Mittwoch, 7. September 2016
Postkartenaktion zur Tarifrunde Leiharbeit – Brief an die IG BCE und nun die Antwort
Am 23. August 2016 dokumentierten wir den Brief eines LabourNet-Lesers
und Leiharbeiters an die IG BCE. Nun hat er am 30. August 2016 eine
Antwort der Hauptverwaltung, Abteilung Tarifpolitik, erhalten: "...
Die bestehenden Manteltarifverträge zu kündigen und nicht mehr
abzuschließen, halten die DGB-Gewerkschaften ebenso für nicht
zielführend. Den Equal Pay-Grundsatz als Beschäftigter durchzusetzen
ist schwer, equal treatment ist noch deutlich schwerer durchzusetzen.
Als Gewerkschaften versuchen wir immer Arbeitsbedingungen besser zu
regeln als im Gesetz vorgesehen. In den letzten Jahren haben wir in
der Zeitarbeit gerade in den manteltariflichen Regelungen deutliche
Verbesserungen für die Beschäftigten erreichen können, die durch eine
Kündigung und nicht erneute Verhandlung wegfallen würden. Gemeinsam
mit den Beschäftigten können die DGB-Gewerkschaften auch in den
nächsten Jahren noch mehr erreichen..."
Unser Leser und Leiharbeiter hat diese Antwort am 5.9.2016 wiederum
erwiedert: "erst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. Auf
meiner Seite des Schreibisches erlebt sich eine andere Realität als
die, die eine günstige Interpretation Deiner Schilderungen zulässt.
Die Postkartenaktion ist vom DGB, die selbstverständlich meinen Brief
auch erhalten haben. Die überlegen wohl noch, wie sie dünne Argumente
in wohlklingende Worte hüllen, jedenfalls reagierten die bisher nicht
darauf, daher seid Ihr als Teil des Ganzen offensichtlich der richtige
Ansprechpartner für mein Anliegen. Einige Punkte in der
geschichtlichen Betrachtung der Zeitarbeit bereiten mir Kopfschmerzen
(...) Bei den eklatanten Unterschieden bei Kündigungsschutz, Bezahlung
und Rechten muß doch wohl irgendjemanden ein Licht aufgegangen sein,
dass dies schamlos ausgenutzt wurde, anstatt den Zeitarbeitern
vernünftige Perspektiven aufzuzeichnen. Wozu braucht es bei einer
angestrebten Gleichbehandlung Tarifverträge mit abweichenden Texten?
Da wurde mit blütenreinen, lammfellweichen Worten der Sklavenhandel
flächendeckend eingeführt. (...) Euer Ziel, die Zeitarbeit wieder
dahin zu bringen, nur für Autragsspitzen eingesetzt zu werden, ist vom
Erfolg her eher ein Totalausfall. (...) Genauso verhält es sich mit
den angeblichen Verbesserungen, z.B. Bezahlung in Nichteinsatzzeiten.
Es ist doch völlig egal, ob die Zeitarbeit den ausgehandelten
Dumpingtarif weiterzahlt, oder eine ohne Tarifvertrag vereinbarte
Summe oder sogar nur den Mindestlohn. In der Realität wir dem
Leiharbeiter bei einem drohenden Nichteinsatz eh schneller gekündigt,
als er nach der letzten Schicht zuhause ankommt. Zuständig für
Nichteinsatzzeiten sind also eindeutig die Jobcenter bzw. der doofe
Steuerzahler. (...) Wie ich die Situation sehe, wird sich in
absehbarer Zeit seitens der Politik und der Annäherung der
Tarifpartner kaum etwas ändern. Da ich aber nicht nur für mich,
sondern vielmehr auch für meine Kinder etwas Vernünftiges erreichen
möchte, steht auf meiner persönlichen Agenda jedenfalls der Kampf
gegen die Zeitarbeit..."
Wir dokumentieren beide Schreiben im Dossier
http://www.labournet.de/?p=102380
Wir bitten weiterhin, den Offenen Brief gegen neue Leiharbeitstarife
zu unterschreiben und zu verbreiten!
http://www.labournet.de/?p=100678
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