
„…
Bewohner*innen
berichteten, dass sich die Polizei über den Hinterhof Zugang
verschafft, die Vordertür zersägt und die Tür zum Treppenhaus
aufgestemmt habe. Im Haus habe sie sich dann auf den Teil des ersten
Stockwerks, für den der Durchsuchungsbeschluss vorlag, konzentriert.
Laut Polizei wurde in der Wohnung niemand angetroffen, dort jedoch
Wurfgeschosse, Steine und Farbbomben sichergestellt. Die Bewohner*innen
erklärten, dass die Polizei auch Fingerabdrücke und DNA-Proben von
Haushaltsgegenständen genommen habe. Auch Privaträume, für die kein
Durchsuchungsbeschluss vorlag, seien durchsucht worden, Internetkabel
zerschnitten und Netzwerktechnik gestohlen worden, heißt es in einer
Stellungnahme. »Das Sammeln von DNA und Fingerabdrücken in einem offenen
Projekt ist absurd. Verschiedenste Menschen halten sich hier auf. Ihre
DNA wird nun unabhängig von dem Vorliegen einer Straftat gespeichert«,
kritisiert eine Bewohnerin. In der Nacht auf Sonntag sind laut Polizei
erneut Steine geflogen. Die Bewohner*innen der Liebig34 hatten indes für
Sonntagabend zu einer Kundgebung vor ihrem Haus aufgerufen“ – aus der
Meldung „Razzia in linkem Hausprojekt“ am 21. Juli 2019 in neues deutschland online 
,
der hinzu zufügen wäre, dass wohl die abendliche Protestkundgebung kein
wesentlicher Erfolg war, um es neutral zu formulieren – Grund genug,
die Mobilisierung fortzusetzen. Siehe zur willkürlichen Razzia zwei
weitere aktuelle Beiträge
- „Gerazzt. Radikal. Motiviert.“ am 20. Juli 2019 bei de.indymedia
berichtet aus der Sicht der Betroffenen unter anderem – auch mit Konsequenzen: „… Anlass
dieser Razzia waren wohl Steinwürfe aus dem Haus während der letzten
Wochen. Nachdem die Cops das letzte Mal heute morgen gegen 2.30 Uhr
Steine vom Dorfplatz einsammelten, besorgten sie sich eine richterliche
Anordnung zur Durchsuchung der Liebig34. Sie erlangten einen
Durchsuchungsbeschluss für einen Teil unseres Hauses und kehrten gegen
6.30 Uhr zurück. Sie kamen über den Hinterhof und die Vordertür,
zersägten Türen und Barris, hebelten diese auf und verschafften sich so
gewaltsam Zutritt zu unserem Projekt. Eine Anwältin war schnell vor Ort
und konnte den Vorgang beobachten und bezeugen. Insgesamt waren die
Bullen etwa drei Stunden im Haus, durchsuchten offiziell und intensiv
drei zusammenhängende Räume und den Dachboden. Nebenher schnüffelten sie
in nicht abgeschlossenen Privatzimmern herum, rissen Poster von den
Wänden, warfen Möbel um, schnitten Internetkabel durch und zerstörten
Fenster. Während der Durchsuchung dokumentierten sie ausführlich die
Innenansicht und den Aufbau unseres Hauses. In dem offiziell zur
Durchsuchung genehmigten Teil des Hauses sammelten sie reichlich DNA und
und Fingerabdrücke von Alltagsgegenständen. Außerdem konfiszierten sie
einige Dinge aus diesen Räumen wie z. B.: Zigarettenstummel, Steine,
Pfandflaschen, Internetswitches, Wandfarbe und Kleidung. Sie suchten
keinen Kontakt zu den Menschen im Haus und nahmen auch keine Personalien
auf. (…) Dieser Morgen reiht sich ein in die sich zuspitzende Lage hier
im Kiez: Unsere Wut wird größer und die Schikanen und Repressalien
nehmen zu. Gemeinsam haben wir den Morgen gut überstanden, doch die
großflächige DNA Aufnahme gibt uns zu denken. Sie reiht sich ein in eine
anscheinend gewollte Normalisierung von DNA-Sammlungen und zeigt, dass
die Bullen ihre Datenbänke füllen wollen. Auch zufällige Proben wie die
von Kippenstummeln, benutzen Tassen, Leergut und Fensterrahmen sind für
sie interessant. So werden alternative Lebensformen präventiv
kriminalisiert und unter Generalverdacht gestellt. Es reicht also
inzwischen aus in einem queer-feministischen Hausprojekt einen Kaffee zu
trinken, um lebenslang in einer DNA-Datenbank zu landen ohne den
konkreten Vorwurf einer sogenannten Straftat. Unsere Antwort: Bildet
Banden, mobilisiert eure Crew! Nur gemeinsam sind wir stark! Werdet
aktiv und wartet nicht auf einen TagX. Im Fall der Liebig34 begrüßen wir
zentrale und dezentrale Aktionen aller Art. Diese haben uns in den
letzten Monaten einige Male ein verschmitztes Lächeln aufs Gesicht
gezaubert. Wir beobachten eine Zunahme von radikaler und militanter
Praxis, die sich implizit und explizit auf feministische Themen bezieht.
Wir wünschen uns mehr davon!…“
- „Angriff auf die Liebig34 – Aufruf zur Solidarität“ ebenfalls am 20. Juli 2019 bei de.indymedia
vom „Schwesterprojekt“ Rigaer in dem Solidaritäts-Aufruf: „In
den frühen Morgenstunden stürmten die Bullen das Haus unserer
Nachbar*innen und Freund*innen der Liebig34, durchsuchten mindestens
eine Wohnung und riegelten die Straßen rund um den Dorfplatz ab. Der
Angriff auf unsere Strukturen blieb nicht unbeantwortet: die Bullen
wurden mit Feuerwerk und Farbe eingedeckt und es brannte eine kleine
Barrikade in der Rigaer Straße. In den letzten Wochen hat sich gezeigt,
dass die zahlreichen und konstanten Farb- und Steinaktionen dazu taugen,
die Belagerungseinheiten auf Abstand zu halten. Für die behelmten
Schlägertrupps und ihre Führer handelt es sich um eine einfach
verständliche Sprache, die zum Ausdruck bringt, dass sie hier nichts zu
suchen haben. Auch nicht, wenn sie „nur“ herumstehen oder anlasslos
bestreifen. Diese Aktionsform hat jetzt wohl zur Razzia geführt.
Erreichen werden sie damit jedoch nichts, da für viele hier klar ist,
dass es keine friedliche Koexistenz geben kann. Für heute Abend wird
daher dazu aufgerufen, um 21 Uhr zum Dorfplatz zu kommen, um klar zu
machen, dass der Dorfplatz ein Ort des Widerstandes ist und den
Einschüchterungen von staatlicher Seite weiter trotzen wird. Wir wollen
jedoch darauf hinweisen, dass es Unwetterwarnungen für den Abend gibt.
So oder so kann es sinnvoll sein, dezentral die Bullen auf Trab zu
halten. Die Aktionen vom Morgen haben schon einen kleinen Vorgeschmack
darauf gegeben, was die Bullen im Kiez erwartet und was hoffentlich die
ganze Stadt erfasst, sollte es zu weiteren Angriffen durch die
Staatsgewalt kommen. Es liegt an uns allen, das zu unterstreichen…“
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