Mittwoch, 10. Juni 2015
In der Praxis bedeutete es, dass konterrevolutionäre Ideen aufkamen. So in der chinesischen Provinz Tibet, wo die feudalen Elemente um den Dalai Lama Morgenluft witterten und bewaffnet zu putschen versuchten. Mitte bis Ende März 1959 versuchten feudale Kräfte einen Putsch. Vorweg gegangen war, dass die chinesische Führung den Dalai Lama mit Ehren und Privilegien überhäuft hatte und ihn sogar hohe staatliche Funktionen verliehen hatte.
Vorbemerkung Roter Webmaster:
Wir haben zwei harsche Kritiken an den Ideen Mai Tsetungs auf K-online veröffentlicht. Dazu kamen kritische Anfragen, deren Inhalt es war, ob wir denn auch die sog, Polemik über die Generallinie der KP-Chinas als revisionistisch ansähen.
Kurze Antwort: Natürlich nicht. Die hier dargestellten Positionen sind korrekt. Aber das ändert nichts daran, dass damals in China auch revisionistische Schriften erschienen und zwar aus der Feder Maos.
Ich will hier nur zwei Positionen erwähnen und zwar aus Maos Schrift „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke.
1. Hundert Blumen
Mao: „Die Richtlinie, hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern zu lassen, soll dem Aufblühen der Künste und dem Fortschritt der Wissenschaft, dem Gedeihen einer sozialistischen Kultur in unserem Lande dienen. Unterschiedliche Formen und Stilarten können sich in der Kunst frei entwickeln, und unterschiedliche wissenschaftliche Schulen können frei miteinander wetteifern. Unserer Meinung nach würde es für die Entfaltung von Kunst und Wissenschaft schädlich sein, wenn durch administrativen Zwang ein bestimmter Kunststil oder eine bestimmte Schule durchgesetzt wird und andere verboten werden. Was in Kunst und Wissenschaft richtig oder falsch ist, soll durch freie Diskussion unter Künstlern und Wissenschaftlern und in der praktischen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit entschieden werden. Es darf nicht auf simple Weise geregelt werden.“ Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke (27. Februar 1957)
Das ist letztlich nichts anderes, als die Linie Chruschtschows vom Tauwetter. Es werden bürgerliche, feudale und marxistisch-leninistische Inhalte in Kultur und Wissenschaft auf eine Stufe gestellt, miteinander vermengt und der Klassenstandpunkt verwischt. Proletarischer Klassenstandpunkt und Reaktionäres sind gleichwertig.
In der Praxis bedeutete es, dass konterrevolutionäre Ideen aufkamen. So in der chinesischen Provinz Tibet, wo die feudalen Elemente um den Dalai Lama Morgenluft witterten und bewaffnet zu putschen versuchten. Mitte bis Ende März 1959 versuchten feudale Kräfte einen Putsch. Vorweg gegangen war, dass die chinesische Führung den Dalai Lama mit Ehren und Privilegien überhäuft hatte und ihn sogar hohe staatliche Funktionen verliehen hatte.
Der Putsch scheiterte – der Dalai Lama ging nach Indien ins Exil und führt dort seitdem ein Potemkinsches Dorf – ein Scheintibet.
2. Nationale Bourgeoisie
Mao:
„In unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk. Der Klassenkampf zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie gehört im allgemeinen zum Klassenkampf innerhalb des Volkes, da der Charakter der nationalen Bourgeoisie in unserem Land zwiespältig ist. In der Periode der bürgerlich-demokratischen Revolution war die nationale Bourgeoisie einerseits revolutionär und andererseits zu Kompromissen geneigt. In der Periode der sozialistischen Revolution beutet sie einerseits die Arbeiterklasse des Profits wegen aus, aber gleichzeitig unterstützt sie die Verfassung und ist bereit, die sozialistische Umgestaltung zu akzeptieren. Die nationale Bourgeoisie unterscheidet sich von den Imperialisten, der Grundherrenklasse und dem bürokratischen Kapital. Der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse, ein Widerspruch zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, ist an und für sich antagonistisch. Aber unter den konkreten Bedingungen unseres Landes kann dieser antagonistische Klassenwiderspruch, wenn er richtig behandelt wird, in einen nichtantagonistischen umgewandelt und auf friedlichem Wege gelöst werden. Wenn wir ihn jedoch nicht richtig. behandeln und uns gegenüber der nationalen Bourgeoisie nicht der Politik des Zusammenschlusses, der Kritik und der Erziehung bedienen, oder wenn die nationale Bourgeoisie diese Politik nicht akzeptiert, kann sich der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie in einen Widerspruch zwischen uns und dem Feind verwandeln.“ Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke (27. Februar 1957)
Der Widerspruch zwischen Arbeiterklasse und großen Teilen der Bourgeoisie ist also lt. Mao nichtantagonistischer Art und kann ohne Gewalt gelöst werden. Das ist nichts anderes wie der Verzicht auf die Diktatur des Proletariats und die chinesische Entsprechung der Position Chruschtschows von Staat des ganzen Volkes. Das, was Mao hier vertrat, war klar revisionistisch.
Die KP-Chinas kritisierte nicht sofort nach dem 20. Parteitag der KPdSU die sowjetische Führung. Sie zögerte und, wie hier an Maos Schrift „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke“ erkennbar wird, sympathisierte offenbar sogar deren Vorsitzender mit der revisionistischen Line der KPdSU-Führung.
Erst im Frühjahr 1963 erschienen die Kritiken am sowjetischen Revisionismus. Allerdings erst, nachdem die albanische Partei die Chinesen mehrfach dazu ausforderte. Offenbar hatte sich in Peking die marxistisch-leninistische Gruppe durchgesetzt. In den Folgejahren verschwand Mao für einige Zeit aus der Öffentlichkeit.
Die Inhalte dieser Polemik aber vertreten klare marxistisch-leninistische Positionen, die heute genau so ihre Gültigkeit haben, wie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung 1963. Wir geben hier einige wichtige Texte aus der „Polemik“.
G.A.
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