Samstag, 13. Juni 2015
Austromarxismus dinniert im Tiroler „Bilderberg”
Von Gerhard Oberkofler*
Quelle: DKP vom 1. Juni 2015
Aus Gründen, die weit in die Geschichte Österreichs zurückreichen und gelegentlich wie zum Beispiel am 1. Mai mit Roten Fähnchen kultiviert werden, gelten die führenden Kader der österreichische Sozialdemokratie irgendwie als links. Einer ihrer Referenzen ist der Austromarxist Otto Bauer, der von der österreichischen Nation eher weniger wissen wollte und im Ausland für eine gesamtdeutsche revolutionäre Lösung eingetreten ist. Der Sozialist und Staatskanzler Karl Renner hat 1938 wiederholt seinen Anschlußwunsch an Hitler-Deutschland bekundet.
1954 hat der deutsche Prinz Bernhard der Niederlande zu einem ersten Treffen von ebenso prominenten wie elitären Leuten aus Wirtschaft und Politik zu einem Austausch in das Hotel „Bilderberg” (Oosterbeek in den Niederlanden) eingeladen. Seither werden jährlich solche Treffen abgehalten und die Teilnehmer als „Bilderberger” quasi geadelt. In diesen Tagen ist in einem martialisch abgeschirmten Tiroler Nobelhotel in Telfs das Treffen.
1954 – es ist die Zeit der massiven Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, der Forcierung des roll back Imperialismus und der moralischen Degradierung der Westdeutschen durch massenmediale Hinlenkung auf den banalen Konsumismus als alleiniges Ziel des Menschseins. Der zu Tische ladende Prinz Bernhard, dessen Niederlande 1949 Gründungsmitglied des Europarates und der NATO war, brachte viel wirtschaftliche und ideologische Erfahrung mit, sei es als Mitarbeiter von I. G. Farben oder als Mitglied der Reiter–SS und der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. 1937 hat er sich mit der Königin der Niederlande Juliana verheiratet. Über seine Geschäftspraktiken ist in der Öffentlichkeit nicht viel bekannt geworden. Im Zusammenhang mit der Lockheed Affäre wurde sein Name gerade noch als involviert genannt, im kolonialen Afrika war er nicht nur als Großwildjäger unterwegs. In der Periode der Entspannung erfüllte das niederländische Könighaus geschickt seine Pflicht und lud 1972 Andrej Gromyko als Gast in das königliche Schloss ein.
Die österreichische Sozialdemokratie gibt im allgemeinen vor, sich um die Interessen der „kleinen Leute”, vielleicht sogar ausdrücklich um die heimatländischen Interessen von Arbeitern mit österreichischer Staatsbürgerschaft zu kümmern. Vom sozialdemokratischen Bundeskanzler der Jahre 2000 bis 2008 Alfred Gusenbauer ist vor einem seiner mit der Boulevardpresse zur Werbung abgesprochenen Betriebsbesuche blöderweise bekannt geworden, er habe keine grosse Lust, das „Gesudere” dieser Leute anzuhören. Heute ist Gusenbauer als Lobbyist und eingekaufter Agent für Gruppen wie jene des österreichischen Oligarchen Hans Peter Haselsteiner oder des Immobilienhändlers René Benko unterwegs. Des sozialdemokratischen Exkanzlers Geldtaschen sind, das darf unterstellt werden, inzwischen prall gefüllt.
Der in den USA als Nachwuchssozialist von Henry Kissinger, auch dieser Teilnehmer am diesjährigen Bilderbergtreffen, und anderen ausgebildete Heinz Fischer, vormals für seine Sozialdemokratische Partei Abgeordneter im österreichischen Nationalrat, Minister etc. und jetzt Bundespräsident, hat sich nie zu den Aggressionskriegen der USA geäussert, auch nicht zum schändlichen Völkermord in Vietnam oder zum NATO-Krieg auf dem Balkan. In seinen Memoiren berichtet er seinem Volk lieber von Spaziergängen mit dem Wiener Kardinal Franz König, der vom Essen seiner Frau sehr angetan gewesen sei. Der sozialdemokratische Kontrollbanker und Präsident des Bruno Kreisky Forums Rudolf Scholten war in den Jahren 1990 bis 1997 eine vornehm tuender Opernminister in Wien.
Diese drei Figuren – Fischer, Gusenbauer und Scholten – repräsentieren in diesen Tagen als Teilnehmer der Bilderberger Konferenz in Telfs die tatsächliche Funktion der österreichischen Sozialdemokratie: Lakaiendienste für das Kapital zu leisten. Sie treffen unter anderen auf den US-Amerikaner David H. Petraeus, der als kommandierender General für die Greuel der US-Streitkräfte im Irak wie in Afghanistan verantwortlich und derzeit für eines der einflußreicheren Global Institute für die Neuaufteilung der Welt tätig ist. Dann werden sie der deutschen Kriegsministerin Ursula von der Leyen applaudieren können, wenn sie von geglückten Waffenverkäufen und Kriegseinsätzen Deutschlands lächelnd plaudert, und eventuell anmerken dürfen, dass sie ihren Beitrag dazu geleistet haben. Mitnehmen werden diese Sozialdemokraten aber Avisos für ihre nationale und internationale politische Tätigkeit, das Vermögen der Reichen auf Kosten der Verarmung und des Elends der Bevölkerungsmehrheit zu vermehren. Damit die österreichischen Medien angemessen berichten, nimmt der Herausgeber der sich gerne als liberal verkaufenden Wiener Zeitung Der Standard Oscar Bronner teil.
Gerhard Oberkofler
* Gerhard Oberkofler ist emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Innsbruck und Mitglied der Alfred-Klahr-Gesellschaft in Wien. Er war bis Ende 2014 deren Vizepräsident. Er war Mitglied des Beirats der Zeitschrift Topos – Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie, die bis zu dessen Tod von Hans Heinz Holz heraus gegeben wurde.
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