Montag, 29. April 2019

Internationalistische Liste / MLPD: „Erzeugerpreise rauf – Verbraucherpreise runter!“

EUROPAWAHL


„Erzeugerpreise rauf – Verbraucherpreise runter!“ Ein viel beachtetes Plakat der Internationalistischen Liste / MLPD. Geht das überhaupt, fragen manche? Dazu MLPD-Mitglied und Agrarexperte Gerd Zitzner:
Von gz
Mit dieser Forderung machen wir vor allem deutlich, dass wir für höhere Erzeugerpreise zu Gunsten der Klein- und Mittelbauern und auf Kosten der Handels– und Nahrungsmittelkonzerne stehen, die aber nicht zu Lasten der Verbraucher durchgesetzt werden sollen. Gleichzeitig wenden wir uns damit auch gegen die Preisstreiberei durch die Handelsmonopole.

Die Forderung kann sicherlich nicht auf jedes einzelne Produkt angewendet werden. Aber gerade dann, wenn die Qualität von Lebensmitteln in den Vordergrund rückt, wie aktuell mit den Tierlabeln (z.B. Haltungsformen bei Schweinen, mehr Platz und Auslauf usw.) oder auch bei Biomilch oder "Fairer Milch", ist die Forderung hochaktuell.

"Faire Preise" - Illusion im Kapitalismus

Im Durchschnitt liegt der Erzeugerpreis für Milch im Moment bei rund 34 Cent je Liter. Die halbfette Milch beim Discounter kostet zwischen 62 und 65 Cent. Das heißt, die Differenz, mit der die Molkereien und die Einzelhandelskonzerne ihren Profit machen, liegt bei 28 bis 31 Cent.

Die Bauern vom Bundesverband der deutschen Milchviehhalter hatten vor einigen Jahren die „Faire Milch“ eingeführt. 45 Cent bekommen sie dafür, plus Spanne für die Konzerne von 31 Cent, wären zusammen 76 Cent. Im Handel kostet diese Milch 1,19 Cent mit 1,8 Prozent Fett. Die Handelskonzerne verlangen also für die „Faire Milch“ in Zusammenarbeit mit der Milchindustrie (Molkereien) einen satten Aufschlag.

Ebenso für viele andere inzwischen als Konkurrenz zur „Fairen Milch“ auf den Markt gebrachte Sorten (Bergbauernmilch, Heumilch, Biomilch, usw). Aus diesem Grund muss man „fair“ auch in Anführungszeichen setzen. Denn es gibt keine „fairen Preise“ im Kapitalismus, ebensowenig wie „faire“ Löhne.

An der Gülle mehr verdient als am Schwein

Bei Fleisch geht es den Klein- und Mittelbauern genauso. Egal ob Schwein oder Rind, sie werden nach Schlachtgewicht bezahlt. Nach dem ersten und zweiten deutschen Fleischgesetz bedeutet das: Im Schlachthof kommen der Kopf, die Füße und die Innereien weg, der Rest ist das Schlachtgewicht.

Das heißt: Für die Leber oder die im Restaurant als Spezialität teuer bezahlten „Bäckchen“ bekommt der Erzeuger nichts! Die Schweinemäster bekamen monatelang 1,25 bis 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht, da wird an der Gülle mehr verdient als am Schwein.

Organisiertheit und gemeinsamer Kampf

Die Forderung „Erzeugerpreis rauf – Verbraucherpreise runter auf Kosten der Agrar- und Handelskonzerne!“ ist also nicht nur machbar, sondern dringend notwendig. Sie ist eine Voraussetzung, um die Massentierhaltung radikal zurückzufahren. Sie ist insbesondere für kleine und mittlere (bäuerliche) Betriebe wichtig, die bisher schon versuchen, eine andere Tierhaltung zu verwirklichen, durch die Niedrig-Erzeugerpreise aber keine Chance dazu haben.

Um diese Forderung durchzusetzen, braucht es Organisiertheit und den gemeinsamen Kampf von Arbeiterinnen, Arbeitern, Bäuerinnen und Bauern sowie der breiten Massen. Deshalb: Schließt Euch zusammen mit der Internationalistischen Liste / MLPD! Die Agrarplattform des Internationalistischen Bündnisses setzt sich aktiv für diese Forderungen ein.

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