Corona bringt Licht ins Dunkel der Fleischproduktion
“…
Das Corona Virus offenbarte im Zeitraffer Tempo, was bis Frühjahr
dieses Jahres von der industriellen Fleischproduktion, deren Lobbyisten
und der sie unterstützenden Politik erfolgreich gedeckelt wurde. Da sich
bundesweit Schlachthöfe als Hotspots von Corona Infektionen offenbaren,
wurden plötzlich auch die Zustände in diesen Schlachthöfen zum Thema
und damit auch das seit Jahrzehnten bestehende gewinnbringende Modell
des Subunternehmertums mit Werksvertragsarbeitern. So wichtig und
absolut überfällig diese Berichte sind und es kann gar nicht genug davon
geben, weil mit ihnen doch immer wieder und immer noch weitere
unfassbare Aspekte dieses modernen Sklavenhaltertums ans Licht kommen,
begleitet diesen Moment der breit gestreuten medialen Erkenntnis doch
auch ein Hauch von Bitterkeit. Ja, es ist bitter, mitzuerleben, dass es
erst einer Pandemie wie der aktuellen bedarf, um die unhaltbaren
Zustände an diesen Tierschlacht- und Zerlegungsfabriken sichtbar zu
machen. Erst mit der Pandemie werden diese Fabriken zur Gefahr für die
Menschen in der Region, für die deutsche Bevölkerung, die nun mit von
den Zuständen in diesen Fabriken betroffen sind. Es ist bitter für die
Betroffenen, die erst nach den positiven Covid-19 Tests sichtbar wurden
in unserer Gesellschaft. Die sich erst unfreiwillig infizieren mussten,
um gesehen und gehört zu werden. Um ihre Geschichte als moderne Sklaven
mitten in Deutschland erzählen zu können. Bitter auch für diejenigen,
die seit Jahren diese Verhältnisse aufzeigen, die seit Jahren
Veränderung fordern, die sich seit Jahren für Menschenwürde und Tier
Wohl engagieren und die die in den Arbeitsverhältnissen der Schlachthöfe
stattfindenden Menschenrechtsverletzungen detailliert beschrieben
haben…” Beitrag vom 08.07.2020 bei eha-Media 
und weiter daraus:
- “… Seit Jahren wurde und wird von Gewerkschaften, von
Bürgerinitiativen und Kirchengruppen, von einzelnen Journalist*innen
dieses System des Sub-Unternehmertums mit Werksverträgen heftig
kritisiert, mittels dessen im System Tönnies hauptsächlich
osteuropäische Arbeiter und Arbeiterinnen als moderne Sklaven die rund
21 Millionen Schweine jährlich schlachten und zerlegen. Wie er sich
gegen alle Anfeindungen, alle Skandale bisher erfolgreich wehren kann
heute in den vielen Reportagen nachgelesen werden. Egal, ob er mit
„Gesprächsangeboten“ und „Runden Tischen“ und kleinen, für ihn letztlich
unbedeutenden Zugeständnissen, den Kritiker*innen Wind aus den Segeln
zu nehmen schaffte. Es waren immer Maßnahmen, die dem Aufbringen von
kleinen, für die Heilung großer Wunden unbedeutenden Pflastern
gleichkamen. Auch die Selbstverpflichtungserklärung, die er im Herbst
2015 öffentlichkeitswirksam als einer der sechs Großen im
Schlachtgeschäft unterschrieb, wonach bis Juli 2016 sämtliche Jobs in
den Schlachthöfen und Zerlege Fabriken auf deutsches Arbeitsrecht
umgestellt werden sollte, war nichts weiter heiße Luft. Waren leere
Worthülsen, die das Papier nicht wert sind, auf das sie geschrieben
wurden. Großmäulig in die Mikrophone gesprochen, verpufften sie direkt
nach Ende der Ansage irgendwo in den Sphären. Das System Tönnies konnte
fortfahren, ohne auch nur im Ansatz auf Einhaltung der
Selbstverpflichtung kontrolliert zu werden. Gesetze zum Tier Wohl oder
für standardisierte faire Arbeitsbedingungen für die in den
Großbetrieben der industriellen Fleisch- und Landwirtschaft
Beschäftigten scheint nicht im Interesse des Ministeriums für Ernährung
und Landwirtschaft zu liegen. Vielmehr agiert dieses Ministerium sehr
deutlich im Interesse der großen Lobbyisten. Weder die aktuelle
Ministerin Julia Klöckner, noch ihr Vorgänger Schmidt engagierten sich
in diesen Bereichen für nachhaltige Veränderungen im Interesse der
Arbeitnehmer*innen, im Interesse des Tierwohls und der Umwelt. Seit vier
Jahren hätte es dieses System, über das sich heute Medien und Politik
empören, schon nicht mehr geben sollen, hätten Herr Tönnies und die
anderen ihre medial gut verkauften Versprechungen umgesetzt und wäre
dies vom Ministerium kontrolliert worden. Doch es blieb unangetastet das
Sub-Unternehmer und das Werkvertragsarbeiter*innen System. (…) Das
Corona Virus und investigative Journalist*innen bringen gemeinsam ans
Licht, wer wissentlich im Dunkeln menschenverachtend und das Tierwohl
außen vor lassend, skrupellos agiert. Das Problem ist präsent und wird
nun vielfach in Talkshows oder Reportagen auf die Fleischgier des
Konsumenten reduziert, auf das gewünschte Billigfleisch in den Regalen
der Discounter. Die Nachfrage von Otto und Helga Normalverbraucher als
Ursache allen Übels. Damit auch sie, die ärmeren Menschen innerhalb
unserer eigentlich reichen Gesellschaft, regelmäßig ihr Stück Fleisch
auf den Tisch bekommen können, sei Billigproduktion notwendig. Ist diese
Billigproduktion mithilfe mafiöser Strukturen nicht auch die Grundlage
für die Milliardengewinne von Clemens und Neffe Robert Tönnies? Wo
bleiben die Fragen danach? Unbestritten ist es absurd, was dem
fleischessenden Teil der Bevölkerung zu Schnäppchenpreisen angeboten
wird für die Grill- und Nackensteaks, die Würstchen und Schnitzel und
was da noch so alles aus dem im Schnelldurchlauf gezüchteten
Schlachtschwein essbares produziert werden kann. Unbestritten ist der
Konsum an Fleischprodukten derjenigen, die auf diese Nahrungsmittel
weiterhin zugreifen, absurd hoch. Weder die Preise, noch die Menge sind
haltbar, vor Allem dann, wenn es um die Frage Klimawandel und
Nachhaltigkeit von Produktionsschritten geht. Überaus absurd ist aber
auch das Privatvermögen, das die Großen der industriellen
Nahrungsmittelproduktion und –Vermarktung sich in den letzten Jahren
angehäuft haben, egal ob ihnen die Marktbeherrschenden Discounterketten
gehören oder ob sie eben Clemens Tönnies heißen und zu 50 Prozent Eigner
des Familienunternehmens sind…“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=175430
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