Dossier

“
Am
7. & 8. Juli ’17 findet mitten in Hamburg ein G20-Gipfel statt:
geschützt von einem massiven Sicherheitsapparat treffen sich die
Regieraungschef_innen der reichsten und mächtigsten Staaten der Erde,
die für eine auf Profitmaximierung ausgerichtete Politik stehen und
diese mit “Freihandels”-Verträgen wie CETA, TTIP, EPA & Co.
verewigen wollen. Die globalen Folgen sind brutale soziale Ungleichheit,
Klimawandel, Kriege, Flucht und Prekarität. Doch wo sie sind, sind auch
wir! Kreativ, vielfältig und massenhaft werden wir unsere Kritik auf
die Strasse tragen – seid dabei!” Aus dem Aufruf bei #NOG20_2017 –
Infoportal zu den Protesten gegen G20-Gipfel 2017 in Hamburg vom 17.
September 2016. Nun, nach dem Event siehe Links zu Grundinfos am Ende
des Dossiers und zur Presse als Opfer unser
Dossier: G20-Gipfel in Hamburg: Polizeigewalt gegen Pressefreiheit sowiezur juristischen Aufarbeitung das Dossier:
G20-Proteste in Hamburg: Keine Ermittlungen gegen vermummte Polizisten – Beschwerde und Strafanzeige dagegen. Bleibt wichtig:
Spendet für von Repression betroffene AktivistInnen: Rote Hilfe e.V.: IBAN: DE25 2605 0001 0056 0362 39, Sparkasse Göttingen, Stichwort „G20“. Siehe dazu:
- Angriff auf Versammlungsrecht. Nächstes Kapitel bei
Verfolgung von Hamburger G-20-Gegnern: Berichte über neue
»Mammutverfahren« im Rondenbarg-Komplex
“Bei der Verfolgung von Gegnern des G-20-Gipfels vor gut zwei Jahren
in Hamburg scheut die Justiz weder Kosten noch Mühen. Die
Staatsanwaltschaft der Hansestadt will offenbar mit riesigem Aufwand
rund 100 Gipfelgegner vor Gericht stellen, die von der Polizei am 7.
Juli 2017 im Industriegebiet Rondenbarg festgesetzt worden waren. Es
seien mehrere »Mammutverfahren« gegen eine jeweils niedrige zweistellige
Zahl von Angeklagten geplant, berichtete die Welt am Wochenende. (…)
Hintergrund der geplanten Verfahren: Am frühen Morgen des 7. Juli 2017,
dem ersten Tag des Gipfels, waren vom Protestcamp am Volkspark mehrere
Züge von Demonstranten – sogenannte »Finger« – Richtung Innenstadt
aufgebrochen, um Protokollstrecken zu blockieren. Einer dieser Aufzüge
mit rund 200 Teilnehmern wurde von der brandenburgischen Beweis- und
Festnahmeeinheit (BFE) »Blumberg« der Bundespolizei am Rondenbarg
gestoppt und zerschlagen. Beim Einsatz der für ihre Brutalität bekannten
Einheit wurden 14 Personen verletzt, einige davon schwer. Zum
politischen Skandal geriet der Vorgang spätestens, als die Justiz sich
ausgerechnet den 19 Jahre alten Italiener Fabio V., der zu den am
Rondenbarg Festgesetzen gehörte, als sprichwörtlichen Prügelknabe
erwählte. Obwohl ihm keine konkrete Straftat vorgeworfen wurde, hielt
man den Italiener mit grotesken Begründungen viereinhalb Monate lang in
Untersuchungshaft fest. Ein Verfahren gegen V. vor dem Amtsgericht
Altona platzte im April 2018, weil die Richterin in Mutterschaftsurlaub
ging. Offensichtlich sind die jetzt geplanten Verfahren der nächste
Versuch der Staatsanwaltschaft, ihre umstrittene Rechtsauffassung
durchzusetzen. Nach der Devise »Mitgegangen, mitgehangen« soll das reine
Mitlaufen in einem Aufzug, aus dem heraus Straftaten begangen werden,
als schwerer Landfriedensbruch bestraft werden…” Artikel von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 23.07.2019 
- Bisher höchste Freiheitsstrafe wegen G20-Protest: Vier Jahre Haft.
“Zwei Jahre nach den Protesten am Rande des G20-Gipfels in Hamburg
hat das Amtsgericht die bisher höchste Freiheitsstrafe gegen einen
Tatverdächtigen verhängt. Ein 36-Jähriger wurde am Montag zu vier Jahren
Gefängnis verurteilt, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag bestätigte.
Der Angeklagte, der bereits mehrere Vorstrafen hat, soll am 7. Juli 2017
im Bereich des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora sechs leere
Flaschen auf Polizeibeamte geworfen haben. Außerdem habe er andere zum
Mitmachen aufgefordert. Deshalb sei er laut dem Gericht für die
»Gewaltexzesse mit verantwortlich« und müsse dafür zur Rechenschaft
gezogen werden. Bei dem Urteil nahm allerdings eine weitere
Körperverletzung, die der Angeklagte unabhängig von den G20-Protesten im
März 2017 begangen hatte, einen hohen Anteil an der Gesamtstrafe ein.
Dabei hatte der 36-Jährige einen Mann mit Schlägen und Tritten schwer
verletzt. Mit 50 Prozesstagen und fast 15 Monaten Verhandlungsdauer war
es nach Angaben des Gerichtssprechers der bisher längste G20-Prozess.
Bis Ende Mai hatte die Staatsanwaltschaft mehr als 900 Verfahren gegen
1228 Beschuldigte eingeleitet. Dabei wurden 310 Anklagen erhoben und
mehr als 180 Urteile gesprochen. Sechs Angeklagte wurden bisher zu
Haftstrafen ohne und 59 zu Haftstrafen mit Bewährung verurteilt.
Gegenüber den Sicherheitsbehörden scheint der Aufklärungswille dagegen
weniger stark ausgeprägt: 94 von 154 Ermittlungsverfahren gegen
Polizisten wurden eingestellt, in keinem einzigen Fall wurde Anklage
erhoben…” Meldung von und bei neues Deutschland vom 10. Juli 2019 
- G20-Gipfel in Hamburg: Ein Viertel ohne Polizei ist noch nicht die Morgenröte der Revolution
Der Hamburger Autonome Andreas Blechschmidt kritisiert im Gespräch mit Gaston Kirsche bei neues Deutschland vom 6. Juli 2019
: “die
Aufstandsromantik, die sich zwei Jahre nach den Protesten gegen den
G20-Gipfel in linken Publikationen immer wieder findet. (…) Vor zwei
Jahren hat mit dem G20-Gipfel der größte Polizeieinsatz in der
Nachkriegsgeschichte Deutschlands stattgefunden. Erwartungsgemäß hat es
im Nachgang bei den politisch und polizeilich Verantwortlichen für die
systematischen Rechtsbrüche und die massive Polizeigewalt keinerlei
erkennbare Selbstkritik gegeben. Was mich aber dann doch überrascht hat,
war die Tatsache, dass auch innerhalb der radikalen Linken in den
öffentlich wahrnehmbaren Analysen und Reaktionen überwiegend nur
Erfolgsmeldungen verbreitet wurden. (…) Für mich drückte sich darin ein
grundlegendes Defizit linksradikaler Debatten aus, in denen nämlich
politischer Widerspruch zu oft als unsolidarisch, spalterisch und als
Ausdruck von Renegatentum abgetan wird. Diese unerfreuliche Erfahrung
durfte ich leider auch persönlich machen, da hatte ich keine Lust, das
so stehen zu lassen. (…) Mir wurde im Nachhinein aus der Szene
vorgeworfen, ich hätte hier als Altkader persönlich meinem
Geltungsbedürfnis Raum verschaffen wollen. In der Sache haben wir
jedenfalls geäußert, dass wir Militanz für berechtigt halten, aber
Widerspruch zu den Ausdrucksformen hatten, womit wir natürlich die
Brandstiftungen an Geschäften, über denen sich Wohnungen befanden,
meinten, die uns tatsächlich entsetzt haben. In der Nacht haben wir aus
taktischen Gründen diese Brandstiftungen, von denen wir eben wussten,
bewusst nicht aktiv benannt. Deswegen klang im Nachhinein diese Kritik
der Militanz mit der sehr allgemeinen Formulierung, sie habe sich an
sich selbst berauscht, natürlich altbacken und beleidigt. (…) Das Gerede
der Politik vom »Festival der Demokratie«, gefolgt von den offenen
Rechtsbrüchen der Polizei und der krassen Polizeigewalt, das
überwiegende Schweigen der sogenannten Zivilgesellschaft und die
Komplizenschaft der Leitmedien mit dieser Machtdemonstration hat zu
einer großen Wut auf der Straße geführt. Wenn es so etwas wie »die«
Politik der Herrschenden gibt, dann waren die militanten
Auseinandersetzungen während des G20 in Hamburg eine Antwort auf die
Arroganz dieser Herrschenden. Das wundert mich angesichts des
Eskalationskurses der Polizeiführung nicht. Aber dann müssen wir
weiterreden: Deshalb gibt es keinen Grund, Geschäfte, über denen
Menschen wohnen, anzuzünden. Wer das nicht auseinanderhalten kann, wer
das kleinredet oder bitte nur szeneintern besprechen möchte, hat ein
echtes politisches Problem…” Von Andreas Blechschmidt erschien
kürzlich im Unrast Verlag »Gewalt. Macht. Widerstand. G20 –
Streitschrift um die Mittel zum Zweck«, 160 Seiten, zum Preis von 12,80
Euro
- Staatsanwaltschaft will G20-Prozess platzen lassen. Ist die Richterin zu milde?
“… In der vorigen Woche hat die Staatsanwaltschaft einen
Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter der Strafkammer um die
Vorsitzende Anne Meier-Göring gestellt. Das bestätigte ein Sprecher des
Hamburger Landgerichts dem SPIEGEL. (…) Im Kern geht es offenkundig
darum, dass die Staatsanwaltschaft die Kammer um Meier-Göring für zu
milde hält. Diesen Schluss legen zumindest mehrere Gerichtsdokumente
nahe, die der SPIEGEL einsehen konnte. (…) Die Verhandlung, die im
Dezember begann, läuft seit Januar unter Ausschluss der Öffentlichkeit
(…) Im Prozess behauptet die Staatsanwaltschaft, der Aufzug sei strikt
organisiert gewesen – auch wenn man die Drahtzieher nicht kenne.
Einziges Ziel, von allen gewollt, war demnach Gewalt auf ganzer Strecke.
(…) In dieser Lesart spielt es keine Rolle, dass man zumindest den vier
deutschen Angeklagten keine eigene Gewalthandlung vorwirft. (…) Die
Richterin zerpflückt auch Aussagen von G20-Polizeichef Dudde. Der
Polizist hatte vor dem Sonderausschuss der Bürgerschaft gesagt: Man gehe
“fest davon aus”, dass die Teilnehmer bewusst in Abwesenheit der
Polizei randalierten. Sie hätten gewusst, dass es an Kräften mangele.
Dafür, so die Richterin, gebe es keine Belege. Die Aussage von Dudde sei
eine persönliche Schlussfolgerung. Im März ordnete Meier-Göring jedem
Angeklagten einen zweiten Pflichtverteidiger bei. Und löste so den
nächsten Eklat aus. Der NDR machte den entsprechenden Beschluss publik,
in dem die Richterin die Arbeit der Polizei rügte. Auf das in der Akte
geschriebene Wort sei wenig Verlass. Mehrfach hätten sich Zeugen vor
Gericht anders geäußert als es in Vermerken stehe. Im Abschlussbericht
der Polizei würden Ermittlungsergebnisse aufgeführt, die nicht mehr
seien als Arbeitshypothesen. Überwachungsvideos seien von der Polizei
suggestiv bearbeitet worden, was ihren Wert vor Gericht schmälere.
Meier-Göring kündigte an, mehr Zeugen zu hören. Der Prozess verlängere
sich bis September. Eigentlich sollte das Verfahren im Mai nach 26 Tagen
enden…” Beitrag von Ansgar Siemens vom 13. Juni 2019 beim Spiegel online
, siehe dazu den Kommentar von Armin Kammrad und neue Entwicklung:
- Staatsanwaltschaft wird umstrittene G20-Richterin nicht los – Befangenheitsantrag erneut abgelehnt
“Die Hamburger Staatsanwaltschaft wollte einen prominenten
G20-Prozess platzen lassen. Offenbar war den Ermittlern das Gericht zu
milde. Doch aus dem Ansinnen wird nichts. In einem prominenten Prozess
um Randale beim G20-Gipfel 2017 ist die Staatsanwaltschaft Hamburg mit
einem Befangenheitsantrag gegen das Gericht gescheitert. Es gebe “keine
Anhaltspunkte dafür, dass die abgelehnten Berufsrichter gezielt
Gespräche an der Staatsanwaltschaft vorbei” geführt hätten, teilte der
Sprecher des Hamburger Landgerichts mit. (…) Über den
Befangenheitsantrag mussten bis dato unbeteiligte Richter des
Landgerichts entscheiden. Dem Sprecher zufolge unterstrichen die Richter
in ihrem ablehnenden Beschluss: Meier-Göring habe mit den Telefonaten
nur in Erfahrung bringen wollen, ob Einlassungen der Angeklagten zu
erwarten seien. Das habe der Planung des nächsten Verhandlungstermins
gedient. Der Inhalt der Telefonate sei in Vermerken festgehalten.
Darüber sei die Staatsanwaltschaft informiert worden. Meier-Göring sei
“der erforderlichen Transparenz gegenüber allen Verfahrensbeteiligten”
nachgekommen. Im Fall einer Befangenheit der Kammer wäre der Prozess
geplatzt und hätte von vorn beginnen müssen. Nun kann der nächste
Verhandlungstag am Mittwoch wie geplant stattfinden. (…)
SPIEGEL-Informationen zufolge geht es in der nicht-öffentlichen
Verhandlung bisher vor allem darum, mit welcher Gewalt Teilnehmer
rechnen mussten – und ob sie für sämtliche Schäden zur Rechenschaft
gezogen werden können. Die Staatsanwaltschaft geht von einem homogenen
Mob aus. Auch wer nicht selbst Gewaltakte begangen habe, ist in dieser
Lesart Mittäter. Meier-Göring ließ dagegen durchblicken, dass sie
Teilnehmergruppen unterscheidet…” Beitrag vom 18.06.2019 beim Spiegel online
- Kommentar von Armin Kammrad vom 15. Juni 2019
“Dieser Angriff auf die unabhängige Justiz durch eine, von
politischen Anweisungen abhängige Staatsanwaltschaft, reiht sich sehr
organisch in den bisherigen rechten Umgang mit dem G20-Protesten ein.
Versagt die Politik bei rechter Gewalt genauso wie bei Polizeigewalt,
ist hier der Versuch linken Protest zur reinen Gewaltorgie zu
entpolitisieren nicht zu übersehen. Die Kammer unter Vorsitz von Anne
Meier-Göring verfuhr scheinbar zu sehr nach rechtstaatlichen Kriterien,
weshalb sie nun entmachtet werden soll. Man hofft auf eine passende
Gesinnung der nächsten Instanz bezüglich einer angeblichen Befangenheit,
die sich – laut Meldung – allein auf “Milde” aufgrund berechtigter
Kritik an den angebotenen Beweisen reduziert. Tatsächlich stellte sich
das OLG bereits vor Prozessbeginn gegen die Entscheidung von
Meier-Göring, der Aufhebung des Haftbefehls zweier Verdächtiger, mit der
Begründung, Frau “Meier-Göring verkenne die Dimension des Falls. (…)
Die Angeklagten müssten mit hohen Freiheitsstrafen rechnen.” Unter
Ignoranz der Unschuldsvermutung, wusste das OLG also bereits vor
Beweisaufnahme, mit was die Angeklagten rechnen müssen. Weimar lässt
grüßen. Und man achte auch bei der Justiz bitte mehr als bisher auf
mögliche unangenehme Folgen für den demokratischen Rechtsstaat.
Dass der Prozess möglichst geheim ablaufen soll, passt dazu. Denn
eine kritische Öffentlichkeit stört nur. Sie wurde ausgeschlossen, nicht
auf Wunsch der Angeklagten, sondern auf gerichtliche Anordnung. Auch
bei der Verteidigung läuft es eher nach dem Prinzip “Geheimprozess” ab.
Als nämlich Frau Meier-Göring im März den Angeklagten einen zweiten
Pflichtverteidiger zuordnen wollte, schien sich die Staatsanwaltschaft,
in ihren Bestreben die Angeklagten durch möglichst weitgehende Isolation
besser gefügig machen zu können, behindert zu fühlen. Es kam zu einem
Eklat.
Der Wunsch nach Geheimhaltung gründet sich jedoch nicht allein auf den
Umstand, dass man kaum ernstzunehmende Beweise hat und permanent
manipuliert bzw. rechtswidrig in Geheimprozessen agiert. Es scheint ein
durchgehendes Grundanliegen zu sein. Denn wie mir gegenüber die
Hamburger Staatsanwaltschaft vor einem halben Jahr bestätigte, waren
Polizisten heimlich als vermummte Demonstranten bei einer Demo aktiv,
die wegen Vermummung gewaltsam aufgelöst wurde. Dies kam nur durch
Zufall heraus. In wiefern die Demonstrationen anlässlich G20 überhaupt
durch verkleidete Polizisten infiltriert waren, ist unbekannt, und so
soll es auch bleiben.
Allerdings sagte der G20-Polizeichef Dudde – laut Meldung – vor dem
Sonderausschuss der Bürgerschaft: “Man gehe “fest davon aus”, dass die
Teilnehmer bewusst in Abwesenheit der Polizei randalierten. Sie hätten
gewusst, dass es an Kräften mangele.” Ja, woher wussten sie das? Die
Richterin Meier-Göring sah hierfür keine Belege und bezeichnet Duddes
Behauptung deshalb als “persönliche Schlussfolgerung”. Dabei wusste sie
natürlich nicht, dass mir gegenüber die heimliche Infiltration von Demos
durch verkleidete Polizisten mit dem Zweck des Informationssammelns
begründet wurde. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der
Kontakt zwischen Elbchaussee-Randale und Polizei sehr eng war und Dudde
tatsächlich so über Informationen aus erster Hand verfügte. Um das zu
klären müsste Dudde gezwungen werden offenzulegen, wo und wie viele als
Demonstrant verkleidete Polizisten im Einsatz waren und ob sie
vielleicht sogar straffällige Handlungen geduldet, gefördert oder sogar
selbst betrieben haben – wie die nun bekannte Vermummung bei einer Demo,
die wegen Verstoß gegen das Vermummungsverbot brutal aufgelöst wurde.
War die Randale in der Elbchaussee vielleicht tatsächlich organisiert,
nur nicht von denen, die man vor Gericht zerren will? Protest ist
jedenfalls angebracht. Offensichtlich muss nicht nur das Grundrecht auf
Versammlung, sondern auch auf die Unabhängigkeit der Justiz gegen
verfassungsfeindliche politische Bestrebungen verteidigt werden.” Wir danken und schliessen uns an!
- Prozess zu G20-Krawallen: Richter zweifeln an Polizeiarbeit
“Der Prozess um Krawalle auf der Hamburger Elbchaussee beim
G20-Gipfel wird deutlich länger dauern. Die Richter wollen sich laut
NDR-Recherchen nicht mehr auf Polizeivermerke verlassen und laden daher
mehr Zeugen vor. Im Strafprozess um die gewalttätigen Ausschreitungen
auf der Elbchaussee während des G20-Gipfels im Jahr 2017 äußert das
Gericht Zweifel an der Ermittlungsakte der Polizei. In einem Beschluss
der zuständigen Strafkammer des Landgerichts Hamburg soll es heißen, auf
das “geschriebene Wort” sei “wenig Verlass”. Angeklagt sind vier
Deutsche und ein Franzose. Gegen sie wird unter Ausschluss der
Öffentlichkeit verhandelt. Nach Recherchen des NDR sollen Zeugen bei
ihrer Vernehmung während der Hauptverhandlung Aussagen entschieden
bestritten haben, die die Polizei in deren Namen in der Ermittlungsakte
vermerkt hatte. Zeugen sollen Polizeivermerke gar als “Quatsch”
bezeichnet und beteuert haben, sie hätten solche Aussagen nie gemacht.
Den Recherchen zufolge wollen sich die Richter darum nicht mehr auf
“weitere Polizeivermerke” verlassen und laden stattdessen deutlich mehr
Zeugen vor als ursprünglich geplant.(…) Die Richter sind nach der
Vernehmung des Ermittlungsführers der Polizei außerdem zu dem Schluss
gekommen, dass auf dessen Abschlussbericht “nur wenig gestützt werden
kann”, nachdem der Beamte in seiner Vernehmung selbst angebliche
Ermittlungsergebnisse als “Arbeitshypothesen” bezeichnet hatte. Auch die
Videos vom Aufmarsch auf der Elbchaussee während des G20-Gipfels seien
nicht so aussagekräftig, wie es zuerst schien. Das gelte besonders dann,
wenn man die Videos ohne die – aus Sicht der Richter – “suggestiven
Bearbeitungen” der Polizei anschaue. Für die Identifizierung des
Angeklagten Franzosen sei nun ein Sachverständigengutachten geboten…” Beitrag von Stella Peters, NDR, vom 25. April 2019 bei tagesschau.de
- G20-Gipfel: Ingewahrsamnahme des Italieners in “szenetypische Kleidung” war rechtswidrig
“Die Ingewahrsamnahme eines Italieners während des G20-Gipfels im
Juli des vergangenen Jahres war nach Überzeugung des Hamburger
Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das hat die Kammer am Dienstag in
einem Urteil festgestellt, wie NDR 90,3 berichtete. (…) Dem Kläger sei
schwerwiegendes Unrecht geschehen, erklärte der Richter in seiner
Urteilsbegründung. Der 31-Jährige war zusammen mit Landsleuten –
darunter auch eine EU-Abgeordnete – von der Polizei am Holstenwall
festgehalten worden. Der Grund: Die Gruppe habe szenetypische Kleidung
getragen und italienisch gesprochen, wie ein Polizist als Zeuge sagte.
Kurz zuvor habe man über Funk von einer Warnung des Verfassungsschutzes
vor gewaltbereiten Italienern erfahren. Und das SOG sähe ja vor, dass
jemand in Gewahrsam genommen werden darf, um die Begehung von Straftaten
zu verhindern, so die Auffassung des leitenden Beamten vor Ort. (…) Zum
einen sei so eine Warnung aber keine Aufforderung, alle Italiener
unabhängig von möglichen Beweisen sofort in Gewahrsam zu nehmen, so der
Richter. Zum anderen sei die im Grundgesetz garantierte
Versammlungsfreiheit ohnehin deutlich höher zu bewerten. Auch für
EU-Bürger. Ob der Mann von der Stadt Hamburg für die 25 Stunden in der
Gefangenensammelstelle jetzt Schadensersatz fordert, wollte er mit
seinem Anwalt in den kommenden Tagen entscheiden…” Meldung vom 5. April 2019 bei NDR online
- G20-Gipfel: Bisher kein Polizist angeklagt
“Etwa anderthalb Jahre nach dem G20-Gipfel in Hamburg ermittelt die
Staatsanwaltschaft noch gegen 60 Polizisten. Gegen weitere 94 Polizisten
wurden die Verfahren dagegen eingestellt. Eine Anklage gegen einen
Polizisten habe es bislang nicht gegeben, hieß es. Nach den
Ausschreitungen während des Gipfels hatten Protestierende Vorwürfe gegen
Polizisten erhoben. (…) In vielen Fällen habe der Tatverdacht gegen die
beschuldigten Beamten nicht ausgereicht, erklärte die Sprecherin der
Anklagebehörde. In elf dieser Fälle habe es keine weiteren Ermittlungen
gegeben, weil die Namen der Polizisten nicht herausgefunden werden
konnten. Problem bei der Aufklärung ist nach Angaben der
Staatsanwaltschaft zudem, dass Aussagen von mutmaßlich Geschädigten und
Zeugen fehlen. (…) Gegen mutmaßliche Randalieren hat die
Staatsanwaltschaft dagegen bislang 856 Ermittlungsverfahren gegen 1.156
bekannte Beschuldigte eingeleitet. Diese Zahlen von Ende Februar nannte
eine Sprecherin am Freitag, zuvor hatte der Newsletter “Elbvertiefung”
der Wochenzeitung “Die Zeit” berichtet. Hinzu kommen nach Angaben der
Staatsanwaltschaft noch 1.587 Verfahren gegen unbekannte Beschuldigte.
Insgesamt seien 276 Anklagen erhoben worden…” Meldung vom 15. März 2019 beim NDR Hamburg Journal
– sehr typisch veröffentlich die Polizei wieder Fotos, auf denen KEINE
straftätigen Personen zu erkennen sind. Offensichtlich hat man einfach
jede Menge Fotos gemacht und erklärt die Personen, unter Verletzung des
Persönlichkeitsrechts, zu möglicherweise Straftätern. Es fehlt überhaupt
auf, dass die Polizei auch bisher schon, kaum Fotos von Straftaten
besitzt, während es durchaus Aufnahmen von wild prügelnden Polizisten
gibt. Offensichtlich sind bereits Versammlungsteilnehmer grundsätzlich
immer “böse”, und Polizisten – egal, was sie tun – grundsätzlich “gut”.
Polizeistaat halt, statt demokratischer Rechtsstaat.
- The Empire strikes back – Rachejustiz bei G20-Prozessen
“In Hamburger Gerichtsälen ist zu beobachten, wie im Zuge des
allgemeinen Rechtsrucks auch die Justiz immer mehr abkippt. Die
Verfahren nach dem G-20-Gipfel 2017 sind geprägt vom Bedürfnis nach
Rache für die Tage staatlichen Kontrollverlustes. Das gilt auch für das
im Dezember gestartete und bis Mai terminierte Verfahren am Landgericht
Hamburg zu den Ausschreitungen an der Elbchaussee, bei dem Mitte Januar
die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Das Strafjustizgebäude liegt in
Hamburg zentral. Gleich nebenan erstrecken sich die Messehallen, in
denen sich die Herrschenden der Welt beim G20 zum Kungeln trafen, auf
der andere Seite befindet sich der Gebäudekomplex des Springer-Verlags.
Noch ein paar hundert Meter weiter kommen die edlen Hamburger Adressen,
Große Bleichen, Neuer Wall usw., mit ihren Luxusläden, schweineteuren
Hotels, Nobelrestaurants. Da laufen sie frei herum, die
Wirtschaftsanwälte und Banker, die Makler und Investoren. Im
Strafjustizgebäude interessiert man sich für die Verbrechen dieser
Klientel kaum – hier werden Leute verknackt, die sich gegen das System
wehren. Zum Beispiel Can, Loïc und Halil. (…)Das Verfahren hat für
Polizei und Staatsanwaltschaft deshalb eine so große Bedeutung, weil der
Kontrollverlust während G20 zu keiner Zeit und an keinem Ort deutlicher
war als an diesem Morgen des 7. Juli 2017 in Altona, mal abgesehen von
der Nacht darauf im Schanzenviertel, wo die Polizei die Ausschreitungen
allerdings ein Stück weit evoziert hat. Trotz der mehr als 30.000
Polizist*innen in der Stadt konnte sie den Zug von der Elbchaussee zur
Großen Bergstraße nicht stoppen. Die Beamten waren in der Mehrheit damit
beschäftigt, die Protokollstrecken der Mächtigen zu bewachen. Diese
Momente des Kontrollverlustes im Besonderen aber auch die Proteste bei
G20 insgesamt stellen eine Niederlage und eine Schmach für die
Repressionsbehörden dar. Und nur so ist der Verfolgungsfuror zu
begreifen, den die Sonderkommission „Schwarzer Block“, mittlerweile zu
einer Ermittlungsgruppe abgeschmolzen, an den Tag legte, um jeden und
jede zu jagen, die bei dem Gipfel auch nur in der Nähe von Vermummten
war…” Beitrag vom 1. Februar 2019 von und bei Lower Class Magazine 
- Liberal war einmal: Im Prozess um die Hamburger Elbchaussee zeigt sich eine Abkehr von der Versammlungsfreiheit
“… Die strafrechtliche Aufarbeitung der G20-Proteste widmet sich nun
diesem „Elbchausseekomplex“. Konkret sind vor dem Landgericht Hamburg
fünf junge Männer wegen Landfriedensbruchs in einem besonders schweren
Fall, Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen
das Waffengesetz angeklagt. Das Besondere an diesem Fall: Die
Staatsanwaltschaft kann den Angeklagten die konkreten Taten gar nicht
nachweisen. Das ist auch nicht das Ziel ihrer Anklageschrift. Bereits
die bloße Anwesenheit der Angeklagten reiche aus, argumentiert sie, um
ihnen die Taten im Rahmen der Mittäterschaft zuzurechnen. Auch eine
psychische Beihilfe könnte in Betracht kommen, meinte das Gericht im
Dezember, am ersten von über 30 Verhandlungstagen. Die Strategie der
Staatsanwaltschaft ist kein Einzelfall, sondern folgt einer Tendenz
innerhalb des Straf- und Versammlungsrechts, einzelne für das Verhalten
anderer haftbar zu machen und dafür eine Einschränkung der Grundrechte
hinzunehmen. (…) Die in den 1970er und -80er Jahren im Parlament und vor
Gericht erkämpften Rechte und Entkriminalisierungen werden nicht erst
seit der strafrechtlichen Aufarbeitung der G20-Proteste infrage
gestellt. Die Sicherheitsbehörden arbeiteten nach 1970 zusammen mit
Teilen der Rechtsprechung daran, den Gewaltbegriff des
Landfriedensbruchs extensiv auszudehnen. Einen vorläufigen Höhepunkt
markiert dabei das Urteil des Bundesgerichtshofs von 2017 zu einer
Schlägerei zwischen Fußballfans. Der strafrechtliche Umgang mit
Hooligans ist häufig ein Experimentierfeld der Exekutive, um erprobte
Repressionen auf andere Bereiche anzuwenden – etwa stadtweite
Aufenthaltsverbote für potenzielle Demonstrationsteilnehmende. Der
Bundesgerichtshof bestätigte, dass eine Strafbarkeit wegen
Landfriedensbruchs selbst dann gegeben sei, wenn die Beklagten nicht
selbst die Gewalthandlungen begangen haben, sondern lediglich psychische
Beihilfe getätigt hätten. Eine Argumentation, die im Elbchausseeprozess
genutzt wird. Es geht jedoch noch weiter. Der Bundesgerichtshof fügte
hinzu, dass auch derjenige zu bestrafen sei, der die Menschenmenge
verlässt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft knüpft hier an: Den
Angeschuldigten sollen nicht nur Straftaten zugeordnet werden, die
während ihrer Teilnahme an der Demonstration verübt wurden, sondern auch
jene, die nach ihrem Verlassen noch verübt worden sind. Argumentiert
wird hier mit einem „gemeinsamen Tatentschluss“ der über 200 Menschen
umfassenden Gruppe. Die Staatsanwaltschaft geht aber noch weiter als der
BGH, weil sie die Beklagten als Mittäter bestrafen will…” Beitrag von Maximilian Pichl aus ‘der Freitag’ Ausgabe 03/2019 
- Nebelkerzen im Gerichtssaal – G-20-Prozess in Hamburg: Richterin schließt Öffentlichkeit aus
“Eines der wichtigsten Verfahren gegen Gegner des G-20-Gipfels in
Hamburg im Juli 2017 wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit
stattfinden. Im Prozess um die Ausschreitungen in Altona am 7. Juli 2017
– »Elbchaussee-Verfahren« genannt – schloss die Große Strafkammer 17
des Landgerichts Hamburg am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft
die Öffentlichkeit bis zum Ende der Beweisaufnahme aus. Das ist möglich,
weil zwei der fünf Angeklagten zur Tatzeit noch minderjährig waren. In
solchen Fällen kann laut Jugendgerichtsgesetz die Öffentlichkeit
ausgeschlossen werden, wenn dies »im Interesse der Erziehung« geboten
ist. Zur Begründung zog die Kammer ausgerechnet die große Solidarität
für die fünf Angeklagten heran, die sie zu einem »erziehungsschädlichen
Einfluss« umdeutete. Die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring verwies
auf Aktivitäten von Unterstützern, etwa eine Demonstration am Vorabend
des ersten Verhandlungstags und die Anwesenheit »zahlreicher
Sympathisanten« am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal, die die
Angeklagten mit »tosendem und lang anhaltendem Applaus« begrüßt hätten.
(…) Die Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke kritisierte die Argumente
der Staatsanwaltschaft als »aggressiv pauschalisierend«. Es sei
»Blödsinn«, den Angeklagten vorzuwerfen, sie würden sich für Taten
feiern lassen, deren Begehung sie gerade von sich wiesen. Der Beschluss
der Kammer sei »bedenklich und diffamierend«, Solidarität werde
umgedeutet in eine Befürwortung von Randale. Auch wenn die
Öffentlichkeit draußen bliebe, bleibe »die Politik drin«…” Beitrag von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 16. Januar 2019
– Ein klarer Fall von Befangenheit, weil das Gericht bereits im Vorfeld
gegen die Interessen der Angeklagten und ausschließlich im Sinne der
Interesse der Staatsanwalt handelt…
- “Ein Festival der Demokratie” – Broschüre zur Aufarbeitung des G20-Gipfels
“Als „Festival der Demokratie“ kündigte Innensenator Andy Grote im
Mai 2017 den bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg an. Die Realität war
dann eine riesige Demonstrationsverbotszone, ein von vornherein auf
Eskalation ausgelegter Polizeieinsatz und eine fragwürdige Ausweitung
polizeilicher Befugnisse bei den Ermittlungen gegen Gipfelgegner_innen.
Unsere Abgeordnete Christiane Schneider war als Obfrau im
Sonderausschuss „Gewalttätige Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in
Hamburg“, der ein Jahr lang die Ereignisse aufarbeiten sollte. Von
Seiten des Senats gab es allerdings kein Interesse an einer wirklichen
Aufarbeitung: Der Ausschuss diente der Innenbehörde vor allem dazu, ihre
eigene Deutung der Ereignisse publik zu machen. Parallel zu unserer
Arbeit im Sonderausschuss haben wir mit mehreren Kleinen und Großen
Anfrage versucht, abseits der öffentlichen Verlautbarungen staatliches
Handeln aufzuklären. Wir haben die Ergebnisse unserer Arbeit in einer
48-Seitigen Broschüre zusammengefasst. Darin nehmen wir das Vorgehen
von Polizei und Innenbehörde bei verschiedenen Protestereignissen
kritisch unter die Lupe. Wir analysieren die Rolle des
Verfassungsschutzes und gehen der Frage nach welche langfristigen
Auswirkungen auf Grundrechte und Demokratie zu befürchten sind.” Info vom 16. Dezember 2018
zum pdf-Download bzw kostenlosen Bezug der Broschüre bei der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft
- G20-Gipfel in Hamburg: V-Mann des Verfassungsschutzes blockierte Regierungskonvois
“… Der im November enttarnte V-Mann des niedersächsischen
Verfassungsschutzes ist gemeinsam mit Göttinger Autonomen zum G20-Gipfel
nach Hamburg gereist und hat dort mit Straßenblockaden
Regierungskonvois behindert. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe
unter Verweis auf Zeugenaussagen und interne Dokumente berichtet, war
der V-Mann an diversen Aktionen der “Basisdemokratischen Linken”
beteiligt, die er für den Verfassungsschutz ausspionierte. (…) Der
V-Mann blockierte Konvois und ließ sich wegtragen. Zweimal wurde er
vorübergehend in Gewahrsam genommen, seine Personalien nahm die Polizei
aber nicht auf. Anschließend berichtete er dem Verfassungsschutz von den
Einsätzen…” Beitrag von und bei Spiegel online vom 4. Januar 2019 
- G20: Was wurde aus Anzeigen gegen Polizisten?
“Kurz nach dem G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 rasierte sich Lola
Diaz die langen Locken ab. Ihr Bein war gebrochen, sie musste mehrere
Wochen im Bett verbringen. Ein Polizist habe sie während einer
friedlichen Feierei am Rande des Gipfels so heftig mit dem Knüppel
geschlagen, dass es brach, sagt sie. Mittlerweile hat sie wieder Locken.
Sie arbeitet als Lehrerin an einem Gymnasium und hat nun im Herbst
schließlich doch Anzeige gegen die Polizei erstattet. (…) Nachdem das
Fernsehmagazin Panorama und NDR Info über ihren Fall berichtet hatten,
bekam Diaz eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft. Sie solle als
Zeugin aussagen. Es gibt Videos von dem Übergriff und andere Zeugen.
Deshalb hat die 28-Jährige sich nun getraut, das juristische Verfahren
anzuschieben. Angst habe sie trotzdem noch, sagt sie. Sie zeige
schließlich nicht ihren Nachbarn oder jemanden von der Straße an,
sondern die Polizei. “Es klingt schon heftig und es ist sehr heftig für
mich, weil es gibt auf jeden Fall einen Machtunterschied hier.” (…) Laut
Hamburger Staatsanwaltschaft laufen aktuell 66 Ermittlungsverfahren
gegen Polizeibeamte zum G20-Einsatz. 84 Verfahren wurden mittlerweile
eingestellt. Entweder weil die Tat nicht nachweisbar oder nicht
strafrechtlich relevant war. Anklagen wurden bisher nicht erhoben.
Dieter Magsam vertritt Lola Diaz als Anwalt. Er sagt: “Wenn Straftaten
im Amt begangen werden und das war hier offensichtlich so, haben andere
Polizeibeamte, die das mitbekommen, die Pflicht, das innerhalb kürzester
Zeit ihren Vorgesetzten, der Staatsanwaltschaft, zur Kenntnis zu
bringen.” Doch da passiere nichts. “Und ich frage mich, was ist das für
eine Polizeikultur?”.(…) Generell wird in Deutschland aus Anzeigen gegen
Polizeibeamte nur sehr selten eine Anklage. Nach einer Auswertung der
Uni Bochum für das Jahr 2016 wurden in 90 Prozent der Fälle die
Verfahren eingestellt, in nur 2,3 Prozent der Fälle wurde Anklage
erhoben oder Strafbefehl erlassen. Doch Lola Diaz und ihr Anwalt hoffen
nun, dass ihre Anzeige zu einer Anklage führt…” Beitrag von Elisabeth Weydt vom 4. Januar 2019 beim NDR
- Terror-Verfahren nach G20-Gipfel eingestellt
“Knapp anderthalb Jahre nach den Ausschreitungen beim
G20-Gipfel in Hamburg hat die Rostocker Staatsanwaltschaft ein
Terror-Verfahren gegen drei Beschuldigte aus Mecklenburg-Vorpommern
eingestellt. Die drei standen in Verdacht, Waffen und Sprengstoff
gehortet zu haben, um beim Treffen der Staats- und Regierungschefs gegen
eingesetzte Polizisten vorzugehen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft
bestätigte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV jetzt, dass es keinen
ausreichenden Tatverdacht für eine Anklage gegeben hat. (…) Unterdessen
hat eine Kleine Anfrage des Linksabgeordneten Peter Ritter ergeben, dass
die Staatsanwaltschaften des Landes seit Mitte 2012 insgesamt 15
Terror-Verfahren wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden
Gewalttat geführt haben, darunter mehr als doppelt so viele Ermittlungen
gegen mutmaßlich Rechtsextreme als gegen Linksextreme. In einem Fall
erfolgte eine Anklage und schließlich eine Verurteilung, allerdings am
Ende wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Für Ritter sind die
Zahlen ein weiterer Beleg dafür, dass der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit
weiter der rechtsextremen Szene gelten müsse und “kein Strategiewechsel
nach links” erfolgen dürfe…” Beitrag von Stefan Ludmann 3. Januar 2019 beim NDR 
- Keine Rechtsgrundlage. Dürftige Anklagekonstruktion,
fragwürdige Ermittlungsmethoden: Verteidiger stellen G-20-Verfahren in
Hamburg grundsätzlich in Frage
“Mit Blick auf den Prozess um die G-20-Proteste in Altona am 7. Juli
2017, der am Dienstag vor dem Landgericht Hamburg begann, hat die
Strafverteidigerin Gabriele Heinecke scharfe Kritik an Teilen der Justiz
geübt. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Hamburg und des 1. Senats
des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) in dem Verfahren bezeichnete
die Anwältin, die einen der fünf Angeklagten vertritt, am Mittwoch im
Gespräch mit jW als »Angriff auf das Demonstrationsrecht«. In
dem Prozess stünden Grundrechte auf dem Spiel, die für die Demokratie
essentiell seien. (…) Im Zentrum steht dabei erneut die Interpretation
eines Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH), das im Mai 2017 ein
»ostentatives Mitmarschieren« in einer gewaltbereiten Gruppe für
strafbar erklärte. Für den OLG-Senat steht fest, dass dieses Urteil auch
auf G-20-Gegner anwendbar ist. Aus Heineckes Sicht wird dabei
unterschlagen, dass es vor dem BGH um Fußball-Hooligans ging, die sich
per Whats-App zu einer Prügelei verabredet hatten. Und dass das Urteil
politische Demonstrationen ausnahm, bei denen es zu Gewalt kommt, die
aber nicht von allen Teilnehmern unterstützt wird. (…) Wie gerufen kam
der Verteidigung eine Entscheidung des Hamburger Datenschutzbeauftragten
Johannes Caspar, die er am Dienstag pünktlich zum Prozessbeginn traf.
Caspar ordnete die Löschung der biometrischen Datenbank an, mit deren
Hilfe die inzwischen auf eine Ermittlungsgruppe reduzierte
Sonderkommission (Soko) »Schwarzer Block« der Polizei nach Randalierern
beim G-20-Gipfel im Juli 2017 fahndet. Eine Steilvorlage für die
Verteidiger, denn die bestreiten die Rechtmäßigkeit dieser
Fahndungsmethode, mit der auch die fünf Angeklagten ermittelt wurden…” Prozessbericht von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 20. Dezember 2018
- G20: Hamburger Polizei muss biometrische Daten tausender Bürger löschen
“Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat die Löschung einer
Referenzdatenbank der Hamburger Polizei angeordnet, in der diese
biometrische Daten tausender Bürger:innen erfasst hatte. In diese
Datenbank sind nicht nur Bilder und Videos der Polizei, Material aus
öffentlichen Verkehrsmitteln und aus Medien eingeflossen, sondern auch
private Aufnahmen, die Bürger über ein Fahndungsportal hochgeladen
hatten. Insgesamt umfasst die Datenbank über 100 Terabyte bei 32.000
Video- und Bilddateien. Nach Auskunft des Datenschutzbeauftragten
Johannes Caspar sei die biometrische Erfassung „unterschieds- und
anlasslos“ geschehen. Sie betreffe massenhaft Personen, die nicht
tatverdächtig seien…” Meldung von Markus Reuter vom 18.12.2018 bei Netzpolitik 
- G20-Prozess zum „Elbchaussee-Komplex“: Wenn die Anwesenheit
in einer Menschenmenge bei der Begehung einer Straftat strafbar sein
soll
“In Hamburg hat heute der Prozess gegen fünf Aktivisten aus
Frankfurt, Offenbach und Frankreich begonnen. Die drei Erwachsenen und
zwei Jugendlichen sind angeklagt, bei Ausschreitungen auf der
Elbchaussee während des G20-Gipfels im vergangenen Jahr in Hamburg
„dabei gewesen“ zu sein. (…) Nach der Verlesung der Anklageschriften
bekam die Verteidigung das Wort. Es wurde festgestellt, dass die
Anwesenheit in einer Menschenmenge bei der Begehung einer Straftat nicht
strafbar ist und diese ohnehin nur auf Indizien gestützt sei. Das
Verfahren diene der Verschleierung des politischen Versagens bei der
Organisation des G20-Gipfels und solle die Öffentlichkeit beruhigen.
Weiterhin kritisiert die Verteidigung die unterbleibende Haftverschonung
für die Angeklagten Halil und Can. Den beiden war vor drei Wochen von
der Richterin eine Haftverschonung zugestanden worden. Daraufhin wurden
sie auf freien Fuß gesetzt und mussten nach stattgegebenem Einspruch der
Staatsanwaltschaft nach zwei Stunden in die Haft zurückkehren. Die
Inhaftierung wird mit Fluchtgefahr begründet, was durch die freiwillig
erfolgte Rückkehr in die Haftanstalt hinreichend widerlegt sein sollte.
Die Verteidigung ging außerdem auf die Überschreitung von Kompetenzen
der „Soko Schwarzer Block“ mit ihren 180 Beamten bei den Ermittlungen
ein. (…) Die nächsten Termine sind am 8. und 10. Januar 2019. Am
kommenden Samstag findet ab 12 Uhr eine Kundgebung vor dem
Untersuchungsgefängnis Holstenglacis statt…” Bericht vom 18. Dezember 2018 beim Bündnis „United we stand“ 
- Verfahren gegen Prügel-Polizisten eingestellt. Beamte
schlugen Ordner bewusstlos – Anwalt legt Beschwerde bei der
Generalstaatsanwaltschaft ein
“Der massive Angriff Braunschweiger Polizisten vor einem Jahr auf
Demonstranten in Göttingen bleibt nach dem Willen der Göttinger
Staatsanwaltschaft ohne strafrechtliche Konsequenzen. Die Behörde
stellte das Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt ein. Der
Anwalt des Hauptbetroffenen gab am Freitag bekannt, dass er Beschwerde
bei der Generalstaatsanwaltschaft eingelegt hat. (…) Auf einem Video ist
zu sehen, wie R. von Polizisten mehrere Schläge ins Gesicht bekommt und
zu Boden geht. Er wird am Kopf im Würgegriff hinter die Polizeikette
gezogen und auf den Boden fallen gelassen. Ein Beamter kniet auf seinem
Nacken. R. ringt nach Luft. Seine Hände werden mit Kabelbindern auf dem
Rücken fixiert. Polizisten schleifen ihn an den Armen über die Straße
und legen ihn vor einem Polizeibus ab. R.s Mutter wird nicht zu dem
Verletzten durchgelassen. (…) Der Göttinger Rechtsanwalt Sven Adam, der
R. vertritt, zeigt die an der Prügelei beteiligten, namentlich nicht
bekannten Beamten der Braunschweiger Beweissicherungs- und
Festnahmeeinheit (BFE) an. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die
Einstellung des Verfahren verfügt. Sie erklärt, dass der Ordner keine
bemerkenswerten Schläge mit einem Schlagstock erhalten habe und sich das
Handeln der Beamten als Notwehr darstelle. Für Adam lässt das Video
»wenig Interpretationsspielraum«. Es zeige insbesondere einen
Polizisten, der mit mehreren Tonfa-Schlägen auf die Demonstration, vor
allem aber auch auf den Ordner einschlage. Während dieser kaum noch
stehe, treffe ihn ein Faustschlag mitten im Gesicht, und er geht zu
Boden. »Was hieran Notwehr sein soll erschließt sich mir nicht«, sagte
Adam am Freitag. »Das ist brutale und unverhältnismäßige Gewalt.«
Ebenfalls straflos soll laut Staatsanwaltschaft das weitere Vorgehen der
Polizei gegen R. Bleiben. »Auch diese Maßnahme soll laut
Staatsanwaltschaft nicht übertrieben gewesen sein«, so Adam. »Das Video
spricht allerdings auch hier für sich.«…” Artikel von Reimar Paul vom 14.12.2018 beim ND online 
- Prozess um G20-Protest: Landgericht nicht hart genug.
Hamburger Richter haben die U-Haft in einem G20-Prozess ausgesetzt. Die
Staatsanwaltschaft hält sie nun für befangen
“Nie in der „Nachkriegsgeschichte“ seien in Hamburg solch schwere
„Gewalt- und Sachbeschädigungshandlungen“ verübt worden wie während der
Proteste gegen den G20-Gipfel am Morgen des 7. Juli 2017. Entlang der
Elbchaussee und in der Großen Bergstraße habe ein „schwarz uniformierter
Mob“ gewütet. So begründet das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG),
warum zwei mutmaßliche Teilnehmer des gewaltsamen Aufmarschs im
Stadtteil Altona in Untersuchungshaft bleiben müssen. Das OLG hebt damit
eine Entscheidung des Landgerichts auf. Dieses hatte zwei der insgesamt
fünf Angeklagten am 9. November unter strengen Meldeauflagen
freigelassen und den Vollzug der Untersuchungshaft ausgesetzt. Die
Richter der 17. Großen Strafkammer halten die 22 und 24 Jahre alten
Männer aus Hessen zwar des schweren Landfriedensbruchs für dringend
verdächtig. Sie müssten sehr wohl mit einer Strafe rechnen. Allerdings
sei ihnen eine „Mittäterschaft“ im engeren Sinne wahrscheinlich nicht
nachzuweisen. (…) Gegen diese Entscheidung laufen OLG und
Staatsanwaltschaft nun Sturm. Das OLG setzte den Haftbefehl schon nach
wenigen Stunden wieder in Vollzug. Die 17. Strafkammer des Landgerichts
habe „die Dimension der Taten“ vollständig aus den Augen verloren, heißt
es zur Begründung. Nun setzt die Staatsanwaltschaft noch eins drauf:
Sie lehnt die drei Richter der 17. Großen Strafkammer des Landgerichts
ab und hat einen Befangenheitsantrag eingereicht. „Es liegt ein Grund
vor, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit der
abgelehnten Richter zu rechtfertigen“, heißt es in dem Antrag, der der
taz vorliegt…” Bericht von Stefan Buchen vom 7.12.2018 bei der taz online 
- Gericht rügt Polizei Hamburg: G20-Knast-Schikane war illegal
“Die Ingewahrsamnahme von italienischen G20-Demonstranten war
unrechtmäßig. So urteilte nun das Verwaltungsgericht. Das Urteil am
Dienstag konnte nicht überraschen: „Rechtswidrig“, so befand Dietrich
Hölz, Vorsitzender der 17. Kammer des Hamburger Verwaltungsgerichts, sei
die fast 24 Stunden andauernde Ingewahrsamnahme von drei Italienern
während des G20-Gipfels gewesen. Das Verfahren habe „keine
Anknüpfungspunkte“ für bevorstehende Straftaten der Männer erbracht, die
deren Festsetzung hätten rechtfertigen können. Zudem sei „keine
richterliche Anordnung eingeholt“ worden, die die juristische
Voraussetzung für den Vollzug einer solchen Maßnahme gewesen wäre, sagte
Hölz. Und es sei „nicht nachvollziehbar“, auf welchen Erkenntnissen
eine Gefahrenprognose des Verfassungsschutzes beruht habe, nach der am
Abend des 8. Juli, mitten während des G20-Gipfels, Straftaten speziell
von italienischen Staatsangehörigen, zu erwarten gewesen seien…” Bericht von Marco Carini vom 5.12.2018 bei der taz online 
- Gesichtserkennung der G20-Ermittlungen kommt vor Gericht
“Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar will die automatisierte
Gesichtserkennung, die im Rahmen der Ermittlungen zum G20-Gipfel
eingesetzt wird, gerichtlich untersagen lassen. Herr Caspar hatte
bereits Ende August bekannt gegeben, dass er die Nutzung dieses
Instruments für unzulässig hält. Die Innenbehörde sieht dies jedoch
anders. (…) Die Software mit dem Namen Videmo 360 kann laut Caspar
Bewegungsprofile erstellen, Beziehungsstrukturen und Verhaltensmuster
dokumentieren. Die Software macht dabei keinen Unterschied zwischen
Tatbeteiligten und unbeteiligten Personen. Innensenator Andy Grote
möchte an dem Projekt festhalten, und setzt auf eine gerichtliche
Entscheidung. Seiner Meinung nach hätte es ohne die Software kaum
Ermittlungserfolge für die Polizei gegeben. Für ihn geht es bei der
Software nicht um Gesichter und personenbezogene Daten, sondern um
mathematische Formeln…” Meldung vom 26. Oktober 2018 von und bei Amnesty International 
- G20-Gipfel: Polizeigewalt ohne Konsequenzen – Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
“Mit weiß-pinken Turnschuhen, knallroter Stretchhose und blauem
T-Shirt stand die Künstlerin Fiona O. während der G20-Proteste Juli 2017
in Hamburg alleine auf einem Räumpanzer. Beamte der hessischen
Bereitschaftspolizei reagierten darauf völlig überzogen und sprühten die
junge Frau mit Pfefferspray ein. Konsequenzen für das überzogene
Handeln der Beamten gibt es: keine. Christiane Schneider,
innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der hamburgischen
Bürgerschaft, sieht sich in dem Eindruck bestärkt, dass die
Staatsanwaltschaft mit unterschiedlichem Maß misst. Auf Nachfrage der
Frankfurter Rundschau (FR) berichtet die Sprecherin der Hamburger
Staatsanwaltschaft Nana Frombach, dass drei Anzeigen vorgelegen hätten
und drei Staatsanwälte unabhängig voneinander ermittelten. Die Verfahren
wurden »eingestellt, weil das Handeln der Polizeibeamten rechtmäßig
war«, teilte die Staatsanwaltschaft der FR mit. Die Verfahren waren
bereits im März und April eingestellt worden, aber bisher nicht
öffentlich bekannt. (…) Aus einer kleinen Anfrage der Hamburger LINKEN
geht hervor, dass bis März 2018 gegen 118 Polizeibeamte von der
Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet worden waren. Daraus
resultierten weder Anklagen noch Strafbefehle. Schneider sagt gegenüber
»nd«: »Das Problem ist komplex. Zum einen trauen sich Betroffene gar
nicht erst Anzeige zu erstatten. Zum anderen ist die Staatsanwaltschaft
von der Zusammenarbeit mit der Polizei abhängig. Diese tut sich daher
schwer Verfahren gegen Polizisten zu eröffnen.«…” Beitrag von Ulrike Kumpe bei der neue Deutschland vom 16. Oktober 2018 
- [G20] Der lange Arm der Repression
“… Mitarbeiter der Hamburger Sonderkommission “Schwarzer Block” sind
nach dem G20-Gipfel mehrmals für einen “Erkenntnisaustausch” in
Nachbarländer gereist. Das teilte der Hamburger Senat auf Anfrage der
Abgeordneten Christiane Schneider in einem Schreiben mit, das der
Redaktion vorliegt. Um welche Maßnahmen und besuchte Behörden es sich
handelt, schreibt der Senat nicht. Vor zwei Wochen hatte die
Hamburger Polizei die Auflösung der Sonderkommission bekannt gemacht.
Sämtliche strafrechtlichen Ermittlungen zum G20-Gipfel werden jetzt von
einer Ermittlungsgruppe weitergeführt, die bei der Staatsschutzabteilung
des Landeskriminalamts (LKA) angesiedelt ist. Bislang war nur bekannt,
dass die Soko “Schwarzer Block” zur Vollstreckung deutscher
richterlicher Beschlüsse im Ausland war. Am 29. Mai hatten die Beamten
Durchsuchungen bei sieben Personen in Frankreich, Italien, Spanien und
der Schweiz veranlasst, um dort mögliche Beweismittel zu sichern. Neun
Objekte wurden durchsucht und dabei Rechner und Laptops, Mobiltelefone,
Speichermedien und Bekleidung beschlagnahmt. Zwei der Beschuldigten
waren zunächst unbekannt und wurden durch eine Öffentlichkeitsfahndung
identifiziert. Die Fotos und Beschreibungen der Betroffenen hatte die
Soko “Schwarzer Block” zur Identifizierung auch an ausländische Behörden
geschickt. (…) Die Funktion des BKA wird vom Bundesinnenministerium als
“Unterstützung” bezeichnet. Bereits im vergangenen Jahr hatte das
Bundesinnenministerium mitgeteilt, dass “Personendaten über
polizeibekannte linke Aktivisten mit dem Ausland ausgetauscht” wurden.
Dieser Austausch erfolgte unter anderem über die informelle “Police
Working Group on Terrorism” (PWGT), in der sich alle EU-Mitgliedstaaten
organisieren. Anfragen zu Tatverdächtigen erfolgten aber auch in Island,
Kanada, der Schweiz, und in den USA. Das BKA übernahm in den
G20-Ermittlungen außerdem die Funktion einer Zentralstelle…” Beitrag von Matthias Monroy vom 13. Oktober 2018 bei Telepolis 
- Razzien bei Antikapitalisten: Polizei durchsucht Wohnungen
in drei Bundesländern / Eine Festnahme in Hamburg / Europaweite
öffentliche Fahndung
“Die Polizei durchsucht im Zusammenhang mit den Ereignissen beim
G20-Gipfel in Hamburg vor mehr als einem Jahr seit den frühen
Morgenstunden Wohnungen in der Hansestadt, Schleswig-Holstein und
Nordrhein-Westfalen. Die Razzien richteten sich gegen zwölf
Beschuldigte. Im Fokus des Einsatzes stehen Tatverdächtige, die bei der
»Welcome to Hell«-Demonstration Straftaten begangen haben sollen. Das
teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen mit. Bei den
angeblichen Straftaten soll es sich demnach unter anderen um schweren
Landfriedensbruch, Widerstand gegen Polizeibeamte und tätlichen Angriff
auf Vollstreckungsbeamte handeln. Im Hamburger Stadtteil Winterhude
wurde indes ein 35-Jähriger verhaftet, wie eine Polizeisprecherin am
Dienstagmorgen bestätigte. (…) Parallel zu den neuen Razzien
veröffentlichte die Polizei am Dienstag in verschiedenen europäischen
Sprachen internationale Fahndungsaufrufe mit Bildern von vier weiteren
Beschuldigten im Internet. (…) Bei der Suche nach Verdächtigen stützen
sich die Ermittler unter anderem auf eine umfangreiche Datenbank von
Film- und Videoaufnahmen, die während der Ausschreitungen entstanden und
mittels einer Gesichtserkennungssoftware analysiert werden. Außerdem
wird öffentlich und in polizeiinternen Datenbanken nach Beschuldigten
gesucht. Hamburgs Datenschützer und die LINKE beanstandeten den Einsatz
der Software jüngst. Es gebe keine gesetzliche Grundlage…” Meldung von und bei neues Deutschland vom 18. September 2018 
- Soziologische Forschung über G20-Protest: „Wann knallt es endlich?“
“Forscher aus Berlin und Hamburg haben die Protest- und
Polizeidynamik beim G20-Gipfel in Hamburg ergründet. Sie kritisieren die
fehlende Reflexion bei der Polizei.” Interview von Katharina Schipkowski mit dem Soziologen Simone Teune vom 6. September 2018 bei taz online
. Simone Teune: “…
Der Anlass war für uns nicht, dass es gewalttätige Konfrontationen gab,
das ist bei Gipfelprotesten relativ berechenbar. Was uns interessiert
hat ist: Wie konnte es zur Entgrenzung kommen? Dass Umstehende und
Anwohner*innen Teil der Auseinandersetzungen wurden und die Polizei mit
niedrigschwelliger Schussfreigabe bis zum Äußersten geht, das wollten
wir verstehen. (…) Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ist in
Kontinuität mit anderen Gipfelprotesten zu betrachten: Erst mal wird sie
intensiv und offensiv betrieben und dann ist die Gewalt der
Demonstrierenden das Hauptthema gegenüber den Medien. Dass es zu Gewalt
kommt, wird als unausweichlich dargestellt, damit eröffnet man sich
einen größeren Handlungsspielraum. Die fast magische und überall
verbreitete Zahl von 10.000 Gewaltbereiten ist so ein Beispiel. Da fragt
im Nachhinein niemand mehr, wo waren die? Mit der Zahl wurde die
„Welcome to Hell“-Demonstration im Vorfeld dämonisiert. Am Ende sprach
die Polizei selbst von 10.000 friedlichen Teilnehmenden. (…) Alle, die
Protest organisiert haben, wurden immer wieder auf Gewalt angesprochen,
ein anderes Thema gab es nicht. Das ist eine Polizeiperspektive, eine
Entpolitisierung…” Der komplette Report des Hamburger Instituts für Sozialforschung “Eskalation – Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017″
ist als kostenloser Download verfügbar
- Evgenii: Freispruch für G20-Gegner rechtskräftig
“… Das Amtsgericht Hamburg-Altona hat einen 32-jährigen Angeklagten
nach 15 Verhandlungstagen in sämtlichen Punkten freigesprochen. Ihm
war vorgeworfen worden, während des G20-Gipfels drei Flaschen auf
Polizeibeamte geworfen zu haben. Am Samstag ist die Berufungsfrist
verstrichen. Die Staatsanwaltschaft hat das Urteil akzeptiert. Damit ist
es rechtskräftig. Das Gericht hat die Arbeit der verdeckt ermittelnden
Polizeibeamten deutlich kritisiert. Gleich sechs dieser sogenannten
„Tatbeobachter“ gaben an, dem Angeklagten gefolgt zu sein – für
zuverlässig hielt das Gericht ihre Angaben jedoch nicht. Die Beamten
waren im Gerichtssaal verkleidet aufgetreten. Auf wesentliche Fragen des
Gerichts verweigerten sie die Aussage, wobei sie sich auf nicht
erteilte Aussagegenehmigungen beriefen. Richter genauso wie
Staatsanwältin stellten fest, dass die Polizei auf diese Weise die
gerichtliche Sachaufklärung behindere. Die AnwältInnen haben dem Gericht
ein Video vom Tatort und -zeitraum präsentiert, dass den Angaben der
Polizeizeugen widersprach. Ob die Zeugen gelogen oder sich geirrt
hatten, konnte das Gericht nicht mehr aufklären. Selbst die
Staatsanwaltschaft hatte daher Freispruch beantragt.(…) Der Angeklagte
erhält eine Entschädigung in Höhe von fast 4.000 € für die zu Unrecht
erlittene Untersuchungshaft von über vier Monaten…” Pressemitteilung der Verteidigung Evgeniis bei United We Stand am 28. August 2018 
- G20-Sonderausschuss in Hamburg endet: Ein Jahr nach G20 ist noch nichts klar
“… Die meisten Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft blieben am
Donnerstagabend unzufrieden zurück. Der G20-Sonderausschuss hatte zum
15. und letzten Mal getagt. Einzig die SPD feierte in ihrem
Abschlussstatement den Ausschuss als „gelungen“. Ihr Koalitionspartner,
die Grünen, zogen ein eher gemischtes Fazit. Eine richtige Bilanz wollen
die Ausschussmitglieder aber erst in den kommenden Wochen ziehen, Ende
September sollen die Abschlussstatements in der Bürgerschaft debattiert
werden. Schon jetzt ist klar: Viele Erkenntnisse hat der Ausschuss nicht
gebracht. (…) Die Aufgabe des vor einem Jahr gestarteten
Sonderausschusses war es gewesen, in 15 Sitzungen die „gewalttätigen
Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg“ aufzuklären. Die
Themenschwerpunkte der oft zähen Sitzungen im Rathaus waren das
Sicherheitskonzept des Senats, die Ausschreitungen und die Auflösung der
„Welcome to Hell“-Demo, die Krawalle in der Schanze und der Elbchaussee
sowie eine Demonstration am Rondenbarg. (…) Fakten, die vorher nicht
bekannt waren, hat der Ausschuss kaum zutage gefördert. Neuigkeiten
waren immer eher am Rande aufgetaucht. So hatte beispielsweise
Christiane Schneider im Mai in einer Sitzung öffentlich gemacht, dass
vermummte Polizist*innen undercover im Schwarzen Block der „Welcome to
Hell“-Demo gewesen waren. Im Juli war dem Soko-Chef Jan Hieber
herausgeplatzt, dass die Polizei jetzt dauerhaft eine
Gesichtserkennungssoftware zur Strafverfolgung einsetzen will. (…) So
geht nun die Arbeit eines Gremiums unspektakulär zu Ende, das sich viel
vorgenommen hatte. Aufzuklären bleibt noch viel.” Beitrag von Katharina Schipkowski vom 16. August 2018 bei taz online
- Ein Jahr nach dem G-20 Gipfel in Hamburg – Eine kleine Auswahl an Rückblicken
- Ein Jahr G20 Hamburg – Ein Rückblick
ND-Video bei youtube
- Ein Jahr nach G20 in Hamburg: Mehr als Gewalt
“Über die Tage und Nächte von Hamburg und dem, was von ihnen bleibt.
Eine Spurensuche in der radikalen Linken (…) Anne vom »ums
Ganze«-Bündnis benennt auch negative Auswirkungen der Gipfelproteste:
»Soziale und politische Konflikte werden zunehmend polizeilich
bearbeitet.« Die Entwicklungen stehen für sie im Kontext einer
»insgesamt zu beobachtenden autoritären Wende der westlichen
Demokratien.« Erschreckend, wenn auch nicht überraschend, fand sie es,
mit welcher Lust sich in der Folge der Proteste Hass auf die
Protestierenden Bahnen brach. »Darin zeigt sich eine Brutalisierung der
Gesellschaft, wie sie sich auch in der Diskussion um Geflüchtete
feststellen lässt.«…” Artikel von Fabian Hillebrand vom 09.07.2018 beim ND online 
- Polizeiwissenschaftler über G20-Proteste: „Linke zu Chaoten abgestempelt“
“Ein Jahr nach dem G20-Gipfel sieht die Polizei alle Schuld an der
Gewalt bei den DemonstrantInnen. Rafael Behr über Heldengeschichten und
pauschale Abwertungen. taz: Herr Behr, als Dozent an der Hamburger
Polizeiakademie haben Sie eine Innensicht: Wie bewertet die Polizei den
G20-Gipfel ein Jahr danach? Rafael Behr: Das Bild, das mir Polizisten
von den Tagen des G20-Gipfels zeichnen, setzt sich von dem der Einwohner
des Schanzenviertels deutlich ab. Ich höre durchaus viele
Heldengeschichten. Es gibt eine große Selbstbestätigung, wenig Reflexion
und noch weniger praktizierte Fehlerkultur. Das ist wie eine eigene
polizeiliche Parallelwelt. Ein Narrativ unter Polizisten ist: Es hätte
alles viel schlimmer kommen können. (…) Der Begriff des „Rechtsstaats“
heißt ja nicht, dass der Staat immer Recht hat, sondern dass man als
Bürger auch Rechte gegen den Staat hat. Schon im Zuge der Vorbereitungen
auf den G20-Gipfel aber wurden aus den Bürgern nach und nach wieder die
klassischen Herrschaftsunterworfenen. Die Polizei verabschiedete sich
von ihrem Selbstverständnis als Bürgerschutzpolizei und wurde zur
Staatsschutzpolizei, mit martialischem Law-and-Order-Anspruch…” Interview von Jean-Philipp Baeck vom 9.7.2018 bei der taz online 
- Ein Jahr nach dem G-20 Gipfel in Hamburg: Der Schock sitzt
“Bei der G20-Aufarbeitung stehen sich zwei Wahrheiten gegenüber: Der
Senat sieht einen Erfolg, die Gipfel-Gegner die Demokratie suspendiert.
(…) Ganz anders hört es sich an, wenn Aktivist*innen,
Bürgerrechtler*innen, linke Anwält*innen aber viele der Bürger*innen aus
den betroffenen, alternativen Stadtteilen über das G20-Treffen
sprechen. Für sie war der Gipfel ein Desaster: Die Demokratie wurde
schon vor dem Gipfel suspendiert, als die Polizei eine 38
Quadratkilometer große Demoverbotszone einrichtete. Die Tage selbst
waren ein einziger Ausnahmezustand, von dem viele Hamburger*innen noch
immer traumatisiert sind. Auf der Straße Polizeitruppen, am Himmel
Hubschrauber. Tag und Nacht. Die Schulen und Kitas im Zentrum:
geschlossen, Schwimmbäder, Sparkassen und Supermärkte: verrammelt.
Zeltlager, die das Gericht genehmigt hatte, verhinderte die Polizei. Sie
missachtete das Recht, betrachtete auch friedlichen Protest als
Störung, machte aber wenig Gefangene, sondern prügelte auf
Blockierer*innen ein. Bis heute, ein Jahr nach dem Ereignis, stehen sich
diese beiden Erzählungen immer noch diametral gegenüber. Versuche,
beide Sichtweisen in ein Gesamtbild zu bringen, gibt es wenig. Die
Vertreter*innen beider Seiten begegnen sich höchstens vor Gericht. 61
G20-Gegner*innen wurden bisher verurteilt. Das Strafmaß reicht von
Geldstrafen und geringen Bewährungsstrafen bis zu Haftstrafen von drei
Jahren und drei Monaten. Der Hamburger Rechtsanwalt Matthias Wisbar vom
Republikanischen Anwaltsverein spricht auf der Pressekonferenz der
G20-Gegner zum ersten Jahrestag von „Feindstrafrecht“…” Artikel von Jean-Philipp Baeck vom 6.7.2018 bei der taz online 
- Unter der Oberfläche. Autonome diskutieren, Ladenbesitzer
schimpfen und manche vermissen die Offenheit – Hamburg ein Jahr nach G20
“… Die linksradikale Gruppe Grow hat im Rahmen des »Festivals der
grenzenlosen Solidarität«, das mit Podien und Vorträgen,
Filmvorführungen, einer Radtour und einer Rave-Demo an den Jahrestag
erinnern will, den Autor Achim Szepanski geladen, um über die Theorie
des Aufstandes zu diskutieren. Knapp Hundert Leute sind gekommen. Der
angebliche »Schwarze Block« erscheint an diesem Tag eher bunt und gut
gekleidet: Adidas-Jacken und teure Turnschuhe bestimmen die Szenerie.
Eine Verständigung aber, wie man als radikale Linke zu den Riots des
Freitag Abend steht, gibt es nicht. Am Jahrestag des Gipfels ist man, so
scheint es, immer noch überfordert. Verlegen reagieren auch die
dezidiert linken Orte auf der Schanze. »Wir haben als Kollektiv keine
einheitliche Meinung zu den Protesten« – so oder so ähnlich ist es
mehrfach aus Läden und Cafés zu hören, in denen man heute noch
G20-Protest-Plakate findet. (…)Spaziert man heute durch das
Schanzenviertel, fällt vor allem die veränderte Geräuschkulisse auf. Das
dauernde Dröhnen der Polizeihubschrauber und die Martinshörner der
Hundertschaften des letzten Jahres sind verschwunden. An ihre Stelle ist
wieder ganz normaler Autolärm getreten. Während des Gipfels waren die
Straßen vollständig gesperrt und somit als öffentlicher Raum für die
Protestierenden nutzbar. Sie saßen zusammen und kamen ins Gespräch.
Haustüren standen offen, viele Soli-Küchen boten Kaffee und Essen an, in
Kneipen wurden Verletzte versorgt – oder einfach nur Schlafplätze
angeboten. Die Türen sind nun wieder verschlossen und anstelle der
Gipfelgegner*innen bestimmen Junggesellenabschiede und Fußballfans die
Atmosphäre im Viertel. Doch unter dieser Oberfläche haben sich
Beziehungen von Menschen entwickelt, die sich die Erfahrung der
Solidarität und die Möglichkeit des Widerstands bewahrt haben…” Artikel von Christopher Wimmer vom 08.07.2018 beim ND online 
- 1 Jahr G20 – das Schweigen brechen
“Vor einem Jahr fand der G20-Gipfel in Hamburg statt. Er war der
Anlass für Proteste und Ausschreitungen. Für mich persönlich endete der
Gipfel bereits Freitagnacht während großen Ausschreitungen vom
Schulterblatt. Gegen 21:30 Uhr begann ein siebentägiger internationaler
Shitstorm gegen mich, iniitiert von US-Amerikanischen Rechten. Das
Finale waren Hetze, öffentliche Outings, Morddrohungen, Solidarität,
aber auch ein großes Schweigen. Bislang gab es nur wenige Menschen, die
mich direkt fragten, wie ich die Zeit erlebte. Besonders in der Zeit
nach dem Gipfel wurde nur über und nicht mit mir gesprochen. Lange hatte
ich überlegt, ob ich mich äußern sollte, doch seit einem Jahr ist das
Arbeiten nicht mehr wie vorher. Es vergeht keine Woche, in der Rechte
mich nicht wissen lassen, dass der G20-Gipfel mich mein Leben lang wohl
begleiten wird. (…) Ein Kollege bei ver.di meinte, wenn der Sturm
vorbeigezogen ist, wird sich die neugewonnene Aufmerksamkeit positiv
auszahlen. Vielleicht erst ein halbes Jahr später, vielleicht ein
ganzes. Nun ist ein ganzes Jahr vergangen. Die Erde dreht sich weiter.
Die Rechten hetzen ebenfalls weiter. Es ist ein wenig wie vor dem G20.
Mit einem Unterschied. Ich weiß auf wen ich mich in Zukunft verlassen
kann und für wen ich diese Arbeit mache. An dieser Stelle nochmal Danke
an die Menschen, die mir in dieser schweren Woche im Juli 2017
beistanden, mich nicht alleine ließen. Ich werde dies nicht vergessen.
Di eingeschränkte Solidarität war aber auch erschreckend. Gerade in der
Zeit es Rechtsrucks, ist es wichtig, dass die emanzipatorischen,
antifaschistischen Kräfte solidarisch zueinander sehen, auch wenn es
inhaltliche Differenzen geben mag.” Beitrag vom 7.7.2018 von und bei Sören Kohlhuber
- G20-Aufarbeitung: Eine vertane Chance
“Vor einem Jahr brannten in Hamburg Barrikaden – zwei Bücher widmen
sich den Krawallen während des G20-Gipfels aus linker Perspektive.
Klären die Autoren auf? Oder wiederholen sie nur die eigene Version der
Geschehnisse? (…) Jetzt sind zwei Bücher erschienen, die die
Gipfelgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven der G20-Gegner
erzählen: “G20 – Verkehrsprobleme in einer Geisterstadt” vom
Autorenkollektiv “Komitee 17″ und der Sammelband “Riot – Was war da los
in Hamburg? Theorie und Praxis der kollektiven Aktion” von Karl-Heinz
Dellwo…” Artikel von Katharina Schipkowski vom 07.07.2018 beim Spiegel online
- Tanz-Demo erinnert in Hamburg an G20
“Ein Jahr nach dem G20-Gipfel in Hamburg hat die linke Szene an das
konfliktreiche Treffen erinnert. Vom Neuen Pferdemarkt zogen laut
Polizei am Sonnabend bis zu 2.500 Menschen durch das Schanzenviertel und
durch St. Pauli. Die Veranstalter der Tanz-Demo sprachen von rund 3.000
Teilnehmern. Sie zogen mit lauter Musik an zentralen Orten der
damaligen Proteste vorbei. Stationen waren die Rote Flora, die
Messehallen, Landungsbrücken, der Fischmarkt, das Millerntorstadion und
der Neue Pferdemarkt, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Am
Sievekingplatz wurde nach der Demo eine kleine Rauchbombe im Eingang des
Strafjustizgebäudes gezündet, so ein Sprecher der Polizei zu NDR.de.
Die Demo selbst verlief friedlich. (…) Vor dem Tanz-Demo-Start hatten
sich rund 100 Menschen an einer Fahrrad-Demo beteiligt. Auf
Transparenten forderten die Teilnehmer “Freedom of movement” und “Freie
und solidarische Stadt Hamburg”. Einige solidarisierten sich auch mit
Geflüchteten…” NDR-Bericht vom 08.07.2018
- Korpsgeist bei G20: Verblendete Kollegen
“Polizisten müssen sich aufeinander verlassen können, wenn es
gefährlich wird. Doch mehrere Strafverfahren nach dem G20-Gipfel vor
einem Jahr zeigen, was passiert, wenn Solidarität zu weit geht. Die
Zeile klang dramatisch: “Mord-Versuch mit Laser”, schrieb die “Hamburger
Morgenpost” am 12. Juli 2017. Ein Mann, Nico B., solle einen
schwebenden Polizeihubschrauber geblendet haben. Den Tod der beiden
Piloten und den Absturz der Maschine habe er billigend in Kauf genommen,
hieß es. Ein Amtsrichter schickte den Verdächtigen in U-Haft, in der er
fünf Monate blieb. Fluchtgefahr. Vor wenigen Tagen endete der Prozess
gegen B. Und anders als im Haftbefehl war von einem versuchten Mord
keine Rede mehr. Das Gericht glaubte den beiden Polizeipiloten nicht,
dass der Laser sie geblendet hat. Eine behauptete Absturzgefahr habe nie
bestanden. Das Urteil: sechs Monate auf Bewährung, unter anderem wegen
versuchter Körperverletzung. (…) Der Hamburger Polizeiforscher Rafael
Behr sieht das Verhalten der beiden Hubschrauberpiloten als “Ausdruck
des sogenannten Korpsgeistes” in der Polizei. Man verabrede sich, einen
Menschen durch alle Instanzen als Täter zu identifizieren, selbst wenn
man Zweifel habe. “Ein einzelner Polizist kann dann nichts Abweichendes
zu Protokoll geben, ohne Gefahr zu laufen, aus der Kameradschaft
ausgeschlossen zu werden.” Ein Jahr nach dem Hamburger G20-Gipfel mehren
sich die Indizien dafür, dass Korpsgeist die Aufklärung mutmaßlicher
Straftaten während des Gipfels behindert. (…) Mehr als 680
Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Randalierer hat die
Staatsanwaltschaft inzwischen eingeleitet. Die Bilanz: 160 Anklagen, 59
Strafbefehle, 58 Verurteilungen. Gegen Polizisten wurden 138 Verfahren
eröffnet, überwiegend wegen Körperverletzung im Amt. Die Bilanz: 67
Einstellungen mangels Tatverdacht. Null Anklagen, null Strafbefehle,
null Urteile. In keinem Fall meldete ein Polizist im Einsatz einen
Kollegen. “Wir wissen, dass Polizisten sich gegenseitig nicht oft
anzeigen”, sagt Forscher Behr. “Vor allem nicht, wenn es um eine
Situation geht, in der man als Gemeinschaft angegriffen wird. Da wird
alles gerechtfertigt.”…” Artikel von Ansgar Siemens vom 07.07.2018 beim Spiegel online 
- Ein Jahr nach G20 – Festival der grenzenlosen Solidarität am 5. + 6. Juli in Hamburg
“Ein Jahr nach dem G20-Gipfel in Hamburg wird das nächste
Stelldichein von Kriegstreibern, autoritären Führern und kalten
Neoliberalen im November 2018 in Argentinien stattfinden. Die
Oberhäupter der mächtigsten und reichsten Staaten werden sich wie seit
1999 erneut das Recht herausnehmen, Entscheidungen für die ganze Welt zu
treffen. Und schon jetzt ist sicher, dass die Ergebnisse des
millionenteuren Gipfelspektakels in Buenos Aires ebenso mager sein
werden wie in Hamburg. Nichts wird vereinbart werden, das irgendwie
dabei helfen würde, die weltweiten Ungerechtigkeiten zu überwinden, die
Klimakrise zu bewältigen oder die mörderischen Kriege zu beenden. Kein
Wunder, ist es doch der von den G20 repräsentierte globale Kapitalismus
selbst, der für diesen Zustand unserer Welt verantwortlich ist. (…) Die
G20-Proteste sind nicht Ursache, sondern nur ein weiterer willkommener
Anlass, um immer mehr Bewaffnung der Polizei, immer schärfere Gesetze
und immer mehr Überwachung durchzusetzen. Bayern hat gerade trotz
massenhafter Proteste sein Polizeigesetz verschärft, Sachsen, NRW und
Niedersachsen wollen folgen. Die G20-Proteste haben aber nicht nur
einschüchternde und traumatisierende Erlebnisse der Repression gebracht,
sondern wir haben auch viel Positives und Bestärkendes miteinander
erlebt. An vielen Orten unserer Stadt wurde die oft beschworene
Solidarität praktisch (…) Ein Jahr nach G20 stehen wir gemeinsam gegen
die Repression. Wir fordern die Einstellung aller Verfahren gegen
Gipfelgegner_innen und die sofortige Freilassung aller, die immer noch
sitzen. Wir fordern stattdessen Konsequenzen für die politisch
Verantwortlichen im rot-grünen Senat für die polizeiliche
Eskalationsstrategie – am dringendsten die sofortige Entlassung des
damaligen Einsatzleiters und jüngst zum Schutzpolizeichef beförderten
Hartmut Dudde sowie von Innensenator Andy Grote (SPD). Und wir stehen
gemeinsam gegen alle Verschärfungen des Polizeirechts, den Ausbau des
Überwachungsstaats und die weitere Aushöhlung demokratischer Grundrechte…” Der Aufruf
und das Programm – Festival der Solidarität 
- Die Blaupause für den Polizeistaat – “Ohnmacht, Angst, Wut”:
Der Hafengeburtstag in der Gesellschaft der Hilfspolizisten – eine
Bilanz des G20
“Pünktlich zum ersten Geburtstag dieses “Hafengeburtstags” (Olaf
Scholz, damals noch Erster Bürgermeister von Hamburg), hat die Polizei
vor wenigen Tagen in Frankfurt und Offenbach vier Personen verhaftet.
Pünktlich hat jetzt auch das “Komitee 17″ eine sehr lesenswerte,
insgesamt hervorragende Darstellung der Ereignisse aus Sicht des
Protests veröffentlicht. Das “Komitee 17″ besteht nach eigenen Angaben
“aus Zeugen, Aktivisten und Beobachtern, die sich für die
Nachbesprechung des G20-Gipfels in Hamburg gesammelt haben, Frauen und
Männer mit dem Bedürfnis, dieses Großereignis, seine Voraussetzungen und
seine Konsequenzen in Worte zu fassen.” Was dabei herauskommt, ist
nicht unbedingt überraschend, aber spannend und vor allem für all jene
lesenswert, die die “Gewalt” von Protestseite ganz schrecklich finden
und sich vor allem dafür sorgen, dass sie Anliegen des Protests
verdrängen würde. Dass das Gegenteil der Fall ist, dass ohne die
“Gewalt” sich heute niemand mehr erinnern würde, dass es überhaupt einen
Protest gab, zeigt dieses Buch…” Rezension von Rüdiger Suchsland vom 2. Juli 2018 bei Telepolis
, die Rezension bezieht sich auf die Nautilus Flugschrift “G20. Verkehrsprobleme in einer Geisterstadt” vom Komitee 17
Juni 2018, 98 Seiten, Preis: 10 Euro
- Presseerklärung der RH Frankfurt zu den Razzien am 27. Juni 2018
„Am Morgen des 27. Juni wurden in Frankfurt und Offenbach
mehrere Wohnungen durchsucht und vier Personen festgenommen. Sie sollen
sich an gewalttätigen Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg im Juli
2017 beteiligt haben. Die vier Personen wurden noch am Morgen nach
Hamburg gefahren und dem Haftrichter vorgeführt. Einer der Betroffenen
ist 17 Jahre alt. An der Durchsuchung in Frankfurt war auch der Leiter
der SOKO Schwarzer Block, Jan Hieber, beteiligt. Jona Fritz von der
Roten Hilfe Frankfurt kritisiert das Vorgehen der Polizei: „Mit solchen
PR-Veranstaltungen wie heute in Frankfurt und Offenbach will die Polizei
die Schlagzeilen bestimmen und die Deutungshoheit zurückerhalten. Durch
reißerisch inszenierte Razzien und Pressemeldungen soll von den
massiven Grundrechtsverletzungen, der Polizeigewalt, der Behinderung von
Journalist*innen und den eigenen Fehlern abgelenkt werden. Viele ihrer
Maßnahmen während des G20-Gipfels wurden zwischenzeitlich von Gerichten
als rechtswidrig erkannt.“ In ihrem Eifer gehe der Polizei dabei jedes
Maß verloren, so Fritz. „Jetzt sollen zwei zum Tatzeitpunkt 16- und
17-jährige der Öffentlichkeit als Schuldige an den Ereignissen in der
Elbchaussee präsentiert werden. Das erinnert fatal an den Fall eines
17-jährigen Italieners, dem die Justiz auch in einem mehrmonatigen
Prozess trotz medialer Vorverurteilung keine Beteiligung an
gewalttätigen Aktionen nachweisen konnte.“ – aus der Presseerklärung „Jedes Maß verloren“ der RH Frankfurt vom 27. Juni 2018
über die Einschüchterungs- und Propagandashow der polizeistaatlichen
Avantgarde Truppe Soko Schwarzer Block mit den Hausdurchsuchungen in
Frankfurt und Offenbach (und anderswo) am Mittwoch, 27. Juni 2018.
Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag zu den Razzien in
Hessen und anderswo – Demonstrationsgruppen sollen zu kriminellen
Vereinigungen gestempelt werden
- „Der Feind steht links“ von Peter Schaber am 28. Juni 2018 in der jungen welt
hebt zu den willkürlichen Razzien hervor: „Die
so berühmt-berüchtigte wie bislang chronisch erfolglose »Soko Schwarzer
Block« schlug am Mittwoch erneut in mehreren Bundesländern zu. Wie
einer Pressemitteilung der eigens zur Verfolgung von G-20-Gegnern
gebildeten Sonderkommission der Hamburger Polizei zu entnehmen war, habe
man in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg
»insgesamt 13 Objekte durchsucht und sechs Haftbefehle vollstreckt«. Im
Fokus der Ermittlungen stehen vier Jugendliche und junge Männer aus
Frankfurt und Offenbach, die während der Gegenveranstaltungen zum
G-20-Gipfel Anfang Juli 2017 in Hamburg schwere Straftaten begangen
haben sollen. Am frühen Morgen drangen Beamte in die Wohnung der
Beschuldigten ein, berichtet ein Angehöriger eines Festgenommen
gegenüber junge Welt. »Sie haben Kleidung mitgenommen. Und alle elektronischen Geräte: USB-Sticks, Festplatten, Laptops«, so Hüseyin D.
Die Familie seines Cousins habe sich gerade auf dem Weg in die Türkei
befunden, musste den Urlaub abbrechen. »Natürlich sind sie sehr besorgt.
Ich habe auch mit Angehörigen der anderen Beschuldigten geredet. Sie
sind eingeschüchtert, auch schockiert, mit welchem Aufwand der Staat
gegen diese Kids vorgeht. Ich meine, die sind alle zwischen 18 und
Anfang 20«, berichtet D. Die »Soko Schwarzer Block« dagegen jubelt. Die
Verhaftung der vier jungen Männer sei »herausragend«, heißt es in der
Pressemitteilung. Tatsächlich hängt die Hamburger Polizei den Fall hoch.
In einem der Haftbefehle, der dieser Zeitung vorliegt, ist nicht nur –
wie bislang in Verfahren zu den G-20-Protesten – die Rede von
»Landfriedensbruch«, sondern auch von der »Bildung einer kriminellen
Vereinigung«…“
- “Dem Staat ist zu misstrauen ist ein Kommentar von Lena Kaiser 22. Juni 2018 bei taz online
worin es zum Rechts-Staat heißt: “… Wenn
die Polizei eine öffentliche Versammlung infiltriert, ohne sich an
klare Regeln zu halten, wird sie zum Borderliner des Rechtsstaates.
Geschehen ist das am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg. Gegenstand
vielfältiger Missachtung an diesem Tag: das Versammlungsrecht.
Untermauert wird diese Lesart nun von einer Expertise der
Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages, in Auftrag gegeben
vom Linken-Abgeordneten Andrej Hunko. (…) Die Wissenschaftlichen
Dienste des Bundestages machen in ihrer Ausarbeitung nun deutlich: Die
Beamten hätten bei dieser Angelegenheit, die den Anlass für die
Demo-Auflösung lieferte, nicht die Finger im Spiel haben dürfen. Und sie
hätten den Demo-Leiter und Flora-Aktivisten Andreas Blechschmidt
informieren müssen. Dass das nicht geschah, sei ein Verstoß gegen das
Versammlungsrecht. Was ,lernt’uns das? Haben wir uns schon daran
gewöhnt, dass noch nicht mal die Staatsgewalt die Gesetze ernst nimmt –
aus ermittlungstaktischen Erwägungen, versteht sich? (…) Die Lektion ist
also: Misstraue dem Staat. Dass er sich an Recht und Gesetz hält, ist
leider nur ein frommer Wunsch“.
- Landgericht Hamburg: Erste Entscheidungen über nachträgliche Beschwerden gegen G20-Ingewahrsamnahmen
“In einer Reihe von Beschwerdeverfahren hat das Landgericht Hamburg
über polizeiliche Ingewahrsamnahmen während des G20-Gipfels entschieden
und die damit verbundenen Maßnahmen teils für rechtmäßig und teils für
rechtswidrig erklärt. Die Beschwerdeführer waren nach ihrer Festnahme
zunächst in der Gefangenensammelstelle der Polizei und dann aufgrund
richterlicher Entscheidung in Justizvollzugsanstalten bis zum Ende des
Gipfelwochenendes festgehalten worden. In den bislang entschiedenen
Fällen waren die Ingewahrsamnahmen nach Ansicht des Landgerichts zwar
erforderlich, um die unmittelbar bevorstehende Begehung von Straftaten
durch die Betroffenen zu verhindern. Allerdings war es in diesen Fällen
zu erheblichen Verzögerungen zwischen der Festnahme der Betroffenen und
deren Vorführung zur richterlichen Anhörung gekommen. Darin sieht das
Landgericht einen Verstoß gegen das Gebot, unverzüglich eine
richterliche Entscheidung über die Freiheitsentziehung herbeizuführen
und erklärte die Ingewahrsamnahmen in der Zeit zwischen den Festnahmen
der Betroffenen und der jeweiligen richterlichen Entscheidung für
rechtswidrig. Etwas anderes gilt nach Auffassung der zuständigen
Zivilkammer für die Fortdauer der Freiheitsentziehung nach dem
jeweiligen amtsgerichtlichen Beschluss. Soweit diese Entscheidungen bis
zum Ende des Tages nach der jeweiligen Festnahme vorlagen, war der
weitere Vollzug der Ingewahrsamnahmen rechtmäßig…” Pressemitteilung vom 18. Juni 2018 
- [Film] Hamburger Gitter – G20 HH als Schaufenster moderner Polizeiarbeit
Der Film Hamburger Gitter zieht ein Jahr nach G20 Bilanz und stellt
Polizei und Justiz in den Mittelpunkt. Ein Jahr geprägt durch
öffentlichen Druck, Fahndungen und Ausnahmezustand… Siehe die Homepage zum Film
samt Trailer
- G20-Polizeigewalt nicht zu ermitteln: „Kein gezielter Wurf“
“… Ein Großteil der Fälle von mutmaßlich strafbarer Polizeigewalt
beim G20-Gipfel bleibt voraussichtlich unaufgeklärt. 52, fast die Hälfte
der 124 Verfahren wegen Körperverletzung im Amt, sind bereits
eingestellt. Aus einer Anfrage der Linksfraktion in der Hamburger
Bürgerschaft gehen nun erstmals die Gründe dafür vor: In 20 Fällen sei
die Tat nicht nachweisbar gewesen. Elfmal sei es unmöglich gewesen,
mutmaßliche Täter*innen zu ermitteln, in lediglich drei Situationen sei
ein Gewalteinsatz gerechtfertigt gewesen. Bei weiteren Fällen fehlten
Anhaltspunkte für Straftaten, Strafanträge oder weitere Dinge. Lediglich
in sechs der eingestellten Fälle wurden Zeugen vernommen, viermal
mussten beschuldigte Polizist*innen aussagen. Zudem sei in den insgesamt
155 Ermittlungsverfahren die Identität von 69 Geschädigten nicht
bekannt. (…) 15 Ermittler*innen sind seitdem bei den Internen
Ermittlungen mit der Aufarbeitung mutmaßlicher Polizei-Straftaten
befasst – zur Verfügung stand ihnen dabei genau so viel Videomaterial,
rund 100 Terabyte, wie der Soko „Schwarzer Block“, die allerdings mit
144 Polizist*innen mutmaßliche G20-Straftäter*innen jagen – teilweise
sogar mit internationalen Öffentlichkeitsfahndungen unter großflächiger
Unterstützung von Boulevardmedien. 714 Strafverfahren allein rund um die
autonomen „Welcome-To-Hell“-Demo stellte Soko-Chef Jan Hieber dem
G20-Sonderausschuss kürzlich in Aussicht. Die Zwischenbilanz der
internen Ermittler*innen fällt im Vergleich dazu eher mager aus, obwohl
der Polizeieinsatz bei dieser autonomen Demo besonders umstritten war.
Ein Verfahren gegen einen Polizisten etwa, der bei „Welcome To Hell“
einen Feuerlöscher in Richtung von Demonstrant*innen geworfen haben
soll, ist bereits eingestellt. Begründung: Es sei „kein gezielter Wurf
in Richtung der Demonstranten nachweisbar“, zudem niemand geschädigt
worden. Schneider regt der Fall auf: „Gegen Protestierende wird jeder
Flaschenwurf angeklagt – da wird nicht der gleiche Maßstab angelegt.“ Artikel von Gareth Joswig vom 6. Juni 2018 in der taz online
- G20-Gipfel: Ingewahrsamnahme rechtswidrig [wegen italienischer Sprache und szenetypischer Kleidung]
“Die Ingewahrsamnahme eines Italieners während des G20-Gipfels im
Juli des vergangenen Jahres war nach Überzeugung des Hamburger
Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das hat die Kammer am Dienstag in
einem Urteil festgestellt, wie NDR 90,3 berichtete. Geklagt hatten acht
Italiener, eine Entscheidung wurde aber zunächst nur in einem Verfahren
getroffen. In den Fällen der sieben anderen Kläger soll das Urteil
schriftlich ergehen, wie das Gericht mitteilte. Die acht Kläger waren am
Rande einer Demonstration gegen den G20-Gipfel von der Polizei
kontrolliert und eine Nacht in der Gefangenensammelstelle festgehalten
worden. Sie waren zum Teil erst am Nachmittag des Folgetages und ohne
richterliche Entscheidung wieder auf freien Fuß gekommen. (…) Dem Kläger
sei schwerwiegendes Unrecht geschehen, erklärte der Richter in seiner
Urteilsbegründung. Der 31-Jährige war zusammen mit Landsleuten –
darunter auch eine EU-Abgeordnete – von der Polizei am Holstenwall
festgehalten worden. Der Grund: Die Gruppe habe szenetypische Kleidung
getragen und italienisch gesprochen, wie ein Polizist als Zeuge sagte…” Meldung vom 05.06.2018 beim NDR 
- Jagd auf G20-Krawallanten: Seltsame Einblicke ins Schaufenster der Polizeiarbeit
“… Die Polizei war mit dem Schutz der Staatsgäste derart
überfordert, dass ein Stosstrupp vermummter Systemgegner in einem
Nobelviertel wüten konnte. Weil von den Krawallanten jede Spur fehlt,
versucht es die Polizei nun mit der Methode Brechstange. Auf Gesuch der
verzweifelten Hamburger Kollegen verhafteten Schweizer Polizisten einen
jungen Schweizer und durchsuchen öffentlichkeitswirksam das
Kulturzentrum Bremgarten. Der Mann und das Kulturzentrum stehen am
Pranger. Später zeigte sich: Offenbar liegt gegen den Mann einzig vor,
dass er sich in der Nähe des Krawalls umgezogen habe. Nach einer
Befragung wurde er freigelassen. Das sind seltsame Einblicke ins
Schaufenster der Polizeiarbeit. Während mutmassliche Aargauer
Krawallmacher gnadenlos gejagt werden, sind unsere Nachbarn mit den
politischen Verantwortlichen weitaus nachsichtiger…” Kommentar von Pascal Ritter vom 2.6.2018 in der Aargauer Zeitung online 
- Tiefe Gräben in Hamburg. Anwohner übten bei einer
öffentlichen Sitzung des G20-Sonderausschusses scharfe Kritik an Polizei
und Senat
“… »Es war eine absurd schlechte Idee, so ein Ereignis hier
stattfinden zu lassen«, stellte Henning Brauer vom Stadtteilbeirat
Sternschanze in einem umjubelten Wortbeitrag gleich zu Beginn fest. Der
Senat habe alle Warnungen der Anwohner ignoriert und wolle nun keine
Verantwortung übernehmen. »Falls Grote und Dudde Anstand besessen
hätten, dann wären sie zurückgetreten«, so der Anwohner. Zahlreiche
Wortmeldungen zeigten an diesem Abend ebenso ihr Unverständnis, dass der
SPD-Innensenator Andy Grote und der mittlerweile zum Chef der
Schutzpolizei beförderte G20-Einsatzleiter Hartmut Dudde noch in Amt und
Würden sind. »Keine Strafvorwürfe gegen einzelne Personen« und
Zurückhaltung mit den »Emotionen« forderte der Vorsitzende Pein. Er
wurde ausgebuht. (…) In einem Teil der folgenden Beiträge empörten sich
Anwohner darüber, dass sie von der Polizei während der Krawalle im Stich
gelassen wurden. »Wir waren es, die immer wieder Barrikaden gelöscht
und weggeräumt haben«, sagte Brauer vom Stadtteilbeirat. Gemeinsam mit
anderen Anwohnern habe man sich gegen den Mob verteidigen müssen,
während die Polizei danebenstand. Das später einrückende SEK sei eine
Bedrohung statt Hilfe gewesen…” Artikel von Sebastian Bähr vom 02.06.2018 beim ND online 
- Sollen sie doch Kuchen essen. Zum G20 Sonderausschuss im Schanzenviertel und der Aktualität einer Kultur des Sich-Wehrens
“Am Dienstag den 29.05. fanden unmittelbar vor einer Anhörung des
G20 Sonderausschusses in mehreren europäischen Ländern zeitgleich
Durchsuchungen und 7 Festnahmen von linken Aktivist*innen statt. Nach
Aussage der Polizei fanden die Durchsuchungen auf Grundlage der
Öffentlichkeitsfahndung, der Auswertung von Videomaterial und DNA-Proben
statt. Polizeipräsident Meyer äußerte zur Motivation der
Durchsuchungen, ob und wieviele Festnahmen es würden, darauf käme es
nicht an: Die Aktion wenige Tage vor dem Sonderausschuss im
Schanzenviertel solle vor allem zeigen, dass der Arm der Hamburger
Justiz von Deutschland aus durch ganz Europa reiche. Mailand oder Madrid
– Hauptsache Italien. Stadtteilaktivist*innen und autonome Gruppen
rufen inzwischen dazu auf, am Donnerstag den 31. Mai ab 16:30 zum Ort
des Sonderausschusses, dem ehemaligen Ausweichcamp an der Johanniskirche
zu kommen und dort auch selbstorganisiert Solidarität mit den
Betroffenen der aktuellen Durchsuchungen und Festnahmen in Europa im
Zusammenhang mit dem G20 zu demonstrieren. Die Wiese muss wieder zum
Zeltplatz werden! Im Folgenden ein Artikel zu den Hintergründen…” Beitrag von Anwohner*innen und Aktivist*innen aus dem Schanzenviertel vom 30.05.2018 bei indymedia
, darin: “… Gegen
einen Sicherheitsapparat, der sich militarisiert und sich selbst eine
Hegemonie der Unangreifbarkeit und Unantastbarkeit verleiht, ist in der
Perspektive breites gesellschaftliches Aufbegehren notwendig. Die
Demonstration von 40 000 Menschen in München gegen das neue
Polizeigesetz in Bayern war dabei ein richtiges Signal des Protestes. Es
braucht massenhafte Verweigerung und Widerstand gegen Polizeigewalt und
Gesetzesverschärfungen, Solidarität mit Betroffenen von staatlicher
Repression und neue Formen des Protestes ebenso wie die Verteidigung von
Großdemonstrationen als Orte unseres Zusammenkommens und
selbstbestimmten Protestes.”
- G20-Prozess in Göttingen: Geldstrafe für vermeintliche
Polizistenbeleidigung. Verfahren gegen Göttingerin wegen Beleididigung
eines Polizisten eingestellt / Ihr Sohn war zuvor von Beamten
zusammengeschlagen worden
” »Nicht sanktionslos, aber auch nicht strafwürdig«: So fasste der
Göttinger Amtsrichter Julian Oelschlägel am Donnerstag seinen
Urteilsspruch gegen eine G20-Gegnerin aus der Universitätsstadt
zusammen. Das Verfahren gegen sie wegen Beleidigung eines Polizisten
wurde gegen eine Erklärung der Beschuldigten sowie eine Geldauflage
eingestellt – die 61-jährige Annette R. muss 200 Euro an den
Arbeitskreis Asyl in Göttingen zahlen. Sie soll zu dem Beamten »Sie sind
das Allerletzte!« gesagt haben. Der Prozess fand statt, weil die Frau
zuvor Widerspruch gegen einen Strafbefehl in Höhe von 400 Euro eingelegt
hatte. (…) Bereits früh ließ Richter Oelschläger durchblicken, dass
eine Verurteilung für ihn kaum in Betracht komme, eine Einstellung des
Verfahrens ohne Auflagen aber auch nicht. Der die Anklage vertretende
Rechtsrefrendar bestand nach telefonischer Rücksprache mit seiner
Behörde zunächst auf einer formellen Entschuldigung der Angeklagten, was
sie und ihr Anwalt aber ablehnten…” Artikel von Reimar Paul vom 31.05.2018 beim ND online 
- Razzien nach dem G20-Gipfel: Einseitiger Ermittlungseifer
“Über hundert PolizistInnen waren im Einsatz, als am frühen
Dienstagmorgen im aargauischen Bremgarten eine Wohnung und das dortige
autonome Kulturzentrum durchsucht wurden. Mehrere Computer sollen dabei
beschlagnahmt worden sein. Die Aargauer Staatsanwaltschaft war damit
einem Ersuchen der Hamburger «Sonderkommission Schwarzer Block»
nachgekommen: Diese ermittelt gegen einen jungen Mann, der sich im
letzten Juli angeblich an G20-Krawallen beteiligt haben und sich dabei
des «schweren Landfriedensbruchs» und der «schweren Brandstiftung»
schuldig gemacht haben soll. Nach der Einvernahme durch die Aargauer
Staatsanwaltschaft und zwei Hamburger Polizeibeamte wurde er wieder
freigelassen. (…) Wer während der Gipfeltage im zur Festung ausgebauten
Hamburg den über 30 000 eingesetzten PolizeibeamtInnen gegenüberstand,
stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Ermittlungen in den eigenen
Reihen mit demselben Eifer vorangetrieben werden. Kaum eine
Demonstrantin, kaum ein Aktivist wurde nicht Ziel oder ZeugIn
polizeilicher Schikanen, die zuweilen weit über rüdes Schubsen und
verbale Beleidigungen hinausgingen. Gemäss Angaben des Hamburger
Parlaments von Anfang März wurden seit dem Gipfel denn auch 138
Verfahren gegen BeamtInnen eröffnet; zumeist wegen Körperverletzung,
aber auch wegen Freiheitsberaubung, Nötigung, sexueller Belästigung oder
Diebstahl. Zu Anklagen kam es bisher jedoch nicht. 33 Verfahren wurden
bereits eingestellt – meistens weil «Täterschaft, Tat oder Tatumstände
nicht nachweisbar» seien. Der damalige Hamburger SPD-Bürgermeister und
heutige Vizebundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits unmittelbar nach dem
Gipfel verlauten lassen: «Polizeigewalt hat es nicht gegeben.» Leider
fehlen bisher Anhaltspunkte dafür, dass diese Behauptung mit derselben
Gewissenhaftigkeit überprüft wird wie die Akten von Tausenden linken
AktivistInnen in ganz Europa.” Beitrag von Raphael Albisser bei der WOZ Nr. 22/2018 vom 31. Mai 2018 
- Nach G20-Krawallen: Razzien in vier europäischen Ländern
“Die Polizei hat am Morgen nach Informationen des NDR Wohnungen in
vier europäischen Ländern durchsucht. Hintergrund sind die Krawalle auf
der Hamburger Elbchaussee beim G20-Gipfel im vergangenen Juli. Bei ihrer
Suche nach Verdächtigen im Zusammenhang mit den schweren
G20-Ausschreitungen in Hamburg hat die Polizei nach Informationen des
NDR in vier europäischen Ländern Wohnungen und linke Szenetreffs
durchsucht. Mit der Maßnahme erhofft sich die Polizei vor allem neue
Erkenntnisse zu den Krawallen an der Elbchaussee. Dort hatte am frühen
Morgen des 7. Juli 2017 eine Gruppe von ca. 220 vermummten Personen
schwere Zerstörungen angerichtet. Grundlage für die Durchsuchungen ist
laut Soko-Leiter Jan Hieber die Auswertung von Videomaterial, das
mehrere Verdächtige mit den Ausschreitungen der Elbchaussee in
Verbindung bringt. Zudem ist es den Ermittlern nach eigener Aussage
gelungen, durch Auswertung von DNA-Spuren Tatverdächtigen ihre
Beteiligung an den Krawallen nachzuweisen. (…) Unterstützt wurden die
Zugriffe von der europäischen Behörde Eurojust in Den Haag. Im Laufe des
Tages will die Hamburger Polizei weitere Fotos von Tatverdächtigen der
Elbchaussee-Ausschreitungen präsentieren.” Beitrag vom 29. Mai 2018 bei tagesschau.de 
- [Protestbrief] Ihre rechtlich fragwürdige G20-Öffentlichkeitsfahndung
“Sehr geehrter für diese Aktion Verantwortlicher, auch wenn ich
nicht – oder vielleicht treffender – gerade weil ich beim G20-Gipfel
nicht in Hamburg war, fühle auch ich mich durch Ihre Foto-Aktion ganz
persönlich angegriffen. Wird es hier im Land zur polizeistaatlichen
Übung, dass man bei unerwünschter Demo-Teilnahme mit Polizeifotos
öffentlich ohne Nachweis als Straftäter gebrandmarkt wird? Richtig. Es
handelt sich um ein Ermittlungsverfahren, d.h. ob es sich bei den
Personen auf Fotos überhaupt um einen Straftäter handelt, muss
gerichtlich erst noch geklärt werden. Aber auf welcher Rechtsgrundlage
werden hier Menschen in Öffentlichkeit bereits als Straftäter
vorverurteilt? So habe ich mir die 22 Fotos unter der Überschrift:
“Straftaten im Bereich der Straße Rondenbarg am Morgen des 7. Juli 2017″
angeschaut (https://www.polizei.hamburg/g20-fahndungen/9921558/02-rondenbarg-a/
).
Und ich bin entsetzt! Obwohl von Straftaten die Rede ist, ist auf
keines der Fotos überhaupt der Ansatz einer Straftat zu sehen. Die
Abgebildeten vermitteln nicht einmal den Eindruck, dass sie überhaupt
demonstriert haben. Aus einige Fotos kann man evtl. herauslesen, dass
manche der Abgebildeten schnell gelaufen sind. Aber das war es dann
schon und es beweist, dass die Überschrift falsch und reine
Unterstellung ist: Die Fotos enthalten keine “Straftaten im Bereich der
Straße Rondenbarg”. Nicht einmal jemanden mit Vermummung ist zu sehen,
obwohl solche Angriffe auf das Persönlichkeitsrecht der Demonstranten
durch Polizeifoto sogar eher eine Vermummung mittlerweile naheliegt.
Offensichtlich missbraucht die Polizei das Vermummungsgebot für Angriffe
auf friedliche (Beweis: Fotos) Demonstranten. Dass überhaupt hier
entsprechend StPO ermittelt wird, diesen Beweis bleibt die Polizei nicht
nur schuldig, sondern sie beweist mit den Rondenbarg-Fotos sogar das
Gegenteil: Nur friedliche Menschen, die (vermutlich) am Morgen des 7.
Juli 2017 in der Straße Rondenbarg demonstriert haben (nicht mal das
beweisen die Fotos). Mir ist durchaus bekannt, dass da teilweise
versucht wird, jeden, der an der Demonstration am Rondenbarg teilnahm,
auch dann als Gewalttäter verurteilt werden soll, selbst wenn er
überhaupt gar keine Gewalt ausgeübt hat (anders wie der Polizist
übrigens, der auf einem Video einen bereits auf dem Pflaster liegenden
Demonstranten tritt). Diese fragwürdige Strategie gegen unerwünschte
Demonstranten findet für mich mit Ihrer Fotokampagne jedoch einen
Höhepunkt: Obwohl zu dieser versuchten Erweiterung des Gewaltbegriffs
auf Pazifisten noch gar kein endgültiges Urteil existiert, machen Sie
daraus bereits einen Angriff auf das Versammlungsrecht durch öffentliche
Vorverurteilung, in dem Sie nicht verurteilte Menschenr zu Straftätern
machen. Ich hoffe allerdings, dass dies auch rechtlich nicht einfach
hingenommen werden wird. Jemanden öffentlich Straftaten zu unterstellen,
die dann gar nicht bewiesen werden können, wäre üble Nachrede.
Rechtswidrig ist für mich bereits die Einschüchterung der
Öffentlichkeit, durch Fotos ohne Straftat (hier sogar ganz friedlicher
Menschen). Das Bundesverfassungsgericht hat Ihre Methode der
Einschüchterung bezüglich Wahrnehmung des Grundrecht aus Art. 8 GG,
bereits als verfassungswidrig bezeichnet. Beenden Sie deshalb diese
verfassungswidrige Foto-Aktion. In diesem Sinne MfG, Armin Kammrad” (17.5.2018)
- Verdeckter Polizeieinsatz bei G20: Undercover im Schwarzen Block
“Ein Polizist soll sich unter die „Welcome to Hell“-Demo gemischt
haben – vermummt. Doch Vermummung war der Grund, die Demo aufzulösen.
Stimmt es, ist es ein Skandal: Sächsische Zivilpolizist*innen sollen
undercover bei der G20-“Welcome to Hell“-Demonstration gewesen sein –
vermummt im schwarzen Block. Die autonome Großdemonstration am Vorabend
des G20-Gipfels in Hamburg war von der Polizei am Losgehen gehindert und
auseinander geschlagen worden, weil Teilnehmer*innen der Demo vermummt
gewesen waren. Die Aussage, unter den vermummten Demonstrant*innen seien
sächsische Polizist*innen gewesen, kommt von einem beteiligten Beamten
selbst: In einem Gerichtsprozess gegen einen G20-Gegner sagte er am
Dienstag als Zeuge aus. Der Anwalt des Angeklagten, Lino Peters,
schilderte der taz, er habe den Zeugen gefragt, wo dieser bei der
„Welcome to Hell“-Demo eingesetzt gewesen sei. „Als ziviler
Tatbeobachter, in der Demo-Gruppe drin, im Bereich der vermummten
Personen“, habe der Polizist geantwortet. „Und was hatten Sie an?“, habe
Peters gefragt. „Ein Tuch, das ich bis unter die Nase hochgezogen
hatte, und ansonsten dunkle Kleidung“, habe die Antwort gelautet. Der
Polizist habe außerdem erklärt, dass er und drei weitere Kollegen sich
extra umgezogen hatten – von bürgerlicher Kleidung zum Black-Block-Dress
wechselten – ehe sie sich vermummt in den schwarzen Block einreihten.
Genau diesen schnellen Kleidungswechsel hatten Polizei, Innenbehörde und
Staatsanwaltschaft im Nachgang des G20-Gipfels bei den
Demonstrant*innen kritisiert…” Artikel von Katharina Schipkowski vom 18.5.2018 in der taz online 
- Selbst die spanische Guardia Civil als Partner: Das BKA fahndet europaweit nach DemonstrantInnen
„Laut den Antworten des Bundesinnenministeriums auf eine
parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hat das deutsche
Bundeskriminalamt (BKA) bereits am 13. April eine Fahndungsliste mit 24
Verdächtigen an zahlreiche europäische Staaten übersandt. Das berichten
die Zeitungen die Funke Mediengruppe. Die Fahndungsliste soll
an 15 europäische Sicherheitsbehörden geschickt worden sein, darunter
etwa die „Guardia Civil Counter Terrorism Unit“ in Spanien, die „State
Security Division“ in Griechenland, sowie das „SO15 Counter Terrorism
Command“ in Großbritannien. Außerdem sollen weitere Sicherheitsbehörden
in Frankreich, Polen, Ungarn, Tschechien, den Niederlanden, Belgien,
Österreich, Schweden, Dänemark, Finnland, Italien und der Schweiz
einbezogen worden sein. Bei den Fahndungen soll es sich um Ermittlungen
wegen schweren Landfriedensbruchs, Brandstiftung und gefährlicher
Körperverletzung handeln. Nachdem es zunächst eine massiv umstrittene
Öffentlichkeitsfahndung von mehr als 100 Personen in Deutschland gegeben
habe, werde diese nun auf Europa ausgeweitet. Unter den mit Bildern
gesuchten Verdächtigen sollen sich auch zahlreiche Minderjährige
befinden“ – aus dem Bericht „Europaweite G20-Fahndung“ am 12. Mai 2018 bei Perspektive Online
,
worin auch noch darüber informiert wird, dass am Mittwoch, 16. Mai 2018
erste Ergebnisse der europaweiten Hetzjagd bekannt gegeben werden
sollen. Zur europaweiten Fahndung gegen Demonstrations-TeilnehmerInnen
ein weiterer aktueller Beitrag:
- „G-20-Fahndungsfieber“ von Claudia Wangerin am 14. Mai 2018 in der jungen welt
, worin unter anderem hervor gehoben wird: „Mehrere
Dutzend Tatverdächtige hatte die Polizei im Juli in Untersuchungshaft
genommen. Seither werten die Beamten ihre eigenen Videos von
Demonstrationen und Menschenansammlungen aus, aber auch Bilder von
Kameras in Bussen und Bahnhöfen. 5.000 bis 6.000 Personen sollen sich
laut Polizei an Gewaltaktionen beteiligt haben – und sei es nur in Form
von »psychologischer Unterstützung« als Teil einer größeren Gruppe, was
beispielsweise Fabio V. rund fünf Monate Untersuchungshaft einbrachte.
Der Prozess gegen den jungen Italiener platzte Anfang April und muss neu
aufgerollt werden. Die zuständige Sonderkommission »Schwarzer Block«
hat in den Monaten nach dem Gipfel insgesamt rund 3.000 Verfahren in die
Wege geleitet. Bis heute sollen 145 Beamte in der Einheit arbeiten. 41
Personen wurden bisher im Zusammenhang mit den Ausschreitungen
verurteilt“.
- Nach Hamburger G-20-Krawallen: Durchsuchungen in Berlins linksextremer Szene
“Weil die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung nach Gewalttätern des
G-20-Gipfels vornahm, „fahndeten“ Vertreter der linken Szene auch nach
Politikern und Polizisten. Nun der Gegenschlag – wegen Verleumdung. (…)
ist die Berliner Polizei mit einem größeren Aufgebot gegen Mitglieder
der linksextremistischen Szene vorgegangen. Es geht nach dem G-20-Gipfel
um den Vorwurf der Verleumdung von Hamburger Politikern und
Polizeiführern. Es gab fünf Durchsuchungen am Mittwochmorgen in
Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Die Polizei beschlagnahmte Datenträger wie Computer oder Telefone sowie
eine verbotene Waffe und illegale Böller…” Agenturmeldung vom 10.5.2018 bei der Welt online 
- Urteil zu U-Haft für Aktivisten: G20-Gegner bekommt Entschädigung
“Konstantin P. wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er sich
bei seiner Festnahme wehrte. Der Staat muss ihn nun für die U-Haft
entschädigen. Er ist der erste im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel
Angeklagte, dem eine staatliche Entschädigung zugesprochen wurde: Der
21-jährige G20-Gegner Konstantin P. wurde am Dienstag zu einer
Geldstrafe von 400 Euro verurteilt. Da er bereits vier Monate in
Untersuchungshaft saß, sprach ihm die Richterin einen finanziellen
Ausgleich von 2.600 Euro zu. Ob davon etwas übrig bleibt, nachdem P.
einen Teil der Verfahrenskosten tragen muss, ist allerdings unklar. Die
Anwält*innen kündigten zudem an, in Berufung zu gehen. P. war anfänglich
vorgeworfen worden, am 8. Juli zwei Glasflaschen auf Polizist*innen
geworfen zu haben. Nachdem die Hauptbelastungszeugen, vier Beamte einer
hessischen Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE), ihn aber weder auf Videos
identifizieren, noch den Tathergang schildern konnten, blieb nur der
Vorwurf bestehen, P. habe Widerstand bei seiner Festnahme geleistet: Als
die vier Polizisten den schmächtigen jungen Mann zu Boden gebracht
hatten, habe er mit den Beinen gestrampelt…” Artikel von Katharina Schipkowski vom 8.5.2018 bei der taz online 
- Medien und die G20-Straftäterverfolgung: Der Journalist, dein Freund und Helfer
“Bei der Verfolgung mutmaßlicher G20-Straftäter leisten einige
Hamburger Medien der Polizei gute Dienste und fungieren als willfährige
Hilfssheriffs. Die Zeugin fühlte sich nicht wohl. Sie sei, so ließ die
Polizeireporterin der Hamburger Morgenpost (MoPo), Anastasia I., ihren
Arzt dem Amtsgericht in Hamburg-Altona mitteilen, derzeit
„arbeitsunfähig“. Das hatte die seit Langem krankgeschriebene
Journalistin allerdings schon vor Wochen der Richterin mitgeteilt, ihre
Aussage aber trotzdem zugesagt. Erst nachdem ihre Vorgesetzten in der
Redaktion durch einen taz-Artikel davon Wind bekommen hatten, dass die
Reporterin und ihr Kollege Rüdiger G. sich als Zeugen im „G20-Prozess“
gegen Nico B. angedient hatten, zog die Journalistin es vor, sich hinter
ihrer Krankschreibung zu verstecken. Das war am vergangenen Mittwoch.
Dass die beiden KollegInnen sich ohne Absprache mit der Redaktionsspitze
aus eigenem Antrieb bei der Staatsanwaltschaft als Belastungszeugen
angeboten hatten, kam in der MoPo nicht gut an – verstößt es doch gegen
alle journalistischen Grundsätze und Gepflogenheiten. Vor Gericht haben
Journalisten ein umfangreiches Zeugnisverweigerungsrecht. Sie sollen
über Prozesse berichten, nicht aktiv in sie eingreifen.(…) Kein
Einzelfall: Seit dem G20-Gipfel im vergangenen Juli wurde in vielen
Hamburger Redaktionen der Grundsatz, dass Journalisten
Staatsanwaltschaft und Polizei kontrollieren, über Bord geworfen. Viele
Medien signalisieren den Strafverfolgungsbehörden stattdessen: der
Journalist, dein Freund und Helfer. Immer mehr Medienschaffende gefallen
sich darin, bei der Enttarnung mutmaßlicher G20-„Krawallmacher“
mitzumischen…” Beitrag von Marco Carini vom 3. Mai 2018 bei der taz online
- [Er will die Geschichtsschreibung nicht der Polizei
überlassen] Flora-Sprecher über G20-Demo: „Eine beachtliche
Kaltschnäuzigkeit“
Rote-Flora-Aktivist Andreas Blechschmidt im Gespräch mit Lena Kaiser und Katharina Schipkowski bei taz online vom 17. April 2018
. Frage: “Was
ist der Anlass, dass Sie sich ausgerechnet jetzt zu Wort zu melden?”.
Andreas Blechschmidt: “Das, was die Hamburger Polizei und Innenbehörde
in der letzten Sitzung des G20-Sonderausschuss zum Ablauf der „Welcome
to Hell“-Demo gesagt hat. Es gibt aus meiner Sicht die Notwendigkeit,
dieser polizeilichen Version, die ich für wahrheitswidrig halte, die
Wahrnehmung der Versammlungsleitung des Abends entgegenzusetzen. (…) Die
„Welcome to Hell“-Demonstration ist als eine organisierte und
angemeldete Gefahr für Sicherheit und Ordnung stigmatisiert worden. (…)
Wenn die Polizei behauptet, dass sie Hinweise gehabt hätte, dass es
Depots an der Strecke gäbe, dann wäre es aus ihrer Sicht zwingend
notwendig gewesen, die Route zu ändern – und zwar auch kurzfristig.
Ebenso bei der Behauptung, auf der Reeperbahn hätte es angeblich Gewalt
geben sollen. Das wäre fast schon eine Standardauflage gewesen. (…)
Konkret hat die Einsatzführung der Polizei zuletzt im Sonderausschuss
behauptet, es sei alternativlos gewesen, wegen Vermummung gegen die
Demonstration vorzugehen – mit Wasserwerfer, Pfefferspray und
Schlagstöcken. Das stellt die Abläufe auf den Kopf. Entscheidend ist,
dass die Versammlungsleitung angehalten ist, Vermummung zu unterbinden,
dass die Polizei aber ebenso angehalten ist, dieses Unterbinden zu
ermöglichen. (…) Es war nicht so, dass wir keinen Einfluss auf den
vermummten Block hatten und das polizeiliche Vorgehen deshalb notwendig
war. Die Polizei hat das gar nicht mehr zugelassen. Für die Aufarbeitung
des polizeilichen Agierens ist das von entscheidender Bedeutung, denn
die Polizei hat durch ihr Einschreiten völlig unnötig die Situation
eskaliert…”
- Kurioses G20-Verfahren: Wacklige Anklage
“Der G20-Gegner Konstantin P. soll Flaschen geworfen und sich gegen
seine Festnahme gewehrt haben. Doch dafür gibt es keine Belege. (…) Ein
halbes Jahr nach Beginn des Verfahrens im vergangenen Oktober und nach
mehr als ein Dutzend Prozesstagen ist von dem staatlich geschmiedeten
Konstrukt wenig übrig, der Haftbefehl gegen P. ist nach vier Monaten
Untersuchungshaft aufgehoben worden. Die Hauptanklagepunkte der
Flaschenwürfe sind nach Äußerungen von Amtsrichterin Katrin Fischer vom
Tisch. Zwar habe es diese Würfe nach der bisherigen Beweisaufnahme wohl
gegeben, bei der Verhaftung von Konstantin P. habe aber wegen der
Bekleidung eine Verwechselung vorgelegen, sodass er nicht der
Flaschenwerfer gewesen sein könne. Seit mehreren Wochen geht es im
Verfahren allein noch um die Frage, durfte oder konnte Konstantin P.,
daraus, dass er zu Unrecht von den Polizisten angegriffen wurde, das
Recht ableiten, sich gegen seine Festnahme zu wehren. Und konnte er das
überhaupt, als er am Boden von drei Polizisten fixiert worden war. (…)
Überhaupt sorgte das Verfahren gegen Konstantin P. von Anfang an für
rechtsstaatliche Kuriositäten. So stellte sich heraus, dass die
hessischen BFE-Beamten zur Vorbereitung ihrer Aussage vor Gericht einen
Ordner einsehen konnten, in dem alle Vernehmungsprotokolle der Kollegen,
Zeugenaussagen, Vorladungen und Anweisungen im Zusammenhang mit dem
G20-Einsatz gesammelt waren. Eine derartige Zeugenbeeinflussung
widerspricht den Grundsätzen der Strafprozessordnung…” Bericht von Kai von Appen vom 9. April 2018 bei der taz Hamburg online 
- Unbedingter Verfolgungswille. G-20-Prozesse: Gericht will
Verfahren gegen Fabio V. trotz fehlenden Tatvorwurfs fortführen.
Ermittlungen gegen Polizisten laufen schleppend
“Spielt Hamburgs Justiz im Verfahren gegen den Italiener Fabio V.
auf Zeit? Ende Februar war der am meisten beachtete G-20-Prozess vor dem
Amtsgericht Altona unterbrochen worden, offiziell mit Verweis auf eine
Erkrankung der schwangeren Richterin. In den Medien war spekuliert
worden, der Prozess müsse neu aufgerollt werden. Das ist aber nach wie
vor offen.Nach Informationen von junge Welt hat das Gericht Mitte März
einen Beschluss gefasst, mit dem die Frist, in der die Hauptverhandlung
fortgesetzt werden muss, »gehemmt« wird. Darin bezieht sich das
Amtsgericht auf den Paragraphen 229 der Strafprozessordnung (StPO) , der
die Höchstdauer der Unterbrechung einer Verhandlung regelt. Der Prozess
gegen Fabio darf danach höchstens für einen Monat unterbrochen werden.
Bei Krankheit des Angeklagten oder der Richterin kann diese Frist für
die Dauer der Verhinderung »gehemmt« werden, längstens für sechs Wochen.
Ist die Richterin also Anfang/Mitte Mai nicht wieder da, müsste das
Verfahren neu begonnen werden. Ein Knackpunkt dürfte sein, ob eine
Schwangerschaft im Sinne der StPO als Krankheit zu verstehen ist oder ob
die Richterin tatsächlich erkrankt ist. Um diese Frage zu klären, hat
Gabriele Heinecke, Anwältin von Fabio V., Akteneinsicht beantragt, wie
sie jW am Dienstag mitteilte. Dass die Staatsanwaltschaft die Anklage
»fallen lässt«, wie bereits spekuliert wurde, ist laut Heinecke in der
StPO nicht vorgesehen. (…) Bisher wurde mehr als 40 Gipfelgegnern der
Prozess gemacht. Sie erhielten zum Teil absurd hohe Strafen. So wurde
der Niederländer Peike S. für zwei Flaschenwürfe auf Polizisten zu 31
Monaten Haft verurteilt. Vor dem Landgericht läuft derzeit sein
Berufungsverfahren. Hamburgs Polizei führt nach Angaben des NDR vom 16.
März derzeit mehr als 3.300 Ermittlungsverfahren, 1.420 davon wurden
bereits an die Staatsanwalt weitergeleitet. Was die Übergriffe von
Polizeibeamten gegen Gipfelgegner angeht, ist man nachsichtiger. 138
Ermittlungsverfahren sind gegen Polizisten geführt worden, die meisten
wegen Körperverletzung. (…) ATTAC hat unterdessen beim Hamburger
Verwaltungsgericht Klagen gegen die Verbote von drei Aktionen des
globalisierungskritischen Netzwerks am 7. Juli 2017 eingereicht. Ziel
sei es dabei auch, die Rechtswidrigkeit der 38 Quadratkilometer großen
Versammlungsverbotszone während des Gipfels feststellen zu lassen,
teilte die Organisation am Dienstag mit...” Artikel von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 04.04.2018 
- [23.3.2018 in Berlin] “Jagdszenen aus Hamburg – der
G20-Gipfel und die Folgen”. Nun Nachbereitung, auch der (erneuten)
Intervention der GdP über den DGB
- ver.di-Medien-Galerie zu G20-Nachlese bis auf den letzten Platz besetzt
“Fast 90 Interessierte waren am Freitag, den 23. März, in die
ver.di-Medien-Galerie gekommen, um von der Hamburger Rechtsanwältin
Gabrielle Heinicke zu erfahren, welche Erfahrungen sie während des
G20-Gipfels mit polizeilicher Gewalt machen konnte, wie es um die
Beweisaufnahme von Rechtsbrüchen seitens der Demonstrierenden aussieht
und welche Ergebnisse zu Anzeigen der G20-Gegner/innen gegen
willkürliche Gewalt durch staatliche Sicherheitsorgane vorliegen. Mit
Unverständnis und Empörung reagierten die Anwesenden darauf, dass die
urspürünglich im IGM-Haus geplante Veranstaltung nach einer Intervention
des DGB abgesagt wurde. Bekanntlich hatte der ehemalige
Hamburger Bürgermeister und heutige Finanzmisters der SPD, Olaf Scholz,
nach Ende des G20-Gipfels öffentlich erklärt: „Polizeigewalt hat es
nicht gegeben“. Leider sieht die Realität anders aus. Dies jedenfalls
lässt sich klar aus den beiden Dokumenten entnehmen, die wir hiermit ins
Netz stellen: 1. Vortrag von Gabriele Heinicke in Berlin 2. Ergebnis
der G20-Demonstrationsbeobachtungen durch das „Komitee für Grundrechte
und Demokratie“...” Bericht der Veranstaltung von und beim Arbeitskreis Internationalismus in der IG Metall Berlin (AKI)
– der AKI vermeldete die Raumänderung vor der Veranstaltung mit der
Begründung “Nach Protesten des DGB und v.a. aus der GdP (Gewerkschaft
der Polizei) hat die Geschäftsführung der IG Metall Berlin uns
augefordert, die Veranstaltung abzusagen” und auch der RAV meldete am
23.3. per twitter: “Die Gewerkschaft der Polizei zeigt sich einmal
mehr autoritär, demokratiefeindlich und kritikunfähig. Aufgrund massiven
Drucks der GdP hat die IG Metall die Raumzusage für die
NoG20-Veranstaltung der VDJ zurückgezogen.” Uns liegt dazu ein – (noch) nicht verabschiedeter Resolutionsentwurf an den DGB Berlin
vor: Die Versammlungsfreiheit von Gewerkschafter*innen und gesellschaftlich Arbeitenden darf nicht angetastet werden!
- Und wir erinnern an das Dossier:
DGB-München verbietet Antifa-Kongress in ihren Räumen nach radikal
rechter Gegenkampagne – auch der Gewerkschaft der Polizei
- Veranstaltung des AKI – Arbeitskreis Internationalismus in der IG
Metall Berlin und unser “Untermieter” – mit Gabriele Heinecke,
Rechtsanwältin in Hamburg. Sie vertritt Angeklagte in den Prozessen. und
ist Mitglied im Bundesvorstand des Republikanischen Anwaltsvereins(RAV)
Während des G20-Gipfels war sie Pressesprecherin des Anwaltlichen
Notdienstes G20.
Achtung ! Neuer Ort und neue Anfangszeit !! Die
Veranstaltung findet nicht wie angekündigt im IG Metall-Haus statt,
sondern am Freitag den 23. März ab 19.00 Uhr in der Mediengalerie ,
Dudenstraße 10, 10965 Berlin-Kreuzberg (2 Minuten vom Platz der
Luftbrücke (U 6) entfernt). Siehe die Ankündigung 
- »Es könnte weitere Razzien geben«. Interview mit Kim König
von der Roten Hilfe Hamburg zur Repression nach dem G20-Gipfel in
Hamburg
“… Sicherlich wird es durch die Ermittlungen der Soko noch viele,
allerdings wesentlich kleinere Strafverfahren geben. Es besteht nach wie
vor ein sehr deutlicher Verfolgungs- und auch Verurteilungswille gegen
vermeintliche G20-Gewalttäter_innen. Außerdem wäre eine Soko, die so im
öffentlichen Interesse steht, kaum zu rechtfertigen, wenn sie keine
Ergebnisse liefern kann. Nach eigenen Angaben führt sie derzeit über
3.000 Ermittlungsverfahren. Nicht alle Ermittlungen führen auch zu
Prozessen, aber einige Hundert dürften es schon werden. Die Justiz in
Hamburg geht davon aus, dass die Serie der G20-Prozesse nicht vor Ende
2019 abgeschlossen wird. Was jetzt langsam zu Ende geht, sind die
Verfahren gegen die Leute, die seit G20 in der U-Haft saßen. Jetzt
kommen die Prozesse gegen Aktivisten, die nach G20 wieder nach Hause
gefahren sind. Es ist also noch längst nicht vorbei. Deshalb dürfen auch
die Aufmerksamkeit und die Solidarität der linken Szene nicht
nachlassen. (…) Hausdurchsuchungen im Rahmen laufender Ermittlungen
wirken ja immer in zwei Richtungen. Zum einen geht es darum,
Erkenntnisse im Sinne der Ermittlungen zu sammeln. Zum anderen geht es
aber auch darum, einzuschüchtern und Leute aus der Reserve zu locken.
Wobei das Sammeln von Beweismitteln aus unserer Sicht im Laufe der Zeit
immer weiter zurücktritt…” Interview von Gaston Kirsche vom 22.03.2018 beim ND online 
- [17.03.2018 in Hamburg] United we stand! Gemeinsam gegen Repression und autoritäre Formierung!
“Im
Sommer 2017 sind wir zu Tausenden international in Hamburg
zusammengekommen und haben gegen den G20 Gipfel demonstriert. Nicht die
offizielle Gipfelinszenierung, sondern die Proteste dagegen haben die
Bilder bestimmt. Unsere Vielfältigkeit und Entschlossenheit haben es im
Juli geschafft, die Propagandaveranstaltung nachhaltig zu behindern. Das
ist auch gelungen, weil unterschiedlichste Gruppen und Zusammenhänge
spektrenübergreifend ein gemeinsames Ziel verfolgt haben. Wir wollen
rund um den „Tag der politischen Gefangenen“ ein solidarisches Zeichen
gegen Repression setzen. Mit der Demonstration werden wir zeigen, dass
das staatliche Kalkül von Kriminalisierung, Einschüchterung und Spaltung
scheitern wird…” Aufruf von United we stand!
zur Antirepressionsdemo am 17.03.2018 um 14.00 Uhr, Gänsemarkt. Auf der
Aktionsseite auch weitere Aufrufe und alle Infos zum Ablauf
- Übergriffe bei G20: Polizei geht von 127 Prügel-Opfern aus
“Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen Polizisten im Zusammenhang
mit G20 ist seit Dezember 2017 von 115 auf 138 gestiegen. Eine Anklage
wurde jedoch noch nicht erhoben. Das geht aus einer Anfrage der Linken
an den Senat hervor. Den meisten der betroffenen Beamten wird
Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Das Dezernat Interne Ermittlungen
(DIE) bei der Polizei hat bislang Verfahren gegen 138 Kollegen
aufgenommen. 107 Beamten wird Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Das
DIE geht nach Sichtung der Hinweise aktuell von 127 mutmaßlichen Opfern
von Polizeigewalt aus, von denen allerdings 57 noch nicht identifiziert
wurden…” Artikel von Stephanie Lamprecht vom 10.03.18 bei der Morgenpost online 
- [Film] “Festival der Demokratie”: “Wenn man nicht
hingegangen wäre, wäre das eine Bankrotterklärung gewesen” Gespräch mit
den Filmemachern Lars Kollros und Alexandra Zaitseva
“Der Journalist Lars Kollros und die Künstlerin Alexandra Zaitseva
legen mit Festival der Demokratie einen Film vor, der die
Ausschreitungen rund um den Hamburger G20 Gipfel im Jahr 2017 in teils
dramatischen Aufnahmen bebildert und die juristischen und politischen
Folgen mittels Interviews aufarbeitet…” Interview von Frank Jödicke vom 06. März 2018 bei telepolis
und Infos zum Film 
- G20ApUA: Innenbehörde missachtet rechsstaatliche Grundrechte
“Der Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss G20 (G20ApUA)
kritisiert das Verhalten der Hamburger Innenbehörde. Diese hat dem vor
Gericht stehenden Konstantin P. während seines laufenden Verfahrens eine
Ausweisungsverfügung zugestellt – ohne das Urteil des Amtsgerichts
abzuwarten. Die Behörde fordert Konstantin P. auf, Deutschland umgehend
zu verlassen. Zudem soll es ihm für fünf Jahre verboten sein, nach
Deutschland und erweitert auch in den Schengenraum einzureisen. Dieses
Verhalten steht im Gegensatz zu den Prinzipien des Rechtsstaats. Der
Prozess wird morgen, am 2. März um 9 Uhr fortgesetzt. (…) Ob P.
freigesprochen oder für schuldig befunden wird, ist für die Behörde
nicht relevant, schließlich lasse alleine sein Verhalten „auf eine
gewaltorientierte politische Gesinnung schließen, bzw. auf eine
Gesinnung, die auch die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung
politischer Ziele einschließt und die Ausübung von Gewalt befürwortet.
Dies birgt auch für zukünftige politische Begebenheiten und
Veranstaltungen ein fortdauerndes Gefahrenpotenzial, das jedenfalls
nicht nach dem G20-Gipfel einfach entfallen sein wird, sondern auch im
Hinblick auf zukünftige andere vergleichbare politische Ereignisse,
Veranstaltungen oder sonstige Anlässe, die von einer politisch
motivierten gewaltbereiten Szene aufgegriffen und politisiert werden,
weiterhin gegenwärtig sein dürfte, und zwar für einen noch deutlich
langfristigen Zeitraum.“ Die Behörde bewertet eine von ihr erkannte
„Gesinnung“ höher als das abzuwartende Urteil eines Gerichts – in einem
Verfahren, in dem sich bislang bereits der Großteil der erhobenen
Vorwürfe nicht bestätigt hat. (…) Die Hamburger Innenbehörde macht damit
im Rahmen eines Gerichtsverfahrens Politik. Sie verurteilt und bestraft
jenseits der Strafgerichte vor, damit verlässt sie den Boden des
Rechtsstaats…” Pressemitteilung vom 1. März 2018 von und bei G20ApUA
– ein Zusammenschluss von Personen und Gruppen mit dem Interesse, die Vorgänge rund um den G20- Gipfel aufzuarbeiten
- G20 und kein Ende: Der Prozess gegen Fabio V. in Hamburg ist geplatzt, doch es gibt noch viele weitere G20-Verfahren
“In jedem der bisher abgeschlossenen Prozesse wegen der Proteste
gegen den G20-Gipfel kam es zu einer Verurteilung. Doch nun ist der
vielbeachtete Prozess gegen den jungen Italiener Fabio V. vorläufig
geplatzt. (…) Doch das Verfahren gegen Fabio V. ist nur eines von
vielen. »Es sind 43 Urteile und Strafbefehle ergangen. 26 Entscheidungen
sind rechtskräftig«, heißt es in der Antwort des Hamburger Senats auf
eine kleine Anfrage zu rechtskräftigen Urteilen gegen G20-Demonstranten
des Linkspartei-Abgeordneten in der Hamburgischen Bürgerschaft, Martin
Dolzer. Die Antwort ist auf dem Stand des 1. Februar. Seither endeten
vier weitere Prozesse ebenfalls mit Verurteilungen, zudem kam es
mittlerweile zu den ersten Urteilen in Berufungsverfahren in zweiter
Instanz, in denen erstinstanzliche Urteile abgemildert wurden… Der
rot-grüne Hamburger Senat beharrt darauf, dass es sich bei den
G20-Verfahren keineswegs um politische Prozesse handle, sondern
ausschließlich um die Ahndung von Straftaten. (…) Und weil es so gut
lief, plant Hamburgs Polizeiführung, nach weiteren rund 100 angeblichen
Delinquenten öffentlich zu fahnden. Hamburgs Innensenator Andy Grote
(SPD) erklärte die öffentliche Fahndung mit Porträtfotos zu einem Erfolg
– weil es gelungen sei, viele Tatverdächtige zu identifizieren. Auch
das Feindbild des umherreisenden militanten Autonomen aus dem Ausland,
das nach Polizeipressekonferenzen durch viele Medien geisterte, versucht
die Polizeiführung am Leben zu erhalten…” Artikel von Gaston Kirsche in der Jungle World vom 01.03.2018 
- Angriff auf die Versammlungsfreiheit: Der G20-Prozess gegen
Fabio V. zeigt, wie ein Grundrecht angegriffen wird. Das haben auch ein
Doktorand und ein Student erfahren
“… Polizei und Gerichtsbarkeit in Hamburg vertreten die Ansicht,
dass jener Protestzug vor dem G20-Gipfel keine Versammlung im Sinne des
Grundgesetzes war. Den Teilnehmern der Demonstration sprechen sie
politische Anliegen ab. Keine Demonstranten eben, sondern Kriminelle.
Kriminell ist demnach auch Simon Ernst, einer der mehr als 70
Beschuldigten, die auf derselben Demonstration wie Fabio V. waren. Auf
mehreren Polizeivideos ist der groß gewachsene Mann zu erkennen, wie er,
mit einer roten Jacke bekleidet, im Strahl eines Wasserwerfers steht
und eine Frau beschützt. Dem 32-jährigen Bonner politische Anliegen
abzusprechen, scheint vermessen. Seit mehr als 10 Jahren ist er in der
Gewerkschaft Verdi engagiert. Mehrfach meldete Ernst Demonstrationen
gegen Rechtsradikale an. Am frühen Morgen des 5. Dezember klopft es bei
ihm an der Wohnungstür. „Polizei! Machen Sie auf!“. Einen Augenblick
später tummeln sich zehn Beamte in seiner 2-Zimmer-Wohnung. Ein Polizist
bugsiert den splitternackten Promotionsstudenten auf das Wohnzimmersofa
und hält ihm einen Durchsuchungsbeschluss aus Hamburg unter die Nase,
Vorwurf „Landfriedensbruch“. (…) Ernst ist da einer von 22 Teilnehmern
der Demonstration am „Rondenbarg“, deren Wohnungen in einer bundesweiten
Razzia zeitgleich durchsucht werden. Die Beamten beschlagnahmen
Computer, Festplatten und USB-Sticks. Auf den Datenträgern befindet sich
die fast fertige Doktorarbeit von Simon Ernst. „Das ist meine
Arbeitsgrundlage, meine Lebensgrundlage“, sagt der Promovent fast drei
Monate später, entgeistert. Am 31.12.2017 war Abgabetermin. Den konnte
er nicht einhalten, weil die Datenträger in der Asservatenkammer der
Soko „Schwarzer Block“ liegen. Sie handelt von der Erdölindustrie in
Venezuela. Ob die Kenntnis des Inhalts helfen wird, den dringenden
Tatverdacht gegen Simon Ernst zu erhärten? Sein Doktorvater ist sauer.
„Sind Sie sich über die Konsequenzen im Klaren?“ schreibt Michael
Zeuske, Professor am Historischen Seminar der Universität zu Köln an die
Hamburger Staatsanwaltschaft. Wegen der Beschlagnahmung könne „Herr
Ernst sein Dissertationsvorhaben nicht wie geplant umsetzen. Die
fortdauernde Konfiszierung entzieht Herrn Ernst damit auch die
Möglichkeit seines angestrebten Berufsabschlusses.“…” Beitrag von Stefan Buchen vom 27. Februar 2018 bei taz online
- [Referat] Rechtsanwältin Gabriele Heinecke zu den G20-Prozessen: Gipfel der Grundrechtsverletzungen
“… Es gab viele Gründe, gegen die G20 und ihren Gipfel auf die
Straße zu gehen. Die 20 „wichtigsten Industrie- und Schwellenländer“
dieser Erde tragen Verantwortung für Hunger und Krankheit, für die
Zerstörung der Umwelt, der Infrastrukturen vieler Länder und (Bürger-)
Kriege. Die Intervention der reichen Länder führt in den ärmeren zu
Krisen und Massenflucht. Der Reichtum Weniger und die Armut Vieler sind
zwei Seiten einer Medaille. In der Woche des Gipfels haben mehr als
100.000 Menschen in Hamburg gegen diese Politik protestiert. (…) Wie aus
einer entfernten anderen Welt klingen die Worte des
Bundesverfassungsgerichts der 1980er Jahre, in denen das
Versammlungsrecht als Möglichkeit der freien, offenen, unreglementierten
Einflussnahme auf den ständigen Prozess der politischen Meinungsbildung
charakterisiert wird, die sich grundsätzlich staatsfrei vollziehen
können muss. Die Respektierung der Versammlungsfreiheit als ein Stück
„ursprünglich-ungebändigter unmittelbarer Demokratie, weil sie als ein
„politisches Frühwarnsystem“ notwendig ist, „Kurskorrekturen der
offiziellen Politik“ möglich zu machen („Brokdorf- Beschluss“ 1985).
Nach § 31 Bundesverfassungsgerichtsgesetz sind alle Gerichte und
Behörden an diese Entscheidung gebunden. Kann es diese Freiheit geben,
wenn man bei jedem zweiten Schritt über einen Polizeistiefel stolpert?
Wenn polizeiliche Beobachtungs- und Dokumentationstrupps alle 50 Meter
die Szenerie aufnehmen, ist das noch Demokratie? (…) Viel ist von
bürgerkriegsähnlichen Zuständen geschrieben worden. Die gab es in
Hamburg nicht. Im Schanzenviertel haben in der Nacht des 7. Juli keine
politisch denkenden Menschen gewütet, sondern die Dummheit. Von der
Politik und manchen Gazetten findet ein Missbrauch dieser Vorfälle
statt, um einen Teil der G20-Gegner zu diskreditieren. Was es gab, war
eine paramilitärisch auftretende Polizei, die für die Tage des Gipfels
im Stadtbild allgegenwärtig, beherrschend war. Was es gab, waren
vielfache, massive und rechtswidrige Angriffe der Polizei auf die
Grundrechte. Es gab die Demonstration eines totalen Staates im Gewande
der Legalität, der den Demonstranten gegenüber nicht als Bürgerinnen und
Bürgern, sondern als Feinde aufgetreten ist. Diese Entwicklung ist
besorgniserregend. Es blitzte – um Georg Benz auf dem Kongress „Notstand
der Demokratie“ im Jahre 1966 zu zitieren – „die Diktatur hinter der
Fassade formaler Demokratie“ hervor. Diese Entwicklung müssen wir
bekämpfen.” Auszüge
aus dem Referat von Gabriele Heinecke, der Anwältin von Fabio V., vom
31. Januar 2018 bei Jour Fixe – Gewerkschaftslinke Hamburg vom 23.
Februar 2018
, siehe dazu:
- Höchstrichterliche Strafgebühr wegen der Verteidigung von Grundrechten
“Ergänzend zu den Aussagen von Gabriele Heinecke möchte ich darauf
hinweisen, dass – anders als beim „Brokdorf- Beschluss“ 1985 – das
BVerfG sich Sommer 2017 gegenüber Gabriele Heinecke ziemlich skandalös
verhielt. So lehnte die 1. Kammer des Zweiten Senats des
Bundesverfassungsgerichts nicht nur den Eilantrag einer Beschwerde von
Gabriele Heinecke wegen der U-Haft von Fabio V. mit fragwürdigen
Argumenten am 23. August 2017 ab, weil sie angeblich den “Substantiierungsanforderungen nicht gerecht”
wurde (BVerfGE 2 BvR 1691/17). Die Kammer bestrafte Gabriele Heinecke
für diese Beschwerde am 27. September 2017 sogar noch mit einer
“Missbrauchsgebühr” von 600 Euro mit der Begründung: “Das Bundesverfassungsgericht muss es nicht hinnehmen, an der Erfüllung seiner Aufgaben durch erkennbar substanzlose [sic!] Verfassungsbeschwerden gehindert zu werden.” (vgl. BVerfG-Pressemitteilung Nr. 87/2017 vom 12. Oktober 2017
zu Beschluss 2 BvR 1691/17). Damit versagte die 1. Kammer nicht nur bei
der Grundrechtsverteidigung im Falle einer verfassungsrechtlich
fragwürdigen Untersuchungshaft. Sondern es bestraft eine Anwältin mit
600 Euro, weil sie ihre Rechtsstaatsgarantie aus dem Grundgesetz
wahrnimmt. Das stellt schon einen ziemlichen Tiefpunkt der
Rechtsprechung des BVerfG dar – auch wegen der Begründung: Denn
abweichend von den Erkenntnissen öffentlicher Medien, die – wie z.B.
Panorama am 4. August 2017 – auf dem Polizeivideo keinen “‘massiven’ Bewurf mit ‘Steinen’ und ‘Flaschen’, wie in dem Polizeibericht behauptet”, entdecken konnten, begründet die Kammer ihre Strafgebühr mit der Behauptung: “Dieses
Video lässt deutlich erkennen, dass aus der Menschenmenge auch mehrere
Steine in Richtung der eingesetzten Polizeibeamten geworfen worden sind” (BVerfG-PM Nr. 87/2017). Es kann es sich hierbei jedoch allein schon deshalb nicht um ein (missbräuchliches) Vorenthalten von “für die Entscheidung offensichtlich bedeutsamen Tatsachen”
durch Gabriele Heinecke handeln, weil diese nachweislich nicht von
Jedermann, sondern nur für die Richter der Kammer überhaupt erkennbar
sind. Es stellt sich eher die Frage, wie die Kammer zu ihrer, von der
Allgemeinheit völlig abweichenden Sichtweise des maßgeblichen
Polizeivideos überhaupt kommt (das Video ist übrigens immer noch
öffentlich zugänglich). Es gibt dort nämlich keine geworfenen Steine,
die man “ deutlich erkennen” könnte. Es ist skandalös, wenn
heute das BVerfG, statt das Versammlungsgrundrecht und den Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit zu verteidigen, nun sogar eine Anwältin bestraft,
weil sie gemäß der Verfassung die Grundrechte ihres Mandaten verteidigt.
Man kann nur hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht bei der
Verteidigung von Grundrechten gegenüber “polizeilichem Notstand”
anlässlich G20 (zur staatlichen Notstandslogik vgl. bereits Carl
Schmitt) nicht auch in Zukunft völlig versagt.” Kommentar von Armin
Kammrad vom 27.2.2018
- Prozess gegen G20-Gegner Fabio V. geplatzt / Interview mit Fabio V.
“Am Dienstag sollte eigentlich das Urteil im Verfahren gegen den
19-jährigen Italiener Fabio V. gesprochen werden. Aber nun hat sich die
Richterin, die der Jugendschöffengericht am Amtsgericht Hamburg-Altona
vorsitzt, krank gemeldet. Der letzte Verhandlungstag fällt aus. Das
erfuhr “Panorama” von den Verteidigern des Angeklagten. “Der Termin zur
Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 27. Februar 2018 (…) wird
aufgehoben. Grund: Erkrankung der Vorsitzenden,” heißt es in der
offiziellen Terminabsage des Amtsgerichts Altona (…) Weitere
Verhandlungstage sind nicht anberaumt. Die Richterin ist hochschwanger,
wie vergangene Woche bekannt wurde. Das bedeutet, dass das Gericht in
der bestehenden Besetzung den Prozess wohl nicht fortführen kann.
Theoretisch könnte das Verfahren unter dem Vorsitz eines anderen
Richters komplett neu aufgerollt werden...” Beitrag von Stefan Buchen vom 26.02.2018 beim NDR
, siehe u.a. Interview mit Fabio V.:
- NoG20: 1. Rondenbarg-Prozess gegen Fabio geplatzt!
“… Das erste und wegweisende Verfahren um den sogenannten
Rondenbarg-Komplex wird somit unterbrochen. Die Staatsanwaltschaft hat
scheinbar nicht damit gerechnet, dass Fabio und seine Verteidiger_innen
das gesamte Hirngespinnst des „vermummten Schwarzen Blocks“, der
geschlossen zu krassen Ausschreitungen morgens um 6 Uhr im ödesten
Industriegebiet verabredet war, um Polizeieinheiten – die erst später
dazu kamen – anzugreifen – selber oder in psychischer Beihilfe -, in
monatelanger Kleinarbeit zerlegen würden. Selbst das Konstrukt einer
geschlossenen Hooligan-Gruppe, die natürlich keine Demonstration
durchführen und einfach grundsätzlich schwere Landfriedensbrecher sind,
ließ sich dann doch nicht mal so eben als Trumpfkarte der Repression
ausspielen. Fabios entschlossenes Eintreten für seine politischen
Überzeugungen und sein Festhalten an der Notwendigkeit gegen den
gesamten G20 Humbug auf die Straße gegangen zu sein, haben unser aller
Respekt mehr als verdient…” Kommentar vom 27.2.2018 von und bei United We Stand
- Fabio V. über G20-Protest: „Es war das, was ich tun musste“
“… Frage: Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Jugendstrafe auf Bewährung.
Fabio V.: Wenn ich am Ende verurteilt werde, muss man sagen, dass das
Recht zu demonstrieren in Deutschland mit Füßen getreten wird.
Frage: Der Prozess ist jetzt geplatzt, wie geht es weiter?
Fabio V.: Es wird es wahrscheinlich einen neuen Prozess geben, alles
noch mal von null, mit einer anderen Richterin. Wir hören alle Zeugen
noch mal, sehen alle Videos noch mal. (…) Die Erfahrung, die ich gemacht
habe, hat mich in Entscheidungen bestärkt, die ich schon vorher
getroffen hatte. Die Welt, in der wir leben, ist sehr ungerecht. Wir
Linke kennen manchmal nicht die Lebensrealitäten derer, die wirklich
marginalisiert sind. Im Gefängnis habe ich die kennengelernt, die von
der kapitalistischen Gesellschaft vergessen werden. Das hat mir vor
Augen geführt, dass es eine Pflicht für uns alle ist, weiter dagegen auf
die Straße zu gehen…” Interview von Katharina Schipkowski vom 26.2.2018 bei der taz online
- G20: Angriff auf die Versammlungsfreiheit?
“Auf die Frage, wann Demonstranten zu Straftätern werden, haben
Polizei und Justiz in Hamburg eine einmütige Antwort: Auch wer
gewaltfrei an einem Protestmarsch teilnimmt, kann sein Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit schnell verwirken, wenn die gesamte Kundgebung zum
Zweck der Gewalt stattfindet. Es genügt demnach schon, an einem
Protestmarsch teilzunehmen, aus dem heraus einige wenige Personen
Gegenstände in Richtung herannahender Polizisten werfen. Dann hat man
die Gewalttäter durch seine bloße Anwesenheit “unterstützt” und macht
sich des schweren Landfriedensbruchs schuldig – Strafmaß: bis zu zehn
Jahre Haft. (…) Aber auch ohne Urteil im Fall Fabio ist der
“Rondenbarg-Komplex” keineswegs erledigt. Ob der Prozess vor einem
anderen Richter neu aufgerollt wird, ist unklar. Hinzu kommt: Mehr als
70 weitere Beschuldigte, die auch an der Demonstration teilgenommen
haben und deren Lage mit der von Fabio V. vergleichbar ist, warten auf
ihre Anklage. Das Führungspersonal der Hamburger Polizei hält sie alle
des Landfriedensbruchs für schuldig…” Beitrag von Stefan Buchen und Philipp Hennig vom 27.02.2018 beim NDR 
- [Video: G20 Doku] Aussage gegen Aussage
Eine Doku über die Rolle von Polizei und Politik beim G20 Gipfel in
Hamburg 2017, u.a. mit der Rechtsanwältin Ulrike Donat und der
Strafverteidigerin von Fabio V., Gabriele Heinecke, mit fast allen zur
rechtlichen Beurteilung des Vorgangs wichtigen Infos. Veröffentlicht von Anne Nüm am 16. Februar 2018 bei YouTube
(Videolänge: 28:34 Min.)
- Das Komitee für Grundrechte und Demokratie fordert
Freispruch für Fabio V. Rechtswidrige Auflösung der Versammlung durch
die Polizei am Rondenbarg. Lückenlose Aufklärung des Polizeieinsatzes
erforderlich
“Aus Sicht des Komitees für Grundrechte und Demokratie ist Fabio V.
von sämtlichen Vorwürfen, die gegen ihn wegen der Teilnahme an einem
G20-Protestzug verhandelt werden, freizusprechen. Der Prozess hat nach
mittlerweile 12 Verhandlungstagen keine Beweise für sein Wissen über
oder seine Billigung etwaiger Gewalttätigkeiten aus der Menschenmenge
heraus erbracht. Genau darauf gründet sich aber die Anklage, die ihm
durch vermeintliche psychische Beihilfe schweren Landfriedensbruch,
versuchte schwere Körperverletzung und tätliche Angriffe auf
Vollstreckungsbeamt*innen nachzuweisen sucht. Fabio V. wollte während
der Gipfelproteste sein in der europäischen Menschenrechtskonvention und
im Grundgesetz verbrieftes Recht auf freie Meinungsäußerung und
Versammlung wahrnehmen. Dafür darf er nicht bestraft werden. (…) Winkler
dazu: „Im Prozess kamen viele erschreckende Details über den
Polizeieinsatz ans Licht, dennoch sind wir meilenweit von einer
Aufklärung entfernt. Was machten zum Beispiel zeitgleich vier bis fünf
verschiedene Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten der Eingreifkräfte
vor Ort? Wie passt das Verhalten der Polizei zum angeblichen Befehl,
die Gruppe nur visuell aufzunehmen? Auch wenn man sich die Einsatzvideos
anschaut, die Schläge in Gesichter oder Tritte gegen am Boden Liegende
dokumentieren, kann von der behaupteten Verhältnismäßigkeit gar keine
Rede sein. Es scheint, als hätte es für die Polizei einen
Freifahrtschein für Gewaltanwendung und Prügelei gegeben. Es kann nicht
sein, dass über Tage hinweg Grundrechte missachtet wurden und die
Öffentlichkeit noch nicht einmal das Wort Polizeigewalt in den Mund
nehmen soll, geschweige denn eine auf Fakten basierende Nachbereitung
der Geschehnisse erfolgt…” Pressemitteilung vom 23. Februar 2018 von und bei Grundrechtekomitee 
- G20: Staatsanwaltschaft stellt weitere Verfahren ein
“Die bekanntesten Köpfe der linken Szene in Hamburg müssen nach dem
G20-Gipfel vorerst keine strafrechtlichen Konsequenzen mehr fürchten:
Die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren gegen den Rechtsanwalt Andreas
Beuth, Rote-Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt und Emily Laquer von der
Interventionistischen Linken (IL) sind eingestellt worden. Das
bestätigte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Montag auf Anfrage. Es
hätte sich jeweils kein hinreichender Tatverdacht für eine Anklage
wegen Aufrufs zu Straftaten oder der Billigung von Straftaten ergeben…” Artikel von Christoph Heinemann und Daniel Herder vom 12.02.18 beim Hamburger Abendblatt online 
- Rote Flora: Weitere Verfahren gegen bekannte G20-Kritiker eingestellt
“… Rund sieben Monate nach dem Hamburger G20-Gipfel hat die
Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen einen Anwalt eingestellt, der
das Autonomenzentrum Rote Flora öffentlich vertritt. Dies teilte die
Behörde am Montag mit. Dem Juristen Andreas Beuth war die öffentliche
Billigung von Straftaten vorgeworfen worden, nachdem er sich in einem
Fernsehinterviews zu den Krawallen geäußert hatte. Nach Angaben der
Staatsanwaltschaft war das Verfahren aber einzustellen. (…) Außerdem
stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Organisatoren
der »Welcome to Hell«-Demonstration am Vorabend des ersten Gipfeltags
ein. Diese kamen aus dem Umfeld der Roten Flora. Während und nach der
Demonstration gab es schwere Ausschreitungen. Allerdings stand auch die
Polizeiführung aufgrund ihrer repressiven Strategie schwer in der
Kritik. Es sei nicht nachweisbar, dass die Organisatoren durch
Handlungen oder Äußerungen »bei einem Dritten einen konkreten
Tatentschluss hervorgerufen hätten«, hieß es nun…” Beitrag bei neues Deutschland vom 12. Februar 2018 
- »Großübung in Aufstandsbekämpfung«. Gegen die Eroberung der
Deutungshoheit für die Proteste um den G-20-Gipfel hilft nur Aufklärung.
Ein Gespräch mit Elke Steven
“… In Hamburg war der Staat vorbereitet auf eine Großübung in
städtischer Aufstandsbekämpfung. Ich hatte den Eindruck, man wollte
ausprobieren, wie das Zusammenspiel von Polizeikräften funktionieren
kann und wie es gelingt, Protest so einzubinden, dass er nicht erkennbar
ist als das, was er sein wollte und war: ein legaler Protest gegen die
herrschenden Verhältnisse. In Hamburg hat sich die Polizei außerdem
extrem bemüht, die Deutungshoheit über die Ereignisse zu behalten und
ihre eigene Wahrnehmung zur Wahrheit zu machen. Sie ist auf dem Gebiet
der eigenen Öffentlichkeitsarbeit immer versierter geworden, was dem
Wahrheitsgehalt der Informationen nicht gedient hat. In den 1990er
Jahren bei den Castor-Transporten begann das bereits. Aber damals waren
es nur zwei, drei Leute von der Polizei, die die Medien mit
Informationen versorgten: Heute sind ein paar hundert Beamte für die
Öffentlichkeitsarbeit zuständig, geben Pressemitteilungen am laufenden
Band heraus und twittern unermüdlich.
Gibt es Lehren aus den Hamburger Ereignissen?
Es ist wichtig, den Zusammenhalt eher zu organisieren. Der
Öffentlichkeitsarbeit der Polizei muss eine eigene Öffentlichkeitsarbeit
entgegengesetzt werden.” Interview von Christa Schaffmann in der jungen Welt vom 13.02.2018 
- Bislang 43 Urteile [und kein Freispruch] wegen G20-Krawallen
“Nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg sind
in Strafverfahren gegen mutmaßliche Gewalttäter bis Ende Januar 43
Urteile und Strafbefehle ergangen. Wie aus einer Senatsantwort auf eine
Kleine Anfrage der Linksfraktion in der Bürgerschaft weiter hervorgeht,
sind 26 der Entscheidungen bereits rechtskräftig. (…)
Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich hatte im Januar dem Nachrichtenmagazin
“Der Spiegel” gesagt, er gehe davon aus, dass seine Behörde noch bis
Ende 2019 mit den G20-Verfahren beschäftigt sein werde. (…) Derzeit
laufen mehrere Strafprozesse parallel. Einen Freispruch hat es bislang
in keinem der Verfahren gegeben…” NDR-Beitrag vom 10.02.2018 
- Vor Gericht: G20-Prozess unter Polizeischutz
“Unter den Augen von Polizisten in Schutzkleidung ist der
Berufungsprozess gegen Peike S. (24) gestartet. Der junge Niederländer
war im August 2017 in einem bundesweit beachteten Prozess als erster
G20-Flaschenwerfer zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt
worden – ein überaus hartes Urteil für einen bisher unbestraften
Angeklagten, dem zwei Flaschenwürfe auf einen Polizeibeamten in
Schutzkleidung vorgeworfen werden. Zahlreiche Sympathisanten aus der
linken Szene sind gekommen, um den Prozess auch in der zweiten Instanz
zu verfolgen, darunter auch G20-Symbolfigur Fabio V., und viele junge
Niederländer. Vor dem Strafjustizgebäude sind ein Infostand, Plakate,
Musikboxen aufgebaut. Mehrfach muss der Prozess unterbrochen werden,
weil die Verteidigung Anträge gestellt hat. Die Anwälte nennen das
erstinstanzliche Urteil von Amtsrichter Johann Krieten eine „subjektive
Generalabrechnung mit den G20-Protesten”, versuchen vergeblich, die
Verlesung des Urteils zu verhindern. (…) Peike S. wird wie in der ersten
Instanz schweigen. Seine Verteidiger wollen einen Freispruch erreichen…” Bericht von Stephanie Lamprecht vom 09.02.18 bei der MoPo online 
- G20-Öffentlichkeitsfahndung wird auf das Ausland ausgeweitet
“… Trotz der starken Kritik an der Öffentlichkeitsfahndung nach
mutmaßlichen Beteiligten an den Krawallen beim Hamburger G20-Gipfel
wollen die Hamburger Ermittlungsbehörden sie auf andere Länder
ausweiten. »Wir arbeiten derzeit daran, mit entsprechendem Bildmaterial
auch im europäischen Ausland öffentlich zu fahnden«, sagte Innensenator
Andy Grote (SPD) dem »Hamburger Abendblatt«. Die Bilder sollen etwa in
Spanien und Italien verbreitet werden, da aus diesen Ländern besonders
viele militante Demonstranten zum G20-Gipfel angereist sein sollen. Mit
dem Schritt betrete man »Neuland«, sagte Grote. Die bisherige
Öffentlichkeitsfahndung in Deutschland sieht er als »erfolgreich« an.
»Es ist bereits gelungen, viele Täter zu identifizieren«, sagte Grote
der Zeitung. Nach Polizeiangaben sind bislang 23 Tatverdächtige
ausfindig gemacht worden, nach denen mit Fotos gefahndet wurde…” Beitrag von und bei neues Deutschland vom 2. Februar 2018 
- Don’t Try to Break Us – We’ll Explode. Der G20 2017 in Hamburg – umfassender Bericht und Analyse
“Der G20 Gipfel 2017 provozierte die bislang heftigsten
Auseinandersetzungen in Deutschland in diesem Jahrhundert. CrimethInc.
war vor Ort und hat kontinuierlich berichtet; seit dem haben sie die
Berichte aus Hamburg zusammengebracht und einen komplette Chronologie
und Analyse hergestellt. Herausgekommen ist eine epische Geschichte von
Staatsgewalt und breitem Widerstand dagegen, welcher auf diesem Level
bislang sowohl in den USA wie auch in Nordeuropa kaum beobachtet werden
konnte…” Broschüre (46 S.) von Crimethinc in der Kurzversion
und zum Download

- G20: Haftbefehl gegen Fabio V. aufgehoben
“Der Haftbefehl gegen den im Zusammenhang mit den
G20-Ausschreitungen angeklagten Italiener Fabio V. ist aufgehoben
worden. Das Amtsgericht Altona traf diesen Beschluss am Mittwoch, wie
ein Justizsprecher “Panorama” auf Anfrage bestätigte. Seit Ende November
war der Vollzug des Haftbefehls gegen den 19-Jährigen gegen harte
Auflagen ausgesetzt gewesen. Der Angeklagte aus Norditalien musste
10.000 Euro Kaution hinterlegen, in Hamburg eine Wohnung nehmen und sich
dreimal wöchentlich bei der Polizei melden. Diese Auflagen entfallen
nun. Die Kaution muss dem Angeklagten zurückgezahlt werden. Die
Hamburger Staatsanwaltschaft teilte Panorama auf Anfrage mit, dass sie
keine Rechtsmittel gegen die Aufhebung des Haftbefehls einlegen wolle…” Bericht von Stefan Buchen vom 28.01.18 beim NDR
- Die nächsten Prozesstermine im Verfahren gegen unseren
italienischen Genossen Fabio: Amtsgericht Altona, Max-Brauer-Allee 91.
am 01.2., 9 Uhr 13.2., 9 Uhr 20.2., 9 Uhr
- Diesen Mittwoch ab 18.30 im Curiohaus: Veranstaltung der
Gewerkschaftslinke Hamburg mit Fabio, seiner Mutter und seiner Anwältin:
Die Prozesse nach dem G20-Gipfel in Hamburg. Warum saß Fabio V. vier
Monate in Haft? Polizeistaat Hamburg. Oder: Das Fehlen politischer
Streiks. Siehe Infos bei der Gewerkschaftslinken Hamburg
- Aufruf zu Aktionstagen vom 28.1. – 4.2.2018: „Society has failed – Feuer und Flamme der Repression“
“Nach dem erfolgreichen Widerstand gegen die Politik des G20 im
Sommer rufen wir in der Woche vom 28.01. – 04.02.2018 zu Aktionstagen
auf. Wir waren mit vielen von euch während des G20 in Hamburg aktiv. An
diese Erfahrung wollen wir sichtbar an möglichst vielen Orten mit
unterschiedlichen Aktionen anknüpfen. Es ist bereits 2018 und noch immer
sitzen unsere Freund*innen und’Genoss*innen seit dem G20-Gipfel in
U-Haft. Noch immer wird ein Bild der gefährlichen Gewalttäter*innen
stilisiert. Die brutalen Polizeiübergriffe vor, während und nach dem G20
Gipfel sollen heruntergespielt oder vergessen werden…” Aufruf zu Aktionstagen bei der Roten Hilfe Berlin
und die Sonderseite dazu bei united we stand
- [Kundgebung am 3. Februar in Stuttgart] Nach den
G20-Protesten – Verfolgung, Einschüchterung, Strafverfahren –
Solidarität mit den Betroffenen!
“… Im Nachgang der Protest gegen den G20-Gipfel in Hamburg
sieht sich die Linke mit einer massiven Repressionswelle konfrontiert.
Jetzt gilt es zusammenzustehen, gegen die Etablierung von neue
Repressionsstandards, gegen den Versuch der Einschüchterung. Solidarität
mit den von der Repression Betroffenen! Wir lassen uns den legitimen
Protest gegen die Politik der G20 nicht verbieten! Kundgebung gegen
Repression am Samstag den 3. Februar um 16 Uhr vor dem Justizministerium
am Stuttgarter Schillerplatz…” Aufruf des Stuttgarter Solikreises “G20 Repression” vom 26. Januar 2018
- [Demonstration am 3. Februar in Flensburg] Gegen den Rechtsruck in Gesellschaft und Politik!
“2018 – der seit Jahren stattfindende Rechtsruck der Gesellschaft
hat einen neuen Höhepunkt erreicht. (…) Es kann nur eine
Selbstverständlichkeit sein, sich gegen diese menschenfeindliche Partei,
gegen den Rechtsruck und die nationalistische Formierung in der
Gesellschaft zu erheben. Rechtspopulist_innen dürfen in Flensburg, in
Schleswig-Holstein, in Deutschland und weltweit zu keiner Macht
gelangen. Nur durch einen Kampf gegen die Faschisten kann der Faschismus
verhindert werden. Dies muss unser aller Aufgabe sein. (…) Ein anderer
deutlich sichtbarer Ausdruck der autoritären Formierung der Gesellschaft
ist die Repression gegen die G20-Gegner_innen. (…) Staat und Medien
betreiben Menschenjagt und rufen zur öffentlichen Denunziation auf. (…)
Gemeinsam kämpfen wir für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung
und Unterdrückung, für eine klassenlose Gesellschaft ohne die
kapitalistische Verwertungslogik und für die Abschaffung des Staates und
seiner strukturellen Gewalt. Daher rufen wir euch alle zu einer
Demonstration gegen Faschismus, Rassismus, Kapitalismus und Militarismus
auf. Zeigen wir Haltung gegen eben jene Strömungen, die uns überwachen,
selektieren und vernichten wollen. Der Kapitalismus bietet keine
Lösung, der Kapitalismus ist das Problem. Gemeinsam – Solidarisch –
Widerständig – United We Stand!” Aufruf vom 14. Januar 2018 von und bei United We Stand
, die Demo findet am 3. Februar 2018 um 13 Uhr auf dem Bahnhofsplatz in Flensburg statt.
- G20ApUA: Aktenmanipulation und Zeugenabsprachen unter Berliner Polizeizeugen
“Der Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss G20
(G20ApUA) kritisiert das Urteil gegen Christian R. und weist auf die im
Prozessverlauf bekannt gewordenen Versuche der Aktenmanipulation und
Zeugenabsprachen hin. Während der Verhandlung kam es bei einem Beamten
zu Widersprüchen zwischen dessen mündlicher Aussage und seinem
Zeugenbericht in der Akte. Diese betrafen die Art der Verletzung eines
Polizeikollegen sowie das Verhalten des Beschuldigten. Bei der Befragung
durch die Verteidigung stellte sich heraus, dass der Polizist versucht
hatte, einen Bericht, der im Widerspruch zu dem seiner Kollegen stand,
heimlich gegen einen veränderten Bericht auszutauschen. Diesen Bericht
hatte er mit der Bemerkung „Jetzt sollte es passen…“ an die
Sonderkommission in Hamburg geschickt, wo der aufgrund eines Versehens
aber nicht in die Akte gelangt ist. Alle fünf Zeugen haben von einem
einzigen gemeinsamen Treffen kurz vor dem ersten Hauptverhandlungstermin
berichtet. Drei haben ausgesagt, dass die Zeugen bei diesem Treffen
ihre Erinnerungen an das Geschehen ausgetauscht und abgeglichen hätten
(…) Während der Hauptverhandlung wurde weiterer E-Mail-Verkehr zwischen
Soko und Polizeizeugen bekannt, der Hinweise auf die Bereitschaft zur
Manipulation der Akte gibt…” Beitrag vom 16. Januar 2018 vom und beim Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss G20 (G20ApUA) 
- Grundrechte verteidigen! Das Narrativ von den gewaltsamen
Ausschreitungen gegen G20 soll den systematischen Angriff auf das
Versammlungsrecht verschleiern.
“Am 11. Januar 2017 reichen vier Anwält*innen Klage gegen das
polizeiliche Vorgehen beim G20 in Hamburg ein. Damit wird ein wichtiger
Schritt in die Offensive gemacht. Den Protesten gegen die Politik der
G20, die Politiker*innen tagten am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg, ist
von Anfang an rechtswidrig begegnet worden. Noch immer bleiben viele
Vorgehensweisen und deren Hintergründe unaufgeklärt. Die Prozesse werden
hoffentlich ein wenig Licht in diese Dunkelheit bringen. (…) Die
Aufarbeitung der vielen Einzelheiten wird noch lange dauern und muss an
vielen Stellen fortgeführt werden. Die demokratische Öffentlichkeit muss
sensibel auf die vielen Verletzungen der Grundrechte und die
Verunglimpfung von linkem Protest reagieren. Der Angriff auf die
Freiheitsrechte erfolgt in kleinen Schritten und in den vielen
Erweiterungen der Befugnisse. Die Praxis geht immer noch darüber hinaus.
Wachsamkeit ist jetzt geboten, wenn es nicht eines Tages zu spät sein
soll.” Kommentar von Elke Steven vom 11. January 2018 beim Grundrechtekomitee
- Siehe dazu: Verfassungsbruch durch Hamburger Senat und Polizei beim G20-Gipfel
– O-Ton der Pressekonferenz von Republikanischen Anwältinnen- und
Anwälteverein, Komitee für Grundrechte und Demokratie sowie Attac
Deutschland am 11.01.2018 zum Thema „Verfassungsbruch durch Hamburger
Senat und Polizei beim G20-Gipfel“ beim Radio FSK, Hamburg
- G20: Dreieinhalb Jahre Haft für Flaschenwurf
“Das Hamburger Amtsgericht hat am Dienstag die bislang höchste
Strafe im Zusammenhang mit den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel
verhängt. Der Angeklagte muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Nach
Überzeugung des Schöffengerichts hatte der 28-Jährige in der Nacht nach
der “Welcome to Hell”-Demonstration am 6. Juli am Schulterblatt im
Hamburger Schanzenviertel eine Bierflasche gegriffen, den Boden
abgeschlagen und die Flasche auf Beamte geworfen. Ein Polizist wurde
getroffen und leicht an der Hand verletzt. Der Angeklagte habe sich
damit der gefährlichen Körperverletzung, eines tätlichen Angriffs auf
Vollstreckungsbeamte und des schweren Landfriedensbruchs schuldig
gemacht. (…) Da der 28-Jährige bereits einschlägig vorbestraft ist,
unter anderem saß er wegen Körperverletzung im Gefängnis, muss er nun
für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Mit dem Urteil ging das Gericht
noch deutlich über die Forderung der Staatsanwältin hinaus, die zwei
Jahre und zehn Monate Haft gefordert hatte. Verteidiger Matthias Wisbar
hatte auf Widersprüche in den Aussagen der vier Polizeizeugen und den
angeblichen Versuch einer Aktenfälschung hingewiesen. Er plädierte auf
Freispruch...” NDR-Meldung und Video vom 09.01.2018 
- Gefängnis für Flaschenwürfe – G20-Urteil ist rechtsstaatswidrig und politisch begründet
“Das Urteil schockierte. Es löste Protest und eine bundesweite
Diskussion aus. Wut auf der einen Seite, Genugtuung auf der anderen: In
einem sogenannten G20-Prozess verurteilte das Amtsgericht Hamburg einen
21 Jahre alten mutmaßlichen Flaschenwerfer zu zwei Jahren und sieben
Monaten Gefängnis. Bewährung ist schon wegen der Höhe der Strafe
ausgeschlossen. Was nun erneut schockiert, sind die Gründe, die das
Gericht zum Urteil vom 28. August verfasst hat: Es bemisst die Strafe
ausdrücklich politisch. Der Richter zieht strafschärfend heran, dass der
Gesetzgeber rohes Verhalten gegen Polizisten härter bestrafen wolle.
Dieser Punkt ist aber schon in der Spanne zwischen Mindest- und
Höchststrafe enthalten. Er fließt doppelt in das Urteil ein. Das ist
rechtswidrig. Und es ist nicht das Einzige, das an dieser Entscheidung
falsch ist…” Artikel von Dirk Lotze und Rechtsanwältin Andrea Groß-Bölting vom 08. Januar 2018 bei telepolis 
- Polizeieinsatz vor Gericht? Wegen des brutalen G20-Einsatzes
haben einige Aktivisten die Stadt verklagt. Sie wollen ein Gegengewicht
in der Debatte schaffen.
“Mehrere Demonstrant*innen, die bei den G20-Protesten dabei waren,
wollen die Stadt Hamburg wegen des brutalen Polizeieinsatzes verklagen.
Konkret geht es um die beiden Einsätze an den Protestcamps sowie ein
Aufeinandertreffen von Polizei und Demonstrant*innen am 7. Juli in der
Nähe der Außenalster. Dort hatten einige Demonstrant*innen versucht,
in die Innenstadt zu gelangen, die zur Demo-Verbotszone erklärt worden
war. Dabei habe es eine regelrechte Jagd der Polizei auf
Demonstrant*innen gegeben, sagt der Rechtsanwalt Dieter Magsam, der drei
der Kläger*innen vertritt. Polizist*innen seien aus ihren Autos
gesprungen und hätten die Demo auseinandergeprügelt. Bei Youtube gibt es
mehrere Videos von der Szene. (…) „Wir wollen nicht über die
individuellen Entgleisungen einzelner Polizisten reden, sondern über die
Strategie dahinter“, sagt Magsam…” Artikel von Katharina Schipkowski vom 4.1.2018 bei der taz online 
- G20: Gewaltverhältnisse vor Gericht – Zwischenbericht zum Prozess gegen Fabio V.
“… Sechs Monate nach dem G20-Gipfel und zweieinhalb Monate nach
Prozessbeginn ist also vieles noch ungeklärt. Zeugenaussagen,
Polizeiberichte und Videoaufnahmen widersprechen sich in wichtigen
Details. Mindestens die Aussagen des Zeugen der Blumberger Einheit sind
extrem zweifelhaft. Bei anderen Aussagen steht zumindest die
unausgesprochene Vermutung polizeilicher Absprachen im Raum. Aufklärung
versprechende Dokumente wurden von der Sonderkommission bisher nicht
freigegeben. Weitere wesentliche Fragen wurden noch gar nicht behandelt –
zum Beispiel, ob der Demonstrationszug von Artikel 8 des Grundgesetzes
als Versammlung geschützt war oder warum die Polizeieinheiten zunächst
die Fliehenden verfolgten, bevor sie begannen, sich um die
Schwerverletzten zu kümmern, die unter dem abgebrochenen Geländer lagen.
(…) Am 3. Januar 2018 wird der Prozess fortgeführt. Mindestens vier
weitere Zeugen sollen noch gehört werden, aktuell sind weitere fünf
Verhandlungstermine bis zum 20. Februar 2018 angesetzt. Das Komitee für
Grundrechte und Demokratie wird auch an den kommenden Prozesstagen im
Gerichtssaal anwesend sein, denn schon der aktuelle Zwischenstand aus
der Prozessbeobachtung macht deutlich, dass es sich hier um einen
Prozess handelt, der politischer und öffentlicher Aufmerksamkeit bedarf.
Denn hier wird mehr als ein möglicherweise individuell nachweisbarer
Straftatbestand verhandelt. Und es bleibt zu befürchten, dass Fabio V.
allein wegen der Bedeutung seines Prozesses für die öffentliche (und
politische) Geschichtsschreibung verurteilt wird. Zudem könnten sich für
das Grundrecht der Versammlungsfreiheit ganz grundlegende
Zukunftsfragen ergeben, sollte das Amtsgericht der durch das
Oberlandesgericht vorgegebenen Argumentation folgen.” Zwischenbericht von Michèle Winkler vom 2. Januar 2018 beim Grundrechtekomitee
(die Quellennachweise befinden sich in der verlinkten PDF-Version des Zwischenberichts)
- Datenweitergabe von Medien an die Polizei: Deutsche
Journalistinnen- und Journalisten-Union unterstützt Radio Dreyeckland
gegen Polizei Hamburg
“Die Hamburger Polizei sorgte diese Woche mit der öffentlichen
Massenfahndung nach mutmaßlichen StraftäterInnen bei den G20 Protesten
für einigen Wirbel: Monitor Chefredaktuer Georg Restle äußerte dazu:
“Rechtsbrüche von Demonstranten rechtfertigen keinen Rechtsbruch der
Strafverfolger. Öffentliche Massenfahndung nimmt contra legem auch
Unbeschuldigte ins Visier.” Zuvor hatte die Hamburger Polizei, wie wir
berichtet haben, nicht nur grundgesetzwidrig zahlreiche Medien gebeten,
Rohmaterial für polizeiliche Ermittlungen zu Verfügung zu stellen,
sondern auch Radio Dreyeckland kontaktiert, um Daten von Freien
Journalisten zu erhalten. Wir weisen dieses Ansinnen der Hamburger
Polizei entschieden zurück. Wie aus folgendem Interviewabschnitt mit
Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und
Journalisten-Union (dju) in ver.di hervorgeht, hat Radio Dreyeckland
dabei auch die Unterstützung der dju” Interview vom 20. Dezember 2017 von und bei Radio Dreyeckland 
- G20ApUA: Polizeibeamte sprechen Gerichtsaussagen untereinander ab
“Der Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss G20 bringt der
Öffentlichkeit Folgendes zur Kenntnis: Beim G20-Gipfel in Hamburg
eingesetzte Polizeibeamt*innen werden von ihren Dienststellen dabei
unterstützt, ihre Aussagen vor Gericht untereinander abzugleichen. In
zumindest einer Dienststelle einer Beweissicherungs- und
Festnahme-Einheit (BFE-Einheit) existieren Aktenordner, in denen die
Vernehmungsprotokolle von vor Gericht geladenen Beamten gesammelt und
anderen vorgeladenen Beamten zugänglich gemacht werden. Das bedeutet:
Ein Beamter, der zu einer Aussage vor Gericht geladen wird, weiß um die
vorhergehenden Aussagen seiner Kollegen – eine unabhängige, der
Wahrheitsfindung dienende Befragung ist also nicht möglich und wird
aktiv verhindert. In einem Fall hat ein Beamter sogar privat einen
Ordner mit Aussagen angelegt. Das LKA Hamburg hat den Beamten sogar
deren Vernehmungsprotokolle ausgehändigt. All dies ist im höchsten Maße
rechtswidrig…” Meldung vom 19.12.2017 von und bei G20ApUA
(Außerparlamentarischer Untersuchungsausschuss G20: “ein
Zusammenschluss von Personen und Gruppen mit dem Interesse, die
Vorgänge rund um den G20- Gipfel aufzuarbeiten. Da von offizieller
Seite keine Aufklärung zu erwarten ist, werden wir das selbst in die
Hand nehmen”)
- [Ab 18.12.] G20: Polizei will erstmals mit Fotos fahnden
“Mehr als fünf Monate nach den schweren Ausschreitungen während des
G20-Gipfels startet die Hamburger Polizei am Montag die größte
Öffentlichkeitsfahndung seit Jahren: Die Ermittler werden mehr als 100
Fotos und Videosequenzen von mutmaßlichen Gewalttätern veröffentlichen,
die bisher nicht identifiziert werden konnten. Für die Fahndung hatte
die Sonderkommission “Schwarzer Block” riesige Mengen von Bild- und
Videodateien gesichtet. Dabei wurden auch Aufnahmen von Privat-Handys,
Journalisten und Überwachungskameras in Bussen und Bahnen ausgewertet.
(…) Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft will am Montag um 11 Uhr im
Polizeipräsidium das Vorgehen erläutern, damit Bürger bei der
Identifizierung der Verdächtigen helfen können. Die Polizei will auch
über Facebook und Twitter nach den G20-Randalierern fahnden. Wer
Hinweise geben will, kann dies auch anonym tun. Eine Telefon-Hotline
wird ebenfalls eingerichtet…” NDR-Beitrag vom 16.12.2017
– auch eine Gesichtserkennungssoftware soll zum Einsatz kommen… Also
auf zur Hetze und Denuziantentum, was ist schon das Recht am eigenen
Bild, scheiss auf Unschuldsvermutung! Zu Recht ruft United We Stand für
den Zeitpunkt der Pressekonferenz am Mo 18.12., 10 Uhr zu einer
Kundgebung vor dem Polizeigebäude auf. Siehe dazu:
- Ermittlungen: G 20 ist keine Lizenz zum Rechtsbruch
“Die Ermittler haben zur Fahndung nach G-20-Chaoten 100
Fotos und Videos ins Netz gestellt. Dieser Internet-Pranger ist
gesetzeswidrig. (…) Die Ermittler haben zur Fahndung nach sogenannten
G-20-Chaoten 100 Fotos und Videosequenzen ins Netz gestellt. Das ist
eine gigantische Öffentlichkeitsfahndung, ein Massenscreening, eine
Aufforderung zur öffentlichen Rasterfahndung. Diese Präsentation von
echten oder angeblichen Beschuldigten hat mit Steckbriefen nichts mehr
zu tun. Es handelt sich um die umfassende Aufforderung an die
Bevölkerung, Hilfssheriff zur spielen. Es handelt sich um die
Aufforderung, eine Vielzahl von Menschen zu jagen, deren Tat oder
Tatbeitrag völlig ungeklärt ist. Diese Art von Fahndung geht über das,
was der Paragraf 131b Strafprozessordnung erlaubt, weit hinaus. Die
Ermittler dehnen den Paragrafen bis zur Unkenntlichkeit aus. Sie
unterscheiden nicht zwischen Beschuldigten und Nichtbeschuldigten, sie
machen alle abgebildeten Personen zu Beschuldigten…” Kommentar von Heribert Prantl vom 18. Dezember 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online 
- Hamburg: Terroristen-Jagd wie in den 1970ern?
“Um die Bevölkerung in die Aufklärung der Vorkommnisse rund um den
G20-Gipfel Anfang Juli 2017 mit einbeziehen zu können, präsentiert die
Polizei mehr als 100 Fotos und Videosequenzen…” Kommentar von Birgit Gärtner vom 18. Dezember 2017 bei telepolis
- Rigaer94: Aufruf zum Widerstand und Veröffentlichung von Fahndungsbildern von Polizist_innen
“Der Polizeistaat entfesselt seine Möglichkeiten: Montag früh werden
voraussichtlich 100 Gesichter von Menschen veröffentlicht, die im Juli
an den Geschehnissen von Hamburg beteiligt waren. Die staatliche
Kampagne hat den Deckmantel der Strafverfolgung vollständig abgeworfen
und lanciert eine Hetze, die jeglichen Widerstand brechen soll.
Schweigen wir nicht zu den Ereignissen, diesem Generalangriff auf das
letzte Soziale und Widerständige. Die Gesellschaft der Denunzianten und
Mörder und den Faschismus auf den Scheiterhaufen zu tragen, ist eine
nicht erledigte Aufgabe…” Aufruf vom 17.12.2017 von und bei Rigaer94
- Keine Beteiligung an Denunziation und der groß inszenierten Menschenjagd!
“Bereits die letzte Pressekonferenz zu bundesweiten
Hausdurchsuchungen bei Betroffenen, die im Rondenbarg von der Polizei
festgestellt worden waren, war eine einzige PR-Show. Sie diente dazu,
die Deutungshoheit über die Ereignisse zu gewinnen und ist Blendwerk, um
von dem brutalen eigenen Vorgehen mit 14 Schwerverletzten abzulenken.
Es geht um den Rettungsversuch der Polizei am Rondenbarg nicht als
brutal und in geschlossener Formation agierende gewalttätige Horde in
dem Verfahren gegen Fabio dazustehen. Denn dort zeichnet sich immer
deutlicher ab, dass es keinerlei Anlass gab die Demo anzugreifen, noch
dazu ohne jegliche Ankündigung. Aus Sicht der Polizei und der
Staatsanwaltschaft naht dort ein absolut peinlicher Gesichtsverlust.
Jetzt sollen Medienvertreter*innen in der bislang größten öffentlichen
Fahndungsaktion „in 100 Fällen“ polizeiliche Aufgaben übernehmen und als
willige Hilfspolizei dienen. (…) Zu guter Letzt an Alle – auch
Journalist*innen, die meinen im veröffentlichten Bildmaterial abgebildet
zu sein: Bewahrt Ruhe, handelt nicht voreilig und nehmt im Zweifel
Kontakt zu örtlichen Antirepressionsstrukturen oder Rechtsanwält*innen
auf…” Aufruf vom 17. Dezember 2017 von und bei United we stand
- G20-Ermittlungsverfahren: Noch keine Anklage gegen Polizeibeamt*innen
“Die Hamburger Morgenpost berichtet über eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Christiane Schneider der Partei Die Linke in
der Hamburger Bürgerschaft. Danach werden durch das Hamburger Dezernat
für interne Ermittlungen (DIE) mittlerweile 115 Strafverfahren gegen
Beamte geführt, die während des G20-Gipfels in Hamburg im Einsatz waren.
Während es in Vefahren gegen Teilnehmer*innen der Proteste gegen den
G20-Gipfel bereits zu diversen Anklagen und Verurteilungen mit
außerordentlich hohen Freiheitsstrafen kam, ist bis jetzt noch gegen
kein*e Polizeibeamt*in öffentliche Klage durch die zuständige
Staatsanwaltschaft erhoben worden. Es steht zu befürchten, dass dies
auch daran liegt, dass viele der eingesetzten Polizeibeamt*innen nicht
gekennzeichnet waren. Sollten aus diesem Grund am Ende viele, wenn nicht
sogar alle Verfahren gegen Polizeibeamt*innen eingestellt werden, so
würde dies das Vertrauen in den Rechtsstaat massiv beschädigen. Daher
fordern wir auch weiterhin, dass alle Bundesländer in Deutschland die Kennzeichnungspflicht einführen.” Pressemitteilung von und bei Amnesty International vom 16. Dezember 2017 
- Bundesweite Großrazzia gegen G-20-Aktivisten: Polizei durchsucht 24 Wohnungen und linke Stadtteilzentren
“Rund fünf Monate nach den Protesten gegen den G-20-Gipfel in
Hamburg hat es am Dienstag morgen bundesweite Razzien gegen linke
Aktivisten gegeben. Seit sechs Uhr wurden Wohnungen und Objekte in
mehreren Bundesländern durchsucht, wie die Hamburger Polizei mitteilte.
Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) habe die Polizei
konkrete Anhaltspunkte, dass die Auseinandersetzungen mit der Polizei
vom Juli von »Linksautonomen« teilweise gezielt geplant und organisiert
wurden. Nach NDR-Informationen durchsuchte die Polizei seit dem Morgen
insgesamt 24 Objekte in acht Bundesländern, darunter private Wohnungen
und linke Stadtteilzentren unter anderem in Göttingen und Stuttgart.
Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt gab es auch Razzien in Köln,
Bonn und Stuttgart. In Hamburg durchsuchten Beamte demnach die Wohnung
eines mutmaßlichen Mitglieds der Gruppe »Roter Aufbau Hamburg«….” Agenturmeldung vom 05.12.2017 in der jungen Welt online
- Polizei-Zugriff bei Demonstration: 27-Jähriger stellt
Anzeige wegen Körperverletzung gegen Beamte – Anwalt macht auch ein
Video öffentlich
“Die Demonstration gegen die Razzia nach dem G20-Gipfel hat ein
juristisches Nachspiel: Ein Mann, der kurz festgenommen worden war, hat
Strafanzeige erstattet. Außerdem gibt es ein Video, dass den
umstrittenen Vorfall bei der Demo zeigt. Das berichtet der Göttinger
Rechtsanwalt Sven Adam, der den Betroffenen vertritt. Laut Adam zeigt
das Video, wie der „friedliche 27-jährige Göttinger“ mehrfach geschlagen
wird und nach einem direkten Kopftreffer zu Boden geht. „Das Video
zeigt weiter, wie der junge Mann am Boden liegend und um Atem ringend
von den Beamten durch ein Knie im Genick fixiert wird und von anderen
Beamten derart abgeschirmt wird, dass niemand Hilfe leisten kann“, so
Adam. Aus Sicht des Rechtsanwalts spricht das Video für sich. „Es wurde
nun Strafanzeige wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung im Amt
erstattet und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Göttingen gerichtet
auf Feststellung der Rechtswidrigkeit dieser enthemmten Gewalt erhoben“,
sagt Rechtsanwalt Sven Adam zu den juristischen Maßnahmen. Gegen den
27-Jährigen wird laut einer Pressemitteilung der Polizei wegen Verdachts
des Landfriedensbruches, des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte
und versuchte Körperverletzung ermittelt. Adam: „Auf dem Video ist viel
zu sehen. Eine Straftat des Verletzten nicht…” Artikel von Bernd Schlegel vom 13.12.17 bei HNA online
und das Video bei youtube
samt der Pressemitteilung des Anwalts
- [Interview mit RA Gabriele Heinecke] »Razzien rechtlich unzulässig«
“G-20-Durchsuchungen: Die BRD ist zum Polizeistaat geworden. Jeder,
der zu einer Demonstration geht, soll fürchten, ins Fadenkreuz zu
geraten. Ein Gespräch mit Gabriele Heinecke
(…) Mit Erstaunen habe ich Dienstag mittag gehört, die Razzia sei
geführt worden, um Hintergründe und Strukturen offenzulegen.
Hausdurchsuchungen dienen aber dem Zweck, Beweismittel aufzufinden. Die
Razzia ist damit nicht ein Akt der Strafverfolgung, sondern der
Ausforschung gegen Personen mit vermuteter linker Gesinnung gewesen. Das
halte ich rechtlich für unzulässig. (…) In dem Panorama-Beitrag haben
die Verdi-Mitglieder deutlich gemacht, dass es sich am 7. Juli am
Rondenbarg um eine Demonstration handelte, die es in ihrer Mehrheit
ablehnte, dass einzelne Gegenstände warfen. Es ist sogar geschildert
worden, dass aus dem Demonstrationszug aufgefordert wurde, das zu
lassen, weil es das politische Ziel gab, an den Blockadeaktionen in der
Innenstadt teilzunehmen. Es ist sehr merkwürdig, dass wenige Tage nach
der Ausstrahlung dieser Sendung unter anderem bei diesen Personen
durchsucht wurde. (…) Der Ausgang des Verfahrens gegen Fabio V. ist
sicherlich schon deshalb von Bedeutung, weil die Staatsanwaltschaft ihm
keine konkreten Handlungen vorwirft und es lediglich um die Anwesenheit
am Rondenbarg geht. Es wird damit die niedrigstschwellige Form einer
Beteiligung verfolgt. Soweit ich weiß, gibt es bisher keine weiteren
Anklagen bezüglich des Rondenbargs. Sollte es bei Fabio V. zu einer
Verurteilung kommen, sind weitere Verfahren zu erwarten. Wenn er
freigesprochen wird, wird sich die Staatsanwaltschaft das hoffentlich
noch einmal überlegen…” Interview von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 08.12.2017 
- Frontalangriff auf die Versammlungsfreiheit
“Am Dienstag, dem 5. Dezember 2017, hat die Polizei in den
frühen Morgenstunden auf der Grundlage von 25 Durchsuchungsbeschlüssen
23 Wohnungen in acht Bundesländern durchsucht. Die Durchsuchungen stehen
im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Politik der G20. (…) Allein
die Anwesenheit bei einer Versammlung, von der die Polizei behauptet,
dort wäre hohe Gewaltbereitschaft festzustellen gewesen, soll strafbar
sein. Das ist der Versuch, den Brokdorf-Beschluss außer Kraft zu setzen.
Das Bundesverfassungsgericht hat 1985 erstmals die fundamentale
Bedeutung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit für die Demokratie
hervorgehoben (…) Bei den Hausdurchsuchungen sind vor allem Computer,
Laptops, Handys und weitere Speichermedien beschlagnahmt worden. Es geht
darum, die Szene auszuspionieren, Daten zu sammeln und Zusammenhänge
für die Polizei sichtbar zu machen. Es geht sicherlich auch um
Einschüchterung und Abschreckung von der Teilnahme an Versammlungen. Und
vielleicht geht es darum, wenigstens Bestrafung mit polizeilichen
Mitteln durchzuführen. Der Verlust der eigenen
Kommunikationsmöglichkeiten ist ein harter Eingriff, die Beschlagnahme
der Dissertation kurz vor dem Abgabetermin erst recht. Betroffen waren
in NRW all diejenigen, die mit der verdi-Jugend nach Hamburg gefahren
waren. Alle brauchen nun die Solidarität aller Demokratinnen und
Demokraten…” Beitrag von Elke Steven vom 8. Dezember 2017 beim Grundrechtekomitee
- Schluss mit Repression: G20-GegnerInnen sind nicht kriminell! Wir rufen alle auf: Geht auf die Straße! Zeigt Solidarität!
“Am Mittwoch den 05.12.2017 kam es bundesweit zu mehreren
Hausdurchsuchungen gegen Linke, die Polizei sprach selbst von einer
„Großrazzia“. Auch Gewerkschaftsjugendliche sind betroffen. Das Bündnis
Grundrechte verteidigen! ruft zu Aktionen und breiter Solidarität auf.
Anstehende Aktionen: 09.12.: 16 Uhr #Göttingen, Platz der Synagoge,
09.12.: 14 Uhr #Bonn, Friedensplatz/Ecke Sternstraße…” Aufruf des Bündnisses Grundrechte verteidigen! leider nur bei Fratzebuch
- RAV: Verteidigt das Demonstrationsrecht! Zu den bundesweiten
Durchsuchungen der Polizei Hamburg – SoKo ›Schwarzer Block‹ am 5.
Dezember 2017
“Wenn der Polizeipräsident der Stadt Hamburg unter Verletzung der
Grundsätze der Unschuldsvermutung und der Gewaltenteilung Verdächtige
öffentlich als »bekannte Täter« betitelt, ist dies rechtsstaats- und
menschenrechtswidrig und geeignet, eine Atmosphäre des Prangers und der
Vorverurteilung zu schaffen. Aktuell führe die Soko ›Schwarzer Block‹
3.000 Ermittlungsverfahren, mehrere hundert gegen namentlich bekannte
Beschuldigte, die Zahl steige kontinuierlich an, erklärte gestern der
Hamburger Polizeipräsident Meyer auf einer Pressekonferenz, von einem
»in seiner Gesamtheit gewalttätig handelnden Mob« war die Rede. Die
inzwischen bekannten und in öffentlicher Hauptverhandlung vor Gericht
gezeigten Videos indes sprechen dafür, dass es sich hierbei um eine
Falschbehauptung handelt. (…) Die nunmehr erfolgten Durchsuchungen sind
offensichtlicher Vorwand zum Ausspionieren linker Zusammenhänge. Die der
Durchsuchung zu Grunde gelegten Beschlüsse sind bereits vor zwei
Monaten erlassen worden, die vorgeworfenen Taten stammen von Juli 2017.
Hier wird vorrangig Skandalisierung betrieben, mit dem Ziel, das
kritisierte, gewalttätige Verhalten der Polizei gegenüber
Demonstrierenden zu rechtfertigen. Die Proteste sollen durch die
Behauptung einer zentral gesteuerten Militanz diskreditiert werden. Wenn
weiter suggeriert wird, man werde mit dem Mittel der
Wohnungsdurchsuchung näher an den »Kern der autonomen Szene«
herankommen, und wenn man die Zahl von 3.000 Ermittlungsverfahren
bedenkt, wird deutlich, dass sich diese Verdachtskonstruktion und
Maßnahmen als ein Schlag gegen das Demonstrationsrecht erweisen. Das
erhellt sich auch aus der Ankündigung der Anwendung eines
›Recherchetools‹, das ab Dezember 2017 die Öffentlichkeitsfahndung
ermöglichen soll. (…) Rechtsanwältin Gabriele Heinecke, Mitglied des
Bundesvorstands des RAV und während G20-Gipfels Pressesprecherin des
Anwaltlichen Notdienstes erklärt dazu: »Wem an dem Erhalt der Demokratie
liegt, sollte durch die Erfahrungen während des G20-Gipfels gewarnt
sein. Im Juli herrschte in Hamburg polizeilicher Ausnahmezustand mit
einer flächendeckenden Aushebelung von Grundrechten für Gipfelgegner.
Die Eskalationsstrategie eines Herrn Dudde war provokant, die Folgen
bedacht und offenbar gewollt. Die nun erfolgte pauschale Ächtung von
Demonstranten als ›Mob‹ ist maßlos. Und der wiederholte Ruf nach dem
harten Staat hat bisher nur zu weniger Demokratie, nicht aber Lösungen
geführt«.” Aus der Pressemitteilung des RAV vom 6.12.2017 (noch nicht online)
- Schill-Justiz und Polizei konstruieren sich Landfriedensbruch für von ihnen Schwerverletzte
“… Die Durchsuchungswelle wurde koordiniert von der selbst
betitelten „Sonderkommission Schwarzer Block“ unter der SoKo-Leitung von
Jan Hieber und dem Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer. Nach
Polizeiangaben erfolgte das Eindringen in die Privatwohnungen von
Aktivist*innen im Zuge der Ermittlungen zu einem Demonstrationszug im
Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Dort sind Bundespolizist*innen in der
Strasse Rondenbarg gegen 200 Demonstrierende vorgegangen denen
Landfriedensbruch vorgeworfen wird. Dabei ging es nicht um Beweise in
laufenden Ermittlungsverfahren zu finden, sondern so Soko Leiter Hieber,
Beweise für die jetzt “Beschuldigten” für ihre “Planung, Vorabsprache
und Ausführung” dieser Demonstration (!) zu liefern. (…) Ziel der
Durchsuchungen sei es Beweise für strafbare Handlungen zu finden sowie
Informationen über die Kommunikationsnetzwerke Linker Aktivist*innen zu
sammeln, welche angeblich Straftaten vorbereitet hätten. Von der
Sonderkommission ist außerdem geplant, dass vor dem Jahreswechsel noch
eine Öffentlichkeitsfahndung stattfinden soll. Insgesamt sollen 3
Tausend Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Dafür werden 25 Tausend
Einzelvideos von der Sonderkommission ausgewertet sowie 7 Tausend
Dateien von Privatpersonen und 100 Festplatten aus öffentlichen
Verkehrsmitteln. Die Behörden gehen von 5000 Aktivist*innen aus welche
angeblich Straftaten begangen hätten. Damit will sich die von dem AfD
Vorläufer Schill-Partei geprägte Hamburger Justiz und Polizei (
Einsatzplaner: Dudde) ein Denkmal der präventiven Illegalisierung
jeglichen Protest gegen die herschender Poltik setzen…” Text der Sendung vom 5. Dezember 2017 von und bei Radio Dreyeckland
mit dem Update: Mittwoch 18 Uhr Freiburg-Bertoldsbrunnen: Kundgebung nach bundesweiter Razzia gegen G20-Gegner*Innen Auf Indymedia findet ihr den Demonstrationsaufruf: Kundgebung am 6.12. in FR: Fight Repression – United we stand ! 
- Rote Hilfe e.V. verurteilt Razzien gegen G20-Gegner*innen
“Heute ab sechs Uhr morgens durchsuchte die Polizei 25 Objekte in
acht Bundesländern. Betroffen waren 23 Privatwohnungen sowie das Linke
Zentrum Lilo Herrmann in Stuttgart und das Rote Zentrum in Göttingen.Den
Beschuldigten wird vorgeworfen, während der Proteste gegen den G20
Gipfel an einer gewalttätigen Demonstration am Rondenbarg teilgenommen
und sich des Landfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben. Die Razzien
wurden durchgeführt, um Informationen über angebliche Vorbereitungen
gewalttätiger Proteste zu bekommen, so die offizielle Version der
Polizei. Es wurden zahlreiche Laptops und Speichermedien beschlagnahmt.
(…) Hier wird wohl offenbar versucht, eine Demonstration gegen den
G20-Gipfel zu einer insgesamt gewalttätigen Gruppe zu stilisieren, um
alle Aktivist*innen auch ohne konkrete Beschuldigung wegen
Landfriedensbruchs verurteilen zu können. Es wird auf eine
diesbezügliche Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) vom
vergangenen Jahr verwiesen. Nicht erwähnt auf der heutigen
Pressekonferenz der Polizei wurde allerdings, dass sich diese
BGH-Entscheidung auf gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Gruppen
von Fußball-Hooligans bezieht und ganz explizit nicht auf politische
Demonstrationen. Damit steht diese Argumentation noch nicht einmal auf
wackligen Füßen. Die Verfahren gegen Angeklagte wie zum Beispiel Fabio
V. müssten demnach sofort mit Freispruch beendet werden…” Pressemitteilung vom 05.12.17
- Hausdurchsuchungen bei SprecherInnen des Bündnis “Grundrechte vereidigen!” und GewerkschafterInnen
“Der Koordinierungskreis des Bündnis „Grundrechte verteidigen“
verurteilt die bundesweiten Hausdurchsuchungen gegen die
Anti-G20-DemonstrantInnen. Unter den Durchsuchten befinden sich auch die
beiden SprecherInnen unseres Bündnisses, Julia Kaufmann und Nils
Jansen. (… ) Um diese Angriffe auf die Demonstrations- und
Pressefreiheit zu rechtfertigen, versucht sie nun, uns per
Hausdurchsuchungen als gefährliche Kriminelle darstellen. Doch kriminell
ist die Einschränkung unserer Grundrechte und die Politik der G20 –
nicht der Protest dagegen. (…) Die aktuellen Hausdurchsuchungen sind ein
Versuch, aus dieser Defensive herauszukommen. Die Polizei versucht, die
dortige politische Demonstration als Aufmarsch von Hooligans
darzustellen. Das Vorgehen der Polizei zielt darauf ab, in Zukunft jeden
Demonstranten für Eskalationen bei Demonstrationen verantwortlich zu
machen – auch wenn er selbst gar nicht beteiligt war, oder die
Eskalation von der Polizei ausging. Von dieser repressiven Entwicklung
sind alle betroffen, die vorhaben, sich irgendwann einmal an
Demonstrationen zu beteiligen. Die Hausdurchsuchungen reihen sich ein in
einen Generalangriff auf demokratische Rechte in der BRD.“ Unser
Bündnis „Grundrechte verteidigen“ steht solidarisch an der Seite der von
den Durchsuchungen betroffenen Menschen. Weitere Informationen über
unsere geplante Aktivitäten folgen.” Aus der Pressemitteilung des Bündnisses “Grundrechte verteidigen!” vom 5.12.2017 (vorerst per e-mail)
- Im Rahmen der Großrazzia gegen Links wurden heute früh 6 Wohnungen
von Bonner ver.di KollegInnen durchsucht. Die Polizei drang um 6:00 Uhr
früh in die privaten Wohnungen der KollegInnen und ihrer Familien ein,
es wurden Handys, Laptops und weitere private Gegenstände beschlagnahmt.
Siehe zum Hintergrund unser Dossier “Demonstrationsrecht verteidigen! Aufruf zum Widerstand gegen den Abbau unserer demokratischen Grundrechte” – eine Initiative der Ver.di Jugend NRW-Süd nach ihren Erfahrungen bei G20: Mehrere waren vorübergehend festgenommen worden…
- Siehe auch: »Die Hausdurchsuchungen sollen uns als gefährliche
Kriminelle darstellen«. Interview mit einer jungen Gewerkschafterin aus
Bonn über die Razzia in ihrer Wohnung von Kevin Hoffmann vom 05.12.2017 beim ND online
- Für das brutale Vorgehen auch in Göttingen siehe den Artikel mit vielen O-Tönen vom 05.12.2017 bei Göttinger Tageblatt online
: Polizei durchsucht Wohnungen der Göttinger linken Szene
- Stuttgart: Hausdurchsuchung im Linken Zentrum und
mindestens einer weiteren Wohnung in Stuttgart – Soli-Kundgebung nach
G20-Hausdurchsuchungen. Siehe Infos vom 5.12.2017 auf der Homepage des Linken Zentrums Lilo Herrmann
- Und zur Darstellung durch die Hamburger Polizei siehe den kritischen Beitrag von Stefan Buchen vom 05.12.2017 beim NDR
:
“G20-Razzia: Durchbruch bei den Ermittlungen oder PR-Bluff?” Die darin
behauptete Kollektivschuld durch „ostentatives Mitmarschieren“ ist u.E.
ein bewusster Angriff auf das Demonstrationsrecht, kein PR-Gag, der
zudem zu Lasten vieler verübt wurde!
- Die interventionistische Linke verurteilt in ihrer Pressemitteilung vom 5.12.2017
die Hamburger Polizeitaktik und erklärt sich solidarisch mit den
Durchsuchungsbetroffenen sowie verweist auf das Gewaltproblem der
Hamburger Polizei, das sich auch bei dem Einsatz rund um den AfD
Parteitag in Hannover am 2. Dezember zeigte und schlußfolgert: “… Es
ist überfällig, dass der Hamburger Senat und die Hamburger Polizei
endlich das Scheitern ihrer Eskalationsstrategie und des G20 Gipfels
eingestehen. Die iL fordert die Einstellung der Ermittlungsverfahren
gegen Aktivist*Innen, die Freilassung der G20 Gefangenen, und eine
ernsthafte Aufarbeitung der Polizeigewalt…” Dem schliessen wir uns an!
- Fabio: „Ich habe gegen die G20 protestiert, weil es gerecht ist, das zu tun!“
“Ein Interview mit Fabio Vettorell, der während der
Anti-G20-Proteste in Hamburg verhaftet wurde und danach mehr als fünf
Monate in Untersuchungshaft sitzen musste, obwohl ihm selbst im nun
laufenden Gerichtsverfahren keine Gewaltanwendung gegen Polizisten oder
ähnliches vorgeworfen wird…” Interview vom 4.12.2017 bei Pespektive online
– der nächste Verfahrenstermin ist am 3.1. um 8:30 am Amtsgericht Altona
- Prozess gegen Fabio – Bericht vom 27.11.2017
“Das Wichtigste: Fabio ist gegen eine Kaution von 10.000 €
und Auflagen (3mal wöchentlich bei der Polizei melden, ladefähige
Zustelladresse, Wohnsitz in Hamburg) von der Haft verschont. Es folgt
eine Erklärung der RAin Heinecke: Die Vorgabe bis ins Detail ans Gericht
vom OLG ist vom Stil her autoritär und eine Missachtung dieses
Gerichts. Es enthält Unterstellungen („schädliche Neigung,
Erziehungsfehler…,) sowie falsche Angaben (Maria Rocco ist nicht Fabios
Lebensgefährtin). Sie enthält den Vorwurf des Schweren
Landfriedensbruchs, wenn dieser wegen fehlender Tat nicht nachweisbar
sei, solle die Verurteilung wenigstens auf Beihilfe zum schweren
Landfriedensbruch hinauslaufen. Diese Einschränkung der Unabhängigkeit
der Justiz ist nicht hinnehmbar wegen Bevormundung des Gerichts. Die
RAin hofft, dass das Gericht zwischen Vorgabe, Suggestion und
Wahrheitsfindung unterscheiden kann und wird…” Bericht vom 2.12.2017 bei UNITED WE STAND 
- Proteste gegen G20: Falkin gewinnt Prozess gegen Polizei – und soll zahlen
“… Das Hamburger Verwaltungsgericht hat auch in einer zweiten
Entscheidung den Polizeieinsatz gegen den Bus der jungsozialistischen
Jugendgruppe »Die Falken« vor den G20-Protesten für rechtswidrig
erklärt. Die Klägerin muss laut Gerichtsurteil aber trotzdem die Kosten
des Verfahrens bezahlen, wie das NDR am Dienstag berichtete. (…) Wie der
NDR berichtet, begründet das Gericht seine Entscheidung damit, dass
sich Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) im Juli bereits im
Innenausschuss der Bürgerschaft für das Vorgehen der Polizei
entschuldigt habe – und die Innenbehörde deshalb »keine Veranlassung für
die Klage gegeben« habe. Die Klägerin hätte deshalb zunächst bei der
Innenbehörde nachfragen müssen, ob sie ihr Verhalten beim G20-Gipfel als
rechtswidrig anerkenne, und weil sie das nicht tat, müsse sie jetzt die
Kosten zahlen. Der Anwalt der Jungsozialistin zeigte sich darüber
verwundert und kündigte Widerspruch gegen die Entscheidung an…” Meldung von und bei neues Deutschland vom 29. November 2017
- G20-Gegner Fabio V. ist frei – Winter in Hamburg
“Nach fast fünf Monaten wurde der 18-jährige Italiener Fabio V.
heute aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Prozess wird noch Monate
dauern. (…) Über seine Haftverschonung hatte das Oberlandesgericht schon
am Freitag entschieden – allerdings so spät am Nachmittag, dass seine
Verteidiger*innen die Entlassung nicht mehr vor dem Wochenende und dem
heutigen Gerichtstermin organisieren konnten. Die Richter*innen haben
hohe Auflagen verhängt: V. muss sich drei Mal pro Woche bei der Polizei
melden. (…) Den Winter werden V. und seine Mutter, die aus dem
norditalienischen Bergstädtchen Belluno kommen, in Hamburg verbringen
müssen – der Prozess wird sich noch bis Mitte Februar hinziehen. Auf die
Frage der Richterin, wie viele Termine die Verteidiger*innen noch für
nötig hielten, sagte V.‘s Anwältin Gabriele Heinecke heute, beim fünften
Prozesstermin: „Die Verteidigung hat ja noch gar nicht richtig
angefangen zu verteidigen.“..” Artikel von Katharina Schipkowski vom 27.11.2017 bei der taz online 
- Grundrechtekomitee fordert unverzügliche Freilassung von Fabio V. – Amtsgericht Altona dafür, Staatsanwaltschaft dagegen
“Das Komitee für Grundrechte und Demokratie kritisiert die
unvermindert andauernde Untersuchungshaft des 18-jährigen Fabio Vettorel
scharf. Wir fordern das Gericht auf, dem heute erneut durch die
Verteidigung gestellten Antrag auf Beendigung der U-Haft zu folgen. Auch
am vierten Verhandlungstag konnte Fabio V. keine unmittelbare
Beteiligung an Würfen oder sonstigen strafrechtlich relevanten
Tatbeständen nachgewiesen werden. Keiner der bisher vier vernommenen
Polizeizeugen konnte Fabio belasten oder sich auch nur an seine
Anwesenheit im Demonstrationszug erinnern. Des Weiteren konnten diese
auch keine einheitliche Schilderung der Situation abgeben. Vor allem
bezüglich eines vermeintlich „kurzen und massiven“ Steinwurfes an der
Kreuzung „Schnackenburgallee – Rondenbarg“ unterscheiden sich die
Aussagen der Polizisten untereinander und weichen zudem von dem in der
Hauptverhandlung gezeigten Videomaterial ab. Ein weiterer junger Mann,
Konstantin P., wurde am Montag aus der Haft entlassen, da es keinen
hinreichenden Tatverdacht mehr gebe. Dies trifft ebenso auf Fabio V. zu,
auch wenn die Staatsanwaltschaft verbissen an den sichtbar
konstruierten Vorwürfen festhält…” Pressemitteilung vom 15. November 2017 von und beim Komitee für Grundrechte und Demokratie
– Am 16.11. hat Amtsgericht Altona entschieden, dass der 18-jährige
G20-Demonstrant eigentlich aus der Untersuchungshaft entlassen werden
kann. Da die Staatsanwaltschaft jedoch Beschwerde eingelegt hat, bleibt
er aber erstmal in Haft… Am Mo. 27.11. ist der nächste Prozesstag im Verfahren gegen #Fabio. Freinehmen & 8.30 Uhr zum Amtsgericht Altona kommen!
- Erklärung von Fabio V. anlässlich der Sitzung am 07. November 2017 im Amtsgericht Hamburg-Altona
“Frau Richterin, Frau Schöffin, Herr Schöffe, Frau Staatsanwältin,
Herr Jugendgerichtshelfer, Sie müssen heute über einen Mann urteilen.
Sie haben ihn als „aggressiven Kriminellen“ und als „respektlos
gegenüber der Menschenwürde“ bezeichnet. Mich persönlich kümmert es
nicht, mit welchen Attributen Sie mich benennen. Ich bin nur ein Junge
mit einem starken Willen. Zunächst einmal möchte ich sagen, dass die
Herrschaften Politiker, Polizeikommissare und Staatsanwälte
wahrscheinlich glauben, dass sie den Dissens auf den Straßen aufhalten
können, indem sie ein paar Jugendliche festnehmen und einsperren.
Wahrscheinlich glauben diese Herrschaften, dass das Gefängnis ausreicht,
um die rebellischen Stimmen aufzuhalten, die sich überall erheben.
Wahrscheinlich glauben diese Herrschaften, dass die Repression unseren
Durst nach Freiheit aufhalten wird. Unseren Willen, eine bessere Welt zu
erschaffen…” Lesenwerte Erklärung von Fabio V. dokumentiert am 8. November 2017 bei UNITED WE STAND
, siehe dazu auch:
- G-20-Verfahren: Überfordert ein junger Italiener die Hamburger Justiz?
“… Aber selbst die Staatsanwaltschaft beschuldigt Fabio nicht,
eigenhändig Gewalt ausgeübt zu haben. Die Anklage beruht allein darauf,
dass der junge Fabrikarbeiter aus Italien an jenem Protestzug
teilgenommen habe. Der Angeklagte schweigt also zu den konkreten
Umständen der Demo am Morgen des 07. Juli. Dennoch widerspricht seine
heutige Erklärung vor Gericht einer Kernaussage der Ankläger: dass es
Leuten wie Fabio um die “Ausübung von Gewalt”, “die Begehung von
Straftaten” und nicht um die “Vermittlung politischer Botschaften” gehe.
(…) Die Staatsanwaltschaft setzt auf das Druckmittel der
Untersuchungshaft. Die dauert für Fabio nun schon vier Monate. In einem
Schreiben an seine Verteidigerin schlägt die Staatsanwaltschaft einen
Deal vor: wenn der Angeklagte sämtliche Tatvorwürfe eingestehe, sei
seine Freilassung aus dem Gefängnis “wahrscheinlich”. (…) Bleibt die
schwierige Frage: was soll der Angeklagte genau gestehen? (…) Ist man
ein Straftäter, der ins Gefängnis gehört, wenn man die Überzeugung hat,
dass nicht nur Putin, Erdogan und Xi Jinping, sondern auch die liberale
Demokratie “bei der Lösung unserer Probleme” versagt? Das ist die Frage,
um die es ab jetzt bei diesem Strafprozess geht. Für die Hamburger
Justiz scheint das eine schwierige geistige Herausforderung zu sein…” Beitrag von Stefan Buchen vom 8. November 2017 bei Panorama online 
- Es ist jetzt schon ein juristischer Skandal! Auch zu den nächsten
Gerichtsterminen wird es vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona,
Max-Brauer-Allee 91, eine Kundgebung “Freiheit für Fabio und alle
anderen G20-Gefangenen!” geben: am Di. 14. Nov. 2017 ab 11:30 Uhr und am Mi. 15. Nov. 2017, ab 08:30 Uhr
- G20: Polizei soll rechtswidrig Granatpistole eingesetzt haben
“Während der G20-Krawalle verschossen Polizisten Reizgas und
Gummimunition mit einer Mehrzweckpistole. Womöglich hätten sie das in
Hamburg nicht gedurft. Den Verantwortlichen droht juristischer Ärger.
(…) Laut Angaben der Innenbehörde verschossen auswärtige Polizisten in
15 Fällen Gummimunition und in 67 Fällen Reizgas aus einer
Mehrzweckpistole (MZP1). (…) Linken-Politikerin Schneider beruft sich
auf eine Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, die dem SPIEGEL
vorliegt. Demnach fallen HK69 und HK169 unter das
Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie firmieren in der Kriegswaffenliste der
Bundesrepublik unter der Kategorie “Granatmaschinenwaffen,
Granatgewehre, Granatpistolen”. Ein Sprecher von Heckler & Koch
bestätigte dem SPIEGEL, eine MZP1 sei eine Granatpistole. “Sie zählt
nicht zur Kategorie der Pistolen, sondern zur Kategorie der
Granatwerfer.” (…) Die Linken-Politikerin Schneider sagte, vor diesem
Hintergrund prüfe ihre Fraktion “eine Strafanzeige gegen
Gesamteinsatzleiter Hartmut Dudde und weitere Polizeiführer wegen
Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz”. Ob das Gesetz für die
Polizei anwendbar ist, dürfte dabei zu klären sein…” Beitrag von Ansgar Siemens vom 7. November 2017 bei Spiegel online
, siehe dazu:
- Einsatz von Granatpistolen beim G20-Protest
“… „Ich finde, es muss wirklich an die Öffentlichkeit
gelangen mit welcher Brutalität dort vorgegangen wurde. Ich selbst bin
als demomedic vor Ort gewesen. Wir waren zu dritt. In der zweiten Nacht
räumten Polizisten mit granatpistolen im Kaliber 40mm (…) die Straßen
der Stadt. Schossen sogar auf Leute die friedlich auf Dächern saßen.
Nicht auszudenken was passiert wäre wenn eine Person auf dem Dach
getroffen worden wäre. Wir waren am Schulterblatt Ecke neuer Pferdemarkt
als es aus der Schanze mehrfach laute Schüsse gab. Ein Kollege und ich
rannten, unter Begleitung dreier usk beamte Richtung der Schüsse. Wir
zogen einen verletzten von der Straße der stark am Kopf blutete. Die usk
beamten rannten plötzlich los und waren weg. Plötzlich kam ein Polizist
einer BFE Einheit auf mich zu, drückte mir eine dieser Hülsen bzw.
Patronen in die Hand und sagte:“ Hier, das hat ihn getroffen. Sorgt
dafür dass die Leute erfahren was hier abgeht“ Mein Kollege und ich
waren sehr perplex, da wir so ein Verhalten absolut nicht erwartet
haben. Ich gab dem Polizist, der sichtlich mitgenommen war, eine Flasche
Wasser und er bedankte sich und meinte noch wir würden hier einen super
Job machen. Wir begriffen erst später was dies bedeutete… Der Polizist
war Teil DER Einheit die in Abstand hinter den granatschützen herliefen
und die illegale Munition einsammelten.. wir waren baff“…” Beitrag von Laura Stern vom 8. November 2017 bei Ramba Zamba
- DON’T TRY TO BREAK US – WE’LL EXPLODE Der G20 2017 in Hamburg
“Der G20 Gipfel 2017 provozierte die bislang heftigsten
Auseinandersetzungen in Deutschland in diesem Jahrhundert. Wir waren vor
Ort und haben kontinuierlich berichtet; in dem Monat, der seitdem
vergangen ist, haben wir die Berichte aus Hamburg zusammengebracht und
einen komplette Chronologie und Analyse hergestellt. Herausgekommen ist
eine epische Geschichte von Staatsgewalt und breitem Widerstand dagegen,
welcher auf diesem Level bislang sowohl in den USA wie auch in
Nordeuropa kaum beobachtet werden konnte…” umfassender Bericht und Analyse vom 24.10.2017 von und bei CrimethInc. in der Kurzversion
und der Langversion von 48 Seiten

- Wir Müssen Reden. G20-Gipfel in Hamburg, Grundrechte und die Gewerkschaften
“Wir sind Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und haben an den
verschiedenen Aktivitäten gegen den G20-Gipfel in Hamburg teilgenommen.
Wir haben uns an den Demonstrationen beteiligt, haben auf dem
Gegengipfel diskutiert, zivilen Ungehorsam erprobt oder Menschen
untergebracht, die zu den Hamburger Gegenaktivitäten angereist waren,
haben vor Ort in den Betrieben mit Kolleginnen und Kollegen kritisch
über den Gipfel diskutiert und vieles mehr. Auch als
Gewerkschafter*innen sehen wir die Notwendigkeit einer persönlichen,
organisationsinternen, institutionellen und politischen Aufarbeitung der
Geschehnisse um den G20 in Hamburg als unerlässlich an; sie hat gerade
erst begonnen. Einen Beitrag hierzu haben wir im Rahmen einer
gewerkschaftlichen Auswertungsveranstaltung geleistet, in der die
folgenden Positionen entstanden sind….” Erklärung gewerkschaftlicher Aktivist*innen zu den G20 Protesten vom 23. Oktober 2017
zum Mitzeichnen: “Als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter werden wir
uns an der Verteidigung unserer demokratischen Grundrechte beteiligen!”
- [7.11.2017] Freiheit für Fabio und alle anderen G20-Gefangenen!
“Am 7.11.2017 geht der Prozess gegen unseren italienischen Genossen
Fabio weiter, der seit dem G20-Gipfel in Untersuchungshaft sitzt.
Gemeinsam mit der Kampagne #UnitedWeStand rufen wir am 7.11. zu einer
Kundgebung vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona auf. Wir wollen unsere
Solidarität mit Fabio zeigen und ihm zurufen: Danke, dass du nach
Hamburg gekommen bist, um mit uns gemeinsam gegen den Wahnsinn der Welt
aufzustehen! Daran gibt es nichts zu bereuen. Sie haben dich eingesperrt
und angeklagt, aber sie meinen uns alle! Das Verfahren gegen Fabio
zeigt besonders deutlich, dass es bei den G20-Prozessen nicht um
Gerechtigkeit, sondern um eine Abschreckungs- und Gesinnungsjustiz geht…” Aufruf von und bei IL
zur Kundgebung am Di. 07. Nov. 2017 in Hamburg ab 08:30 Uhr am Amtsgericht Hamburg-Altona, Max-Brauer-Alee 91
- »Demokratie abschaffen ist kein Schutz vor Terror«. Über
Aufstandsbekämpfung ohne Aufstand, Feindstrafrecht und die
Instrumentalisierung vermeintlicher Gefahren
Ein Interview von Kristian Stemmler mit Gabriele Heinecke bei der jungen Welt vom 28. Oktober 2017
,
in dem die Rechtsanwältin aus Hamburg und Mitglied im Bundesvorstand
des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins e. V. (RAV) zum
G20-Gipfel feststellt: “… Es war eine interessengeleitete
Verursachung von Hysterie. »Bürgerkriegsszenario« suggeriert einen
organisierten, bewaffneten Kampf um die Herrschaft. Das war erkennbar
nicht der Fall. Allerdings hat es mit einer über 30.000 Beamte zählenden
Polizeiarmee, Tausenden Einsatzfahrzeugen, Räumpanzern, Wasserwerfern,
Hubschraubergeschwadern, Polizeihunden die Demonstration eines
Polizeistaatsszenarios gegeben. Prof. Hans Alberts von der Hochschule
der Polizei in Münster hat in der Süddeutschen Zeitung
kommentiert, dass der in Hamburg agierenden Einsatzleitung wohl bekannt
war, dass eine harte Linie zur Eskalation führt. Die war gewollt…” Und zum 18 Jahre alten Italiener Fabio V., den Gabriele Heinecke verteidigt: “Bei
mir trägt der Fall den Titel »Feindstrafrecht«. Es wird nicht
behauptet, dass Fabio selbst Steine geworfen hätte, sondern dass er sich
in der Demonstration befunden hätte, als andere geworfen hätten. (…)
Die Richter haben ihn nie gesehen, nie mit ihm gesprochen, sie wissen
nichts von ihm. Die Entscheidung ist hasserfüllt wie gegen einen Feind,
sie hat – bildlich gesprochen – Schaum vor dem Mund…”
- Aufarbeitung der G20-Protesttage: »Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen«
Der Sozialwissenschaftler Peter Ullrich im Interview über die schleppende Aufarbeitung der G20-Protesttage: “… Auch
im europaweiten Vergleich war das kein besonders herausragendes
Ereignis. In vielen Ländern gibt es häufigere und stärkere
Konfrontationen. Drittens muss man die Gewalt in den Kontext der
Protestwoche stellen. Dort hat sich eine Gewaltspirale ereignet, an der
verschiedene Akteure mitgedreht haben. Gerade der Polizei muss man eine
Teilverantwortung an dieser Zuspitzung geben. (…) Es ist nicht
unplausibel anzunehmen, dass der Einsatz des SEK beispielsweise auch
Teil dieser Machtdemonstration war. Dazu gehören aber auch die
zahlreichen Wasserwerfer und der Panzer, der extra zuvor angeschafft
worden war. Man kann den G20-Gipfel als eine Art Zurschaustellung von zu
Technik geronnener männlicher, autoritärer Macht begreifen. (…) Ich
habe das Gefühl, dass da Unprofessionalität und eine extrem autoritäre
Linie zusammenkamen. Wir konnten bisher nicht abschließend feststellen,
ob schlicht vergessen wurde, Beweise zu sichern oder es diese niemals
gegeben hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass an beiden Szenarien etwas
dran ist. (…) Was wir in Hamburg gesehen haben, waren völlig entgrenzte
Sicherheitsorgane…” Interview von Sebastian Bähr vom 24.10.2017 beim ND online 
- G20-Prozess gegen Aktivisten Fabio V. vertagt
Befangenheitsantrag sorgt für Aussetzung der Hauptverhandlung / Italiener bleibt weiterhin in Untersuchungshaft. Artikel von Samuela Nickel vom 16.10.2017 beim ND online
– nach unseren Informationen findet die nächste Kundgebung für
G20-Gefangenen am 18.10. um 13h am Amtsgericht Mitte in Hamburg statt,
nicht am 17.10.!
- Verfahren gegen G20-Demonstrant: Aus Mitläufer wird Gewalttäter
“… Die “Bevölkerung”, die laut Oberstaatsanwalt “einen Anspruch” auf
die Bestrafung von Fabio und den anderen G-20-Tätern habe, könnte von
dem Angeklagten allerdings einen weitaus negativeren Eindruck bekommen,
wenn sie das “Hamburger Abendblatt” liest. Dort heißt es am 17.10.:
“Fabio V. soll laut Anklage 14 Steine und vier pyrotechnische
Gegenstände geworfen haben…”. Dabei teilte die Staatsanwaltschaft mit,
aus der Demonstration seien insgesamt “mindestens 14 Steine und vier
pyrotechnische Gegenstände” geworfen worden. Auf Anfrage wollte sich das
Abendblatt zu der Falschdarstellung nicht äußern. Die Zeitung teilte
lediglich mit, man wolle in der Ausgabe vom 18.10. eine Richtigstellung
veröffentlichen. Ein absichtlicher Fehler ist tatsächlich
unwahrscheinlich, aber dass der Fehler niemandem auffiel, passt schon
etwas in die Zeit. Wie gesagt: Nicht einmal die Staatsanwaltschaft wirft
Fabio vor, eigenhändig Gegenstände geworfen zu haben – und dann gleich
mindestens 18! Angesichts der kurzen Zeit, die zwischen der Einkesselung
der Demo und dem Sturm der Polizei verging, laut Polizeivideo waren es
39 Sekunden, hätte selbst ein vielarmiges Wesen seine Mühe gehabt, 18
Gegenstände zu werfen und an vier davon noch Feuer zu legen. Der Diskurs
um die G-20-Täter scheint in Hamburg so weit von jeglicher Rationalität
abgedriftet zu sein, dass man ganz grundsätzliche Dinge in Erinnerung
rufen muss: Fabio V. ist keine Krake, sondern ein Mensch…” Beitrag von Stefan Buchen vom 17.10.17 beim NDR
- »Von Fairness kann keine Rede sein«. Kim König von der Roten Hilfe Hamburg über die Verfahren gegen G20-Gipfelgegner
“Bisher war in den Medien die Rede von 2000 Straftaten, die während
der Gipfelproteste verzeichnet worden seien. Diese Zahl erscheint mir
immens hoch. Die vermeintlichen Straftaten wurden bisher nicht weiter
differenziert und nichts über die Schwere geäußert. Dass diese Zahl
wahrscheinlich nach oben korrigiert wird und alle Straftaten auch
Ermittlungsverfahren nach sich ziehen, halte ich für wenig
verwunderlich. Es passt zum repressiven Vorgehen vor und während des
Gipfels. Die Zielrichtung hierbei ist klar: Es geht um die
Delegitimierung und Entpolitisierung der Proteste, die einzig und allein
als einzudämmendes Sicherheitsrisiko behandelt wurden. (…) Wir haben es
also eher mit einer doppelten Signalwirkung zu tun: Einerseits sollen
die hohen Urteile in den ersten Verfahren auch für alle künftigen
Gelegenheiten abschrecken bis hin zu der Frage, ob man es überhaupt noch
wagen kann, an einer Demonstration teilzunehmen. Andererseits sollen
die Aktivist_innen durch Repression davon abgehalten werden, sich zu
organisieren und zu artikulieren. Hier sollen Personen dafür abgestraft
werden, dass sie ihre Stimme und ihr Gesicht einer breiten Mobilisierung
gegen den G20-Gipfel zur Verfügung gestellt haben. Ihnen tatsächlich
Straftaten nachzuweisen, dürfte schwierig werden…” Interview von Gaston Kirsche vom 16.10.2017 beim ND online 
- »Der Gipfel – Performing G20« (Nachbericht)
“Gut drei Monate ist es her, dass der G20-Gipfel in Hamburg zu Ende
ging und eine Aufarbeitung der Geschehnisse ist noch nicht in Sicht. Nun
fanden erstmals Bewegtbilder des Gipfelgeschehens den Weg auch ins
Kino. Im Film “Der Gipfel – Performing G20″ zeigt der Filmemacher und
Regisseur Rasmus Gerlach auf großer Leinwand viele der bislang noch
unveröffentlichten Bilder vom Juli diesen Jahres und beeindruckt damit
sowohl Publikum als auch teilnehmende Protagonisten…” Ein Nachbericht von Max Bryan vom 15. Oktober 2017 mit Infos zum Film
(leider) bei Fratzebuch
- Initiative „Demonstrationsrecht verteidigen!“ ruft auf:
Stärken wir Fabio V. und den anderen politischen Gefangenen den Rücken!
“Der Kongress erklärte sich solidarisch mit den politischen
Gefangenen von NAV-DEM und G20, und will in den aktuellen G20-Verfahren
eine Prozessbegleitung organisieren. Die nächste wichtige Gelegenheit
dafür ist der Prozess von Fabio V., der seit G20 in U-Haft sitzt, weil
es keinen deutschen Pass hat. Fabio ist der erste Aktivist, der am
Rondenbarg festgenommen wurde, wo auch die Mitglieder der ver.di Jugend
NRW-Süd inhaftiert wurden. Zu Fabio’s Prozessterminen wird es
Solidarität vor dem Gericht geben, gemeinsam mit „United we Stand“ – die
bisherigen Termine: Mo. 16.10, Di. 17.10, Di. 07.11.
Wir rufen außerdem auf zum Aktionstag am Tag X der Urteilsverkündigung:
Mit einer Kundgebung mit Pressekonferenz vor dem Gerichtssaal sowie
vielfältiger, kreativer Solidarität aus den Städten werden wir den
Prozess politisch kommentieren und klare Kante zeigen gegen die
politischen G20-Verfahren. Wir rufen alle auf: Beteiligt euch! Zeigt
eure Solidarität mit Grußbotschaften, Fotos und Videos für Fabio und
sendet sie an info@demonstrationsrecht“. Siehe zum Hintergrund unser Dossier: Demonstrationsrecht verteidigen! Aufruf zum Widerstand gegen den Abbau unserer demokratischen Grundrechte
- G20-Krawalle: Staatsanwaltschaft stellt erste Verfahren gegen Polizisten ein
“Rund 100 Strafverfahren gegen Polizisten laufen wegen des
G20-Einsatzes – meist geht es um den Vorwurf der Körperverletzung im
Amt. Nun haben die Ermittler erste Entscheidungen gefällt. (…) Es habe
sich in beiden Fällen kein Tatverdacht ergeben. Insgesamt ermittelt die
Behörde in etwa 100 Fällen gegen Polizisten, überwiegend wegen des
Vorwurfs Körperverletzung im Amt. (…) Am Montag beginnt vor dem
Amtsgericht Hamburg-Altona ein weiterer Prozess. Angeklagt ist der
18-jährige Italiener Fabio V. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren
Landfriedensbruch vor, außerdem versuchte gefährliche Körperverletzung
und einen tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte…” Artikel von Ansgar Siemens vom 13.10.2017 beim Spiegel online
– wann hören die auf, von “Krawallen” zu reden?
- Digitale Aufrüstung. Nach dem G20-Gipfel nimmt der Verfolgungswille gegen radikale Linke weiter zu
“Mindestens 3 000 Ermittlungsverfahren will die Hamburger Polizei
wegen Straftaten während der Proteste gegen den G20-Gipfel eröffnen.
Eine Sonderkommission sichtet umfangreiches Bildmaterial…” Artikel von Gaston Kirsche in der jungle World vom 05.10.2017 
- Prozesse nach dem G20-Gipfel: „Missbrauchsgebühr“ für Anwältin
“Waren auf einem Video Steinwürfe von Demonstranten zu
erkennen? Eine Strafverteidigerin verneinte das und muss nun 600 Euro
bezahlen. Das Bundesverfassungsgericht hat der linken Hamburger Anwältin
Gabriele Heinecke eine „Missbrauchsgebühr“ in Höhe von 600 Euro
auferlegt. Sie habe in einem Verfahren zum G20-Gipfel „unrichtige“
Angaben zum Inhalt eines Polizei-Videos gemacht. (…) Die Richter
behaupten nicht, dass Heinecke sie bewusst angelogen hätte. Eine
absichtliche Täuschung sei für die Verhängung einer Missbrauchsgebühr
aber auch nicht erforderlich. Letztlich gehe es nicht um Strafe, sondern
um Erziehung. Die Missbrauchsgebühr sei angemessen, um die Anwältin
„nachdrücklich zur sorgfältigen Prüfung der Richtigkeit ihres
Beschwerdevortrags anzuhalten“…” Artikel von Christian Rath vom 12.10.2017 bei der taz online
zum Urteil Az.: 2 BvR 1691/17. Das Bundesverfassungsgericht scheint
sich letzter Zeit hauptsächlich erzieherisch zu betätigen, siehe:
Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht wegen Ablehnung des Eilantrags
gegen die Abschiebung nach Afghanistan und Auferlegung einer
Missbrauchsgebühr. Beschwerde von Armin Kammrad vom 1.10.2017
- Aufarbeitung der G20-Polizeigewalt: Die Narben bleiben
“Polizeigewalt hat es nicht gegeben”, behauptete Hamburgs
Regierungschef Scholz nach den G20-Krawallen. Doch immer mehr Zweifel
kommen an dieser Darstellung auf, je mehr Betroffene mutmaßliche
Übergriffe melden. Eine Strafverfolgung ist aber schwierig.” Beitrag von Jan Liebold vom 6. Oktober 2017 bei Tagesschau.de
– ein sehr sehenswerter Beitrag zu der Polizeigewalt und den
schwierigen Ermittlungen gegen rechtswidrig handelnde Polizisten
(Videolänge: 3:14 Min.) und weitere neue Informationen v.a. zu
Polizeiverhalten und -informationspolitik:
- G20-Randale: Polizei hat keine Beweise für Hinterhalt im Schanzenviertel
“… In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der
Linken-Abgeordneten Christiane Schneider hat die Hamburger Innenbehörde
eingeräumt, dass sich ihre Darstellung der G20-Krawalle in wesentlichen
Punkten nicht beweisen lässt. Außerdem musste die Behörde frühere
Angaben zu Vorfällen während des Gipfels Anfang Juli korrigieren. Das
Dokument liegt dem SPIEGEL vor. (…) Es habe Lebensgefahr für die Beamten
bestanden, so rechtfertigte die Polizeiführung das Zögern. Man habe
Erkenntnisse gehabt, wonach sich Gewalttäter auf Dächern in der Straße
Schulterblatt versammelt hätten, um die Polizei mit Steinen,
Gehwegplatten, Eisenstangen und Molotowcocktails zu bewerfen. Auf die
Frage, wie viele dieser Gegenstände als Beweismittel gesichert wurden,
teilte die Behörde nun mit: “nach derzeitigem Kenntnisstand keine”.
Eisenstangen, Paletten und große Steine, mit denen die Spezialkräfte aus
einem umkämpften Haus am Schulterblatt 1 beworfen worden sein sollen,
habe man ebenfalls nicht gefunden. Hinweise auf “selbstgemachte
Eisenspeere”, mit denen sich Gewalttäter angeblich bewaffnet hatten,
seien nicht bestätigt worden. (…) Polizeipräsident Ralf Martin Meyer
sagte am 19. Juli vor der Bürgerschaft, dem Parlament des Stadtstaats,
ein Wagen sei abgebrannt. In der Antwort auf die Linken-Anfrage heißt es
nun: “Entgegen den zunächst bei der Polizei Hamburg vorliegenden
Erkenntnissen” sei es “nicht zu einem Brand der Fahrzeuge gekommen”…” Beitrag von Ansgar Siemens vom 6. Oktober 2017 bei Spiegel online
. Siehe dazu auch:
- G20-Krawalle: Kritik an Polizeiangaben
“… Die Polizei hatte ihr damaliges Zögern und das
lange Gewährenlassen der Randalierer damit begründet, dass sie annahm,
dass militante G20-Gegner womöglich Gehwegplatten und Molotowcocktails
von Dächern auf die Beamten werfen wollten. “Die Zweifel an der
Begründung der Polizei für ihren Rückzug aus dem Schulterblatt sind
enorm gewachsen”, sagte Schneider am Freitag. “Dieser Komplex muss
zweifelsfrei aufgeklärt werden, gerade weil es ja massive Vorwürfe von
Anwohnern gab, dass sie im Stich gelassen worden sind.” (…)
Polizeisprecher Timo Zill betonte am Freitag, dass die Polizei an der
grundsätzlichen Darstellung der Abläufe an jenem Abend ausdrücklich
festhalte: “Es hat massive Angriffe aus dem Viertel heraus auf die
eingesetzten Beamten gegeben. Es hat den Hinweis des Verfassungsschutzes
auf einen Hinterhalt gegeben. Es liegt auch Videomaterial vor, wie
Personen von Dächern Gegenstände werfen”, sagte Zill. (…)
Polizeisprecher Ulf Wundrack sagte, die Beamten seien noch dabei, die
Vorgänge komplett auszuwerten. Die Polizei sei mitten in einem Prozess.
“Wir haben sehr viel Asservate sichergestellt. Die Auswertung und
Zuordnung dauert noch an”, sagte er.” Beitrag vom 6. Oktober 2017 beim Hamburg Journal NDR
mit Video (Länge: 1 Min.)
- “Die Herrschaft über die Wirklichkeit hat die Polizei”. Gespräch mit dem Kriminologen Prof. Dr. Fritz Sack anlässlich der Ereignisse während des G20-Gipfels über Gewalt und Polizei
“Der Ablauf des einwöchigen Protestgeschehens
während des G20-Gipfels in Hamburg hat die Frage der Gewalt auf die
Tagesordnung gesetzt. Die Aufarbeitung der Ereignisse, wie sie im
Nachgang vom Hamburger Innensenat beabsichtigt ist – nämlich eine
Konzentration auf die Gewalt seitens der Demonstranten -, versucht
vollständig auszublenden, dass die Polizei eine Strategie des
“konsequenten Durchsetzens” verfolgt hat. Diese Strategie wurde im
Vorfeld durch den “Rahmenbefehl G20 – Gipfeltreffen” schriftlich
festgelegt und hat in nicht geringem Umfang zur Eskalation der Gewalt
beigetragen. Im Gespräch mit dem Kriminologen Prof. Dr. Dr. h.c. Fritz
Sack, er war der erste Soziologe auf einem kriminologischen Lehrstuhl in
Deutschland und Leiter des Hamburger Instituts für Kriminologische
Sozialforschung, untersuchen die Autoren Funktionsmechanismen des
autoritären Staats und das Verhältnis von Gesellschaft und Gewalt. Fritz
Sack zieht dabei eine Linie vom 2. Juni 1967 bis in die Gegenwart.
Fritz Sack ist Verfasser einer ebenso grundlegenden, wie heftig
umstrittenen Studie zur “Pathologie politischer Konflikte”, die vom
Innenministerium beauftragt und unter dem Titel “Protest und Reaktion”
1984 veröffentlicht wurde. Sack hat in den vergangenen 40 Jahren
zahllose, teils provokante Texte verfasst, in denen er die Bedingungen
für das Umschlagen eines politischen Konflikts in einen gewaltförmigen
Konflikt und die damit verbundenen politischen Interessen beschreibt…” Diskussion unter Leitung von Olaf Arndt vom 6. Oktober 2017 bei Telepolis
(weitere Gesprächsteilnehmer: Janneke Schönenbach, Kuratorin von
“embedded art. Kunst im Namen der Sicherheit” und Herausgeberin des
gleichnamigen Textbandes und Moritz Kerb, Redakteur der “Rote Hilfe
Zeitung”). Dazu ein Hinweis von Olaf Arndt: “Immer neue
Gesetze und Regelungen zum Schutz von Polizeibeamten und eine zunehmend
auf Härte setzende Einsatzstrategie, die selbst vor Rechtsbruch nicht
zurückschreckt, stellen mitten in Deutschland grundlegende
Menschenrechte infrage. Die polizeiliche Reaktion auf das
Protestgeschehen rund um den G20-Gipfel hat dies überdeutlich gezeigt.
Der Streit um das Demonstrationsrecht und das Recht auf
Versammlungsfreiheit beginnt notwendig auf der Straße. Zugleich müssen
die Bürger trotz einer massiven Propaganda über Gewaltbereitschaft und
Gefährdungen, die abschrecken soll, für demokratische Anliegen
sensibilisiert werden. Auf dem Kongress “Demonstrationsrecht
verteidigen” in Düsseldorf am 7. Oktober 2017 wird deswegen beraten, was
zu tun ist, um Demonstrationsrecht, Streikrecht und Pressefreiheit zu
verteidigen.” – siehe dazu unser Dossier “Demonstrationsrecht verteidigen! Aufruf zum Widerstand gegen den Abbau unserer demokratischen Grundrechte“
- Nachwirkungen des G20-Gipfels in Hamburg: “Wir überwachen keine Studierenden”
“Die CDU-Anfrage zur Teilnahme von Studierenden aus
Baden-Württemberg am G20-Gipfel in Hamburg löste auch im
Wissenschaftsministerium Befremden aus. Derzeit lägen keine Erkenntnisse
über eine Mitfinanzierung von Reisen vor. “Wie viele Züge wurden
gezielt für Fahrten von Studierenden nach Hamburg anlässlich des
G20-Gipfels eingesetzt?”. Und: “Sind den Universitäten Aufrufe unter
Studierenden bekannt, im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel nach Hamburg zu
fahren? Welche Gruppierungen, Vereinigungen, Organisationen haben diese
Aufrufe verfasst und verteilt?” Das sind Fragen an die Universitäten,
die die CDU-Landtagsfraktion in einer Großen Anfrage an die
Landesregierung gerichtet hat. Damit möchte die CDU-Fraktion mehr über
die aktuelle Situation des Linksextremismus in Baden-Württemberg
erfahren. (…) Lediglich in Freiburg habe die Universität einen
entsprechenden Antrag abgelehnt. “Wir überwachen keine Studierenden”,
sagte ein Sprecher von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am
Freitag. Es gebe das Demonstrationsrecht und das Recht auf freie
Meinungsäußerung. (…) Studierende reagierten entsetzt auf die Anfrage:
“Wer zum G20-Gipfel gefahren ist, um dort zu demonstrieren, friedlich
seine Meinung auszudrücken, geht eine demokratische Fraktion nichts an.
Wir haben Verständnis, dass die Polizei die Gewalttäter finden will –
aber wer an Demos teilnimmt, ist noch lange kein Straftäter. Diese
Unterstellung ist schädlich für unsere Demokratie”, sagte Tenko Bauer
vom Studierendenrat in Heidelberg.” Beitrag von Marc Feuser vom 5. Oktober 2017 bei SWR Aktuell
(Videolänge: 2:25 Min-) Sehr bezeichnet, dass für die CDU bereits die
Wahrnehmung des Versammlungsrechtes als Ausdruck von ” Linksextremismus”
gilt.
- G20-Gipfel: Polizei durchsucht zehntausende Dateien mit Gesichtserkennungssoftware
“Nach dem Gipfelprotest in Hamburg verfügt die Polizei über eine
Menge an Bild- und Videodaten, die in der deutschen Kriminalgeschichte
einmalig ist. Das Gleiche gilt für die Werkzeuge zur Verarbeitung der
Massendaten. Eine Software zur Gesichtserkennung nutzt auch Geodaten der
aufgenommen Bilder. Die Erkenntnisse sollen zu einer Welle von
Durchsuchungen führen. Die Hamburger Polizei verfügt mittlerweile über
eine “zweistellige Terrabyte-Zahl an Daten“, die von ErmittlerInnen mit
Software durchforstet wird. Das teilte der Kriminaldirektor Jan Hieber
gestern auf einer Pressekonferenz mit. Anlass waren Razzien bei
mutmaßlichen TeilnehmerInnen des G20-Protestes, bei denen acht
Durchsuchungsbeschlüsse in Hamburg und sechs in Schleswig-Holstein
vollstreckt wurden. Ermittelt wird wegen schweren Landfriedensbruchs und
Hehlerei. (…) Laut Hieber habe man „Bildmaterial in einem Umfang, wie
es ihn noch nie in der deutschen Kriminalgeschichte gab“. Die Polizei
hatte nach dem Gipfel ein Hinweisportal gestartet, bei dem auch Bild-
und Videomaterial hochgeladen werden konnte. Nach eigenen Angaben seien
dort 7.000 Dateien hochgeladen worden. Zuvor war von über 10.000 Dateien
die Rede gewesen. Das Material soll jetzt mit
Gesichtserkennungssoftware durchsucht werden. Auch rund 25.000
„Einzelvideos“ von PolizistInnen werden mit der Software zur
Verarbeitung von Bild-Massendaten ausgewertet. Das Gleiche gilt für den
Inhalt von mehr als 100 Festplatten aus Bussen, Bahnen und Bahnhöfen.
(…) Es ist nicht bekannt, ob die Gesichtserkennung lediglich zum
Auffinden von Personen im Bildmaterial dient, oder ob auch ein Abgleich
mit vorhandenen Fotos in Polizeiakten oder bei Meldeämtern erfolgt. Mit
„FaceVACS“ wäre dies technisch möglich. Den Äußerungen des
Kriminaldirektors zufolge würde die Polizei gern mehr können, als
bislang erlaubt: „Ich glaube, dass wir noch ein paar Wochen oder Monate
warten müssen, bis die Konzeption voll einsatzfähig ist“. Weitere
Razzien sind zu erwarten….” Beitrag von Matthias Monroy vom 28. September 2017 bei Netzpolitik
- G-20-Gegner vor Gericht: Sieben Haftstrafen verhängt, nur zwei ohne Bewährung. Vier weitere Verhandlungen in dieser Woche
“… Seit Ende August verurteilen Amtsrichter wie am Fließband Gegner
des G-20-Gipfels zu Haftstrafen – wegen Flaschenwürfen auf Beamte, die
keinerlei Verletzungen verursacht, zum Teil sogar niemanden getroffen
haben. Am Montag wurde der 31 Jahre alte Spanier David V. schuldig
gesprochen (…). Wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter
gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf
Vollstreckungsbeamte verurteilte das Amtsgericht den
Verwaltungsangestellten aus Bilbao zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Er
hatte in der Verhandlung eingeräumt, bei der »Welcome to Hell«-Demo am
6. Juli zwei Flaschen in Richtung Polizei geworfen zu haben. Wie in fast
allen Verhandlungen gegen festgenommene G-20-Gegner zuvor
argumentierten Staatsanwältin und Richterin politisch. Der Angeklagte
habe die »öffentliche Sicherheit in besonders schwerwiegender Weise
gestört«, erklärte die Staatsanwältin laut Hamburger Abendblatt vom
Montag. Die Menschen hätten befürchten müssen, dass man sich in der
Stadt »nicht mehr frei von Sorgen über Eigentum und Gesundheit bewegen
kann«.Die Richterin verstieg sich zu der Aussage, V. sei es ums Ausüben
»blanker Gewalt« gegangen, seine Tat sei »Terror«. Sie ordnete die
Entnahme einer DNA-Probe an, eine Maßnahme, die bei schweren Straftaten
zum Einsatz komme, so das Abendblatt. Keinerlei Berücksichtigung im
Plädoyer der Staatsanwaltschaft und in der Urteilsbegründung fand der
Umstand, dass die Polizei bei der Demo am 6. Juli den Aufzug grundlos
und brutal angegriffen, Demonstranten zusammengeprügelt und ihnen
Reizgas ins Gesicht gesprüht hatte…” Beitrag von Kristian Stemmler bei der jungen Welt vom 27. September 2017 
- Tscheche erhält Bewährungsstrafe für Stein- und Flaschenwürfe
“… Wegen Flaschen- und Steinwürfen auf Polizisten beim
G20-Gipfel hat das Amtsgericht Hamburg einen 29-Jährigen zu anderthalb
Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der tschechische Angeklagte
gestand am Dienstag, am Abend des 7. Juli im Stadtteil St. Pauli fünf
Steine und zwei Flaschen auf Polizisten geworfen zu haben. »Ich habe
mich von der aggressiven Stimmung, die zwischen Polizisten und
Demonstranten herrschte, hinreißen lassen«, sagte er in einer Erklärung,
die sein Verteidiger verlas. Das Gericht sprach den Barmann aus Prag
des schweren Landfriedensbruchs, der versuchten gefährlichen
Körperverletzung und des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte
schuldig. Als Bewährungsauflage muss er 1600 Euro an die Staatskasse
zahlen und zudem eine DNA-Probe abgeben. Nach knapp drei Monaten
Untersuchungshaft ordnete der Richter die Freilassung an. Nach Aussage
eines verdeckt eingesetzten Polizisten war der Angeklagte schwarz
gekleidet gewesen und hatte sich mit einem roten T-Shirt auffällig
maskiert. Wenigstens zwei der faustgroßen Steine habe der 29-Jährige bei
sich gehabt. Er habe die Steine und Flaschen innerhalb von zehn Minuten
auf die Polizisten geworfen und mindestens dreimal getroffen. Ob jemand
verletzt wurde, konnte das Gericht nicht feststellen. (…) Wegen zweier
Flaschenwürfe auf Polizisten beim G20-Gipfel hat das Amtsgericht Hamburg
auch einen 31-Jährigen zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung
verurteilt. »Ich bin davon überzeugt, dass es sich um keine Spontantat
gehandelt hat«, sagte die Richterin am Montag in ihrer
Urteilsbegründung. Der spanische Verwaltungsangestellte sei Anfang Juli
zur Demonstration »Welcome to Hell« nach Hamburg gereist und habe nach
Ende der Kundgebung gezielt zweimal eine Flasche auf Beamte geworfen.
Mit seiner Tat habe er Angst und Schrecken verbreitet. »Das ist nach
meiner Überzeugung Terror«, sagte die Richterin…” Beitrag vom 27. September 2017 bei Neues Deutschland
- Rechtswidrige Aktion der Polizei: G20-Gegner verlangen Schadensersatz von Stadt Hamburg
“… Eine Gruppe von G20-Gegnern aus Nordrhein-Westfalen, die
zur sozialistischen Jugendorganisation “Die Falken” gehört, fordert von
der Stadt Hamburg 15.000 Euro Schadenersatz. Die Summe nannte der
regionale “Falken”-Verbandschef Paul Erzkamp dem SPIEGEL. Hintergrund
sei “die unrechtmäßige Behandlung unserer Mitglieder” durch die Polizei
während des Gipfels Anfang Juli. Beamte hatten einen Bus der “Falken”
stundenlang festgehalten und die 44 Mitglieder zur
Gefangenensammelstelle in den Stadtteil Harburg gebracht. Vor wenigen
Tagen stellte das Hamburger Verwaltungsgericht in zwei exemplarisch
verhandelten Klagen fest, die sogenannte Ingewahrsamnahme sei
rechtswidrig gewesen. (…) Erzkamp kündigte zugleich zwei weitere Klagen
vor dem Verwaltungsgericht an. Hintergrund sei, dass mehrere
“Falken”-Mitglieder im Gewahrsam besonders entwürdigend behandelt worden
seien. “In einigen Fällen gab es körperliche Gewalt, einige von uns
mussten sich total entkleiden.” Manche Mitglieder hätten beim
Toilettengang die Tür nicht schließen dürfen. “Die Polizei hat
rechtsstaatliche Standards bewusst unterlaufen.” Falken-Anwalt Jasper
Prigge sagte, es gehe “um schwerwiegende Grundrechtseingriffe, die nicht
gerechtfertigt waren”. Das betreffe nicht allein die Ingewahrsamnahme,
“sondern auch die Behandlung im Gewahrsam”. Die Staatsanwaltschaft
Hamburg ermittelt im Zusammenhang mit den “Falken” gegen mehrere
Polizisten. “Wir prüfen die Vorwürfe Freiheitsberaubung, Nötigung und
Körperverletzung im Amt”, sagte eine Sprecherin…” Beitrag von Ansgar Siemens vom 27. September 2017 bei Spiegel online 
- G20: Ermittlungen gegen Rote-Flora-Aktivisten
“Nach den Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels im Juli
hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen mehrere führende
Mitglieder der linken Szene in Hamburg aufgenommen. Es gehe um den
Vorwurf der Beteiligung oder der Anstiftung zum schweren
Landfriedensbruch, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach am Mittwoch.
Konkret wurden laut “Hamburger Abendblatt” Ermittlungen gegen Andreas
Beuth und Andreas Blechschmidt aufgenommen. Beuth ist der Anwalt des
linksautonomen Zentrums Rote Flora und Blechschmidt der Sprecher. Beide
hatten als Organisatoren der “Welcome to Hell”-Demo mit rund 12.000
Teilnehmern gegen den G20-Gipfel mobilisiert und Gewalt als “unter
Umständen legitimes Mittel” bezeichnet. Wenige Tage vor der Demo, die am
6. Juli wenige Meter nach dem Start von der Polizei am Hamburger
Fischmarkt gestoppt wurde, hatte Beuth gesagt: “Wenn wir angegriffen
werden, (…) dann werden wir uns natürlich auch zur Wehr setzen mit
Mitteln, die wir uns selbst suchen.” Nach den Ausschreitungen im
Schanzenviertel hatte er in einem Interview mit dem NDR erklärt, er habe
“gewisse Sympathien für solche Aktionen”. Die Staatsanwaltschaft prüft
nach Angaben von Frombach, ob es sich bei dieser Äußerung um die
Billigung von Straftaten handelt. (…) Auch gegen Emily Laquer von der
Interventionistischen Linken und Sprecherin der Demonstration
“Grenzenlose Solidarität statt G20″ wird demnach ermittelt. Laut
“Abendblatt” wird gegen einen weiteren Mann ermittelt, dessen Identität
die Staatsanwaltschaft bisher aber nicht preisgeben wollte. Offenbar
erstatteten mehrere Menschen aus Braunschweig und Bielefeld Strafanzeige
und die dortigen Staatsanwaltschaften übergaben die Verfahren nun an
die Hamburger Ermittler.” Beitrag von Joachim Weretka beim NDR vom 27. September 2017
- G20-Einsatz gegen Jugendliche rechtswidrig
“Das Hamburger Verwaltungsgericht hat den Polizeieinsatz gegen eine
Jugendgruppe beim G20-Gipfel für rechtswidrig erklärt. Die 44
Jugendlichen waren stundenlang festgehalten worden. Was war geschehen?
Ein Bus der Jugendgruppe “Die Falken” aus Nordrhein-Westfalen war von
der Polizei auf der Anreise zum G20-Gipfel in Hamburg gestoppt und zur
Gefangenensammelstelle nach Harburg eskortiert worden. Der Fall hatte
für Aufsehen gesorgt, weil die Gruppe anschließend berichtete,
Jugendliche seien geschlagen und mit gefesselten Händen abgeführt
worden. Auch seien Telefonate mit Rechtsanwälten von den Beamten
unterbunden worden…” Meldung vom 23.09.2017 beim NDR 
- Polizeibefehl zum G20-Gipfel veröffentlicht. Dokumente waren
Sonderaussschuss nur geschwärzt vorgelegt worden / Einsatzbefehl
forderte »Trennung kontrovers ausgerichteter« Demonstranten
“Nachdem die Stadt Hamburg dem Sonderausschuss der Hamburgischen
Bürgerschaft wichtige Dokumente zum G20-Gipfel Anfang Juli nur
geschwärzt vorgelegt hatte, wurde am Donnerstag der komplette
Rahmenbefehl der Polizei zum Einsatz veröffentlicht. Man habe »alles
protokolliert, um parlamentarische Kontrolle zu ermöglichen«, behauptete
Einsatzleiter Hartmut Dudde vor dem Sonderausschuss. Doch dann legten
die Behörden nur umfangreich geschwärzte Akten vor. Die
LINKE-Abgeordnete Christiane Schneider kritisierte dieses Vorgehen am
vergangenen Wochenende auf dem Kurznachrichtendienst Twitter noch
ironisch als »Festival der Aufklärung«. Am Donnerstagabend
veröffentlichte »Die Welt« dann den kompletten Rahmenbefehl zum
G20-Gipfel. Er ist überschrieben mit »Nur für den Dienstgebrauch«. In
dem 40-seitigen Dokument werden die Planungen für den Polizeieinsatz
rund um das Treffen der Staats-und Regierungschefs der Gruppe der 20 am
7. und 8. Juli in Hamburg detailliert beschrieben…” Artikel von Moritz Wichmann beim ND online vom 22.09.2017
und das Dokument bei der Welt online

- Kundgebung am 15.09.2017 in Berlin: „Nach G20 ist vor G20: Rebellische Kieze – United we stand!“
Am 15.09.17 findet in Berlin eine Kundgebung unter dem Motto „Nach G20
ist vor G20: Rebellische Kieze – United we stand!“ statt. Auf der
Kundgebung wird es, begleitet von Live-Musik, verschiedene Redebeiträge
geben, in denen unter anderem die Mechanismen und Folgen globaler
Ausbeutung, die Verhältnisse in verschiedenen G20-Ländern, die von
steigender Armut und hohen Mieten geprägte Lebensrealität in Berlin, die
zunehmende Polizeirepression in Deutschland sowie die Situation der
G20-Gefangenen thematisiert wird. Als Abschluss der Kundgebung wird
gegen 19:30 ein Film über die Proteste gegen G20 und die damit
verbundene Polizeigewalt gezeigt… Kundgebung: „Nach G20 ist vor G20:
Rebellische Kieze – United we stand!“ am Freitag, 15.09.2017, Kottbusser
Tor, Berlin-Kreuzberg ab 17:30 Uhr, eine Veranstaltung des Anti G20 Buendnis Berlin 
- “Eskalation als Polizeikonzept”
“Nach G20 intensiviert sich die staatliche Repression gegen Links (…) Zur Hetze gegen Links” ein Gespräch von Philipp Schmidt mit Andreas Blechschmidt vom 29. August 2017 in konkret 8/17
,
in dem Andreas Blechschmidt, als Sprecher des autonomen Zentrums Rote
Flora und Anmelder der Demonstration »Welcome to Hell«, das Vorgehen der
Polizei wie folgt bewertet: “… Es war von einer extrem
versammlungsfeindlichen Strategie geprägt. Schon im Vorfeld des Gipfels
wurde die Botschaft ausgesandt, dass kritischer Protest nicht erwünscht
ist und nach Kräften behindert werden sollte. Mit dem Versammlungsrecht
wurde umgegangen, als handelte es sich nicht um ein verbrieftes
Grundrecht, sondern um einen Gnadenerweis der Herrschenden. Bei einigen
der Demonstrationen wurden Routen nicht genehmigt und so verhindert,
dass Protest in Sicht- und Hörweite der Veranstaltungen der G20
stattfinden konnte. Ausgerechnet bei der Demonstration »Welcome to Hell«
war es aber absurderweise so, dass die Polizei die gesamte Route mit
einer Abschlusskundgebung in unmittelbarer Nähe der Hamburger
Messehallen, in denen der offizielle Teil des G20-Gipfels stattfand,
anstandslos bestätigt hat. Es hat außerdem keine Auflagen für die
Demonstration, die im Vorfeld öffentlich stark kriminalisiert worden
war, gegeben. (…) Zum Zeitpunkt des polizeilichen Angriffs, und so muss
man, was dann geschah, einfach nennen, ist von der Demonstration
keinerlei Verstoß gegen das Versammlungsgesetz – bis auf sehr wenige
vermummte Personen – und erst recht keine Gewalt ausgegangen. Eine
Berliner Polizeieinheit ist sehr brutal in die Demonstration
reingegangen. Das hat dazu geführt, dass Menschen sich zur Wehr gesetzt
haben. Die Situation ist vollkommen eskaliert. (…) In der Roten Flora
hat sich niemand darüber Illusionen gemacht, dass es jederzeit wieder
eine Mobilisierung gegen das Projekt geben kann. Wir sollten dieser
Kampagne mit entschlossener Gelassenheit entgegentreten und dafür
eintreten, dass ein besetzter Ort, ein Ort der Gegenöffentlichkeit, nun
nicht kampflos aufgegeben wird. Es wird jedenfalls keine Rote Flora
geben, die, um die eigene Haut zu retten, faule Kompromisse eingeht”
- G-20: Der Rechtsstaat zeigt, was er kann. Zwei G-20-Gegner
wurden vor dem Amtsgericht zu harten Strafen verurteilt. Dass sie
Straftaten begangen haben, konnte jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen
werden
“Endlich! Endlich! Endlich greift die Justiz entschieden gegen
subversive Elemente durch: Nachdem kürzlich die linke Internet-Plattform
linksunten.indymedia.org verboten wurde, verurteilten Richter am
Amtsgericht Hamburg zwei 21 und 24 Jahre alte Männer aus den
Niederlanden und aus Polen zu harten Strafen. Der eine soll in der
Chaosnacht im Hamburger Stadtteil Sternschanze einen Polizeibeamten mit
Bierflaschen beworfen und der andere mit Pfefferspray, Feuerwerkskörpern
und Murmeln bewaffnet auf dem Weg zur “G20 not welcome: Grenzenlose
Solidarität statt G20″-Demo gewesen sein. Zweifelsfrei bewiesen ist
weder, dass der eine die Bierflaschen geworfen hat, noch dass der andere
zu der besagten Demo unterwegs war. (…) Die Hamburger Richter werden
noch so manche Gelegenheit haben, kernige Urteile zu fällen: Insgesamt
wurden 51 Haftbefehle aufgrund der Auseinandersetzungen beim G-20-Gipfel
erlassen, 32 Beschuldigte sitzen noch in Untersuchungshaft und die
Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Straftaten in mehr als 2.000
Fällen. (…) Die Urteile wurden hart kritisiert. Aber wir alle sollten
froh sein, dass der Rechtsstaat so wachsam ist. Am Ende würde sonst ein
Trupp Nazis 10 Jahre lang quer durchs Land reisen und Migranten
ermorden, fundamental-islamische Terroristen von
Geheimdienstmitarbeitern durch die Gegend kutschiert, bevor sie
Attentate auf belebten Plätzen verüben, und womöglich Rechtsradikale im
Verbund mit Polizeibeamten und Politikern Todeslisten von Linken und
aktiven Antifaschisten erstellen, die sie in einem zeitnah erwarteten
Bürgerkrieg umbringen wollen. Das kann doch niemand ernsthaft wollen…” Kommentar von Birgit Gärtner vom 30. August 2017 bei Telepolis
, siehe weitere Infos und Kommentare dazu:
- Kurzbericht zum 1. G20 Prozess in HH am Mo 28.8.
“Der junge Angeklagte aus den Niederlanden wurde von Richter
Krieten, der bekannt dafür ist ein Linkenhasser zu sein, zu 2 Jahren und
7 Monaten verurteilt. Außerdem ordnete er eine DNA Entnahme an. Mit
diesem Urteil ging er deutlich über die ohnehin überzogene Forderung der
Staatsanwaltschaft. Diese hatte 1 Jahr und 9 Monate gefordert…” Anonymer Bericht vom 29.08.2017 bei indymedia
- G20-Krawalle: Lange Haftstrafe für 21-Jährigen
“Knapp zwei Monate nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel
in Hamburg hat am Montag der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen
Gewalttäter stattgefunden. Ein 21-jähriger Niederländer wurde vom
Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung, schwerem
Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu zwei
Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Dem Angeklagten wurde
vorgeworfen, am 6. Juli nach dem Ende der Demonstration “Welcome to
Hell” zwei Flaschen auf Polizisten geworfen zu haben. Der Richter fällte
ein deutlich härteres Urteil als die Staatsanwältin gefordert hatte.
Die Anklagevertreterin hatte ein Jahr und neun Monate Haft beantragt.
(…) Zu Prozessbeginn war der 21-Jährige in Handschellen in den
Gerichtssaal geführt worden. Von den Zuschauern war er mit Beifall
begrüßt worden, wie NDR 90,3 berichtete. Viele Angehörige und Freunde
des Angeklagten waren anwesend. Der 21-Jährige, der seit dem 7. Juli in
Untersuchungshaft sitzt, äußerte sich in dem Prozess nicht. Das Urteil
löste im Gerichtssaal einen Schock aus, so Prozessbeobachter. Mit dem
Strafmaß von mehr als zwei Jahren ist auch eine Aussetzung der Strafe
zur Bewährung nicht vorgesehen. “Unser Sohn muss für das büßen, was an
den vier Tagen in Hamburg passiert ist”, sagte der Vater des
Angeklagten…” Meldung vom 29. August 2017 beim NDR online
- G20: Macht man die Falschen zum Sündenbock?
“Es geht um kaum zwei Minuten am frühen Morgen des 7. Juli 2017. In
einem Gewerbegebiet im Westen Hamburgs treffen Anti-G20-Demonstranten
auf Polizisten, am Ende bringen die Einsatzkräfte 73 Personen zu Boden,
wie es später im Polizeibericht heißt. (…) Doch inzwischen gibt es
konkrete Anhaltspunkte, dass der Demonstrationszug am Rondenbarg nicht
so gefährlich gewesen ist, wie Polizei, Staatsanwaltschaft und
Haftrichter behaupten. Ein von der Polizei selbst aufgenommenes Video
zeigt das Aufeinandertreffen von Beamten und Demonstranten um 6.27 Uhr
morgens. Panorama 3 liegt das Video vor. “Schwerste Ausschreitungen” und
“massiven Bewurf” mit Gegenständen, wie von den Strafverfolgern
behauptet, sieht man darin nicht. (…) Panorama 3 hat das Video jetzt
Experten gezeigt. Professor Rafael Behr, ein Soziologe, der früher
selbst als Polizist gearbeitet hat und an einer Polizeiakademie lehrt,
findet darin nichts Überraschendes, “weder auf Polizei- noch auf
Demonstrantenseite”. “Ich möchte jetzt nicht zu sehr relativieren oder
entschuldigen. Aber tatsächlich erlebt man dieses Ausmaß der
Gewaltintensität bei jedem Zweitliga-Fußballspiel”, sagt er. “Schwerste
Ausschreitungen” oder gar “bürgerkriegsähnliche Zustände” erkenne man in
dem Video “eindeutig nicht”…” Beitrag von Stefan Buchen, Philipp Hennig und Andrej Reisin bei Panorama 3 vom 22. August 2017
(in der ZDF-Mediathek abrufbar bis zum 22. August 2018, Länge: 8:50 Min.)
- [Audio] Interview mit dem EA – Was passiert mit den Gefangenen fünf Wochen nach G20?
“Im Interview mit einer Vertreterin des Hamburger
Ermittlungsausschusses, der der sich um die Dokumentation von
Polizeiübergriffen, rechtswidrigen Maßnahmen und die Solidarität mit
Gefangenen kümmert, sprechen wir darüber, wie viele Menschen immer noch
im Knast sitzen und was denen vorgeworfen wird. Die Meisten sitzen
wegen eines polizeilichen Angriffs auf einen Blockadefinger am
Rondenbarg in Stellingen. Zu diesem Angriff hat die Polizei massiv
gelogen und ist von Panorama und Süddeutscher Zeitung dabei erwischt
worden. In einem Fall greift der zuständige Richter Dr. Marc Tully auf
juristisches Vokabular aus dem Wörterbuch des Unmenschen zurück, um den
Haftbefehl gegen einen achtzehnjährigen Italiener aufrecht zu erhalten…” Nachmittagsmagazin für subversive Unternehmungen am Freitag dem 18. August 2017 beim Audioportal Freier Radios
(Länge: 34:42 Min.)
- G20: Ermittlungen wegen Reizgas-Beschuss. Entgegen der
Vorgabe der Einsatzleitung verschoss Polizei 67 mal Tränengas / In acht
Fällen wird gegen Beamte ermittelt
“… Ob der Einsatz von Reizgas bei G20 rechtmäßig war, wird derzeit
in acht Fällen beim Dezernat Interne Ermittlungen der Innenbehörde
ermittelt. Es werde geprüft, ob es sich hierbei nicht vielmehr um eine
Straftat handelte, gibt der Senat an. Insgesamt wird in 60 Fällen wegen
Körperverletzung gegen Polizeibeamte ermittelt. Der Protestforscher
Simon Teune weist jedoch darauf hin, dass der Umgang mit Tränengas
keineswegs skandalöser ist als der mit dem in allen Bundesämtern
genutzten Pfefferspray. »Wenn der illegale Einsatz von Reizgas zum
Aufreger wird, sollte man von dem unverhältnismäßigen Einsatz von
Pfefferspray nicht schweigen«, so Teune. Das Pfeffer wurde als
Verteidigungsmittel angeschafft, mittlerweile sei die Schwelle, dies zu
nutzen, »rapide gesunken«: »Es gibt viel zu viele Beispiele für einen
Einsatz, wo andere Mittel angemessen wären.«...” Artikel von Elsa Koester vom 17.08.2017 beim ND online 
- Polizisten ignorierten Reizgas-Vorgabe des Hamburger Einsatzchefs
“Beim G20-Gipfel schossen Polizisten dutzendfach mit Reizgaspistolen
auf Demonstranten – obwohl Hamburgs Einsatzchef das untersagt hatte.
Die Einheiten stammten unter anderem aus Sachsen und Bayern. Während der
Proteste beim G20-Gipfel haben Polizeieinheiten in 67 Fällen Reizgas
verschossen und sich damit über eine Vorgabe des Hamburger
Einsatzführers Hartmut Dudde hinweggesetzt. Das geht hervor aus einer
Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane
Schneider. (…) Einsatzchef Dudde hatte sämtliche Einsatzleiter aus
anderen Bundesländern angehalten, MZP mit Reizstoffen nicht gegen
Demonstranten zu verwenden. Die Waffen seien zwar rechtlich erlaubt,
würden in Hamburg aber grundsätzlich nicht verwendet. Das hatte die
Polizei bereits im Vorfeld des Gipfels offiziell mitgeteilt. (…) Laut
Senat laufen im Dezernat Interne Ermittlungen der Innenbehörde derzeit
60 Verfahren gegen Polizeibeamte, überwiegend wegen des Vorwurfs der
Körperverletzung im Amt. In acht Verfahren gehe es um den Einsatz von
Reizstoffen durch die Beamten…” Artikel von Ansgar Siemens vom 16.08.2017 bei Spiegel online 
- Geschichte der Eskalation eines einwöchigen
Protestgeschehens. Demonstrationsbeobachtung des Komitees für
Grundrechte und Demokratie vom 2. bis 8. Juli 2017 in Hamburg zum G20
“Das Komitee für Grundrechte und Demokratie legt auf der Grundlage
der Demonstrationsbeobachtungen von 43 Beobachter*innen einen ersten
ausführlichen Bericht über die Proteste gegen G20 in Hamburg vor und
schließt sich der Forderung nach einer unabhängige
Untersuchungskommission an. Anders als in der ersten medialen
Berichterstattung waren die Blicke der Demonstrationsbeobachter*innen
auf die angekündigten Versammlungen gerichtet und nicht auf die Riots,
die Randale oder den Aufstand, der die Freitagnacht im Schanzenviertel
prägte. Damit stand vor allem die polizeiliche Gewalt im Mittelpunkt der
Wahrnehmung, die Zumutungen vom Ignorieren des Gerichtsbeschlusses auf
das Recht, ein Camp in Entenwerder zu errichten (Sonntag, 2. Juli 2017),
über die gewaltsame Auflösung der friedlichen „Welcome to hell“-Demo
bis zur teilweise rücksichtslosen Gewalt gegen Gruppen und Einzelne am
Tag des Zivilen Ungehorsams. Und auch noch bei der Großdemonstration am
Samstag musste feststellt werden, dass der Schutz des Versammlungsrechts
missachtet wurde. In die Versammlung wurde immer wieder polizeilich
eingegriffen. Wir gehen davon aus, dass noch immer viele Fragen gestellt
werden müssen: Wie war es möglich, dass die Polizei dermaßen außerhalb
der Rechtsordnung agieren konnte? Wo ist die politische Kontrolle des
Polizeiapparats geblieben? (…) Zu fragen ist auch, welche Bundesbehörden
– vom Bundesministerium des Inneren, über Bundeskriminalamt und dem
Bundesamt für Verfassungsschutz bis hin zum Kanzleramt – in welchem Maß
Einfluss auf die Planungen im Umgang mit dem Protest genommen haben. (…)
Es muss eine unabhängige Kommission gebildet werden, die frei von
parteipolitischen Interessen die Vorgänge aufklärt, analysiert und
Schlussfolgerungen zieht. (…) Zugleich muss sich aber auch die linke
Bewegung fragen, wie sie die Diskussionen über legitime Proteste, über
Ausdrucksformen und Mittel miteinander diskutieren will…” Meldung vom 15. August 2017
zur Veröffentlichung des Berichtes: Geschichte der Eskalation eines einwöchigen Protestgeschehens. Demonstrationsbeobachtung des Komitees für Grundrechte und Demokratie vom 2. bis 8. Juli 2017 in Hamburg zum G20

- Nach dem G20-Gipfel: Die “Extremistendatei” gibt es offenbar schon. Mit Fake-News gegen das Grundgesetz
“Das Portal G20-Doku berichtete – Stand 20. Juli – von rund 90
Fällen von Grundrechtsverletzungen und 450 Hinweisen während des
G20-Gipfels Anfang Juli in Hamburg. Doch der Persilschein des
Regierenden Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) für die Beamten, es habe
keine Polizeigewalt gegeben, bleibt bestehen. Auch der
baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) ergriff Partei
für Vorgänge, die man nur als Grundrechtsverletzungen bewerten kann. In
einer Talkrunde am 13. Juli bei Markus Lanz entwarf er ein
Schreckensszenario über die Reisenden im Sonderzug aus Basel und
forderte eine europaweite „Extremistendatei“. Doch die gibt es offenbar
längst…” Kommentar von Franziska Stier vom 13. August 2017 bei Beobachternews 
- #NoG20 -Warum griff die Polizei stundenlang nicht ein?-“Es war kein vorbereiteter Hinterhalt”-A.Pina
“Alvaro Pina – Geschäftsführer CARMAGNOLE – Schanzenviertel
(Hamburg) “Es war kein vorbereiteter Hinterhalt” – Das Erste Panorama –
Vermummte Autoanzünder & Plünderer von Supermärkten usw. sind für
mich entweder reaktionäre Vollidioten (mit “linkem” Mäntelchen),
‘unpolitische` “Krawalltouristen”, bezahlte Provokateure von
Geheimdiensten oder clevere Neonazis (in Genua 2001 gerichtlich
nachgewiesen) aber keine wirklichen antikapitalistischen Linken!” Doku einer Panorama-Sendung (ohne Datum) bei youtube

- G20: Scharfe Kritik an Untersuchungshaft von Fabio V. Linke
Abgeordnete erheben schwere Vorwürfe / Maria R. aus Untersuchungshaft
entlassen / Noch fünf italienische Demonstranten im Gefängnis
“… Im Falle des noch immer in Haft sitzenden Aktivisten Fabio V.
hatten die Richter des Oberlandesgerichts ganz anders geurteilt. Wie
Maria R. wurde er in der Situation am Rondenbarg festgenommen. Die
Begründung der Richter für seinen Verbleib in Untersuchungshaft wurde
medial bereits stark kritisiert. Der leitende Richter des 1.
Strafsenats, Marc Tully, schreibt darin von einer Tatausführung, die auf
eine »erkennbar rücksichtslose und auf eine tief sitzenden
Gewaltbereitschaft« schließen lasse, wie die »Welt« aus dem Beschluss
zitiert. Seine mutmaßliche Teilnahme an den Ausschreitungen zeuge von
»schädlichen Neigungen«, der Richter stellte zudem »erhebliche Anlage-
und Erziehungsmängel fest, die ohne längere Gesamterziehung des Täters
die Gefahr weiterer Straftaten begründen«, so das Blatt weiter. Auch im
Fall Fabio V.s ist also keine Rede davon, dass ihm Steinwürfe
nachgewiesen werden können. (…) Auch gegenüber »nd« hatten während der
Proteste in Hamburg italienische Aktivisten der Polizei vorgeworfen, sie
lediglich aufgrund ihrer italienischen Sprache festgehalten zu haben.
Unter den Festgenommenen hatte sich auch die Abgeordnete des
Europäischen Parlaments Eleonore Forenza befunden. Die Polizei hatte
ihre Festnahme damit begründet, dass sie Wechselklamotten bei sich
getragen habe. (…) Nach den G20-Protesten ermittelt die Polizei
insgesamt in 160 Fällen, davon in 53 Fällen gegen Unbekannt. Der erste
Prozess gegen einen 24-Jährigen wird am 29. August in Hamburg beginnen.
Auch Maria R. erwartet weiterhin ein Prozess wegen besonders schweren
Landfriedensbruchs und des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte.” Artikel von Elsa Koester (Berlin) und Giuseppe Caccia (Venedig) vom 14.08.2017 beim ND online 
- G20-Aktivistin Maria R. in Freiheit: Oberlandesgericht hebt
Untersuchungshaft auf / Studentin bereits auf dem Rückweg nach Italien
“… Die 22-jährige Maria R. gehört wie der noch immer in
Untersuchungshaft sitzende Fabio V. zu den Aktivisten, die während der
G20-Proteste am frühen Morgen des 7. Juli im Stadtteil Bahrenfeld
festgenommen worden waren. (…) Tatsächlich liest sich diese Problematik
auch aus der schriftlichen Begründung für den nun hinfälligen Beschluss
des Landgerichts zur Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft heraus, die
»nd« vorliegt. Die Richter werfen der Aktivistin darin keineswegs vor,
selber Gegenstände geworfen zu haben, sondern greifen zu einer
interessanten Konstruktion: Die reine Anwesenheit und der Verbleib der
Aktivistin in der Gruppe seien Indiz für ihre Beteiligung am
Landfriedensbruch. Maria R. habe das Vorgehen der Täter als Teilnehmerin
der Menge unterstützt und die mögliche Verletzung von Polizisten
billigend in Kauf genommen. Die Richter sprechen hier von einer
»psychischen Beihilfe«. (…) Fabio V. ist ebenfalls ein Aktivist
italienischer Herkunft, der in der fraglichen Situation am Rondenbarg
festgenommen wurde. Anders als im Fall Maria R. urteilten die Richter
des Oberlandesgerichts – allerdings drei andere Richter – dass er weiter
in Untersuchungshaft verbleiben müsse. Die Urteilsbegründung wurde
medial bereits stark kritisiert. Der leitende Richter des 1.
Strafsenats, Marc Tully, schreibt darin von einer Tatausführung, die auf
eine »erkennbar rücksichtslose und auf eine tief sitzenden
Gewaltbereitschaft« schließen lasse, wie die »Welt« aus dem Beschluss
zitiert. Seine mutmaßliche Teilnahme an den Ausschreitungen zeuge von
»schädlichen Neigungen«, der Richter stellte zudem »erhebliche Anlage-
und Erziehungsmängel fest, die ohne längere Gesamterziehung des Täters
die Gefahr weiterer Straftaten begründen«, so das Blatt weiter. Auch im
Fall Fabio V.s ist also keine Rede davon, dass er selber Steine oder
Flaschen geworfen haben soll…” Beitrag von Elsa Koester bei neues Deutschland vom 12. August 2017 
- Haftverlängerung: Sind Hamburgs Richter überhart gegen die G-20-Häftlinge?
“Ein 18-jähriger Italiener sitzt seit den G-20-Krawallen in
Untersuchungshaft und soll dort bleiben. Ein Richter sieht „tief
sitzende Gewaltbereitschaft“ und „Erziehungsmängel“. Nun soll Karlsruhe
entscheiden. (…) Nun hat die Hamburger Strafverteidigerin Gabriele
Heinecke eine Verfassungsbeschwerde für ihren Mandanten Fabio V.
eingelegt und die sofortige Aufhebung der Untersuchungshaft beantragt.
(…) Erstaunlich ist, auf welche faktische Grundlage die Richter ihren
Beschluss stellen. Denn der Inhaftierte hat sich bislang überhaupt nicht
geäußert. Wie der Senat angeblich „Anlagefehler“ beim nicht
vorbestraften Italiener ermitteln konnte, bleibt völlig offen. Überhaupt
ist die mehrfach vorgenommene Behauptung, hier prägten „Neigungen“ oder
„Anlagen“ den Charakter, höchst fragwürdig. Trotzdem weiß der OLG-Senat
schon, was am Ende des Verfahrens herauskommen wird: „Eine absehbar
empfindliche Freiheitsstrafe“, heißt es im Beschluss – als ob eine
Hauptverhandlung nun verzichtbar wäre…” Artikel von Per Hinrichs vom 09.08.2017 bei der Welt online 
- Erste Anklage nach G20 wegen Böllern und Reizgas in Rucksack
“Hamburger Staatsanwaltschaft stellt 24-Jährigen vor Gericht /
Prozessauftakt für den 29. August geplant (…) Die Hamburger
Staatsanwaltschaft führt nach eigenen Angaben 162 Ermittlungsverfahren
wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel. 33 Verdächtige
sitzen derzeit in Untersuchungshaft. 56 Verfahren laufen gegen
Polizeibeamte, in den meisten Fällen (45) wegen des Vorwurfs der
Körperverletzung…” Meldung vom 08.08.2017 beim ND online 
- Betroffenenbericht von Mitgliedern der ver.di Jugend NRW-Süd
zu den Grundrechtsverletzungen durch Polizei und Justiz beim G20-Gipfel
“Fast der gesamte Jugendvorstand der ver.di Jugend NRW-Süd, mehrere
weitere ver.di-KollegInnen und andere Bonner MitstreiterInnen wurden
beim G20-Gipfel Opfer von politischer Verfolgung, von tagelanger
Freiheitsberaubung und massiver Aushebelung der demokratischen
Grundrechte durch Polizei und Staatsanwaltschaft. (…) Nach der ersten
Nacht auf dem Camp wollten wir am Freitag den 7. Juli gemeinsam an den
angekündigten Blockaden gegen das Gipfeltreffen teilnehmen. Doch soweit
kam es nicht: Nach nur 20 Minuten stoppte die Polizei den Zug von 200
Menschen, dem wir uns angeschlossen hatten, dann ging alles
blitzschnell. Von zwei Seiten wurde unser Demonstrationszug von
gepanzerten und schwer bewaffneten Polizisten und zwei Wasserwerfern
angegriffen und regelrecht zerschlagen. Für uns kam der Angriff der
Polizei völlig aus dem Nichts, die Menschen flohen in Panik. Wer nicht
rechtzeitig wegkam, bekam den Polizeiknüppel zu spüren, wurde auf den
Boden gedrückt und zum Teil sogar dann weiter mit dem Schlagstock
traktiert. Man schrie uns an: „Halt die Schnauze sonst kriegst du noch
eine rein!“ „Ein solches Ausmaß von Polizeigewalt habe ich noch nicht
erlebt. Das war keine Festnahme, sondern ein regelrechter Überfall der
Polizei auf unsere Demonstration.“ erinnert sich Nils Jansen, Mitglied
im Jugendvorstand der ver.di Jugend NRW-Süd. Im verzweifelten Versuch,
vor den um sich schlagenden Beamten zu flüchten, kletterten
DemonstrantInnen in Panik über einen Zaun und stürzten anschließend eine
mehrere Meter tiefe Mauer hinunter, wobei sie sich zum Teil schwer
verletzten. Niemand von uns hatte so etwas je erlebt: Menschen lagen mit
zum Teil offenen Brüchen auf dem Asphalt, Polizisten schlugen immer
weiter auf DemonstrantInnen ein. Es waren acht (!) Rettungswagen nötig,
um die verletzten Aktivisten ins Krankenhaus zu bringen. Nachdem die
Polizei uns vor Ort zum Teil mehrere Stunden festgehalten hatte, wurden
wir dann in die sog. „Gefangenensammelstelle“ (Gesa) gebracht. Die
Zustände in der Gesa waren entwürdigend. (…) Wir alle mussten uns vor
der Polizei nackt ausziehen, viele dann auch noch eine Kniebeuge machen.
Eine junge Kollegin wurde gezwungen, unter den Augen der Beamten ihren
Tampon herauszunehmen, und bekam anschließend keinen neuen. Einer
weiteren Kollegin wurde von der Polizei bei der Festnahme ihre Brille
entzogen, ohne die sie kaum etwas erkennen kann. Im Gefangenentransport
wurden wir Zeuge, wie eine Gefangene von der Polizei verprügelt wurde,
um ihr anschließend Fußfesseln anzulegen. Das sind nur einige Beispiele,
für die Demütigungen und Erniedrigungen, denen wir und unsere
Mitgefangenen in der Gesa ausgesetzt waren. Am Ende ist das
provisorische Hamburger Amtsgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft
sogar soweit nachgekommen, dass drei KollegInnen in Untersuchungshaft
gesteckt wurden! Unter Fadenscheinigen Gründen wurden den Bonnern
„Fluchtgefahr“ attestiert, zwei von ihnen saßen von Freitag bis zum
nächsten Freitag, also mehr als 170 Stunden, hinter Gittern. Die ver.di
Jugend NRW-Süd steht hinter den betroffenen MitstreiterInnen und ruft zu
breiter Solidarität auf!…” Bericht der Ver.di Jugend NRW-Süd vom 4. August 2017 mit Bildern bei Fratzebuch 
- G-20-Gipfel: Drei Bengalos reichten für die Polizei-Attacke
“… Ein Polizeivideo von einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten
und Polizei am Rondenbarg legt nahe, dass die Sicherheitsbehörden den
Vorfall im Nachhinein anders darstellten als er tatsächlich war. (…)
Wegen der gesamten G-20-Krawalle laufen etwa 160 Ermittlungsverfahren,
32 Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Aber diese eine
Auseinandersetzung an der Straße Rondenbarg in Altona sticht heraus.
Mindestens 59 Ermittlungsverfahren beziehen sich allein hierauf, 13
Demonstranten von dort kamen in Untersuchungshaft. Mindestens vier von
ihnen sitzen noch heute, drei Männer und eine Frau aus Italien. Ein
Polizeivideo des Einsatzes allerdings, das bislang unter Verschluss
blieb und nun von der Süddeutschen Zeitung und dem NDR-Magazin Panorama
eingesehen werden konnte, weckt Zweifel an der bisherigen öffentlichen
Darstellung der Behörden. (…) Von einem “Angriff” von Gewalttätern, der
“abgewehrt” werden muss, ist auf den Aufnahmen der Polizei nichts zu
sehen. (…) In Hamburgs Parlament soll am 31. August erstmals der
Sonderausschuss “Gewalttätige Ausschreitungen rund um den G-20-Gipfel”
tagen. Politiker der Oppositionsparteien CDU und Linke sind damit aber
nicht zufrieden: Sie wollen einen Ausschuss, der nicht nur Fragen
stellen, sondern auch in Akten sehen darf.” Artikel von Ronen Steinke vom 4. August 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online 
- G20: Aufmarsch des Militärs
“Die zunehmend militärisch agierende Polizei wurde in
Hamburg auch durch die Bundeswehr unterstützt. Schon im Vorfeld des
G20-Gipfels stellte die Stadt Hamburg mehr als 40 Amtshilfe-Ersuchen an
die Bundeswehr. Neben logistischer Hilfe wurden durch die Bundeswehr
unter anderem „Experten mit ABC-Technik zum Aufspüren von chemischen
oder biologischen Kampfstoffen“ (Spiegel Online, 5.7.2017), ein
Mehrzwecklandungsboot, drei Hubschrauber, zwei Unterwasserdrohnen, sowie
mehrere Abfangjäger zur Sicherung des Luftraums bereitgestellt (taz,
5.7.2017). Am Freitag wurden zwei Eurofighter-Abfangjäger sowie ein
Tankflugzeug zur Luftbetankung der Kampfjets auch tatsächlich
eingesetzt, um den Luftraum in und um Hamburg zu überwachen. (…) Diese
Vorfälle zeigen, dass Polizei und Bundeswehr eng zusammenarbeiten und
die Bundeswehr auf einen Einsatz im Inneren vorbereitet war.” Meldung von Alexander Kleiß vom 3. August 2017 bei IMI-Standpunkt 2017/024 
- Demokratie und Grundrechte verteidigen! Offener Brief an den Hamburger Senat und die Leitmedien
“… die Reaktionen und Berichterstattung der letzten Wochen rund um
den G20-Gipfel erfüllen uns mit großer Sorge, um den Zustand von
Demokratie und Grundrechten. Während Autoritarismus und undemokratische
Tendenzen in anderen Ländern, wie jüngst in der Türkei oder in den USA,
zu Recht verurteilt werden, werden ähnliche Entwicklungen hierzulande
wegen Ausschreitungen und brennender Autos während des G20-Gipfels in
Hamburg als gerechtfertigt angesehen. Bereits im Vorfeld der Proteste
wurde durch das Verbot der Protestcamps deutlich, dass jede Form des
Protests schon im Keim erstickt werden sollte. Die polizeiliche Räumung
eines höchstrichterlich genehmigten Camps war eines der Zeichen dafür,
wie demokratische Grundwerte und rechtsstaatliche Verhältnisse in den
folgenden Tagen systematisch missachtet werden sollten. (…) Wenn
brennende Flüchtlingsheime und Morde an Migrant_innen mit kaputten
Fensterscheiben und brennenden Autos gleichgesetzt werden, dann zeigt
das eine gefährliche Indifferenz gegenüber der Wirklichkeit. (…) Wir
fordern die Verantwortlichen in Politik und Medien dazu auf, endlich
ihrer Verantwortung gerecht zu werden und personelle wie politische
Konsequenzen aus dem Scheitern der Sicherheitsstrategie bei G20-Gipfel
zu ziehen – anstatt Demokratie und Grundrechte auf dem Altar
konservativer Beißreflexe und innerer Sicherheit zu opfern…” Offener Brief samt umfangreicher Liste von Erstunterzeichner_innen
über 350 WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen sowie Kulturschaffende,
darunter auch LabourNet Germany (Mag). Der Brief kann auf der
Aktionsseite auch weiterhin unterzeichnet werden.
- Amnesty fordert umfassende Aufklärung der Grundrechtseinschränkungen während des G20-Gipfels in Hamburg
“Amnesty International erkennt die Herausforderung an, vor der die
Polizei und die Stadt Hamburg in den Tagen des G20-Gipfeltreffens stand:
die Teilnehmer*innen und Veranstaltungen der G20 zu schützen und
gleichzeitig friedlichen Protest zu ermöglichen, war eine höchst
anspruchsvolle Aufgabe. Presse- und Augenzeugenberichte legen aber nahe,
dass es auf Seiten der Polizei zu strafrechtlich relevantem Verhalten
kam: insbesondere im Kontext der „Welcome to Hell“-Demonstration, aber
auch in anderen Situationen sollen Polizist*innen unverhältnismäßige
Gewalt gegen friedliche Demonstrierende sowie Medienvertreter*innen
angewendet haben. Diesen Vorwürfen müssen Polizei und Staatsanwaltschaft
nachgehen: wo nötig, müssen straf- und dienstrechtliche Ermittlungen
eingeleitet werden. Amnesty International befürchtet, dass Vorwürfen
gegen Polizist*innen teilweise nicht nachgegangen werden kann, weil die
Bundespolizei sowie zahlreiche Länderpolizeien keine individuelle
Kennzeichnung tragen. Deshalb fordert Amnesty International die
Bundesregierung sowie alle Landesregierungen, in denen die Polizei
bisher noch nicht individuell gekennzeichnet ist, dazu auf, eine solche
Kennzeichnung umgehend einzuführen. [Und nicht abschaffen, wie in NRW]
Der G20-Gipfel zeigt auch, wie sich das Fehlen unabhängiger
Untersuchungsmechanismen für polizeiliches Fehlverhalten auswirkt…” Stellungnahme vom 30. Juli 2017 von und bei Amnesty International 
- Gummi gegen den kommenden Aufstand
“Für den G20-Gipfel kündigte der Gesamteinsatzleiter Hartmut Dudde
den Einsatz von “allem, was Polizeien so besitzen”, an. Bisher war nicht
bekannt, dass hierzu auch Gummigeschosse gehören. Mehrere Bundesländer
planten in den 80er Jahren die Anschaffung von Gummigeschossen für ihre
Polizeien. Sie sollten den Beamten einen Vorteil bei den teilweise
heftigen Auseinandersetzungen wie in Wackersdorf verschaffen.
Entsprechende Überlegungen existierten beispielsweise in
Baden-Württemberg und in Bayern im damaligen Kabinett von Franz-Josef
Strauß. Die Innenministerkonferenz hatten einem Bericht des Spiegel
zufolge beim Rüstungskonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm eine Studie zur
Entwicklung eines polizeilichen “Wirkwurfkörpers” bestellt. Als mögliche
Varianten galten großkaibrige Gummipatronen oder Gummischrot.
Schließlich entschied sich die Innenministerkonferenz jedoch, die neue
Bewaffnung in Deutschland nicht einzuführen. Befürchtet wurde, dass die
Streubreite der Munition zu groß sei. Weder kann genau auf eine
Körperpartie gezielt werden, noch ist ausgeschlossen dass Unbeteiligte
getroffen werden. Ähnlich hatte sich damals auch das Europaparlament
1982 und 1984 in zwei Entschließungen geäußert. In den meisten
EU-Mitgliedstaaten werden seitdem keine Gummigeschosse eingesetzt,
Ausnahmen bilden die Schweiz, Spanien und Nordirland. (…) Trotz einer
fehlenden gesetzlichen Bestimmung haben Polizeikräfte beim G20-Gipfel in
Hamburg mit Gummigeschossen auf Personen gefeuert. (…) Die
Spezialeinsatzkommandos beim G20-Gipfel wurden von dem Hannoveraner
Polizist Michael Zorn koordiniert. (…) Zorn zufolge habe der
Gesamteinsatzleiter in einem Gespräch “nicht ausgeschlossen, dass, würde
er zu einem Vorrücken gezwungen sein, es zu einem Schusswaffengebrauch
kommen könnte”.” Beitrag von Matthias Monroy vom 29. Juli 2017 bei Telepolis
- G20 heißt auch: Gipfel der Überwachung
“Beim G20-Gipfel nutzten Polizei und Verfassungsschutz ein großes
Arsenal an Überwachungsmaßnahmen. Sie hörten Gespräche mit, setzten
IMSI-Catcher ein und führten Funkzellenabfragen durch. Daneben las die
Polizei Handys aus und fragte Daten bei Hostels ab. Über die Details
schweigt sie, eine Kontrolle ist so kaum möglich. (…) In welchem
Umfang, das will der Hamburger Senat auf Anfrage der Abgeordneten
Christiane Schneider in den meisten Fällen nicht beantworten. Das sagt
er bereits vor der ersten Frage und fügt immer wieder einen Verweis auf
diese Generalentschuldigung ein. Zur Häufigkeit verdeckter Maßnahmen
müssten Akten händisch ausgewertet werden, das sei in der Antwortfrist
einer parlamentarischen Anfrage nicht zu machen. Anderes lasse
Rückschlüsse auf die Taktik der Polizei zu, auch dann könne man Details
nicht offenlegen. Und einige Akten seien noch nicht bei der
Staatsanwaltschaft erfasst, daher sei noch keine zuverlässige Auswertung
möglich. Aus der Zuständigkeit des Hamburger Senats ergibt sich
außerdem, dass die Antworten nur Aussagen über die Hamburger Polizei und
den Landesverfassungsschutz enthalten können. Was Bundespolizei,
Bundesverfassungsschutz und andere Länderbehörden an Technik nach
Hamburg gebracht haben, kann man ihr nicht entnehmen. (…) Die vielen
offenen Fragen und die unzureichenden Antworten verdeutlichen, dass die
Aufarbeitung des G20-Gipfels noch lange nicht vorbei ist. Es werden noch
viele parlamentarische Anfragen und viel journalistische Arbeit
notwendig sein, um die Geschehnisse aufzuarbeiten und zu einer
Einschätzung zu gelangen, inwieweit sich die deutschen
Sicherheitsbehörden in den Grenzen des Rechtsstaates bewegt haben – sei
es bei Überwachung, bei Eingriffen in die Versammlungsfreiheit oder beim
Einsatz von Gewalt.” Beitrag von Anna Biselli vom 28. Juli 2017 bei Netzpolitik.org 
- G-20-Gipfel: Festgenommen wegen Pfefferspray im Rucksack
“Knapp drei Wochen nach dem G-20-Gipfel sind noch 35 Menschen in
U-Haft, die in die Krawalle verwickelt gewesen sein sollen. Die Polizei
ermittelt mit enormem Aufwand weiter, doch die strafrechtlichen Vorwürfe
bröseln dahin. Vier festgenommene Russen entpuppten sich als
Filmemacher, ein Pole sitzt in Haft, weil er Pfefferspray dabei hatte…” Artikel von Ronen Steinke vom 27. Juli 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online 
- Polizeigewalt beim G20 wird zum Dauerbrenner im Sommerloch
“Die Debatte um Polizeigewalt beim G20-Gipfel in Hamburg hat in den
letzten Tagen noch einmal Fahrt aufgenommen. Nach Informationen von
Spiegel Online gibt es mittlerweile 49 Ermittlungsverfahren gegen
Polizeibeamte, sechs davon beruhen auf Ermittlungen, die die Polizei
selbst gestartet hat. Tendenz steigend…” Artikel von John F. Nebel vom 27 Juli 2017 bei Metronaut 
- Juristisch mehr als zweifelhaft. Nach G-20-Protesten in
Hamburg: U-Haft wegen »psychologischer Unterstützung« mutmaßlicher
Gewalttäter
“In der dritten Woche nach den G-20-Protesten sitzen noch
36 Festgenommene in Untersuchungshaft. Nach Einschätzung der
Rechtsanwälte Lino Peters und Maja Beisenherz vom anwaltlichen Notdienst
und des justizpolitischen Sprechers der Linksfraktion in der Hamburger
Bürgerschaft, Martin Dolzer, sind die Haftgründe mehr als zweifelhaft.
Einigen wird nicht einmal eine konkrete Straftat vorgeworfen. Betroffen
ist zum Beispiel die 23jährige Italienerin Maria R., »die inhaftiert
ist, da sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten hat«, so
Dolzer am Mittwoch im Pressegespräch. (…) R. wird vorgeworfen,
Gewalttäter psychologisch unterstützt zu haben, weil sie sich nicht
entfernt habe. Dies reicht aus, um Maria R. mit der Begründung, es
bestünde Fluchtgefahr, in U-Haft zu behalten und sie daran zu hindern,
ihrem Studium und ihrem Job in einer Rechtsanwaltskanzlei nachzugehen.
(…) Neben Maria R. sitzen noch weitere 19 EU-Ausländer in U-Haft. Sieben
von ihnen wird ähnliches vorgeworfen – und anderen zwar Straftaten,
aber solche, die im Normalfall höchstens mit Bewährungsstrafen geahndet
werden. Beispielsweise Landfriedensbruch. Doch auch hier sind die
Tatvorwürfe fraglich. So soll ein Flaschenwurf auf einem Video einer
Person zugeordnet werden, die darauf selbst nicht zu sehen ist. (…)
Wegen der Vorwürfe des Landfriedensbruchs, schweren Landfriedensbruchs
und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte steht eine Freiheitsstrafe
von bis zu zwei Jahren im Raum. Nach einem Bericht des Lower Class Magazine
handelt es sich um Menschen, die durch eine Treibjagd der Polizei
teilweise schwer verletzt wurden. Sie seien von einem Baugerüst
geschubst worden…” Artikel von Lina Leistenschneider in der jungen Welt vom 27. Juli 2017
- An alle, die gegen die G20 auf der Straße waren. Über die kollektive Erfahrung zehntausender Demonstranten in Hamburg
“… Der Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse in
Hamburg ist ein Versuch, uns unsere Erfahrungen auszureden. Er ist ein
Angriff auf unsere Erinnerung, der uns an unser Wahrheit zweifeln lässt.
Schwer auszuhalten, wenn wir nicht andere haben, die mit uns in Hamburg
waren, die uns bestätigen können, dass nicht wir es sind, die verrückt
sind. Gegen den Zweifel, lasst uns vertrauen: Die kollektive Erfahrung
von Zehntausenden, die wir waren, kann man nicht löschen. Wir haben eine
Stadt im Ausnahmezustand erlebt. Überall Polizei in Kampfmontur,
gepanzert, vermummt, gesichtslos, wie eine Armee imperialer
Sturmtruppen. Die riesigen Wasserwerfer, unwirkliche, bedrohliche
Maschinen zur Aufstandsbekämpfung. Wir haben Gewalt erlebt, sind
geschlagen und getreten worden, hatten Pfefferspray in den Augen.
Manchen wurden die Knochen gebrochen. Die meisten von uns sind wieder
aufgestanden und haben neue Demonstrationen und Blockaden gebildet.
Unser kollektiver Mut hat die Ohnmacht besiegt. (…) In vielen Städten
finden jetzt Auswertungstreffen statt. Geht dort hin. Verarbeitet eure
Erlebnisse nicht alleine. Vergesst die Gefangenen nicht. Schließt euch
zusammen gegen den Wahnsinn der Welt. Hamburg kann überall sein, weil
wir überall sind. Wir sehen uns wieder: auf der Straße.” Gastbeitrag von Emily Laquer bei neues Deutschland vom 26. Juli 2017
(Emily Laquer ist Sprecherin der Großdemonstration »Grenzenlose
Solidarität statt G20« und aktiv in der »Interventionistischen Linken«
(IL).)
- „Polizeibekannte linke Aktivisten“: Umfangreicher Datentausch zum G20-Gipfel
“Für den G20-Gipfel in Hamburg haben BKA und Bundespolizei von
etlichen Staaten Personendaten erhalten. Womöglich handelt es sich dabei
nicht um Angaben zu StraftäterInnen, sondern um Verdachtsdateien zu
vermuteten „Extremisten“. Auch zur Strafverfolgung werden Daten
getauscht…” Artikel von Matthias Monroy vom 26.07.2017 bei Netzpolitik 
- G20, Hamburg: Einsatz von Gummigeschossen und Zerschlagung der „Welcome to Hell“-Demonstration
“Während des G20-Gipfels in Hamburg kam es zu massiver Polizeigewalt
in unterschiedlichen Formen. Eine Form dieser Gewalt, die bisher
erstaunlicherweise öffentlich noch nicht skandalisiert wurde, war der
offensichtlich rechtswidrige Einsatz von Gummigeschossen durch die
Polizei gegen Demonstrant*innen. In Bezug auf den äußerst brutalen
Angriff der Polizei auf die völlig friedliche Demonstration am
Donnerstag, 06.07.17 ist nun ein planmässiges Vorgehen der Polizei mit
dem Ziel, möglichst viele Demonstrant*innen zu verletzen, zu
traumatisieren und einzuschüchtern, belegbar…” Pressemitteilung vom 26.07.2017 von und bei Initiativkreis gegen Polizeigewalt, Berlin 
- G20-Gipfel: Europäischer Datentausch zur Kriminalisierung von linkem Aktivismus
“„Vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben das Bundeskriminalamt und die
Bundespolizei von zahlreichen internationalen Partnerbehörden
Personendaten eingesammelt. Informationen kamen dabei sogar aus den USA.
Die Angaben wurden wohl dazu genutzt, Einreiseverbote auszusprechen.
Wie bei vergangenen Protestereignissen dürfte dies in Teilen
rechtswidrig sein“, kritisiert der europapolitische Sprecher der
Linksfraktion Andrej Hunko. Das Bundeskriminalamt hat mit 19
europäischen Ländern sowie mit Kanada und den USA Personendaten über
linke Aktivisten ausgetauscht. Dabei wurde das Format der „Police
Working Group on Terrorism“ (PWGT) genutzt. Die PWGT ist ein informelles
Netzwerk der Staatsschutzbehörden aller EU-Mitgliedsstaaten, der
Schweiz, Norwegens und Islands. Es wurde in den 70er Jahren zur
Bekämpfung bewaffneter linker Gruppen ins Leben gerufen…” Pressemitteilungen von Andrej Hunko vom 25. Juli 2017 
- »Man kann froh sein, dass es keine Toten gab« – Zwei
Demo-Sanitäter im Gespräch über ihren Einsatz bei den G20-Protesten in
Hamburg
Im Gespräch mit Moritz Wichmann bei neues Deutschland vom 24. Juli 2017
berichten die beiden Demo-Sanitäter Elisa und Kiko: “…
Der Einsatz war auf alle Fälle anders, anders als alle Einsätze, die
ich bisher hatte. Es war sehr anstrengend, sowohl nervlich als auch
körperlich. (…) In Hamburg ist vorübergehend viel medizinische
Infrastruktur einfach zusammengebrochen. (…) Bei Demos geht es klassisch
um: Augen ausspülen nach Pfefferspray-Einsatz, Platzwunden,
Schürfwunden, umgeknickte Füße durch Hinfallen. Das gab es auch in
Hamburg. Wenn die Polizei frontal auf eine Menschenmenge zurennt und
relativ ziellos auf Leute einprügelt, kommt es auch zu Prellungen,
Platzwunden, teilweise auch zu Blutungen und Knochenbrüchen. (…) Anders
war das Tränengas. Das wird in Deutschland selten eingesetzt. Zudem gab
es diverse Knalltraumata. Auch ein Mitglied unserer Gruppe war davon
betroffen. Ich kann mich zum Beispiel nicht mehr an eine so gezielte
Massenpanik erinnern, wie sie auf der »Welcome to Hell«-Demo zu
beobachten war. Dabei haben sehr viele Leute Prellungen und Quetschungen
erlitten, weil die Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und massivem
Schlagstockeinsatz in die Seite der Demo reingedrückt hat – an einem
Ort, wo es keinen Ausweichkorridor gab, außer eine Kaimauer
hinaufzuklettern. Dabei ist es zu Armbrüchen und Brustkorbquetschungen
gekommen. Das sind keine schlimmen Verletzungen, aber wenn dann eine
Kreislaufinstabilität dazukommt, wird es lebensbedrohlich. Und wenn man
dann als Sanitäter 112 nicht mehr erreichen kann, bekommt man Angst. Das
war ein ganz, ganz anderes Ausmaß als das, was wir aus Berlin kennen…” - ein grosser Dank an die Sanis!!!
- Die Gewalt kommt nach Hause – abweichende Meinungen zum Thema Hamburg
“Das Bürgertum ist schockiert, die Presse entsetzt. Politikerinnen
und Politiker aller Parteien schütteln die Köpfe und distanzieren sich
von der „sinnlosen“ Gewalt, die in Hamburg am Rande des G20 Gipfels
eskalierte. Sie tun das, als ob sie jemals einen Ausbruch von Gewalt als
sinnvoll anerkennen würden. Martin Schulz weigert sich den
Randalierenden und „marodierenden Banden“ das Linkssein anzuerkennen und
tut dabei so, als ob er selbst noch irgendetwas Linkes an sich hätte.
Die Republik steht Kopf, weil ein paar Tausend losgezogen sind,
bewaffnet mit nicht viel mehr als Steinen und Flaschen und ein bisschen
Benzin gegen eine militärisch hochgerüstete Polizeimaschinerie. Worauf
man eigentlich nur eines sagen müsste: wenn es wirklich so einfach ist,
mit so geringen Mitteln die Staatsmacht zum Wanken zu bringen, dann ist
das Ding mit der Revolution offenbar einfacher als wir denken. Doch so
weit ist es wohl noch nicht. Leider. (…) Das Ohnmachtsgefühl im
Angesicht dieser hochgerüsteten Armeen, die abgestellt waren ein paar
Staatenlenker zu beschützen, war überwältigend und steigerte sich hin
bis zur ohnmächtigen Wut: Man wollte diesen Schweinen weh tun. Ganz
einfach weh tun und wer nicht dabei war, weiß es einfach nicht und wer
etwas anderes sagt, war nicht dabei. Ganz Hamburg hasst die Polizei –
nie war dieser Spruch wahrer als in dieser Nacht. Es war so eklig, sich
so schwach zu fühlen, und es war klar – da musste noch was kommen. (…)
Nun geht er also los, der Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse des
G20-Wochenendes und auch hier stehen wir einer geballten Übermacht
gegenüber, die aus allen Propagandarohren schießt. Ganz vorne mit dabei,
die alte Parole von „Linksextremismus gleich Rechtsextremismus“. Wer
das grölt, hat den Unterschied zwischen Autos anzünden und vermeintliche
Ausländer durch die Stadt jagen noch immer nicht verstanden und will
den auch nicht verstehen. (…) Ob diese Menschen tagtäglich unterm Terror
des Arbeitsamtes zu leiden haben oder in den gesamten letzten Wochen
vor G20 die Schikanen der Polizei ertragen mussten, spielt im Normalfall
keine Rolle. Ob sie unter ihren Chefs knuffen müssen, ob sie nicht
wissen wie sie die nächste Mieterhöhung bezahlen sollen oder ob das
Hartz IV reicht wird erst dann relevant, wenn das Auto im Arsch ist und
sie als Beleg herhalten dürfen, dass der linke Mob die falschen Ziele
ausgewählt hat. (…) Das die plötzlich mitmachen bei so einem
Gewaltexzess, das verwundert Euch? Ein Wunder ist es, dass so etwas
nicht öfter passiert. Ein Wunder ist es, dass da nicht mehr passiert
ist. Ein Wunder ist es, dass die meisten Menschen die ganze Scheiße so
ruhig und gelassen und voll innerem Selbsthass ertragen anstatt auf die
Barrikaden zu gehen und den Frust raus zu lassen. (…) Die Vorboten der
Apokalypse sind schon jetzt zu spüren. Ein System wie das, in dem einige
Wenige prächtig leben, viele so lala und sehr viele richtig beschissen,
so ein System wird sich weder wegtanzen noch wegbassen lassen. Die
Mächtigen werden sich ihre Macht auch nicht aus der Hand diskutieren
lassen…” Beitrag von Jens Ulfkotte vom 22. Juli 2017 beim Lower Class Magazine 
- Der G20-Gipfel, die Polizei und viele offene Fragen
“Nach dem Protest gegen den G20-Gipfel entpuppen sich viele
Behauptungen der Polizei als falsch. Was ist in Hamburg wirklich
passiert? Gibt es eine neue Welle der Gewalt gegen die Polizei? Wie
viele Verletzte gab es? War die Polizei das Opfer einer nicht mehr
beherrschbaren Situation? Der Faktenfinder mit Infografik zum
»G20-Protest« gibt Antworten…” Faktenfinder von und bei Marx21 
- G20: Schanzen-Anwohnerin schildert Polizei-Schläge
“Die Diskussion über die Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg
läuft weiter. Am Mittwoch befasste sich der Innenausschuss der
Hamburgischen Bürgerschaft stundenlang mit den Vorkommnissen. Auch die
Frage, ob die Polizei immer verhältnismäßig gehandelt hat, steht im
Raum. Im Netz kursieren viele Videos und Augenzeugen-Berichte über
Polizisten, die übermäßige Härte und Gewalt angewendet haben sollen. NDR
Info hat eine Frau getroffen, die sagt, Polizisten hätten sie ohne
jeden Grund verprügelt…” Beitrag von Elisabeth Weydt vom 20. Juli 2017 bei NDR online
(Audio und Manuskript)
- Exklusiv: Neonazis geben Teilnahme an G20-Protesten zu
“… Die Gewalttäter hätten sich wie Neonazis verhalten,
sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziére noch kurz nach den
Krawallen in Hamburg am Rande des G20-Gipfels. Gemeint waren damit die
vermeintlich linken Randalierer, die laut Versicherungen einen
Sachschaden von rund zwölf Millionen Euro verursachten. Nun wird klar,
dass sich tatsächlich Neonazis unter die hauptsächlich eher linken
Demonstranten gemischt haben. Thüringen24 liegen exklusiv zwei
Bestätigungen von rechtsextremen Gruppen vor, dass ihre Mitglieder sich
an den Anti-G20-Protesten beteiligt und zum Teil auch Sympathien für die
gewalttätigen Ausschreitungen haben…” Beitrag von Jan-Henrik Wiebe vom 19. Juli 2017 bei Thüringen24 
- [19.7.17 in Hamburg] Demo “Gipfel der Hetze – Gegen die autoritäre Formierung der Gesellschaft”
“Der G20 ist vorbei und was bei uns bleibt, ist der Schrecken über
die öffentlichen Reaktionen auf Proteste, Ausschreitungen im
Schanzenviertel und Gewalt seitens der Polizei. Im Nachklapp offenbart
sich eine autoritäre Formierung der Gesellschaft, die sich im Internet
in Gewaltfantasien gegenüber vermeintlichen ‘Linksextremisten‘, auf der
Regierungsbank als verbale Aushebelung der rechtsstaatlichen
Gewaltenteilung und auf der Straße als spontane Massenmobilisierung zum
Wiederaufbau der ‘kriegszerstörten’ Schanze zeigt. Gemeinsames Moment
ist die Identifikation mit der Staatsgewalt, die jedes Zeichen des
Widerstands bestrafen, unterdrücken und wieder auslöschen muss. Diese
Haltung kulminiert in dem Slogan ‘Danke Polizei!’, unter dem in der
letzten Woche völlig unkritisch Unterstützung von vielen
Politiker_innen, aber auch ganz normalen Bürger_innen bekundet wurde.
(…) Wir werden uns dieser absurden Hetzjagd entgegenstellen! Gegen die
autoritäre Formierung der Gesellschaft! Dudde muss weg, gegen
Polizeigewalt und Repression! Hände weg von der Roten Flora, dem
Gängeviertel und allen anderen angegriffenen Projekten!” Aus dem Aufruf zur Demo
am 19. Juli ab 16:30 Uhr am Hachmannplatz/HBF in Hamburg: Autoritärer
Backlash, Polizeigewalt feiern, Flora schließen, Schanze putzen? Nicht
mit uns!
- Chefduzen goes G20
“Wir haben uns vorbereitet und wollten bei den G20 Protesten uns mit
Veranstaltungen und Diskussionen (in einem eigenen Cafézelt) mit dem
Gipfel und mit Alternativen zur herrschenden Politik inhaltlich
auseinandersetzen. Das ist von den Behörden unterbunden worden. Wir sind
entsetzt, wie sehr Demokratie und Bürgerrechte hierzulande zur
Disposition gestellt werden, wie Grundrechte im Rahmen des G20 Gipfels
von Politik und Polzei mit Füßen getreten wurden und wie sehr die Medien
versagten, diesen Tendenzen als “4. Gewalt” mutig entgegenzutreten. Die
Dominanz der Krawallbilder in den Veröffentlichungen, wirkte eher wie
eine sympathiserenden Orchestrierung des Demokratieabbaus. Wir haben in
der Chefduzenredaktion länger diskutiert, wie wir auf diese Situation
reagieren sollen und haben uns zu folgender Stellungnahme entschieden…” Stellungnahme vom 18.7.2017 von und bei Chefduzen 
- G20: Sondereinsatzkommando zielte auf Sanitäter. Ehrenamtliche medizinische Helfer nach Polizeieinsatz in Hamburg traumatisiert
“»Das Spiel ist jetzt vorbei«, rufen die Mitglieder des
Sondereinsatzkommandos, als sie ihre Maschinengewehre auf die Sanitäter
richten. Sie halten die grünen Laserzielhilfen auf die Oberkörper von
mehreren Menschen, die im Treppenhaus vor ihnen kauern. Sie sind durch
ihre Leibchen klar als Sanitäter erkennbar, stehen nun aber mit
erhobenen Händen da und müssen sich kurz darauf durchsuchen lassen.
Daneben: Ein schwer verletzter Demonstrant, mit laufender Infusion.
Diese Szene wird in einer Mitteilung der Gruppe »Riot Medics Berlin«
beschrieben…” Artikel von Moritz Wichmann vom 16.07.2017 beim ND online
- Bilanz der G20-Proteste: ›Feindbild Demonstrant‹
“Während der G20-Proteste in der vergangenen Woche haben staatliche
Stellen systematisch Grundrechte verletzt und rechtsstaatliche
Prinzipien außer Kraft gesetzt. Eine erste Bilanz offenbart mit einigen
Tagen Abstand in der Summe, die weitgehende Missachtung von
Bürger*innenrechten bei gleichzeitiger Dominanz repressiven
polizeilichen Handelns. Es bedarf daher einer rückhaltlosen und genauen
Aufklärung aller Sachverhalte. (…) Gleichzeitig ist es unerträglich, wie
Politik und Polizei im Nachhinein mit dem Geschehen umgehen: Statt
einer offenen und selbstkritischen Aufarbeitung des schon im Grundsatz
autoritär-repressiven Vorgehens gegen die Proteste und der Gewaltexzesse
mancher Polizeieinheiten, findet reflexartig eine bedingungslose
Verteidigung und gar Glorifizierung der Polizeiarbeit statt. Die
vollständige Abwesenheit einer Fehlerkultur bestätigt nicht nur die
Polizist*innen in ihrem rechtswidrigen und strafbaren Vorgehen. Das nun
faktisch bestehende Verbot, Kritik an der Polizei zu üben, die als
Exekutivinstanz das Gewaltmonopol ausübt, setzt auch einen zentralen
Grundsatz des Rechtsstaats außer Kraft: Wer besondere Befugnisse zum
Gewalteinsatz hat, muss durch die Gesellschaft und die anderen Gewalten
permanent und intensiv kontrolliert sein. Alles andere ist der Weg in
den Obrigkeitsstaat…” Pressemitteilung des Anwaltlichen Notdienstes zum G20 in Hamburg vom 14. Juli 2017 
- Während der G20-Proteste wurden weniger Polizisten verletzt, als die Polizei behauptet
“… Von den offiziell 476 bei G20 verletzten Polizisten wurden
deutlich weniger Beamte während der Proteste verletzt, als bisher
angenommen. Mehr als die Hälfte der Verletzungen meldeten die Polizisten
schon vor den Protesten. Das geht aus Anfragen von BuzzFeed News an
alle 16 Landespolizeibehörden und die Bundespolizei hervor. Zudem sind
etliche Verletzungen nicht auf die Demonstranten zurückzuführen. So
zählte die Polizei zum Beispiel Kreislaufprobleme ebenfalls zu den
gemeldeten Verletzungen. Die allermeisten Polizisten konnten spätestens
am nächsten Tag wieder am Einsatz teilnehmen, häufig auch deutlich eher.
(…) Mehr als 95 Prozent der als verletzt erfassten Polizisten konnten
bereits nach kurzer Behandlung vor Ort wieder weiter arbeiten, zeigen
die Recherchen von BuzzFeed News. Von den 476 gemeldeten Polizisten
wurden insgesamt 21 Beamte so verletzt, dass sie auch noch am Folgetag
oder länger nicht einsatztauglich waren. Offiziell als schwer verletzt
gelten zwei Beamte der Bundespolizei. Die 16 Bundesländer meldeten auf
Anfrage keine schwer verletzten Polizisten…” Beitrag von Marcus Engert vom 14. Juli 2017 bei den BuzzFeedNews
- 44 Strafanzeigen gegen Polizisten nach G-20-Einsatz
“… Christoph Lührs von der Hamburger Innenbehörde hatte der WELT
Freitagvormittag 35 laufende Ermittlungsverfahren gegen
Polizeibedienstete bestätigt. Er ging davon aus, dass die Zahl weiter
steigen werde. In 27 der 35 von der Innebehörde bestätigten Fälle gehe
es um Körperverletzung im Amt. Von diesen 35 Fällen basieren 28 auf
Strafanzeigen von Dritten. Die restlichen sieben Verfahren wurden von
Amts wegen durch das Dezernat Interne Ermittlungen (D.I.E.) eingeleitet,
darunter vier Fälle wegen Körperverletzung im Amt. Für die Verfolgung
der Ermittlungsverfahren ist in allen Fällen das D.I.E. zuständig. Zu
den neun nun hinzugekommenen Fällen gibt es bisher keine weiteren
Details. Beim Verwaltungsgericht Hamburg haben unterdessen zwei
Anti-G-20-Demonstranten Klage gegen Polizeimaßnahmen eingereicht. Einer
der Kläger fechte seine Ingewahrsamnahme in der Gefangenensammelstelle
im Stadtteil Harburg an. Die zweite Klage richte sich laut einer
Gerichtssprecherin gegen ein Aufenthaltsverbot, das während des Gipfels
von der Polizei ausgesprochen wurde…” Artikel von Christina Brause vom 14.7.2017 bei der Welt online 
- Hamburger Gefangenensammelstelle: Rechte von in Gewahrsam Genommenen und Rechtsanwälten systematisch verletzt
“Hamburger Justiz und Polizei haben in der Gefangenensammelstelle
(GeSa) in Hamburg-Harburg systematisch die Rechte von in Gewahrsam
Genommenen und Rechtsanwälten verletzt
Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein fordert umfassende
Untersuchung der Grundrechtsverletzungen in der Gefangenensammelstelle
und Konsequenzen bei Polizei, Justiz und politisch Verantwortlichen. (…)
Konkret bedeutete dies, dass mehr als 100 Anwältinnen und Anwälte in
24-Stunden-Schichten in der Gefangenensammelstelle (GeSa) in
Hamburg-Harburg präsent waren. Insgesamt wurden mehr als 250 Personen
betreut. »Wir sind bei dem Versuch, von der Polizei in Gewahrsam
genommene Personen rechtlichen Beistand zu leisten, blockiert,
beschimpft und physisch attackiert worden«, kritisiert Rechtsanwalt Lino
Peters vom AND. »Dass hier rechtsstaatliche Prinzipien über vier Tage
willkürlich außer Kraft gesetzt werden konnten, muss personelle und
politische Konsequenzen bei den Verantwortlichen nach sich ziehen«, so
Rechtsanwältin Daniela Hödl. Die nachfolgenden Vorfälle zeigen einige
der Rechtsverstöße exemplarisch auf…” Pressemitteilung des RAV vom 14.07.2017 
- [weitere] Doku der Polizei-Brutalitäten beim G20-Treffen
Auf der Aktionsseite mit dem Namen Police Brutality at G20 summit
(Polizei-Brutalitäten beim G20-Treffen) werden dokumentierte Fälle von
Polizeigewalt mit den jeweiligen Belegen zusammengestellt
- Die Schuld der anderen
“Für Randale gibt es keine Rechtfertigung? Richtig. Nur
sind die G20 selbst organisierte Gewalt. Deutschland hat einen neuen
Staatsfeind Nummer eins: den Linksterroristen. Aktivist oder
Randalierer, selbst Gewalttäter genügt nicht. Es muss schon der
Linksterrorist sein. Der Linksterrorist konnte Hamburg in Schutt und
Asche legen, so geht das neue Narrativ weiter, weil sich Politik und
Öffentlichkeit in der Vergangenheit viel zu sehr auf die rechte Gewalt
konzentriert hätten. Nun aber, nach dem G20-Gipfel, wird dringend ein
Kurswechsel verlangt. (…) Wer nun unbedingt rechte mit linker Gewalt
vergleichen will, muss zur Kenntnis nehmen, dass seit 1990 in
Deutschland – je nach Quelle – zwischen 80 und 180 Menschen durch rechte
Gewalt den Tod fanden. Über Todesopfer linker Gewalt gibt es in diesem
Zeitraum keine Informationen. (…) Die Gewaltdemonstranten haben Autos
angezündet. Das ist eine Straftat. Vorstellbar wäre noch der Hinweis,
dass die Besitzer dieser Autos, die sich unschuldig und unbeteiligt
wähnen, plötzlich daran erinnert werden, dass sie beides eben nicht sind
– unschuldig und unbeteiligt. Denn das Auto, das eine Familie in
Hamburg-Ottensen gekauft und bezahlt hat und das da am Wochenende
angezündet wurde, ist selber kein wertneutraler Gegenstand, sondern ein
politisches Objekt. Es besteht aus Rohstoffen, die unter den Terms of
Trade einer von den G20 beherrschten Welt gefördert und gehandelt
wurden: Kupfer aus Chile, Bauxit aus Guinea oder Seltene Erden aus China
– geschürft, transportiert, verarbeitet unter Bedingungen, die man mit
gutem Gewissen weder den Menschen noch dem Planeten zumuten kann. Aber
die Familie aus Ottensen hat kein schlechtes Gewissen. Wir alle haben
kein schlechtes Gewissen. Wir erkennen die Gewalt nicht, die wir selber
ausüben. Nur die, die wir selber erfahren.” Beitrag von Jakob Augstein vom 13. Juli 2017 beim Freitag online 
- Häuserkampf zum G20: Spezialeinheiten hätten schießen dürfen
“… Den im Hamburger Schanzenviertel eingesetzten
Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurde die Freigabe für den Einsatz von
Schusswaffen erteilt. Dies hat der Kommandoführer des sächsischen SEK,
Sven Mewes, der dpa heute in einem Interview bestätigt. Die Einheit habe
hiervon zwar keinen Gebrauch gemacht, jedoch seien Türen mittels
Schusswaffen “mit spezieller Munition” geöffnet worden. (…)
“Gefühlsmäßig” sei der Einsatz im Schanzenviertel laut dem sächsischen
SEK-Chef kein Vorgehen gegen Demonstranten, “sondern gegen
Rechtsbrecher, mögliche Verbrecher” gewesen. Mit automatischen Waffen im
Anschlag wurden nach Zeugenaussagen aber auch Demosanitäter und
Journalisten sowie Umstehende bedroht…” Beitrag von Matthias Monroy vom 13. Juli 2017 bei Telepolis
- Was die Gewalt bei den G-20-Protesten verdrängt: Weit über
Hunderttausend kamen zu Gegengipfel und Massenprotesten. Auch ihre
Forderungen und Vorschläge fallen den Krawallen zum Opfer
“Während des G-20-Gipfels in Hamburg gab es umfangreiche
und vielfältige Proteste. Doch in vielen Medien waren und sind nur die
in Dauerschleife gesetzten Bilder einer brachialen Gewalt zu sehen, die
schockiert, die aufgearbeitet und vor allem aufgeklärt werden muss.
Diese Bilder lenken aber auch von dem friedlichen Protest und Engagement
hunderttausender Menschen ab, der sich vier Tage lang ebenso gegen die
Politik der G-20-Staaten gestellt haben wie gegen die Gewalt, die von
deren Regierungen ausgeht. Als “parlamentarische Beobachterin” konnte
ich während der Proteste in der Hansestadt zahlreiche Aktivitäten und
politische Diskussionen mitverfolgen. Völlig aus der medialen
Berichterstattung fiel ein zweitägiger, international besetzter “Gipfel
der Solidarität”, der auf zwölf Podien und über 70 Workshops mit
WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen aus über 20
Ländern die Kritik an der herrschenden Politik der G20 erörterte und
über Alternativen und Strategien zur Durchsetzung einer solidarischen
Weltordnung diskutierte. Die G20 verteidige ein System, das die soziale
Ungleichheit auf die Spitze treibt. Der stets überfüllte Kampnagel-Saal,
ein ehemaliges Industriegebäude in Hamburg-Winterhude, war ein Zeichen
der ernsthaften Auseinandersetzung mit den globalen Problemen von Krieg,
Klimazerstörung, ausbeuterischen Handelsstrukturen oder Migration als
Ausdruck der sich verschärfenden Krise des Kapitalismus. (…) Ein
Höhepunkt für mich war die eindrückliche Auftaktrede der 92-jährigen
Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano an den Deichhallen. Bejerano
wandte sich mit fester Stimme, an den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz:
“Wo ist denn die hanseatische Gastfreundlichkeit geblieben, wenn junge
Menschen nicht einmal mehr das Schlafen, das Essen, das Waschen in Camps
erlaubt wird? Die Botschaft ist eindeutig: Für Euch ist kein Platz!” Gastkommentar von Heike Hänsel vom 13. Juli 2017 bei Telepolis 
- Die rebellische Hoffnung von Hamburg – Eine erste, vorläufige Bilanz der Interventionistischen Linken
“Sagen wir zuerst das Allerwichtigste: Hamburg befand sich nicht nur
eine Woche im polizeilichen Ausnahmezustand, der uns eine Warnung sein
sollte. Nein, ebenso wichtig: Zehntausende haben ihm getrotzt. (…) Am
Ende traten gezählte 76.000 Menschen gegen eine Welt der Angst ein. Sie
waren dem gemeinsamen Aufruf zur Demonstration gefolgt. (…) Ja, zu den
Bildern des Widerstands gehören auch jene, bei denen Menschen der Kragen
geplatzt ist, bei denen sie sich gewehrt haben – und bei denen diese
Gegenwehr umschlug in Aktionen, die sich nicht mehr gegen den Gipfel
oder die Staatsmacht, sondern auch gegen Anwohner_innen und Geschäfte
richtete. Es waren nicht unsere Aktionen. (…) Wir haben schon vorher
gesagt, dass wir uns nicht distanzieren werden und dass wir nicht
vergessen werden, auf welcher Seite wir stehen. Wir stimmen nicht in den
Chor derer ein, die jetzt von „Straftätern“ reden und die Mischung aus
organisierten Militanten und zornigen Jugendlichen in die Nähe von
Neonazis rücken. Die Unterbrechung und Zurückweisung ihrer Ordnung, die
in den Aktionen lag, auch wenn wir sie in den Formen und den Zielen
vielfach falsch finden, hat unser Verständnis. Soweit die Aktionen von
organisierten Gruppen ausgingen, finden wir es problematisch, dass sie
dafür keine politische Verantwortung übernehmen, sondern es anderen
politischen Spektren überlassen, mit, für und über sie zu reden. Über
das politische Konzept des Insurrektionalismus wird kritisch zu reden
sein, das zwar den Hunger nach Rebellion bedient, aber von dem eben
keine Hoffnung und keine Solidarität ausgeht…” Stellungnahme und Bilanz vom 12. Juli 2017 von und bei der der Interventionistischen Linken 
- Drei Tage Chaos in Hamburg
“Vom Vorabend des G20-Gipfels bis zu seinem Ende musste Hamburg drei
schwere Tage durchstehen: immer wieder Auseinandersetzungen zwischen
Demonstranten und Polizei, heftige Krawalle, Autos gehen in Flammen auf,
über mehrere Stunden verliert die Polizei die Kontrolle über einen
Stadtteil, das Schanzenviertel. Wie konnte es dazu kommen? Wer sind die
Täter? Und wer trägt die Verantwortung? Es sind noch viele Fragen offen.
Reporter von NDR und “Süddeutsche Zeitung” (SZ) konnten nun Notizen von
Polizisten einsehen und haben mit Anwohnern, weiteren Augenzeugen und
mutmaßlichen Randalierern gesprochen. So wird klarer, was sich
tatsächlich in diesen Tagen in Hamburg ereignet hat…” Text und Video des Beitrags vom 12.07.2017 beim NDR
von Thomas Berbner, Jan Liebold, Georg Mascolo, Christian Baars
- Geschäftstreibende aus dem Schanzenviertel berichten: Stellungnahme zu den Ereignissen vom Wochenende
“Wir, einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des Hamburger
Schanzenviertels, sehen uns genötigt, in Anbetracht der
Berichterstattung und des öffentlichen Diskurses, unsere Sicht der
Ereignisse zu den Ausschreitungen im Zuge des G20-Gipfels zu schildern.
In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 tobte eine Menge für Stunden
auf der Straße, plünderte einige Läden, bei vielen anderen gingen die
Scheiben zu Bruch, es wurden brennende Barrikaden errichtet und mit der
Polizei gerungen. Uns fällt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der
Zerstörung schwer, darin die Artikulation einer politischen Überzeugung
zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt. (…)
Aber die Komplexität der Dynamik, die sich in dieser Nacht hier Bahn
gebrochen hat, sehen wir weder in den Medien noch bei der Polizei oder
im öffentlichen Diskurs angemessen reflektiert. Ja, wir haben direkt
gesehen, wie Scheiben zerbarsten, Parkautomaten herausgerissen,
Bankautomaten zerschlagen, Straßenschilder abgebrochen und das Pflaster
aufgerissen wurde. Wir haben aber auch gesehen, wie viele Tage in Folge
völlig unverhältnismäßig bei jeder Kleinigkeit der Wasserwerfer zum
Einsatz kam. Wie Menschen von uniformierten und behelmten Beamten ohne
Grund geschubst oder auch vom Fahrrad geschlagen wurden. Tagelang. (…)
Der weit größere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure
und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel
oder Bushido-Konzert über den Weg laufen würden als auf einer
linksradikalen Demo. Es waren betrunkene junge Männer, die wir auf dem
Baugerüst sahen, die mit Flaschen warfen – hierbei von einem geplanten
„Hinterhalt“ und Bedrohung für Leib und Leben der Beamten zu sprechen,
ist für uns nicht nachvollziehbar. (…) Es sind zwar apokalyptische,
dunkle, rußgeschwärzte Bilder aus unserem Viertel, die um die Welt
gingen. Von der Realität eines Bürgerkriegs waren wir aber weit
entfernt. Anstatt weiter an der Hysterieschraube zu drehen sollte jetzt
Besonnenheit und Reflexion Einzug in die Diskussion halten. (…) Wir
hatten als Anwohner mehr Angst vor den mit Maschinengewehren auf unsere
Nachbarn zielenden bewaffneten Spezialeinheiten als vor den
alkoholisierten Halbstarken, die sich gestern hier ausgetobt haben. Die
sind dumm, lästig und schlagen hier Scheiben ein, erschießen dich aber
im Zweifelsfall nicht…” Stellungnahme vom 12.7.2017 auf der Fratzebuch-Seite eines der Geschäfte
- G20 Doku – Der Gipfel der Polizeigewalt
“… Gesucht werden vor allem Links zu Quellen, auf denen mutmaßlich
rechtswidrige Polizeigewalt gegen Demonstrierende zu sehen ist. Es kann
sich hierbei um Videoaufnahmen, Fotos aber auch Augenzeugenberichte
handeln. Außerdem suchen wir Quellen, die Übergriffe und/oder
Behinderungen von Anwält/innen, Demo-Beobachter/innen und
Vertreter/innen der Presse zeigen. (…) Wir sind eine Gruppe von
Menschen, die gegen den G20-Gipfel in Hamburg protestiert haben. Wir
sind alle der Ansicht, dass der G20-Gipfel eine völlig neue Dimension in
Sachen Verletzung von Grundrechten und rechtswidriger Polizeigewalt
darstellt. So etwas war in Deutschland in den letzten Jahren, auch beim
G8-Gipfel in Heiligendamm, nicht zu beobachten. Besorgt um die
Grundrechte und um den Zustand der Demokratie haben wir uns
entschlossen, die unzähligen Materialien zu dokumentieren, zu
kategorisieren und zu verschlagworten. Wir wollen damit das Ausmaß der
Übergriffe zeigen und unseren Beitrag für die Aufklärungsarbeit rund um
den G20-Gipfel zu leisten. Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert.
Das was bislang hier dokumentiert ist, ist erst der Anfang…” Siehe und unterstütze die G20-Doku-Site
mit den Kategorien Polizeigewalt, Pressefreiheit und Legal Team
Marc-Uwe Kling – Der Unterschied
“„Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied“
„Doch, doch“, ruft das Känguru, „die einen zünden Ausländer an, die
anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein
können. Ausländer besitze ich keine.“
Aus “Die Kängeru-Offenbarung” von Marc-Uwe Kling, vorgelesen auf youtube

- Zum Riot im Schanzenviertel. Nicht distanzieren!
“… Ist der Riot auch das, womit man sich nicht
identifizieren kann, so ist es doch falsch, sich von ihm zu
distanzieren. Denn er enthält etwas, was über ihn hinaus geht und zu
verteidigen ist. Diejenigen, die heute glauben, die Distanzierung
erzwingen zu können, spielen falsch. Der Riot ist in seiner
anarchistischen Eruption zum einen sicher Abbild der anderen Seite der
Medaille, die als »freier, sich selbst regulierender Markt« hochgehalten
wird und jene barbarische Welt produziert hat, in der wir heute leben,
auch wenn das in den nördlichen Metropolen der Welt, die den größten
Anteil an Ausbeutung von Menschen und Natur in sich hineinsaugen, noch
mit hierarchisiertem Luxus verpackt wird…” Aus dem Beitrag von Karl-Heinz Dellwo vom 10. Juli 2017 bei #NoG20 2017 
- Wir haben diesen G-20-Gipfel verdient – Fast scheinen wir
froh, über sinnlose Gewalt und nicht über komplizierte Politik reden zu
müssen.
“Bin ich froh, dass es vorbei ist. Ich konnte es schon lange nicht
mehr sehen, die Bilder, die Gewalt, die Empörung, mehr Gewalt. Auf allen
Kanälen, Titelseiten, Timeline. Dieser ganze jämmerliche Protest-Porno:
Feuer und Rauch, Ton, Steine, Scherben. Eine Katastrophe. Die wir als
Gesellschaft leider nicht anders verdient haben. Denn der G-20-Gipfel
ist ein Musterbeispiel für die schwarze Magie kognitiver Dissonanz:
Weltpolitik kann komplex, inhuman, ungerecht sein. Ein teures Treffen
von Regierungschefs und Despoten ist deshalb eine zynische Show. Doch
statt sich dieser schmerzhaften Wahrheit zu stellen, schmeißen die einen
Steine – und die anderen stehen kopfschüttelnd daneben. Danach streiten
alle. Der schwarze Block hat Recht mit seinem: „Erst wenn’s kracht,
schaut ihr hin“. Fast scheinen jetzt alle froh, dass sie über die
sinnlose Gewalt und nicht über Gerechtigkeit, Globalisierung, Afrika,
Migration, Klima und das ganze komplizierte Zeug reden müssen. (…) Für
Hamburg ist der Wahnsinn vorbei. Für die Welt geht er weiter. Selber
schuld.” Kommentar von Friedemann Karig vom 10. Juli 2017 bei jetzt.de, Partner der Süddeutschen Zeitung 
- Mehrere Rechtsbrüche der Polizei bei G20
“G20 ist vorbei und Wellen der Empörung brechen nun über
Hamburg und Deutschland herein. Gewalt und Eskalation rund um das
Gipfeltreffen dominieren die Medien, während die Inhalte des
G20-Treffens in den Hintergrund geraten. Wie konnte es zu solchen
extremen Ausschreitungen kommen? Viele geben dem linksradikalen Spektrum
die Schuld für das Chaos, aber die Kritik an den übertriebenen
Polizeieinsätzen ist fast noch lauter. Auch der Anwaltliche Notdienst
des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins war schließt sich
dieser Kritik an. Wir haben mit der Rechtsanwältin Gabriele Heinecke
gesprochen, die sich live vor Ort ein eigenes Bild machen konnte.” Interview von Radio LoraMuc, München, vom 10.07.2017 beim Audioportal Freier Radios

- Ausnahmezustand – Polizeistaat – Aufstandsbekämpfungsübung? Demonstrationsbeobachtung in Hamburg vom 2. – 8. Juli 2017
“Mit insgesamt 43 Demonstrationsbeobachter*innen hat das Komitee für
Grundrechte und Demokratie viele Versammlungen in der Zeit vom 2. bis
8. Juli 2017 in Hamburg begleitet. Wir wollen den einseitigen
Polizeiberichten genaue Darstellungen der Abläufe entgegenstellen. (…)
Wir haben beobachtet, in welchem Maße die Polizei in diesen Tagen die
Macht über das Geschehen in der Stadt übernommen hat. Sie hat eskaliert,
Bürger- und Menschenrechte ignoriert, sie informierte die
Öffentlichkeit falsch und ging mit großer Gewalt gegen die Menschen vor.
Schon seit Monaten warnen wir vor dem Ausnahmezustand, der anlässlich
des G20 in Hamburg produziert wird. Das, was wir in dieser Woche
vorgefunden haben, geht sogar über das, was wir befürchtet haben, noch
hinaus. Nicht nur wurden die Grund- und Menschenrechte auf Versammlungs-
und Meinungsfreiheit durch die Allgemeinverfügung außer Kraft gesetzt.
Die Polizei hat, gedeckt von der Hamburgischen Regierung und vermutlich
auch im Sinne der Interessen der/des Innminister/-senators und der
Sicherheitsbehörden den Ausnahmezustand geprobt. Die
Versammlungsfreiheit als Grund- und Menschenrecht galt in Hamburg nicht…” Erklärung von und beim Grundrechtekomitee vom 9.7.2017 
- Festival der Grundrechtsverletzungen: Hamburg im Zustand polizeilicher Belagerung
“… Rechtsanwältin Gabriele Heinecke vom Anwaltlichen Notdienst G20
erklärt zu den Vorgängen der letzten Woche: „Wem an dem Erhalt der
Demokratie liegt, sollte durch die Erfahrungen der letzten Tage gewarnt
sein. Es herrschte ein Ausnahmezustand mit einer flächendeckenden
Aushebelung des Versammlungsrechts und mit einer erschreckenden
Rücksichtslosigkeit von Seiten der Polizei gegenüber Leib und Leben der
Demonstranten. Es kann nicht richtig sein, unter Hinweis auf Straftaten
am Rande von Demonstrationen oder auf Krawalle im Schanzenviertel, die
Unverbrüchlichkeit von Grundrechten in Frage zu stellen. Und es kann
nicht richtig sein, jetzt unter dem Ruf nach hohen Strafen für
Gewalttäter von den massiven Fehlern und Rechtsbrüchen der Polizei
abzulenken.Wenn die Jugend massenhaft wütend ist, muss man sich über die
Ursachen Gedanken machen. Der Ruf nach dem harten Staat hat bisher nur
zu weniger Demokratie, nicht aber zu einer Lösung geführt.“ Aus der Erklärung der Pressegruppe des Anwaltlichen Notdienst beim RAV e.V. vom 09.07.2017
- Protestforscher über G-20-Chaos: “Die Strategie der Polizei ist kolossal gescheitert”
“Der Soziologe und Protestforscher Simon Teune erklärt, wer
sich hinter dem Schwarzen Block verbirgt und wie die Lage beim
G-20-Gipfel in Hamburg so eskalieren konnte. (…) Die Ausschreitungen in
Hamburg kann man ohne die Vorgeschichte nicht verstehen. Die Polizei hat
von Anfang an Signale ausgesendet, dass Proteste in Hamburg keinen Raum
haben. Sie hat die Übernachtungscamps nicht zugelassen. Sie hat eine
Verbotszone eingerichtet, in der Protest nicht möglich sein sollte und
am Donnerstag dann als Höhepunkt zerschlägt sie eine genehmigte
Demonstration – aus nichtigen Gründen und in einer Form, die wahllos
Menschen verletzt und gefährdet hat. Diese Vorgeschichte hat dazu
geführt, dass die Leute, die die Polizei als Gegner sehen und ein
Zeichen des Widerstands setzen wollen, angespitzt wurden…” Interview von Thomas Hummel vom 9. Juli 2017 bei der Süddeutschen online 
- Körperlicher Angriff auf Anwalt in der Gefangensammelstelle (GESA)
“Einer unserer Anwälte des Anwaltlichen Notdienstes (AND) wurde
heute, Samstag, 8. Juli 2017, gegen 01.30 Uhr, von mehreren
Polizeibeamten gepackt, ihm wurde ins Gesicht gegriffen, der Arm
verdreht und dann aus der GESA geschleift. Zuvor befand er sich in einem
Beratungsgespräch mit einem Mandanten, der sich nach dem Gespräch
komplett entkleiden sollte. Leibesvisitationen werden aktuell vermehrt
an den Gefangenen, sowohl vor als auch nach dem Kontakt zu AnwältInnen,
vorgenommen. Die Polizei begründet diese Maßnahme damit, dass die
AnwältInnen ihren MandantInnen gefährliche Gegenstände übergeben
könnten. Der Anwalt widersprach dieser Leibesvisitation entschieden und
wurde dafür körperlich angegriffen. Bereits die Annahme, dass unsere
KollegInnen gefährliche Gegenstände mit in die GESA schmuggeln könnten,
zeigt erneut, dass die Polizei AnwältInnen nicht als Garanten eines
rechtsstaatlichen Verfahrens sieht, sondern als Gefahr. Wir verurteilen
diesen Angriff auf unseren Kollegen aufs Schärfste. Eine Polizei, die
gegen Anwälte körperlich vorgeht, die sich für ihre Mandanten einsetzen,
hat jeden Bezug zum Rechtsstaat verloren.” Pressegruppe des Anwaltlichen Notdienst beim RAV e.V. am 08.07.2017 
- G20-Protest: Wieder Auseinandersetzungen in der Schanze
Bunt und politisch breit gefächert: 76.000 demonstrierten gegen den
Gipfel / Gewerkschaften kritisieren Entzug von G20-Akkreditierungen. Guter Überblick vom 08.07.2017 beim ND online
von Elsa Koester, Sebastian Bähr (Hamburg), Samuela Nickel, Robert D. Meyer (Berlin)
- [Videotagebuch] G20 – Alles, außer Kontrolle!
“Am Freitagmorgen sammelten sich an mehreren Punkten Hamburgs
Tausende Aktivist*innen zur Hafenblockade und “Color the Red Zone”. Wie
schon am Vortag griffen die Polizeikräfte mit maximaler Gewalt jede und
jeden an, der es wagte, den Versuch zu unternehmen, den “reibungslosen
Ablauf” des G20-Gipfel zu stören. So wurden am Freitagmorgen erneut
viele Menschen verletzt und es gab mindestens 13 Schwerverletzte.
Bereits am Vortag gab es drei Schwerverletzte und eine Person, die in
Lebensgefahr schwebt. Trotzdem jeglicher Versuch der Meinungsäußerung
immer wieder gewalttätig unterbunden wurde, verlor die Polizei bereits
am Vormittag die Kontrolle über die gesamte Hamburger Innenstadt.
Überall formierte sich Protest. Die massive Polizeigewalt und die vielen
Schwerverletzten, sowie die Unterbindung von zentralen Demonstrationen
ließen die Eskalation am Abend endgültig eskalieren und die Polizei
musste sich über Stunden aus der Schanze zurückziehen. Selbst mit
mehreren Wasserwerfern und Tränengas konnten die militanten
Aktivist*innen nicht zurückgedrängt werden und griffen statt dessen
ihrerseits immer wieder organisiert an. Einkaufsketten und Boutiquen
wurden geplündert, lokale Laden verschont. Erst spät in der Nacht und
mit Hilfe von schwer bewaffneten SEK-Kräften konnte die Polizei in die
Schanze eindringen. Zu diesem Zeitpunkt waren dort allerdings fast
ausschließlich Schaulustige zurückgeblieben.” Videotagebuch vom 08.07.2017 von Udo Karbrüggen & Karl Plumba (Lower Class Magazine) bei youtube

- [#g20demo] Großdemonstration am 8. Juli in Hamburg: Grenzenlose Solidarität statt G20!
“… Am
7. und 8. Juli wollen sich die politisch Verantwortlichen für dieses
menschliche und soziale Desaster in Hamburg treffen. Auf ihrem
jährlichen Gipfel reden die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten
über „Bekämpfung von Fluchtursachen“, aber keines der großen
Herkunftsländer sitzt am Tisch. Sie reden über „Partnerschaft mit
Afrika“, aber es fehlt fast der gesamte Kontinent. Sie reden über den
Klimawandel, vertreten aber die Interessen der Erdöl-, Kohle- und
Autoindustrie. Sie reden über Frieden, sind aber selbst die größten
kriegführenden und rüstungsproduzierenden Staaten. (…)Der G20-Gipfel
wird Hamburg über Tage hinweg lahmlegen und die Stadt als Kulisse für
ein inszeniertes Schauspiel der Macht missbrauchen, während die dort
lebenden Menschen an den Rand gedrängt werden sollen. Aber dieser Plan
wird nicht aufgehen. Mögen sich die Staatsgäste und ihre Delegationen in
den Messehallen verbarrikadieren. Die Straßen werden den Menschen
gehören, die den Gipfel nicht eingeladen haben. Unsere Kritik richtet
sich nicht nur gegen einzelne Personen und Repräsentanten, sondern gegen
die Verhältnisse und Strukturen, die diese hervorbringen. (…) Wir laden
alle Menschen ein, die unsere Empörung und unsere Hoffnung teilen, mit
uns gemeinsam am 8. Juli 2017 in Hamburg zu einer lauten, bunten und
vielfältigen Demonstration auf die Straße zu gehen.” Aufruf des Demo-Bündnisses gegen das G20-Treffen in Hamburg
(auch bei #NoG20 2017
) aus
unterschiedlichen Gruppen und Organisationen zu Großdemonstration am 8.
Juli in Hamburg auf der Bündnisseite – LabourNet Germany unterstützt
selbstverständlich den Aufruf
- Brennende Autos beim G20: Nationalfetisch Auto. Wenn die
Polizei in Hamburg die Regierungsgeschäfte führt, kann man ihr die Stadt
auch ganz überlassen, meint Leo Fischer
“Es gibt für Deutsche keine schlimmere Kränkung, als wenn man ihre
Autos angreift. In den Kommentaren zu den G20-Protesten jedenfalls
werden »brennende Autos« regelmäßig vor zertrümmerten Ladenfenstern und
verletzten Personen erwähnt; letztere sind ersetzbar, aber der
Nationalfetisch Auto ist mehr noch als Hymne und Flagge unabdingbar –
als ein symbolisches Zentrum kleinbürgerlicher Aufstiegsideologie. Wer
Autos anzündet, stellt exakt die Lebensentwürfe in Frage, in denen der
Besitz des Autos eins ist mit Erfolg, Dazugehören und Glück im Winkel;
eben deshalb gelten solche Angriffe fast schlimmer als versuchter Mord.
(…) Bei besonders schlimmen Exzessen kann der Innenminister
zurücktreten, um die symbolische Ordnung wiederherzustellen. Kurz und
schlecht: Wenn in Hamburg de facto ohnehin die Polizei die
Regierungsgeschäfte führt, dann kann man ihr die Stadt auch ganz
überlassen. »Polizeistadt Hamburg«, das hat sogar einen guten Klang. Die
Sicherheit der Autos wäre jedenfalls garantiert.” Kommentar von Leo Fischer bei neues Deutschland vom 7. Juli 2017 
- [#HamburgCityStrike und #shutdowntheharbour] g20 am 7.7.: Social Strike im Hafen – Shut down the harbour!
“Wir
wollen gemeinsam mit vielen Menschen in einer Massenaktion während des
G20-Gipfels in Hamburg gegen die Logistik des Kapitals vorgehen und für
offene Grenzen für alle Menschen eintreten. Dafür wollen wir mit dem
Hamburger Hafen den drittgrößten Container-Hafen Europas blockieren. Der
Boom des Hamburger Hafens steht symbolisch für das deutsche
Exportmodell und die vermeintlich erfolgreiche deutsche Krisenpolitik,
die einen wesentlichen Teil zu den sozialen Verwüstungen innerhalb und
außerhalb Europas des letzten Jahrzehnts beigetragen hat…” Meldung von hamburcitystrike vom 19.04.2017
und dazu:
- “Shut down the logistics of capital” – FAQ – Frequently Asked Questions
“Bis zum 07. Juli und damit zum Beginn unserer Aktion im Rahmen der
Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg dauert es nicht mehr all zu
lange. In den letzten Wochen und Monaten haben eine Vielzahl von
Informations- und Diskussionsveranstaltungen stattgefunden – sowohl in
Deutschland als auch in vielen europäischen Ländern. Einige Fragen sind
uns dabei immer wieder begegnet – wir haben sie versucht euch noch
einmal in einer Übersicht hier zu beantworten…” FAQ vom 23.06.2017 von und bei shut down the logistics of capital!
- [#w2h /#WelcomeToHell] »Welcome to Hell«: Polizei stoppt »Welcome to Hell«-Protest
“12.000 protestieren auf dem Fischmarkt (…) Update 19:10 Uhr:
Polizei lässt Wasserwerfer auffahren. In diesen Minuten lässt die
Polizei mehrere Wasserwerfer auffahren. Der Protest darf sich nicht
weiterbewegen. Wie ein »nd«-Reporter vor Ort berichtet, soll der
Einsatzleiter der Polizei ihr Vorgehen mit der Vermummung einiger
Demonstrierender begründet haben…” Laufende Berichterstattung vom 06.07.2017 beim ND online
von Elsa Koester, Sebastian Bähr und René Heilig (Hamburg), Robert D. Meyer (Berlin) und der CCC-Livestream
. Siehe auch:
- [#SoliGipfel] 5. und 6. Juli 2017: Gegen-Gipfel in Hamburg – “Gipfel für globale Solidarität”
“Mehr als 50 Initiativen und Organisationen aus dem In- und Ausland
rufen anlässlich des kommenden G20-Gipfels in Hamburg zu einem
zweitägigen “Gipfel für globale Solidarität” auf. Dieses Treffen, zu dem
bisher 1.500 Teilnehmende erwartet werden, findet am 5. und 6. Juli
2017 in Hamburg statt und versteht sich als Alternative zum
anschließenden Gipfel der G20“ – so beginnt die Attac-Pressemitteilung „Bündnis will globale Solidarität statt G20-Politik“ vom 20. März 2017
, dokumentiert bei Pressrelations, worin zum dazugehörigen „Aufruf zum Mitmachen“ informiert wird: „Der
“Aufruf zum Mitmachen” lädt weitere Initiativen und Organisationen, den
Alternativgipfel durch eigene Veranstaltungen zu bereichern. Bisher
sind 11 große Podienveranstaltungen in der Hamburger Kulturfabrik
Kampnagel geplant. Gäste aus der ganzen Welt wie die renommierte
Ökonomin Jayati Gosh, die Globalisierungskritikerin Vandana Shiva aus
Indien und der führende kurdische Politiker Salih Müslim aus Rojava
haben ihre Teilnahme bereits zugesagt…“ Siehe dazu auch:
- Hamburg auf den Barrikaden. Gibt es noch Widerstand gegen
die Zumutungen der Oberen, der nicht bereits Opfer von Kriminalisierung
oder Repressionen ist?
“Gibt es Parallelen zwischen dem Barrikadenbau in Hamburg
1848 und dem Protest gegen den G20-Gipel in Hamburg 2017? Was sind die
historischen Unterschiede? Was sind Barrikaden gegen Zelte? Und
überhaupt: Warum würde keine einzige Zeitung im Land heute mehr die
“Anleitung zum Barrikadenbau” von 1848 veröffentlichen? Ein persönlicher
Brief an einen jungen Freund…” Artikel von Jörg Becker vom 05. Juli 2017 beim Rubikon 
- Hamburger Polizei greift freie Advokatur an: Mitgliedschaft in bürgerrechtlichem Anwältinnen- und Anwälteverein als ›Gefahr‹?
“Die Hamburger Polizei greift im Rahmen der rechtlichen
Auseinandersetzungen um die Proteste gegen den G20-Gipfel die freie
Advokatur und damit ein tragendes Prinzip des Rechtsstaates an. In einem
verwaltungsgerichtlichen Verfahren vertritt die Behörde die Auffassung,
die Mitgliedschaft von Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen im RAV sei
Indiz für eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Die Polizei hat
per Allgemeinverfügung in weiten Teilen der Hansestadt Versammlungen
untersagt. Vier ehemalige Jura-Studierende aus Hamburg – früher
Mitglieder in der Initiative Hamburger aktive Jura-Student_innen (HAJ) –
klagen derzeit gegen das von der Hamburger Polizei erlassene Verbot von
Demonstrationen am 7./8. Juli 2017. Gegen diesen Eilantrag geht nun die
Polizei mit einem Angriff auf die freie Anwaltschaft vor (…) Das
Vorgehen der Polizei hat auch deshalb besondere Brisanz, weil unter dem
Dach des RAV der Anwaltliche Notdienst während der G20-Proteste
organisiert ist. (…) Der RAV ruft alle Demokrat_innen auf, sich an den
Protesten und für die Stärkung der Bürgerrechte zu beteiligen. Es darf
nicht sein, dass die Stadt Hamburg und die Bundesregierung
rechtsstaatliche Grundsätze über Bord werfen und einen faktischen
Ausnahmezustand schaffen, um ausländische Staats- und Regierungschefs –
darunter Vertreter verschiedener autoritärer Regime – zu hofieren.” RAV-Presseerklärung vom 4. Juli 2017 
- die aktion – 1000 GESTALTEN entern die Stadt
“Formationen verkrusteter Gestalten bewegen sich schweigend und
langsam durch die Straßen Hamburgs. Sie haben an ihrer panzerhaften
Kleidung schwer zu tragen, sind ausdruckslos und wirken unangreifbar.
Sie stehen für eine Gesellschaft, die sich ihrer Hilflosigkeit vor den
komplexen Zusammenhängen der Welt ergeben hat und nur noch für das
eigene Vorankommen kämpft. Anfangs sind es nur kleine Gruppen, aber über
die Tage vor dem G20-Gipfel werden es immer mehr. (…) Aber plötzlich
bleibt eine von ihnen stehen. Eine Transformation beginnt: Die Gestalten
befreien sich von ihren Panzern, gewinnen ihre Menschlichkeit und ihren
individuellen Ausdruck zurück. Sie stehen für eine Gesellschaft, in der
Veränderung nicht von oben kommt, sondern von jedem Einzelnen ausgeht.
In der die Menschen sich den politischen Herausforderungen stellen und
gemeinsam für Solidarität, Toleranz und konstruktiven Diskurs kämpfen.
Werde ein Teil von uns! Hast du Lust, am 5. Juli 2017 in Hamburg eine
von den 1000 GESTALTEN zu werden?…” Siehe die Aktionsseite
. Siehe dazu:
- Die Tage in Hamburg zur »dritten Option« machen. Der Protest
gegen den G20-Gipfel müsse sich mit anderen Wellen von Bewegung
verbinden, meint Beppe Caccia
“… Damals, im »goldenen Zeitalter« der globalisierten
Wirtschaft, dienten die Gipfeltreffen der G8 dazu, eine »neue
Weltordnung« zu entwerfen, verbunden mit dem Versprechen eines immer
breiteren Schichten der Menschheit zugute kommenden kapitalistischen
Wachstums. Wir haben diese Gipfel belagert und so die diesem Versprechen
innewohnende Lüge bloßgestellt. Heute, rund zehn Jahre nach dem Beginn
der großen Finanzkrise, sind die unerträglichen sozialen und
ökologischen Folgen des neoliberalen Modells der Globalisierung
offensichtlich. (…) Die Tage in Hamburg können mehr sein als ein
einzelnes Ereignis, ein isoliertes Aufflackern des Protests, wenn sie
dazu beitragen, im Zusammenwirken der verschiedenen Wellen von Bewegung
die mögliche politische Flut sichtbar zu machen, in der eine »dritte
Option« aufscheint. Einer solchen kraftvoll eine politische Perspektive
zu eröffnen, ist zugleich die effektivste Art, die Logik des
Ausnahmezustands zu durchkreuzen, die sich in Hamburg als
Militarisierung und als das Außerkraftsetzen verfassungsmäßiger Rechte
sowie anderswo und tagtäglich als Herrschaft durch Angst zeigt.” Beitrag von Beppe Caccia in der Übersetzung von Thomas Atzert bei neues Deutschland vom 3. Juli 2017
(der italienische Philosoph Beppe Caccia ist in sozialen Bewegungen wie Blockupy, EuroNomade und European Alternatives aktiv)
- Kommentar zum Umgang mit G20-Protestlern: Ein Versagen des Senats
“Hamburg startet in die Gipfel-Woche – und der Senat liefert eine
empörende Show ab. Der Bürgermeister rollt den Autokraten, Königen und
Demokratieverächtern dieser Welt den roten Teppich aus, wird sie per
Handschlag begrüßen, sich im Blitzlichtgewitter sonnen und stolz die
Elbphilharmonie präsentieren. Er lädt Donald Trump ins Gästehaus des
Senats ein – aber für die Bürger, die gegen Erdogan und Co.
demonstrieren wollen, hat er nicht mal eine Wiese zum Zelten übrig…” Kommentar von Mathis Neuburger, Ressortleiter Lokales, vom 3.7.2017 bei der Hamburger Morgenpost online 
- NoG20: Polizei stürmt Protestcamp. Verletzte bei Räumung von
»Übernachtungszelten« / Camp-Organisatoren: Beamte agieren in
rechtsfreiem Raum
“Polizisten haben in der Nacht eines der Protestcamps gestürmt. Sie
beschlagnahmten dort Zelte, es kam zu Pfeffersprayeinsatz. Mindestens
zwei Menschen wurden zunächst festgenommen, so der Anwaltliche
Notdienst. Vor Ort war von Verletzten die Rede. (…) Der Anwalt der
NoG20-Camps-Organisatoren, Mark Nerlinger, sagte in der Nacht, der
Polizeieinsatz sei »völlig unverhältnismäßig« gewesen: »Es ist
rechtswidrig, es war martialisch« (…) In einer neuen Verfügung sei den
G20-Kritikern ein 16.000 Quadratmeter großes Areal auf Entenwerder
zugewiesen worden, auf dem demonstriert, aber nicht übernachtet werden
dürfe, sagte Polizeisprecher Timo Zill am Sonntagabend. Die Entscheidung
über die neue Verfügung liege nun wieder beim Verwaltungsgericht.
Hamburgs Innensenator Andy Grote twitterte am Montagmorgen, das
Verwaltungsgericht Hamburg habe die »Linie der Versammlungsbehörde«
bestätigt: »Kein Übernachtungscamp. Eilantrag der Camper heute Nacht
abgelehnt.«…” ND-Bericht vom 03.07.2017 
- Start in die Protestwoche. Tausende demonstrieren in der
Hamburger Innenstadt gegen G 20. Beamte behindern Aufbau von Zelten der
Gipfelgegner
“Während in der Hamburger City am Sonntag Tausende Menschen
gegen die Politik der »G 20« demonstriert haben, hat sich die Polizei
der Hansestadt im Viertel Rothenburgsort erneut über Urteile der
Gerichte hinweggesetzt. Obwohl das Verwaltungsgericht Hamburg am
Sonnabend den Aufbau des »Antikapitalistischen Camps« im Elbpark
genehmigt und auch das Errichten von Schlafzelten befürwortet hatte,
hinderten die Beamten die Aktivisten am Betreten des Platzes. Die
Uniformierten erklärten, dass noch kein Auflagenbescheid vorliege,
weshalb der Aufbau nicht beginnen könne. Allerdings lag auch kein
schriftliches Verbot vor, so dass den Organisatoren auch eine
juristische Intervention verwehrt blieb…” Bericht von André Scheer und Georg Hoppe in der jungen Welt vom 03.07.2017 
- Protestwelle erreicht die G20: Zehntausende zur
Großdemonstration gegen die Politik der mächtigsten Staats- und
Regierungschefs erwartet
“Sechs Tage vor dem Treffen der führenden Staats- und
Regierungschefs in Hamburg starten die Gegner der G20-Politik am Sonntag
mit der «G20 Protestwelle» in ihre erste große Demonstration. Der
Marsch durch die Innenstadt beginnt um 11.30 Uhr auf dem Rathausmarkt,
wo um 15.00 Uhr auch die Abschlusskundgebung geplant ist. Parallel dazu
seien rund 200 Kanus, Kajaks, Ruderboote und selbstgezimmerte Flöße auf
der Binnenalster unterwegs, teilten die Veranstalter mit. Bei der
Demonstration kämen zudem jene vor rund zwei Wochen in 44 Städten
gemalten Schilder und Transparente mit Slogans und Botschaften in
mehreren Sprachen zum Einsatz. Sie sollen zusammen «ein Meer aus
Bannern» ergeben. Zu dem «familienfreundlichen Protesttag» erwarten die
Organisatoren nach eigenen Angaben Zehntausende Teilnehmer. Dem Bündnis
der G20 Protestwelle gehören Umwelt-, Landwirtschafts- und
Verbraucherschutzorganisationen, Gewerkschaften, Bürgerrechts- und
kirchliche Organisationen an. Organisiert wird der Protest unter anderem
von den Umweltorganisationen Greenpeace und BUND, von Campact, vom DGB
Nord und dem Verein Mehr Demokratie…” Beitrag vom 02.07.2017 beim ND online , siehe alle Infos auf der Aktionsseite der G20 Protestwelle 
- Verfassungsschutz spielt Demo-Türsteher: Inlandsgeheimdienst warnt »gute Demokraten« vor »bösen Linksextremisten«
“Kurz vor dem umstrittenen Gipfel der G20 in Hamburg, zu
dem zahlreiche Proteste angekündigt sind, spielt der Verfassungsschutz
den politischen Türsteher – und erklärt, mit wem »gute Demokraten«
demonstrieren dürfen und mit wem nicht. Die verbale Aufmunitionierung
vor den Demonstrationen, die mit weitgehenden Verbotsverfügungen belegt
sind, geht damit unverdrossen weiter. Nun hat Hamburgs Verfassungsschutz
vor der Teilnahme an bestimmten Demonstrationen gewarnt – weil diese
von seiner Ansicht nach Linksextremen mitorganisiert werden…” Beitrag vom 01.07.2017 beim ND online 
- G20-Proteste – Warum die FAU nicht zu Protesten aufruft: Kritisch, aber solidarisch
“Der G20-Gipfel in Hamburg und der dazugehörige Protest
werden ein riesiges Spektakel sein. Sich den Protesten anschließen zu
wollen, ist durchaus ein richtiger Impuls, schließlich treffen sich dort
mit Wladimir Putin, Recepp Tayyip Erdoğan, Donald Trump und anderen
Prominenten autoritäre Menschenfeinde, gegen die es sich eigentlich
immer zu demonstrieren lohnt. An den Protestveranstaltungen werden
einige von uns auch teilnehmen, als Einzelpersonen. Als FAU Hamburg
stehen wir den stattfindenden Gipfelprotesten allerdings kritisch
gegenüber und haben daher nicht zur Teilnahme aufgerufen. Dies liegt vor
allem an dem Anspruch und der Rhetorik der Gipfelproteste. (…) Eine
konkrete Verbesserung für uns Lohnabhängige wird dadurch nicht erkämpft.
Das sollte aber der Maßstab sein, an dem sich eine Aktion messen muss.
Kernstück der syndikalistischen Praxis ist die direkte Aktion. Dieses
Konzept folgt nicht dem Anspruch, die Herrschenden um eine Verbesserung
der Lebensumstände anzubetteln. Nichts anderes aber tun Gipfelproteste,
egal wie militant sie ausfallen. (…) Zum anderen gefällt uns die von den
meisten Organisationen vorgetragene Kritik am G20-Gipfel nicht. Die
Rhetorik vom Treffen der Herrscher der Welt, die Ränke schmieden, um das
arme Volk auszubeuten, ist uns zuwider. Die derzeitigen politischen
Verwerfungen zeigen, dass die vermeintlich Herrschenden keine so
homogene »Elite« sind, die einem unschuldigen »Volk« gegenüber steht.
Diese Vorstellung bietet unangenehmste Anknüpfungspunkte für
Verschwörungstheorien und Antisemitismus – kein Wunder, dass neue und
alte Rechte den Kapitalismus ebenso erklären…” Stellungnahme von FAU Hamburg vom 29. Juli 2017 bei jungle world 
- Gespräche über G20-Protestcamp in Hamburg geplatzt. Nach
Karlsruher Eilentscheidung: Polizei will Versammlung der G20-Kritiker
immer noch verbieten – aus Sicherheitsgründen
“Die Hamburger Polizei will das Protestcamp der G20-Kritiker im
Stadtpark weiterhin verbieten. Wie die Versammlungsbehörde mitteilte,
will sie den »weiten Entscheidungsspielraum« nutzen, den ihr
Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom Mittwoch einräumte.
»Ausdrücklich hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass es
insofern auch zu einer versammlungsrechtlichen Untersagung des Camps
kommen kann«, so die Polizei. »Die Versammlungsbehörde hält das Camp im
Stadtpark unter Sicherheitsaspekten weiterhin für unvertretbar.«…” Artikel vom 29.06.2017 (updated) von und bei ND 
- Bundesverfassungsgericht: G20-Protestcamp muss vorsorglich
den Regeln des Versammlungsrechts unterstellt werden, kann aber
beschränkt werden
“… Mit heute veröffentlichtem Beschluss hat die 3. Kammer des Ersten
Senats des Bundesverfassungsgerichts im Wege der einstweiligen
Anordnung der Stadt Hamburg aufgegeben, über die Duldung des im
Stadtpark geplanten Protestcamps versammlungsrechtlich zu entscheiden.
Die Entscheidung der Kammer beruht auf einer Folgenabwägung. Nicht
Gegenstand der Entscheidung ist die Frage, ob und wieweit das
Protestcamp in Blick auf die öffentliche Sicherheit beschränkt oder
möglicherweise auch untersagt werden kann…” Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Juni 2017 zum Beschluss vom 28. Juni 2017
(1 BvR 1387/17) zum G20-Protestcamp auf der großen Festwiese des Hamburger Stadtparks, siehe dazu:
- Verfassungsgericht: Das Antikapitalistische Camp ist eine politische Versammlung
Pressemitteilung der Vorbereitungsgruppe vom 29.6.2017
zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28.06.2017, darin auch die
PM des Antikapitalistischen Camps: “zum unverhältnismäßigen
Polizeieinsatz während unserer Kundgebung”
- Anwalts-Notdienst zum G20-Gipfel: “Die Polizei betreibt Stimmungsmache”
“120 Anwälte haben sich für den G20-Gipfel zu einem Notdienst
zusammengeschlossen. Sie wollen Demonstranten zu ihrem Recht verhelfen –
und der Polizei nicht die Deutungshoheit überlassen…” Interview von Alexander Schulz mit RA Matthias Wisbar vom anwaltlichen Notdienst vom 28. Juni 2017 bei Spiegel online
mit wichtigen Hinweisen an die Versammlungsteilnehmer (trotz spiegeltypischer teilweise verdrehter Fragestellungen). So z.B.: “Sie
müssen auf sich aufpassen. Die Erfahrung zeigt, dass von polizeilicher
Seite aus in das Versammlungsrecht eingegriffen werden wird. Und das
nicht immer mit einer rechtlichen Grundlage. Deshalb ist es sinnvoll,
sich mit dem geltenden Recht vertraut zu machen und die Telefonnummer
des Ermittlungsausschusses dabei zu haben.”
- Gelebte Alternativen zur Politik der G20. Auf dem Gipfel für
globale Solidarität wird am 5. und 6. Juli diskutiert, mit welchen
Strategien und Bündnissen Alternativen zur Politik der G20 umgesetzt
werden.
“Die breite Beteiligung an den Vorbereitungen zum Alternativgipfel,
die auch viele im Civil20-Prozess engagierte Organisationen einschließt,
zeigt die Notwendigkeit für einen Alternativgipfel. „Beim Gipfel für
globale Solidarität geht es um Alternativen zur G20-Politik. Und es geht
um Strategien und Bündnisse innerhalb verschiedener politischer
Spektren der Zivilgesellschaft und sozialer Bewegungen, um politische
Alternativen zu erarbeiten“, erläutert Christian Kruse aus dem
Vorbereitungskreis des „Gipfels für globale Solidarität“. Soziale
Bewegungen, Gewerkschaften, kirchliche und Bürger*innen-Organisationen
haben detaillierte Vorschläge und politische Praxen entwickelt, wie
soziale, ökonomische und ökologische Probleme auf lokaler, nationaler,
europäischer und globaler Ebene angegangen werden können, jenseits einer
Politik, die soziale Ungleichheit und die Vernichtung der natürlichen
Lebensgrundlagen verschärft. In einer Hauptveranstaltung mit
internationalen Gästen widmet sich der Gipfel für globale Solidarität am
Abend des 5. Juli der entscheidenden Frage: Wie lassen sich bestehende,
gelebte Lösungsansätze zu einer umfassenden Alternative entwickeln?...” Pressemitteilung vom 28. Juni 2017
zum Programm des “Gipfel für globale Solidarität” 
- 19.000 Polizisten, 3000 Fahrzeuge, 11 Hubschrauber bei G20
“… Wie viele Wasserwerfer werden bei den Protesten gegen
den G20-Gipfel in Hamburg im Einsatz sein? Die Polizei will damit nicht
herausrücken: »Aus einsatztaktischen Gründen« könne man dazu keine
genaue Zahl nennen, erklärte ein Sprecher dem »nd«. Insgesamt seien für
die 19.000 Polizisten aber 3000 Fahrzeuge im Einsatz, vom Streifenwagen
über Mannschafts- und Übertragungswagen – bis hin zu Wasserwerfern. Die
»Glitzer-Antifa Hamburg« nimmt sich der Recherche nun an und ruft über
Twitter dazu auf, ihnen Fotos gesichteter Wasserwerfer zu schicken. (…)
Derweil haben CDU- und SPD-Innenpolitiker ermöglicht, dass die
Bundespolizei zur Lageklärung in Hamburg auch Drohnen einsetzen darf.
Das berichtete die in Halle erscheinende »Mitteldeutsche Zeitung« am
Mittwoch. (…) Nach Informationen der Zeitung bekommen die Leibwächter
des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die bei dessen
Washington-Besuch in Schlägereien verwickelt waren, zudem keine Visa für
den Gipfel…” Infos von und bei neues Deutschland vom 28. Juni 2017 
- Im Namen der Demokratie: Hamburg rüstet auf
“Beim “Festival der Demokratie” (G-20-Gipfel) “feiern”
15.000 Polizeibeamte und die GSG-9 mit – flankiert von Eurofightern und
voraussichtlich einem Kriegsschiff. (…) Um die Sicherheit der Gäste zu
gewährleisten, wird allerhand aufgeboten: 15.000 Polizeibeamte, 3.000
Einsatzwagen, Wasserwerfer, Panzer, Eurofighter in der Luft in
Alarmbereitschaft und – so wird gemunkelt – womöglich ein Kriegsschiff
im Hafen. Das Hafenbecken soll nach Sprengsätzen abgesucht werden. (…)
Die erwarteten Regierungschefinnen und -chefs bringen allerdings nicht
nur jene auf die Straße, die gegen sie sind, sondern auch ihre Getreuen.
Damit ist zumindest im Falle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip
Erdogan zu rechnen. Bekanntlich nutzt er jede Gelegenheit, zu seiner
Gefolgschaft zu sprechen und sich von ihnen bejubeln zu lassen. (…) Das
größte Fragezeichen in dem Sicherheitskonzept aber ist der Einsatz eines
Kriegsschiffs im Hamburger Hafen. Zumindest ließ der Focus am
vergangenen Freitag verlautbaren, von “hochrangigen Sicherheitskreisen
erfahren” zu haben, dass derzeit “geplant wird, ein Kriegsschiff der
deutschen Marine in den Hamburger Hafen zu verlegen. Es soll im Fall
eines Anschlags die Regierungschefs und weitere Gipfelteilnehmer
aufnehmen und vor weiteren Attacken schützen. (…) Wenn aber die
Gefährdungslage so akut ist, dass schwimmende Operationssäle bereit
gehalten werden müssen, mit denen die illustre Versammlung aufs Meer
hinaus verschwinden kann, dann stellt sich die Frage: Was wird
eigentlich getan, um die normale Bevölkerung in diesen Tagen erhöhter
Gefährdung vor Terroranschlägen zu schützen? Bis dato ist nicht zu
erkennen, dass derartige Überlegungen in dem Sicherheitskonzept eine
Rolle spielen.” Beitrag von Birgit Gärtner vom 27. Juni 2017 bei Telepolis
- Organisatoren des G20-Protestcamps Altona zuversichtlich / Dauerkundgebung mit Veranstaltungen zu G20-Themen geplant
“Die Organisatoren des G20-Protestcamps im Volkspark Altona sind
nach dem Kooperationsgespräch mit der Versammlungsbehörde am heutigen
Montag zuversichtlich, dass der Aufbau wie geplant ab kommenden
Mittwoch, dem 28. Juni stattfinden kann. Der Dauerprotest im Volkspark
Altona wird die Themen der G20-Proteste aufgreifen in zahlreichen
Veranstaltungen, die rund um die Uhr angesetzt sind. Das Protestcamp
richtet sich an die vielen anreisenden Demonstrantinnen und
Demonstranten ebenso wie die Hamburgerinnen und Hamburger, die sich an
den Protesten rund um die G20 beteiligen und sich informieren und
austauschen wollen…” Pressemitteilung der Organisatoren des G20-Protestcamps Altona vom 26. Juni 2017 
- »GeSa to Hell«: Hunderte demonstrieren gegen G20-Knast
“Proteste gegen Sicherheitsbehörden: »Freiheit stirbt mit
Sicherheit« / Über 700 bei der »We are here«-Demo von Geflüchteten gegen
den umstrittenen Gipfel…” Bericht vom 25.06.2017 beim ND online 
- G20-Camp: Aktivisten ziehen vor das Verfassungsgericht. Hamburger Oberverwaltungsgericht hat das Zeltlager im Stadtpark verboten
“… Das Hamburger Oberverwaltungsgericht hat das von den
Gegnern des G20-Gipfels im Stadtpark geplante Protestcamp verboten. Das
Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass bei dem Protestcamp
»bei einer Gesamtschau« das Übergewicht bei »nicht auf die
Meinungskundgabe gerichteten Elemente« bestehe. »Dem Vorleben einer
‚alternativen‘ Lebensweise«, so das Gericht, »komme hier für sich
genommen kein versammlungsrechtlich geschützter Kundgabecharakter zu.«
»Sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht träten die auf dem
Gelände des Protestcamps vorgesehenen Veranstaltungen, die auf eine
Meinungskundgabe gerichtet seien, hinter den Veranstaltungen, die nicht
auf eine Meinungskundgabe gerichtet seien, und hinter der Bereitstellung
von Schlaf- und Versorgungszelten zurück«, argumentierten die Richter.
»Bei wertender Betrachtung seien das Übernachten auf dem Gelände und die
dafür erforderliche Infrastruktur, unter anderem das Aufstellen von bis
zu ca. 3.000 Zelten, kein funktioneller oder symbolischer Teil der
Meinungskundgabe.« (…) Das Organisationsteam des »Antikapitalistischen
Camps« kündigte noch am Freitag an, den Schritt vor das
Verfassungsgericht zu gehen…” Beitrag von und bei neues Deutschland vom 23. Juni 2017 
- Demonstration: We are here! Wir sind hier! am Sa 24.6.2017
“Es
ist nicht zu akzeptieren, dass die G20 sich hier treffen um über uns zu
sprechen – ohne mit uns zu sprechen. Es gibt viele Gründe gegen G20 zu
sein, vor allem für Geflüchtete und Migrant_innen. Keine ihrer
Diskussionen wird irgendeine Lösung für uns bringen. Sie sind
diejenigen, die die Gründe für Flucht und Migration verursachen – sie
verursachen Kriege, sie beuten unsere Länder aus… Kommt mit uns auf die
Straße für soziale Rechte für alle und gegen G20! Wir – Geflüchtete,
Migrant*innen und unsere Netzwerke fordern: Stoppt Kolonisierung,
Ausbeutung und Krieg! Entschuldigung und Kompensation! Für das Recht zu
kommen und zu gehen! Stoppt das Sterben! Migrationspolitiken ändern!” Der Aufruf zur Demo
ab 14:00 am Hachmannplatz/Hauptbahnhof HH (Es gibt auch eine Flüchtlingsdemonstration in Jena am 24.06.2017: Stopp-Deportation-Parade! Im Protest gegen den G20 Summit und die Kriege gegen Flüchtlinge!!
)
- Verwaltungsgericht kippt Verbot des G20-Protestcamps
“Erneute juristische Schlappe für die Hansestadt Hamburg: Wie das
zuständige Verwaltungsgericht am Mittwoch bekanntgab, ist das Verbot des
von G20-Kritikern geplanten Protestcamps im Stadtpark auf Grundlage
einer polizeilichen Allgemeinverfügung unzulässig. Damit bestätigte das
Gericht seine eigene Entscheidung vom 7. Juni. Vor zwei Wochen war das
zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord schon einmal mit dem Versuch
gescheitert, das Protestcamp im Stadtpark zu verhindern. (…) Die
erfolgreiche Klage gegen das Campverbot ist jedoch nicht der einzige
Fall, mit dem sich die Justiz derzeit in der Hansestadt mit bezug zu G20
auseinandersetzen muss. Auch gegen das Demonstrationsverbot in Teilen
Hamburgs sind am Dienstagabend drei Eilanträge beim Verwaltungsgericht
eingegangen. (…) »Es ist erschreckend, wie der autoritäre
Ausnahmezustand von den Mächtigen dieser Welt zum Normalzustand erklärt
wird – nicht nur von den Erdogans, Putins und Trumps dieser Welt, auch
von der deutschen Bundesregierung«, so der Liedermacher Konstantin
Wecker, der die Initiative unterstützt.” Beitrag von Robert D. Meyer auf Basis von Agenturmeldungen in Neues Deutschland vom 22. Juni 2017 
- Warum sich LabourNet Germany mit den G20-Protesten solidarisiert
“Wenn sich in der BRD – ein Land, das viele andere Länder auspresst
und nicht nur Griechenland diktiert, dass Referenden nichts wert sind –
die Mächtigsten der Welt, wie sie sich selbst nennen, treffen: Dann
müssen wir dabei sein – bei jenen, die ungehorsam sind und rebellisch.
Wenn die Stadt des Treffens, in diesem Fall eben Hamburg, zu einer Zone
polizeilichen Notstandsregimes gemacht werden soll: Dann müssen wir
dabei sein – bei jenen, die ungehorsam sind und rebellisch.Und
wenn wir Tag für Tag und Woche für Woche über große und kleine Kämpfe
hier und rund um die Welt berichten und sie nach Kräften unterstützen:
Dann müssen wir dabei sein, müssen mit mobilisieren – all jene, die auch
hierzulande kämpfen wollen, mit oder ohne Job. Ungehorsam und
rebellisch. Bei den den G20-Protesten und im Alltag.” Unsere Unterstützung zu und bei G20 Demo – Grenzenlose Solidarität statt G20 
- Aufruf „Hamburg ist unsere Stadt“: G20-Gipfel darf Grundrechte nicht außer Kraft setzen!
“Seit geraumer Zeit können wir in Hamburg erleben, dass die Stadt
immer mehr zur grundrechtsfreien Zone wird. Der Hamburger Senat hat sich
mit dem G20-Gipfel immense Probleme in die Stadt geholt und löst sie
auf Kosten der Grundrechte. Um das zu rechtfertigen, wird täglich
öffentlichkeitswirksam vor den Gefahren durch angeblich etwa 8.000
gewaltbereite Protestierende gewarnt. Einen unrühmlichen Höhepunkt
dieser Entwicklung stellte die Einrichtung einer etwa 38
Quadratkilometer großen Verbotszone für Demonstrationen dar – eine
Bestätigung der zuvor bereits kursierenden, aber von Seiten der Polizei
zunächst dementierten „blauen Zone“. Und es ist davon auszugehen, dass
das nicht die letzte repressive polizeiliche Maßnahme bleiben wird. (…)
Die Initiator*innen des Aufrufs „Hamburg ist unsere Stadt – Wir wollen
unsere Grundrechte nicht zum G20-Gipfel abgeben!“ sehen eine ernsthafte
Gefährdung für die Grundrechte. Das „Festival der Demokratie“ ist nicht
mehr als ein Werbeslogan, der nicht hält, was er verspricht. „Wer
Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave“, sagte
Aristoteles. Der Senat lässt den Hamburgerinnen und Hamburgern keine
Wahl…” Aus dem Aufruf auf der Aktionsseite
– mit dem Aufruf wollen die InitiatorInnen klar machen: Grundrechte und
Demokratie dürfen nicht einem Prestigeprojekt geopfert werden. Bereits
über 40 Organisationen und über 50 Personen haben sich dem Aufruf
angeschlossen.
- G-20-Gipfel: »Wir schauen der Polizei auf die Finger« –
Anwältinnen und Anwälte schließen sich zusammen, um die Rechte von
Protestierenden zu schützen
In einem Gespräch von Kristian Stemmler mit der Hamburger Anwältin Alexandra Wichmann in der jungen Welt vom 19. Juni 2017
weist diese u.a. daraufhin: “… Bundesweit
haben sich Anwältinnen und Anwälten zusammengetan. Wir haben das Ziel,
die verschiedenen Proteste gegen den Gipfel solidarisch zu begleiten.
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die Polizei bei
solchen Ereignissen immer wieder versammlungsrechtliche Mindeststandards
missachtet. Das betrifft zum Beispiel die Einkesselung von
Protestierenden oder Ingewahrsamnahmen, die mit einer angeblichen
Gefahrenabwehr begründet werden. Zudem rechnen wir auch mit
strafrechtlichen Sanktionen gegen Protestierende. Auch dabei werden wir
Beschuldigten rechtlich beistehen. (…) Ich hoffe, dass die
Öffentlichkeit die Versuche durchschaut, die legitimen Proteste
unzulässig zu behindern. Angeblich sollen Anreisende gewalttätig sein,
Protest-Campende sollen gewalttätig sein, Demonstrierende ebenso.
Protest gegen den G-20-Gipfel und auch Gegnerschaft zu ihm sind der
Ausdruck einer lebendigen zivilgesellschaftlichen Streitkultur. Als
solche müssen sie zugelassen werden. Es drängt sich aber der Eindruck
auf, dass die politisch und polizeilich Verantwortlichen dieser Aufgabe
in keiner Weise gewachsen sind. Das könnte auch darauf hindeuten, dass
die Liste der Zumutungen noch wachsen wird…”
- Die Zivilgesellschaft darf mitspielen: Beim Civil20-Gipfel
überreicht die organisierte Zivilgesellschaft ihre Forderungen an die
G20. An deren Politik wird das wenig ändern.
“Drei Wochen vor dem G20-Gipfel treffen sich in der
Hamburger HafenCity Universität Vertreter der organisierten
Zivilgesellschaft. In sechs Arbeitsgruppen wurden in den letzten Monaten
Politikvorschläge für die G20-Regierungen erarbeitet. An diesem Montag
sollen VertreterInnen von 200 Nichtregierungsorganisationen (NRO) aus 50
Ländern ihren Forderungskatalog an Bundeskanzlerin Angela Merkel
überreichen, die nachmittags zudem eine Rede halten und an einer
Podiumsdiskussion zur Gestaltung der Globalisierung teilnehmen wird. Das
persönliche Erscheinen von Angela Merkel, die gegenwärtig die
Vorsitzende der G20 ist, soll ein Signal setzen. Schon in einer
Videobotschaft vom September 2016 unterstrich Merkel: »Ein starkes
Augenmerk werden wir natürlich auch auf die Einbindung der
Zivilgesellschaft legen«. (…) Wird die Beteiligung der Zivilgesellschaft
echte Spielräume für progressive Politikziele eröffnen? Das scheint
mehr als fraglich…” Beitrag von Samuel Decker und Thomas Sablowski bei neues Deutschland vom 18. Juni 2017 
- Die Gewerkschaften und der G20: Dreifache Bankrotterklärung
Früher, als selbst die alten Zeiten noch besser waren, gab es einmal
einen einfachen Spruch, der gewerkschaftliche Positionen markierte:
„Which side are you on?“, auf welcher Seite stehst Du. Heute weniger
gebräuchlich, ist er dennoch von europäischen und bundesdeutschen
Gewerkschaften aus Anlass von G20 erstaunlich deutlich beantwortet
worden – dreifach. Der Europäische Gewerkschaftsbund verabschiedet in
Rom eine Erklärung zur EU-Politik, die deren neue soziale Ausrichtung,
die man als Einziger mit bewundernswertem Scharfblick erkannt hat, lobt
und mehr davon einfordert. Zum Klimaabkommen (dem wenig geheimen
Großthema hinter den Kulissen von G20) reiht sich der DGB in den Chor
der Trump-Kritiker ein und tut wie alle diese so, als wäre das ein ganz
tolles Abkommen (das jetzt natürlich die EU, also die BRD, verteidigen
muss). Und zur Polizeistaats-Mobilisierung in Hamburg fordert ver.di
zwar nicht leichtere Knüppel für die Einsatzkommandos, wohl aber bessere
Bezahlung für Greiftrupps. In einer kleinen – aus gegebenem Anlass ausführlich kommentierten – Materialsammlung dokumentieren wir die dreifache Bankrotterklärung
- Demonstrationsverbot in Hamburg – Gipfel ohne Grundrechte
“Das Komitee für Grundrechte und Demokratie legt eine Stellungnahme
vor, mit der es die Allgemeinverfügung scharf kritisiert, mit der die
Stadt Hamburg das Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit
während des G20-Gipfels außer Kraft setzt. Fast die gesamte Innenstadt
wird zu einer demokratiefreien Zone, kurzer Hand wird der
Ausnahmezustand von SPD und Grünen verkündet. Der Polizei wird die
Definitionshoheit darüber überlassen, wer Bürgerrechte genießt. (…)
Skandalös ist, dass die Lüge über die Zahl der verletzten Polizist*innen
beim Protest gegen den G7-Gipfel in Rostock erneut aufgetischt wird.
Das Grundrechtekomitee kommt zu dem Schluss: „Wer jeden Protest
kriminalisiert, trägt letztlich zur Eskalation bei…” Meldung vom und beim Grundrechtekomitee vom 13.6.2017
dort auch die Stellungnahme
- G20-Proteste in gesamter Hamburger Innenstadt verboten – Demonstrationsbündnis kündigt Klage gegen »blaue Zone« an
“… Die Polizei in Hamburg hat für den G20-Gipfel Anfang Juli ein
Demonstrationsverbot für eine Fläche von über 30 Quadratkilometern
erlassen, die sich über die gesamte Innenstadt erstreckt. Von der
Allgemeinverfügung betroffen ist die Route zwischen Flughafen und
Innenstadt sowie die Stadtteile rund um die Messe und die Außenalster,
wie Innensenator Andy Grote (SPD) und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer
erklärten. Zeitweise soll das Demonstrationsverbot auch rund um die
Elbphilharmonie und die Speicherstadt gelten, wo die Gipfelteilnehmer
ein Konzert besuchen werden. Das Versammlungsverbot soll vom 7. Juli um
sechs Uhr morgens bis zum 8. Juli um 17 Uhr gelten. (…) »Endlich ist die
Katze aus dem Sack und der rot-grüne Senat kann aufhören, G20 als
Festival der Demokratie zu verkaufen«, sagt »NoG20«-Bündnissprecherin
Emily Laquer dem »nd«. Während des Gipfels würden ganze Quadratkilometer
der Millionenmetropole in einem politischen Ausnahmezustand versetzt
und den Bürgern ihre Stimme genommen. »Darüber sollte jeder entsetzt
sein, dem etwas an Demokratie und Meinungsfreiheit liegt.« (…) Da es
jetzt eine offizielle Verfügung über die Verbotszone gebe, können die
Organisatoren jetzt das durchführen, was sie schon lange angekündigt
hätten: »Wir können endlich vor Gericht ziehen und gegen die blaue Zone
klagen.«…” Meldung von und bei neues Deutschland vom 9. Juni 2017 
- [G20] Gegen die Spaltung und Kriminalisierung der Proteste
“Genau einen Monat vor den G20-Protesten in Hamburg haben …ums
Ganze!, Interventionistische Linke, Projekt Revolutionäre Perspektive
(PRP), queer-feministisches Bündnis gegen G20, radikale linke|berlin und
weitere Gruppen bzw. Organisationen eine spektrenübergreifende
Erklärung gegen die Spaltung und Kriminalisierung der Proteste
veröffentlicht. Auszug: “Wir stellen uns daher gegen jede
Spaltung und Kriminalisierung der Proteste. Wir erklären uns mit allen
solidarisch, die das Ziel teilen, aus diesem Event der Macht ein
Festival der grenzübergreifenden Solidarität zu machen. Wir kommen auf
die Straßen Hamburgs um die kapitalistische Normalität und ihren Gipfel
zu stören. Wir stehen für verschiedene Traditionen, Perspektiven und
Ansätze, doch wir werden zusammen dafür arbeiten, dass sich die
unterschiedlichen Aktionsformen nicht behindern, sondern vielmehr
produktiv ergänzen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass alle Menschen
nach Hamburg kommen und dort auch unterkommen können. Und wir laden alle
ein, schon jetzt die Herausforderung anzunehmen und mit uns gemeinsam,
kreativ und vielfältig den Aufstand gegen die Eliten und ihren
Ausnahmezustand zu wagen.” (…) Wir werden uns wehren. Ob das richtig
ist, ist für uns keine Frage. Ob es möglich ist, wird nur praktisch zu
ermitteln sein. Wir sind dazu bereit. We’ll come united.” Aus der Gemeinsamen Erklärung vom 8. Juni 2017 bei indymedia linksunten 
- Hamburg auf dem Weg in den Polizeistaat?
“Die These ist alt, dass wir auf dem Weg in einen Polizeistaat, in
einen „Sicherheitsstaat“ sind, bei dem die Effizienz der staatlichen
Macht und Machtanwendung die oberste Priorität besitzt. (…) Das
deutlichste Zeichen des Versuchs, die Menschen von einer Teilnahme an
den Protesten abzuhalten, ist der Versuch, jedwedes Camp in der Umgebung
von Hamburg zu unterbinden. Ein Camp im Hamburger Stadtpark ist bereits
verboten worden, um die Anmeldung im Altonaer Volkspark wird noch
gerungen. Wer jedoch den G20 in die Stadt einlädt, lädt demokratisch
zwangsläufig zugleich deren Kritiker*innen ein. Und so darf sich eine
Stadt nicht nur um das körperliche Wohlergehen der Staatsgäste kümmern,
sondern muss auch den Protestierenden Raum geben, in dem sie ihre
Bedürfnisse befriedigen können, in dem sie ihr Leben gemeinsam
organisieren können. (…) Zugleich machen die Versuche, Camps zu
verhindern auch die andere Strategie offensichtlich. Wenn ein Vorgehen,
ein Bündnis, die Menschen, die aktiv werden, den „Herren“ nicht genehm
sind, dann behaupten sie, es handele sich um „Gewaltbereite“, um
„Autonome“, es ginge diesen nicht um Kritik und öffentliche
Auseinandersetzung, sondern um „Krawall“. Belegen müssen sie das nicht,
können das auch nicht. Eine solidarische Gesellschaft darf diese
Angstmache nicht übernehmen und selbst das Misstrauen – vor allem
gegenüber allen „Fremden“ – zum Ausgangspunkt des eigenen Handelns
machen…” Beitrag von Elke Steven vom 1. Juni 2017 beim Grundrechtekomitee 
- Rote Hilfe e.V ruft zur Extra-Spendensammlung wegen G20 auf: Widerstand braucht Solidarität
„Schon jetzt ist deutlich, dass der bevorstehende
G20-Gipfel auch ein Gipfel der Repression sein wird: Mehrere 10.000
Polizist*innen sowie eine Reihe neu angeschaffter gepanzerter
Sondereinsatzwagen werden im Einsatz sein, um gegen Demonstrant*innen
vorzugehen (…) Auch die am 27.04.2017 beschlossene Verschärfung der
Paragrafen §§113ff. kann erhöhte Repression zur Folge haben. Konkret
weitet die Gesetzesverschärfung den Tatbestand so genannter
„Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte“ auf die gesamte
Dienstausübung von Polizist*innen aus (…)„Wir rechnen mit einer großen
Anzahl an Fest- & Ingewahrsamnahmen sowie Strafverfahren und
Verurteilungen während des Gipfels. Damit die Betroffenen mit
finanziellen Folgen nicht alleine gelassen werden, sind wir alle
gefordert, diese Kosten solidarisch zu teilen! Dafür benötigen wir
dringend eure Unterstützung!“, so Heiko Lange, Mitglied des
Bundesvorstandes der Roten Hilfe e.V.“ – aus der Starterklärung zur Spendensammlung
„Widerstand braucht Solidarität- Rote Hilfe e.V. startet
Spendenkampagne zum G20-Gipfel in Hamburg“ am 23. Mai 2017 bei der Roten
Hilfe
- Gipfelproteste nach dem Empire: Hafenblockade, linke
Gegenentwürfe und Organisationsfrage – wozu die G20-Protesttage in
Hamburg gut sein sollten
“Im Bewegungsblog des neuen deutschland warfen Tadzio Müller
(Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Alexis Passadakis (attac) am 7. April die
Frage auf, warum die (außerparlamentarische) Linke im Juli gegen das
G20-Gipfeltreffen in Hamburg mobilisiert. Nach der Weltwirtschaftskrise
von 2008, so ihr Argument, sei die Hegemonie des Neoliberalismus
gebrochen. Mit dem Bewegungszyklus der letzten Jahre sei zudem das linke
Projekt wieder sichtbar geworden. Gipfelproteste seien, anders als in
den 2000er Jahren, daher vor allem ineffektiver Symbolismus (…) Dem wäre
entgegenzuhalten, dass linke Bewegungen nicht grundsätzlich von der
Krise des Neoliberalismus profitieren konnten. Das politische Feld wird
vielmehr von einer verschärften neoliberalen Austeritätspolitik
einerseits und einer neofundamentalistischen bzw. reaktionären Tendenz
andererseits bestimmt. (…) Langfristig wird es darum gehen, dass wir die
Erfahrungen aus den Mobilisierungen gegen G20 in unseren
Bewegungszusammenhängen zur Konstitution einer »Bewegung der Bewegungen«
nutzen. Davon sind wir heute noch weit entfernt, doch wird diese
strategische Übereinkunft im Angesicht der regressiven Tendenzen immer
dringlicher. (…) Für die Mobilisierungen gegen G20 bedeutet das, dass
beim Experimentieren mit der Protestform der Widerspruch von Kapital und
Arbeit berücksichtigt werden muss. So wäre etwa mit einer Hafenblockade
als Hafenstreik eine neue Qualität in breitem zivilen Ungehorsam
gewonnen. Die Bewegung in Frankreich letztes Jahr gegen das neue
Arbeitsgesetz (Loi Travail) konnte einzelne Momente des
Zusammenschlusses von »Multituden-Subjekten« und Arbeiterklasse in
Blockade und Streik sichtbar machen: Streik innen, Blockade außen,
Zustimmung drumherum. Das könnte auch eine Weiterentwicklung für
»zivilen Ungehorsam« sein, der in Massenbewegungen wirklichen
ökonomischen Schaden anrichtet und politische Wirkung entfaltet.” Diskussionsbeitrag David Doell vom 16. Mai 2017 in ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis Nr. 627 
- G20 Hamburg: Die Revitalisierung der Gewerkschaftsbewegung
“In der Mobilisierung gegen den G20-Gipfel steckt die Chance, neue
Mitstreiter für alltägliche Kämpfe zu gewinnen (…) Drei Aspekte können
zur Revitalisierung der Gewerkschaftsbewegung im Rahmen der Proteste
gegen G20 beitragen. 1. Global kämpfen statt national verzichten. Als
Gewerkschaften kämpfen wir Tag für Tag, vor allem im Betrieb und in
Tarifauseinandersetzungen auf nationaler Ebene gegen die kleineren und
größeren Angriffe des Kapitals. Oft aber verliert sich in der
betrieblichen Perspektive der Blick auf den gesamtgesellschaftlichen
Zusammenhang der eigenen Situation. Die äußeren Einflüsse auf die
eigenen Arbeits- und Reproduktionsbedingungen scheinen als gegeben und
unveränderbar. Besonders verloren gehen dabei die Möglichkeiten von
kollektivem Widerstand und der Blick auf das Große und Ganze, begünstigt
durch systemimmanente Vereinzelungs- und Individualisierungstendenzen.
Hierdurch rückt die Perspektive, internationale Kämpfe zu führen, als
Alternative zum kurzfristigen Verzicht zur Sicherung von Standort und
Beschäftigung, in weite Ferne. Die Notwendigkeit, Kämpfe an anderen
Orten zu seinen eigenen zu machen, steigt jedoch immer mehr. Einerseits
um das Elend in der kapitalistischen Peripherie zu bekämpfen,
andererseits um Kämpfe in den kapitalistischen Zentren nicht durch das
Prinzip der internationalen Konkurrenz zu unterlaufen. (…) Über die
konkreten Kämpfe, die wir eingangs beschrieben haben, nehmen wir bei der
Mobilisierung zu den Protesten derzeit wieder grundsätzlichere
Diskussionen über die Verhältnisse, in denen wir leben, wahr. Dazu
gehört auch die Diskussion über eine Gewerkschaftsbewegung, die ihrem
Doppelcharakter (Kampf im Lohnsystem – Kampf gegen das Lohnsystem) ein
Stück weit mehr gerecht wird…” Artikel von Timo Reuter und Marvin Hopp vom 15.05.2017 beim ND online
.
Timo Reuter und Marvin Hopp sind aktiv in der IG Metall Jugend
Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und dem Jugendausschuss beim Vorstand der
IG Metall. Sie sind Teil der bundesweiten Plattform »Jugend gegen G20«.
- „Feuer frei“ auf G20 Proteste?
„Fast scheint es, als ob die Hansestadt sich für Anfang Juli auf
einen Krieg vorbereitet: Die Hamburger Polizei wurde rechtzeitig für den
Anti-Terror-Kampf aufgerüstet, eine Gefangenen-Sammelstelle wird
errichtet und Innensenator Andy Grote (SPD) ließ durchblicken, dass
Blockaden der Routen der Auto-Korsos mit den Politikerinnen und
Politikern, die am G-20-Gipfel am 7./8. Juli 2017 in Hamburg teilnehmen,
eventuell dazu führen, dass “die bewaffneten Sicherheitskräfte der
Staatsgäste, die die Kolonne begleiten, das als Ernstfall werten”. Heißt
im Klartest: “Störer” (Bild) müssen damit rechnen, dass scharf
geschossen wird“ – aus dem Beitrag „Darf beim G-20-Gipfel in Hamburg scharf geschossen werden?“ von Birgit Gärtner am 12. Mai 2017 bei telepolis
,
worin detailliert über die Vorbereitungen der G 20 Betreiber berichtet
wird, die die Repression erleichtern und Abschreckung verbreiten sollen
- Aktionen gegen G20 sind wichtiger als andere Proteste
“… Für den Literaturkritiker und linken Theoretiker Michael Hardt
sind die geplanten Proteste gegen den Hamburger G20-Gipfel im Juli von
immenser Bedeutung. Sie »werden womöglich noch wichtiger als andere
Proteste der vergangenen Jahre sein, weil sich hier die erfolgreichen
Rechtspopulisten mit den Neoliberalen verbinden«, sagt Hardt im
»nd«-Interview. So wie die rechten Bewegungen eine globale Gefahr seien,
müsse man als erstes eine genauso globale Protestbewegung dagegen
aufbauen, so Hardt. Dem an der Duke University in Durham in North
Carolina lehrenden Wissenschaftler reicht Protest nicht aus. So hätten
die Platzbesetzungsbewegungen in Nordafrika, Europa und den USA vor rund
fünf Jahren eins gemein gehabt: »Die irgendwann um sich greifende
Enttäuschung über die mangelnde Langlebigkeit, und dass es ihnen nicht
möglich war, wirkliche soziale Transformationen in die Wege zu leiten.«
Hardt lehnte gleichzeitig die Schaffung stark hierarchischer
Organisationen ab: »In den vergangenen 40 Jahren haben die sozialen
Bewegungen und die Freiheitsbewegungen sich gegen charismatische Führer
und eine zentrale Führung gewendet.« Das hätten sie auch richtig
gemacht. »Sie taten dies im Namen der Demokratie und Partizipation«, so
Hardt…” Beitrag von und bei neues Deutschland vom 5. Mai 2017
(Hardt hat zusammen mit dem italienischen Philosophen Antonio Negri
unter anderem das Buch »Empire« geschrieben, das als das wichtigste
theoretische Werk der globalisierungskritischen Bewegung gilt. Im
Oktober erscheint ihr neues Buch »Assembly«). Siehe dazu auch das Interview von Simon Poelchau mit Michael Hardt “Jetzt ist die Zeit, Großes zu tun” bei neues Deutschland vom 9. Mai 2017
wo Hardt betont, dass für ihn, in sozialen Kooperationen jenseits
kapitalistischer Verwertung ein Garanten für den Fortbestand der
Demokratie besteht
- Offener Brief: Kein Ausnahmezustand in Hamburg während des G20-Gipfels!
“Mit einem Offenen Brief wenden sich das Komitee für Grundrechte und
Demokratie, der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein, die
Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen, die Humanistische
Union und die Liga für Menschenrechte an die Regierungsfraktionen der
Hamburgischen Bürgerschaft. Sie befürchten, dass die Stadt Hamburg
anlässlich des G20-Gipfeltreffens Anfang Juli 2017 in einen
Ausnahmezustand versetzt wird. In einer Demokratie darf weder das
Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausgehebelt, noch die
Bewegungsfreiheit der Bürger und Bürgerinnen massiv eingeschränkt
werden. Die fünf bundesweit aktiven Bürgerrechtsorganisationen
schreiben: „ (…) Würden Grundrechte nur in guten und unkomplizierten
Zeiten gelten, wären es keine Grundrechte und hätte ihre
verfassungsmäßige Garantie keinerlei Wert. Sicherheitsinteressen des
Staates können die Grundrechte, die Freiheitsrechte der Bürger*innen
sind, nicht verdrängen. Demokratie verliert jede Substanz, wenn
Sicherheitsinteressen die verfassungsmäßigen Freiheitsrechte
aushebeln.“…” Mitteilung vom 19. April 2017 von und beim Komitee für Grundrechte und Demokratie
, siehe dazu auch den Offenen Brief an die Regierungsfraktionen in der Hamburgischen Bürgerschaft vom 19. April 2017

- 2. Aktionskonferenz gegen G20 im Millerntorstadion: Mehrere Hundert Menschen planen Aktionen gegen den G20-Gipfel in Hamburg
“Mehr als 800 Menschen aus ganz Europa folgten der Einladung zur 2.
Aktionskonferenz gegen den G20-Gipfel und kamen am 8. und 9.4.2017 ins
Millerntorstadion. In zahlreichen Arbeitsgruppen wurden konkrete
Aktivitäten gegen den G20-Gipfel geplant. (…) Konkret wurden folgende
Aktionen während der Konferenz vorbereitet: Klima-Aktion (7.7.),
Social-Strike Aktion (7.7.): Eine international vorbereitete Aktion im
Hafen die massenhaft und symbolisch südlich der Elbe “die Logistik des
Kapitals unterbrechen” will und inhaltlich auf die “soziale Frage”
zielt., Block-G20 (7.7.), Jugend gegen G20 (7.7.) und die
Grossdemonstration (8.7.)...” Aus der Pressemitteilung vom 9.4.2017 des g20hamburg-Bündnisses
- Internationale Aktionskonferenz II am 8. & 9. April Hamburg: G20: Zeit zu handeln – gemeinsam und vielfältig
“Die nächste Aktionskonferenz gegen den G20: Gipfel wird am 8. &
9. April stattfinden. Und zwar am Ort des Geschehens, mitten im Herzen
von St. Pauli im Ballsaal des Millerntor-Stadions. Wir erwarten hunderte
Gäste aus dem In- und Ausland um die heiße Phase der
Protest-Vorbereitungen einzuläuten. Explizit wird auf der Konferenz aber
auch Raum sein, damit sich Anwohner*innen weiter vernetzen und ihre
vielfältigen Aktionsideen vorstellen und weiter vorantreiben können. Die
Aktionskonferenz wird im Ballsaal des Millerntor-Stadions beginnen. Die
Arbeitsgruppen finden dann dezentral im gesamten umliegenden Viertel
statt…” Info und Einladung beim Aktionsbündnis G20 Hamburg
– dort auch Ablauf und Programm, nun ganz konkret: “… Aktive
aus ganz Deutschland – darunter viele Hamburgerinnen und Hamburger –
und aus vielen anderen Ländern werden ihre Planungen vorantreiben und
über die Großdemonstration, den Solidaritätsgipfel, den Aktionstag sowie
über die antkapitalistische Vorabenddemo im Juli diskutieren. Die
Konferenz bietet dabei Raum für alle Protestaktionen, die sich
solidarisch aufeinander beziehen. Vorgestellt werden etwa Blockaden der
Hafenlogistik von klimaschädlicher Infrastruktur und an der Roten Zone
Innenstadt sowie die Initiative von Jugendlichen für einen hamburgweiten
Bildungsstreik. Das Kulturprogramm und ein Camp für Gipfelgegnerinnen
und -gegner werden ebenso konkretisiert wie für die Anreise aus
Süddeutschland geplante Sonderzüge. Mit der Aktionskonferenz beginnt
zugleich die aktionistische Phase der G20-Mobilisierung: Am Samstagabend
ziehen die Teilnehmenden in einer ersten Demonstration vom Stadion bis
zum Ort des G20-Treffens an den Messehallen. Am Sonntag bereiten sie
sich mit Aktionstrainings auf die Proteste im Juli vor…” Alle Infos zur Konferenz auf der Aktionsseite 
- In Vorbereitung der G20-Proteste wird auch über die Bundeswehr debattiert
Dass Handel Frieden schaffe, ist eine der zentralen Propagandathemen des
Bürgertums weltweit. Dass globale Kapitalinteressen ganz im Gegensatz
zu dieser Behauptung immer auch eine militärische Dimension haben ist
Grund dafür, das Thema auch beim Widerstand gegen die G20 zu behandeln,
was immer nötig ist, selbst wenn über das Wie Diskussionsbedarf bestehen
mag: „Wir gehen davon aus, dass die Bundeswehr im Kontext der
Proteste gegen den Gipfel eingesetzt wird. Kooperation von Polizei und
Bundeswehr ist längst Alltag – zum Beispiel bei politischen
Großereignissen wie dem G-8-Treffen in Heiligendamm 2007 oder dem
OSZE-Gipfel in Hamburg vergangenes Jahr. Derzeit sind vor allem unter
dem Stichwort »Terrorabwehr« Vorstöße zu beobachten, die bestehende
Kooperation und den Einsatz der Armee im Inland auszubauen und sie
ideologisch sowie juristisch besser abzusichern“ – aus dem Gespräch „Die Bundeswehr ist nicht die Caritas“ von John Lütten mit Alison Dorsch am 28. März 2017 in der jungen Welt
über die Debatten um die Bundeswehr in Vorbereitung der Anti-G20-Proteste
- Stadt Hamburg möchte Protest gegen G20 ganz weit weg haben…
„Zusätzlich zu besagter Absage für den Platz der Abschlusskundgebung
hat uns die Polizei schon mitgeteilt: So wie wir die verschiedenen
Demorouten von der Moorweide zum Heiligengeistfeld angemeldet haben,
wird es nicht gehen. Darüber ist am 7. April ein Gespräch im
Polizeipräsidium anberaumt. Wir werden uns zunächst anhören, was sie
dazu sagt. Und gegebenenfalls in beiden Angelegenheiten gerichtlich
dagegen vorgehen“ – aus dem Gespräch „»Wir wollen nicht auf die grüne Wiese«“ von Gitta Düperthal mit Jan van Aken am 27. März 2017 in der jungen Welt
,
in dem es um die verschiedenen Vorgehensweisen geht, mit denen der
Protest gegen G20 abgeschoben werden soll. Siehe dazu auch als Beispiel
einen Bericht über die Mobilisierung gegen G20 in Hamburg anderswo:
- Auswertungsprotokoll der 1. Berliner Vollversammlung gegen G20
„Etwa 200 Menschen kamen am 28.01.17 zur ersten Berliner
„Vollversammlung gegen den G20-Gipgel in Hamburg“ im Mehringhof, um
gemeinsam zu überlegen, was dieser Gipfel für uns bedeuten kann und wie
wir hier aktiv werden wollen. Während die nächste Vollversammlung
eigentlich erst für März geplant war, findet sie nun auf Wunsch vieler
Teilnehmer*innen der ersten VV bereits am kommenden Samstag, 25.02.2017,
um 13 Uhr statt, ebenfalls im Mehringhof. Neue interessierte Menschen
sind herzlich eingeladen! Auch wenn die erste Berliner VV gegen den G20
angesichts der Tatsache, dass dieses miese Event bereits in einigen
Monaten stattfinden soll, recht spät stattgefunden hat, so ist doch das
Thema G20 schon länger ein Thema auch für Berliner Aktivist*innen.
Bereits 2016 wurden diverse Aktionen in Berlin mit dem Thema G20 in
Verbindung gebracht; mehr Informationen dazu finden sich etwa hier und
hier. Alle Redebeiträge der VV wurden auf englisch übersetzt, eine sehr
sinnvolle Maßnahme, die von nicht wenigen Teilnehmer*innen der Konferenz
genutzt wurde. Zu Beginn der Veranstaltung gab es einen recht
ausführlichen Input zur Veranstaltung, der hier noch mal nachgelesen
werden kann, und es wurde auf anstehende Termine eingegangen. Diese
haben wir am Ende dieses Textes noch mal als Überblick zusammengefasst…“ Beitrag vom 21. Februar 2017 bei Indymedia linksunten
- Von der Kriegskunst des Kapitals
„Der Neoliberalismus hat sich selbst überlebt und west doch
unvermindert fort, während der globale Rechtsruck Straßen und Parlamente
übernimmt: Davon ist auch die Zusammensetzung des Gipfels geprägt. So
werden sich in Hamburg Despoten wie Trump, Erdoğan oder Putin mit den
altbekannten Verwalter*innen des Neoliberalismus die Klinke in die Hand
geben. Die Entscheidung, solche Gipfel nicht mehr irgendwo in der Pampa,
sondern wieder in den Innenstädten zu veranstalten, zeigt deutlich, wie
fest die Herrschenden meinem im Sattel zu sitzen. Dem inszenierten
Showdown zwischen den schlechten Alternativen von autoritärem
Neoliberalismus oder nationaler Wende, die sich aller Vorraussicht nach
doch arrangieren werden, gilt es entschlossen entgegenzutreten – und so
der falsche Entgegensetzung zu entkommt. Zum G20-Gipfel wollen wir
deshalb Aufmerksamkeit der radikalen Linken auf die Logistik des
Kapitals richten. Warum das keine völlig abwegige Idee ist, sondern wir
damit in das Herz der gegenwärtigen Situation zielen, wollen wir im
folgenden begründen…“ Beitrag vom 16. Februar 2017 beim lower class magazine
- Keine »Distanzierungsspiele« – Theorie und Praxis: Rund 400
Teilnehmer kamen am Wochenende zur Aktionskonferenz »G 20 entern« in
Hamburg
“… Zufrieden mit dem Verlauf der Aktionskonferenz zeigte sich Timo
von »G 20 entern« im Gespräch mit junge Welt. Man verstehe sich nicht
als festes Bündnis, sondern sei offen für alle, die revolutionär und
antikapitalistisch agierten. Auch halte man alle Formen von Widerstand
für legitim und werde sich nicht an »Distanzierungsspielen« beteiligen.
Zu den G-20-Protesten erwarte er Tausende Aktivisten aus dem In- und
Ausland. Mit Blick auf die voraussichtliche Polizeistrategie und
mögliche Auseinandersetzungen sagte er: »Nach meiner Einschätzung
stolpert in Hamburg mindestens der Innensenator über G 20, wenn nicht
der Bürgermeister.« Am Abend bekamen die Konferenzteilnehmer einen
Eindruck davon, wie Hamburgs Polizei bereits knapp fünf Monate vor dem
G- 20-Gipfel auf jeden linken Protest reagiert. Rund 70 Aktivisten zogen
zum Messegelände, dem Veranstaltungsort des Gipfels. Die Gegenseite bot
zwei Hundertschaften und drei Wasserwerfer auf.” Artikel von Kristian Stemmler vom 13.02.2017 in der jungen Welt
- [Hamburg 11.2.] Aktionskonferenz: G20 entern – Kapitalismus versenken!
“Im Juli trifft sich die Herrschaftselite in Hamburg zum G20-Gipfel
und will um die Welt schachern. Damit wir uns nicht nur im blinden
Aktionismus dagegen verlieren, wollen wir euch im Vorfeld theoretischen
Input bieten und mit euch über die aktuellen Entwicklungen in der Welt
diskutieren. Anschließend stellen verschiedene Arbeitskreise ihre
bisherige Arbeit vor, geben euch die Möglichkeit mitzuwirken, den
Protest zu gestalten und die Frage „was tun?“ zu erörtern…” Einladung von und bei “G20 entern!”
zur Aktionskonferenz am Samstag, 11.2. ab 12 Uhr an der Uni Hamburg, Von-Melle-Park 9, siehe auch den Flyer zur Aktionskonferenz

- G20: Hamburg ist bereit für die Meuterei gegen Trump. NGOs,
Gewerkschaftsjugenden und die LINKE planen verschiedene Formen des
Protests
“Pünktlich zur Ankündigung Donald Trumps, im Juli nach Hamburg zu
kommen, nimmt der Protest zum G20-Gipfel in Hamburg Formen an: Zu der
von der »NoG20«-Plattform in Hamburg geplanten Großdemonstration am 8.
Juli sowie dem Alternativgipfel und Blockadeaktionen gesellt sich ein
weiterer Aktionstag. Die Protestwoche startet vermutlich am 2. Juli mit
einer Großaktion im Form eines Sternmarsches oder einer Menschenkette,
die aus dem Spektrum von Campact, Greenpeace und den NaturFreunden
organisiert wird. (…) Auf dem letzten NGO-Treffen Mitte Januar wurden
die Wogen geglättet. Von Spaltung mag nun keiner mehr sprechen. Das
liegt wohl daran, dass auch von einer zweiten Großdemonstration keine
Rede mehr ist. Stattdessen sprechen die NaturFreunde von einer
Menschenkette oder einem Sternmarsch und einer symbolträchtigen
Großaktion »zu Lande – und zu Wasser«, geplant für den 2. Juli, im
Vorfeld des Gipfels. Welche dieser Demonstrationsformen es wird, ist
noch umstritten…” Artikel von Elsa Koester vom 27.01.2017 beim ND online 
- [Hamburg, 18.2.] Jugendrat gegen den G20-Gipfel soll gegründet werden
“… Wir sind ein Zusammenschluss aus sozialen,
internationalistischen, gewerkschaftlichen und antifaschistischen,
Jugendgruppen, Organisationen, Verbänden und Einzelpersonen, die im Juli
2017 gegen den G20-Gipfel in Hamburg auf die Straße gehen werden. Wir
haben uns auf der Aktionskonferenz gegen den G20-Gipfel im Dezember
zusammengefunden. Also kommt zum Gründungstreffen des Jugendrates gegen
den G20-Gipfel! Lasst uns gemeinsam einen grenzenlos solidarischen
Protest auf die Beine stellen!…” Gründungseinladung von JugendGegenG20 vom 20. Januar 2017 bei Indymedia linksunten
. Termin: 18. Februar 2017 um 14.30 Uhr. Ort: KNUST, Neuer Kamp 30, 20357 Hamburg
- Auf Gewalt angelegt: Zum G-20-Gipfel setzt Hamburgs
Bürgermeister Scholz auf Eskalation. Das Bündnis gegen das Treffen
debattiert über Protestformen
“Ein Sammelknast in einer früheren Großmarkthalle und eine Art
Schnellgericht gleich nebenan – damit rüsten Hamburgs Behörden sich für
den G-20-Gipfel am 7. und 8. Juli in der Hansestadt. Offenbar rechnet
der »rot-grüne« Senat mit massiven Krawallen und Ingewahrsamnahmen in
großer Zahl…” Artikel von Kristian Stemmler in der jungen Welt vom 12.01.2017
. Aus dem Text:
- “… Für Überraschung bei Gipfelgegnern und -befürwortern sorgte
Hamburgs DGB-Landesvorsitzende Katja Karger mit einem Plädoyer für den
Gipfel. »Mir ist es lieber, dass die alle miteinander reden, als dass
sie sich beschießen«, sagte sie laut Hamburger Abendblatt vom
Dienstag. Der DGB habe »die einmalige Chance, auf so einem Gipfel faire
Arbeitsbedingungen zu thematisieren«. Das sieht van Aken anders: »Ich
habe Verständnis dafür, dass der DGB den Gipfel nutzen möchte, um sich
für Arbeitnehmerrechte einzusetzen, es ist aber blauäugig, von einer
solchen Showveranstaltung hier substantielle Fortschritte zu erwarten.«
(…) Für die meisten linken Gipfelgegner dürfte außer Frage stehen, dass
Protest nur beim Gipfel selbst und nicht eine Woche vorher Sinn macht.
Europa- und bundesweit wird bereits seit Monaten für das Wochenende vom
7. und 8. Juli mobilisiert, am 28. Januar auch in der Hauptstadt auf der
»1. Berliner Anti-G-20-Vollversammlung«…“
- DGB: Gewerkschaftsbund begrüßt den G20-Gipfel in Hamburg.
DGB will faire Arbeitsbedingungen thematisieren. Einzelne Gewerkschaften
erwägen, an G20-kritischen Demos teilzunehmen.
“Das kommt durchaus überraschend: Der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB) begrüßt den G20-Gipfel im Juli in Hamburg. “Mir ist es lieber,
dass die alle miteinander reden, als dass sie sich beschießen”, sagte
die Hamburger DGB-Landesvorsitzende Katja Karger. (…) Während
einzelne Gewerkschaften wie die GEW oder Ver.di darüber nachdenken, im
Rahmen des Gipfels an G20-kritischen Veranstaltungen oder
Demonstrationen teilzunehmen, komme das für den Dachverband DGB nicht in
Frage: “Ich bin definitiv nicht gegen diese Veranstaltung“…” Artikel von Andreas Dey vom 10.1.2017 beim hamburger Abendblatt online 
- G20-Aktionskonferenz mit 600 Aktivist_innen: Aktionen gegen G20-Gipfel werden Festival des Widerstands
“Massenhafte Aktionen und Proteste werden den G20-Gipfel begleiten,
der am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg stattfinden soll. Aus der
Inszenierung der Macht, die Angela Merkel und Olaf Scholz in Hamburg
veranstalten wollen, wird ein vielfältiges und ungehorsames Festival des
Widerstandes. „Mit der Aktionskonferenz ist der Startschuss gefallen.
Jetzt beginnt die Mobilisierung und die konkrete Vorbereitung, damit im
Juli 2017 zehntausende Aktivist_innen aus ganz Europa nach Hamburg
kommen und der Parade der Monster eine Parade des Widerstandes und der
Solidarität entgegensetzen.“, sagte Emily Laquer, Pressesprecherin der
interventionistischen Linken. (…) Von der erwarteten massiven
Polizeipräsenz und den angekündigten Absperrungen wollen sich die
Aktivist_innen nicht abhalten lassen. „Wir suchen nicht die
Konfrontation mit der Polizei, aber wir werden uns auch nicht aufhalten
lassen. Alle Menschen sind eingeladen und können teilnehmen, die ihr
Nein zur kalten Welt des Neoliberalismus, ihr Nein zu den Kriegen der
G20-Staaten, zum Klimawandel, der vom fossilen Kapitalismus verursacht
wird, die stattdessen Ja sagen zu einer Welt der grenzenlosen
Solidarität.“, so Laquer. Eine weitere, noch größere Aktionskonferenz
ist für den März 2017 geplant…” Pressemitteilung der interventionistischen Linken vom 4. Dezember 2016 (dokumentiert bei scharf links
)
- Hochschulpräsidium unterliegt vor Gericht. G-20 Aktionskonferenz findet wie geplant statt
“Das Hamburger Amtsgericht hat die Kündigung der Räume für die
G20-Aktionskonferenz aufgehoben. Damit wurde dem Antrag des AStA der HAW
auf Erlass einer einstweiligen Verfügung entsprochen. Die
Aktionskonferenz, auf der die Proteste gegen den G20-Gipfel beraten
werden sollen, findet damit wie geplant am 3. und 4. Dezember in den
Räumlichkeiten der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften
statt. Das Gericht stellte fest, dass der AStA keineswegs nur ein
“Strohmann” für andere Gruppen sei, sondern tatsächlich Veranstalterin
der Konferenz. Dass andere Gruppen ebenfalls zu der Konferenz einladen,
sei dem Hochschulpräsidium seit längerem bekannt gewesen. “Der
eigentliche Strohmann ist der Hochschulpräsident, der mit seinem
versuchten Konferenzverbot für die G20-Proteste, nicht die Interessen
der Hochschule, sondern des Hamburger Senats und der Sicherheitsbehörden
vertreten hat…” Pressemitteilung des Protestbündnisses G20Hamburg vom Abend des 1. Dezember 2016 
- Räume zur G20 Aktionskonferenz am 3. und 4. Dezember in
Hamburg gekündigt – jetzt erst recht! Solidarisch gegen die Parade der
Monster
“Eine “fristlose Kündigung” erreichte den AStA am Dienstag in
Hamburg, vier Tage bevor in den Räumen der Hochschule für angewandte
Wissenschaften (HAW) die Aktionskonferenz gegen den G-20 Gipfel starten
soll. Die Begründung ist derart an den Haaren herbeigezogen, dass der
politische Charakter dieses Versuchs, Beratungen über Proteste und
Aktionen gegen den G-20 Gipfel zu verhindern, offensichtlich ist. Der
mitveranstaltende AStA der HAW sei nur ein “Strohmann” für gefährliche
linksradikale Gruppen, darunter die Interventionistische Linke. Da diese
vom Inlandsgeheimdienst als “gewaltbereit” bezeichnet werden, seien
auch “Schäden” an den Räumen der Hochschule nicht auszuschließen,
schreibt Prof. Dr. Claus-Dieter Wacker, geschäftsführender Präsident der
HAW allen Ernstes. Wir glauben keine Minute, dass sich das
Hochschulpräsidium diese Kündigung allein ausgedacht hat. Es waren die
Senatskanzlei des Möchtgern-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und die
Hamburger Polizei, die hier den Stift geführt haben…” Beitrag bei der IL vom 30. November 2016
. Siehe dazu auch: Politische Stellungnahme des Vorbereitungskreises der Aktionskonferenz gegen den G20-Gipfel am 3./4. Dezember in der HAW Hamburg 
- Hamburg braucht Deeskalation statt „Hamburger Linie“
“Schon im Sommer 2016 hat der Innensenat der Stadt Hamburg begonnen,
sich auf den OSZE-Gipfel Anfang Dezember 2016 und den G 20-Gipfel
Anfang Juli 2017 vorzubereiten. Der Leitende Polizeidirektor Hartmut
Dudde wurde zum Leiter des Vorbereitungsstabes und zum Polizeiführer der
Einsätze ernannt. Damit hat der grün-rote Senat von vorneherein eine
Entscheidung gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit getroffen…” Beitrag beim Grundrechtekomitee vom 29. November 2016 
- Aktionskonferenz Gegen den G20-Gipfel 2017 Hamburg 3./4. Dezember 2016
“Am 7. und 8. Juli 2017 soll in Hamburg der G20-Gipfel stattfinden.
Dagegen entwickelt sich bereits jetzt ein vielfältiger Widerstand:
Plattformen entstehen, Bündnisse bilden sich lokal und überregional,
erste Aktionen werden durchgeführt… Um dies zusammenzuführen und
gemeinsam zu beraten wie wir dem Ereignis eine passende Note geben, ist
die Aktionskonferenz ein geeigneter Ort. Kommt zahlreich am 3./4.
Dezember nach Hamburg und bringt Eure Ideen und Fragen mit, dann werden
die Bilder, die im Juli 2017 um die Welt gehen, ganz andere sein, als
sich die Gipfelstrategen dies wünschen…” Einladung zur Aktionskonferenz von und bei G20Hamburg.org
am 3./4. Dezember in Hamburg – inklusive Infos zu Programm und Anmeldung
- Eskalation schon eingeplant: Hamburg baut für G20-Gegner frühere Frauenhaftanstalt aus
“Hamburgs »rot-grüner« Senat baut vor. Weil die Behörden mit
militanten Protesten beim G20-Gipfel am 7. und 8. Juli 2017 rechnen, zu
dem die Staatschefs der 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer in
die Hansestadt kommen, wird auf der Elbinsel Hahnöfersand ein neuer
Knast gebaut, in dem festgenommene Gipfelgegner interniert werden
können. Wie die taz am Mittwoch berichtete, entsteht das Gefängnis in
den Mauern der ehemaligen Frauenhaftanstalt. Der Frauenvollzug wurde
bereits zu Ostern nach Billwerder verlegt. Thomas Baehr, Sprecher der
Justizbehörde, sagte dem Blatt, es könne sein, dass während des Gipfels
so viele Menschen festgenommen und inhaftiert werden, dass kurzfristig
die Haftkapazitäten nicht ausreichten. Auf der Elbinsel werde derzeit
die Außensicherung der ehemaligen Frauenhaftanstalt provisorisch
verstärkt. Der auf Resozialisierung ausgerichtete Frauenknast war eher
sporadisch mit Zäunen gesichert gewesen. In Strafvollzugskreisen werde
spekuliert, dass die Polizei Hahnöfersand als »Gefangenensammelstelle«
nutzen könnte, um mittels des vorbeugenden Unterbindungsgewahrsam
G-20-Gegner in großem Stil präventiv einzusperren…” Artikel von Kristian Stemmler in der jungen welt vom 04.11.2016 
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