Dossier

“
Sicherheitsleute
in einem nordrhein-westfälischen Flüchtlingsheim sollen dort Menschen
misshandelt haben. Ein Handyfoto zeigt ein Opfer gefesselt am Boden, den
Fuß eines Wachmanns im Nacken. Die Landesregierung ist alarmiert, der
Sumpf könnte tief sein…”
Meldung vom 28. September 2014 bei N-TV 
. Aus dem Text: “…
Es
gebe Hinweise auf mehrere Körperverletzungsdelikte, sagte Richter
weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Freitag Ermittlungen
aufgenommen, nachdem sie ein Video erhalten hatten, das einen anderen
Übergriff auf Flüchtlinge in der Einrichtung zeigt. Die Aufnahmen zeigen
nach Angaben der Polizei eine Person neben einer Matratze mit
Erbrochenem. Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler auf dem Handy eines
der Verdächtigen das Foto. Auch in einem Flüchtlingsheim in Essen soll
es nach einem Bericht des WDR Attacken des Wachdienstes auf Asylbewerber
gegeben haben…” Siehe dazu
das Dosser: Die “Systemschmarotzer” – nun der Flüchtlingsarbeit und speziell die
Gewalt-Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst im Ankerzentrum Bamberg sowie hier weitere Infos und Hintergründe:
- Security in Berliner Flüchtlingsunterkunft weigert sich,
Rettungswagen zu rufen – Geflüchtete Frau verliert ihr Kind im 9.
Schwangerschaftsmonat / Strafanzeige gegen Wachdienst von
Flüchtlingsheim
“Die jungen Eheleute H. leben in einer vom Landesamt für
Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) beauftragten Sammelunterkunft für
Geflüchtete. Frau H. war im 9. Monat schwanger, als sie in der Nacht vom
22. auf den 23. Juni plötzlich starke Schmerzen und starke Blutungen
bekam. Ihr Mann bat gegen 4 Uhr früh den diensthabenden
Security-Mitarbeiter der Unterkunft, für seine hochschwangere Frau einen
Rettungswagen zu rufen. Dieser weigerte sich mit der Begründung, es sei
Sonntagnacht, da könne man nicht die Feuerwehr rufen. Er war auch nicht
bereit ein Taxi zu rufen, da das Krankenhaus nur wenige hundert Meter
entfernt sei. Die Eheleute sind erst seit zwei Monaten in Berlin. Sie
sprechen kein Deutsch und konnten nicht selbst den Rettungsdienst rufen.
Sie erhielten von der Security nur die Adresse des gut drei km
entfernten nächsten Krankenhauses mit Geburtshilfeabteilung, das sie
schließlich zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufsuchen
mussten. Im Krankenhaus entband Frau H. ein toten Jungen, Normalgewicht,
Todesursache akute Plazentainsuffizienz. Bei dieser Diagnose besteht
Lebensgefahr für das Ungeborene. Es ist davon auszugehen, dass das Kind
am frühen Morgen noch gelebt hat. (…) Dass der Wachschutz in
Geflüchteten-Unterkünften sich weigert, die Feuerwehr bzw.
Rettungsdienste zu rufen und Geflüchtete deshalb schwerste
Gesundheitsschäden oder sogar den Tod erleiden, ist leider kein
Einzelfall. Teilweise machen Rettungsdienste ihre Einsätze in
Flüchtlingsunterkünften sogar davon abhängig, dass Security oder
Heimleitung die Notwendigkeit des Rettungseinsatzes bestätigen, wenn
Geflüchtete selbst den Rettungsdienst rufen. Anfang 2014 führte der
Flüchtlingsrat Berlin aus Anlass eines solchen Todesfalles im
sächsischen Plauen eine Umfrage in Berlin durch. Wir haben damals eine
Reihe von Fällen dokumentiert, in denen der Wachschutz auch in Berliner
Unterkünften sich weigerte, den Rettungsdienst zu rufen. Wir hatten
damals die Senatsverwaltung für Soziales und das LaGeSo um Klarstellung
gebeten, dass MitarbeiterInnen und Security in Sammelunterkünften in
keinem Fall die Hilfe bei der Benachrichtigung von Rettungsdiensten
ablehnen dürfen. Leider enthalten die Qualitätsrichtlinien des
Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten LAF für die Security in
Sammelunterkünften insoweit jedoch bis heute keine klaren Vorgaben…” Pressemitteilung vom 22.7.2019 von und beim Flüchtlingsrat Berlin
und dazu:
- Keinen Krankenwagen gerufen. Nach Kindstod: Strafanzeige gegen Wachdienst von Flüchtlingsheim
“Frau H. war im 9. Monat schwanger, als sie in der Nacht plötzlich
starke Blutungen bekam. Die Security in einem AWO-Flüchtlingsheim
weigerte sich, ärztliche Hilfe zu rufen. Das ungeborene Kind starb.
Jetzt wurde Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt.
Nach dem Tod eines ungeborenen Babys ist gegen zwei
Sicherheitsdienstmitarbeiter eines Berliner Flüchtlingsheims
Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt worden. Es
könnte sich auch um fahrlässige Tötung handeln, sagte der auf
Medizinrecht spezialisierte Jurist Tobias Kiwitt am Dienstag dem
„Evangelischen Pressedienst“ in Berlin. Er vertritt die betroffene
Familie aus Armenien anwaltlich…” Beitrag vom 24. Juli 2019 beim Migazin
- [Bremen-Nord] Zentrale Aufnahmestelle: Wachpersonal soll geprügelt haben
“… Die Vorwürfe wiegen schwer: In der Zentralen Aufnahmestelle
(Zast) für Asylbewerber und Flüchtlinge in Bremen-Nord soll es vor
wenigen Tagen zu schweren Übergriffen durch das Sicherheitspersonal
gekommen sein. Das Bündnis Together we are Bremen spricht von „massiven
und mehrfachen körperlichen“ Attacken auf junge schwarze Geflüchtete. Um
gegen die Zustände in der Erstaufnahmestelle zu protestieren,
demonstrierten Betroffene am Dienstag vor der zuständigen Sozialbehörde
am Bahnhofsplatz. Deren Sprecher Bernd Schneider bestätigte „ernst zu
nehmende Hinweise“ auf Provokationen und Tätlichkeiten einzelner
Mitarbeiter des Wachpersonals. Der Geschäftsführer des
Sicherheitsdienstleisters Procertus, Karim Bader, erklärte, die Vorfälle
würden in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialressort untersucht. Von
Ausländerfeindlichkeit distanzierte sich Bader. „Bei uns wird Rassismus
nicht geduldet.“ Im krassen Gegensatz dazu stehen die Angaben der
Betroffenen. „Wir fühlen uns bedroht“, wird einer von ihnen vom
antirassistischen Bündnis zitiert. „Der Sicherheitsdienst eskaliert
bewusst Situationen, greift uns schwarze Jungs an, wirft uns zu Boden.“
In Gruppenstärke hätten Sicherheitsleute Einzelne verfolgt, sie bedroht
und körperlich angegriffen. Mehrere Security-Mitarbeiter seien einer
Person ins Bad gefolgt und hätten sie gewürgt. Mit Hinweis auf den Tod
eines Geflüchteten in Hamburg fordert das Bündnis von der Sozialbehörde,
den Vertrag mit dem Sicherheitsdienst sofort zu kündigen…” Beitrag von Frank Hethey vom 28. Mai 2019 beim Weserkurier online
und erste Reaktionen darauf:
- Übergriffe in Landeserstaufnahme: Awo widerspricht Aktionsbündnis
“Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) widerspricht der Darstellung des
antirassistischen Aktionsbündnisses „We are together Bremen“ zu den
Übergriffen in der Landeserstaufnahmestelle in Bremen-Nord. Laut
Awo-Sprecherin Anke Wiebersiek ist es falsch, dass die Awo Angriffe
gegen junge Schwarze geduldet habe. Das Gegenteil sei richtig, die Awo
habe die Vorfälle überhaupt erst gemeldet. „Unsere Mitarbeiter haben
gegenüber der Sozialbehörde deutlich gemacht, dass die Security sich
nicht korrekt verhalten hat.“ Nicht zutreffend sei auch, die Awo als
Betreiberin der Aufnahmestelle zu bezeichnen. Vielmehr werde die
Einrichtung an der Lindenstraße von der Stadt Bremen betrieben. „Die Awo
hat nur einen Betreuungsauftrag.“ Was die kritisierten Wohnverhältnisse
angeht, liefen Gespräche zwischen Behörde und Eigentümer…” Artikel von Frank Hethey vom 30.05.2019 beim Weser Kurier online
- Wachpersonal in Geflüchtetenunterkunft: Hausverbot für Securitys
“Bewohner der Erstaufnahme für Geflüchtete in Bremen-Vegesack
berichten von rassistischem Wachpersonal. Sozialbehörde:
„ernstzunehmende Hinweise“.
Eine einfache Forderung hätten sie, sagt der Redner über einen
Lautsprecher. Und zwar: Dass der Vertrag mit der Security-Firma in der
Erstaufnahmeeinrichtung Lindenstraße aufgelöst wird. Rund 50 Leute der
Initiative „Together we are Bremen“ sind am Dienstag zum Bahnhofsplatz
gekommen, um vor dem Sitz der Sozialbehörde zu demonstrieren. Dass die
Sicherheitsleute in der Flüchtlingsunterkunft aggressiv aufträten, sagen
sie. Und: Dass sie rassistisch seien gegen Menschen mit schwarzer
Hautfarbe. Bis zu 700 Plätze hat die Erstaufnahme-Einrichtung im
ehemaligen Vulkan-Gebäude in Vegesack. Aktuell ist sie ziemlich voll:
Familien und Alleinstehende teilen sich jeweils Zimmer mit mehreren
Betten. Betrieben wird sie von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), für den
Wachdienst hat die Sozialbehörde einen Vertrag mit der Sicherheitsfirma
Procertus. (…) Die Sozialbehörde spricht seit Dienstag von einem
Fehlverhalten auch von Seiten der Sicherheitsleute. „Es gibt
ernstzunehmende Hinweise, dass es im Zusammenhang mit der Durchsetzung
der Hausverbote zu Provokationen und Tätlichkeiten einzelner Mitarbeiter
des Wachpersonals gekommen ist“, sagt Behördensprecher Bernd Schneider.
Mindestens die involvierten Securitys werden somit wohl nicht mehr in
Unterkünften für Geflüchtete eingesetzt. Eine Sprecherin der AWO
erklärte, ihre Mitarbeiter hätten deutlich gemacht, dass sich auch das
Wachpersonal falsch verhalten habe…” Artikel von Jean-Philipp Baeck vom 29.5.2019 bei der taz online
- Siehe auch Together we are Bremen bei Twitter: @WeAreBremen
- [Schweinfurt] Tod eines somalischen Geflüchteten in Polizeigewahrsam aufklären!
“Am Morgen des 26. Februar 2019 ist ein 22-jähriger Geflüchteter aus
Somalia in einer Schweinfurter Polizeizelle ums Leben gekommen. Zuvor
lebte er im Anker-Zentrum Schweinfurt. In der Nacht auf den 26. Februar
soll er sich laut Medienberichten aggressiv gegenüber Mitarbeitern des
privaten Sicherheitsdienstes verhalten haben. Daraufhin sei die Polizei
gerufen worden. Die Streifenbeamt*innen hätten den Geflüchteten „zur
Verhütung von Straftaten“ in Gewahrsam genommen und ihn gegen 5 Uhr
morgens in einen Haftraum der Schweinfurter Polizeiinspektion gesperrt.
Um 7:30 Uhr habe ein Beamter den Raum kontrolliert und den jungen Mann
tot aufgefunden. Die Polizei behauptet, es gebe keine Hinweise auf ein
Fremdverschulden und verfolgt Hinweise auf einen Suizid. Das
Nachrichtenportal „inFranken.de“ berichtete, dass der Geflüchtete sich
erhängt habe. Wir wissen: die Tode vieler Schwarzer Menschen in
Polizeigewahrsam und in Haft wurden von Polizei, Justiz und Politik
vertuscht. Wir erinnern uns an Oury Jalloh, Amed Ahmed, Yaya Jabbi. Ihre
Tode haben uns gelehrt grundsätzlich misstrauisch zu sein, wenn Polizei
und Justiz vorschnell von Suizid sprechen. Wir wissen auch: in vielen
Anker-Zentren und Abschiebelagern gibt es strukturelle Probleme mit Wachdienstgewalt
.
Häufig greifen Wachleute Geflüchtete willkürlich an und verprügeln sie.
Anschließend rufen sie die Polizei, die die Opfer der Wachdienstgewalt
festnimmt und kriminalisiert. Regelmäßig hören wir davon, dass die
Polizei die Geflüchteten weiter demütigt und ihnen Gewalt antut...” Beitrag vom 4.3.2019 bei Justizwatch
und neu dazu:
- Selbstmord in einer Schweinfurter Polizeizelle: So einer, wie jener historische aus Südafrika, mit 21 Messerstichen?
„Rooble Warsame war aus Somalia geflüchtet. Im Februar 2019 lebte er
in einer Sammelunterkunft in Schweinfurt und teilte sich dort mit vier
bis fünf Anderen ein Zimmer. Die Lebensbedingungen sind miserabel. In
der Nacht zum Dienstag, dem 26. Februar, stritt er sich dort mit einem
anderen Mann. Sie hatten Alkohol getrunken und waren laut, aber nicht
handgreiflich. Der private Sicherheitsdienst der Unterkunft hatte
dennoch den Eindruck, nicht allein damit umgehen und die Männer
beruhigen zu können. Er verständigte die Polizei. Als die
Polizeibeamt*innen eintrafen, erklärten sie den Männern zunächst, dass
sie keinen Alkohol trinken dürften. Rooble Warsame widersprach und wies
darauf hin, dass er den Alkohol im Kiosk der Unterkunft gekauft hatte.
Was danach geschah, darüber gibt es geteilte Meinungen. Fest steht
jedoch, dass die Polizist*innen die beiden Männer mit auf die Wache
nahmen. Dabei sagten sie noch, dass Rooble Warsame mehr streite, als er
sollte. Er widersetzte sich seiner Verhaftung nicht. Wenige Stunden
später kehrte die Polizei zur Unterkunft zurück und gab bekannt, dass
Rooble Warsame in seiner Zelle Suizid begangen habe…“ – aus dem Beitrag „Tod in Polizeizelle. Wie starb Rooble Warsame?“ von KOP Berlin am 28. April 2019 bei re:volt
über einen Fall, der alle Attribute von Polizeiwillkür und Alltagsrassismus in der Lagerhaltung von Menschen hat…
- Asylbewerberheim Burbach: Geld- und Bewährungsstrafen für Misshandlung von Flüchtlingen
“Die Missbrauchsvorwürfe gegenüber Wachmännern einer Burbacher
Flüchtlingsunterkunft hatten eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Jetzt
wurden sie zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt. In dem Verfahren
wegen Misshandlungen in der Flüchtlingsunterkunft im siegerländischen
Burbach hat das Landgericht Siegen am Dienstag drei Wachmänner zu Geld-
und Bewährungsstrafen verurteilt. Einer der angeklagten Wachmänner
erhielt eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung, wie das
Gericht mitteilte (AZ: 21 KLs 29/18). Das Gericht sah bei dem Mann
sechs Fälle der Freiheitsberaubung als erwiesen an, davon zwei mit
vorsätzlicher Körperverletzung. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen
drei Fällen von Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro
verurteilt, eine Wachfrau erhielt eine Geldstrafe von 900 Euro. Der
Prozess gegen die drei geständigen Angeklagten war vom Hauptverfahren
abgetrennt worden. Insgesamt müssen sich vor dem Landgericht Siegen 30
Angeklagte wegen der Misshandlung von Flüchtlingen in der Asylunterkunft
verantworten…” Beitrag vom 14. Dezember 2018 beim Migazin
, siehe dazu:
- Burbach-Prozess: “Abwertung von Opfern ist Strategie
“… Dem WDR liegen WhatsApp-Protokolle vor, die zeigen: Die
Wachmänner, die 2014 Flüchtlinge in Burbach eingesperrt und misshandelt
haben, haben das auch noch in Chat-Gruppen gefeiert. Wie ist so ein
Verhalten zu erklären? Der Psychologe Roland Imhoff von der Universität
Mainz hat für den WDR einen Blick auf die Chatprotokolle geworfen. (…)
Die Wachleute haben in erster Linie keine sadistischen Motive für ihre
Misshandlungen, sondern sie hatten offenbar zu jedem Augenblick das
Gefühl, im Recht zu sein. Und das ist ein systemisches Problem. Das
kennen wir aus Untersuchungen zu Gefangenmisshandlungen in
amerikanischen Lagern. Es gibt eine unstrukturierte Aufgabe, hier für
Ruhe zu sorgen, ohne eine konkrete Anweisung, wie das geschehen soll.
Und dann werden Leute in so einem System kreativ. (…) Aus der
Sozialforschung wissen wir, dass die Abwertung von Opfern eine
Verarbeitungsstrategie ist, um Handlungen zu rechtfertigen, die man
bereits getätigt hat. Gegnern im Krieg wird zum Beispiel häufig das
Menschliche abgesprochen. Sie werden für tierähnlich erklärt…” Interview vom 27.02.2019 beim WDR
- Systematische Selbstjustiz: Der ehemalige Heimleiter der Asylunterkunft in Burbach wurde wegen Freiheitsberaubung verurteilt
“… Von Dezember 2013 bis September 2014 waren Asylbewerber
systematischer und gewaltsamer Selbstjustiz durch das Personal
ausgesetzt, mit Wissen und zum Teil auf Anordnung der Heimleitung.
Unbemerkt und wohl auch ignoriert von den Behörden. Insgesamt 38
Personen müssen sich vor Gericht verantworten, einige wurden bereits
verurteilt. Im größten Prozess um die Geschehnisse in der Unterkunft
stehen derzeit 26 Angeklagte vor Gericht, das wegen des enormen
Platzbedarfs in einem Saal des Tagungs- und Kongresszentrums
Siegerlandhalle tagt. Darunter auch Mitarbeiter der Bezirksregierung
Arnsberg, die laut Anklage von den »Problemzimmer«-Vorgängen wussten,
ohne einzuschreiten. Der damalige Heimleiter, dessen Verfahren
abgetrennt worden war, wurde am Dienstag vom Landgericht Siegen zu einem
Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, es sprach ihn der
Freiheitsberaubung in 33 Fällen schuldig. Zudem muss er als
Bewährungsauflage 1200 Euro an die UN-Flüchtlingshilfe zahlen. Zu seinen
Gunsten wertete das Gericht vor allem sein umfassendes Geständnis…” Bericht von Markus Drescher bei neues Deutschland vom 22. Januar 2019
- Misshandlungen in Burbach: Was wusste die Polizei?
“… Im Prozess um die Misshandlungen von Flüchtlingen in Burbach
belasten mehrere Ex-Wachmänner die Polizei. Auch die Anklageschrift
wirft Fragen auf. (…) War die Polizei tatsächlich informiert? Auf Seite
88 der Anklageschrift heißt es, die Polizei habe die Wachleute darauf
hingewiesen, dass das “Problemzimmer” illegal sei. Wörtlich: “So hat
etwa der Angeschuldigte P. ausgesagt, Polizeibeamte hätten anlässlich
mehrerer Einsätze in der NAE darauf hingewiesen, dass das ‘Einsperren’
von Bewohnern eine Freiheitsberaubung darstellen würde.” Warum haben die Polizisten angeblich nur darauf hingewiesen und nicht gleich ein Ermittlungsverfahren eröffnet? “Kein Kommentar”, heißt es dazu aus der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Bei einem laufenden Verfahren sage man “grundsätzlich nichts”.
(…) Kriminologe Tobias Singelnstein von der Uni Bochum hält es für
fragwürdig, dass die Polizisten offenbar nicht ermittelt haben. “Die
Strafverfolgungsbehörden unterliegen dem Legalitätsprinzip. Das heißt,
wenn der Verdacht besteht, dass eine Straftat begangen worden sein
könnte, dann müssen sie dem nachgehen”, erklärt der Jurist.
“Wenn sie das nicht tun, können sich Beamte wegen Strafvereitelung im
Amt durch Unterlassen strafbar machen.” Bericht von Fritz Sprengart vom 4. Dezember 2018 bei Lokalzeit WDR (Videolänge: 5:07 Min., verfügbar bis zum 4. Dezember 2019)
- [Asylheim von European Homecare im Siegerland] Prozess in
NRW: „Waren überfordert“ – Sozialarbeiter geben Gewalt gegen Flüchtlinge
zu
“Immer wieder sollen Flüchtlinge in einem sogenannten„Problemzimmer“
misshandelt worden sein. Der Skandal um ein Asylheim im Siegerland
beschäftigt nun ein Gericht. Die Sozialbetreuer geben Gewalt zu – suchen
die Schuld aber bei anderen. (…) Dabei soll es in der Notunterkunft des
Landes, betrieben vom privaten Unternehmen European Homecare, ein
ausgeklügeltes Bestrafungssystem gegeben haben. Verstießen Bewohner
gegen die Hausordnung – etwa durch Rauchen auf ihren Zimmern – oder
waren sie in Schlägereien verwickelt, wurden sie in ein sogenanntes
„Problemzimmer“ gesperrt, manchmal tagelang. Den langwierigen
Ermittlungen zufolge sollen Wachleute und Betreuer auch immer wieder
Flüchtlinge geschlagen, gedemütigt und schikaniert haben. Es sei ein
menschenverachtendes System der eigenmächtigen Bestrafung gewesen, so
die Staatsanwaltschaft. Beim zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht
Siegen sitzen am Mittwoch 29 Angeklagte. (…) Der gelernte Koch gibt an,
er habe stets auf Anweisung seines Vorgesetzten gehandelt, ihn immer
angerufen, wenn es Probleme gab. Das Verfahren gegen diesen Leiter des
Sozialbetreuerteams ist wie etwa auch das gegen den Heimleiter von dem
nun laufenden Prozess abgetrennt worden. (…) Zwar räumt er Ohrfeigen,
Schläge und Tritte ein, auch dass er Bewohner einsperrte. Doch wer ins
Problemzimmer kam und wie lange, entschieden demnach die Sozialbetreuer –
das letzte Wort habe immer ihr Chef gehabt. Und noch jemanden nimmt er
mit in die Verantwortung: Die Polizei habe genau gewusst, was sich
abgespielt habe…” Bericht vom 14.11.2018 bei der Welt online 
- Misshandlungen im Asylbewerberheim Burbach: In Zimmer 123 quälten sie die Flüchtlinge
“Wachleute und Betreuer des Flüchtlingsheims im siegerländischen
Burbach haben Asylbewerber eingesperrt, verprügelt, erniedrigt – gedeckt
von der Heimleitung. Vier Jahre später beginnt nun der Mammutprozess
gegen mehr als 30 Angeklagte. (…) Die 155 Seiten starke Anklageschrift,
die der SPIEGEL einsehen konnte, zeichnet das Bild einer
Flüchtlingsunterkunft, die sich selbst überlassen wurde und schließlich
völlig aus dem Ruder geriet. Die Angeklagten – zwischen 24 und 63 Jahre
alt, Wachleute, Sozialbetreuer, aber auch die Heimleiter – führten sich
demnach auf wie Gefängniswärter, die zwischen Dezember 2013 und
September 2014 ein menschenverachtendes Bestrafungssystem installierten.
Auch zwei Mitarbeiter der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg sitzen
auf der Anklagebank, weil sie von den Zuständen gewusst, aber nicht
eingegriffen haben sollen. Hauptverantwortlich war den Ermittlern
zufolge Heimleiter Ricardo S. vom damaligen Betreiber European Homecare
(EHC), einem 1989 gegründeten Unternehmen aus Essen, das sich auf das
Führen von Wohnheimen für Flüchtlinge und Asylbewerber spezialisiert
hat. S. habe mit seinen Vorgaben die Basis geschaffen dafür, dass
Bewohner systematisch eingesperrt worden seien, heißt es in der
Anklage…” Beitrag von Jörg Diehl und Christian Parth vom 7. November 2018 bei Spiegel online 
- Misshandlung im Lager: Auch mal angeklagt…
„In der Burbacher Notaufnahme-Einrichtung, einer ehemaligen
Bundeswehr-Kaserne, soll es ein sogenanntes “Problemzimmer” gegeben
haben. Darin seien immer wieder Flüchtlinge eingesperrt worden. Im
Zentrum der Vorwürfe stehen seinerzeitige Mitarbeiter der Firma European
Homecare. Sie betrieb damals das Flüchtlingsheim“ – aus der Meldung „Anklage wegen Misshandlung von Flüchtlingen in Burbach“ am 21. März 2017 beim WDR
, worin über die Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Siegen berichtet wird
- Skandal in Flüchtlingsheim in Burbach: Standards und wie man sie einhält
“Nordrhein-Westfalens Landesregierung lädt nach dem
Misshandlungsskandal von Burbach zum runden Tisch. Der Flüchtlingsrat
ist skeptisch…” Artikel von Anja Krüger in der taz online vom 13.10.2014 
- Systematischer Machtmissbrauch – Gewalt durch Wachpersonal in Flüchtlingsunterkünften
“Basierend auf der Web-Dokumentation der Antirassistischen
Initiative haben wir eine Übersicht über Fälle von Wachdienstgewalt in
Flüchtlingsunterkünften in den Jahren 2015, 2016 und 2017 erstellt. Die
Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil ist von
einem großen Dunkelfeld auszugehen: Denn Geflüchtete befinden sich
gegenüber dem Wachpersonal in einer Abhängigkeitssituation und trauen
sich deswegen häufig nicht, sich über Fehlverhalten und Machtmissbrauch
zu beschweren – oder sie werden von den verantwortlichen Wachleuten
gezielt unter Druck gesetzt, keine Beschwerden nach außen zu tragen.
Eine weitere Rolle spielen negative Erfahrungen mit der Polizei.
Teilweise wird Beschwerden auch schlicht nicht nachgegangen oder
Geflüchtete, die ihre Erfahrungen öffentlich machen, werden selbst
gerichtlich belangt. Die Übersicht macht dennoch sichtbar, wie
regelmäßig und systematisch Geflüchtete Machtmissbrauch, Schikanen,
Demütigungen und körperlichen Angriffen seitens des Wachpersonals
ausgesetzt sind…” Doku vom 16.11.2018 bei Justizwatch 
- Zustände in der LEA Karlsruhe: Security schlägt jungen Flüchtling
“Am 22. November 2018 soll ein Security-Mitarbeiter der Big-Gruppe
in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) Karlsruhe, Außenstelle Felsstraße
einen Bewohner zu Boden geworfen und ins Gesicht geschlagen haben.
Anlass war lediglich, dass der junge Mann das Spielen kleiner Kinder auf
dem Flur der Einrichtung verteidigt hatte. Die Mutter des Betroffenen
habe angesichts des Vorfalls das Bewusstsein verloren und musste von
einem Rettungsdienst behandelt werden. Das Opfer selbst sowie eine
Augenzeugin seien von der Security dazu gedrängt worden, über den
Vorfall zu schweigen. Doch das hat die Zeugin nicht getan. Frau Z. sagte
als Zeugin bei der Polizei aus, brachte den Fall über eine
Pressemitteilung der Anlaufstelle Pro-Roma der katholischen
Seelsorgeeinheit Waldkirch in die Öffentlichkeit und hat uns im
Interview über das Geschehen am 22. November, aber auch über die
allgemeinen Missstände in der LEA Karlsruhe-Felsstraße berichtet…” Beitrag von Autonome Gruppe Karlruhe vom 30.11.2018 bei indymedia 
- Organisierte Kriminalität: Warum die Security-Gewalt in bayerischen Abschiebelagern weitergeht
“In bayerischen Transitlagern, die vor kurzem in »Ankerzentren«
umbenannt wurden, scheinen sich gewalttätige Angriffe auf Geflüchtete zu
häufen. (…) Warum kann in einer staatlichen Einrichtung systematische
Gewalt gegen angeblich in dieser zu schützende Menschen folgenlos
bleiben? Als ich 2017 und 2018 in süddeutschen Abschiebelagern
recherchierte und dafür mit zahlreichen Asylsuchenden sprach, wurde ich
vielfach auf die Zusammenarbeit zwischen privaten Sicherheitskräften,
Behörden im Lager, Polizei und Strafverfolgungsbehörden hingewiesen. In
den vielen organisierten und spontanen Protestaktionen von Geflüchteten
in Bayern waren Gewalt und Machtmissbrauch durch die Sicherheitskräfte
ein zentraler Auslöser und Gegenstand des Protestes. (…) Die AEO Bamberg
war mit Ingolstadt/Manching das erste bayerische Abschiebelager, das
2015 eingerichtet wurde, um Asylbewerber_innen »ohne Bleibeperspektive«
möglichst effektiv durch Isolation und Entrechtung zur Ausreise zu
drängen. (…) So können die Bewohner_innen heute erwarten, dass auch die
Polizei ihre Räume jederzeit ohne ersichtlichen Grund betritt – genau
wie die Sicherheitskräfte. »Wir haben hier keine Sicherheit, wir leben
in Gefahr«, sagt Khady Soumaré. Frauen in Bamberg leiden vor allem unter
der Tatsache, in ihrem Alltag keine Privatsphäre zu haben. Soumaré
wurde in der AEO von männlichen Asylsuchenden angegriffen, die wiederum
von männlichen Securitys geschützt wurden. Zwei Mal misshandelten sie
Security-Mitarbeiter, drei Mal war sie in Polizeigewahrsam, ein Mal
erlebte sie schwere Polizeigewalt. (…) Der größte Teil der Gewalt des
»Sonderteams« gegen Asylsuchende ist noch nicht untersucht worden. Ihre
Opfer können kaum Gerechtigkeit erwarten: Die meisten von ihnen wurden
bereits aus Bamberg abgeschoben oder sind ausgereist. Selbst wenn sie in
Deutschland bleiben könnten, stünden sie vor einem Rechtssystem, für
das ihre bloße Anwesenheit bereits ein Verbrechen darstellt: »Was machen
Sie in Deutschland? Warum sind Sie hier?« Vor einem deutschen Gericht
werden sie zuerst für dieses »Verbrechen« verurteilt. Das hat mir die
Beobachtung unzähliger Prozesse gegen Schwarze Asylsuchende und
Geduldete in Deutschland klar gemacht…” Bericht
von Aino Korvensyrjä aus ak – analyse & kritik – zeitung für linke
Debatte und Praxis / Nr. 640 vom 21. August 2018
- Wachschützer-Gewalt gegen Geflüchtete: Alles nur Einzelfälle?
“LINKE-Politikerin Ulla Jelpke geht von hoher Dunkelziffer aus und
fordert unabhängige Beschwerdestellen und dezentrale Unterbringung von
Geflüchteten
Gewalt gegen Asylbewerber durch private Wachdienste in
Erstaufnahmelagern und Massmissbrauch von möglicherweise rechten
Wachschützern? Das interessiert uns nicht. So in etwa könnte man die
Antwort der Bundesregierung auf eine LINKEN-Anfrage zum Thema
zusammenfassen, die »nd« vorliegt. Man habe Kenntnisse von
»Einzelfällen« erklärt die Regierung. Insgesamt sind das 9 Vorfälle von
2014 bis 2017. Sie finden sich in Antworten auf frühere
Informationsersuchen der Linkspartei. Auch Verbindungen von
Flüchtlingsunterkunft-Wachdiensten zu Rechtsextremisten sind Berlin nur
in »Einzelfällen« bekannt. Übergriffe der Wachschützer seien aber »nicht
isolierte Ausreißer, sondern ein strukturelles Problem«, krititisiert
LINKE-Politikerin Ulla Jelpke. Denn: Aktivisten und Journalisten haben
deutlich mehr Vorfälle dokumentiert. (…) 2016 wurde dann das sogenannte
»Bewachungsrecht« verschärft. Demnach müssen alle Mitarbeiter privater
Sicherheitsdienste, die Geflüchtetenunterkünfte bewachen durch den
Verfassungsschutz überprüft werden. Doch diese Vorschrift tritt erst am
01. Januar 2019 in Kraft. Auch ein »Bewacherregister« ist derzeit noch
in Vorbereitung…” Artikel von Moritz Wichmann vom 01.06.2018 beim ND online 
- Neues Sicherheitsunternehmen für Asylunterkünfte in Cottbus nach gewaltsamen Übergriff in der Silvesternacht
“In der Zielona-Gora-Straße in Cottbus zeigt sich, die Stadt hat
stillschweigend neue Sicherheitsunternehmen in den Asylunterkünften
beauftragt. Die Initiative „Cottbus schaut hin“, hatte den gewaltsamen
Übergriff aus der Silvesternacht zwischen Deutschen und Geflüchteten
veröffentlicht und die Stadt Cottbus massiv kritisiert. Durch den
Übergriff kam es zu dem Vorwurf, dass das Sicherheitsunternehmen
„Distelkam“ Verbindungen ins das rechte Spektrum haben könnte. Die junge
Initiative „Cottbus schaut hin“ hatte in ihrer Pressemitteilung dem
Unternehmen unter anderem Sympathien zu rechtspopulistischen und
rechtsextremen Vereinigungen durch Bildmaterial nachgewiesen. Durch die
Veröffentlichung vom 07.01.18 des Übergriffs in der Silvesternacht,
hatte die Initiative „Cottbus schaut hin“ großes mediales Aufsehen im
gesamten Bundesgebiet sowie international erregt. Im Ausschuss für
Inneres und Kommunales des Landtags Brandenburg am 25.01.18 , bei dem es
um die angespannte Situation in Cottbus zwischen Deutschen und
Geflüchteten ging, war der Übergriff unter anderem auf der Tagesordnung
gelandet. Der Innenminister Schröter erklärte: „Die Wachschützer hätten
keine Verbindung zu rechten Kreisen. Der Verdacht sei aus einer
Namensverwechslung entstanden, aber nicht zutreffend.“ „Cottbus schaut
hin“ hatte jedoch mit Bildmaterial dem Geschäftsführer Distelkam
Sympathien ins rechte Milieu nachgewiesen…” Pressemitteilung vom 20.05.2018 mit Hintergründen 
- Wieder Hannover: Abschiebehäftlinge werfen Justizbeamten Misshandlung vor
“… Wegen mutmaßlicher Misshandlungen haben Abschiebehäftlinge aus
Niedersachsen Anzeige gegen Beamte der Justizvollzugsanstalt Hannover
erstattet. Staatsanwältin Kathrin Söfker sagte am Donnerstag dem
Evangelischen Pressedienst, bereits am vergangenen Freitag sei eine
Anzeige von zwei Inhaftierten aus der Außenstelle Langenhagen bei der
Staatsanwaltschaft Hannover eingegangen. Sie bestätigte damit einen
Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Demnach haben sich die
Häftlinge unter anderem über Prügel, Beleidigung und weitere Schikanen
beschwert. (…) Nach dem Bericht der Zeitung haben insgesamt zehn
Häftlinge in einem Beschwerdebrief bemängelt, dass sie direkt bei der
Ankunft angeschrien und unter Androhung von Gewalt zur Kooperation
gezwungen worden seien. Außerdem habe ihnen das Personal unter anderem
den Gang zur Toilette verwehrt oder sie grundlos in Strafräume gesperrt.
(…) Bereits im Mai 2015 ermittelte die Staatsanwaltschaft Hannover
gegen einen Beamten der Bundespolizei, der unter anderem durch Schläge
und Tritte Flüchtlinge erniedrigt haben soll. Die Vorwürfe bestätigten
sich damals nicht. Die Ermittlungsergebnisse stießen auf Kritik.” Beitrag vom 23. März 2018 von und bei MiGAZIN
, siehe dazu auch:
- Vorwürfe gegen Gefängnis-Bedienstete: Schläge, Beleidigungen, Duschverbot
“Zehn Abschiebehäftlinge warfen den Beamten einer JVA in Hannover
Anfang März Körperverletzung vor. Die Staatsanwaltschaft reagiert erst
jetzt. Abschiebehäftlinge in der JVA Hannover-Langenhagen erheben
schwere Vorwürfe gegen die Gefängnis-Bediensteten: Die sollen die
Inhaftierten geschlagen und beleidigt haben, Besuchsrechte, Freigang und
sogar Toilettenbesuche und Duschgänge verwehrt und ihnen keine private
Kleidung erlaubt haben. Das geht aus einem Brief hervor, den zehn
Gefangene Anfang März an den Flüchtlingsrat Niedersachsen geschrieben
hatten. Der wiederum leitete das Schreiben an die Justizvollzugsanstalt
und das Justizministerium weiter. Und obwohl die Staatsanwaltschaft
spätestens seit dem 7. März in den Fall involviert ist, hat sie bis
heute keinen der Insassen dazu befragt. „Aus diesem Grunde haben
insgesamt drei meiner Mandanten, die Mitunterzeichner waren, nun Anzeige
erstattet“, sagt dazu ihr Anwalt. Notwendig sei das eigentlich nicht
gewesen, da es sich bei den Vorwürfen um Offizialdelikte handele, also
um Straftaten, die die Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgen muss.
(…) Zwei der drei Anzeigensteller sollen nächste Woche abgeschoben
werden, so ihr Anwalt, der dritte befinde sich bereits wieder in seinem
Heimatland Marokko. Auch die JVA hat bereits am 6. März Anzeige
erstattet, gegen sich selbst: „Von Amts wegen mussten wir das nach
Bekanntwerden der Vorwürfe tun“, sagt JVA-Leiter Matthias Bormann.
Spätestens seit dem 7. März liege die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft
Hannover…” Artikel von Simone Schnase vom 23.3.2018 in der taz online
- Körperverletzung und Nötigung in der Asylbewerberunterkunft
in Dortmund – Ein Billigheimer wurde für die Betreuung von Flüchtlingen
engagiert
“Annähernd jede zweite der 48 Strafanzeigen gegen das Wachpersonal
in Flüchtlingsheimen in NRW betrifft die Einrichtung für Asylbewerber in
Dortmund-Hacheney. Hierbei handelt es sich um Anzeigen wegen
Körperverletzung, zum Teil auch schwerer Körperverletzung und Nötigung
gegen Angehörige der Sicherheitsfirma, die vom Betreiber der Einrichtung
European Homecare eingesetzt ist. (…) Auch kennt man in Dortmund seit
über 10 Jahren den „Anbieter von Soziale Dienstleistungen, European
Homecare GmbH“. Er übernahm im Jahr 2003 die Betreuung der Flüchtlinge
in Dortmund von der AWO, da er bei der europaweiten Ausschreibung der
billigste Anbieter war und die Stadt ihm den Zuschlag gab. Proteste
dagegen gab es damals schon. (…) Ein Blick ins Internet hätte auch bei
der Stadt Dortmund genügt, mehr über den Billiganbieter von „Sozialen
Leistungen Europaen Homecare“ zu erfahren. Wie lautete noch die
Überschrift über dem Kommentar Andreas Goras (AWO Dortmund) aus dem Jahr
2002: „Billiger ist nicht immer besser“. In den vergangenen Wochen
waren viele AWO-Beschäftigte auf der Straße. Zusammen mit ihrer
Gewerkschaft ver.di streiken sie für eine Erhöhung der monatlichen
Einkommen um einen Sockelbetrag von 100 Euro zuzüglich 3,5 Prozent, was
dem Tarifniveau vergleichbarer Beschäftigter in staatlichen
Einrichtungen entspricht. Die AWO hat sich in den vergangenen 10 Jahren
also auch zum Billigheimer im sozialen Dienstleistungsgeschäft
entwickelt. Schade, sie stand doch mal der Arbeiterbewegung ganz nahe.” Beitrag vom 22. Oktober 2016 vom und beim Gewerkschaftsforum Dortmund 
- [Essen] Wachleute misshandelten Flüchtlinge – jetzt vor Gericht
“Die Staatsanwaltschaft hat fünf Wachleute eines Übergangswohnheims
in Essen wegen Misshandlung von Flüchtlingen angeklagt. Sie wirft den
Männern vor, im September vergangenen Jahres Heimbewohner geschlagen und
getreten zu haben. Die Opfer sollen Prellungen und blaue Flecken davon
getragen haben. Den Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung zur
Last gelegt, weil sie zu mehreren auf ihre Opfer losgegangen sein
sollen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit…” dpa-Meldung, hier bei der taz vom 18. März 2015 
- [NRW] Polizei informierte Stadt nicht – Fünf Übergriffe auf Kölner Flüchtlinge?
“Die Übergriffe auf Flüchtlinge in Unterkünften im
nordrhein-westfälischen Burbach haben zu einer Anfrage im Landtag
geführt. Bei der Antwort von Innenminister Ralf Jäger (SPD) kam heraus,
dass auch in Köln fünf Anzeigen gegen Mitarbeiter eines
Sicherheitsdienstes vorliegen. Darüber hatte die Polizei allerdings
nicht die Stadt informiert…” Meldung auf express.de vom 23. Januar 2015 
- Neuer Großauftrag für umstrittenen Heimbetreiber European Homecare
“Die steigende Zahl von Flüchtlingen beschert manchem Unternehmen
hohe Umsätze. Zum Beispiel dem Heimbetreiber European Homecare (EHC). Er
ist gut im Geschäft mit Flüchtlingsunterkünften – obwohl Ermittlungen
gegen die Firmenspitze in Zusammenhang mit Misshandlungen von
Asylbewerbern laufen. Nun hat EHC wieder einen öffentlichen Großauftrag
erhalten und darf von Neujahr an fast vier Jahre ein Heim für 75
Flüchtlinge im niedersächsischen Kreis Gifhorn führen.” Beitrag von Janis Brühl auf Süddeutsche.de vom 18. Dezember 2014 
- Essen: Hauptsitz von „European Homecare“ besetzt
“Besetzung schließt Sitz von European Homecare – Firma wegen
unmenschlicher Behandlung von Geflüchteten geschlossen! Heute wurde der
Hauptsitz der Firma „European Homecare“ in Essen-Stadtwald besetzt und
geschlossen. European Homecare war durch eine besonders erniedrigende
Behandlung von Geflüchteten in die Presse gekommen. Die Firma ist
dennoch nach wie vor bundesweit und in NRW im Geschäft. Sie verdient an
der Not geflüchteter Menschen. Um die Schließung durchzusetzen, halten
daher seit den Morgenstunden etwa 50 antirassistische Aktivistinnen und
Aktivisten den Hauptsitz der Firma in Essen besetzt. Sie fordern würdige
Wohn- und Lebensbedingungen für Geflüchtete sowie ein Bleiberecht für
Alle…” Beitrag bei Indymedia vom 5. Dezember 2015 
- NRW will neue Willkommenskultur für Flüchtlinge. Nach
Flüchtlingsgipfel: Knapp 50 Millionen mehr Geld und bessere Standards
für Flüchtlinge
“Ein deutlicher Schritt nach vorn: NRW will seine Flüchtlinge besser
unterbringen und betreuen und ihnen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt
ermöglichen. Das ist das Ergebnis eines Flüchtlingsgipfels, an dem neben
Politikern auch Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und
kommunalen Verbänden teilnahmen…” Artikel von Marcus Meier im ND online vom 21.10.2014 
- [„European Homecare“] Misshandlungen in Flüchtlingsheimen: Ein Skandal und seine Bewältigung
“Nach Bekanntwerden der Misshandlungen von Flüchtlingen sind die
Verantwortlichen geschockt, entsetzt, empört und beschämt. In Wahrheit
sind sie aber um Schadensbegrenzung bemüht – für ihre Presse, ihr Amt,
ihr Geschäft und vor allem ihr Land…” Ein Kommentar von Prof. Dr. Arian Schiffer-Nasserie vom 10. Oktober 2014 im im Online-Magazin “Migazin”
. Zentrale Aussage lt. Autor: “Die
Misshandlungen sind weder die unschöne Folge einer allgemeinen
Überforderung durch anschwellende “Flüchtlingsströme” noch das Ergebnis
unkontrollierter Privatisierung im Sozialbereich. Die Misshandlungen
sind vielmehr die unautorisierte und unerwünschte Fortsetzung der
Flüchtlingspolitik als Bestandteil des Imperialismus der Bundesrepublik.”
- Sparen auf Kosten von Flüchtlingen. Ein Papier des nordrhein-westfälischen Innenministeriums fordert weitere Privatisierungen
Die Privatisierung von Dienstleistungen in Flüchtlingseinrichtungen
führt zu Missständen, wie sich derzeit in NRW zeigt. Doch die
Landesregierung setzt offenbar weiter auf das Motto »Privat vor Staat«.
Nach nd-Recherchen strebt das von Rot-Grün regierte Nordrhein-Westfalen
die weitere Privatisierung von Flüchtlingseinrichtungen an. So heißt es
in einem Bericht einer vom Landesinnenministerium (MIK) eingesetzten
Projektgruppe: »Das MIK soll unter Berücksichtigung der bundesweit mit
vergleichbaren Projekten gesammelten Erfahrungen prüfen, ob die Planung,
die Herstellung, die Finanzierung und die Erhaltung von
Aufnahmeeinrichtungen generell oder im Einzelfall privatisiert werden
kann.« Und weiter: »Diese Prüfung soll sich auch darauf beziehen, ob
sich der Betrieb vorhandener Einrichtung stärker als bisher
privatisieren lässt.«…” Artikel von Marcus Meier in Neues Deutschland online vom 01.10.2014 
- Misshandlungen von Geflüchteten ohne fremdenfeindlichen Hintergrund?
“Misshandlungen in Flüchtlingsunterkünften: Die Politiker geben sich
als Aufklärer. Fragen nach dem gesellschaftlichen Kontext solcher
Übergriffe werden aber nicht gestellt (…) Die potentiellen Mitarbeiter
des Sicherheitsdienstes sollen künftig von Polizei und Verfassungsschutz
überprüft werden. Damit soll wieder einmal ausgerechnet die Behörde
aufgewertet werden, die spätestens nach dem NSU-Skandal eigentlich als
Bündnispartner gegen Rechts ausgedient haben sollte…” Artikel von Peter Nowak in telepolis vom 30.09.2014
mit einem guten historischen Überblick
- [NRW] Übergriffe auf Flüchtlinge: Bezirksregierung kündigt Sicherheitsdienst
“Nach den Misshandlungen mehrerer Asylbewerber hat die
Bezirksregierung Arnsberg der zuständigen Sicherheitsfirma gekündigt.
Gegen die mutmaßlichen Täter wird in Burbach und Essen wegen
gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Auch die Landesregierung gerät
in die Kritik…” WDR-Beitrag vom 29.09.2014
, dort auch Hintergründe
- Übergriffe in Flüchtlingsheimen: Skandal um Misshandlungen weitet sich aus
“Die Zahl von mutmaßlich misshandelten Flüchtlingen weitet sich
weiter aus: Nach Fällen aus Burbach und Essen sind jetzt auch
Verdachtsfälle aus der Flüchtlingsunterkunft in Bad Berleburg bekannt
geworden. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft räumte inzwischen
mangelnde Kontrollen ein…” Artikel von Ingo Neumayer und Annika Franck vom 29.09.2014 beim WDR 
- Interview zu Misshandlung von Flüchtlingen: “Private Betreiber sind nicht das Problem”
“Von Subunternehmern misshandelte Flüchtlinge in einer Notunterkunft.
Dieser Vorwurf sorgt für Aufregung. Neu sei das Problem jedoch nicht,
sagt Flüchtlingsforscher Wendel im tagesschau.de-Interview.
Verantwortlich sei nicht alleine das Personal. Es fehle an Aufsicht. (…)
Zwar sind die Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich,
aber in den meisten Bundesländern werden die Gemeinschaftsunterkünfte
privat betrieben. Anders handhaben es nur Bayern und Baden-Württemberg,
dort werden die Unterkünfte für Flüchtlinge von den Landkreisen selbst
betrieben. In Bayern ist das Personal immer direkt bei der
Bezirksregierung angestellt. Auch die privaten Betreiber unterliegen
immer der Aufsicht der kreisfreien Städte oder der
Landkreisverwaltungen. Und die sind dann auch verantwortlich, dass dort
solche Misshandlungen nicht vorkommen. (…) Die privaten Betreiber sind
nicht das Hauptproblem. Das Problem ist die fehlende Aufsicht. Es muss
verbindliche Mindeststandards geben, die auch durchgesetzt werden. Eine
Aufsicht müsste die Heime regelmäßig kontrollieren und es muss auch im
Flüchtlingsbereich ein Beschwerde-Management geben. In allen anderen
sozialen Bereichen ist das gang und gäbe. Im Kinder- und
Jugendhilfebereich und auch in Altersheimen gibt es das, doch
Flüchtlinge werden rechtlos gehalten. Die jetzigen Vorfälle hätten
verhindert werden können, wenn Flüchtlinge sich rechtzeitig an eine
Ombudsperson hätten wenden können, die diese Fälle aufnimmt und ihnen
nachgeht. Doch so etwas gibt es in ganz Deutschland bislang nicht…” Interview von Sandra Stalinski vom 29.09.2014 bei tagesschau.de 
- European Homecare: “Schlagkräftiges Team” für die Flüchtlingsbetreuung
“Für Firmen wie European Homecare ist Flüchtlingshilfe ein Geschäft.
Jetzt gerät das Essener Unternehmen wegen Misshandlungen in einer
Unterkunft in Nordrhein-Westfalen in die Schlagzeilen. Es ist nicht das
erste Mal…” Artikel von David Böcking im Spiegel online vom 29.09.2014
, darin das Video: “Mutmaßliche Misshandlung: Schockbilder entfachen Debatte über Flüchtlingsheime” und weitere
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