Freitag, 16. September 2016
[Studie] Soziales Europa: Schöne Worte, wenig Substanz
„Die von mir geleitete Europäische Kommission hat“, so
Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juni, „einen europaweiten
Dialog zur Schaffung einer sozialen Säule eröffnet, womit wir vor
allem auch die Arbeitnehmerrechte stärken wollen“. Ein erster Entwurf
mit dem Titel „Die europäische Säule sozialer Rechte“ (The European
Pillar of Social Rights) gelangte bereits im vergangenen Jahr an die
Öffentlichkeit. Im März 2016 sind weitere EU-Papiere erschienen, aus
denen im Laufe dieses Jahres ein Dokument „mit rechtsverbindlichem
Charakter“ werden soll. Die Rechtsexperten Klaus Lörcher und Isabelle
Schömann vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut haben die kursierenden
Schriftstücke analysiert. Ihr Urteil: Mangelhaft! (...) Der
grundsätzliche Standpunkt der EU-Kommission sei klar, so Lörcher und
Schömann. Die „soziale Säule“ werde keineswegs als Wert an sich
betrachtet, sondern lediglich als Hilfsmittel für ungestörtes
Wirtschaftswachstum. Dass es hier nicht um einen Paradigmenwechsel
gehe, sei schon daran zu erkennen, dass auch der Ladenhüter
„Flexicurity“ Eingang in das Konzept gefunden habe. Skeptisch stimmen
außerdem die jüngsten Äußerungen der Kommission zu Mitbestimmung; ihre
Juristen haben zuletzt Argumente derer übernommen, die Mitbestimmung
im Aufsichtsrat mithilfe des Europäischen Gerichtshofs zu Fall bringen
wollen. So bezweifeln die ETUI-Experten, dass die geplante „soziale
Säule“ Beschäftigten oder Arbeitslosen irgendeine substanzielle
Verbesserung bringen wird..." Beitrag aus Böckler Impuls Ausgabe
13/2016 bei der Hans-Böckler-Stiftung - mit Download des englischen
Originalbeitrags "The European pillar of social rights: critical legal
analysis and proposals" von Klaus Lörcher und Isabelle Schömann vom
Juni 2016
http://www.boeckler.de/67109_67124.htm
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