Mittwoch, 31. Juli 2019

Markus Drescher über Wohnungslosigkeit und fehlende Statistiken

Ohne Wertschätzung

Wenn man etwas wertschätzt, zeigt man Interesse dafür, möchte mehr darüber erfahren. Auf staatlicher Ebene wird dann meistens eine Statistik erhoben, Wissen ist schließlich eine essenzielle Grundlage für Handeln. Im Umkehrschluss kann man davon ausgehen, dass, wenn eine staatliche Statistik fehlt, es auch nicht weit her ist mit Handlungswillen. Wo die Schätzung die eigene Statistik ersetzt, sind Wert und Interesse offensichtlich gering.
Wie im Fall von Wohnungs- und Obdachlosen. Dass die Öffentlichkeit überhaupt regelmäßig vom Ausmaß des Problems in Deutschland erfährt, ist der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zu verdanken. Hunderttausende Betroffene warten in diesem Land also nicht nur vergebens darauf, dass dieser angebliche Sozialstaat eine Lösung für sie findet. Sie müssen dies auch im Bewusstsein tun, dass sie nach jetzigem Stand bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ausharren müssen, weil gar kein Interesse daran besteht, etwas an ihrer Situation zu ändern - ja nicht einmal daran, etwas von ihnen zu wissen. Ein Umstand, der jeden empören müsste. Auch diejenigen, die sich in vermeintlicher Sicherheit wiegen. Denn dabei kann man sich leicht verschätzen und staatliche Geringschätzung jeden schneller betreffen als gedacht.

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