Donnerstag, 26. April 2018

[Chiapas98] Mexiko: Neue Erkenntnisse im Fall Ayotzinapa (amerika21 v. 24.4.2018)

24.04.2018

Mexiko: Neue Erkenntnisse im Fall Ayotzinapa

Von

Mexiko-Stadt. 
Mit zweieinhalbjähriger Verzögerung ist nun die Empfehlung der unter dem Kürzel GIEI bekannten unabhängigen Expertengruppe befolgt worden, die Textnachrichten eines in Chicago agierenden Drogenrings auszuwerten, um Aufklärung in den Fall der verschwundenen Studenten von Ayotzinapa zu bringen. Die GIEI war bei ihren Recherchen auf eine Strafanzeige der US-amerikanischen Drogenbehörde (DEA) aus dem Jahr 2014 gestoßen. In ihrem ersten Bericht vom September 2015 empfahl die Expertengruppe, dass die mexikanischen Behörden die US-Justiz ersuchen sollte, die transkribierten Nachrichten zur Verfügung zu stellen. Mexiko verschob dieses Ersuchen aus "unbegreiflichen" Gründen, so die GIEI, mindestens zweimal.
Die DEA hatte 15 Monate lang die SMS der Chicagoer Drogenbosse der Guerreros Unidos abgefangen. In diese Periode fiel auch das gewaltsame Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten. Laut einem am 12. April in der mexikanischen Zeitung Reforma erschienen Bericht, erteilten die Drogenhändler in Chicago ihren "Kollegen" im mexikanischen Bundesstaat Guerrero Anweisungen und ließen sich über die Entwicklung der Dinge, die in der Nacht von 26. zum 27. September in Iguala passierten, auf dem Laufenden halten. Die Textnachrichten aus Chicago enthielten Forderungen, dass die lokalen Polizeikräfte aus benachbarten Orten an der Operation teilnehmen sollen. Außerdem wiesen sie den Staatsanwalt von Guerrero und andere Staatsbedienstete an, unterstützend einzugreifen.
Die SMS enthalten keine Hinweise auf den Verbleib der Entführten, nehmen aber in kodierter Sprache klar auf die Studenten Bezug nehmen. Auch zur Beteiligung von Armee und Bundespolizei enthalten sie keine neuen Erkenntnisse. Diese Akteure werden in der Kommunikation nicht erwähnt, obwohl sie in der bewussten Nacht anwesend waren und bei der Überwachung der Studenten eine Rolle spielten.
Die neuen Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass es sich bei den Guerreros Unidos nicht um eine provinzielle Bande von Kriminellen handelt, sondern um einen transnational agierenden Drogenring. Auch ist jetzt die von manchen Kommentatoren und Offiziellen kolportierte Sichtweise endgültig ad absurdum geführt, dass die Studenten von Drogenhändlern "infiltriert" worden seien, so dass sich die Katastrophe sozusagen von innen heraus entwickelt hätte. Eine eidesstattliche Erklärung, die der US-Staatsanwaltschaft vorliegt und die den unabhängigen GIEI-Experten zur Verfügung gestellt wurde, bestätigt, dass Drogenbanden internationale Fernbusse frisiert haben, um Drogen hin und Geld zurück zu schmuggeln. Diese Busse kamen aus dem Bundesstaat Guerrero.
Wann genau die SMS-Transskripte aus Chicago den mexikanischen Behörden übergeben wurden, bleibt weiterhin unklar. Der Tageszeitung Reforma sind die Informationen vermutlich von der mexikanischen Regierung zugespielt worden.
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