
In einem
Interview von Stephan Hebel bei der Frankfurter Rundschau vom 17. Juli 2019 mit dem Rentenexperten Gerd Bosbach 
, stellt dieser zum AfD-Rentenkonzept u.a. fest:
“…
Leider haben Höcke & Co. meine soziale Argumentation zu Demografie
und Rente einfach kopiert. Vor allem die Belege zur These „Produktivität
schlägt Demografie“. Da rechne ich genau vor, wie mit höheren Löhnen
mehr Rentner gut versorgt wurden und in Zukunft auch werden können, wenn
die Arbeitgeber bei Löhnen und Beiträgen nicht weiter geschont werden.
Allerdings hat die AfD dieses Konzept durch nationalistische Forderungen
verdreht. (…) Mich erinnert das an die Taktik der Nationalsozialisten
vor 1933. Mit sozialen Forderungen von Gewerkschaften und KPD, teilweise
auch von Sozialdemokraten, wurden die Arbeiter geködert, und
anschließend wurden Juden vergast, die Entwickler der sozialen
Forderungen in den KZs getötet und es wurde ein fürchterlicher Weltkrieg
entfesselt. (…) Durch die Übernahme der Begründungen aus der sozialen
Bewegung – und tatsächlich gut geschrieben – erscheint das Papier erst
einmal attraktiv für Leute, die ohnehin weniger Ausländer im Land haben
wollen. Aber bei gründlicher Lektüre müsste auch denen vieles unangenehm
auffallen. (…) Die Thüringer AfD will die Beitragsbemessungsgrenze
zunächst beibehalten. Das ist unsozial, auch für Deutsche, denn
Spitzenverdiener zahlen einen geringeren Anteil ihrer Einkommen in die
Rentenkasse ein als Arbeitnehmer mit geringeren Einkommen. (…) Als
Nutznießer der Veränderungen der letzten Jahrzehnte wird fast nur „das
internationale Versicherungskapital“ oder an anderer Stelle „das
grenzenlose internationale (Finanz-)Kapital“ genannt. Da schimmern schon
die rechten Feinde durch, das Ausland und das Geldkapital – bei Rechten
oft mit Juden assoziiert. Dass die Hauptnutznießer und Betreiber der
Rentenreformen alle Arbeitgeber sind, also auch die deutschen, die bei
ihren Beiträgen zur Rente massiv sparen, das haben die AfDler beim
Abschreiben aus der sozialen Bewegung bewusst „übersehen“…” Siehe dazu auch unser Dossier:
Zuckerbrot
und Peitsche: AfD-Verein will Beschäftigte und Rentner mit sozial
gefärbter Marktrhetorik ködern. Was tun Gewerkschaften dagegen?
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