Dossier

„
Spätestens
in 2018 soll die libysche Küstenwache alle Geflüchteten vor der eigenen
Küste abfangen und in Lager nach Libyen zurückbringen. Hier zeigt sich
die brutale Migrationspolitik der Europäischen Union, denn in Libyen
werden die Migranten misshandelt, vergewaltigt, gefoltert und
umgebracht. Auch auf See werden vom libyschen Militär Straftaten
begangen. Deren Verfolgung ist ausweislich einer Antwort des Auswärtigen
Amtes unmöglich“, kritisiert der europapolitische Sprecher der
Linksfraktion Andrej Hunko zu entsprechenden Stellungnahmen des
Auswärtigen Amtes. In zwei Kleinen Anfragen hat sich die Linksfraktion
zur Verfolgung von Straftaten der libyschen Küstenwache und möglichen
Verstößen gegen das Zurückweisungsprinzip („Non refoulment“) erkundigt.
Aus Sicht der Fragesteller ist es kriminell, wenn private
Rettungsorganisationen Geflüchtete retten, die libysche Küstenwache
diese dann aber mit Waffengewalt auf ihr eigenes Boot zwingt und nach
Libyen bringt. (…) „Nach Tunesien und Ägypten wird jetzt Libyen zum
weiteren Türsteher der Europäischen Union aufgebaut. Hierzu soll die
Truppe Überwachungsdaten von den EU-Missionen im zentralen Mittelmeer
erhalten. Als Scharnier für den Datentausch finanziert die Europäische
Kommission ein militärisches Lagezentrum in Tripolis, das derzeit von
Italien errichtet wird. Schließlich soll Libyen offiziell eine
Seenotrettungszone benennen und seine Zuständigkeit hierfür erklären.
Damit sollen die Fluchten aus dem Bürgerkriegsland auf Null zurückgehen…”
Pressemitteilung von Andrej Hunko vom 25. Juli 2017 
, dort auch die erwähnten Anfragen. Siehe in dem Zusammenhang auch unser
Dossier: Italienische Flüchtlingspolitik und hier zu Libyen:
- »Schlimmste Mittelmeertragödie dieses Jahres«: Mindestens 115 Migranten nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst
“Vor der Küste Libyens hat sich möglicherweise das bislang schwerste
Flüchtlingsunglück dieses Jahres abgespielt: Nach dem Untergang eines
Flüchtlingsboots werden nach Angaben der Internationalen Organisation
für Migration (IOM) mehr als 110 Menschen vermisst. 145 Insassen des
Boots seien von der libyschen Küstenwache gerettet worden, sagte
IOM-Sprecherin Safa Msehli am Donnerstag. Die Hilfsorganisation Ärzte
ohne Grenzen ging allerdings von mehr als 250 Vermissten aus. IOM und
Küstenwache machten unterschiedliche Angaben. (…) Nach Angaben von
Überlebenden der Tragödie waren demnach insgesamt rund 250 Menschen an
Bord des Holzbootes, als es rund neun Kilometer vor Choms sank. Unter
den Insassen seien Kinder gewesen. Die geretteten Migranten seien in die
libysche Hafenstadt Choms 120 Kilometer östlich von Tripolis
zurückgebracht worden, sagte IOM-Sprecherin Msehli. Es handelte sich
laut Kacem mehrheitlich um Eritreer, aber auch Sudanesen und
Palästinenser. Die in der Seenotrettung aktive Hilfsorganisation Ärzte
ohne Grenzen (MSF) gab an, ihr Team in Libyen habe 135 gerettete
Insassen medizinisch betreut. Nach Angaben von Überlebenden seien am
Mittwochabend drei hintereinander vertaute Boote mit insgesamt rund 400
Flüchtlingen aufgebrochen. Die Zahl der Vermissten würde sich demnach
auf gut 260 belaufen. (…) Die Überlebenden seien aber nicht von der
Küstenwache, sondern von Fischern gerettet worden. Der MSF-Vertreter
kritisierte »die mangelnde internationale unabhängige und objektive
Präsenz« in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge sich auf den Weg nach
Europa machten. Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im
Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte
allerdings am Donnerstag an, mit der »Alan Kurdi« in Richtung der
Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie
voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger
Organisation. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi schrieb beim
Kurzbotschaftendienst Twitter, dass gerade die »schlimmste
Mittelmeertragödie dieses Jahres« ihren Lauf nehme. Er forderte eine
»Wiederaufnahme der Seenotrettung«, ein Ende der »Inhaftierung von
Flüchtlingen und Migranten in Libyen« und sichere Fluchtrouten aus
Libyen…” Agenturmeldung vom 26.7.2019 beim ND online 
- Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee nehmen Seenotrettung
wieder auf – Krise in Libyen und auf dem Mittelmeer hat sich
verschärft
„Angesichts der verantwortungslosen Untätigkeit der europäischen
Regierungen im Mittelmeer kündigt die Hilfsorganisation Ärzte ohne
Grenzen an, in Kürze wieder Seenotrettung zu starten. Die Rückkehr ins
Mittelmeer ist eine Antwort auf die seit zwei Jahren andauernde Kampagne
europäischer Regierungen mit dem Ziel, Seenotrettung zu verhindern,
sowie auf die Normalisierung einer Politik, die zahlreiche Todesfälle im
Mittelmeer und gewaltiges Leid im Konfliktgebiet in Libyen verursacht
hat. „Europäische Politiker wollen glauben machen, dass das Ertrinken
Hunderter Menschen und das Leid Tausender in Libyen gefangener
Flüchtlinge und Migranten ein gerechtfertigter Preis dafür sind,
Migration zu kontrollieren”, sagt Sam Turner, Leiter der Hilfe von Ärzte
ohne Grenzen in Libyen und im Mittelmeer. „Während sie das angebliche
Ende der sogenannten Flüchtlingskrise in Europa verkünden, verschließen
sie bewusst die Augen vor der schweren humanitären Krise, die durch ihre
Politik in Libyen und auf dem Meer verlängert wird. Solange diese
vermeidbaren Todesfälle und dieses vermeidbare Leid weitergehen, weigern
wir uns, tatenlos zuzusehen.” Das neue Rettungsschiff „Ocean Viking”,
das von SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen gemeinsam betrieben
wird, soll Ende des Monats die Seenotrettung im Mittelmeer aufnehmen…“ Pressemitteilung von Ärzte ohne Grenzen vom 21. Juli 2019 
- Forderungen nach der Einrichtung von Flüchtlingslagern in
Nordafrika: Das Meer des Todes / European Union/Libya: Act Now to Save
Lives
“Vor dem heutigen Treffen der EU-Außenminister werden in Berlin zum
wiederholten Mal Forderungen nach der Einrichtung von Flüchtlingslagern
in Nordafrika laut. Während die Vereinten Nationen sowie
Flüchtlingsorganisationen darauf dringen, die berüchtigten Lager in
Libyen umgehend zu schließen und die dort festgehaltenen, misshandelten
und oft auch gefolterten Flüchtlinge wenigstens zum Teil in die EU
einreisen zu lassen, verlangt der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, das
UN-Flüchtlingshilfswerk solle in Libyen eigene Lager errichten, in
denen eine “menschenwürdige Unterbringung” gesichert sei. Der Präsident
des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) schlägt ergänzend
die Schaffung einer “Schutzzone” in Libyen vor. Ein deutscher General
a.D. plädiert für einen EU-Militäreinsatz in dem nordafrikanischen Land,
bei dem nicht nur die Küstenwache, sondern auch weitere, an Land
operierende “Sicherheitskräfte” ausgebildet werden könnten. Dem UNHCR
ist es seit April gelungen, je knapp 300 Flüchtlinge aus Libyen nach
Niger und nach Italien zu evakuieren. Von Evakuationen nach Deutschland
berichtet die Organisation nichts…” Eigener Bericht vom 15.07.2019 von und bei german-foreign-policy
– siehe zum heutigen Treffen auch den Aufruf von Human Rights Watch: European Union/Libya: Act Now to Save Lives 
- Italien baut Kooperation mit libyscher Küstenwache aus
“… Die libysche Küstenwache gilt als aggressiv und brutal. Menschen,
die sie beim Fluchtversuch über das Mittelmeer aufgreift und aufs
Festland zurückbringt, werden dort in Haftanstalten interniert und
Berichten zufolge mitunter gefoltert und schwer misshandelt. Die EU wird
deshalb immer wieder für ihre Zusammenarbeit mit Libyen scharf
kritisiert. Italien aber will die Kooperation sogar noch ausbauen. Um
vermeintliche Menschenschlepperei zu bekämpfen, werde man die libysche
Küstenwache mit Material und Training noch stärker unterstützen, teilte
die Regierung in Rom mit. Der von der EU unterstützte Deal sieht vor,
dass die Libyer Bootsflüchtlinge auf dem Weg nach Europa auf dem
Mittelmeer abfangen und wieder in das Bürgerkriegsland zurückbringen.
(…) Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hatte noch am Dienstag die
EU aufgefordert, die Regierung in Libyen zu einem anderen Umgang mit
Migranten zu drängen. “Die Europäische Union muss dringend auf die
international anerkannte Regierung in Libyen einwirken”, teilte
Asselborn mit. Die libysche Küstenwache dürfe die geretteten Migranten
nicht mehr wie bisher in Militärlagern, die leicht Ziel von
kriegerischen Angriffen werden könnten, unterbringen – sondern solle sie
in die Einrichtungen des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der
Internationalen Organisation für Migration (IOM) bringen…” Meldung vom 11. Juli 2019 beim Spiegel online 
- Migration aus Libyen: Die NGOs sind nur ein Teil der Diskussion. Es bringen auch andere Schiffe Migranten nach Italien
“Alan Kurdi” mit neuen Geretteten an Bord und die ungelöste Frage,
wie es weitergehen soll. (…) Der Sprecher der libyschen Küstenwache,
Ayoub Qassem, warnt vor einem “Exodus von Migranten nach Italien” und
beschuldigt die NGOs, dass sie “von Schleppern direkt für jede gerettete
Person Geld bekommen”. Begründet hat Qassem, der auf die libyschen
Haftanstalten für Flüchtlinge nichts kommen lässt, seine Anschuldigung
nicht mit einem Wort. (…) Der italienische Innenminister sprach sich
auch gestern im Schlagabtausch mit der Verteidigungsministerin
Elisabetta Trenta gegen die EU-Operation aus. Er bleibt auf dem
Standpunkt, den schon sein Vorgänger, allerdings weniger auffällig und
mit mehr kompromissbereiter vertreten hat: Italien kann und will keine
Migranten mehr, die vom Mittelmeer kommen aufnehmen. Schon gar nicht,
wenn sie von Rettungsschiffen gebracht werden. Diese Position trägt ihm
viel Popularität ein, wie derzeit häufig herausgestellt wird. (…)
Einiges Aufsehen erregt CSU-Entwicklungsminister Müller, der auf eine
Evakuierung der Haftlager für Migranten in Lager in Libyen drängt und
eine “gemeinsame humane Initiative von Europa und den Vereinten Nationen
zur Rettung der Flüchtlinge auf libyschen Boden” fordert. Wie aber soll
die Auflösung der Lager im failed state Libyen angesichts der
gegenwärtigen Kriegshandlungen bewerkstelligt werden? (…) Die
konzeptionelle Tendenz, dass über das Weiterkommen der Migranten
außerhalb Europas entschieden werden soll, dürfte sich auf lange Frist
durchsetzen. Allerdings ist derzeit nicht absehbar, wie solche Pläne
realisiert werden sollen. Was die Seenotrettungen angeht, so wird es
diesen Sommer wahrscheinlich bei mehr oder weniger schnellen
Einzelfallentscheidungen bleiben.” Beitrag von Thomas Pany vom 9. Juli 2019 bei Telepolis
- [Materialsammlung] Die Bombardierung des Flüchtlingslagers in Libyen ruft Proteste hervor – und europäische Zustimmung
Die mörderischen Bomben auf ein Flüchtlingslager in Libyen, das
dokumentierte Vorgehen sogenannter Sicherheitskräfte gegen Menschen, die
während des Angriffs aus dem Lager fliehen wollen haben zu heftigen
Protesten geführt: Vor allem der bisher in diesem Lager gefangen
gehaltenen Menschen selbst, aber auch aus anderen Lagern in Libyen. Auch
zahlreiche internationale Proteste wurden durch dieses mörderische
Vorgehen hervor gerufen – weltweit, aber nicht aus der EU, wie es ja
bereits bei den Filmen über das Terror-Regime, das in den Lagern
herrscht, gewesen war. Ein seit neuestem ehemaliger Bundeskanzler in
Wien etwa äußerte am selben Tag – nichts zu den Bomben, klar. Weil er ja
aber wieder Bundeskanzler werden will blökte er, Schiffe im Mittelmeer
mit Flüchtlingen aus Libyen, müssten dorthin zurück geschickt werden. Wo
sie dann von wem auch immer vollends „erledigt“ werden können – sagte
er nicht, nichts anderes aber kann und soll es bedeuten. Siehe zu den
Entwicklungen in Libyen und dem europäischen Krieg gegen die
MigrantInnen eine kleine aktuelle Materialsammlung, die zur Aufgabe
haben soll, auch die Hintergründe dieser Entwicklungen etwas besser
verständlich zu machen:
- „Survivors of deadly air attack in Libya demand evacuation“ von Sally Haiden am 07. Juli 2019 bei Al Jazeera
ist ein Bericht über den Protest der Lager-Insassen, die nach dem
Bombenangriff die Evakuierung des Lagers in Tajoura fordern. Flüchtlinge
aus dem Sudan, Äthiopien, Eritrea und Somalia schlafen seitdem auf den
Straßen außerhalb des Lagers, weil sie weitere Angriffe fürchten. Und
einige von ihnen haben mit einem Protest-Hungerstreik begonnen, mit dem
sie ihre Evakuierung fordern. (Der Bericht verbreitet auch ein Video zu
diesen Protesten).
- „Der Angriff, der alles veränderte“ von Mirco Kleiberth am 07. Juli 2019 in der taz online
zu den Auswirkungen der Bombardierung des Lagers: „… Auch
al-Farasch suchte in roter Weste, Latex-Handschuhen und Mundschutz in
den Trümmern nach Leichenteilen. Normalerweise behandelt der 26-Jährige
Verletzte an der nahen Front. Aber in den letzten Wochen gingen immer
wieder Granaten oder Raketen nieder, überrascht habe die Katastrophe
niemanden, sagt er. Denn die Halle liegt neben einem Militärgelände, das
schon zu Gaddafis Zeiten von Einheiten des Innenministeriums genutzt
wurde. Nun herrscht hinter den hohen Mauern die Athman-Miliz. Die Gruppe
steht den Islamisten der Ansar Scharia nahe sowie dem Schura-Rat aus
dem ostlibyschen Bengasi. Die Bengasi-Schura war Haftars Hauptgegner im
dreijährigen Krieg in Bengasi und floh nach Haftars Sieg nach Tripolis.
Milizen wie Athman sind also Priorität für Haftars Luftwaffe. Ihnen galt
der Angriff vom 3. Juli. Die Milizen haben aber auch Migranten aus
Tajoura für Reinigungs- und Reparaturarbeiten eingesetzt, auch zum
Ausheben von Schutzwällen, bestätigen westafrikanische Migranten der
taz. (…) Die Zahl der Toten wurde zwar offiziell mit 44 angegeben, doch
viele Helfer berichten der taz, dass niemand weiß, wie viele es
tatsächlich sind. Von vielen Opfern wurden nur Arme oder Beine gefunden.
„Ich arbeite seit 2011 an der Front, aber so etwas habe ich noch nicht
gesehen“, so al-Farasch. 130 Menschen erleiden teils schwere
Verbrennungen, sie irrten stundenlang über das Gelände, berichtet ein
Migrant aus Eritrea der taz am Telefon. Dabei eröffneten Bewaffnete auf
sie das Feuer. Nun fordert das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR eine
Untersuchung und die Identifizierung der Schuldigen, dazu die
Einrichtung eines humanitären Korridors für Flüchtlinge und Migranten.
Doch längst haben sich viele allein auf den Weg gemacht – an die Strände
von Garabulli östlich von Tajoura oder Richtung Westen, nach Zuwara an
der tunesischen Grenze…“
- „Libya:
Detained refugees ‘terrified’ as clashes near Tripoli rage“ ebenfalls
von Sally Haiden bereits am 07. April 2019 bei Al Jazeera
steht hier als Beispiel dafür, dass die tödlichen Ereignisse Anfang
Juli keineswegs besonders überraschend kamen – schon damals äußerten
Menschen, die in den Lagern gefangen gehalten wurden, sowohl Bedenken,
als auch erste Erfahrungen damit, wie sie im Krieg um Libyen in
besonderer Gefahr stecken.
- „Die Warlords der NATO „ von Lutz Herden im April 2019 bei den Freitags-Blogs
zu einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: „… Wenn
UN-Generalsekretär António Guterres jetzt in Benghazi mit Khalifa
Haftar verhandelt und den General zur Mäßigung ermahnt, ist seine
Position nicht zuletzt wegen dieser Vorgeschichte schwach. Die Vereinten
Nationen haben sich davon auch deshalb nie emanzipiert, weil sie
zusahen, wie die westlichen Interventionsmächte nach dem Gaddafi-Sturz
Libyen sich selbst überließen, Chaos, Anarchie wie einem Vormarsch und
den Gräueln des Islamischen Staates (IS) auslieferten. Dass der sich
ausbreiten konnte, war eine der zynischsten Konsequenzen der
„humanitären Intervention“ des Westens. Nur entbehrte dies nicht der
inneren Logik. Gaddafi wurde ja nicht gestürzt, weil er ein autoritärer
Herrscher war (dann könnte man auch gegen das saudische Regime
intervenieren, statt es mit Waffen zu verproviantieren), sondern weil er
sich entschlossen zeigte, den Erdgas- und Erdölreichtum seines Landes
für eine größere, gegen den Westen gerichtete Autonomie Nordafrikas,
wenn nicht des gesamten Kontinents, einzusetzen…“
- Libyen: Saudis unterstützen Haftar“ von Peter Mühlbauer am 10. April 2019 bei telepolis
zu den Allianzen in Libyen unter anderem: „… Ende
letzter Woche startete der libysche Warlord Chalifa Haftar einen
Angriff auf Tripolis, die bislang von Fajis al-Sarradsch beherrscht
wird, der sich unter anderem auf Milizen aus Misurata und az-Zintan
stützt. Inzwischen haben die Kämpfe, bei denen bislang etwa 50 Personen
ums Leben kamen, den Flughafen der libyschen Hauptstadt erreicht. Hinter
Haftar stehen (mehr oder weniger offen) unter anderem die ägyptische
und die französische Staatsführung, die ihr Engagement nach dem Tod
dreier französischer Soldaten beim Absturz eines Militärhubschraubers
2016 mit dem Kampf gegen Islamisten rechtfertigte. Dieser Rechtfertigung
bedient sich auch Haftar, der “Charidschiten” und “Takfiristen” in
Tripolis kritisiert, obwohl auch in seinen Reihen Salafisten kämpfen.
Dabei handelt es sich um Madchaliten – Anhänger des saudischen Predigers
Rabi al-Madchali, der sich vor etwa 30 Jahren von den Moslembrüdern
lossagte und eine quietistischere Variante des Salafismus begründete,
die das saudische Königshaus nicht infrage stellt und von ihm
entsprechend gefördert wird. Insofern überrascht es nicht, dass sich
Saudi-Arabien hinter Haftar stellte. Im letzten Monat empfingen der
saudische König Salman, dessen faktisch herrschender Kronprinzen
Mohammed Bin Salman und die saudischen Geheimdienstchefs Haftar sogar in
der saudischen Hauptstadt Riad. Die Saudis sind mit dem Ölemirat Katar
und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan verfeindet.
Diese beiden orientalischen Regionalmächte fördern die Moslembrüder, die
Einfluss auf die Regierung von Fajis al-Sarradsch und die ihn
stützenden Milizen haben. Ob es Haftar gelingt, ganz Libyen unter seine
Kontrolle zu bringen, hängt auch davon ab, wie viele davon gegen
entsprechende Gegenleistungen die Seite wechseln. Bislang gelang es ihm
recht gut, Milizen zum Seitenwechsel zu überreden (wie man unter anderem
an der Karte sieht): Zum einen, weil viele Milizen lieber auf der Seite
des mutmaßlichen Siegers standen, als zu verlieren – und zum anderen,
weil ihnen der flexible 75-jährige Pfründe anbieten konnte. Deshalb
kämpfen auch viele Söldner aus dem Tschad und dem Sudan auf Seiten des
Generals, der vor 50 Jahren zusammen mit Muammar al-Gaddafi den
damaligen libyschen König Idris stürzte. Nachdem er in den 1980er Jahren
beim Versuch der Eroberung des Nordtschad für Libyen scheiterte (vgl. Die Rückkehr der Waffen
), zerstritt er sich mit seinem ehemaligen Kampfgenossen und ging bis zu dessen Sturz ins amerikanische Exil…“
- „Who will help the 600,000 migrants and refugees in Libya?“ von Camille Le Coz am 18. April 2019 in The New Humanitarian
ist ein Beitrag, der eine Art Gesamtüberblick über die Lage der
geschätzten rund 600.000 Menschen gibt, die in libyschen Lagern gefangen
gehalten werden – und dies in einem Zeitraum, da der gegenwärtige
Milizenkrieg in Libyen gerade begonnen hatte und natürlich von allen als
reale Gefahr für die Menschen in den Lagern gesehen wurde. Die
Reaktionen waren auf eigene Faust weiter fliehen, oder aber auch, von
offizieller, EU getreuer Seite aus, sie in den Niger oder anderen
Nachbarstaaten abzuschieben.
- „Die nächste Runde im libyschen Krieg“ am 09. April 2019 bei German Foreign Policy
in etwa zum selben Zeitpunkt (Abo-Beitrag): „… Insbesondere
die Bundesrepublik hatte sich schon vor Jahren für die Einsetzung der
“Einheitsregierung” stark gemacht, die nun von Truppen des ostlibyschen
Generals Khalifa Haftar aus der Hauptstadt Tripolis verjagt zu werden
droht. Allerdings waren Berlin und Brüssel nur an einer Anlaufstelle für
die Flüchtlingsabwehr interessiert; dies habe dem offiziellen Ziel,
“zur Wiederherstellung einer funktionierenden Regierung beizutragen”,
“direkt entgegen[gestanden]”, urteilt ein Experte der Berliner Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP). Vom Westen nicht nur im Stich gelassen,
sondern auch aktiv sabotiert, sei die Einheitsregierung faktisch eine
leichte Beute für Mafia-Milizen geworden. Paris hingegen, von der
Chancenlosigkeit der Einheitsregierung überzeugt, unterstützte bereits
früh die Truppen von General Haftar…“
- „Libyen, Algerien: Die Versuchung einer Militärdiktatur“ am 09. April 2019 bei FFM-Online
zum Thema: „… In
den letzten Jahren hat es mehrfach kriegerische Auseinandersetzungen in
und um Tripolis gegeben, die das aktuelle Ausmaß erreicht haben – aber
es waren militärische Kämpfe lediglich unter westlibyschen Milizen. Die
Kunde davon gelangte kaum in die Weltöffentlichkeit. Seit März 2019
haben sich die westlibyschen Milizen zu einer Front „gegen die drohende
Militärdiktatur“ zusammengeschlossen, als der Eroberungsfeldzug von
Haftars Truppen zunächst Richtung Süd-Libyen begonnen hatte. Eine
Militärdiktatur in Libyen bedeutet Krieg rund um Tripolis und offene,
mörderische Repression nach ägyptischem Vorbild. Die Herrschaft der
skrupellosen westlibyschen Milizen, die die Internierungslager
betreiben, die fliehenden Boat-people einfangen und foltern lassen,
würde schlicht und einfach von den Haftar-Truppen, falls sie siegen,
übernommen werden. Die vorverlagerte Festung Europa an der westlibyschen
Küste wurde in der EU anscheinend zunehmend als obsolet betrachtet. Die
sogenannte libysche Küstenwache war immer häufiger „out of order“, oder
ihre schiessenden Kommandoaktionen gegen Boat-people und NGO-Schiffe
gerieten für die EU zum Prestigeverlust. Richtige militärische Truppen
könnten nicht nur im Gleichschritt paradieren, sondern würden auch nicht
mehr auf das Milizengeschäft zurückgreifen: Erst durch Folter den
Flüchtlingsangehörigen Geld abpressen, dann sie gegen Geld auf Boote
setzen, um sie schließlich für EU-Geld wieder einzufangen – all das wäre
vorbei. Eine richtige durchorganisierte Militärdiktatur in Libyen, die
die Küsten effektiv kontrolliert – das könnte der stille Traum in so
manchen EU-Gremien sein. Nun wird erstmal der Scherbenhaufen der
italienisch-europäischen EU-Politik inszeniert…“
- „Haftar
has clearly been given the green light to conquer Tripoli“ von Dr
Mustafa Fetouri am 18. April 2019 im Middle East Monitor
ist ein Beitrag zu Beginn der aktuellen Kmäpfe, der sowohl darauf
verweist, dass alle in Libyen handelnden Milizen auch internationale
Verbindungen haben – internationale Unterstützung oft genug auch – als
auch, dass wenn dieser Krieg vorbei sein möge, der nächste bestimmt
komme. Die einzige Lösung sei, wie es verschiedene Proteste der
Bevölkerung bereits gefordert hätten, die Beseitigung aller Milizen im
Lande. Was aber kaum ohne Gewalt vorstellbar wäre…
- Siehe zum Hintergrund die erste Meldung: Libyen: Mind. 40 Tote nach Luftangriff auf Flüchtlingslager
“In Libyen sollen Kräfte des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar ein
Lager bombardiert haben. In der hauptstadtnahen Unterkunft wurden
Hunderte Geflüchtete festgehalten.
Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager nahe der libyschen
Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 40
Menschen getötet worden. 80 weitere Flüchtlinge seien in dem Lager im
Vorort Tadschura verletzt worden, sagte Malek Merset, ein Sprecher der
libyschen Gesundheitsbehörden, in der Nacht. Ein Sprecher der
Rettungskräfte sagte, es handle sich um eine vorläufige Bilanz, die sich
noch verschlimmern könne. Es ist offenbar unklar, wie viele Flüchtlinge
und Migranten in dem Hangar festgehalten wurden. Zunächst war vermeldet
worden, es seien etwa 120 Geflüchtete, später gab die die
Nachrichtenagentur AP an, in der Unterkunft hätten sich 616 Geflüchtete
aufgehalten. Die von den Vereinten Nationen unterstützte libysche
Regierung machte die sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) des
Generals Chalifa Haftar für den Angriff verantwortlich…” Agenturmeldung vom 3. Juli 2019 bei der Zeit online 
- Gewalt gegen Geflüchtete: »Ich höre immer wieder von den
Menschen: Befreit uns!« Lager in Libyen: Italienischer Regisseur schafft
Öffentlichkeit für gefolterte Flüchtlinge.
“… Viele der Geflüchteten nutzen ihre Handys, um über das Internet
auf ihre Geschichten aufmerksam zu machen. Als ich davon hörte, nahm ich
Kontakt auf und erfuhr aus erster Hand, wie die Situation in den Lagern
ist. Für Journalisten war es in der jüngeren Vergangenheit sehr schwer,
vor Ort zu recherchieren. Das wird zum Teil dadurch kompensiert, dass
die Betroffenen ihre Geschichten selbst erzählen und von den
Grausamkeiten berichten, die sie erleiden müssen. In Libyen werden viele
von ihnen ausgebeutet, zu Zwangsarbeit gezwungen, gefoltert oder
vergewaltigt. [Und Aufnahmen davon sind ebenfalls online?] So ist es,
das hat mich sehr schockiert. Die Verantwortlichen versuchen so, Geld
von den Familien der Flüchtlinge zu erpressen. Auf diese Weise gelangen
Folteraufnahmen aus diesen Lagern in die Außenwelt – aus Gefängnissen,
in denen Menschen sitzen, die kein Verbrechen begangen haben. (…) Dazu
muss man wissen, dass die wenigen Berichte von Journalisten aus den
Lagern nicht immer im Sinne der internierten Migranten waren. Viele von
ihnen konnten nicht alles erzählen, um sich selbst zu schützen. Denn wer
die Wahrheit sagt, riskiert es, gefoltert zu werden. Die Macht dort
liegt vollständig in den Händen der Milizen. Selbst die UNO hat große
Schwierigkeiten damit, zu ermitteln, wie es den Flüchtlingen in den
Lagern geht. Mitarbeiter des UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen, jW) dürfen sich im Land nicht frei bewegen. In den
Lagern gibt es etwa 20.000 Migranten, aber außerhalb sind es rund
700.000. Von denen werden viele auf libyschem Boden regelrecht versklavt
und von Betrieben rund um die Hauptstadt Tripolis eingesetzt. Ich höre
immer wieder den gleichen Satz von den Menschen, mit denen ich in
Kontakt bin: Befreit uns! Diese Perspektive fehlt mir in der bisherigen
Berichterstattung. (…) Bislang wurden 300 Migranten per Flugzeug nach
Rom gebracht. Die Zahl ist verschwindend gering, aber ein Anfang. Das
UNHCR sagt, dass es rund 6.000 Flüchtlinge in geschlossenen Lagern gibt,
die an der gegenwärtigen Front des Kampfes zwischen Milizen liegen. Sie
müssten dringend evakuiert werden. Andere europäische Regierungen haben
bislang nicht auf unseren Hilferuf geantwortet.” Interview von Carmela Negrete in der jungen Welt vom 02.07.2019
mit dem Dokumentarfilmregisseur Michelangelo Severgnini – siehe den Videokanal mit dem Film “Exodus – fuga dalla Libia” 
- [ai-Aktion] Seenotrettung ermöglichen und sichere Zugangswege aus Libyen nach Europa schaffen!
“Die europäische Flüchtlingspolitik setzt immer stärker auf
Abschottung und nimmt dabei Tausende Todesopfer und schlimme
Menschenrechtsverletzungen billigend in Kauf. Wir dürfen nicht zulassen,
dass Menschen im Mittelmeer auf der Flucht ertrinken oder nach Libyen
zurückgebracht werden. Dort werden Migrant_innen und Flüchtlinge
willkürlich gefangen genommen und ihnen drohen Folter und schlimmste
Misshandlungen. Die Europäische Union arbeitet seit Jahren eng mit
Libyen zusammen, um zu verhindern, dass Migrant_innen und Flüchtlinge
auf der zentralen Mittelmeerroute Europa erreichen. Deutschland hat
gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedstaaten die libysche Küstenwache
ausgerüstet und trainiert. Diese fängt die Menschen auf See ab und
bringt sie nach Libyen zurück, wo sie Folter, Versklavung und Gewalt
ausgesetzt sind. Damit machen sich die EU-Staaten wissentlich zu
Komplizen eines für schwerste Menschenrechtsverletzungen
verantwortlichen Systems. (…) Fordere sichere Zugangswege nach Europa
und die Freilassung der Flüchtlinge und Migrant_innen in Libyen! Die EU
muss Seenotrettung wieder ermöglichen!” E-Mail-Aktion an die Bundeskanzlerin Angela Merkel von und bei Amnesty International 
- Protest eritreischer Refugees im Todeslager Zintan
“Channel 4 hat ein Video aus dem Lager Zintan, tief in der libyschen
Wüste gelegen, veröffentlicht, das unter die Haut geht. In diesem Lager
sind seit September 20 Menschen gestorben. Zu sehen ist in den 10
Minuten der Protest zahlreicher, überwiegend eritreischer Geflüchteter,
die in diesem Lager gefangen sind. Ihre Transparente wurden mit
Tomatenmark geschrieben, das sie sich vom Mund abgespart haben. Zu sehen
sind die Lebensumstände im Lager, die Verteilung von einem Becher
Wasser pro Person aus einem Eimer, eine stotternde Stellungnahme des EU
Flüchtlingskommissars Avramopoulos und eine Stellungnahme des
UNHCR-Sekretärs für Menschenrechte, Rupert Colville, der auf die Frage
der Moderatorin, ob er die Verantwortung für die Ertrunkenen, die
Push-Backs und die Lager bei der EU-Flüchtlingspolitik sehe, antwortet:
„Yes, that is absolutely right“. (…) Colville sagt, die Zustände in den
Lagern lägen „beyond the powers of the agency“. Allein die EU könne die
dortigen Zustände durch eine Änderung ihrer Migrationspolitik
beeinflussen. Offenbar wird UNHCR, der die Aktionen der libyschen
Milizen und die Zustände in den Lagern bislang eher lautlos begleitet
hat, nun nervös. Der Protest im Todeslager, die zwischen die Fronten
geratenen Gefangenen und die Tatsache, dass im Lager von Al-Khums 170
Gefangene spurlos verschwunden sind, zeigt, dass die Dinge aus dem Ruder
laufen. Das sind „die Bilder, an die wir uns“ nach den Worten des
ehemaligen Innenministers de Maiziere, „gewöhnen müssen“. Müssen wir
das?” Beitrag von und bei FFM-Online vom 10 Juni 2019
mit Link zur sehenswerten britischen Reportage von 4 Channel vom 7.Juni
- Flüchtlinge in Libyen: Rechtsanwälte zeigen EU in Den Haag an
“In Libyen werden Menschen gefoltert und versklavt, vor der Küste
ertrinken Flüchtlinge im Mittelmeer. Eine Gruppe internationaler
Juristen erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die EU. (…) Die Gruppe um die
Rechtsanwälte Omer Shatz und Juan Branco wirft der EU im Zusammenhang
mit der Flüchtlingskrise im Mittelmeer “Verbrechen gegen die
Menschlichkeit” vor. Shatz ist Dozent an der Yale Law School und der
Pariser Elitehochschule Science Po und hat in der Vergangenheit eine
Vielzahl von Menschenrechtsverfahren angestoßen. Die EU sei durch ihre
Politik verantwortlich für “den Tod Tausender Menschen durch Ertrinken”,
sowie die Gefangennahme, Versklavung, Folter und Ermordung von
Flüchtlingen. Die Begründung: Die Europäische Union fördere den
Rücktransport Zehntausender Geflohener nach Libyen durch die libysche
Küstenwache, heißt es in der 241-seitigen Strafanzeige. (…) Der Vorstoß
der Juristen um Shatz stellt einen weiteren Versuch dar, die
Misshandlung und Tötung von Flüchtlingen und das Massensterben auf dem
Mittelmeer strafrechtlich ahnden zu lassen. Nach SPIEGEL-Informationen
wurden bereits bei Strafverfolgungsbehörden in mehreren Staaten
Aktenzeichen wegen Vergehen gegen das Völkerstrafrecht im Zusammenhang
mit der Situation in Libyen angelegt. Ob es sich dabei um reine
Beobachtungen oder aktive Ermittlungsverfahren handelt ist allerdings
unklar. Als Täter dürften diese Vorgänge allerdings libysche Akteure im
Visier haben. Die aktuelle Anzeige in Den Haag geht einen großen Schritt
weiter, indem sie die Verantwortung der EU thematisiert. So habe die EU
mit dem Auslaufen der Operation “Sophia” eine große Zone ohne
Seenotrettungskapazitäten geschaffen, heißt es in der Anzeige…” Artikel von Fidelius Schmid vom 03.06.2019 beim Spiegel online 
- Hilfswerk UNHCR: Flüchtlinge sollen “auf keinen Fall” zurück nach Libyen gebracht werden
“Anrainerstaaten weisen aus dem Mittelmeer gerettete Migranten
regelmäßig ab. Daran äußert nun das Hilfswerk UNHCR Kritik. Insbesondere
nach Libyen dürften Flüchtlinge nicht zurückgebracht werden. (…) Es
müsse jede politische Einflussmöglichkeit – auch durch die Europäische
Union – genutzt werden, um das Leid in den Lagern zu beenden, forderte
Bartsch gegenüber der Zeitung. “Die humanitäre Situation der Menschen in
den Lagern ist verheerend. Es fehlen Nahrung, Wasser und viele brauchen
dringend medizinische Hilfe.” (…) Er rief die Regierungen von
EU-Ländern auch auf, private Retter auf dem Mittelmeer nicht länger zu
kriminalisieren…” Meldung vom 19.05.2019 beim Spiegel online 
- Libyen: Routinemässig Folter und Vergewaltigung
“… Flüchtlinge und Migranten, die versuchen, von Afrika nach Europa
zu gelangen, sind in offiziellen wie inoffiziellen libyschen
Haftanstalten routinemässig sexueller Gewalt ausgesetzt, ergab eine
Umfrage der «Women’s Refugee Commission». Die Grausamkeiten werden immer
schlimmer, sagt die Organisation, die zwischen Oktober 2015 und
November 2018 Flüchtlinge in Italien sowie Beteiligte wie Seenotretter,
Menschenrechtsexperten und lokale Informanten befragt und Informationen
anderer Organisationen zusammengetragen hat. Betroffen sei jeder, der
durch Libyen fliehe, Männer wie Frauen, Erwachsene wie Kinder, Muslime
wie Christen. Andere Organisationen bestätigen diese Angaben. «Sexuelle
Gewalt wird zur Erpressung, Unterwerfung, Bestrafung und Unterhaltung
eingesetzt und beinhaltet häufig Elemente tiefer Grausamkeit und
psychologischer Folter», fasst der Bericht zusammen. Die Überlebenden,
die es nach Europa schaffen, tragen die psychischen und physischen
Spuren Libyens. Zu den sichtbaren Spuren zählen Verbrennungen,
Schusswunden, Narben und ungewollte Schwangerschaften, zu den
unsichtbaren Albträume, Schlaflosigkeit, Traumata. (…) 2018 befanden
sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen zwischen 700‘000 und einer
Million Flüchtlinge und Migranten in Libyen. Zehn Prozent davon sind
Kinder, die Hälfte davon reist unbegleitet. Von den Erwachsenen sind
etwa vier Fünftel Männer. Ungefähr 5‘000 Personen befinden sich in
offiziellen Lagern der Regierung, schätzte «Médecins sans Fronières»
Ende 2018. Wer in Libyen festgenommen oder von der libyschen Küstenwache
ins Land zurückgebracht wird, landet dort. Ein- und Ausreise ohne
gültiges Visum sind in Libyen illegal. In der Praxis heisst das
Internierung ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit. (…) Die
«Women’s Refugee Commission» appelliert an die EU-Länder, die
Menschenrechte bei ihrem Handeln in den Vordergrund zu stellen und
Flüchtende nicht länger in ein zunehmend rechtloses Bürgerkriegsland wie
Libyen zurückzuschicken, wo ihnen schlimmste Gewalt droht. Sie fordert
die europäischen Länder auf, diejenigen zu unterstützen, denen die
Flucht nach Europa gelungen ist.” Beitrag von Daniela Gschweng vom 12. Mai 2019 bei Infosperber
- Flüchtlingselend in Libyen: Barbarei im Namen Europas
“Die Europäer haben die Verantwortung für Flüchtlinge auf Staaten
wie Libyen abgewälzt. Damit machen sie sich schuldig an den Verbrechen,
die dort an diesen Menschen begangen werden. Die Bilder und Videos, die
beinahe jeden Tag auf dem Handy von Michelangelo Severgnini eingehen,
sind unerträglich: Sie zeigen Flüchtlinge in Libyen, die
aneinandergekettet auf dem Boden kauern, die mit geschmolzenem Metall
übergossen und tot geprügelt werden. Severgnini, Menschenrechtsaktivist
aus Italien, steht über WhatsApp regelmäßig mit mehreren Hundert
Migranten in Kontakt. Er dokumentiert, was die Europäer verdrängen oder
ignorieren: die Entmenschlichung Tausender Flüchtlinge in Libyen, den
Zivilisationsbruch im Namen Europas. Die EU-Staaten haben die
Migrationsabwehr an Libyen ausgelagert. Sie bezahlen Verbrecherbanden
und Milizen, damit diese Menschen an der Flucht nach Europa hindern –
egal mit welchen Mitteln. Organisationen wie “Ärzte ohne Grenzen” (MSF)
haben vielfach beschrieben, was mit Flüchtlingen passiert, die von der
libyschen Küstenwache aufgegriffen werden. Sie landen in Haftanstalten,
die vom Auswärtigen Amt mit Konzentrationslagern verglichen wurden. Sie
werden misshandelt, vergewaltigt, gefoltert, versklavt, exekutiert. Der
ehemalige Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Raad al-Hussein spricht vom
“schieren Grauen”. All das hindert die Europäer nicht daran, mit Libyen
in der Asylpolitik zu kooperieren…” Kommentar von Maximilian Popp vom 4. Mai 2019 beim Spiegel online 
- Libyen: Flüchtlinge beschossen und verletzt – Ärzte ohne Grenzen fordert, Gefangene sofort außer Landes zu bringen
“Gefangene Flüchtlinge und Migranten sind in einem
Internierungslager in der libyschen Hauptstadt Tripolis beschossen und
verletzt worden. Das geht aus Belegen hervor, die Teams von Ärzte ohne
Grenzen in Libyen aus dem Lager Kasr Bin Gaschir erhalten haben, in dem
sich auch Kleinkinder und Schwangere befanden. Ärzte ohne Grenzen und
andere Hilfsorganisationen haben seit mehr als zwei Wochen mehrfach
dringend gefordert, die etwa 3.000 Menschen aus den Internierungslagern
in Tripolis in Sicherheit zu bringen. Sie werden in Einrichtungen der
von der EU unterstützten libyschen Einheitsregierung nahe des
Kampfgebiets willkürlich festgehalten. Viele von ihnen wurden von der
libyschen Küstenwache mit Unterstützung der EU vom Mittelmeer nach
Libyen zurückgebracht. „Wir sind mehr als schockiert. Nichts kann so
einen gewaltsamen Angriff auf verletzliche Zivilisten rechtfertigen, die
im Konfliktgebiet eingesperrt sind“, sagt Karline Kleijer, Leiterin der
für Tripolis zuständigen Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen. „Der
internationalen Gemeinschaft muss ihr völliges Nichthandeln vorgeworfen
werden. Die bloße Verurteilung von Gewalt gegen Flüchtlinge und
Migranten ist wertlos, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht
sofort Maßnahmen ergreift. Wir fordern inständig in akuter
Dringlichkeit, die Menschen außer Landes zu bringen. Sonst können sie
erneut ins Kreuzfeuer geraten.“…” Meldung vom 26. April 2019 von und bei Africa live 
- Flüchtlingslager bei Tripolis – Verletzte bei Angriff in Libyen
“In Libyen tobt weiter der Kampf um die Macht im Land. Nun kommt es zu einem Angriff auf ein Flüchtlingslager bei Tripolis. Das
Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat sich besorgt
über Angriffe auf ein Flüchtlingslager südlich der libyschen Hauptstadt
Tripolis geäußert. Mehrere Flüchtlinge seien verletzt worden, die
Situation sei angespannt, teilte das Flüchtlingswerk auf Twitter mit…” dpa-Meldung vom 23.04.2019 beim ZDF 
- Libyen: Ohnmacht und Angst der EU vor “Krieg” und Flucht.
Der unter Druck geratene libysche Regierungschef Serradsch bringt
800.000 mögliche Migranten in die Diskussion
“Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR schätzt die Zahl der
Binnenflüchtlinge in Libyen auf 34.000 Personen. Vor knapp einer Woche,
am 17. April, nannte die Schätzung noch 25.000 Personen – mit einem
deutlichen Bezug auf Kämpfe, die auch Wohnviertel im Großraum Tripolis
in Mitleidenschaft ziehen. Am Ende der Kurzmitteilung stand der Appell,
den “Konflikt zu beenden und Kriegsregeln zu beachten”. Der Appell
dürfte sich wie auch andere Aufrufe, der militärischen
Auseinandersetzung mit einer politischen Lösung beizukommen, kaum gegen
die Wirklichkeit in Libyen behaupten. (…) Für die italienische
Regierung, so die Zeitung, sei es wichtig, dass der Konflikt in Libyen
nicht offiziell von der UN als “Krieg” bezeichnet werde. Das würde
vieles ändern, dann würde es nämlich sehr viel schwieriger, Migranten
nicht mehr in Italien anlanden zu lassen…” Artikel von Thomas Pany vom 24. April 2019 bei telepolis 
- Libyen beendet Küstenwache-Aktivität? Konflikte brechen auf
“Die libyschen Küstenmilizen, die mit Patrouillenschiffen aus
Italien und mit EU-Geldern eine sogenannte Küstenwache betrieben hatten,
haben die Patrouillenschiffe abgezogen und nutzen sie jetzt für den
laufenden Krieg. Dies berichtet die Vatikan-nahe Tageszeitung „Avvenire“
unter Berufung auf italienische Regierungsquellen. „Avvenire“ schreibt,
die Libyer hätten die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer einstweilen
„unterbrochen“, man warte auf eine regierungsoffizielle Bestätigung.
Mehrere Indizien deuten auf den Abbruch der ohnehin phantomhaften
Küstenwachen-Aktivität hin. (…) Damit haben drei offene Konflikte
begonnen: Rund um die Regierung in Tripolis, um die Überwachung des
zentralen Mittelmeers und in der Regierung in Rom. Es ist höchste Not,
dass die NGO-Rettungsschiffe wieder in die Todeszone fahren…” Meldung vom 20. April 2019 bei der Forschungsgesellschaft Flucht & Migration e.V. 
- Libyen: Eingesperrt, geschunden und in den Krieg getrieben
“In Libyen sitzen Tausende Flüchtlinge und Migranten in
Gefangenenlagern. Die Eskalation der Kämpfe bringt ihnen neues Leid.
Einige werden zu Kriegsdiensten gezwungen. Der Krieg würde kommen, damit
hatten die Gefangenen schon vor mehr als zwei Wochen gerechnet. Da
holten die Wärter in einem Lager in Tripolis die Männer, die am
kräftigsten aussahen, plötzlich aus der dunklen, überfüllten Halle – und
zwangen sie, Panzerwagen zu waschen. Als sie fertig waren, mussten sie
Kisten mit Gewehrkugeln schleppen. Neben dem Gebäude, in dem sie
normalerweise ausharren, fiel den Häftlingen dabei auf, dass dort
neuerdings Sprengkörper aufbewahrt wurden. “Ich fürchte mich, denn in
diesem Lager (sind) zu viele Soldaten und Waffen”, sagte einer der
Gefangenen, der ZEIT ONLINE von den Ereignissen berichtete. Einige Tage
später, am 4. April, befahl der Mann, der den Osten Libyens
kontrolliert, seiner selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA), auf
die Hauptstadt vorzurücken. (…) Laut dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR sind
mehr als 1.500 Gefangene in Gegenden untergebracht, in denen derzeit
gekämpft wird. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters
warfen die Streitkräfte von Haftar der UN-gestützten Einheitsregierung
in Tripolis vor, Migranten als menschliche Schutzschilder und Kämpfer
einzusetzen. (…) Sollten die Berichte stimmen, dann könne diese
Behandlung inhaftierter Migranten durch Milizen, die der
Einheitsregierung in Tripolis nahestehen, Kriegsverbrechen darstellen,
sagt Judith Sunderland, stellvertretende Direktorin von Human Rights
Watch in der Abteilung Europa und Zentralasien. “Zivilisten zu zwingen,
in einem Kriegsgebiet Waffen zu horten, gilt als missbräuchliche
Zwangsarbeit, ist unrechtmäßig grausam und setzt sie einem unnötigen
Risiko aus”, sagt sie. Dass die Menschen gezwungen würden, Uniformen zu
tragen, deute darauf hin, dass sie als Geiseln oder menschliche
Schutzschilde eingesetzt würden, was Kriegsverbrechen darstellt. “Statt
festgenommene Migranten zu diesen gefährlichen Tätigkeiten zu zwingen,
sollten alle Seiten alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um zivile Opfer
zu vermeiden. Die Behörden sollten alle willkürlich inhaftierten
Migranten freilassen und für ihre Sicherheit sorgen”, sagt Sunderland…” Artikel von Sally Hayden vom 18. April 2019 bei der Zeit online
(aus dem Englischen übersetzt von Andrea Backhaus)
- Krise in Libyen: Seenotretter suchen einen sicheren Hafen – das Dauerdrama hat nun einen Krieg zum Hintergrund
“Die Lage ist verfahren. 64 Migranten sind an Bord des
Seenotrettungsschiffes Alan Kurdi, das im Mittelmeer unter deutscher
Flagge fährt. Das Schiff sucht nach einem sicheren Hafen zum Anlaufen.
Es ist nicht das erste Drama dieser Art. Die langen Verhandlungen unter
europäischen Ländern, bis man sich über die Aufnahme der Migranten
einigen kann, sind hinlänglich bekannt. Diesmal kommt allerdings eine
weitere Schwierigkeit hinzu. Die Lage in Libyen ist alles andere als
sicher. In der näheren Umgebung der Hauptstadt Tripolis und an deren
Rändern toben schwere Gefechte zwischen Milizen. Verschiedene Aufrufe
der Internationalen Gemeinschaft, der im Fall der letzten Erklärung der
EU wiederum lange Verhandlungen zur Formulierung vorausgingen, haben
keine wesentliche Wirkung ausgeübt. Die Kämpfe gehen davon unbeeindruckt
weiter. (…) Einen sicheren Hafen in Libyen, der den Kriterien des
Seerechts genügt, gibt es im Augenblick weniger denn je. Die libysche
Küstenwache hat ihre Arbeit wegen der kriegerischen Gefechte
eingestellt, nach Aussage des Kapitäns des Rettungsschiffs der NGO
Sea-Eye. Die ohnehin miserablen Zustände in libyschen Flüchtlingslager
haben sich durch die Kriegssituation weiter verschlimmert. Die
Versorgungslage sei katastrophal, so die irische Journalistin Sally
Hayden. Die Lager in der Nähe der Hauptstadt sind besonders gefährdet,
manche wurden geräumt oder es wurde versucht, Flüchtlinge woanders hin
zu bringen. Die IOM hat ihre Hilfsmaßnahmen bei Tripolis eingestellt…” Artikel von Thomas Pany vom 12. April 2019 bei telepolis
, siehe zur Problematik des Deals mit Lybien Lost-in-EU
und zum konkreten Fall des Seenotrettungsschiffes Alan Kurdi unser Dossier: „Sea-Eye“ rettet 64 Menschen im Mittelmeer, 50 weitere vermisst
- Flucht übers Mittelmeer: “Das müsste jeden Europäer beschämen”
“Dass Flüchtlinge panische Angst haben, nach Libyen zurück zu
müssen, darf niemanden überraschen, sagt Experte Knaus im
tagesschau.de-Interview. Zwar kämen kaum noch Flüchtlinge übers
Mittelmeer. Doch der Preis dafür sei hoch. (…) Es gab in der
Vergangenheit schon ähnliche Situationen. Letztes Jahr im November
weigerten sich Geflüchtete vor Misrata an Land zu gehen und wurden dann
mit Waffengewalt dazu gezwungen. Gerettete haben panische Angst, nach
Libyen zurückzukommen. Das darf niemanden überraschen. Wir wissen von
zahlreichen Beobachtern und Diplomaten, dass diese Menschen in Lager
eingesperrt und misshandelt, versklavt, vergewaltigt und ermordet
werden. Ein UN-Bericht aus dem vergangenen Dezember liest sich wie eine
Beschreibung aus Dantes Inferno. (…) Viele Menschenrechtsorganisationen
sagen, dass Abschreckung nicht funktionieren kann, da Menschen, die
Fluchtgründe haben, sich immer auf den Weg machen werden. Doch die
Erfahrung zeigt, dass dies nicht stimmt. Im zentralen Mittelmeer sind
die Zahlen Ankommender seit Mitte 2017 dramatisch zurückgegangen. Die
wirkliche Frage ist moralisch und politisch. Welcher Methoden dürfen
sich Demokratien bedienen, um das Ziel der Abschreckung zu erreichen?
Man legt ja auch keine Landminen an der EU-Grenze zur Türkei, um
Flüchtlinge fernzuhalten. Doch auf libysche Milizen zu setzen, die sich
die Uniform der Küstenwache anziehen, und Gerettete der Folter zuführen
ist moralisch kaum besser…” Interview vom 28.03.2019 bei tagesschau.de 
- Festnahmen nach Ankunft des gekapertens Handelsschiffes in
Malta: „Selbstverteidigung gegen tödliche Grenzpolitik ist keine
Piraterie“
“Auf dem Mittelmeer haben Flüchtlinge nach ihrer Rettung offenbar
ein Schiff zum Kurs auf Malta gezwungen. Nach Libyen wollten sie nicht
zurück. Nun sind sie an Land, aber einige in Handschellen. Ein von
Flüchtlingen vor der libyschen Küste gekapertes Handelsschiff hat am
Donnerstag den Hafen von Malta erreicht. Der Tanker sei von der
maltesischen Marine eskortiert worden, nachdem zuvor zeitweise gerettete
Flüchtlinge die Kontrolle an Bord der „El Hiblu 1“ übernommen hatten,
wie die maltesische Tageszeitung „Times of Malta“ berichtete. Die 108
Flüchtlinge, darunter 12 Kinder und 19 Frauen, durften den Angaben
zufolge in der Hauptstadt Valletta von Bord gehen. Einige küssten beim
Verlassen des Schiffs den Boden. Vier der Männer wurden nach ihrer
Ankunft in Malta festgenommen. Als Flüchtlinge die Kontrolle über das
Schiff übernommen hatten, kamen laut der Zeitung keine Waffen zum
Einsatz. Die Besatzung sei jedoch in der Minderheit gewesen. Sie habe
daher den Eindruck gehabt, keine andere Wahl zu haben, als den
Anweisungen der Flüchtlinge Folge zu leisten. Der italienische
Innenminister Matteo Salvini schloss eine Aufnahme der Migranten aus. Er
sprach von einem Fall organisierten Verbrechens und von einem „Akt der
Piraterie“. Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Watch
dagegen kritisierte die Kriminalisierung der Flüchtlinge.
„Selbstverteidigung gegen eine tödliche europäische Grenzpolitik ist
keine Piraterie“, betonte die Hilfsorganisation. Die Geretteten hätten
die Kontrolle über das Schiff übernommen, um einer Rückführung nach
Libyen zu entgehen, wo ihnen Folter und unrechtmäßige Haft drohten. Der
Tanker sei im Begriff gewesen, eine völkerrechtswidrige Rückführung nach
Libyen zu starten…” Beitrag vom 29. März 2019 beim Migazin 
- Der menschenverachtende Deal der EU mit Libyen
“12.748 Menschen starben zwischen 1. Januar 2015 und 31. Dezember
2018 im zentralen Mittelmeer. Und was macht Europa? Zivile Seenotrettung
verhindern und weiter mit der »libyschen Küstenwache« zusammenarbeiten,
damit diese Bootsflüchtlinge abfangen und in die Folterlager Libyens
zurückschaffen kann. Die EU rüstet weiter die sogenannte »libysche
Küstenwache« –Milizionäre, Menschenschmuggler und Menschenhändler – aus.
In 2017 und 2018 hat die »libysche Küstenwache« mehr als 30.000
Bootsflüchtlinge auf dem Meer aufgegriffen. Im Rahmen ihrer Patrouillen
und »Rettungseinsätze« wendet sie Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder
an, zwingt die Betroffenen auf ihre Schiffe und bringt sie zurück nach
Libyen. Wiederholt haben libysche Einheiten zivile Seenotretter*innen
mit dem Tode bedroht und deren Schiffe beschossen. »Die Küstenwache
besteht aus unterschiedlichen Warlords, die sich den Namen »Küstenwache«
gegeben haben, um Geld von Europa zu kriegen«, sagt Nicole Hirt,
Wissenschaftlerin am GIGA Institut für Afrika-Studien in Hamburg. »Sie
sind selbst in Menschenschmuggel involviert, retten die Flüchtlinge
also, damit sie verkauft werden.« Ungeachtet all dieser Verbrechen wird
die »libysche Küstenwache« weiterhin von der EU hofiert, ausgebildet und
finanziell unterstützt. (…) Die EU versucht, die Verletzung des
Refoulement-Verbots durch Delegieren an ihre libyschen Stellvertreter zu
umgehen. Auch diese »Pull-Backs« – das Abfangen und gewaltsame
Zurückbringen von Flüchtlingsbooten nach Libyen durch die »libysche
Küstenwache« – verletzen internationales Recht. Nach Libyen
zurückgebrachte Bootsflüchtlinge sind systematisch schwersten
Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Ein Großteil wird direkt
inhaftiert und unter grausamsten und unwürdigsten Bedingungen in Lagern
und Gefängnissen festgehalten. UN-Berichte dokumentieren Folter,
Vergewaltigungen und außergerichtliche Hinrichtungen. (Zur aktuellen
Studie des Women Refugee Centre über sexuelle Gewalt gegen männliche
Geflüchtete in Libyen geht es hier.) Salah Marghani, ehemaliger
Justizminister in der libyschen Nachbürgerkriegsregierung stuft die
Rückführungen von Flüchtlingen und Migrant*innen als völkerrechtswidrig
ein. »Libyen ist kein sicherer Ort. Sie werden Opfer von Mord werden.
Sie werden gefoltert werden. Das ist dokumentiert … Und Europa weiß es.«…” Meldung vom 26.03.2019 bei Pro Asyl 
- Libyen: Unmenschliche Bedingungen in Internierungslager in
Tripolis – Mangelernährte Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht
“Fast ein Viertel der Flüchtlinge und Migranten im
Internierungslager Sabaa in Tripolis sind akut mangelernährt oder
untergewichtig. Das ist das Ergebnis eines Berichts von Ärzte ohne
Grenzen, für den die Teams zweimal alle Gefangenen auf Mangelernährung
untersucht haben. Die Inhaftierten berichten, sie bekämen oft tagelang
kein Essen. In dem Internierungslager der libyschen Einheitsregierung,
die von der EU unterstützt wird, werden derzeit mehr als 300 Menschen
willkürlich festgehalten, darunter mehr als 100 Kinder und Jugendliche.
Einige der Gefangenen waren in einem kleinen Raum zusammengepfercht
worden, in dem jede Person weniger als einen Quadratmeter Platz hatte.
Ärzte ohne Grenzen fordert die libyschen Behörden und die internationale
Gemeinschaft auf, die unmenschlichen und krankmachenden Bedingungen in
den libyschen Haftanstalten umgehend zu beenden…” Pressemitteilung vom 21. März 2019 von und bei Ärzte ohne Grenzen 
- Libyen soll für die EU Menschen im Mittelmeer retten – doch die Küstenwache geht nicht ans Telefon
“Wir veröffentlichen Funkmitschnitte und einen geheimen Bericht, die
belegen: Wer im Mittelmeer auf die Hilfe der Libyer hofft, ist häufig
verloren. Die von der EU aufgebaute libysche Küstenwache ist in
Notfällen für Seenotretter nicht erreichbar. Recherchen von BuzzFeed
News zeigen, dass auf den offiziellen Rufnummern so gut wie nie jemand
antwortet. Die Libyer sprechen zudem kein Englisch. Beides ist ein
klarer Verstoß gegen internationale Vorgaben. Darin werden sowohl eine
24-Stunden-Verfügbarkeit als auch Englisch-sprechendes Personal
vorgeschrieben. BuzzFeed News liegen insgesamt fünf Nummern vor, die von
libyschen Behörden als Kontaktnummern für Seenotrettungen angegeben
wurden. Zwei davon sind in der Datenbank der Internationalen
Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen (IMO) für
Seenotrettungen hinterlegt. Dort ist für Tripolis auch von einem
24-Stunden-Betrieb die Rede. Ein Reporter von BuzzFeed News hat an drei
verschiedenen Tagen und zu sechs verschiedenen Uhrzeiten versucht, diese
Nummern zu erreichen. Von diesen 30 Kontaktversuchen scheiterten 29,
weil der Anruf nicht beantwortet wurde. Unter den Nummern, auf denen
niemand zu erreichen war, waren auch jene beiden Nummern, die in der
internationalen Datenbank für Seenotfälle eingetragen sind…” Beitrag von Marcus Engert vom 15. März 2019 bei BuzzFeed News Deutschland 
- Tod im Mittelmeer: Diese fragwürdigen Typen halten der EU Geflüchtete vom Hals
“Im Herbst 2017 greift die libysche Küstenwache Ertrinkende und
Seenotretter an, ein Video des Vorfalls sorgt international für
Aufsehen. VICE hat mit den libyschen Seeleuten gesprochen. Als die
Ertrinkenden versuchen, sich mit letzter Kraft auf das Schiff zu retten,
guckt Ibrahim auf sein iPhone. Mit ernster Miene steht er an der Reling
und filmt, wie ein Schlauchboot vor ihm im Meer versinkt. Wie
Geflüchtete über Köpfe und Körper hinweg klettern, sich retten wollen
und doch wieder zurück ins Wasser fallen. Das weiße Gummiboot, das sie
nach Europa bringen sollte, kentert schon 30 Seemeilen vor der libyschen
Hauptstadt Tripolis. Mindestens 20 sterben am 6. November 2017.
Geflüchtete, deren Hoffnung auf ein besseres Leben auf den Grund des
Mittelmeers sinkt. Was in diesen Stunden auf offener See passiert, filmt
die Crew des anrückenden Rettungsschiffes Sea-Watch 3. Die New York
Times hat die Ereignisse in einem 15-minütigen Kurzfilm aufgearbeitet,
eine Katastrophe im Schnelldurchlauf. Nachdem ich mir “It’s an Act of
Murder” angeschaut habe, sitze ich fassungslos vor dem Laptop. Das
Verhalten der libyschen Küstenwache, deren eigentliche Aufgabe es ist,
die Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen, macht mich rasend. Wie die
Libyer mit einem alten Militärschiff, das für die Rettung von Menschen
völlig ungeeignet ist, auf das Gummiboot zusteuern. Wie sie Geflüchtete
mit einem Tau schlagen und die Seenotretter attackieren. Weil mich die
Videoaufnahmen nicht loslassen, klemme ich mich hinter meinen Rechner.
Einen Monat später bin ich mit achtzehn Personen auf Facebook
befreundet, die ich der Besatzung des Schiffs der libyschen Küstenwache
oder ihrem Umfeld zuordne. Mit “Ibrahim”, der nicht nur am 6. November
das Handy drauf hält. Auf seinem Facebook-Profil lädt er Bilder
ertrunkener Kinder hoch. Mit “Aziz”, der die Seenotretter angriff und
mir eine absurde Ausrede für sein Verhalten auftischen will. Und mit
“Ahmed”, der in einem Post den Terror des Islamischen Staates in Paris
feiert. (…) Im Mai 2018 haben 17 Überlebende am Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof Klage gegen den Staat Italien eingereicht.
Sea-Watch gehört zu den Organisationen, die sie dabei unterstützen.” Reportage von Paul Schwenn vom 7. März 2019 bei Vice.com mit vielen Fotos und Videos
- Flüchtlingsprotest in libyschem Lager: Mit brutaler Gewalt beantwortet
„Zustände in Lagern wie Triq al-Sikka
sind ein Beleg dafür, dass es in Libyen keinen “sicheren Hafen” gibt,
da gerettete Menschen dort in lebensgefährliche Situationen geraten. Das
Lager in der Hauptstadt Tripolis ist schon seit längerem berüchtigt; im
September 2017 bezeichnete es ein BBC-Bericht als “Hölle”
.
Daran hat sich nichts Wesentliches geändert, wie aktuelle Berichte
zeigen. Vergangene Woche kam es nach dem Besuch des niederländischen
Botschafters am Dienstag zu Protesten im Lager Triq al-Sikka
,
in deren Folge eine Hundertschaft Polizisten herbeikommandiert wurde,
die auf Migranten einprügelten, bis sie ohnmächtig wurden. Mehrere
Migranten wurden nach den Protesten in andere Lager verbracht, was auch
als Spurenverwischen interpretiert werden kann. Denn im Zusammenhang mit
der publik gewordenen Gewaltanwendung, die gestern von
Hilfsorganisationen scharf gebrandmarkt wurde, wurde die Öffentlichkeit
erneut auf unmenschlich harte Zustände aufmerksam gemacht. So werden
festgehaltene Migranten in Kellerzellen gebracht, wo sie tage- oder
möglicherweise gar wochenlang ohne Licht und schlecht versorgt ausharren
müssen. Auch gibt es immer wieder Berichte von Folterungen…“ – aus dem Beitrag „Libyen: Migranten protestieren gegen Zustände im Lager“ von Thomas Pany am 06. März 2019 bei telepolis
,
worin das EU-finanzierte und geförderte Wirken der libyschen „Behörde
zur Bekämpfung der illegalen Migration“ ausführlich dargestellt wird…
Siehe dazu auch eine weitere aktuelle Meldung:
- Bundesregierung bestätigt: Libysche Behörden für Seenotrettung gar nicht erreichbar
“„Jede weitere Ausbildung der sogenannten ‚Küstenwache‘ in Libyen
geht am Problem vorbei und dient lediglich dazu, die Truppe als
Türsteher der Europäischen Union aufzubauen. Laut dem Auswärtigen Amt
sei den Besatzungen das Menschen- und Völkerrecht, die Seenotrettung und
die Nutzung maritimer Kommunikationskanäle erklärt worden. Angewandt
werden die Kenntnisse aber nicht, die Einsätze der Libyer verlaufen
weiterhin unprofessionell, brutal und häufig tödlich. Die Zusammenarbeit
mit dieser Truppe muss deshalb beendet werden“, fordert der
europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko.
Die Bundesregierung bestätigt „Schwierigkeiten bei der elektronischen
oder telefonischen Erreichbarkeit“ der libyschen „Küstenwache“. Das
gleiche gelte „hinsichtlich sprachlicher Kommunikationshindernisse“. Für
derartige Probleme hat die EU-Militärmission EUNAVFOR MED einen
„Monitoring-Mechanismus“ gestartet, mit dem Einsätze zur Seenotrettung
evaluiert werden sollen. „Dieser ‚Monitoring-Mechanismus‘ als
Kommunikationskanal mit Libyen war im ganzen Sommer ausgesetzt, erfahren
wir jetzt. Das war jene kritische Zeit, wo es Hunderte Tote im
Mittelmeer gab, weil die NGO-Schiffe in Italien und Malta festgesetzt
waren. Das belegt, dass die libysche ‚Küstenwache‘ kein verlässlicher
Partner bei der Seenotrettung sein kann…” Pressemitteilung vom 20. Februar 2019 von und bei Andrej Hunko
, dort auch die Antwort auf die Kleine Anfrage „Anschluss der sogenannten libyschen Küstenwache an EU-Informationssysteme”
- Hilfsorganisationen: Beendet die Flüchtlings-Kooperation mit Libyen! Libyen ist für Schutzsuchende die Hölle auf Erden
“… Rund 20 deutsche Hilfsorganisationen haben eindringlich zu einem
Ende der europäischen Kooperation mit der libyschen Küstenwache
aufgerufen. Auch Deutschland dürfe nicht dabei zusehen, wie aus dem
Mittelmeer gerettete Menschen in Folterlager zurückgeschleppt würden,
hieß es in dem Appell vom Montag, den unter anderem „Brot für die Welt“,
Pro Asyl, Misereor, Acat und medico international unterzeichnet haben.
Bundestag und Bundesregierung müssten sich zudem für die sofortige
Schließung der libyschen Flüchtlingshaftlager einsetzen. In den
vergangenen zwei Jahren habe die libysche Küstenwache mehr als 30.000
Flüchtlinge und Migranten auf dem Meer aufgegriffen und nach Libyen
zurückführt. Dort würden Menschen aber unter grausamsten und
unwürdigsten Bedingungen in Lagern und Gefängnissen festgehalten,
protestierten die Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. Für die
Gefangenen sei dies die Hölle auf Erden. (…) „Ärzte ohne Grenzen“ hat
den Rücktransport von Bootsflüchtlingen vom Mittelmeer nach Libyen
bereits vergangene Woche Mittwoch als völkerrechtswidrig kritisiert.
„Die EU-Staaten inklusive Deutschlands zwingen Männer, Frauen und Kinder
zurück in einen Kreislauf von Missbrauch und Gewalt“, sagte Florian
Westphal, Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“ in Deutschland. Statt
für ausreichend Seenotrettung zu sorgen, ziehe sich die Bundesregierung
sogar aus der EU-Operation „Sophia“ zurück, die zuletzt ohnehin kaum
noch Menschen gerettet habe. Westphal: „Europa lässt Schutzsuchende
ertrinken und zwingt die Überlebenden in akute Gefahr.“ In den Lagern um
Misrata und Choms befänden sich 930 Menschen, darunter Schwangere,
Kleinkinder und Babys…” Bericht vom 29. Januar 2019 von und bei Migazin
und der Appell bei medico international
- EU-Kooperation mit Libyen: Wie lange noch?
“Die Kooperation zwischen EU und sogenannter libyscher Küstenwache
ist untragbar. Das muss auch die Bundesregierung endlich verstehen. Wie
lange noch? Die Abgeordneten des Menschenrechts- und des Auswärtigen
Ausschusses im Bundestag dürfen ihre Augen nicht verschließen: Die
Kooperation zwischen EU und sogenannter libyscher Küstenwache ist
untragbar. Da werden Flüchtende in Lager zurückgeschleppt und
Zehntausende leiden. UNHCR und Human Rights Watch sprechen von Folter,
Vergewaltigungen und Hinrichtungen, von Menschenhandel, Sklaverei und
Zwangsarbeit. Kurz: Libyen ist kein sicherer Ort…” Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff am 280.1.2019 beim Tagesspiegel online
- Verbrecher und ihre Mitwisser. Systematische Verletzung von
Menschenrechten: Interner Lagebericht des Auswärtigen Amtes entlarvt
deutsche und europäische Kooperation mit Libyen
“In regelmäßigen Abständen verfasst das Auswärtige Amt (AA) interne
Länderberichte. Ein solcher, mit Fokus auf die »asyl- und
abschiebungsrelevante Lage in Libyen«, liegt junge Welt nun vor. Das als
»Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch« eingestufte Dokument
soll die Öffentlichkeit nicht erreichen, wohl auch, weil die in ihm
enthaltenen Einschätzungen die Kooperation der Europäischen Union und
der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Migrationspolitik in keinem guten
Licht erscheinen lassen. Das Papier mit Stand Juni 2018 zeichnet ein
dramatisches Bild der Lage in jenem nordafrikanischen Land, dem Berlin
und Brüssel eine Schlüsselrolle bei der Verhinderung von
Migrationsbewegungen nach Europa zuschreiben. (…) Das libysche
Staatswesen funktioniere »nur sehr eingeschränkt«, einen verbindlichen
Rechtsrahmen gebe es nicht, Menschenrechtsverletzungen »sind in Libyen
an der Tagesordnung«, bilanziert das Papier des AA. »Weder der
Präsidialrat und die Einheitsregierung noch ihre Herausforderer üben
effektive Kontrolle über die Vielzahl der bewaffneten Gruppen aus«, weiß
man in Berlin. Und noch deutlicher: »Aufgrund der fragmentierten und
nicht gesamtstaatlich kontrollierten Sicherheitslage ist es in Libyen
kaum möglich, zwischen staatlicher Repression und Repressionen Dritter
zu unterscheiden.« Folter, Entführungen, Morde seien auf allen Seiten zu
finden. (…) All das allerdings scheint nun weder die Bundesregierung
noch die Europäische Union davon abzuhalten, in Sachen
»Flüchtlingsabwehr« Kooperationen mit Libyen einzugehen. Anfang Oktober
bekundete EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos auf eine Anfrage der
Linksfraktion im Europaparlament, dass die Unterstützung der »libyschen
Küstenwache« weiter ausgebaut werden soll – und das, obwohl völlig
unklar ist, welchem Warlord diese als korrupt verrufene Truppe überhaupt
untersteht…” Artikel von Peter Schaber in der jungen Welt vom 14.12.2018 
- Das Geschäft mit den Flüchtlingen: Endstation Libyen
“Wenn sie aufgegeben haben, besteigen sie die Flugzeuge. Die
Internationale Organisation für Migration (IOM) transportiert
verzweifelte Flüchtlinge und Migranten zurück in ihre Heimatländer – den
Senegal, Niger oder Nigeria. Es ist die Rettung vor dem sicheren Tod
und gleichzeitig ein Flug zurück in die Hoffnungslosigkeit. Für die
Menschen, die Tausende Kilometer nach Libyen gereist sind, um nach
Europa überzusetzen, wird die EU-Grenzsicherung zunehmend zur Falle.
Denn die Schleuser in Libyen haben ihr Geschäftsmodell geändert: Nun
verhindern sie die Überfahrt, kassieren dafür von der EU und verkaufen
die Migranten als Sklaven. Die Rückkehrer sind die einzigen Zeugen der
Sklaverei. Alexander Bühler hat sich ihre Geschichten erzählen lassen…” Radiofeature von Alexander Bühler beim Deutschlandfunk vom 11. Dezember 2018
(Audiolänge: 44 Min.)
- Libyer stürmen Containerschiff. Flüchtlinge wollten aus Angst Schiff nicht verlassen
“Libysche Sicherheitskräfte haben das Containerschiff »Nivin« im
Hafen der Küstenstadt Misrata gestürmt. Zehn Tage lang hatten sich auf
dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge geweigert, das unter der Flagge von
Panama fahrende Schiff zu verlassen. Die 92 Schutzsuchenden fürchteten,
in libyscher Haft erneut Opfer von Misshandlungen zu werden. Viele der
Eritreer, Sudanesen, Bangladeschis und Äthiopier hatten nach eigenen
Angaben bis zu einem Jahr in libyschen Gefängnissen verbracht. Dort
hätten sie Folter und Zwangsarbeit erlitten. Die Einheiten des
lnnenministeriums schossen nach Angaben der Hilfsorganisation Roter
Halbmond mit Gummigeschossen auf die mit Stangen bewaffneten
Flüchtlinge. Zehn verletzte Schutzsuchende wurden in ein Krankenhaus in
Misrata gebracht. Die Restlichen wurden wie die eher von Bord gegangenen
29 Minderjährigen in ein Flüchtlingslager gebracht. Der Einsatz dauerte
mehr als zwei Stunden, auch weil viele Menschen wegen ihrer schlechten
Verfassung von Bord getragen werden mussten. Die Helfer des Roten
Halbmonds versorgten mehrere leicht Verletzte. (…) Amnesty International
rief die Regierungen der EU wie auch von Panama auf, für die
Flüchtlinge der »Nivin« eine Lösung zu finden.” Beitrag von Mirco Keilberth bei neues Deutschland vom 21. November 2018
- Schiff vor Libyens Küste: Gerettete wollen nicht an Land, sie befürchten, erneut in libysche Lager geschickt zu werden
“77 Migranten weigern sich, ein Containerschiff zu verlassen, dessen
Besatzung mehr als 90 Schiffbrüchige am vergangenen Freitag auf dem
Mittelmeer gerettet hat. Die unter libyscher Flagge fahrende „Nivi“ war
auf dem Weg von der libyschen Hafenstadt Misrata in die Türkei, als sie
ein Funkspruch von der Seenotrettungszentrale in Rom erreichte. Das
Schiff liegt nun wieder im Hafen von Misrata. Mit einem
Satellitentelefon hatten die Migranten einen Wassereinbruch sowie einen
Motorschaden ihres Schlauchbootes gemeldet. Menschenhändler hatten das
seeuntüchtige Gummiboot ohne ausreichend Wasser und Proviant Richtung
Sizilien geschickt, berichteten Gerettete der taz am Telefon. Nach der
Rückkehr der „Nivi“ nach Misrata weigerten sich die Schiffbrüchigen, das
Schiff zu verlassen. „Wir haben Angst, in die Gefängnisse
zurückzukehren, in denen viele von uns gefoltert und sexuell missbraucht
wurden oder Zwangsarbeit leisten mussten“, berichtete ein 30-jähriger
Mann aus Eritrea der taz am Donnerstag, der anonym bleiben wollte. Laut
Julien Raikman, Koordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen,
befinden sich 28 Minderjährige sowie zwei Schwerverletzte an Bord der
„Nivi“. Mitarbeiter der Organisation konnten 60 Migranten medizinisch
untersuchen und befragen. Es ist bislang jedoch nicht gelungen, die
Verletzten mit Hautverbrennungen in Krankenhäuser zu bringen. Das
Gemisch von Salzwasser und auslaufendem Benzin und Öl aus den Kanistern
der Schlauchboote führt regelmäßig zu schweren Verbrennungen und
Verätzungen von Bootsinsassen…” Artikel von Mirco Keilberth vom 15.11.2018 in der taz online 
- Flüchtlinge in Libyen: Retter und Beobachter unerwünscht
“Europa tut gerade alles dafür, keinen einzigen Flüchtling mehr an
Land kommen zu lassen. Und dafür ist jetzt jedes Mittel Recht. Auch wenn
es Unrecht ist. Das gilt nicht nur für die Türkei, sondern für das
gesamte Mittelmeer. Dort ist jetzt dem letzten privaten
Seenotrettungsschiff die Zulassung entzogen worden. Mit einer
offensichtlich rechtswidrigen Begründung. Aber Recht scheint für die
europäischen Staaten schon lange kein Kriterium mehr zu sein, wenn es
nur darum geht, die lästigen Flüchtlingshelfer endlich loszuwerden. Und
damit auch die letzten unabhängigen Augenzeugen eines Unrechts, das zum
Himmel schreit. (…) Dabei ist sich die Bundesregierung über die
Menschenrechtsverletzungen in Libyen bewusst. Auf eine „Kleine Anfrage“
antwortet sie, man habe Kenntnis von „inoffiziellen ‚detention
centers‘“. Dass es bei „Einsätzen der libyschen Küstenwache […] zu
Anwendung von Gewalt“ kommt. Und es „Zusammenarbeit von Angehörigen der
libyschen Küstenwache mit Angehörigen von Strukturen der Organisierten
Kriminalität“ gibt. Doch diese Antworten wurden als “Verschlusssache”
eingestuft, sollten geheim gehalten werden. Begründung: Zitat: „Aus
Gründen des Staatswohls […], da eine Offenlegung für die Sicherheit und
die Interessen der Bundesrepublik Deutschland nachteilig sein kann.“ Die
Wirklichkeit – unter Verschluss, aus Gründen des Staatswohls…” Bericht von Shafagh Laghai und Steen Thorsson vom 27. September 2018 bei Monitor
(Videolänge: 7:28 Min., in der ARD-Mediathek abrufbar bis zum 27. September 2019)
- [14.September 2018] Proteste in sechs europäischen Ländern:
Erst recht wegen des Milizenkriegs Schluss machen mit dem Lagerterror
gegen MigrantInnen in Libyen – sofortige Evakuierung in sichere
Drittländer
„Morgen, Freitag, den 14. September, finden Sit-ins
und Aktionen statt, die vom internationalen Netzwerk eritreischer
Migrant*innen ins Leben gerufen wurden, um die Inhaftierung, Folterung
und Aussetzung jeglicher Art von Legalisierung von Migrant*innen, die in
den libyschen Lagern gefangen sind, zu verurteilen. Die Situation hat
sich in den letzten Wochen durch den bewaffneten Konflikt verschärft und
gefährdet noch mehr das Leben der Hunderttausenden von afrikanischen
und nicht-afrikanischen Migrant*innen, die daran gehindert werden,
Libyen zu verlassen und Asyl zu suchen. Die eritreischen Migrant*innen
fordern die sofortige Evakuierung aller Migrant*innen aus Libyen und
eine rasche und direkte Umsiedlung in sichere Drittländer. Sie
verurteilen die Zusammenarbeit der EU-Institutionen, der Mitgliedstaaten
und Libyens bei einer Politik, die selbst die grundlegendsten
Menschenrechte missachtet, wobei die Inspektionen des UNHCR durch den
Ausbruch des bewaffneten Konflikts ernsthaft verhindert werden und im
Allgemeinen nicht in der Lage sind, eine hochinformelle, chaotische und
zunehmend dramatische Situation wirklich zu kontrollieren. Aber die UNO
war nicht in der Lage, zu verhindern, dass Migrant*innen wie Sklaven auf
öffentlichen Märkten verkauft werden, und es ist keiner Inspektion
gelungen, die systematische Zusammenarbeit zwischen libyschen Offizieren
und Menschenhändlern, die Vergewaltigungen, die Folterungen,
Missbrauch, die Entführungen durch Menschenhändler und die willkürlichen
Inhaftierungen durch die Polizei zu zerschlagen“ – das ist das Vorwort der Transnational Social Strike Platform vom 13. September 2018 zum Aufruf „14/09: Strike the borders. Against the silent massacre of migrants in Lybia“
bei Fratzebuch mit dem Proteste in Mailand, Bologna, Genf, London, Den
Haag, Stockholm und Berlin am heutigen Freitag, 14.9 organisiert werden
sollen.
- SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen fordern von EU-Staaten rasche Zuweisung eines sicheren Hafens
“Am 10. August rettete die Crew der Aquarius 25 Menschen, die auf
einem Holzboot trieben. In einer zweiten Rettung konnten 116 weitere
Menschen gerettet werden, darunter 67 unbegleitete Minderjährige. (…)
Während der Rettungsaktionen hat die Crew der Aquarius alle zuständigen
staatlichen Behörden informiert, darunter die Seenotrettungszentralen
von Italien, Malta und Tunesien und das libysche „Joint Rescue
Coordination Center“ (JRCC), welches bestätigte, es sei die
Koordinierungsstelle für die Rettungen. Das libysche JRCC informierte
die Crew der Aquarius, es werde ihr keinen sicheren Hafen für die
Geretteten zuweisen und wies sie an, bei einer anderen
Seenotrettungszentrale danach zu fragen. Libyen selbst kann in keinem
Fall als sicherer Ort gelten. Menschen, die in internationalen Gewässern
gerettet werden, dürfen nicht nach Libyen zurückgebracht werden,
sondern müssen gemäß Völker- und Seerecht an einen sicheren Ort gebracht
werden. Die Aquarius fährt nun nach Norden, um von einer anderen
Seenotrettungszentrale einen nahe gelegenen sicheren Hafen zugewiesen zu
bekommen. (…) „Die Bundesregierung trägt durch ihre aktive
Unterstützung der so genannten libyschen Küstenwache dazu bei, dass
Menschen in einem unmenschlichen System von Ausbeutung und Gewalt in
Libyen gefangen bleiben. Zu Tausenden werden Menschen mit
EU-Unterstützung nach Libyen zurückgebracht, oder sie haben gar nicht
die Möglichkeit, von dort zu fliehen“, sagt Philipp Frisch von Ärzte
ohne Grenzen in Deutschland. „Die Bundesregierung muss zumindest auf
ihre europäischen Partner einwirken, ihre Häfen für die aus Seenot
geretteten Menschen zu öffnen, und auch ihre eigene Bereitschaft zur
Aufnahme der Geflüchteten bekunden. Wir erwarten, dass sich die
Bundesregierung ihrer humanitären Verantwortung wieder bewusst wird und
endlich anfängt, sich entschlossen gegen die Kriminalisierung von Flucht
und humanitärer Hilfe zu positionieren.“ …” Pressemitteilung vom 12.8.2018 bei Ärzte ohne Grenzen 
- Aufstand in libyschem Lager: Der alltägliche Terror der EU-Partner ruft Widerstand hervor
„Die Menschen in den Lagern führen ihren Kampf für die Freiheit
dennoch weiter. Am Sonntag (05.08.18) brach im Internierungslager von
Tarek al Matar, in dem momentan ungefähr 1 800 Menschen eingesperrt
sind, eine Revolte aus. Die Nachricht des Protests und der blutigen
Niederschlagung wurde von in Italien lebenden Eritreern verbreitet, die
in Kontakt mit Menschen im Lager stehen. Nachfolgend einige Auszüge aus
dem einzigen in Italien veröffentlichen Medienartikel über das
Geschehene. „Die in den letzten Monaten aufgestaute Spannung ist am
Sonntag im überfüllten libyschen Internierungslager Sharie (oder Tarek)
al Matar, einem Aussenbezirk von Tripolis, explodiert. Die Verzweiflung
und der Protest der Gefangenen über die von allen Beobachtern als
unmenschlich beschriebenen Haftbedingungen und gegen die Überweisung in
andere Lager aus Angst, an Menschenhändler verkauft zu werden, führte zu
Auseinandersetzungen mit den Wärtern und drei Verletzten. Eine Angst,
die durch das Verschwinden von 20 Gefangenen und 65 Frauen mit Kindern
in den vergangenen Tagen ausgelöst wurde, was von den Libyern mit der
Entlastung der überfüllten Struktur gerechtfertigt wurde…“ – aus dem Beitrag „Libyen: Revolte im Lager von Tarek al Matar“ am 09. August 2018 bei Aus dem Herzen der Festung
, worin auch die ganz konkreten Anlässe der Widerstandsaktionen berichtet werden.
- Migranten von Libyen nach Italien: “Es kommt keiner mehr durch”
“Nach aktuellen Zahlen hat die neue italienische Regierung eines
ihrer Ziele erreicht. Dem gegenüber steht, dass die Zahl der Vermissten
und Toten im Mittelmeer steigt. Ausgeblendet wird die Härte der Lager in
Libyen (…) Zweite Hälfte Juli 2018: “0 Prozent” sollen es nach Europa
geschafft haben. Vor ein paar Tagen, am 2. und 3. August,
veröffentlichte Matteo Villa eine Reihe von Kurznachrichten über die
augenblickliche Situation in Italien. Seine Zusammenfassung lautet:
“Everyone goes back”. Das Verhältnis, das damit überschrieben wird
lautet: Nur 24 Prozent aller Migranten, die von Libyen aus nach Europa
wollten, schafften es im Juli tatsächlich nach Europa. Das sei der
niedrigste Anteil, den man bisher beobachtet habe, “the LOWEST share
ever”. “71 Prozent der Migranten wurden aufgegriffen und nach Libyen
zurückgebracht”, 5,2 Prozent gelten als “vermisst oder tot”, zeigt die
dazu gehörige Grafik. Ab 16. Juli verschiebt sich das Verhältnis sogar
noch deutlicher: 99,5 Prozent der Migranten werden “aufgegriffen und
zurückgebracht”, 0,5 Prozent werden als “vermisst oder tot” registriert
und “0 Prozent” sollen es nach Europa geschafft haben (…) Allerdings ist
wie eine weitere Grafik von Matteo Villa zeigt, die Überfahrt seit Juni
2018 auch deutlich riskanter geworden. “In den letzten beiden Monaten
zählen 6,1 Prozent der Migranten, die von Libyen aus Richtung Europa
aufbrachen, als “vermisst oder tot”. Das sei mehr als das Doppelte des
Durchschnitts von 2,4 Prozent von Januar 2017 bis Mai 2018. (…) Und
Villa macht darauf aufmerksam, dass in dieser Aufreihung die Zahl der
gefangenen Migranten in Libyen ausgeblendet würden. Wie viele es sind,
weiß niemand verlässlich, da es neben den Lagern für illegale Migranten,
die unter offizieller Aufsicht stehen, viele gibt, die von Milizen, die
nicht mit der Regierung in Verbindung stehen, dafür aber mit
Schleppern, kontrolliert werden. Geschätzt wird, dass es mehrere Tausend
sind…” Beitrag von Thomas Pany vom 06. August 2018 bei telepolis 
- Dieser Geheimbericht zeigt: Deutschland und die EU wissen von grausamen Menschenrechtsverbrechen in Libyen
“In Libyen werden Flüchtlinge gefoltert, vergewaltigt und für
Organhandel verkauft. Die EU lässt sie trotzdem dorthin bringen. Wir
veröffentlichen hier den gesamten Bericht. Die Bundesregierung und alle
EU-Staaten sind nachweislich über massive Menschenrechtsverstöße in
Libyen informiert. Das belegt ein bislang geheimer Bericht des
Europäischen Auswärtigen Dienstes EEAS, der BuzzFeed News Deutschland
vorliegt. Der Bericht spricht von Folter, Vergewaltigung,
Zwangsprostitution, menschlichem Organhandel und bewaffneten Milizen.
Auch attestiert er Libyen, die Mindestanforderungen internationaler
Vereinbarungen wie der EU-Flüchtlingskonvention nicht einzuhalten…” Beitrag von Marcus Engert vom 31. Juli 2018 bei BuzzFeed News Deutschland 
- Retter zeigen libysche Küstenwache an
“Ein Boot mit einer Überlebenden und zwei im Mittelmeer Gestorbenen
ist auf Mallorca angekommen. Sie sollen von der libyschen Küstenwache
zurückgelassen worden sein. (…) Italiens rechte Regierung hatte der NGO
zuvor zwar ebenfalls einen Hafen auf Sizilien zum Anlanden zugewiesen.
Rom wollte sich allerdings nur um die Überlebende, nicht aber um die
Toten der Flucht über das Mittelmeer kümmern. Daraufhin steuerte
Proactiva Spanien an. Hier sei der “Schutz” der Überlebenden
sichergestellt und gewährleistet, dass sie frei aussagen könne, teilte
die Gruppe mit. (…) Italiens rechte Regierung hatte der NGO zuvor zwar
ebenfalls einen Hafen auf Sizilien zum Anlanden zugewiesen. Rom wollte
sich allerdings nur um die Überlebende, nicht aber um die Toten der
Flucht über das Mittelmeer kümmern. Daraufhin steuerte Proactiva Spanien
an. Hier sei der “Schutz” der Überlebenden sichergestellt und
gewährleistet, dass sie frei aussagen könne, teilte die Gruppe mit…” Agenturmeldung vom 21. Juli 2018 bei der Zeit online 
- Flüchtlinge in Libyen Das Problem liegt an Land
“Libyens Küstenwache steht in der Kritik – dabei macht die
Marine bei der Abwehr von Migranten im Mittelmeer nur, was die EU von
ihr erwartet. Viel verheerender ist die Lage für die Flüchtlinge an
Land. Die Lage afrikanischer Migranten in Libyen wird immer prekärer.
Kriminelle Gangs, Milizen und Schleuserbanden seien stärker denn je,
warnte in dieser Woche Othman Belbeisi, Chef der Internationalen
Organisation für Migration (IOM) in Libyen, die der Uno unterstellt ist.
Nach Angaben der IOM leben derzeit mehr als 650.000 Migranten in dem
nordafrikanischen Land. Mindestens 9000 von ihnen würden in Lagern
festgehalten. Ihre Zahl hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt.
Das liegt daran, dass die libysche Küstenwache in den vergangenen
Monaten mehr Flüchtlingsboote im Mittelmeer gestoppt hat. Ein Großteil
der geretteten Insassen wird anschließend in die Gefangenenlager
gesteckt. Nach Einschätzung von IOM-Chef Belbeisi ist die Internierung
in einem Lager jedoch keinesfalls das schlimmste Schicksal, das
Migranten in Libyen droht. Die größte Gefahr drohe ihnen von bewaffneten
Banden. (…) Die schlechte Wirtschaftslage und die weitgehende
Machtlosigkeit der Regierung führten dazu, dass die Menschenhändler
immer skrupelloser würden, warnt die IOM. Trotzdem setzt die Europäische
Union bei der Lösung der Flüchtlingskrise auf Libyen. In dem Land
sollten Asylzentren errichtet werden, in denen Flüchtlinge unterkommen,
die aus dem Mittelmeer gerettet werden. Doch die zwar weitgehend
machtlose, aber international anerkannte Regierung in Tripolis lehnt
diese Auffanglager kategorisch ab…” Artikel von Christoph Sydow vom 20.07.2018 beim Spiegel online 
- Salvini: Libyens Häfen müssen sichere Häfen werden – EU-Einsatz Sophia gestoppt
“In Libyen sollen sich gegenwärtig mehr als 650.000 Migranten
aufhalten, die ohne Visa über die Grenzen gekommen sind und keine
Aufenthaltserlaubnis haben (“illegale Migranten”) (…) Die postulierte
Steigerung der in Libyen festgehaltenen Migranten wird mit einem “Stau”
erklärt, der sich daraus ergibt, dass mehr Migranten als früher von der
Küstenwache zurück nach Libyen gebracht werden – oder gar nicht erst
abfahren. Belbeisi spricht von einer Überbelegung (i.O: “overcrowding”),
die mit “der Politik der Küstenwache zusammenhängt, dass gerettete
Migranten sofort in Haft (i.O. “detention”) kommen. Das Problem, das
damit verbunden ist, heißt, “es gibt keinen sicheren Hafen in Libyen”.
Italien hat nun angefangen, sich des Problems anzunehmen. Erstmal ist es
vor allem PR, die einen guten Willen dokumentiert (…) Die Hilfe wird
von 3 Millionen auf 6 Millionen Euro aufgestockt, die investiert werden
in “bessere medizinische Versorgung, Trinkwasser, Decken, Essen,
Küchenausstattung, verbesserte Ausbildung des Personals, Spielplätze für
Kinder” und auch das ansonsten verfemte Kürzel “NGO” taucht auf dem
Plakat als Signal für eine bessere Welt in den “Migrationszentren” auf.
(…) Wahrscheinlich wird peu à peu eine neue Sprachregelung eingeführt.
Es wäre auf jeden Fall keine große Überraschung, wenn künftig mehr von
“Migrationszentren” statt von Haftanstalten – die sie auch nach den
strengen libyschen Gesetzen zur illegalen Migration sind -, die Rede ist
wie auf dem oben erwähnten Plakat. Aber umso besser, wenn dies durch
die Hilfe untermauert wird, die auf dem Plakat in Aussicht gestellt
wird, wenn die UNHCR mit dabei ist und wie angekündigt NGOs und lokale
Vereinigungen. (…) Wie die Zusammenarbeit zwischen Stämmen,
Menschenschmugglern, Schleusern und Terrorgruppen wie dem IS im
weitläufigen Grenzgebiet zwischen Ägypten und Libyen zeigt, sind die
Verbindungen so, dass die Verbesserung der Verhältnisse eine
Herkulesarbeit ist.” Artikel von Thomas Pany vom 20. Juli 2018 bei telepolis 
- Libyen lehnt EU-Flüchtlingszentren ab
“Der Regierungschef Libyens hat die Arbeit seiner Küstenwache gegen
Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen verteidigt.
EU-Flüchtlingszentren lehnte er ab, man werde keine Deals machen, sagte
er. (…) Pläne zur Errichtung von EU-Flüchtlingszentren in Libyen lehnte
al-Sarradsch ab. „Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell
bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht
haben möchte.“ Seine Regierung werde zu diesem Zweck „keine Deals mit
Geld mit der EU machen“. Er wundere sich sehr darüber, „dass in Europa
mittlerweile niemand mehr Migranten aufnehmen will, aber uns bittet,
hier weitere Hunderttausende aufzunehmen“…” Agenturmeldung vom 20.7.2018 beim Tagesspiegell online 
- Tod mit Ansage. Libysche »Küstenwache« überlässt
schiffbrüchige Flüchtlinge ihrem Schicksal. Hilfsorganisation erhebt
schwere Vorwürfe
“Die Rettungsschiffe »Open Arms« und »Astral« der spanischen
Hilfsorganisation Proactiva Open Arms sind auf dem Weg nach Mallorca, wo
sie am Sonnabend anlegen wollen. Das teilte die NGO am Donnerstag über
Twitter mit. An Bord der »Astral« befinden sich eine gerettete Frau
sowie die Leichen einer weiteren Frau und eines Kindes, die ihre Flucht
nicht überlebt haben. Die Retter hatten die drei Personen am Dienstag in
den Trümmern eines Schlauchbootes entdeckt, das etwa 80 Seemeilen (148
Kilometer) vor der Küste Libyens im Meer trieb. Nach Einschätzung der
Besatzung waren sie von der als »libysche Küstenwache« agierenden Miliz,
die von der Europäischen Union unterstützt wird, ihrem Schicksal
überlassen worden. (…) Die Aussagen von Josefa, der geretteten Frau,
scheinen die Vorwürfe der Retter jedoch zu bestätigen. Das italienische
Onlineportal Internazionale zitierte sie mit der Aussage, die Gruppe sei
bereits zwei Tage und zwei Nächte auf hoher See gewesen, als »libysche
Polizisten« gekommen seien: »Sie haben uns geschlagen.« Sie wisse nicht,
was danach geschah. Zudem scheint inzwischen klar zu sein, dass das
Kleinkind erst kurz vor dem Eintreffen der Retter gestorben ist.
Proactiva Open Arms macht deshalb die Blockadepolitik Italiens und
anderer EU-Staaten für dessen Tod mitverantwortlich: Alles sei
blockiert, »aufgrund derselben Diskussionen und derselben Verzögerungen,
die ein namenloses Kind zum Tod verurteilt haben, das nun in einem
weißen Sack im Schiffsbauch ruht.«…” Artikel von André Scheer in der jungen Welt vom 20.07.2018 
- Libysche Küstenwache soll Menschen zum Sterben zurückgelassen haben
“Spanische Seenotretter haben im Mittelmeer eine Frau gerettet.
Neben ihr schwammen die Leichen einer weiteren Frau und eines Kindes.
Nun machen die Helfer Libyens Küstenwache schwere Vorwürfe. Die
spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms wirft der libyschen
Küstenwache unterlassene Hilfeleistung und das Zurücklassen von
Migranten im Mittelmeer vor. Die Seenotretter entdeckten auf dem offenen
Meer eine Überlebende, die sich an die Überreste eines zerstörten
Schlauchboots klammerte, wie sie auf Twitter mitteilten. Neben ihr
fanden sie die Leiche eines Kindes und die einer anderen Frau. Ein Video
dokumentiert die Rettung der Frau am Fundort und die Leichen…” Meldung vom 17.07.2018 bei der Welt online
– siehe dazu Berichte, Bilder und Videos von @openarms_fund bei Twitter 
- Libyen: Erstickungstod von acht Migranten. UN-Sondergesandter: Der gegenwärtige politische Zustand im Land ist unhaltbar
“Der Erstickungstod von acht Migranten, sechs Kindern und zwei
Erwachsenen, in einem verschlossenen Gefriercontainer bei der libyschen
Küstenort Zuwara ist die jüngste Schockmeldung aus einer ganzen Serie
von Nachrichten und Bildern im Zusammenhang mit der Migration, die sich
in der Öffentlichkeit zu einer Art hysterischem Stresstest von Humanität
und Politik entwickelt hat (siehe: Warum nicht über Seenotrettung
diskutieren?). Laut Reuters wurden 90 Personen aus dem Container
gerettet, allesamt in einem kritischen Zustand. Offenbar wurden sie von
Schleusern in einen Gefriercontainer für den Transport von Fisch und
Fleisch gesteckt, um unentdeckt nach Zuwara zu kommen. Zuwara ist ein
bekannter Ablegeort für Boote, die in Richtung Europa aufbrechen mit der
Aussicht, dass sie entweder von der libyschen Küstenwache aufgegriffen
werden oder weiter draußen von Schiffen der EUNAVFOR MED,
Handelsschiffen oder anderen dort verkehrenden Schiffen, die von der
Seenotrettungsleitzentrale in Rom zur Hilfe geschickt werden oder dass
sie im Meer umkommen. Seetauglich sind die Boote nicht...” Artikel von Thomas Pany vom 17. Juli 2018 bei telepolis 
- Völkerrechtler über EU-Flüchtlingspolitik: „Libyen ist nicht sicher“
“Italien dürfe nicht das Ausschiffen von aus Seenot geretteten Flüchtlingen verbieten”, sagt der Bremer Völkerrechtsexperte Andreas Fischer-Lescano in einem Interview von Christian Jakob bei taz online vom 13. Juli 2018
: “…Wenn
diese Art rechtspopulistische Politikverweigerung sich durchsetzt, käme
unter Umständen ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte in Frage. Der könnte die sich nun abzeichnende Praxis der
Rettungsleitstelle MRCC in Rom überprüfen, Flüchtlinge an Libyen
abzugeben. (…) Diese Maßnahmen sind staatliche Maßnahmen Italiens. Sie
fallen also unter die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) und
sie sind problematisch im Hinblick auf das Verbot der
Kollektivausweisung und das Verbot der unmenschlichen Behandlung. Die
rechtlich ungeklärte Frage ist aber, ob zwischen dem MRCC in Rom und den
in Seenot befindlichen Personen eine so enge Rechtsbeziehung besteht,
dass die Anwendung der EMRK ausgelöst wird. Da es aber jeweils um
konkret betroffene Personen geht und die MRCC-Maßnahmen jeweils auf
konkrete Schiffe bezogen sind, dürfte dies der Fall sein. (…)Die
Frontex-Mission Themis unterliegt der Frontexverordnung und der
Seeaußengrenzenverordnung der EU und damit dem einschlägigen
Seevölkerrecht. Dafür hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation
IMO Regeln aufgestellt. Die verlangen, dass aus Seenot gerettete
Flüchtlinge nicht in Länder gebracht werden, in denen ihr Schutz nicht
sichergestellt werden kann. Beide Verordnungen beziehen sich auf diese
völkerrechtlichen Normen. Die Seeaußengrenzen-VO verpflichtet zudem den
jeweiligen Einsatzmitgliedstaat – im Fall der Themis-Mission ist das
Italien – dazu, die Ausschiffung der geretteten Personen auf ihrem
Territorium zu ermöglichen. Sofern Italien den Frontex-Beteiligten die
Ausschiffung verweigert, bricht das Land also EU-Recht.”
- EU finanziert Rauswurf von Seenotrettern im Mittelmeer
“Die Europäische Union beauftragt Italien mit der Einrichtung
mehrerer See-Leitstellen in Libyen. Küstenwache und Seepolizei werden an
europäische Überwachungssysteme angebunden, die Behörden sollen direkt
mit Frontex kommunizieren. Das Projekt kostet 46 Millionen Euro und
beginnt im Juli. Italien ist aber längst mit der libyschen Küstenwache
vernetzt. Medienberichten zufolge soll Libyen seit dieser Woche über
eine offizielle Seenotrettungszone verfügen. Diese sogenannte SAR-Region
ist demnach von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO)
offiziell notifiziert. (…) Die Beantragung der libyschen SAR-Region und
Einrichtung des MRCC durch Italien wird von der Europäischen Union
finanziert, mit der Umsetzung beauftragt ist das Innenministerium in
Rom. Im Rahmen des Programms „Unterstützung für integriertes Grenz- und
Migrationsmanagement in Libyen“ erhält Italien hierfür 42 Millionen Euro
aus dem Nothilfe-Treuhandfonds für Afrika. Zusätzliche zwei Millionen
Euro stammen aus dem EU-Fonds für innere Sicherheit, weitere zwei
Millionen steuert Italien bei. Das Programm wurde vor einem Jahr
beschlossen, für die Durchführung unterzeichneten Rom und Tripolis
Anfang dieses Jahres eine Vereinbarung. Bei der EU firmiert das Projekt
unter dem Namen „Morgenröte“ („Aurora“), der Start soll jetzt im Juli
erfolgen. (…) Die Projektleitung liegt bei der spanischen Guardia Civil,
die die Umsetzung der operativen Maßnahmen eine öffentliche
Ausschreibung gestartet hat. (…)Auch ohne den Aufbau der libyschen
Küstenwache zum maritimen Türsteher Europas wäre es vermeidbar, dass so
viele Menschen auf der Flucht ertrinken. Die Europäische Union überwacht
das zentrale Mittelmeer lückenlos, sowohl die Grenzagentur Frontex als
auch die Militärmissionen nutzen dabei hochauflösende Satelliten und das
leistungsfähige Überwachungsnetzwerk EUROSUR, das nun weiter ausgebaut
wird. Frontex verarbeitet unter anderem Satellitenbildmaterial mit einer
Auflösung von bis zu 24 cm. Auch das weit fortgeschrittene
EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus kontrolliert libysche
Küstenregionen und die hohe See per Satellit. Diese Aufklärungsdaten
stehen den privaten Seenotrettungsorganisationen jedoch weiterhin nicht
zur Verfügung. Warum eigentlich nicht? Beitrag von Matthias Monroy vom 2. Juli 2018 bei Netzpolitik 
- Libysche Lager – zum Teil von Deutschland finanziert…
“Die EU schlägt die Einrichtung von Sammellagern für Flüchtlinge in
Nordafrika vor und will etwaige Asylgesuche dort exterritorial
bearbeiten. Dies geht aus den Unterlagen für den EU-Gipfel Ende
kommender Woche hervor. Demnach sollen künftig Flüchtlinge, die auf dem
Mittelmeer aufgegriffen werden, nicht mehr nach Europa, sondern zurück
nach Nordafrika gebracht werden. Werden ihre Asylanträge abgelehnt,
werden sie von dort in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Der frühere
deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bringt parallel einen
Militäreinsatz in Libyen ins Gespräch. Tatsächlich hat die EU den
Schritt zur Nutzung von Lagern in Nordafrika im Rahmen ihrer
Flüchtlingsabwehr längst vollzogen. So unterstützt sie internationale
Organisationen, die sich in Libyen um in Lagern inhaftierte Flüchtlinge
kümmern, um mit ihrer Hilfe einige wenige Flüchtlinge nach Europa zu
holen, die Mehrheit hingegen zur vorgeblich freiwilligen Rückkehr in
ihre Herkunftsländer zu veranlassen. Die Maßnahmen werden zum Teil von
Deutschland finanziert…” Bericht vom 22.06.2018 von und bei German-Foreign-Policy 
- Libyen: Schläger und Schlepper als “lokale Sicherheitskräfte” zur Abwehr von Migranten?
“Der neue Innenminister Salvini will das Konzept seines Vorgängers
Minniti fortführen. Wichtiges Element ist die Verhinderung von Abfahrten
bereits an der Küste. Die libysche Küstenwache gilt als wenig zart
besaitet; mehrmals wurde ihnen von Seenotrettern vorgeworfen, dass sie
mit Waffen droht und rücksichtslose Seemanöver unternimmt, um Migranten
ins richtige Boot zu holen, das sie nach Libyen zurückbringt und nicht
in einen italienischen Hafen. Von NGO-Mitarbeitern war zu hören, dass es
die libysche Küstenwache auf Einschüchterung anlegt. (…) Das
“italienische Konzept”, wie es vom Innenminister der vorhergehenden
Regierung, Marco Minniti, entwickelt wurde, bestand aus drei
Grundelementen: das Verhindern von Abfahrten von Migranten bereits an
der Küste Libyens, der Verstärkung der Küstenwache und der Ausdehnung
der Such-und Rettungszone, in der die libysche Küstenwache das Sagen
hat, und wo aus sie die aus Seenot Geretteten oder aufgegriffenen
Migranten wieder zurück nach Libyen bringt. (…) Dass er an den
EU-Außengrenzen ansetzen will, hat er schon betont, wie auch dass er
dazu nach Libyen reisen wird. Wie die italienische Huffington Post
gestern berichtete, will Salvini das “modello Gentiloni-Minniti”
übernehmen…” Artikel von Thomas Pany vom 20. Juni 2018 bei telepolis 
- EU befindet libysche Milizen kompetent im Kampf gegen Flüchtlinge: Keine wirkliche Kontrolle erwünscht
„Weiterhin agiert die libysche Küstenwache bei Seenotrettungsfällen
äußerst rigoros und befiehlt anderen Organisationen, sich nicht an
Einsätzen zu beteiligen. Dies steht völkerrechtlichen Verträgen
entgegen. Zudem handelt die Küstenwache äußerst unprofessionell, indem
bei Rettungseinsätzen weiterhin keine Festrumpfschlauchboote (Rigid
Inflatable Boat, RIB) ausgebracht werden. Bei Rettungsorganisationen ist
dies jedoch Standard. Die Europäische Kommission stellt den libyschen
Marinesoldaten jetzt GoPro-Kameras zur Verfügung, um deren
Menschenrechtsverletzungen zu ahnden. Ich bin jedoch überzeugt, dass
keine belastenden Aufnahmen den Weg zu dem zahnlosen
Monitoring-Mechanismus finden, mit dem die Europäische Union die Libyer
kontrollieren will. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates
hatte hierzu gefordert, dass zu einem Monitoring auch Sanktionen gehören
müssen. Jede Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache müsse von
deren Respekt gegenüber Geflüchteten abhängig gemacht werden. Mit
europäischer Aufrüstung und Ausbildung bringt die libysche Küstenwache
immer mehr Geflüchtete nach Libyen zurück. Es ist bekannt, dass diese
unter barbarischen Bedingungen eingesperrt, gefoltert oder getötet
werden. Faktisch handelt es sich bei der libyschen Küstenwache also um
Menschenjäger. Hier sehe ich tatsächlich eine Professionalisierung, der
aber Einhalt geboten werden muss“ – aus der Presseerklärung „Keine Unterstützung für Menschenjäger der libyschen Küstenwache!“ des Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko vom 09. Mai 2018
auf seiner Webseite, zur Antwort auf seine Anfrage über die
Zusammenarbeit mit diesen Milizen (die am Ende der Erklärung verlinkt
ist).
- Kein Durchkommen: Ein Gutachten des Bundestages legt nahe,
dass europäische Schiffe die Seenotrettung von Flüchtlingen verhindern.
Und so gegen das Völkerrecht verstoßen
“… Auf den ersten Blick scheinen die Rollen auf dem Mittelmeer klar
verteilt: Die Europäer retten die Flüchtlinge und Migranten. So wie es
das Internationale Seerecht von ihnen verlangt. (…) Die Libyer – die bei
der Abwehr der Flüchtlinge mit Geld und Ausrüstung aus Deutschland,
Italien und anderen EU-Staaten unterstützt werden – übernehmen den
schmutzigen Part des Deals. Doch so eindeutig ist es nicht, wie ein
Gutachten nun zeigt. In Auftrag gegeben hat es Andrej Hunko,
Bundestagsabgeordneter und europapolitischer Sprecher der Linken.
Erstellt hat es der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags, ein
Recherchedienst, der die Abgeordneten mit unparteiischer Expertise
versorgen soll, etwa in juristischen Fragen. Das Gutachten, das der ZEIT
vorliegt, besagt im Kern, dass nicht nur die libyschen Küstenwächter
Menschenrechtsverletzungen begehen. Sondern auch europäische
Kriegsschiffe. Und womöglich auch die italienische Seenotleitstelle in
Rom. Weil die Europäer die Flüchtlinge mitunter nicht retten, sondern
auf dem Meer festhalten und in die Arme der libyschen Küstenwache
treiben. Und weil sie den Libyern bei gemeinsamen Rettungsaktionen in
internationalen Gewässern das Kommando überlassen. (…) Tatsächlich
könnten die Machtspiele bald ein Ende haben. Allerdings nicht, weil die
EU mit den Libyern zu brechen gedenkt. Stattdessen spendet sie ihnen
Geld, um eine eigene Rettungsleitstelle aufzubauen. Sobald die
einsatzfähig ist, würden nicht mehr die Europäer entscheiden, wer die
Flüchtlinge und Migranten an Bord nimmt, sondern die Libyer. Und die
sind bislang nicht den Regeln von Menschenrechts- und
Seerechtskonventionen gefolgt. Sondern ihren eigenen.” Artikel von Caterina Lobenstein vom 21. Februar 2018 bei der Zeit online
- Internationaler Aktionstag 18. Dezember: City Plaza Athen ruft auf, den europäischen Lagerterror in Libyen zu beenden
Das Ende der Finanzierung der libyschen Miliz-Lager und das Ende des
Krieges gegen die Flüchtlinge – das sind die zentralen Forderungen des
Internationalen Aktionstages am 18. Dezember 2017, zu dem City Plaza
Athen die Initiative ergriffen hat. Der Aufruf „18d2017: Stop Europe Funding Slavery in Libya – Stop Wars Against Migrants“ vom 01. Dezember 2017
auf der (Fratzebuch)Seite der Initiative dokumentiert eine Reihe von
Aussagen von betroffenen Flüchtlingen über die Lager ebenso, wie die
Entwicklung der libyschen Milizenlager und deren Finanzierung skizziert
wird. Zweiter zentraler Punkt dieses Aufrufes ist naheliegender Weise
die Situation geflüchteter Menschen auf den griechischen Inseln, wo
gerade jetzt die Repression gegen jene beginnt, die sich gegen die
Verhältnisse zur Wehr gesetzt haben. Von der Seite aus gibt es auch eine
Verlinkung zu jenen Orten, an denen an diesem 18. Dezember Aktionen
stattfinden sollen.
- Amnesty dokumentiert libyschen Terror gegen Flüchtlinge: Im Auftrag der EU
„In diesem Jahr wurden nach offiziellen Angaben bisher 19.452
Menschen von der libyschen Küstenwache auf dem Mittelmeer abgefangen.
Ehemalige Gefangene der Haftzentren berichteten Amnesty von Folter und
Zwangsarbeit. “Die hilflosen Menschen in Libyens Haftzentren werden
inhaftiert, ausgeraubt und erpresst. Oft müssen ihre Familien am Telefon
miterleben, wie der Vater oder die Schwester schwer misshandelt werden,
um das Lösegeld zu erpressen”, erklärt Beeko. “Jede Kooperation mit
libyschen Stellen darf nur unter dem sofortigen Vorbehalt eines
wirklichen Schutzes der inhaftierten Menschen fortgesetzt werden. Die
Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssen bei den libyschen
Behörden einfordern, dass die willkürlichen Inhaftierungen und
Misshandlungen von Flüchtlingen und Migranten sofort enden und die
Menschen unverzüglich aus den Haftzentren freigelassen werden. Die
libysche Regierung muss die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnen,
das Mandat des UNHCR anerkennen und diesem den vollumfänglichen Zugang
zu schutzbedürftigen Menschen gewähren…“ – aus dem Artikel
„EU-Staaten unterstützen systematische Misshandlungen zehntausender
Menschen“ am 12. Dezember 2017 bei amnesty international
,
der Vorstellungstext einer neuen Dokumentation von ai zur Wirklichkeit
des Lebens der Flüchtlinge im EU-finanzierten Libyen ist. Siehe dazu
auch den Link zur (englischen) neuen Dokumentation von ai über
Flüchtlinge in Libyen und die EU Verantwortung: „Libya’s dark web of collusion“ vom Dezember 2017
ist eben der genannte Bericht, der über 66 Seiten zu der
Schlussfolgerung kommt, wenn die EU es irgendwie ernst meine mit
Menschenrechten dürfe sie die Zusammenarbeit in dieser Form „keinen Tag
länger“ betreiben…
- Nach dem Gipfel in Abidjan: Libyen-Deal gegen Flüchtlinge 2.0?
„Berlin und Paris treiben die Massenabschiebung von Flüchtlingen aus
Libyen voran und wollen nicht abschiebbare Flüchtlinge in Lagern in
zwei Wüstenstaaten Nordafrikas festsetzen. Dies haben Bundeskanzlerin
Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron gemeinsam mit weiteren
Staats- und Regierungschefs aus Europa und Afrika beschlossen. Demnach
sollen Mitarbeiter des UNHCR und der International Organization for
Migration (IOM) Migranten in Libyen überprüfen. Wer politische
Fluchtgründe geltend machen kann, wird in Lager in Niger und Tschad
gebracht und kann in europäische und außereuropäische Länder
weiterverteilt werden. Alle anderen werden auf Kosten afrikanischer
Staaten in ihre Herkunftsländer gebracht. Mit dem Vorstoß kommen
Konzepte zum Tragen, wie sie in Australien gegen Protest der UNO und
verschiedener Menschenrechtsorganisationen praktiziert werden und wie
sie der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) schon 2004
vorgeschlagen hat. Zu ihrer Realisierung ist ein Militäreinsatz in
Libyen im Gespräch“ – aus dem Beitrag „Ab in die Wüste“ am 01. Dezember 2017 bei German Foreign Policy
über die Ergebnisse des EU-Afrika-Gipfels für das europäische Kernthema
Krieg gegen Flüchtlinge. Siehe zur Anpassung des Flüchtlingsdeals mit
Libyen auch eine Pressemitteilung von Pro Asyl:
- „Ein neuer Libyen-Flüchtlingsdeal?“ am 30. November 2017 bei Pro Asyl ist eine Pressemitteilung zu den Gipfel-Ergebnissen
, in der unterstrichen wird: „Die
CNN-Bilder über die Versklavung von Flüchtlingen und Migranten haben
die Welt aufgerüttelt und zwingen nun auch die Architektinnen des
Libyen-Deals aus Rom, Paris und Berlin zum Handeln. Es ist von
»Evakuierung« von Opfern von Folter und Vergewaltigung aus den libyschen
Haftlagern die Rede. Die UN vermeldet den Aufbau eines Transit- und
Abreisezentrums in Libyen. Wie, wohin und wann Schutzsuchende
ausgeflogen werden, ist weiter unklar. Es ist zu befürchten, dass der
noch nicht ausformulierte »Merkel- Macron- Plan« das Ziel verfolgt, den
Großteil der Evakuierten in ihre Herkunftsländer zurück zu schaffen oder
in »Aufbewahrzentren« in afrikanischen Drittstaaten zu transportieren“.
- Ab in die Wüste
“Berlin und Paris treiben die Massenabschiebung von
Flüchtlingen aus Libyen voran und wollen nicht abschiebbare Flüchtlinge
in Lagern in zwei Wüstenstaaten Nordafrikas festsetzen. Dies haben
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron gemeinsam
mit weiteren Staats- und Regierungschefs aus Europa und Afrika
beschlossen. Demnach sollen Mitarbeiter des UNHCR und der International
Organization for Migration (IOM) Migranten in Libyen überprüfen. Wer
politische Fluchtgründe geltend machen kann, wird in Lager in Niger und
Tschad gebracht und kann in europäische und außereuropäische Länder
weiterverteilt werden. Alle anderen werden auf Kosten afrikanischer
Staaten in ihre Herkunftsländer gebracht. Mit dem Vorstoß kommen
Konzepte zum Tragen, wie sie in Australien gegen Protest der UNO und
verschiedener Menschenrechtsorganisationen praktiziert werden und wie
sie der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) schon 2004
vorgeschlagen hat. Zu ihrer Realisierung ist ein Militäreinsatz in
Libyen im Gespräch…” Bericht vom 1. Dezember 2017 von und bei German-Foreign-Policy
- Proteste gegen libyschen Sklavenhändler wachsen weiter an – ihre EU-Hintermänner lassen prügeln
„Sklaven-Auktionen, Massenvergewaltigungen, Hunger und Schläge –
Flüchtlinge, die in libyscher Gefangenschaft waren, berichten von
brutalen Vergehen. Die Staats- und Regierungschefs wollen sich auf dem
bevorstehenden EU-Afrika-Gipfel damit beschäftigen. Wo in
dieser Woche rund 80 Staats- und Regierungschef aus Afrika und Europa
ankommen und in Limousinen zu ihrem Gipfeltreffen chauffiert werden, da
standen vor wenigen Tagen noch Busse und Krankenwagen für Heimkehrer aus
Libyen. Auf dem Flughafen der ivorischen Hauptstadt Abidjan berichteten
sie Reportern von ihren Erfahrungen – wenn sie denn überhaupt dafür
noch Worte fanden. “Es ist ihr Geschäft, Menschen zu verkaufen”, sagt
die 34-jährige Sonia, wenn sie über ihre libyschen Peiniger spricht.
“Man kann das nicht beschreiben, es ist zu schlimm. Sie kommen und
schlagen dich, es gibt oft nichts zu essen. Man sitzt da fest. Sie
vergewaltigen die Frauen. Nur mit Gottes Hilfe bin ich hier angekommen““ – aus dem Beitrag „Sie machen mit dir, was sie wollen“ von Stefan Ehlert am 26. November 2017 bei der tagesschau
,
der im Vorfeld des neuerlichen EU-Afrika-Gipfels in Abidjan informiert,
dass die Situation in Libyen dort – immerhin – „auf der Tagesordnung“
stehe. Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag, einen Bericht
über abermalige Polizeiangriffe auf Proteste gegen Sklavenhandel –
diesmal in Brüssel – und die gemeinsame Erklärung der Black Community in
der BRD:
- „Proteste gegen Sklaverei in Libyen“ von Marina Mai am 27. November 2017 in neues deutschland
ist ein Bericht von der Berliner Protest-Demonstration am 25.11, worin es unter anderem heißt: „Auf
den zahlreichen Transparenten, die die Teilnehmer mit sich führten,
stand unter anderem »Sklavenhalter in Libyen – Wachhunde für die
EU-Abschottung«, »Wir sind keine Ware« oder »Stoppt die Versklavung,
Vergewaltigung und Ermordung von Afrikanern«. Zwei Männer hatten sich
vor der libyschen Botschaft zudem in Ketten gelegt und riefen
»Freiheit«, um den Sklavenhandel optisch sichtbar zu machen. Sie
sprachen Arabisch, damit die libyschen Diplomaten ihre Worte verstehen
konnten. Die Polizei hatte die Botschaft abgeschottet. Viele
Demonstrationsteilnehmer zeigten sich enttäuscht darüber. Sie hatten
gehofft, ihren Protest den libyschen Vertretern persönlich übermitteln
und mit ihnen reden zu können“.
- „Brüssel: Ausschreitungen bei Protest gegen Sklavenhandel in Libyen“ am 26. November 2017 bei Der Standard
ist ein Bericht über die Brüsseler Demonstration – und, wie üblich,
sind nicht die Ausschreitungen der Polizei gemeint, sondern: „Laut
Polizei hatte sich eine Gruppe von zunächst rund 30 vorwiegend jungen
Demonstranten gegen Ende der Kundgebung am Samstagnachmittag vermummt
und angefangen, Geschäfte und auch einen Polizeiwagen anzugreifen. Die
laut Medienberichten zwischen 15- und 18-Jährigen beschädigten
mindestens drei Geschäfte, mehrere Fahrzeuge sowie Straßenschilder. Ein
Polizist erlitt durch ein Wurfgeschoss eine “Fraktur am Kopf”, teilte
die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ine Van Wymersch, mit. Er befand
sich demnach am Sonntag weiter im Krankenhaus. Nach einem Bericht der
belgischen Nachrichtenagentur Belga wurden ein Wasserwerfer und ein
Hubschrauber als Verstärkung geschickt. Einem Großaufgebot der Polizei
gelang es erst am Abend, die Ruhe wiederherzustellen. Vier der
Festgenommen, darunter drei Minderjährige, müssen sich laut der
Sprecherin der Staatsanwaltschaft nun unter anderem wegen versuchten
Einbruchdiebstahls, Sachbeschädigung und Körperverletzung vor Gericht
verantworten. Gegen den Erwachsenen solle ein Haftbefehl erwirkt werden“.
- „GEMEINSAME
ERKLÄRUNG DER BLACK COMMUNITY DEUTSCHLAND GEGEN DIE VERSKLAVUNG,
VERGEWALTIGUNG, ERMORDUNG, FOLTER, GEFANGENSCHAFT UND ERNIEDRIGUNG VON
UND DEN HANDEL MIT SCHWARZEN MENSCHEN IN LIBYEN“
am 25. November 2017 bei The Voice hebt in den 10 Punkten, nach
ausführlicher Kritik der Zustände in Libyen und der EU, sowie der
Untätigkeit afrikanischer Regierungen abschließend hervor: „Angesichts
der oben genannten Unfähigkeit und Unwilligkeit afrikanischer Staaten,
Schwarze Menschen weltweit vor fremden rassistischen Versklavern und
Unterdrückern, imperialistischen Ausbeutern und perversen Vergewaltigern
zu schützen, müssen Schwarze Communities für ihren Schutz, ihr
Überleben und ihre Freiheit selbst sorgen. Es ist nicht unser Schicksal,
die passive Beute von rassistischen Verbrechen weltweit zu sein. Daher
ruft die Black Community in Deutschland alle Schwarzen Frauen* und
Männer*, Kinder und Erwachsene dazu auf, sich in allen Bereichen und
Formen der Selbstverteidigung, von Selbstschutz und Selbstbehauptung
auszubilden und sich lokal, regional, bundesweit und global zu vernetzen
und sich gegenseitig zu unterstützen“.
- Seenotretter beklagen Behinderungen bei Flüchtlingssuche – Libysche Küstenwache verzögert Rettungseinsatz
“Hilfsorganisationen haben eine zunehmende Behinderung bei der Suche
nach schiffbrüchigen Flüchtlingen auf dem Mittelmeer beklagt. Die
deutsche Organisation Mission Lifeline erklärte am Freitag, dass ein
EU-Marineschiff sie von einer Suchaktion abgehalten habe. Man habe die
Aufforderung von einem Schiff der EU-Operation Eunavfor Med erhalten,
aus dem Suchgebiet abzufahren, sagte ein Sprecher der sächsischen
Organisation. Als Grund sei eine militärische Übung angegeben worden.
Der Vorfall sei ein weiteres Zeichen, wie Hilfsorganisationen abgedrängt
würden, um Migranten zu suchen. Die deutsch-französisch-italienische
Organisation SOS Mediterranee erklärte, von der italienischen
Küstenwache zum “Stand-by” angewiesen worden zu sein, damit die libysche
Küstenwache mit der Marine eine Rettungsaktion von drei Schlauchbooten
durchführen könne…” Meldung vom 24. November 2017 bei kleinezeitung.at
, siehe dazu: Rettungseinsatz vor Libyen: Junge Frau stirbt auf der Flucht über das Mittelmeer. Pressemitteilung vom 24. November 2017 von und bei SOS Mediterranee
mit detailierter und erschütternder Darstelleung der letzten Aktionen
- Wachsende weltweite Empörung und Kritik an libyschen
Zuständen nach Sklavenhandel-Video: Die europäischen Hintermänner tun
so, als ob sie das nichts anginge
Während nicht nur in zahlreichen afrikanischen Staaten und
Migrations-Gemeinschaften in europäischen Ländern Empörung und Kritik
nach der weltweiten Verbreitung des CNN Videos über Sklavenhandel
zunehmend höhere Wellen schlagen – neben erneuten Demonstrationen etwa
in Frankreich nun auch in Berlin (siehe weiter unten) – wird,
zumindestens in einem guten Teil der so entfachten Medienschlacht, die
Rolle der Finanziers der Sklavenhalterbanden, der EU also, (absichtlich)
vergessen. Die EU selbst schweigt lautstark. Lässt aber in Paris eine
spontane Demonstration zusammen prügeln – und wird mit Sicherheit auch
bei der Berliner Demonstration am 25. November 2017 der libyschen
Botschaft Schutz angedeihen gegen die gefährlichen Protestierer.
(Sklavenhändler sind nicht gefährlich – nur für Sklaven). Die libysche
Regierung: Setzt eine Kommission ein. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge
und einen Demonstrationsaufruf für Berlin am 25. November:
- Das CNN-Video
: Migrants being sold as slaves in Libya
- „ITUC Joins Call for Action to End Migrant Slave Trade in Libya“ am 22. November 2017 beim Internationalen Gewerkschaftsbund
ist eine Erklärung der Föderation gegen den Sklavenhandel mit
MigrantInnen vor allem in Libyen. Mit dieser Erklärung schließt sich
ITUC der Erklärung der Afrikanischen Union an – und beide klammern in
ihren Erklärungen die Rolle der EU als Finanzier der Sklavenhändler aus…
- „’Where
is the world?': Libya responds to outrage over slave auctions“ von Raja
Razek und Lauren Said-Moorhouse am 23. November 2017 bei der CNN
ist ein Beitrag zu einer Erklärung der libyschen Teilregierung, die von
der UN anerkannt wird, in der hervor gehoben wird, dass man einen
Untersuchungsausschuss beschlossen habe, diese Regierung alleine aber
das Problem nicht lösen könne.
- „Sklavenmarkt Libyen“ von Knut Mellenthin am 24. November 2017 in der jungen welt
befasst sich unter anderem mit dem „Medienecho“ auf die
Sklavenhalter-Enthüllungen und der Propaganda des
Abschiebungs-Dienstleisters IOM: „Öffentliche Sklavenmärkte in
libyschen Städten sind unter praktischen Gesichtspunkten eher
unwahrscheinlich. Das US-Nachrichtenmagazin Time veröffentlichte schon
am 21. Oktober 2016 eine Fotogeschichte unter dem Titel »Libya’s Migrant
Economy Is a Modern Day Slave Market« (»Libyens Migrantenwirtschaft ist
ein moderner Sklavenmarkt«). Um Sklavenmärkte im historischen Wortsinn
ging es dabei jedoch nicht. Menschen käuflich als dauerhaftes Eigentum
zu erwerben macht unter kapitalistischen Verhältnissen nur in
Ausnahmefällen Sinn. Bei der Time-Story ging es hauptsächlich um
zwangsgestützte Tagelöhnerverhältnisse wie etwa im folgenden Beispiel:
Die IOM meldete im März 2015 den erfolgreichen Abschluss einer von ihr
in mehreren Schüben durchgeführten Abschiebungsaktion. Insgesamt hatte
der Dienstleister nach eigenen Angaben seit dem 27. Februar 401
Senegalesen in ihr Heimatland zurückbringen lassen. Sie waren in Libyen
»gestrandet«, nachdem sie monatelang auf Baustellen gearbeitet hatten,
aber im Dezember 2014 aus irgendwelchen Gründen nicht mehr benötigt
wurden. Sie wurden bei nächtlichen Razzien festgenommen und zusammen mit
anderen Tagelöhnern zunächst in einem Gebäudekomplex gefangengehalten
und von ihren Bewachern ausgeplündert, bevor sie die IOM-Formulare mit
der »freiwilligen« Bitte um Hilfe bei der Heimreise unterschrieben. An
der Massenabschiebung waren neben der IOM auch der Libysche Rote
Halbmond und das Libysche Direktorat zur Bekämpfung Illegaler Migation
(DCIM) in Tripolis beteiligt. Letzteres ist einer der wichtigsten
Partner der EU bei der radikalen Eindämmung der Migrationsbewegungen
nach Europa“.
- „Wer rettet die Sklaven?“ von Dominic Johnson am 23. November 2017 in der taz
hat – neben einer ruandischen Aufnahme-Initiative – vor allem die afrikanischen Reaktionen insgesamt als Thema: „Ruanda
übernimmt 2018 den Vorsitz der AU und hat ambitionierte Reformpläne, um
den Staatenbund handlungsfähiger zu machen. Kommende Woche findet in
der Elfenbeinküste der regelmäßige EU-Afrika-Gipfel statt, bei dem
Fragen der Migrationspolitik eine wichtige Rolle spielen dürften.
Mehrere afrikanische Regierungen haben angekündigt, die Versklavung von
Afrikanern in Libyen und Europas Unterstützung für Libyen zu
thematisieren. Nach Protestaufrufen aus der Zivilgesellschaft haben in
den letzten Tagen mehrere afrikanische Länder ihre Botschafter aus
Libyen abgezogen und die UNO sowie den Internationalen Strafgerichtshof
eingeschaltet. Von Barbarei und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist
die Rede“.
- [25. November 2017] Demonstration vor der libyschen Botschaft in Berlin: Schluss mit dem Sklavenhandel
Wir dokumentieren den Aufruf:
DEMONSTRATION FÜR EIN ENDE DER VERSKLAVUNG, FOLTER, VERGEWALTIGUNGEN UND ERMORDUNGEN VON SCHWARZEN MENSCHEN IN LIBYEN!
Die SCHWARZE COMMUNITY IN DEUTSCHLAND lädt alle Schwarzen
Organisationen, Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen und ihre
FreundInnen und UnterstützerInnen zu einer bundesweiten Demonstration
vor der libyschen Botschaft in Berlin ein, um das sofortige Ende der
Versklavung, des Verkaufs, der Vergewaltigungen und Tötungen von
schwarzen Menschen in Libyen zu fordern.
Datum und Uhrzeit: Samstag, 25. November um 13:00 Uhr / Ort: Lybische
Botschaft in der Podbielskiallee 42 in 14195 Berlin. WIRD EINE/R VON UNS
ANGEFASST, WURDEN WIR ALLE ANGEFASST! VEREINT, WERDEN WIR SIEGEN!
- Jetzt kritisiert sogar die UNO die EU-Förderung libyscher Milizen im Krieg gegen Flüchtlinge. Viele andere auch
„Das Vorgehen sei unmenschlich, sagte Menschenrechtskommissar
Al-Hussein. Die EU trage mit ihrer Politik dazu bei, dass die
Flüchtlinge zurück nach Libyen gebracht würden, wo sie unter grausamen
Umständen leben müssten. Mitarbeiter der Vereinten Nationen seien nach
einem Besuch der Haftzentren dort schockiert gewesen. Sie hätten
ausgemergelte und traumatisierte Männer, Frauen und Kinder gesehen. Die
Menschen würden auf engstem Raum weggesperrt, nichtmals mit dem
Nötigsten versorgt und ihrer menschlichen Würde beraubt. Nach libyschen
Angaben befanden sich Anfang November fast 20.000 Menschen in den Lagern
– und damit etwa 7.000 mehr als noch Mitte September. Die EU
unterstützt die libysche Küstenwache seit Mitte des Jahres dabei, Boote
mit Flüchtlingen abzufangen, bevor sie internationale Gewässer erreichen“ – aus der Meldung „Kritik an Zusammenarbeit der EU mit Libyen“ am 14. November 2017 bei DLF24
über die weltweit stetig wachsende Kritik an der EU-Förderung libyscher
Banden in der Kriegsführung gegen Flüchtlinge. Siehe dazu auch
Dokumentationen zu einem angeblichen „Unfall“ eines Flüchtlingsschiffes
und zum Sklavenverkauf in Libyen
- Wenn der schmutzige Deal mit libyschen Milizen platzen
sollte – es war nicht der Wählerwille. Sondern der Streit der
Lagerkommandeure
„Im westlibyschen Küstenort Sabratha kämpfen Soldaten der libyschen
Armee und Milizen des berüchtigten ehemaligen „Schmugglerkönigs“ Ahmed
Dabashi seit Sonntag um strategische Punkte im Stadtzentrum. Damit
stehen die Bemühungen von italienischer Seite, durch Zusammenarbeit mit
Dabashi ein Ende der Fluchtbewegungen über das Mittelmeer zu erreichen,
wieder vor dem Aus. Nachdem im Sommer die Zahl der afrikanischen
Migranten im Mittelmeer deutlich zurückgegangen war, steigen die Zahlen
inzwischen wieder: Vergangene Woche brachten Seenotretter rund 2.000
Flüchtlinge aus dem Meer nach Italien, 3.000 wurden von Libyens
Küstenwache abgefangen und zurückgebracht, davon allein 1.047 am
vergangenen Samstag“ – aus dem Beitrag „Flüchtlingsdeal zerplatzt“ von Mirco Keilberth am 19. September 2017 in der taz
, worin zum neuen Flüchtlingsbeauftragten der EU noch berichtet wird: „Dabashis
Kontakte nach Italien sind nicht neu. Vor seiner Machtübernahme in
Sabratha stand er in den Diensten des libyschen
Verteidigungsministeriums, als Chef der Wachtruppe des nahen
Industriekomplexes von Italiens staatlicher Ölfirma ENI“. Siehe zu den libyschen Lagern im Dienste der EU zwei weitere Beiträge:
- „Vom Mittelmeer zurück in die Hölle“ von Christian Jakob am 20. September 2017 in der taz
, worin beschrieben wird: „Das
Auswärtige Amt hat die Antworten auf neun Fragen zu Al Biya mit Verweis
auf Quellenschutz der Geheimdienste als „Verschlusssache“ eingestuft:
Sie dürfen nur von Abgeordneten und ihren Mitarbeitern eingesehen
werden. Die Veröffentlichung könnte „für die Interessen der
Bundesrepublik schädlich“ sein, so das Auswärtige Amt. „Die
Bundesregierung bestätigt: Die EU und Italien tragen mit dazu bei – und
sie sind deshalb auch mit dafür verantwortlich –, dass die durch die
sogenannte libysche Küstenwache im Mittelmeer Geretteten in inhumane
Unterkunftsbedingungen zurückverbracht werden“, sagt Linken-Abgeordnete
Ulla Jelpke“.
- „Sabha:
The desert internment camp is Europe’s migrant solution“ von Alfredo
Marsala am 20. September 2017 bei Il Manifesto Global
ist eine Reportage aus dem Internierungslager Sabha, bei der deutlich
wird, dass jegliche Aufforderung an die EU oder eines Mitgliedsstaates,
irgendwo auf der Welt für die Wahrung von Menschenrechten einzutreten,
heute zutage purer Zynismus ist, denn die EU Lösung der Flüchtlingsfrage
ist für nicht wenige eine Endlösung…
- Bundestag-Gutachten: Libyen verstößt gegen Völkerrecht
“Die Verhinderung von Seenotrettern weit vor den Küsten Libyens
verstößt einem Gutachten des Bundestages zufolge gegen Völkerrrecht.
Libyen hatte eigenmächtig eine „Such- und Rettungsregion“ ausgerufen,
die bis weit in internationales Gewässer ragt….” Beitrag vom 5. September 2017 bei Migazin 
- Abschottung Europas in Libyen: Jetzt wird’s ernst – Ausbildung der Grenzpolizei, Deportationen nach Niger, Präsenz in der Wüste
“… Nach dem europäisch-afrikanischen Migrationsgipfel in Paris vor
einer Woche werden nun Maßnahmen bekannt, mit denen Deutschland,
Frankreich und Italien den Ausbau der Grenzkontrollen in Nordafrika und
im Sahelraum gegen illegale Migranten vorantreiben wollen. Die Details
gehen aus zwei Antworten der Bundesregierung auf parlametarische
Anfragen der Linken hervor, die der taz vorliegen. Frankreich und
Deutschland wollen demnach im Sahel eine Schule für Grenzpolizisten
errichten. (…) Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf Libyen. Mit
Unterstützung der EU hat das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR demnach
einen neuen „Nottransfer-Mechanismus“ mit Niger vereinbart. Der sieht
vor, dass schutzbedürftige Flüchtlinge aus Libyen nach Niger ausgeflogen
werden können. Von dort soll nach Ausreisemöglichkeiten in die EU
gesucht werden. Die Bundesregierung hat dem UNHCR für seine neuen
Aktivitäten in Libyen 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Laut dem
Auswärtigen Amt hat Libyen nun offiziell eine Such- und Rettungszone im
Mittelmeer benannt. Angaben zu deren Ausmaß macht das Amt nicht. Die
libysche Küstenwache hatte im August erklärt, die Zuständigkeit für
Seenotfälle in internationalen Gewässern vor ihren Küsten zu übernehmen.
Privaten Seerettungsschiffen hatte sie unter Androhung von Gewalt den
Zugang verboten. Bislang ist unklar, welchen Umfang das Gebiet hat und
ob die libysche Zuständigkeit international anerkannt wird. Die
EU-Marinemission „Sophia“, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist,
soll die libysche Küstenwache künftig auch auf deren eigenen Booten
trainieren. Die dafür notwendige Einladung der libyschen Regierung stehe
allerdings noch aus, so die Bundesregierung…” Artikel von Christian Jakob vom 3. September 2017 bei der taz online
- Seenotrettung: Das sind die Gesetze des Meeres
“Darf Libyen freiwillige Helfer aus seiner Rettungszone vertreiben,
die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer ziehen wollen? Kann die EU
wegschauen? Eine rechtliche Einordnung. (…) Grundsätzlich darf Libyen
nach den genannten Abkommen vor seiner Küste eine Such- und Rettungszone
ausrufen und seine Küstenwache dort für zuständig erklären. Das ist
sogar erwünscht, nach den Verträgen wäre Libyen ohnehin in erster Linie
für in Seenot geratene Migranten und Flüchtlinge vor seiner Küste
zuständig. Doch soll eine solche Ausweitung der Rettungszone stets in
Absprache mit den unmittelbaren Nachbarn geschehen. Zudem dürfen
außerhalb der eigenen Territorialgewässer (in der Regel eine
Zwölf-Seemeilen-Zone) keine Hoheitsrechte ausgeübt werden. Kurzum:
Libyen hat kein Recht, private Rettungsschiffe aus internationalen
Gewässern zu vertreiben. (…) Denn in internationalem Gewässer, also
außerhalb der libyschen Zwölfmeilenzone, dürfen private Rettungsboote
nicht nur frei kreuzen. Entdecken sie Schiffbrüchige, müssen sie sogar
von Rechts wegen sofort zu Hilfe eilen, selbst dann, wenn die
Unglücksstelle in libyschem Gewässer liegt. Unabhängig davon hat ohnehin
jedes zivile Schiff ein Recht auf friedliche Durchfahrt durch die
Territorialgewässer eines Küstenstaates. (…) Außerdem wird das
Seevölkerrecht, wie der Völkerrechtslehrer Daniel Thym vom
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
sagt, “menschenrechtlich überlagert”. Das heißt: Ob ein Ort für
Flüchtlinge “sicher” ist, muss auch nach den Vorgaben der Genfer
Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschenrechtskonvention
beurteilt werden. Zu beachten ist vor allem das Verbot, Flüchtlinge dort
an Land zu bringen, wo ihnen Folter, politische Verfolgung, Tod oder
menschenunwürdige Behandlung drohen. Nach Libyen darf also niemand
zurückgebracht werden.” Beitrag von Martin Klingst vom 20. August 2017 bei Zeit online 
- Die Seenotrettung und die europäische Flüchtlingspolitik: Seenotrettung als Déjà-vu
“Über die völkerrechtliche Pflicht zur Seenotrettung wird derzeit in
der EU heftig gestritten. Stichwortgeber für die Kriminalisierung von
Seenotrettern sind stets auch deutsche Innenminister. (…) Es ist nicht
das erste Mal, dass die Seenotrettung privater Organisationen
kriminalisiert wird. Am 20. Juni 2004 rettete das Schiff Cap Anamur
südlich von Lampedusa 37 Menschen vor dem Ertrinken, die in Libyen in
See gestochen waren. Als die Crew den Hafen von Porto Empedocle auf
Sizilien erreichte, wurde sie zwölf Tage lang mit militärischen Mitteln
am Einlaufen gehindert. Otto Schily (SPD), damals Innenminister der
rot-grünen Bundesregierung, spekulierte offen darüber, ob sich die
Besatzung der Cap Anamur an einer illegalen Schleusung beteiligt habe.
Er forderte die Errichtung von Flüchtlingslagern in Libyen. In dieselbe
rhetorische Tradition stellt sich auch Thomas de Maizière (CDU), wenn er
zivile Organisationen ohne konkrete Belege der Kooperation mit
Schleusern bezichtigt. 2007 erging es tunesischen Fischern ähnlich wie
der Besatzung der Cap Anamur, als sie in Seenot geratene Flüchtlinge
nach Lampedusa brachten und wegen der Beihilfe zur illegalen Einreise
angeklagt wurden. Obschon beide Prozesse nach vielen Jahren mit
Freisprüchen endeten, hatten die Verfahren fatale Folgen: Viele
Schiffsbesatzungen wurden abgeschreckt, Flüchtlingen in Seenot zu
helfen. Als Italien dann 2013 nach der Katastrophe vor Lampedusa, bei
der rund 390 Menschen ertranken, selbst eine Rettungsmission unter dem
Namen Mare Nostrum einsetzte, war de Maizière erneut nicht zurückhaltend
mit Kritik: Mare Nostrum baue eine »Brücke nach Europa« und begünstige
das Geschäft der Schleuser. Dieses Mal war Italien der Adressat der
Vorwürfe. Auf Betreiben des deutschen Innenministers wurde Mare Nostrum
eingestellt und durch die deutlich weniger effektive Frontex-Mission
Triton ersetzt. Die Kriminalisierung der Seenotrettung im Kontext der
EU-Flüchtlingspolitik, sie bleibt ein ständiges déjà-vu.” Beitrag von Maximilian Pichl bei jungle.world 2017/33 
- Shame on you, Europe! Sea-Eye und Seefuchs: Protest im Mittelmeer
“Am
Donnerstagmorgen spannten die beiden Schiffe der Organisation Sea-Eye
und Seefuchs ein Banner mit der Aufschrift „Shame on you, Europe!“
(Schäme dich, Europa!) rund 110 Seemeilen vor Tripolis auf. Die Stelle
markiert die Grenze, die das libysche Marionettenregime mit Duldung der
europäischen Staaten und unter den Augen der Operation Sophia
proklamiert hat. Seither werden private Seenotretter, wie die von
Sea-Eye, von der libyschen Küstenwache mit Gewalt bedroht. Trotz der
ungeheueren Militärpräsenz im westlichen Mittelmeer lassen es die
europäischen Marineeinheiten zu, dass Lebensretter bei ihrer Arbeit
behindert werden….” Sea-Eye-Meldung vom 17.8.2017 – wahrlich unsere Helden der Woche und eine Schande für das ach so humanistische Europa: Shame on you, Europe!
- Der Einsatz libyscher Banden durch die EU wird sogar von der UNO kritisiert
Kopfprämien sind anscheinend noch keine ausgesetzt worden – aber der
Einsatz libyscher Folterbanden im europäischen Krieg gegen Flüchtlinge,
inklusive massiver Finanzierung, geht in diese Richtung. So brutal und
offensichtlich, dass selbst UNO-Rapporteure auf Distanz zu dieser neuen
Variante der Kriegsführung gehen. Der Beitrag
„EU ‘trying to move border to Libya’ using policy that breaches rights –
UN experts“ am 17. August 2017 bei der UN-Menschenrechtskommission
gibt diese Kritik wieder. Darin werden der Special Rapporteur zu
Menschenrechten von Flüchtlingen, Felipe González Morales und der
Special Rapporteur über Folter, Nils Melzer mit ihren entsprechenden
Aussagen ausführlich zitiert, die sich sehr konkret auf die libyschen
Lager beziehen, die bisher noch niemand Vernichtungslager genannt hat –
bisher.
- Libyen: General Haftar will 17 Milliarden von der EU für die Grenzsicherung
“Eine weitere NGO stellt ihre Seenot-Rettungsmission vorübergehend
ein. (…) Die Frage ist allerdings, ob sich ein extrem erfolgreiches
Geschäftsmodell wie das der Schlepperei, davon abschrecken lässt. Laut
einem Papier der Crisis-Group bringt das Schleusergeschäft durch Libyen
jährlich Einkünfte von geschätzt zwischen 1 und 1,5 Milliarden Dollar.
Davon profitieren mehrere Milizen und Stämme. (…) Auch in diesem Papier
wird General Haftar als derjenige genannt, dessen Truppen ein
Machtschwergewicht bilden. Insgesamt sei der Süden Libyens aber durch
ein staatliches Machtvakuum gekennzeichnet, das vielen Milizen den
Anreiz gibt, dort ihre Vorteile zu sichern. Diese sind mit dem
Schmuggelnetzwerk verbunden. (…) Abgesehen von politischen
Machtrangeleien zwischen ihm und Sarradsch, die im Interview erneut
deutlich werden, betont Haftar, dass die Migration aus Libyen an der
südlichen Grenze gestoppt werden müsse. Darum gehe es hauptsächlich. Er
bietet sich als dank seiner Machtstellung – “Ich kontrolliere mehr als
drei Viertel des Landes” – als Mastermind für einen Masterplan an. (…)
Den Plan habe er, ihm würden nur die Mittel fehlen. Auf seiner
Forderungsliste an Macron stehen Waffen, Munition, gepanzerte Fahrzeuge,
Hubschrauber, Nachtsichtgeräte und befestigte Anlagen, die alle 100
Meter an der 4.000 Kilometer langen Grenze im Süden Libyens aufgestellt
werden müssten, um eine effektive Kontrolle auszuüben. Kostenpunkt für
die EU laut Haftar: etwa 17 Milliarden Euro. Das sei keine übermäßige
Summe, da sie sich auf 20 bis 25 Jahre verteile und die EU dies ja in
einer kollektiven Anstrengung aufbringen könnte. An die Türkei werde
mehr bezahlt, so Haftar…” Beitrag von Thomas Pany vom 14. August 2017 bei Telepolis
- Anm.: Wenn es um die Flüchtlingsabwehr geht, gehört der Begriff
“illegal” zum Standardrepertoire deutscher Flüchtlingspolitik. Wie das
Beispiel Libyen zeigt, ist das illegale Handeln der Bundesregierung
allerdings kaum zu toppen. Unterstützt sie doch die libyschen
völkerrechtswidrigen Praktiken gegen Flüchtlinge und libysche Verstöße
gegen Art.86 ff des Seerechtsübereinkommen der Vereinigten Nationen
sogar mit Geld. Als wie legal kann man eine deutsche Regierungspolitik
noch betrachten kann, die eher rassistische Stereotypen bedient als den
Schutz der Menschenrechte zum obersten Prinzip verfassungsrechtlichen
Handelns zu machen?
Lese daher unbedingt dazu: “Woher kommt der Hass auf die Seenotretter?
Die Hetze gegen die NGO-Schiffe im Mittelmeer zielt auf die
innenpolitische Auseinandersetzung in Deutschland”, Beitrag von Thomas Moser vom 14. August 2017 bei Telepolis
– einer der Besten seit längerem hierzu! – in unserem Dossier: Neue Debatte um Schleuser und Schlepper – richtet sich gegen Fluchthelfer
- „Nicht wir handeln illegal, sondern die libysche Regierung“
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen beschuldigt die Regierung in Libyen,
illegal gegen Seenotretter vorzugehen.
“… Deutschlandchef Westerbarkey fürchtet, dass “mehr
Menschen im Mittelmeer sterben, weil es weniger Schiffe vor Ort gibt”.
(…) Am Freitag haben die libyschen Behörden die Einrichtung einer Such-
und Rettungszone angekündigt und damit den Zugang für Schiffe von
Hilfsorganisationen zu internationalen Gewässern vor der libyschen Küste
eingeschränkt. Unmittelbar danach warnte uns die Leitstelle für
Seenotrettung in Rom (MRCC) vor den damit verbundenen
Sicherheitsrisiken. Nach diesen zusätzlichen Beschränkungen und der
zunehmenden Blockade von Geflüchteten in Libyen haben wir die Such- und
Rettungshilfe unseres Schiffes „Prudence“ vorübergehend ausgesetzt. (…)
Wir retten im Rahmen des geltenden Seenotrechts Menschen aus dem Wasser,
die vor grausamen Zuständen in libyschen Internierungslagern fliehen.
Nicht wir handeln illegal, sondern die libysche Regierung, wenn sie
unseren Mitarbeitern droht, legale Rettungsaktionen in internationalen
Gewässern mit Gewalt zu verhindern. (…) Wir wissen natürlich, dass viele
Menschen aus ihren Heimatländern nicht nur vor Gewalt und Krieg
fliehen. Spätestens wenn sie dann in Libyen sind, gibt es reale
Fluchtgründe, weil die Lage dort unerträglich ist. Grundsätzlich gilt:
Wir müssen nicht in die Zukunft schauen, es reicht der Blick in die
Gegenwart. Weltweit gibt es eine riesige Anzahl an Flüchtlingen. Die
meisten davon wollen nicht nach Europa; es handelt sich um Menschen, die
innerhalb Afrikas flüchten. Uganda hat 2016 mehr Flüchtlinge
aufgenommen als die ganze EU…” Interview von Adrian Arab und Philip Kuhn mit Volker Westerbarkey bei Welt N24 vom 14. August 2017
- Mittelmeer: Immer mehr NGOs stoppen Rettungseinsätze
“Nach “Ärzte ohne Grenzen” haben weitere NGOs ihre Rettungseinsätze
im Mittelmeer gestoppt. Die Bedrohung durch die libysche Küstenwache sei
ein Grund. “Ärzte ohne Grenzen” will darüber hinaus vermeiden,
Migranten auf Anweisung zurück nach Afrika bringen zu müssen. (…) “Die
libysche Küstenwache hat für sich eine eigene Such- und Rettungs-Area
proklamiert, die sie aber gar nicht in ihrer Ausdehnung verifizieren und
haben den NGOs deutlich gedroht, diese Zone nicht ohne ihre Erlaubnis
zu befahren.” Es sei eine “sehr konkrete Drohung, die wir auch leider
sehr ernst nehmen müssen”, sagt Buschheuer [“Sea Eye”]. Seine NGO hätte
gar keine Möglichkeit, anders zu handeln, “weil man das Gebiet nicht
definiert hat”. (…) Die Kehrseite des Rückzugs aus dem Mittelemeer
kennen die NGOs auch. Wenn weniger Schiffe im Mittelmeer humanitäre
Hilfe leisten, dann ist die Gefahr für die Migranten, die es durch die
Kontrollen der libyschen Küstenwache schaffen, deutlich höher, zu
ertrinken. Trotz der Rettungsaktionen der NGOs sind allein in diesem
Jahr mindestens 2400 Menschen im Mittelmeer gestorben – das macht es zum
tödlichsten aller Meere…” Artikel von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom, vom 13.08.2017 bei der Tagesschau 
- [Petition] EU-finanzierte Gewalt gegen Flüchtende durch Libysche Küstenwache beenden!
“… Die europäische Abschottungspolitik will Menschen, die ein Recht
auf Schutz vor Gewalt und Verfolgung haben, daran hindern, Europa zu
erreichen. Dafür arbeitet die EU auch mit repressiven Regimen zusammen.
Besonders fragwürdig ist die Kooperation mit der Libyschen Küstenwache,
deren Mitglieder internationales Seerecht und die Genfer
Flüchtlingskonvention missachten – und das, obwohl sie seit Monaten von
europäischen und deutschen Marinesoldaten ausgebildet werden…” Sea-Watch-Petition an Bundeskanzlerin Merkel
– und sie ist dringend:
- Merkel stellt mehr Geld in Aussicht: Libyen bei Bekämpfung von Flucht übers Mittelmeer wieder im Fokus
“Um die Flüchtlingsmigration nach Europa zu stoppen, will Merkel
stärker mit Libyen zusammenarbeiten. Die Bundeskanzlerin kann sich ein
Abkommen vorstellen – Vorbild: Türkei. Sorgen bereiten die
katastrophalen menschenrechtlichen Zustände im Land…” Beitrag vom 14. August 2017 beim Migazin 
- Hilfsorganisationen in Europa: Weg mit den Rettern
“Erst von Italien kriminalisiert, jetzt von Libyen verjagt: Die
Hilfsorganisationen, die schiffbrüchige Flüchtlinge aus dem Mittelmeer
retten, stehen offenbar der großen Politik im Weg. (…) In der riesigen
SAR-Zone werden dann fortan libysche Schiffe retten – und die Geretteten
zurück an Land bringen – und vielleicht auch die EU-Einsatzkräfte der
Mission “Sophia” – oder auch gar keiner. Dann wird dort eben wieder mehr
gestorben. So wie früher, ehe die privaten Helfer kamen. Damit wäre das
politische Nahziel, die Zahl der Flüchtlinge, die in Italien anlanden,
zu reduzieren, ja schon ein Stück weit geschafft. Und das Fernziel,
diese Flüchtlingsroute genauso dichtzumachen wie die
türkisch-griechische, scheint dann zumindest denkbar. Zynisch? Ja….” Kommentar von Hans-Jürgen Schlamp vom 14.08.2017 beim Spiegel online 
- Zwischen Bürgerkrieg, Migration und EU-Interessen: “Libyen ist die Hölle”
“Libyen ist ein Land, das nie ein Staat war und vielleicht
auch nie einer werden wird. Genau das ist ein großes Problem – vor allem
für die EU. Denn sie muss die Frage beantworten, wie sie mit dem
Transitland Libyen als Partner in der Flüchtlingsfrage umgeht. (…) Die
libysche Küstenwache soll abgefangene Flüchtlinge und Migranten in
“angemessenen Aufnahmekapazitäten” abliefern – so heißt es im
Aktionsplan, der im Frühjahr auf dem EU-Gipfel von Malta beschlossen
wurde. Libyen soll die Menschen versorgen und eine Bürokratie aufbauen,
um völkerrechtskonforme Asylverfahren durchzuführen. Anerkannte könnten
dann in “Kontingenten” auf europäische Länder verteilt werden,
Abgelehnte will die EU dann bei ihrer “freiwilligen Rückkehr”
unterstützen. (…)”Das ist alles Gerede”, sagt der Journalist Michael
Obert. Die Realität sehe ganz anders aus. “Wer aus dem Mittelmeer
gezogen wird und wieder in Libyen landet, wird unter kaum vorstellbaren
und absolut unmenschlichen Bedingungen inhaftiert.” Folter und sexuelle
Gewalt seien an der Tagesordnung, berichtet der Reporter, “und das in
Gefängnissen der vom Westen anerkannten Regierung. Das sind die Orte, an
denen Tausende nicht nur mit dem grünen Licht aus Europa, sondern auf
Anweisung und finanziert von Europa abgefangen werden.” (…) Menschen
setzten sich nicht ohne Grund in Bewegung, sagt Michael Obert.
Nigerianer etwa müssten nicht fliehen, wenn sie vom großen Erdölreichtum
ihres Landes profitieren könnten. Stattdessen profitiere der Westen –
von Rohstoffen, von aus afrikanischer Sicht unfairen Handelsbedingungen
etwa für landwirtschaftliche Produkte. Da müsse Europa viel stärker
ansetzen, so Obert. Es müsse ein Umdenken stattfinden, denn das, was wir
sehen, sei erst der Anfang. “Libyen ist die Hölle”, sagt Michael Obert.
Er hat diese Hölle gesehen – und mit ihm reist hr-iNFO Politik genau
dorthin.” Beitrag von Alexander Göbel beim hr-Inforadio vom 11. August 2017
mit Podcast (Dauer: ca. 34 Min.)
- Militäreinsatz Italiens in libyschen Gewässern und
Drangsalierung der Seenotrettungsorganisationen. PRO ASYL:
Menschenverachtende Arbeitsteilung, um Bootsflüchtlinge direkt in die
libysche Hölle zurück zu schicken.
“PRO ASYL kritisiert vehement den beschlossenen Militäreinsatz
Italiens in den Gewässern vor Libyen. Das Eindringen in libysche
Territorialgewässer und das Zurückschleppen von Fliehenden nach Libyen
ist nach Auffassung von PRO ASYL ein Völkerrechtsbruch. »Es droht eine
menschenverachtende Arbeitsteilung: Italien interveniert, die libysche
Küstenwache schleppt die Bootsflüchtlinge zurück in die Hölle«, so Karl
Kopp, Europareferent von PRO ASYL. In Libyen herrschen Rechtlosigkeit
und Willkür. Folter und Vergewaltigungen sind in den
Flüchtlingshaftlagern an der Tagesordnung. Die von der italienischen
Regierung forcierte Strategie, gedeckt von der EU, ist darauf
ausgerichtet, Bootsflüchtlinge durch Aufrüstung der zwielichtigen
libyschen Küstenwache an der Flucht zu hindern. Doch dieser werden
schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. So dokumentiert ein
UN-Bericht vom Juni 2017, dass die libysche Küstenwache mehrfach
Flüchtlingsboote beschossen hat und gerettete Flüchtlinge schwer
misshandelt wurden. Italien und die EU mit ihrer Militär-Operation
»Sophia« sind im Begriff, ein unkalkulierbares militärisches Abenteuer
auf Kosten der Menschenrechte von Schutzsuchenden einzugehen. Sie nennen
es »Krieg gegen Schlepper«, aus Sicht von PRO ASYL ist es faktisch ein
»Krieg gegen Flüchtlinge«….” Pressemitteilung vom 03.08.2017 
- Flüchtlingslager in Libyen: “Furchtbar, entsetzlich, grauenhaft”
“Um seine Nachfolge gibt es bereits Streit mit den USA, doch noch
ist Martin Kobler Gesandter der Vereinten Nationen für Libyen. Mit
deutlichen Worten warnte der deutsche Diplomat nun vor Plänen in Berlin
und Brüssel, gerettete Bootsflüchtlinge nach Libyen zurückzubringen. Die
Lager dort seien “furchtbar, entsetzlich, grauenhaft”…” Beitrag vom 21.02.2017 beim Deutschlandfunk online 
- Europäischer Gewerkschaftsbund gegen Flüchtlingsdeal mit Libyen
Der Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes Luca Visentini
hat in einer Stellungnahme zu den Ergebnissen des Treffens in La Valetta
den beabsichtigten Deal mit Libyen erstmals offen kritisiert. In der Pressemitteilung „EU to pay Libya to keep refugees out of Europe“ des ETUC am 03. Februar 2017
wird von Visentini die Tatsache, dass ein Abkommen mit einem Land
geschlossen wird, in dem es höchstens eine Teilregierung gibt, ebenso
kritisiert, wie der Zynismus unterstrichen wird, solche Maßnahmen aus
dem Entwicklungsfonds zu bezahlen – das sei, als ob es Trump gelänge,
Mexiko für den Mauerbau bezahlen zu lassen. Nur eben, dass die EU genau
eine solche Absicht verwirklicht habe.
- [Lybien] Rückschub in die Hölle
“Neue Berichte über die furchtbaren Zustände in libyschen
Haftzentren für Flüchtlinge belasten den informellen EU-Gipfel an diesem
Freitag in Valletta. Auf dem Treffen sollen Pläne besprochen werden,
die zum Ziel haben, das Ablegen von Booten mit Flüchtlingen auf dem Weg
nach Europa künftig so weit wie möglich zu unterbinden. Dazu ist eine
engere Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache vorgesehen, die
schon jetzt im Rahmen der EU-“Operation Sophia” trainiert wird – auch
von deutschen Soldaten. Die Küstenwache ist dafür berüchtigt, Gewalt
gegen Flüchtlinge anzuwenden – zuweilen mit Todesfolge – und auch vor
Angriffen auf Schiffe von Hilfsorganisationen nicht zurückzuschrecken.
Außerdem überstellt sie aufgegriffene Flüchtlinge in Haftzentren an
Land. Seit Jahren ist bekannt, dass die Flüchtlinge in diesen
Haftzentren nicht nur furchtbaren Lebensbedingungen ausgesetzt sind,
sondern auch regelmäßig vom libyschen Wachpersonal erniedrigt,
verprügelt, in die Zwangsarbeit verkauft und vergewaltigt werden. Immer
wieder kommt es zu Morden an Internierten. Ein am Wochenende in kurzen
Passagen bekannt gewordener Bericht der deutschen Botschaft in Niger
nennt die Verhältnisse in den Haftzentren “KZ-ähnlich”. Beschließt die
EU am Freitag den geplanten Ausbau der Kooperation mit der Küstenwache,
dann ist mit einem deutlichen Anstieg der Zahl in libyschen Haftzentren
internierter und gequälter Flüchtlinge zu rechnen…” Bericht vom 31. Januar 2017 von und bei German-Foreign-Policy 
- EU, Libyen: Schmutziger Deal geplatzt
“Die EU-Kommission hat gestern den italienisch-maltesischen
Plan eines schmutzigen EU-Deals mit Libyen fallen gelassen. Der Plan
sah vor, dass EU-Kriegsschiffe die libyschen Häfen blockieren und die
libysche Küstenwache alle abgefangenen Boat-people an das libysche
Festland zurücknimmt. Aber auch auf längere Sicht wird es keine libysche
Küstenwache geben. Stattdessen prägen verfeindete Milizen in den
Küstengewässern das Bild. Zudem nimmt die libysche Kritik an der
wachsenden italienischen Machtpräsenz in Libyen zu. Ohne libysche
Partner wagt die EU keine systematischen Push-Back-Operationen im
zentralen Mittelmeer. – In den vergangenen Monaten ist ebenfalls der
EU-Plan gescheitert, abgefangene Boat-people in Lager nach Tunesien,
Ägypten oder gar nach Algerien oder Marokko zu verbringen…” Meldung vom 26. Januar 2017 bei der Forschungsgesellschaft Flucht & Migration 
- Libysche Partner der EU im „Kampf gegen Migration“: Milizen
162.000 Menschen sind im letzten Jahr über den „libyschen Weg“
geflüchtet. Das soll jetzt die libysche Küstenwache verhindern – nach
einem Abkommen vom August 2016. Welcher Miliz diese sogenannte
Küstenwache auch immer angehören mag: Sie werden von der EU
ausgebildet, nachdem überprüft wurde, dass sie nicht zu Isis gehören –
zu anderen im Lande aktiven Banden dürfen sie aber schon gehören. Bis
zum Frühjahr 2017 soll die Ausbildung weitgehend beendet sein. Dann
erwartet die EU einen Rückgang der Flüchtlingszahlen aus dem
Bürgerkriegsland. In dem Beitrag
„Flüchtlingsdeal mit Libyen: Brutale Milizen als Partner Europas?“ am
19. Januar 2017 von Nikolaus Steiner beim WDR-Monitor
werden diese mehr als seltsamen Partner vorgestellt. Der zentrale Satz
eines ägyptischen „Kollegen“ über die Aufgaben diverser Küstenwachen ist
banal: „Vorrang behält der Kampf gegen die Migration“.
Siehe zu den Hintergründen:
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