Liebe Kolleg*innen und Freund*innen, sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchten wir Sie wieder auf Publikationen und Nachrichten aus unserer Projektregion aufmerksam machen. Zudem finden Sie Hinweise auf kommende Veranstaltungen in Berlin. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!
VERANSTALTUNGEN IN BERLIN
“THE QUEEN COMMANDED HIM TO FORGET“
Die Regisseurin Ofira Henig – zuletzt mit ihren Produktionen KIND OF und The Bees’ Road beim Festival Internationale Neue Dramatik der Schaubühne in Berlin zu Gast – entwickelt gemeinsam mit dem Schauspieler und Dramaturgen Khalifa Natour eigens für den Pierre Boulez Saal ein neues Stück, in dem sich die Grenzen zwischen Theater, Musik und Poesie, aber auch zwischen verschiedenen Kulturen verwischen. The Queen Commanded Him to Forget basiert auf einem Roman des libanesischen Schriftstellers Elias Khoury und ist außerdem inspiriert von Brechts Mutter Courage, Mahlers Kindertotenliedern und dem Märchen von Hänsel und Gretel. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Figur der Umm Hasan, die alles tun würde, um in Zeiten des Krieges das Wohl ihrer Kinder zu sichern. Das Stück geht der Frage nach, welche Rolle Literatur für das Bewahren der Erinnerung und als Teil eines Prozesses spielen kann, der das Vergessen festschreibt.
In arabischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Premiere am 14. April 2020, 19.30Uhr; weitere Aufführungen am 22., 23., 24. April 2020, 19.30Uhr
“HEMINGWAY. GAZA. BIG FISH.“
Das Film Riss Theater untersucht gemeinsam mit Jamal Abu Alquamsan assoziativ, mit Händen und Füßen Hemingways Novelle »Der alte Mann und das Meer« und siedelt den Kampf des vom Pech verfolgten Fischers Santiago im Gazastreifen an. Santiago hat nach langer Durststrecke den größten Fisch seines Lebens am Haken — so groß, dass dieser ihn an die Grenzen seiner Kräfte bringt und ihn weit aufs offene Meer hinaustreibt. Wer oder was ist der lang ersehnte große Fisch in Gaza, wo die Fischer nicht mehr als 3,5 Kilometer hinaus fahren dürfen? Vor der Kamera wandeln sich Gegenstände in Über- und Unterwasserwelten eines begehbaren Films. Gespielt wird »über Bande« zwischen Berlin und Gaza.
Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Premiere am 24. Januar 2020, 20Uhr; weitere Aufführungen am 25. Januar, 28., 29. Februar 2020, 20Uhr
PUBLIKATIONEN
ISRAEL
„Wann wird es Frühling in Tel Aviv?“
Überlegungen zur Rolle der israelischen Linken im Kontext der emanzipatorischen Aufbrüche in Westasien und Nordafrika
Der Artikel ist demnächst auch auf Arabisch und Hebräisch verfügbar.
LIBANON
„Die Macht der Verzweiflung. Chronik zu den Protesten im Libanon und im Irak“
Seit dem 1. Oktober 2019 finden im Libanon und im Irak Massenproteste statt. Beide Protestbewegungen brachen nicht nur nahezu gleichzeitig aus, die Leute auf der Straße demonstrieren auch gegen ähnliche Missstände und haben ähnliche Forderungen: Gegen das herrschende politische System und gegen die herrschende politische Elite, gegen Konfessionalismus, Klientelismus und Korruption, gegen politische Gewalt und Willkürlichkeit, gegen neoliberale und kapitalistische Politik, gegen Althergebrachtes, und damit für eine Neuerfindung von politischer Praxis und System in beiden Ländern.
IRAK
„Irak: Ein Land erschafft sich neu. Wie die Revolution im Irak sich selbst organisiert. Eine Reportage vom besetzten Tahrir-Platz in Bagdad.“
Um auf den derzeitigen Hauptprotest-Platz zu kommen, den Befreiungsplatz (Sahit Tahrir), steigen wir am Platz der Sa´adoun-Straße aus. Dort hat die Regierung die Straße mit Mauern aus Betonblöcken gesperrt, etwas, das in Bagdad nicht unbekannt ist. Wir laufen zwischen den Straßensperren hindurch. Unbewaffnete Polizisten stehen dort. Einige Meter weiter steht der selbstorganisierte Sicherheitsdienst der Protestierenden. Hier werden Taschen nach Messern und anderen Waffen durchsucht. Es ist die erste Form der Selbstorganisation, auf die wir stoßen. Die Sicherheitsleute gehören dem «Komitee für Sicherheit» an. Es sind Frauen und Männer, die über das gesamte Gebiet der Proteste verteilt sind, denn trotz revolutionärer Stimmung mischen sich immer wieder Unruhestifter unter die Protestierenden. Die Aktivist*innen in dem Zelt, in dem wir durchsucht werden, haben die Schicht die letzten drei Tage lang übernommen und freuen sich, dass sie die ersten sind, die die Protestierenden und Unterstützer*innen begrüßen können.
SYRIEN
„Idlib: der tägliche Vernichtungskrieg. Die Tragödie in Nordwestsyrien“
Der Einmarsch der Türkei Anfang Oktober hat Syrien für eine kurze Zeit noch einmal in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Weltweit protestierten Menschen gegen die türkische Aggression, in den Medien wurden die (geo-) politischen Folgen dieser neuen dramatischen Entwicklung ausführlich dargestellt und analysiert. Dies steht in einem auffallenden Kontrast zu dem Schweigen und der scheinbaren Gleichgültigkeit gegenüber einer anderen syrischen Tragödie, die sich seit sieben Monaten ein paar Hundert Kilometer weiter südwestlich abspielt: der systematische Vernichtungsfeldzug des syrischen Regimes und Russlands mit beinahe täglichen Artillerie- und Bombenangriffen in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes.
„Syrisches Pfund auf historischem Tiefststand“
Anfang Dezember fiel der Wechselkurs des syrischen Pfunds auf dem Schwarzmarkt auf ein bisher noch nicht dagewesenes Tief von 1.000 Pfund für einen Dollar. Nach dem offiziellen Kurs war der Dollar zu diesem Zeitpunkt 434 syrische Pfund wert. Vor dem Krieg, Anfang 2011, mussten lediglich 48 syrische Pfund für einen Dollar bezahlt werden. Diese Entwicklung spiegelt die massiven ökonomischen Probleme wider, mit denen das Assad-Regime konfrontiert ist. Besonders im letzten Jahr war der Wertverfall des syrischen Pfunds besonders dramatisch, seit Ende September ist das syrische Pfund um 20 Prozent gegenüber dem Dollar gefallen. Hierfür gibt es eine Reihe aktueller Auslöser, es wirken aber auch tieferreichende strukturelle Ursachen.
SAUDI-ARABIEN
„Der Kampf der ‚Anderen‘. Schiit*innen in Saudi-Arabien“
Schiit*innen in Saudi-Arabien werden systematisch diskriminiert. Warum das so ist, weshalb Schiit*innen stark für Arbeiter*innenrechte kämpften und wovor das Königshaus sich fürchtet, zeigt ein Blick in die Geschichte.
Zum Artikel von Christopher Resch
JEMEN
„Krieg im Jemen: Regionale Akteure und die Fragmentierung des Staates“
Der Konflikt im Jemen wird in den deutschen Medien oft als «vergessener Krieg» behandelt. Die Komplexität des Krieges wird von den Medien hierzulande kaum beleuchtet, stattdessen reduzieren sie den Konflikt auf einzelne vereinfachte Teilaspekte. So gilt er als Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien, das die international anerkannte Regierung unter Präsident Abdulrabu Mansour Hadi unterstützt, und dessen regionalem Gegenspieler, dem schiitischen Iran. Dieser steht hinter der Huthi-Bewegung im Nordwesten des Landes. Zum einen verkennt diese Perspektive die komplexe Eigendynamik des Konflikts, die den Krieg 2014 ins Rollen brachte und bis heute weiter prägt. Zum anderen vereinfacht diese Sicht auch die Rolle dieser regionalen Akteure; nach fünf Jahren Krieg wirkt ich das Handeln der Regionalakteure aber immer unmittelbarer auf die Konfliktdynamiken aus. Gleichzeitig ist das Verhältnis zwischen den externen Akteuren viel zu komplex, um sie mit ihren Absichten und in ihrem Wirken zwei Lagern zuordnen zu können.
NEUES AUS DEN BÜROS
Das RLS-Büro Beirut unterstützt die Fachzeitschrift “Forced Migration Review“ der University of Oxford
Die 62. Ausgabe der Fachzeitschrift “Forced Migration Review“ des Refugee Studies Centre der University of Oxford entstand mit Unterstützung des RLS-Büros in Beirut und ist nun erschienen.
Forced Migration Review issue 62 with a major feature on ‘Return: voluntary, safe, dignified and durable?’, and a mini-feature on ‘Towards understanding and addressing the root causes of displacement’
Voluntary return in safety and with dignity has long been a core tenet of the international refugee regime. In the 23 articles on ‘Return’ in this issue of FMR, authors explore various obstacles to achieving sustainable return, discuss the need to guard against premature or forced return, and debate the assumptions and perceptions that influence policy and practice. This issue also includes seven articles on ‘Towards understanding and addressing the root causes of displacement’, prepared as resource material for the forthcoming Global Refugee Forum.
ROSA LUXEMBURG STIFTUNG
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