Freitag, 31. Mai 2019

Die Psychiatrische Hegemonie ist gebrochen


16 Monate nach dem WPA Weltkongress in Berlin schlägt der Präsident deren Ethikkomitees, Paul Appelbaum, vor, "Die Behindertenrechtskonvention (BRK) zu ignorieren, neu zu interpretieren oder zu ändern", und auch, dass die psychiatrischen Fachgesellschaften die Regierungen dazu bewegen sollten, "das Übereinkommen zu ignorieren". Das ist offensichtlich ein neuer Ansatz, da Psychiater immer gegenüber Regierungen opportunistisch und gehorsam sind. Auf einmal hoffen Psychiater in der Lage zu sein, das Völkerrecht und nationale Regierungen dirigieren zu können, weil - man beachte die Verschwörungstheorie - " .. Schuld ist, dass der Entwurf [der BRK] von einigen der radikalsten Elemente der Patientenrechtebewegung übernommen wurde,... " *

In der Eile, die psychiatrische Hegemonie über das "Wohlergehen von Menschen mit Behinderungen" zurückzugewinnen, versucht die WPA, die tiefgreifende Veränderung zu verschleiern, die die UN-Menschenrechtsabteilung vorgenommen hat. In ihrer Publikation "Mental Health and Human Rights"Dokument A/HRC/34/32, ließ sie den dystopischen Anspruch eines Rechts auf Gesundheit fallen, der früher so formuliert wurde: "Gesundheit ist ein Zustand der vollständigen physischen, mentalen und gesellschaftliches Wohlergehen und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen ". Ein solches Recht schließt auch ein Verbot des Todes ein ... Die WHO hat früher mit diesem "Recht" argumentiert, aber die UN-Menschenrechtsabteilung hat sich für eine radikal andere Neuinterpretation entschieden und spricht nun stattdessen von einem Recht auf Gesundheit als einem Recht auf medizinische Behandlung auf der Höhe der Zeit, aber niemals ohne informierte Zustimmung.**
 
Daraus ergaben sich die Forderungen des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Zeid Ra ' ad Al Hussein, einem "der radikalsten Elemente der Patientenrechtebewegung", der "die Eliminierung von Praktiken wie Zwangsbehandlung, einschließlich erzwungener Medikamente, erzwungener elektrokonvulsiver Behandlung, erzwungener Institutionalisierung und Separation" forderte, siehe seinen Bericht vom 4. Juli 2018.*** 
 
Um der Schande noch Scham hinzuzufügen, ...Lesen Sie mehr »

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Die Aktion Psychisch Kranke (APK) e.V. hat im Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit einen "Dialog Weiterentwicklung" eingerichtet. Inzwischen wurde eine Rubrik "Stellungnahmen" eingerichtet und (als bisher einzige) eine Forderung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener zu Selbstbestimmung und Partizipation mit deren Begründung veröffentlicht, siehe: 
https://www.psychiatriedialog.de/fileadmin/downloads/Stellungnahme_Selbstbestimmung_Partizipation.pdf
Obwohl deren Hegemonie gebrochen ist, versucht die Psychiater-Zunft zäh an ihrer willkürlichen Machtausübung fest zu halten. 
Das wird an der Stellungnahme deutlich, die beginnt mit:
Wir möchten uns an Sie wenden, da die zivilgesellschaftlichen Mittel erschöpft sind und nur noch durch ein neues Gesetz Menschen-und Grundrecht durchgesetzt werden kann, denn die Psychiatrische Fachgesellschaft (DGPPN) hat jede Glaubwürdigkeit verloren.
Weiter unten:
...Die DGPPN will also aus dem gegebenen Versprechen eine täuschende Lüge machen, weil deren Mitglieder an ihrer willkürlichen Machtausübung entgegen den eindeutigen Regelungen des Patientenverfügungsgesetzes festhalten wollen.... 
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Am Samstag, 25.5. gab es in Hamburg eine Demonstration wegen des gewaltsamen Todes von Tonou-Mbobda bei einem Fixierungsversuch, siehe hier. Obwohl in den Medien nur von 700 Teilnehmern die Rede ist, berichtete uns ein Augenzeuge, dass ca 1200 Personen demonstrierten. Berichte mit Fotos siehe: 
https://www.tag24.de/nachrichten/hamburg-uke-krankenhaus-eppendorf-patient-psychiatrie-fixierung-tod-demonstration-1078189
https://www.focus.de/regional/hamburg/demonstrationen-700-menschen-bei-protestzug-zum-tod-eines-uke-patienten_id_10760365.html
https://www.shz.de/regionales/hamburg/nach-tod-eines-psychiatrie-patienten-am-uke-rund-700-menschen-protestieren-id23997597.html

Tod nach Fixierung: Staatsanwaltschaft Lübeck erhebt Anklage 
Rund ein dreiviertel Jahre nach dem Tod eines 33-Jährigen in einem Lübecker Krankenhaus hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge gegen mehrere Krankenhausmitarbeiter und Polizisten erhoben. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Lübeck mit. Bericht in der Süddeutschen hier: https://www.sueddeutsche.de/news/panorama/notfaelle---luebeck-tod-nach-fixierung-staatsanwaltschaft-luebeck-erhebt-anklage-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-190529-99-431965

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Völlig unbeeindruckt davon, dass gerade aktuell mehrere psychiatrische Fixierungsversuche tödlich endeten, hat der Bundestag wieder mit einem neuen Gesetz versucht, dieser Foltermethode ein legalisierendes Mäntelchen umzuhängen. In der Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages am 8.5. sprachen zwar zwei Rechtsprofessoren davon, dass der Gesetzentwurf zumindest nicht in der vorliegenden Form  verfassungskonform sei, aber das hinderte die GroKo nicht daran, den Entwurf am 15.5. im Rechtsausschuss durch zuwinken und am 16.5. im Plenum gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien endgültig zu verabschieden, siehe hier:https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw20-de-fixierungen-freiheitsentzug-641624
Die Anhörung im Rechtsausschusses: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/102/1910243.pdf
Wir finden das Verfahren zwar zynisch, können aber leider nur noch auf eine Welle von gerichtlichen Beschwerden hoffen, die gegen Fixierungen als Rechtsmittel eingelegt werden.

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Der Spiegel berichtete letzte Woche auf drei Seiten unter dem Titel "Im Dienste des Bösen" davon, wie wesentlich die internationale von der deutschen Psychiatrie bestimmt war. Leider haben wir keine Copyrights für den Artikel, aber hier wird darüber berichtet und er kann bestellt werden:
https://magazin.spiegel.de/SP/2019/21/163955882/index.html
https://twnews.de/de-news/rassenhygiene-arzte-propagierten-die-lehren-der-nazis-lange-nach-dem-krieg

Die Forschungsergebnisse von Volker Roelcke bestätigen genau das, was wir beim WPA Protest 2017 mit dem Hauptartikel von Thomas Foth vertreten haben: 
Der Rassismus der Psychiatrie und die tödliche Verbundenheit  zwischen deutscher und internationaler Psychiatrie
siehe:  https://die-bpe.de/fiktive_wissenschaft/thomas_foth.htm

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Dies sind Nachrichten des Werner-Fuß-Zentrums
im Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
http://www.psychiatrie-erfahrene.de
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