: Von wegen der Spruch mit dem Ford-Logo sei „geschmacklos und unverschämt“ Geschmacklos, unverschämt? Aber nicht doch! Die Bundeswehr ist schon seit längerem im Gespräch mit den Ford-Chefs, wie Ford-ArbeiterInnen in der Armee, zivil oder militärisch einen neuen Job kriegen könnten. Geradezu rührend!
Nicht nur bei Ford übrigens. Ebenfalls Anfang April tourte ein ähnlicher Lieferwagen vor dem VW-Werk in Wolfsburg
„Jetzt Job fürs Volk wagen! - Mach was wirklich zählt!“
Das ist zynisch, geschmack- und respektlos, ja!  Vor allem zeigt es aber, welche Rolle uns in diesem System zugedacht ist. Entweder wir lassen uns ausbeuten für die Profite oder wir sind Kanonenfutter und Mörder für die Interessen des deutschen Imperialismus.
Dass es dabei überhaupt nicht um Verteidigung irgendwelcher Werte oder Rechte  sondern um die Sicherung von Einflusszonen, Rohstoffquellen und Absatzmärkten geht, wissen wir schon längst.
Jobangebote der Bundeswehr sind „Angebote“
zum Töten und zum Weiterführen imperialistischer Kriege!
Militär raus aus den Betrieben!
Schluss mit den imperialistischen Kriegen!
So kämpfen wir um unsere Arbeitsplätze:
Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich!
Keinen Mensch und keinen Cent für Profitsteigerung und Militär!
Kampf  dem  System
Trotz  alledem!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen