Samstag, 15. September 2018
Ein General, der die Verfassung bricht. Ein Kandidat, der zum Mord an Linken aufruft – und ein sozialdemokratischer Ersatz: Schicksalswahl für Brasilien
„Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten“ – eine Aussage, deren
globaler Wahrheitsgehalt mit den Jahren noch mehr angewachsen ist.
Eine aktualisierte Variante wird heute im Brasilien des
Unternehmer-Putsches von 2016 verwirklicht: Die Wahl ist nicht
verboten, es darf sich eben nur nichts ändern. Also sorgt eine Riege
reicher Richter dafür, dass die ungebremste neoliberale Gegenreform
weiter gehen kann, indem ein aussichtsreicher sozialdemokratischer
Kandidat nicht teilnehmen darf. Die Zeiten eines, auch noch so
begrenzten, sozialen Ausgleichs sind auch im modernen brasilianischen
Kapitalismus endgültig vorbei. Und während die PT an Stelle Lulas nun
den früheren Paulistaner Bürgermeister Haddad – als seinen Platzhalter
(„Haddad ist Lula“) – ins Rennen schickt, hat das Bürgertum Probleme
mit seinem eigentlichen Kandidaten Alckmin, den kaum jemand will. Denn
jetzt führt in allen Umfragen der rechtsradikale Ex-Offizier
Bolsonaro, bis zu Lulas rechts-richterlichem Ausschluss weit
abgeschlagen. Der Fan des früheren brasilianischen Folterregimes der
Militärs von 1964 bis 1985, verbreitet unter anderem, man müsse
PT-Wähler ohnehin erschießen. Und hat für seine Hasstiraden ein
(unfreiwilliges?) Zentralorgan, die Medien-Dreckschleuder Globo
(vergleichbar dem Verhältnis von AfD und Blödzeitung). Und einen
Fürsprecher: Den Oberkommandierenden der Armee, der seine (keineswegs
nur) persönliche Meinung entgegen aller gesetzlicher Bestimmungen
durch die Gegend trompetet, unter anderem eben, dass Lula nicht an den
Wahlen teilnehmen dürfe. (Nicht alle) Gewerkschaften und soziale
Bewegungen des Landes bereiten sich darauf vor, dass bei diesen
Wahlen, die für den ganzen Kontinent von Bedeutung sind, ein Programm
radikalen Sozialabbaus, enthemmter Privatisierungen und explosiver
Vermehrung der Subunternehmen triumphieren soll, das auch mit blanker
Gewalt durchgesetzt wird. Unsere aktuelle kommentierte kleine
Materialsammlung „Schicksalswahl in Brasilien“ vom 14. September 2018
soll ein Beitrag dazu sein, die Bedeutung dieser Wahlen und die
Optionen der sozialen Bewegungen verständlich zu machen.
http://www.labournet.de/?p=137420
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