“Das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge setzt mehrere KI-Systeme ein.
Eine Software soll interessante Stellen in Anhörungsprotokollen
markieren. Das BAMF leitet immer mehr Daten von Geflüchteten an den
Verfassungsschutz weiter. „KI ist bei uns keine Zukunft, sondern gelebte
Praxis“, sagte Markus Richter im Dezember. Richter ist Vize-Chef des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), früher leitete er die
IT-Abteilung des Amtes. Die Behörde, selbsternannter
Digitalisierungsvorreiter, testet Künstliche Intelligenz in
verschiedenen Bereichen: Algorithmen sollen den digitalisierten
Posteingang sortieren, sogenannte Profilanalysen durchführen und
Klageandrohungen auch in ironisch formulierten Anwaltsschreiben
erkennen. (…) Das BAMF führt derzeit ein Pilotprojekt zur
„Profilanalyse“ durch. Laut dem Gruppenleiter für Prozesse und IT wurde
die Profilanalyse entwickelt, „um den gesetzlichen Meldeverpflichtungen
des BAMF an Sicherheitsbehörden leichter und schneller nachkommen zu
können“. (…) Immer häufiger leitet das BAMF Daten an den
Verfassungsschutz weiter: Im Jahr 2015 waren es noch gut 500 Fälle, zwei
Jahre später bekam der Verfassungsschutz vom BAMF über 10.000 Hinweise.
Wie viele tatsächlich relevante Erkenntnisse das bringt, ist nicht
öffentlich bekannt. (…) Es besteht die Gefahr, dass Entscheidungen über
Menschen Maschinen überlassen werden. Das gibt das Innenministerium zu
(…) Dem entgegen steht eine hohe Belastung der Entscheider und sonstiger
Mitarbeiter, die dazu verleiten, den vermeintlich neutralen Ergebnissen
der Algorithmen zu viel Glauben zu schenken. Das ist bereits
vorgekommen. Asylsuchenden wurden falsche Angaben vorgeworfen, ihre
Asylanträge zunächst abgelehnt. Außer der Computeranalyse sprach fast
alles für ihre Aussagen…” Beitrag von Anna Biselli und Andre Meister vom 19. Juli 2019 bei Netzpolitik Sonntag, 28. Juli 2019
Asylbehörde sucht mit Künstlicher Intelligenz nach auffälligen Geflüchteten – und leitet immer mehr Daten von Geflüchteten an den Verfassungsschutz weiter
“Das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge setzt mehrere KI-Systeme ein.
Eine Software soll interessante Stellen in Anhörungsprotokollen
markieren. Das BAMF leitet immer mehr Daten von Geflüchteten an den
Verfassungsschutz weiter. „KI ist bei uns keine Zukunft, sondern gelebte
Praxis“, sagte Markus Richter im Dezember. Richter ist Vize-Chef des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), früher leitete er die
IT-Abteilung des Amtes. Die Behörde, selbsternannter
Digitalisierungsvorreiter, testet Künstliche Intelligenz in
verschiedenen Bereichen: Algorithmen sollen den digitalisierten
Posteingang sortieren, sogenannte Profilanalysen durchführen und
Klageandrohungen auch in ironisch formulierten Anwaltsschreiben
erkennen. (…) Das BAMF führt derzeit ein Pilotprojekt zur
„Profilanalyse“ durch. Laut dem Gruppenleiter für Prozesse und IT wurde
die Profilanalyse entwickelt, „um den gesetzlichen Meldeverpflichtungen
des BAMF an Sicherheitsbehörden leichter und schneller nachkommen zu
können“. (…) Immer häufiger leitet das BAMF Daten an den
Verfassungsschutz weiter: Im Jahr 2015 waren es noch gut 500 Fälle, zwei
Jahre später bekam der Verfassungsschutz vom BAMF über 10.000 Hinweise.
Wie viele tatsächlich relevante Erkenntnisse das bringt, ist nicht
öffentlich bekannt. (…) Es besteht die Gefahr, dass Entscheidungen über
Menschen Maschinen überlassen werden. Das gibt das Innenministerium zu
(…) Dem entgegen steht eine hohe Belastung der Entscheider und sonstiger
Mitarbeiter, die dazu verleiten, den vermeintlich neutralen Ergebnissen
der Algorithmen zu viel Glauben zu schenken. Das ist bereits
vorgekommen. Asylsuchenden wurden falsche Angaben vorgeworfen, ihre
Asylanträge zunächst abgelehnt. Außer der Computeranalyse sprach fast
alles für ihre Aussagen…” Beitrag von Anna Biselli und Andre Meister vom 19. Juli 2019 bei Netzpolitik
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