Roberto J. De Lapuente über den
Umgang mit den prekär beschäftigten Arbeitstieren der Treppenhäuser
"Zu Tausenden beschweren sich die Menschen über Paketzusteller, allen
voran kurz vor Weihnachten. Die Verbraucherzentrale stimmt in den
Kanon ein und dokumentiert die vermeintliche Schlamperei. Ton und Maß
der Kritik an den Beschäftigten gleicht dabei dem Gejammer
wilhelminischer Herrschaften über ihr unzuverlässiges Gesinde. (...)
seien wir doch mal ehrlich: Die Meldung dort dient der Anschwärzerei;
da werden die Lieferanten in die Pfanne gehauen. Dabei trifft sie doch
nicht die Schuld. (...) Paketzusteller, das ist schon so ein
Knochenjob geworden in den letzten Jahren: Gut bezahlt war er nie,
körperlicher Kraftakt hingegen immer. Altbauten ohne Lift, sich Zeit
lassende Kunden, überall steht man mit seinem Kleinlaster im Weg oder
Halteverbot. Jahr für Jahr bestellen die Leute mehr im Internet und
damit wächst auch die Arbeit der Zusteller. Vor einiger Zeit hat
Günter Wallraff mal verdeckt bei GLS als Zusteller gearbeitet. Was man
da sah, hat alle bis dato kursierenden Gerüchte bestätigt. Als
Zusteller ist man nicht selten zehn oder zwölf Stunden am Tag im
Einsatz. Zur Weihnachtszeit ohnehin. Ständig ist man dem Druck des
Vorgesetzten und der Kunden ausgesetzt, nie ist man schnell,
freundlich oder gründlich genug. Und am Monatsende wird die Rechnung
serviert: Als Lohnabrechnung. Bei DHL mag Manches nicht ganz so
drastisch sein wie bei der Konkurrenz, aber der Druck und das kaum
mehr zu bändigende Pensum überfordern auch hier..." Artikel von
Roberto J. De Lapuente bei neues Deutschland vom 23. Dezember 2016
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1036262.paketzusteller-als-modernes-gesinde.html
Auch ver.di meint - angesichts der Rekordmengen, die in diesem Jahr zu
Weihnachten von den Paketdiensten befördert werden - "Paketzusteller
brauchen gute Arbeitsbedingungen"
http://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++184f31d8-c847-11e6-99de-525400b665de
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