Donnerstag, 26. April 2018

Der Kriegsgott hämmert an die Tore (Günter Buhlke)


In der zweiten Märzwoche wurde der Friedensengel heftig aus seinem Schlummer aufgeschreckt. Die westliche Gemeinschaft war sich plötzlich einig, die verwerfliche Tat gegen den Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in der englischen Stadt Salisbury zu nutzen, um mit vereinten Fingern auf Russland  zu zeigen. Methoden des Kalten Krieges stehen plötzlich wieder im Raum.

Die Distanz zwischen Krieg und Frieden hat sich in den ersten beiden Märzwochen bedenklich verringert, wie in den Jahren um 1938. Es stellt sich die Frage nach dem Nutzen von Spannungen mit weltweiten Wirkungen bei der augenblicklichen Hektik der NATO-Regierungen.

Die britische Premierministerin braucht eine innere Ablenkung vom Drama des Brexit und die US-Administration von den unheilvollen Dekreten ihres Präsidenten, die Unruhe im Welthandel und Sorgen bei den lateinamerikanischen Nachbarn durch Mauern und Sanktionen verbreiten. Wirtschaftserfolge Chinas und linksalternative Entwicklungen in Lateinamerika machen Präsident Donald Trump und die EU-Regierungen nervös. Große private Kapitalbeträge suchen gewinnbringende Verwendung in der Rüstungsindustrie; auch für den Wiederaufbau zerstörter Wohnanlagen, Fabriken und Infrastrukturen. Wladimir Putin erhält durch die Schuldzuweisungen der westlichen Welt im eigenen Land eher Aufwind. Sein Wahlergebnis belegt das. Denkbarer Grund für den enormen Spannungsaufbau wäre auch ein Vorspiel zum Boykott der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland durch die »westliche Wertegemeinschaft«.

Dem Sturm, hoffentlich nur im Wasserglas, muss misstraut werden. Wir sollten uns daran erinnern: Der Zweite Weltkrieg begann 1939 nach einem konstruierten Überfall auf den Sender Gleiwitz. Der Vietnamkrieg erreichte seinen schrecklichen Höhepunkt nach dem Eintritt der USA mit der Begründung, Fischerboote Nordvietnams hätten einen US-amerikanischen Kreuzer angegriffen. Der Irakkrieg begann nach Lügenmeldungen über fahrbare Chemiewaffenanlagen.

Der französische Philosoph und Aufklärer Voltaire (François Marie Arouet) hatte für schwierige Situationen den Hinweis parat, dass die menschliche Vernunft und ihre Tochter, die Wahrheit, Lösungen parat halten würden, falls sie zu Wort kämen. In Korea bahnt sich möglicherweise etwas an, und die Vernunft zeigt einen Ausweg. Das Wissen um die Vernichtungskraft der Atomwaffen und das Tötungspotential chemischer Kampfstoffe sollten der Vernunft und der Wahrheit immer die Oberhand verschaffen. Der ökologische Zustand der Welt ist bedenklich genug.

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