Dienstag, 6. September 2016

Kuba lehnt Goethe-Institut in Havanna ab


Kuba lehnt die Eröffnung eines Goethe-Institutes ab
Kuba lehnt die Eröffnung eines Goethe-Institutes ab
Havanna/Berlin. Entgegen voriger Verlautbarungen hat Kuba der Eröffnung eines Goethe-Instituts auf der Insel vorerst einen Riegel vorgeschoben. Damit geraten die Verhandlungen über ein Kulturabkommen ins Stocken. Seit Jahren versuchen beide Seiten ein solches zu manifestieren.
Das Auswärtige Amt des Inselstaats übermittelte der deutschen Botschaft in Havanna eine Ausarbeitung des von beiden Ländern verhandelten Kulturabkommens, in dem die Eröffnung einer Niederlassung der deutschen Kulturrepräsentanz – entgegen voriger Absprachen – keine Berücksichtigung fand.
Der Vorsitzende des deutschen Unterausschusses für Auswärtige Kulturpolitik und Bildung, Bernd Fabritius, zeigte sich verärgert ob der neuen Entwicklung: "Parilla [kubanischer Außenminister] hat mir bei dem Treffen in Berlin gesagt, das Abkommen sei in trockenen Tüchern, das könne nächste Woche unterzeichnet werden. Damit er nachher zurückfährt nach Kuba und der deutschen Botschaft ein Abkommen übermittelt ohne Kulturinstitut. Und das geht natürlich nicht!"
Fabritius deutete dieses Verhalten als Ausdruck der Angst vor einer seitens der Bundesrepublik mittels des Goethe-Instituts geförderten Konterrevolution. "Das zeigt eigentlich, wie sehr die Systeme in diesen Staaten sich selbst noch als verletzlich betrachten", so Fabritius weiterWährend er ein Kulturabkommen ohne Goethe-Institut ausschloss, hielt sich das Auswärtige Amt bedeckter und erklärte, die Bundesregierung sei in Sondierungsgesprächen über das weitere Verfahren.
Beide Seiten hatten sich im Mai ob der möglichen Unterzeichnung des Abkommens noch in diesem Jahr zuversichtlich gezeigt. Das Kulturabkommen war unter anderem als rechtliche Grundlage für die Etablierung eines Goethe-Instituts gedacht. Dabei verhandeln Deutschland und Kuba schon seit über einer Dekade über ein solches Abkommen. 2003 standen die Parteien kurz vor der Einigung. Die Verhandlungen fanden nach offiziellen Angaben ein jähes Ende aufgrund des kubanischen Primavera Negra (Schwarzer Frühling), einer Verhaftungswelle gegen Systemgegner, darunter auch Intellektuelle und Künstler.
Trotz der momentanen Uneinigkeit scheint die kulturelle Zusammenarbeit gefestigt. Laut Christine Arndt vom DAAD ist die Nachfrage nach Deutschkursen hoch. Zudem gibt es bereits bilaterale Projekte, beispielsweise über den DAAD oder die Kooperation zwischen der Humboldt-Universität Berlin und der Universidad de la Habana. Die Frankfurter Buchmesse war unlängst mit einem eigenen Stand auf der Buchmesse in Havanna vertreten. Kuba hält regelmäßig deutsche Theaterwochen, während gleichzeitig junge Kubaner zum Mitwirken an deutschen Theatern, Musikprojekten und im Filmbereich eingeladen werden.

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