Freitag, 26. Oktober 2012

Anderes Mexiko

DJ Camilo Lara über Tanzmusik und Protest »Yo soy 132« heißt die studentische Protestbewegung, die die herrschende Klasse Mexikos und die korrupten Strukturen dahinter angreift. Den Sound für die Proteste lieferte DJ CAMILO LARA. Der fusioniert Cumbia, Bolero und Co. mit elektronischer Musik und Punk, schreibt aber auch überaus bissige Texte. Gesprochen hat ihn nd-AutorKNUT HENKEL. nd: »Mexican Institute of Sound« heißt die Band, mit der Sie gerade in Europa unterwegs sind. Warum haben Sie einen derart gespreizten Namen gewählt? Camilo Lara: Ich bin ein Bürokrat, habe 15 Jahre beim Musikkonzern EMI gearbeitet und wollte deshalb auch einen bürokratischen Namen für mein erstes komplett unabhängiges Projekt. Ich fand es einfach spaßig, Tanzmusik unter einem so steifen Namen zu präsentieren. »Político«, das aktuelle Album, bietet aber beileibe nicht nur Tanzmusik ... Ja, »Político« ist ein persönliches Manifest der derzeitigen Situation in Mexiko. Wir haben die Dinge beim Namen genannt, aber dabei nicht den Spaß vergessen. Für den Kopf und für die Beine haben wir produziert und viel in die Qualität der Aufnahmen investiert. Das Album klingt wie der Soundtrack zum Widerstand von Unten, gegen Korruption und die Macht der Narcokartelle. Denken Sie ähnlich wie die Studenten, die die Protestbewegung »Yo soy 132« aus der Taufe hoben? Ja, wir haben zusammengearbeitet. So ist das Video zu »México« gemeinsam mit den Studenten entstanden. Mein Haus war quasi das Hauptquartier zur Vorbereitung mancher Demonstration. Aber auf den Wahlausgang hatten wir zu wenig Einfluss. Immerhin haben wir dem anderen Mexiko eine Stimme gegeben - das ist ja schon mal was und darauf kann man vielleicht aufbauen. Was hat Sie zu dieser bissigen Platte inspiriert - zuvor drehten sich Ihre Texte doch eher um Ihr alltägliches Leben und wurden von fetten Cumbia-Beats begleitet? Diese Platte ist so etwas wie der letzte Appell, um mich mit Mexiko zu versöhnen. Es gab einen explosiven Auslöser. Das war der Fund von vier Tonnen C-4 Sprengstoff in meiner direkten Nachbarschaft vor einem Jahr. Ich habe Wand an Wand mit dem Sprengstoff geschlafen. Letztlich ist damit die Politik zu mir nach Hause gekommen. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht? Ja, ich habe mich dann noch in derselben Nacht daran gemacht, das erste Stück von »Político« zu schreiben und alle Bedenken über Bord geworfen. »Político« steht im Zeichen der Cumbia, man hört aber auch viele Einflüsse heraus, etwa die 80er-Keyboard-Passagen ... Musik soll Spaß machen. Ich bin zwar mit der Cumbia aufgewachsen, aber nicht nur von ihr geprägt. Ich bin schon als Halbwüchsiger zur Musik gekommen, meine Brüder sind Musiker und in meiner Familie war Musik immer Bestandteil des Alltags. So habe ich mir auch die ersten Jobs im Musikbusiness gesucht. Später habe ich dann kleine Compilations gemacht. Als ich meine ersten Songs schrieb, wollte ich wie »Kraftwerk« klingen. Am Ende klang es jedoch wie Cumbia mit einem Electro-Touch. Generell gefällt mir so einiges. Ich bin ein Fan von The Clash, den Sex Pistols, aber auch von Rock Steady, ich schätze einen guten Bolero, mag Mambo und ChaChaCha und all das hat auch Platz in meiner Musik. Jetzt sind Sie in Europa unterwegs - wie ist die Resonanz auf die Show Ihrer Band? Wir haben Spaß, sind sozusagen ein erweitertes Soundsystem. Ein Schlagzeuger, ein Bassist und ich an den Keybords. Wir sorgen für eine energetische Show, sind eine Kreuzung zwischen Punkband und Cumbia Soundsystem. Das kommt an. URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/802212.anderes-mexiko.html _______________________________________________ Chiapas98 Mailingliste JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider Chiapas98@listi.jpberlin.de https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98

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