Das „Verbrechen“ der syrischen Regierung besteht, aus der Sicht des Westens, nicht etwa in einem Mangel an Demokratie (wie könnte es sie geben bei der seit langem bestehenden Verbindung westlicher Regierungen zu Saudi-Arabien, das von mittelalterlichen Potentaten beherrscht wird?), sondern eher in der Tatsache, daß Syrien unter Bashar al-Assad sich so lange geweigert hat, sich einer US-amerikanischen und westlichen Hegemonie zu unterwerfen
Deutsch und Überarbeitung: Florian Geißler, Jena
Wieder einmal wurde in London von einer Koalition regierungsfeindlicher Kräfte Syriens mit Hilfe der üblichen Verdächtigen – nämlich der Türkei, der EU, der USA und der Golfstaaten – ein Plan aufgestellt, um einen gewaltsamen Sturz (gesagt wird: einen „demokratischen Übergang“) in Syrien herbeizuführen. Es wird dargestellt als ausführlicher Plan, der Syrien zu einem „demokratischen und religiösen Pluralismus“ führen soll. Was für eine Heuchelei! Der Grund, warum vorherzusehen ist, daß auch das ein Rohrkrepierer sein wird – er enthält als Vorbedingung die Beseitigung von Dr. Bashar Al-Assad.Die Koalition für dieses lächerliche Schema versteckt sich hinter der irreführenden Bezeichnung „Higher Negotiating Committee“ (auf deutsch: Oberstes Vermittlungskomitee) und umfaßt dreißig verschiedene sogenannte „gemäßigte“ politische und militärische Gruppen, die sich das Ziel gesetzt haben, Assad als der Präsident des Landes zu beseitigen. Wen genau diese Leute in Syrien selbst vertreten, weiß niemand. Was wir wirklich wissen, ist, daß Dr. Bashar al-Assad die Unterstützung der großen Mehrheit seines Volkes hat, die niemals ihren Präsidenten abzusetzen und eine koloniale Unterordnung akzeptieren würden.
Der Haß derer, die hier einen gewaltsamen Umsturz fordern, und den Sturz einer Regierung, die bisher mehr als 5 Jahre lang während eines unaufhörlich brutalen Krieges gegen die Kräfte der Hölle eine unentbehrliche Rolle beim Überleben des Landes gespielt hat, wurde aufgestachelt, weil seit Beginn des Irak-Krieges 2003 einfach alle Versuche zur Destabilisierung der Region durch die Vereinigten Staaten und seine Verbündeten zu keinem direkten Ergebnis geführt haben.
London, das seit den Verbrechen von Sykes-Picot im Jahre 1916[1] Schauplatz für die Planung, Vorbereitung und Organisierung kolonialer und imperialistischer Verbrechen ist, um die Araber ihres Rechts auf Selbstbestimmung und Souveränität zu berauben, ist hundert Jahre später, diesmal unter dem Deckmantel eines „Planes für einen demokratischen Übergang“ erneut Schauplatz des Verbrechens, um das syrische Volk seiner Souveränität und Würde zu berauben.
Es gibt kein größeres Zeichen für Demokratie als eine vom Volk unterstützte Armee, die sich angesichts gnadenloser Barbarei weigert, sich zu ergeben. Wie der britische Journalist und Nahost-Korrespondent Robert Fisk bereits Anfang diesen Jahres offenbarte, wurden in diesem brutalsten und gnadenlosen Krieg, den die Region seit dem Iran-Irak-Krieg 1980-88 erlebt, über 60.000 syrische Offiziere, Soldaten und Zivilpersonen ermordet.
Die syrische arabische Volksarmee, die sich aus christlichen, alawitischen, sunnitischen, schiitischen und drusischen Soldaten zusammensetzt, steht mit ihren libanesischen und iranischen Verbündeten einem Feind gegenüber, der so barbarisch und so mörderisch ist, wie man ihn nur mit den Roten Khmer in Kambodscha in den 1970er Jahren vergleichen kann, wo bekanntlich die eigenen Soldaten und Zivilpersonen mit Hilfe benachbarter Staaten durch diese Kräfte abgeschlachtet wurden, solcher Staaten wie die Türkei, Saudi-Arabien, Qatar und Jordanien usw. und deren westliche Unterstützer.
Soll man nun erwarten, daß die Syrier, diesen Ländern und deren Regierungen ihre Zukunft anvertrauen?
Das „Verbrechen“ der syrischen Regierung besteht, aus der Sicht des Westens, nicht etwa in einem Mangel an Demokratie (wie könnte es sie geben bei der seit langem bestehenden Verbindung westlicher Regierungen zu Saudi-Arabien, das von mittelalterlichen Potentaten beherrscht wird?), sondern eher in der Tatsache, daß Syrien unter Bashar al-Assad sich so lange geweigert hat, sich einer US-amerikanischen und westlichen Hegemonie zu unterwerfen. Das betrifft insbesondere auch die Unterstützung Syriens für die libanesische Befreiungsbewegung, Hisbollah, und seine Freundschaft und Verbundenheit zum Iran. Sie bilden zusammen eine Achse des Widerstands, den Washington und seine regionalen Verbündeten schon seit langem zu brechen entschlossen sind.$$$
Trotz des Mutes und der Zähigkeit der syrischen arabischen Armee und des syrischen Volkes gibt es Zweifel, ob Syrien es ohne das Eingreifen Rußlands in diesen Krieg Ende September 2015 geschafft hätte.
Als Wladimir Putin vor der 70. UN-Generalversammlung von den russischen Kampfflugzeugen sprach, die ihre ersten Einsätze gegen die regierungsfeindlichen Kräfte in Syrien fliegen, verkündete er damit praktisch die Gründung einer multipolaren Welt, deren Wiederherstellung durch Rußland nach einem verlorenen Jahrzehnt seit den 1990er Jahren gefordert wird, und das Washington und seine europäischen Verbündeten, auch angesichts des enormen Wirtschaftswachstums und des globalen Fortschritts von China, nach dem Fall der Sowjetunion einen karthagischen Frieden auferlegt.
Rußlands militärisches Eingreifen war und ist ein bemerkenswertes Zustandebringen von Logistik, Planung und Organisation, das notwendig ist, wenn Streitkräfte Tausende Kilometer außerhalb der eigenen Grenzen erfolgreich eingesetzt werden sollen. Es ermöglichte ihm zugleich, der Welt einige seiner fortgeschrittensten Flugzeuge, Raketensysteme und technologisch fortgeschrittenster Waffen vorzuführen, um Washington in seinem eigenen Spiel zu schlagen. Das ist übrigens auch der wahre Grund für die Dämonisierung Putins, die seit letztem Jahr eine Säulen der westlichen Medienpropaganda ist. Wladimir Putin und Rußland haben im Syrienkonflikt zu viel aufs Spiel gesetzt, als daß man zulassen könnte, daß Assad bei einem erfundenen und durchsichtigen Trick unter der Maske eines Friedensplans beseitigt wird.
Das soll aber nicht heißen, daß Assad Syrien auf alle Ewigkeit führen soll. Es soll aber klarstellen, daß die Wahl der Regierung Syriens die alleinige Angelegenheit des syrischen Volkes ist. Das ist auch der Punkt, warum das Überleben von Assad unmittelbar verbunden ist mit dem Überleben Syriens als eines nichtsektiererischen, weltlichen Staates.
Aber wir wollen uns nichts vormachen, der Zeitpunkt der Enthüllung dieser letzten Bemühungen, Assad zu beseitigen, hat überhaupt nichts damit zu tun, das biblische Leiden Syriens und seiner Menschen zu erleichtern. Das ist absolut nicht der Fall. Dafür aber ist es ein Beweis für die Verzweiflung derjenigen, die dabei sind, (wieder einmal) einen Krieg zu verlieren. Das Ziel aber derer, die so viel geopfert und ertragen haben wie Syrien, ist der Sieg – und nicht der Untergang.
https://syrianfreepress.wordpress.com/2016/09/10/assad-forever/
[1] Das Sykes-Picot-Abkommen
vom 16. Mai 1916 war eine geheime Übereinkunft zwischen den Regierungen
Großbritanniens und Frankreichs, um deren koloniale und
imperialistische Interessengebiete im Nahen Osten nach Zerschlagung des
Osmanischen Reiches im 1.Weltkrieg festzulegen.

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