
„…
Die
öffentliche Debatte über den Schweinefleischverzicht zweier Leipziger
Kitas hatte sich gerade beruhigt. Doch nun wird sie wohl wieder
aufflammen, denn der Oberbürgermeister der Stadt, Burkhard Jung,
veröffentlichte am Dienstag Drohungen, die bei den beiden Einrichtungen
eingegangen waren. In einem Facebookpost zitiert er Äußerungen, die
demnach den Kitas schriftlich zugesendet oder „unverhohlen persönlich
überbracht“ sein sollen: „An den Galgen mit dir oder standrechtlich
erschießen“ oder auch „Ich werde sie nicht nur krankenhausreif schlagen,
ich werde sie töten, mit einem Messerstich ins Herz.“ Jung kommentiert
dazu: „Die Entscheidung der Leipziger Kitas ist keine kulturelle
Unterwerfung sondern eine freie Entscheidung in einem freien Land“. Es
sei unverantwortlich, die Essensauswahl einer Kita zum Untergang unserer
Kultur hochzustilisieren. Vergangene Woche war durch einen Artikel in
der Bild
-Zeitung öffentlich bekanntgeworden, dass zwei
Leipziger Kindertagesstätten entschieden hatten, zum Mittagessen kein
Schweinefleisch mehr zu servieren. Daraufhin empörten sich
PolitikerInnen, unter anderem aus der AfD und der CSU-Landesgruppenchef
in Bundestag, Alexander Dobrindt. Auf Twitter trendete der Hashtag
#schweinefleisch. Die Leipziger Polizei schickte mehrfach Streifen zu
der Kita…“ – aus dem Artikel
„Drohungen gegen Leipziger Kitas“ von Linda Peikert am 31. Juli 2019 in der taz online 
über das Zusammenwirken verschiedener rechter Strömungen bei dieser
aktuellen Hasskampagne. Siehe dazu auch einen Beitrag über „Exzesse in
einem Düsseldorfer Freibad“, die die Rechten für eine ihrer üblichen
Kampagnen nutzen wollten – und wie sie damit abgesoffen sind…
- „Tumulte in Freibädern?“ am 31. Juli 2019 im Volksverpetzer
hebt zum Eigentor der Rechten unter anderem hervor: „… Das
Rheinbad in Düsseldorf musste innerhalb von vier Wochen dreimal wegen
Fehlverhalten von Badegästen geräumt werden, zuletzt am Freitag. Eine
Gruppe junger Männer soll die Rutsche und Sprungbrett blockiert haben
und sich den Anweisungen der Bademeister widersetzt haben. Die
herbeigerufene Polizei schickte daraufhin alle nach Hause. Zwei
Ermittlungen wegen Beleidigung eines Polizisten und Bedrohung und
Beleidigung einer Bademeisterin wurden eingeleitet. Handfeste
Auseinandersetzungen gab es jedoch keine. Die Polizei äußerte sich
zunächst nicht offiziell zu den Nationalitäten der Jugendlichen.
Natürlich, denn sie spielt ja auch keine Rolle. Oder wird ein nach Hause
geschickter Badegast weniger enttäuscht sein, wenn die verantwortlichen
Jugendlichen diesen oder jenen Pass haben? Doch einer der
Polizeisprecher sprach davon, dass es sich um 50 bis 60 Jugendliche mit
„nordafrikanischer Herkunft“ gehandelt habe, was Medien wie RP Online
berichteten. Günter Krings, Staatssekretär im Bundesinnenministerium
(CDU) wagte daraufhin den wahnwitzigen Schnellschuss und äußerte
Befürwortung von schnelleren Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber.
Auch trotz der Anspannung kam es nicht zu Gewalt, dennoch sprach Krings
davon, „die Bevölkerung vor […] Gewalt in Freibädern zu schützen.“ Noch
absurder wird es, weil später klar gestellt wird: Die Gruppe der
Jugendlichen im Rheinbad war in Wahrheit viel kleiner. Und alle, deren
Personalien aufgenommen wurden, seien deutsche Staatsangehörige. eutsche
Jugendliche randalieren im Rheinbad und die CDU spricht von schnelleren
Abschiebungen. Daran sieht man, wie absurd diese rassistische Logik
ist. Es ist klar: In bestimmten politischen Kreisen wird inzwischen
automatisch angenommen, dass für alle Probleme Ausländer Schuld sein
müssen…“
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