Dienstag, 6. September 2016

Gewerkschaftspolitische Strategien zur Bekämpfung des Niedriglohnsektors



"ver.di hat in den letzten Jahren erfolgreich die Ausdehnung des 
Niedriglohnsektors in ihren Organisationsbereichen mit einer 
Mehr-Ebenen-Strategie bekämpft und auf diesem Weg erhebliche 
Entgeltsteigerungen für die Beschäftigten erreicht. Dabei wurden 
tarifpolitische mit sozialstaatlichen Instrumenten wie dem 
gesetzlichen Mindestlohn strategisch verknüpft. So hat ver.di 
organisationspolitische Schwächen im Kernbereich ihrer Tarifpolitik 
durch politische Kampagnen aufgefangen und sie gezielt zur 
Verbesserung ihrer Durchsetzungsstärke genutzt. Nichts ist geschenkt 
oder von der Politik erbeten – alles ist erkämpft! Die vier 
Instrumente, um die es dabei im Wesentlichen geht, sollen im Folgenden 
in ihrem Zusammenspiel sowie hinsichtlich Funktion und Reichweite 
dargestellt werden..." Artikel von Jörg Wiedemuth in der Zeitschrift 
Sozialismus 9/2016 (pdf)
http://www.sozialismus.de/fileadmin/users/sozialismus/Leseproben/2016/Sozialismus_Heft_09_2016_L3_Wiedemuth_Niedrigloehne.pdf

Darin zum Mindestlohn: "... Um die Durchsetzung nicht zu gefährden, 
haben die Gewerkschaften
bewusst darauf verzichtet, die Forderungshöhe während des 
Durchsetzungsprozesses in der letzten Phase über 8,50 Euro hinaus nach 
oben anzupassen. Die vom Gesetzgeber beschlossene Übergangsfrist von 
zwei Jahren nach der Einführung zum 1. Januar 2015 bis zum 1. Januar 
2017 hat die Höhe des Mindestlohns weiter entwertet. (...) Die 
Entscheidung der Kommission sollte Anlass sein, in den Gewerkschaften 
darüber nachzudenken, ob es nicht eines weiteren Anlaufs bedarf, 
dieses Dilemma der Verstrickung in einen Steigerungsmechanismus, der 
den Mindestlohn zu einem zuschussnotwendigen Minimallohn degradiert, 
aufzulösen und zu der Forderung nach einem verteilungspolitisch 
begründeten auskömmlichen gesetzlichen Mindestlohn zurückzukehren und 
dafür auch offensiv zu streiten."

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