Dienstag, 14. Juli 2020

Corona bringt Licht ins Dunkel der Fleischproduktion


20.3.2017: Wiesenhof-Schlachtfabrik in Königswusterhausen/Niederlehme blockiert“… Das Corona Virus offenbarte im Zeitraffer Tempo, was bis Frühjahr dieses Jahres von der industriellen Fleischproduktion, deren Lobbyisten und der sie unterstützenden Politik erfolgreich gedeckelt wurde. Da sich bundesweit Schlachthöfe als Hotspots von Corona Infektionen offenbaren, wurden plötzlich auch die Zustände in diesen Schlachthöfen zum Thema und damit auch das seit Jahrzehnten bestehende gewinnbringende Modell des Subunternehmertums mit Werksvertragsarbeitern. So wichtig und absolut überfällig diese Berichte sind und es kann gar nicht genug davon geben, weil mit ihnen doch immer wieder und immer noch weitere unfassbare Aspekte dieses modernen Sklavenhaltertums ans Licht kommen, begleitet diesen Moment der breit gestreuten medialen Erkenntnis doch auch ein Hauch von Bitterkeit. Ja, es ist bitter, mitzuerleben, dass es erst einer Pandemie wie der aktuellen bedarf, um die unhaltbaren Zustände an diesen Tierschlacht- und Zerlegungsfabriken sichtbar zu machen. Erst mit der Pandemie werden diese Fabriken zur Gefahr für die Menschen in der Region, für die deutsche Bevölkerung, die nun mit von den Zuständen in diesen Fabriken betroffen sind. Es ist bitter für die Betroffenen, die erst nach den positiven Covid-19 Tests sichtbar wurden in unserer Gesellschaft. Die sich erst unfreiwillig infizieren mussten, um gesehen und gehört zu werden. Um ihre Geschichte als moderne Sklaven mitten in Deutschland erzählen zu können. Bitter auch für diejenigen, die seit Jahren diese Verhältnisse aufzeigen, die seit Jahren Veränderung fordern, die sich seit Jahren für Menschenwürde und Tier Wohl engagieren und die die in den Arbeitsverhältnissen der Schlachthöfe stattfindenden Menschenrechtsverletzungen detailliert beschrieben haben…” Beitrag vom 08.07.2020 bei eha-Media externer Link und weiter daraus:
  • “… Seit Jahren wurde und wird von Gewerkschaften, von Bürgerinitiativen und Kirchengruppen, von einzelnen Journalist*innen dieses System des Sub-Unternehmertums mit Werksverträgen heftig kritisiert, mittels dessen im System Tönnies hauptsächlich osteuropäische Arbeiter und Arbeiterinnen als moderne Sklaven die rund 21 Millionen Schweine jährlich schlachten und zerlegen. Wie er sich gegen alle Anfeindungen, alle Skandale bisher erfolgreich wehren kann heute in den vielen Reportagen nachgelesen werden. Egal, ob er mit „Gesprächsangeboten“ und „Runden Tischen“ und kleinen, für ihn letztlich unbedeutenden Zugeständnissen, den Kritiker*innen Wind aus den Segeln zu nehmen schaffte. Es waren immer Maßnahmen, die dem Aufbringen von kleinen, für die Heilung großer Wunden unbedeutenden Pflastern gleichkamen. Auch die Selbstverpflichtungserklärung, die er im Herbst 2015 öffentlichkeitswirksam als einer der sechs Großen im Schlachtgeschäft unterschrieb, wonach bis Juli 2016 sämtliche Jobs in den Schlachthöfen und Zerlege Fabriken auf deutsches Arbeitsrecht umgestellt werden sollte, war nichts weiter heiße Luft. Waren leere Worthülsen, die das Papier nicht wert sind, auf das sie geschrieben wurden. Großmäulig in die Mikrophone gesprochen, verpufften sie direkt nach Ende der Ansage irgendwo in den Sphären. Das System Tönnies konnte fortfahren, ohne auch nur im Ansatz auf Einhaltung der Selbstverpflichtung kontrolliert zu werden. Gesetze zum Tier Wohl oder für standardisierte faire Arbeitsbedingungen für die in den Großbetrieben der industriellen Fleisch- und Landwirtschaft Beschäftigten scheint nicht im Interesse des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu liegen. Vielmehr agiert dieses Ministerium sehr deutlich im Interesse der großen Lobbyisten. Weder die aktuelle Ministerin Julia Klöckner, noch ihr Vorgänger Schmidt engagierten sich in diesen Bereichen für nachhaltige Veränderungen im Interesse der Arbeitnehmer*innen, im Interesse des Tierwohls und der Umwelt. Seit vier Jahren hätte es dieses System, über das sich heute Medien und Politik empören, schon nicht mehr geben sollen, hätten Herr Tönnies und die anderen ihre medial gut verkauften Versprechungen umgesetzt und wäre dies vom Ministerium kontrolliert worden. Doch es blieb unangetastet das Sub-Unternehmer und das Werkvertragsarbeiter*innen System. (…) Das Corona Virus und investigative Journalist*innen bringen gemeinsam ans Licht, wer wissentlich im Dunkeln menschenverachtend und das Tierwohl außen vor lassend, skrupellos agiert. Das Problem ist präsent und wird nun vielfach in Talkshows oder Reportagen auf die Fleischgier des Konsumenten reduziert, auf das gewünschte Billigfleisch in den Regalen der Discounter. Die Nachfrage von Otto und Helga Normalverbraucher als Ursache allen Übels. Damit auch sie, die ärmeren Menschen innerhalb unserer eigentlich reichen Gesellschaft, regelmäßig ihr Stück Fleisch auf den Tisch bekommen können, sei Billigproduktion notwendig. Ist diese Billigproduktion mithilfe mafiöser Strukturen nicht auch die Grundlage für die Milliardengewinne von Clemens und Neffe Robert Tönnies? Wo bleiben die Fragen danach? Unbestritten ist es absurd, was dem fleischessenden Teil der Bevölkerung zu Schnäppchenpreisen angeboten wird für die Grill- und Nackensteaks, die Würstchen und Schnitzel und was da noch so alles aus dem im Schnelldurchlauf gezüchteten Schlachtschwein essbares produziert werden kann. Unbestritten ist der Konsum an Fleischprodukten derjenigen, die auf diese Nahrungsmittel weiterhin zugreifen, absurd hoch. Weder die Preise, noch die Menge sind haltbar, vor Allem dann, wenn es um die Frage Klimawandel und Nachhaltigkeit von Produktionsschritten geht. Überaus absurd ist aber auch das Privatvermögen, das die Großen der industriellen Nahrungsmittelproduktion und –Vermarktung sich in den letzten Jahren angehäuft haben, egal ob ihnen die Marktbeherrschenden Discounterketten gehören oder ob sie eben Clemens Tönnies heißen und zu 50 Prozent Eigner des Familienunternehmens sind…“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=175430

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