Mittwoch, 17. Dezember 2014

Mexico: “Wir müssen uns bewaffnen”

Veröffentlicht am 9. Dezember 2014 Nach der Identifizierung eines der in Mexiko verschwundenen Studenten fordern die Angehörigen weiterhin Aufklärung über den Verbleib der Vermissten. „Märsche, Märsche und nochmal Märsche führen zu nichts“, sagte der Vater eines der jungen Männer am Sonntag, „wir müssen zu härteren Mitteln greifen“. Am selben Tag bestätigte der Generalstaatsanwalt Jesùs Murillo Karam, worüber zuvor schon eine Gruppe argentinischer Forensiker informiert hatte: Knochen, die auf einer Müllhalde gefunden wurden, können dem Studenten Alexander Mora zugeordnet werden. Die Ermittlungen gingen weiter, so der Strafverfolger, bis „alle Schuldigen gefasst“ seien. Artikel in der taz, 9. Dezember 2014 Der 19jährige Mora zählte zu der Gruppe von Lehramtsanwärtern der Fachschule Ayotzinapa, die am 26. September im Bundesstaat Guerrero von Polizisten und Mafia-Killern der „Guerreros Unidos“ angegriffen wurden. Sechs Menschen starben bei dem bewaffneten Überfall in der Stadt Iguala, 43 wurden von den Beamten festgenommen und der Bande übergeben. Hinter der Aktion stecken offenbar der örtliche Bürgermeister Luis Abarca sowie dessen Frau María der los Angeles, die als Finanzchefin der Guerreros Unidos gilt. Wie der Gouverneur des Bundesstaates Àngel Aguirre, der das Paar ungestört hatte agieren lassen, ist Abarca Parteigänger der links genannten PRD. Die Entführung sowie die Kooperation von Politikern und Kartellen hat Hunderttausende mobilisiert. In Acapulco besetzten sie den Flughafen, in mehreren Städten wurden Parteibüros und Regierungsgebäude niedergebrannt, am Samstag fand in Mexiko-Stadt erneut eine Großdemonstration statt. „Der Staat ist schuld“, sind die Aktivisten überzeugt und fordern den Rücktritt des Präsidenten Enrique Peña Nieto. Auch führende Oppositionspolitiker wie etwa Andrés Manuel López Obrador schließen sich dieser Forderung an. Bekundungen wie die López Obradors werden von den Demonstranten jedoch zurückhaltend aufgenommen. Noch 2012 ließ sich der Politiker von Abarca und Aguirre als PRD-Präsidentschaftskandidat unterstützen. Für viele Angehörige, Ayotzinapa-Kommilitonen und andere Aktivisten sind alle Parteien Ausdruck des korrupten „Mafia-Staates“. Schon in den vergangenen Jahren haben sich u.a. in Guerrero zunehmend Menschen bewaffnet, weil sie keinem staatlichen Vertreter trauen. Das hat nun noch zugenommen. Bürgermilizen schützen derzeit die Fachschule Ayotzinapa. So wie der Vater des vermissten Carlos Iván bringen viele das Wort „Revolution“ ins Spiel. „Wir müssen uns bewaffnen, es gibt keine Alternative“, sagte er am Sonntag. Bereits Anfang November hatte Generalstaatsanwalt Murillo drei Geständige präsentiert, deren Angaben mit dem jetzigen DNA-Befund übereinstimmen. Sie hätten die Studenten getötet, verbrannt und die sterblichen Reste auf eine Müllhalde gekippt, sagten sie. Die Knochen, die nun von der Universität Innsbruck untersucht wurden, stammen von diesem Ort. Dennoch hofft die Mutter des verschwundenen Marco Gómez González weiterhin darauf, dass ihr Sohn noch lebt. „Solange sie nicht aufgetaucht sind, wird es keinen Frieden geben“, stellte sie am Sonntag klar. URL: http://wdvogel.wordpress.com/2014/12/09/wir-mussen-uns-bewaffnen/ _______________________________________________ Chiapas98 Mailingliste JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider Chiapas98@listi.jpberlin.de https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98

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