„Arbeit
4.0“. Kaum ein Begriff, der so oft durch die Schlagzeilen gejagt wird.
Und meistens sind es Bilder der Unabdingbarkeit, die an die Wand gemalt
werden. Vorstellungen, an deren Ende die ach so behäbigen
Gewerkschafter*innen aufgefordert werden, endlich einmal in der
Wirklichkeit anzukommen und sich von sozialromantischen Forderungen zu
verabschieden. Hinter „Arbeit 4.0“ lugt immer auch ein anderer Slogan
hervor: „Seid doch flexibel!“ Jörg Flecker, Professor am Institut für
Soziologie an der Universität Wien, wird bei solchen Zugängen nicht
hellhörig. Er wird kämpferisch: „Es stimmt doch nicht: Technik folgt
nicht einer ihr innewohnenden Logik. Technik wird gestaltet.“ (…) In der
gegenwärtigen Diskussion um Digitalisierung wird oft so getan, als gäbe
es diese Gestaltungsmöglichkeiten nicht. Uber oder Airbnb sind
Beispiele dafür. Wenn die Gesellschaft bzw. die Regierungen nicht
entscheiden, dann entscheiden eben die Firmen. Denn, so Flecker: „Die
Macht zur Entscheidung eröffnet auch die Tür, Parameter zu seinen
Gunsten zu verschieben. Es sieht momentan ganz danach aus, dass mit den
Methoden des 21. Jahrhunderts die Arbeitswelt auf Zustände des 19.
Jahrhunderts zurückgedreht werden soll.“ (…) Es ist also hoch an der
Zeit, das Heft wieder in die Hand zu nehmen. Digitalisierung ist kein
Naturereignis. In die Hand nehmen, ja. Aber wie? Noch einmal Jörg
Flecker: „Digitalisierung kann gestaltet werden. Dieser Anspruch muss
aufrecht bleiben. Digitalisierung ist nicht mehr als ein Mittel. Aber
wir wollen zunächst einmal die Ziele diskutieren.“ Es ist nicht die
Stunde der Ohnmacht angesichts des schier überwältigenden Tempos von
Entwicklungen, es ist die Stunde der grundsätzlichen Fragen. Die bringen
Gewerkschaften aufs Tapet, die muss sich die Gesellschaft stellen, und
das hat seinen Niederschlag in der Politik und letztlich in der
Gesetzgebung zu finden. (…) Was geht Menschen durch den Kopf, wenn sich
die ärztliche Diagnose dem Computer unterordnet? Was spielt sich ab,
wenn der Mensch die statistisch wahrscheinlichste Behandlung in den Wind
schlägt? Welchen Preis hat der Mut, künstliche Intelligenz zu
ignorieren? Und welche juristischen Folgen? Wir müssen nachdenken.
Vordenken. Reden. Und zwar rasch!“ Beitrag von Michael Lohmeyer vom 18. Juli 2019 beim A&W-Blog Sonntag, 28. Juli 2019
Arbeit 4.0: Methoden des 21. Jahrhunderts für Zustände des 19. Jahrhunderts
„Arbeit
4.0“. Kaum ein Begriff, der so oft durch die Schlagzeilen gejagt wird.
Und meistens sind es Bilder der Unabdingbarkeit, die an die Wand gemalt
werden. Vorstellungen, an deren Ende die ach so behäbigen
Gewerkschafter*innen aufgefordert werden, endlich einmal in der
Wirklichkeit anzukommen und sich von sozialromantischen Forderungen zu
verabschieden. Hinter „Arbeit 4.0“ lugt immer auch ein anderer Slogan
hervor: „Seid doch flexibel!“ Jörg Flecker, Professor am Institut für
Soziologie an der Universität Wien, wird bei solchen Zugängen nicht
hellhörig. Er wird kämpferisch: „Es stimmt doch nicht: Technik folgt
nicht einer ihr innewohnenden Logik. Technik wird gestaltet.“ (…) In der
gegenwärtigen Diskussion um Digitalisierung wird oft so getan, als gäbe
es diese Gestaltungsmöglichkeiten nicht. Uber oder Airbnb sind
Beispiele dafür. Wenn die Gesellschaft bzw. die Regierungen nicht
entscheiden, dann entscheiden eben die Firmen. Denn, so Flecker: „Die
Macht zur Entscheidung eröffnet auch die Tür, Parameter zu seinen
Gunsten zu verschieben. Es sieht momentan ganz danach aus, dass mit den
Methoden des 21. Jahrhunderts die Arbeitswelt auf Zustände des 19.
Jahrhunderts zurückgedreht werden soll.“ (…) Es ist also hoch an der
Zeit, das Heft wieder in die Hand zu nehmen. Digitalisierung ist kein
Naturereignis. In die Hand nehmen, ja. Aber wie? Noch einmal Jörg
Flecker: „Digitalisierung kann gestaltet werden. Dieser Anspruch muss
aufrecht bleiben. Digitalisierung ist nicht mehr als ein Mittel. Aber
wir wollen zunächst einmal die Ziele diskutieren.“ Es ist nicht die
Stunde der Ohnmacht angesichts des schier überwältigenden Tempos von
Entwicklungen, es ist die Stunde der grundsätzlichen Fragen. Die bringen
Gewerkschaften aufs Tapet, die muss sich die Gesellschaft stellen, und
das hat seinen Niederschlag in der Politik und letztlich in der
Gesetzgebung zu finden. (…) Was geht Menschen durch den Kopf, wenn sich
die ärztliche Diagnose dem Computer unterordnet? Was spielt sich ab,
wenn der Mensch die statistisch wahrscheinlichste Behandlung in den Wind
schlägt? Welchen Preis hat der Mut, künstliche Intelligenz zu
ignorieren? Und welche juristischen Folgen? Wir müssen nachdenken.
Vordenken. Reden. Und zwar rasch!“ Beitrag von Michael Lohmeyer vom 18. Juli 2019 beim A&W-Blog
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