Die Souveränität der Nationalstaaten gegenüber der EU verteidigen, ist
ungefähr so, wie die EU gegen die europaweite aktuelle Welle des
Nationalismus und Rassismus zu verteidigen – im allerbesten Falle
überflüssig. Erst recht, wenn dies aus sozialen oder demokratischen
Gründen geschehen soll. Gerade die stärkste treibende Kraft der EU –
auch BRD-Kapital genannt – macht dies deutlich: Es war nicht die EU,
die die Hartz IV-Peitsche entwickelt hat, die anderen EU-Staaten
passen sich dem Zwang zu Niedriglöhnen aus Konkurrenzgründen nur an.
Und es ist auch nicht die EU, die zur Repression sozialen Protests
gerade ein Nachbarland der BRD zur großen Polizeination macht, oder,
weiter östlich, südlich und nördlich, den Nationalismus, Hass und
Gewalt mobilisiert. Aber es ist die EU, die einen Krieg im Mittelmeer
führt, für den sie Frontex weiter aufrüsten will und für andere
Auseinandersetzungen das keineswegs friedliche Projekt PESCO verfolgt.
Es ist die EU, die sich an einem Tag – zur Befriedung (viel zu
kleiner) gewerkschaftlicher Opposition – kostenlose soziale Säulen
gibt, um am nächsten Tag die Renten nach bundesdeutschem Muster zu
privatisieren. Es ist die EU, die ihre Reformierbarkeit immer dann
zeigt, wenn es darum geht, die Interessen des Kapitals reibungsloser
durchzusetzen, ansonsten: Frag mal in Griechenland, wie es mit
Volksabstimmungen aussieht… Das Problem besteht in der Schwäche
antikapitalistischer Bewegungen, Konzepte und Entwicklungen, die
gerade die transnationalen Momente befördern, zu entwickeln. Das aber
ist für die gerade jetzt so oft beschworene linke Realpolitik nicht
anders: Die endet in der Regel im besten Fall als Juniorpartner einer
reaktionären Regierung… Ob jemand bei dieser Wahl mitmachen will, sei
ihr oder ihm überlassen, aber es sollte dabei nicht vergessen werden,
dass die kleineren Übel in den letzten Jahren heftig gewachsen sind -
quantitativ wie qualitativ. Bei der Wahl zwischen dieser EU der
Maastricht-Verträge und der (keineswegs nur) europaweit mobilisierten
Rechten vertreten wir, wie schon immer, den Einsatz für alles, was
antikapitalistisch, transnational, sozial und emanzipatorisch ist. Die
Redaktion des LabourNet Germany fasst in einer umfangreichen
Materialsammlung zu dieser Wahl am 26. Mai 2019 deswegen eher nochmals
aktuell ihre Positionen zusammen, wie sie – beispielsweise – immer
wieder in der LabourNet Germany-Rubrik Ein anderes Europa" (?) und die
Linke vertreten wurden.
http://www.labournet.de/?p=149278
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