Dossier
„… Der
Neonazi Sascha Krolzig, Bundesvorsitzender von „Die Rechte“, bewarb den
Aufmarsch am Wochenende bei einem Rechtsrock-Festival im thüringischen
Themar. Der Mord an Lübcke werde politisch benutzt, um gegen die rechte
Szene Stimmung zu machen, sagte Krolzig unter dem Beifall Hunderter
Neonazis. Es sei deshalb Zeit, „dass das rechte Lager wieder in die
Offensive geht“. Anmelder der Demonstration ist laut Krolzig der
bundesweit aktive Neonazikader Christian Worch. Der Aufmarsch soll
demnach auch zum Kasseler Regierungspräsidium führen. Walter Lübcke war
Anfang Juni vor seinem Haus im nordhessischen Wolfhagen-Istha durch
einen Kopfschuss getötet worden. Der Kasseler Neonazi Stephan E. hat die
Tat gestanden und sitzt derzeit in Untersuchungshaft, sein Geständnis
hat er inzwischen widerrufen. In der Kasseler linken Szene wird seit
dem Wochenende bereits zu Protesten gegen den Neonazi-Aufmarsch
aufgerufen. Der Versuch, die rechte Szene zum Opfer des Lübcke-Mords zu
machen, sei ein „an Wahnwitz kaum zu überbietender Versuch, die
Tatsachen in ihr Gegenteil zu verdrehen“, heißt es auf der Webseite
einer Kasseler Antifa-Gruppe. Der rechte Aufmarsch in Kassel müsse unter
allen Umständen verhindert werden, heißt es weiter…“ – aus dem Beitrag „„Die Rechte“ plant Aufmarsch in Kassel“ von Hanning Voigts am 08. Juli 2019 in der FR online - 15.000 gegen Nazi-Provokation in Kassel: Ein guter Anfang
„„No pasaràn“, sie kommen nicht durch. Die Parole der Linken aus dem Spanischen Bürgerkrieg hatte das Kasseler „Bündnis gegen Rechts“ als Motto für diesen Tag gewählt. Ausgerechnet am 20. Juli, dem Jahrestag des gescheiterten Putsches gegen Hitler, und ausgerechnet in Kassel, dort, wo Halit Yozgat vom rechtsterroristischen NSU ermordet war und nach dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke ein Rechtsextremist der Hauptverdächtige ist, wollte die neonazistische Minipartei „die Rechte“ gegen angebliche „Medienhetze und Vorverurteilung“ demonstrieren. Am Ende dieses denkwürdigen Tages hatten mehr als zehntausend DemonstrantInnen ein Zeichen gesetzt. Mit drei Stunden Verspätung hatten sich auf die andere Seite der Fulda schließlich gerade mal 120 rechte Aktivisten auf den Weg machen können, begleitet von Trillerpfeifen und „Nazis Raus!“-Rufen. Sie waren nicht durchgekommen. Allerdings räumte auch einer der Organisatoren des Gegenprotests, der linke Landtagsabgeordnete Torsten Felstehausen, ein: „Ein lächerlicher Haufen hat eine ganze Stadt in Geiselhaft genommen.“ Dass es aber gelungen war, die Rechten aus der Innenstadt zu verdrängen, nannte er gegenüber der taz einen „Riesenerfolg“…“ – aus dem Bericht „Kein Vorbeikommen“ von Christoph Schmidt-Lunau am 21. Juli 2019 in der taz online
über die erfolgreiche und große Mobilisierung am Samstag. Siehe dazu
auch einen Beitrag (der VVN-BdA), der sich mit der Erlaubnis des
Verwaltungsgerichts für die Nazi-Demonstration kritisch befasst:
- „Erfolgreicher Protest gegen Neonazis in Kassel“ am 20. Juli 2019 bei der VVN-BdA Kassel
zur Demonstration, worin auch die Rede des VVN-Sprechers dokumentiert
ist, der unter anderem zu den juristischen Freifahrscheinen für Nazis
sagte: „… Es ist völlig unverständlich, wie ein Verwaltungsgericht
zu diesem Tag, an dem im ganzen Land zur Erinnerung an die Frauen und
Männer des 20. Juli 1944 geflaggt wird, in Festakten im Bendlerblock
deren Mut gewürdigt wird, einen neofaschistischen Aufmarsch genehmigen
kann, der nichts anderes intendiert, als die Grenzen des „Sagbaren“ im
Sinne ihrer faschistischen Weltanschauung auszuweiten. Wenn das Gericht
glaubt, das Verwaltungsrecht sei in diesem Falle nur eine
formaljuristische Ebene, um Bürger vor fehlerhaftem Verwaltungshandeln
zu schützen und das hohe Gut der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu
schützen, dann ignoriert es einen zentralen Entscheidungspunkt, die
Intention der Antragsteller. Es geht einem Christian Worch und seiner
Nazigruppen DIE RECHTE nicht um „Meinungsfreiheit“, sondern allein um
Freiheit für faschistische Propaganda, wie er in diesem Jahr schon
mehrfach unter Beweis gestellt hat. Erinnert sei an das Plakat der
RECHTEN zur Europawahl, auf dem in sprachlicher Analogie zur
faschistischen Parole „Die Juden sind unser Unglück“ die Losung „Israel
ist unser Unglück“ zu lesen war. Dass das mit der Europawahl nichts zu
tun hat, erschließt sich sofort. Auch in diesem Falle wurden
Bürgermeister, die diese antisemitischen Provokationen abhängen ließen,
per Verwaltungsgericht gezwungen, die Plakate wieder aufhängen zu
lassen, da sie durch die „Meinungsfreiheit“ gedeckt seien…“
- „Erfolgreicher Protest gegen Neonazis in Kassel“ am 20. Juli 2019 bei der VVN-BdA Kassel
- Die Provokation einer Nazi-Demonstration am Tatort Kassel am
20. Juli wird erlaubt: Ein weiterer Hinweis darauf, dass Antifaschismus
in der BRD nicht staatlich sein kann. Bündnis gegen Rechts Kassel:
Kassel nimmt Platz! No pasaran!
„… In Kassel plant derweil die neonazistische Kleinstpartei »Die Rechte« für Samstag eine als »nationale Gegenoffensive« deklarierte Demonstration. Der unter dem Motto »Gegen Pressehetze, Verleumdung und Maulkorbfantasien« angekündigte Aufmarsch soll am Hauptbahnhof beginnen und am Regierungspräsidium vorbeiziehen – dem Arbeitsplatz des jüngst mutmaßlich von dem Neonazi Stephan E. ermordeten CDU-Politikers Walter Lübcke. Anmelder ist der Neonazi Christian Worch. Laut Polizei stelle man sich auf rund 400 bis 500 Teilnehmer ein. Die Stadt versucht den Aufmarsch noch zu verbieten – ob sie damit erfolgreich sein wird, ist bisher unklar. Das Kasseler »Bündnis gegen Rechts« hat ebenfalls zu breiten Protesten aufgerufen. Bisher gebe es elf Anmeldungen für Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet, teilte die Polizei mit. Am Haus der Sozialwirtschaft soll es ein Straßenfest geben. Antifaschisten fordern unter dem Motto »Gemeinsam Die Rechte blockieren« zum Verhindern des Aufmarschs auf…“ – aus dem Beitrag „Linke mobilisieren für Blockaden von Nazi-Demos“ von Sebastian Bähr am 16. Juli 2019 in neues deutschland online
– der auch noch die Nazi-Demonstration in Halle zum Thema hat, samt
Gegendemonstration. Zur Kasseler Provokation, dem Stand der juristischen
Verfahren (Zulassung) und Schlussfolgerungen vier weitere Beiträge –
darunter auch einer über eine gepflegte Tradition staatlicher
Nichtaufklärung faschistischer Terrortaten… und der Aufruf zur
Gegen-Demo:
- „Kassel: Gericht erlaubt Neonaziaufmarsch“ vom 18. Juli 2019 ist eine dpa-Meldung
(hier in der jungen welt), in der es unter anderem heißt: „Ungeachtet
des mutmaßlich von einem Neonazi begangenen Mordes an dem Kasseler
Regierungspräsidenten Walter Lübcke kann in der Stadt voraussichtlich
eine faschistische Demonstration stattfinden. Das Verwaltungsgericht
Kassel hob ein Verbot der für den 20. Juli angemeldeten Veranstaltung
auf. Man habe einem Eilantrag des Anmelders der Kundgebung stattgegeben,
sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch. Gegen die Entscheidung kann
sich die Stadt vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof wehren. Zu der
Demo hatte die Partei »Die Rechte« aufgerufen (jW berichtete).
Die Stadt Kassel hatte die Veranstaltung wegen einer Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit verboten. Doch die Richter teilten die
Einschätzung nicht…“ - „Aufgaben der Zivilgesellschaft“ von Sebastian Bähr am 20. Juni 2019 in neues deutschland online
betonte: „… Die
rechtsradikale Szene reagiert mit Häme und Schadenfreude auf die
Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke. Einige fühlen sich zu mehr
ermutigt: Politiker, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft
erhalten derzeit verstärkt Morddrohungen. Dies sollte nicht auf die
leichte Schulter genommen werden. Über 400 per Haftbefehl gesuchte Nazis
sind untergetaucht, rechtsterroristische Netzwerke weiter aktiv. Falls
es Mitwisser oder Mittäter im Lübcke-Fall gibt, befinden sich diese auf
freiem Fuß. Die Gefahr weiterer rechter Morde ist real. Daraus ergeben
sich Aufgaben: Die Zivilgesellschaft muss den Behörden im Fall Lübcke
auf die Finger schauen und die Ermittlungen kritisch begleiten. Dies
bedeutet, eine Versteifung der Ermittler auf eine Einzeltäter-These zu
verhindern, für die Offenlegung der NSU-Akten einzutreten, Recherchen
von Journalisten und Antifaschisten zu berücksichtigen. Es bedeutet
auch, Bedrohte zu informieren, zu schützen und ihnen zuzuhören…“ - „Der Staat wird den neofaschistischen Terror nicht besiegen“ von Dirk Paul Shevek am 20. Juni 2019 bei Perspektive Online
unterstreicht: „… Die
Erkenntnis, dass der Staat mindestens auf dem rechten Auge blind ist
und nicht willens oder fähig ist, effektiv gegen rechte Strukturen
vorzugehen und diese zu zerschlagen, verbreitet sich immer weiter.
Selbst die Gutmütigsten können nicht nachvollziehen, warum
Untersuchungsakten des hessischen Verfassungsschutzes zum NSU-Fall für
120 Jahre unter Verschluss stehen. Es ruft große Unsicherheit hervor,
wenn neofaschistische Strukturen am 1. Mai unter Polizeischutz durch
Duisburg und Plauen marschieren. Und es ist erschreckend, wenn immer
mehr Verbindungen zwischen rechten Strukturen und Polizei, Militär und
Geheimdienst öffentlich werden. Es ist an der Zeit, dass dieses
Misstrauen gegenüber dem staatlichen „Vorgehen“ gegen Rechts auch
praktische Konsequenzen hat. AntifaschistInnen müssen nun eine
ernsthafte Diskussion über eine angemessene Praxis mit der wachsenden
neonazistischen Gefahr führen und dementsprechend handeln. Dies wird
zwar vermutlich dazu führen, dass sich ein Teil aus dem wohligen „Wir
sind mehr“-Antifaschismus verabschieden werden…“ - „„Wir wissen fast gar nichts““ am 16. Juli 2019 in der taz online
ist ein Interview von Dominik Baur mit Ulrich Chaussy über das
Oktoberfest-Attentat von 1980 und die abermals staatlich verfügte
Einstellung der Untersuchungen, worin der Journalist unter anderem
darauf hinweist: „… Dieses Psychogramm der Ermittler basiert auf der
Aussage eines einzigen Belastungszeugen. Übrigens eines Zeugen, der die
Behörden erst wochenlang belogen und bestritten hat, dass er einer der
engsten Freunde Köhlers war. Erst als man darauf gekommen ist, dass das
nicht stimmen kann, hat er dann diese Geschichte ausgepackt, die die
Ermittler eins zu eins übernommen haben. Kontrafaktische Indizien wurden
überhaupt nicht berücksichtigt – etwa, dass sich dieser Köhler völlig
anders verhalten hat, dass er ein paar Wochen vorher eine Anzeige
aufgegeben hat, um als Schlagzeuger in einer Band zu spielen,
tatsächlich Mitspieler gefunden und mit ihnen zweimal die Woche geprobt
hat oder dass er die Hälfte seines Ferienlohns in einen Bausparvertrag
gesteckt hat. Es ist so grotesk. [Warum wurde die Spur zur Wehrsportgruppe Hoffmann nicht weiterverfolgt?] Da
hilft es, einen Blick auf den politischen Kontext zu werfen: Bis zur
Bundestagswahl waren es gerade noch neun Tage, Kanzlerkandidat der Union
war Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß, der nach dem Anschlag
sofort auf Bundesinnenminister Gerhart Baum einschlug und ihm vorwarf,
moralische Schuld auf sich geladen zu haben, weil er die
Sicherheitsdienste mit seinem Bürgerrechtsgerede so verunsichert habe,
dass die sich nicht mehr trauten, radikalen Gruppen den Puls zu fühlen.
Wenn jetzt herausgekommen wäre, dass ausgerechnet die WSG Hoffmann mit
dem Anschlag zu tun haben könnte, wäre das für die CSU der politische
GAU gewesen. Schließlich war es Baum, der die Gruppe am 30. Januar 1980
verboten hatte, und es war Strauß, der sie jahrelang hat groß werden
lassen und sich sogar noch über die Verbotsaktion lustig gemacht hatte:
Man solle einen Mann, der sonntags auf dem Land im Kampfanzug spazieren
geht, in Ruhe lassen…“ - Bündnis gegen Rechts Kassel: Kassel nimmt Platz! No pasaran!
“13 Jahre nach dem Mord des NSU an Halit Yozgat und nur sieben Wochen nach dem Mord an Dr. Walter Lübcke wollen Neonazis in Kassel demonstrieren. Nicht zufällig haben sie dafür den 20. Juli, den Tag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler gewählt. Unter dem Motto „Gegen Pressehetze, Verleumdung und Maulkorbphantasien“ ruft die Partei DIE RECHTE dazu auf, durch die Stadt zu ziehen und ihre menschenverachtende Propaganda auch vor dem Regierungspräsidium zu verbreiten. Mit der Demonstration “Gemeinsam gegen rechten Terror” und der Kundgebung “Zusammen sind wir stark” hat Kassel gezeigt, dass die Menschen in Kassel sich entschieden gegen rechte Hetze und Gewalt stellen…” Aufruf beim Bündnis gegen Rechts Kassel
zur Gegendemo in Kassel – 20. Juli 2019 11:00 h Hauptbahnhof - Für laufende Informationen siehe bei Twitter #ks20Juli
- „Kassel: Gericht erlaubt Neonaziaufmarsch“ vom 18. Juli 2019 ist eine dpa-Meldung
- „Empörung über geplante Neonazi-Demo in Kassel“ von Hanning Voigts am 09. Juli 2019 in der FR online
über Empörung und Widerstandsvorbereitung gegen die rechte Provokation in Kassel: „… Die
Ankündigung eines Aufmarsches der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Kassel
sorgt für Empörung in der hessischen Politik. „Rechtsextremismus ist
eine Schande für unser Land“, sagte Holger Bellino, parlamentarischer
Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, der Frankfurter Rundschau.
Wie mörderisch diese Ideologie sei, habe man gerade „durch den
schrecklichen Mord an unserem Freund Walter Lübcke erfahren“, sagte
Bellino. Dass Neonazis jetzt durch Kassel marschieren wollten, sei
„geradezu infam“. Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der
SPD-Landtagsfraktion, bezeichnete die Planungen der Rechtsextremen als
perfide. „Der Mord an Regierungspräsident Lübcke wurde mutmaßlich von
jemandem begangen, der ihr von Hass und Hetze geprägtes Gedankengut
teilt“, sagte Rudolph der FR. Alle Demokraten müssten sich „diesen
Bestrebungen entschieden entgegenstellen“. Der parlamentarische
Geschäftsführer der Fraktion der Grünen, Jürgen Frömmrich, bezeichnete
die geplante Demonstration als „im höchsten Maße empörend“. Es sei eine
Frechheit, so Frömmich, „dass diejenigen, die in Verdacht stehen, mit
dem Mord an Walter Lübcke zu tun zu haben, ausgerechnet vor das
Regierungspräsidium ziehen wollen“. Hermann Schaus, innenpolitischer
Sprecher der Landtagsfraktion der Linkspartei, sagte der FR, die
Demonstration sei eine „Provokation des Staates und aller Bürgerinnen
und Bürger“, gegen die entschieden vorgegangen werden müsse. Die
Neonazis hätten „offensichtlich den Eindruck, sie haben Oberwasser“,
sagte Schaus. Das aktuelle Selbstbewusstsein der rechten Szene sei
besorgniserregend (…) Sprecher der Stadt Kassel bestätigte der FR am
Montag die Anmeldung der Neonazi-Demonstration. Ob und in welcher Form
die Anmeldung bestätigt werde, stehe noch nicht fest. Unterdessen haben
bereits die Planungen für Gegenproteste begonnen: Die Ankündigung der
Demonstration habe viele Menschen aufgeschreckt, sagte Jenny Huschke,
Geschäftsführerin des DGB Nordhessen, der FR. Das „Bündnis gegen Rechts
Kassel“, das beim DGB angesiedelt ist, habe schon zu einem ersten
Bündnistreffen eingeladen. „Was wir tun werden, ist noch nicht
entschieden“, sagte Huschke. In jedem Fall versuche man, ein breites
zivilgesellschaftliches Bündnis gegen die Rechtsextremen zu mobilisieren…“
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Es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um neofaschistische Provokation!
Stadt Kassel muss Aufmarsch der „Rechten“ verbieten
Kreisvereinigung Kassel der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und AntifaschistenAn den Magistrat der Stadt Kassel, Rathaus, 34117 Kassel
Kassel, den 08.07.2019
Als vor wenigen Tagen die Stadtgesellschaft anlässlich des Mordes am
Regierungspräsident Walter Lübcke durch den Neonazi Stephan Ernst auf
zwei großen Kundgebungen ihren Protest gegen neofaschistische
Gewaltnetzwerke deutlich machte, erklärte die Stadt, dass sie alles
dafür tun werde, unsere Region kein Tummelplatz für gewalttätige Rechte
sein dürfe. Nun kann die Stadtverwaltung unter Beweis stellen, dass
diese Erklärungen nicht nur Worthülsen, sondern tatsächlich ernstgemeint
waren, indem sie den Aufmarsch der „Rechten“ untersagen. Die VVNBund
der Antifaschisten fordert von der Stadt Kassel, die von der Dortmunder
Naziorganisation „Die Rechte“ für den 20. Juli 2019 in Kassel geplante
Demonstration gerichtsfest zu verbieten.Von besonderer Perfidie ist zudem der gewählte Termin der Demonstration am 20. Juli des Jahres. „Die Rechte“ wählen bewusst Aufmarschtermine, an denen ihre Kundgebungen als Angriff auf unser demokratisches Geschichtsbild zu verstehen sind. Am 20. Juli erinnern wir an den 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
In Imshausen wird an diesem Tag an den Vertreter des Kreisauer Kreis Adam von Trott zu Solz erinnert. Beide ließen ihr Leben für ein nicht-faschistisches Deutschland.
Wenn an diesem Tag Neonazis in unserer Stadt aufmarschieren wollen, dann muss dies – aus Verantwortung für unsere Demokratie – aktiv verhindert werden. Denn den Anmeldern des Aufmarsches geht es nicht um „Meinungsfreiheit“, sondern rein um Provokation. Schon im Europawahlkampf provozierte diese Partei mit offen antisemitischen Plakaten „Israel ist unser Unglück“. Dabei waren ihnen die Stimmergebnisse völlig egal, es genügte ihnen, dass sie mit dieser Provokation überregional in den Medien waren und Gerichte ihnen für diesen Antisemitismus sogar Freibriefe ausstellten. In Kassel wollen sie nicht nur das Andenken von Walter Lübcke in den Schmutz ziehen, sondern durch ihren Aufmarsch weitere Freiräume für faschistische Propaganda erstreiten. Dagegen müssen sich die Stadt mit juristischen Mitteln und die Stadtgesellschaft mit zivilgesellschaftlichem Handeln wehren.
Denn es bleibt dabei: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“
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- Siehe zum Hintergrund unser Dossier: Nach dem Mord an Regierungspräsidenten in Kassel: Rechte geifern und predigen Hass
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