Dienstag, 6. September 2016

Salafist Sven Lau vor Gericht


Archivbild von Sven Lau aus dem Jahr 2012.  | Bildquelle: dpa

  Verfahren mit Symbolcharakter

Stand: 06.09.2016 04:39 Uhr


Sven Lau gilt als eines der Gesichter des Salafismus in Deutschland. In Düsseldorf wird ihm nun der Prozess gemacht. Der Vorwurf: Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Ein Verfahren mit Symbolcharakter.
Von Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR
Es ist dieses schelmische Grinsen, wie das eines Jungen, der sich über sein Spielzeug freut. Doch das Bild zeigt keinen Jungen, sondern einen Salafistenprediger, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Und in seiner Hand hält er kein Spielzeug, sondern eine schwere Waffe.
Es ist Sven Lau, dessen Grinsen man noch kennt aus dem Herbst 2014. Damals amüsierte er sich öffentlich darüber, wie es ihm gelungen war, mit ein paar Warnwesten als selbsternannte "Scharia-Polizei" in Wuppertal zu patrouillieren und damit Kommentarspalten, Talkshowrunden und Bundespolitik heftig aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Foto zeigt Lau mit Sturmgewehr

Ein Foto, das dem WDR vorliegt, zeigt einen anderen Lau als den Provokateur aus Wuppertal: Es zeigt den mutmaßlichen Terrorunterstützer, dem ab heute am Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gemacht wird. Auf dem Bild trägt der 35-jährige Mönchengladbacher ein schwarzes T-Shirt, die linke Hand steckt in einem schwarzen Handschuh und umfasst den Lauf eines Sturmgewehrs.
Lau steht in der Mitte einer unasphaltierten Straße, die Sonne wirft den langen Schatten Laus und den des Fotografen in den Sand, im Hintergrund sind die Umrisse einer dritten Person zu sehen. Weder Zeitpunkt noch Ort der Aufnahme sind geklärt. Das Foto wurde gemeinsam mit einem weiteren Bild, das Lau in einem Auto zeigt, bei einer Hausdurchsuchung bei einem nordrheinwestfälischen Salafisten sichergestellt. Doch die Ermittlungsbehörden konnten keine Metadaten, also beispielsweise einen Zeitstempel, in den Dateien ausmachen. Welche Beweiskraft das Foto hat, ist bislang unklar.

Anklage basiert auf Laus Syrien-Reisen

Mehrmals reiste Lau nach Syrien, meist in die Stadt Hraytan, doch die Fahrten hatte Lau in Propagandavideos stets als humanitäre Einsätze deklariert: Er besuchte beispielsweise ein Krankenhaus, rief zu Spenden auf und ließ sich beim Blutabnehmen filmen. Die Fassade bröckelte, als zum ersten Mal eine Aufnahme von Lau auftauchte, auf der er auf einem Panzer steht, ein Gewehr auf dem Rücken.
Auch die Anklage des Generalbundesanwalts basiert auf Laus Reisen nach Syrien: Vier Fälle werden darin aufgelistet, es geht um die Schleusung junger "Jihadwilliger" nach Syrien, um Nachtsichtgeräte und Geld, das an eine Rebellengruppe in Syrien geflossen sein soll, die sich später dem selbsternannten "Islamischen Staat" anschloss.
Prozessbeginn gegen Salafistenprediger Lau
Jan Philipp Burgard, WDR, 06.09.2016, tagesschau24 11:00 Uhr

"Irgendetwas wird schon hängenbleiben"

Die Bundesanwaltschaft wertet dies als Unterstützungshandlungen einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Laus Verteidiger Mutlu Günal vermutet dahinter ein System. Die Ankläger verführen nach dem Motto: "Wir schmeißen so viel Dreck, wie es geht. Irgendetwas wird an dem Herrn Lau schon hängenbleiben."
Das Verfahren hat Symbolcharakter: Lau ist eines der Gesichter des Salafismus in Deutschland. Gemeinsam mit den alten Bekannten Ibrahim Abou-Nagie, Koranverteiler aus dem Rheinland, und Pierre Vogel, Ex-Boxer und Prediger, wurde der fünffache Familienvater Lau schnell zu einem Anlaufpunkt der Szene. "Abu Adam" wusste sich zu inszenieren.

War Lau Anlaufstelle für Kampfwillige?

Die Scharia-Polizei war nur eines seiner öffentlichkeitswirksamen Projekte. Eben jene Funktion als Anlaufpunkt soll vor Gericht geklärt werden. War Lau eine "Anlaufstelle für die Armee der Auswanderer und Helfer" in Deutschland, wie es die Staatsanwaltschaft vermutet? War er der "verlängerte Arm" der in Syrien aktiven Terrororganisation "Jaish al-muhajirin wa-l-ansar" (JAMWA), was so viel wie "Armee der Ausreiser und Auswanderer" bedeutet?
Hauptbelastungszeuge ist der Stuttgarter Syrien-Rückkehrer Ismail I., der Ende März 2015 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Er war im August 2013 nach Syrien ausgereist und hatte sich in Aleppo der JAMWA angeschlossen. Die Ausreise soll Sven Lau koordiniert haben, der mit zwei zuvor ausgereisten Deutschen aus Mönchengladbach, Konrad S. und Mustafa C., in engem Kontakt gestanden haben soll.

Lau 2014 bereits festgenommen worden

S. und C. hatten sich etwa ein halbes Jahr vor Ismail I. in Aleppo der JAMWA anschlossen und eine "Kampfgruppe der Deutschen" gegründet. Beide sollen zuvor von Lau radikalisiert worden sein. JAMWA stand unter Führung des Georgiers Omar Al-Shishani, ein Teil der Gruppe hat sich nach Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden Ende 2013 dem sogenannten "Islamischen Staat" angeschlossen.
Laut Anklage soll Lau Einfluss auf die Zusammensetzung der Gruppe genommen haben: Er habe auf Bitten von S. einen jungen Deutschen aus der Gruppe entfernt. Er habe außerdem 250 Euro an I. überbracht und erhielt den Auftrag, Nachtsichtgeräte zu besorgen. I. und Lau hatten sich auf einer Pilgerreise nach Mekka kennengelernt. I. hatte ursprünglich ausgesagt, er sei nach Syrien ausgereist, um dort humanitäre Hilfe zu leisten und Lau habe ihm dabei helfen wollen.
2014 wurde Lau bereits einmal festgenommen und wegen der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt. Die Anklage war aber zurückgezogen und Lau aus der Haft entlassen worden.

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