Samstag, 13. April 2019

Netanjahus Wahlsieg verstärkt die sozialen Spannungen in Israel.

Der Wahlsieg Benjamin Netanjahus von dieser Woche ist ein trügerischer. Seine geplante Koalition wird aus vielen kleinen Parteien und Bündnissen bestehen, die nur in der Summe eine Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Untereinander sind sie höchst unterschiedlich aufgestellt. Es ist ein Kompromiss zu einem besonders hohen Preis. Einig sind sie sich nur bei Premier Benjamin Netanjahus aggressiver Außenpolitik, die in der versprochenen Annexion von Teilen des Westjordanlandes vergangene Woche ihren Höhepunkt fand. Doch abseits des Nahostkonflikts kämpft die israelische Bevölkerung mit schwerwiegenden internen Problemen.

Israel und die Ultraorthodoxen

Eines davon ist der Konflikt zwischen der säkularen Bevölkerung und den Ultraorthodoxen, den Haredim. Unter Netanjahus Koalitionspartnern befinden sich mächtige Interessenvertreter der ultraorthodoxen Bevölkerung, die einst als kleine Gemeinde in Israel ihr Zuhause fand, nun aber stetig an Einfluss gewinnt. Parteien wie die Shas, die bei diesen Wahlen drittstärkste Fraktion wurde, und die Allianz Vereinigtes Thora-Judentum sichern Netanjahu die Macht; dafür wird er wohl ihre Privilegien aufrechterhalten, die im Land für sozialen Zündstoff sorgen.

Die Haredim

Als ultraorthodoxes oder haredisches Judentum beschreibt man sozialkonservative Strömungen, in denen die Erfüllung der religiösen Pflichten und ein lebenslanges Studium der Religion im Vordergrund stehen. Sie sind bis heute weitestgehend von der allgemeinen Wehrpflicht befreit. Ihre Begründung dafür ist, dass das Militär, wie auch viele sonstige »weltliche« Dinge, sie davon abhalten würde, ein auf Gott gerichtetes Leben zu führen. Die meisten leben deshalb in einer Parallelgesellschaft – abgeschottet in ihren eigenen Stadtvierteln.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen