Samstag, 14. Juni 2014

40. Todestag von Günter Routhier

18. Juni 1974 Günter Routhier – von der Polizei in Duisburg erschlagen Von einem, der es miterlebt hat Von Günter Ackermann Ich arbeitete damals auf der Mannesmann-Hütte in Duisburg-Huckingen im Profilwalzwerk (PWW). Das war ein sehr kämpferischer Betrieb und das Herz der Hütte. Fast der gesamte Stahl, der in Huckingen gekocht wurde, verarbeitete das PWW zu Vormaterialien für Nahtlose Rohre. Wenn bei uns die Produktion stockte, kam es bald auch am Hochofen und im Stahlwerk zu Problemen und am anderen Ende, die Röhrenproduktion von Mannesmann in Mülheim geriet auch ins Stocken. Auf der Hütte arbeitete auch ein mir bekannter Genosse der KPD/ML. Ich kannte ihn aus meiner Zeit bei dieser Partei. Sein Name Hanfried Brenner. Heute ein gut situierter Künstler in Dortmund. In jeder Betriebsversammlung „entlarvte“ Brenner den linken Betriebsratsvorsitzenden Herbert Knapp als Verräter – was der nicht war. Und Brenner rief auch bei jeder Betriebsversammlung zum Streik auf. Jedes Mal! Das aber nahm ihm die Konzernleitung nicht übel, wussten sie doch, hinter Brenner steht keiner. Aber dann beschloss die IG-Metall, dass die KPD/ML-Mitgliedschaft nicht vereinbar sei mit der IGM-Mitgliedschaft. Brenner wurde aus der IG-Metall ausgeschlossen. Das aber bedeutete damals in einem Betrieb mit Montan-Mitbestimmung die Kündigung. Wir waren quasi Zwangsmitglieder der IGM. Brenner bekam prompt die Kündigung von Mannesmann, man warf ihm den Streikaufruf bei der letzten Betriebsversammlung vor. Dass er das schon mindestens 10x getan hatte und immer blieb es folgenlos, sei am Rande vermerkt. Jetzt machte Brenner einen Fehler: Man legte ihm bei der Personalabteilung – hier waren nur ehemalige Betriebsräte beschäftigt – eine Erklärung vor, nach der er den Empfang seiner Papiere quittiert und er erklären sollte, dass er keinerlei Ansprüche mehr an Mannesmann habe. Brenner unterschrieb, wusste aber nicht, dass er damit seiner Entlassung zugestimmt hat. Jeder erfahrene Gewerkschafter wusste, dass man diese Klausel nicht unterschreibt – und auch nicht unterschreiben muss. Brenner – zuständig für Betrieb und Gewerkschaft beim ZK der KPD/ML, aber wusste es nicht. Danach ging er noch zum Arbeitsgericht, verlor aber diesen Prozess – er hatte ja zugestimmt entlassen zu werden. Brenner war damals mein Nachfolger als ZK-Mitglied für Betrieb und Gewerkschaft. Ich sprach ihm, anlässlich einer Flugblattaktion der KPD/ML am Werkstor an und fragte, warum er den Wisch unterschrieben habe. Brenner: „Man hat mich arglistig getäuscht.“ Ich: „Als führender Funktionäre der Partei der Arbeiterklasse musst du wissen, dass das Monopolkapital immer arglistig täuscht.“ Vor diesem Ereignis, im März 1973 kam es dann im PWW zum Streik[1]. Nach 10 Tagen siegten wir. Brenner hat beim Streik keine Rolle gespielt, hat sich wohl aber durch ultralinke Parolen den Ärger vieler Kollegen zugezogen. Als einige Kollegen gegen die Brenner-Leute handgreiflich werden wollten, verhinderte ich das. Fortan standen die am Tor, aber keiner redeten mit ihnen. Beim Gerichtstermin beim Arbeitsgericht in Duisburg – das befand sich damals in der Fußgängerzone der Innenstadt – agitierte die KPD/ML mit Megafon zum Fenster raus auf die Straße. Neben Mitgliedern der KPD/ML waren auch eine Reihe Gewerkschafter von Mannesmann – so auch ich – im Gerichtssaal. Als der Richter den Saal räumen ließ, kam es zu einer Schlägerei mit der Polizei. Hierbei wurde auch Günter Routhier festgenommen. Routhier war Bluter und schrie, als die Polizei ihn in den Polizeigriff nahm: „Ich bin Bluter!“ Der Beamte: „Wer Bluter ist, bestimmen wir“, und schlug ihn mit dem Kopf gegen die Steintreppen. Einige Tage später war Routhier tot. Ich machte damals – und noch heute – der KPD/ML den Vorwurf: - sie hätten keineswegs eine Schlägerei mit der Polizei anfangen dürfen, die sie weder gewinnen noch Außenstehenden verständlich machen konnten, - wenn sie sich aber in eine Schlägerei einlassen wollten, dann hätten sie Routhier raushalten müssen. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere ist die Brutalität, mit der die Polizei gegen die vielleicht 20 KPD/ML-Mitglieder vorging und, wie sie Günter Routhier behandelten. Ich selbst habe gesehen, wie er von einem Polizeibeamten gegen die Steinstufen mit dem Kopf geschlagen wurde. Habe gehört. Wie der Beamte schrie: „Wer Bluter ist bestimmen wir.“ Die Polizei hat Günter Routhier erschlagen, daran besteht kein Zweifel. Entsprechend war ihre Reaktion danach und bei der Protestveranstaltung der KPD/ML gegen diesen Mord. Ich konnte wegen Schichtarbeit nicht an der Veranstaltung in DU-Wanheimerort teilnehmen. Das verstorbene Mitglieder Redaktion von K-Online, Helmut Lucas, war als KPD/ML-Mitglied dabei. Sein Bericht: Helmut Lucas/2004; Vor 30 Jahren, Duisburg – ein Heerlager, (zum Mord am Kommunisten Günther Routhier durch Polizeibeamte in Duisburg 1974) siehe Wir begehen jetzt den 40. Jahrestag des Todes von Günter Routhier. Nie stand ein Staatsdiener wegen des Verbrechens vor Gericht. Wohl aber Menschen, die die Tat als das bezeichneten, was sie war: Mord. Als K-online 2008 darüber berichtete, wurde der Rote Webmaster von dubiosen Gestalten aufgelauert und bedroht. Allem Anschein nach waren es Schläger mit Polizeiausweis in der Tasche – oder Verfassungsschutz. Noch immer ist die Angelegenheit brisant. (siehe) Das aber hindert mich nicht daran, einen Mord auch Mord zu nennen – trotz, dass damals die KPD/ML durch linksradikales Getue und Unfähigkeit der Funktionäre dem Vorschub geleistet hatten. G.A. [1] Näheres siehe: Gerd Höhne: „Wir gehen nach vorn“ Erfahrungsbericht über die Arbeitskämpfe bei Mannesmann, Berlin 1974, Rotbuch 114

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