Dienstag, 14. Juli 2020

Ein Green New Deal für Lateinamerika? Livestream, 15.7.

15.7.2020 um 15:00 Uhr MEZ (Englisch)

Ein Green New Deal für Lateinamerika?

Videogespräch mit Maristella Svampa
  Anfang  Juni 2020 wurde eine lateinamerikanische Initiative vorgestellt, die seither lebhaft diskutiert wird : Ein sozial-ökologischer Pakt als Antwort auf die Krise.
Der Pacto Ecosocial del Sur wird von Organisationen, Personen und Bewegungen in ganz Lateinamerika entwickelt. Er wurde in der Coronakrise entworfen, die auch offengelegt hat, dass grundlegende Rechte wie das auf Gesundheit oder Nahrung in Lateinamerika für die Mehrheit der Bevölkerung nur auf dem Papier existieren. Und dass die Staaten nicht in der Lage sind, Grundbedürfnisse zu sichern. Nur ein Beispiel: Sehr viele Menschen haben gar kein sauberes Wasser, um sich die Hände zu waschen.
(Wie sich die Coronakrise zum Beispiel  in Ecuador auswirkt, erklärt ein Video aus unserem Andenbüro: auf Spanisch | auf Englisch)
Der Pacto stellt die Auswirkungen der Coronapandemie in einen größeren Zusammenhang. Sie verschärfen die schon vorher existierende Klima- und Umweltkrise, die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Krise. Daher reicht es nicht, nur an die nationalen Regierungen zu appellieren. Die Initiator*innen des  Pacto wollen aktuelle politische Forderungen entwickeln, die darüber hinausgehen. Sie nennen globale, nationale und gesellschaftliche Felder, die politisch bearbeitet werden, um Wege aus den Krisen aufzuzeigen.
Sie möchten die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte mit alternativen Politiken für Gerechtigkeit und den Schutz der Lebensgrundlagen und der Natur zusammenführen. Dies richtet sich nicht nur an nationale Regierungen, sondern auch an Bewegungen, Organisationen, Gemeinschaften, Akademiker*nnen, lokale Regierungen und Staatsangestellte. An alle, die aktuell reagieren und grundsätzlich etwas ändern wollen.
Dass die Nationalstaaten nicht der Hauptadressat dieser Politiken sein können, liegt angesichts ihres Versagens in der aktuellen Krise auf der Hand. Genau dies unterscheidet den Pacto Ecosocial del Sur auch von linken Politikangeboten aus postindustriellen Ländern wie USA, Großbritannien und Ländern der EU. Diese können auf Grund ihrer Vormachtstellung auf den internationalen Märkten zum Beispiel Schulden zu Null oder wenig Zinsen aufnehmen, um auf die Krise zu reagieren. Die Länder des globalen Südens müssen für Staatsanleihen auf dem internationalen Finanzmarkt ein zigfaches mehr zurückzahlen – und sind daher wieder darauf angewiesen, dass der IWF ihnen Kredite gewährt.
Politikvorschläge wie der Green New Deal in den USA und Großbritannien sollen ähnlich mobilisierend wirken wie der Pacto Ecosocial, nämlich eine soziale und ökologische Wende einleiten. Sie setzen dabei auf den Nationalstaat. Der hat, anders als im globalen Süden, die nötigen Spielräume dafür. Auch weil die Staaten im Norden die Kosten ihrer Wirtschaft auslagern, so wie seit Jahrhunderten. Auch die neuen Konzepte des Green New Deal setzen auf traditionelles Wirtschaftswachstum. Sie kalkulieren mit Migrant*innen für die Sorgearbeit. Und für die Energiewende brauchen sie Rohstoffe aus dem Süden wie Lithium für Elektroautos.
Aus der Sicht Lateinamerikas ist ein sozialökologischer Wandel jedoch nicht möglich, ohne aus der jahrhundertelangen Abhängigkeit von Öl-, Kohle, Gas- und Monokulturen auszusteigen.
Lassen sich diese unterschiedlichen Interessen zusammen denken? Wie sieht die Skizze aus, die Ökologie und soziale Gerechtigkeit global entwirft?

Dazu unterhält sich die Rosa Luxemburg Stiftung am 15. Juli in der Reihe «Global crisis – global solidarity» von 15 bis 16 Uhr Mitteleuropäischer Zeit mit der argentinischen Soziologin und Aktivistin Maristella Svampa. Schalten Sie ein.
Eine bereits geführte Debatte des RLS Büros in Quito zwischen Aktivist*innen in Lateinamerika und den USA können Sie hier ansehen (auf Spanisch). 
  
Global Crisis – Global Solidarity

 


ROSA LUXEMBURG STIFTUNG
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