
„
Tausende
Menschen protestierten am vergangenen Freitagabend unter dem Motto
#MarchaPorLaVida (Marsch für das Leben) und #DefendamosLaPaz (Den
Frieden verteidigen) gegen die anhaltende Gewalt und die tödlichen
Angriffe auf soziale Aktivisten in Kolumbien. Dennoch wurde auch kurz
nach den Protesten erneut ein tödlicher Angriff auf eine
Sozialaktivistin und ihren Mann gemeldet. Yissela Trujillo und ihr Mann
wurden von bisher unbekannten Angreifern auf der Straße von Caquetá so
schwer verletzt, dass beide an ihren Verletzungen verstarben. Hernán
Bravo, Bürgermeister von Puerto Rico, verurteilte die Tat scharf. Er
betonte, dass mit allen Möglichkeiten der Institutionen eine
schnellstmögliche Aufklärung des Angriffs erfolgen werde. Die Proteste
am letzten Freitag, die von der Bewegung „Wir verteidigen den Frieden“
(Defendemos la Paz) organisiert wurden, fanden vor allem in Kolumbien,
aber auch in vielen anderen Ländern der Welt statt. Unter anderem in
Kanada, Deutschland, der Schweiz, Griechenland, USA, Belgien,
Argentinien, Großbritannien, Frankreich und Spanien solidarisierten sich
Menschen mit dem Anliegen der sozialen Bewegungen. Allein in der
kolumbianischen Hauptstadt Bogotá nahmen etwa 15.000 Menschen teil,
darunter Studenten, Lehrer, Gewerkschafter, soziale Organisationen,
Indigene und Schwarze sowie Menschen der LGBTI-Bewegung. Ebenso
beteiligten sich Abgeordnete aus sieben Parteien Kolumbiens: Polo
Democrático, Grüne Allianz, Farc sowie Cambio Radical und die Liberale
Partei. Die Parlamentsvertreterin der Grünen Allianz Juanita Goebertus
rief dazu auf, in Solidarität zu den Familien der Getöteten zu
marschieren...“ – aus dem
Bericht
„Trotz massiver weltweiter Proteste weitere Aktivisten in Kolumbien
ermordet“ von Friederike Schwarz am 31. Juli 2019 bei amerika21.de 
über diesen landesweiten Protesttag und seine internationale
Unterstützung. Siehe dazu auch einen Hintergrundbeitrag zur Lage der
Menschenrechte in Kolumbien – und einen weiteren insbesondere zur Lage
im Bajo Cauca, der „gefährlichsten“ Region aktuell:
- „Kolumbien-aktuell No. 593 – Monatsbericht Juni 2019“ im Juli 2019 bei der Menschenrechte für Kolumbien Kampagne
ist ein monatlicher, hier eben aktueller, Überblick über die
Menschenrechtssituation in Kolumbien. Darin heißt es unter vielem
anderem: „… Der Menschenrechtsbericht der NGO Cinep erstellt ein
Panorama der Menschenrechtsverletzungen 2018 in Kolumbien. Er zeigt auf,
wie stark die ständigen Menschenrechtsverletzungen insbesondere an den
lokalen Gemeinschaften das gesellschaftliche Fundament in den
betroffenen Regionen beschädigen. Der Bericht basiert auf der
Untersuchung von 1418 Fällen von Menschenrechtsverletzungen mit
insgesamt 2252 Opfern. Gut die Hälfte der Opfer (1151) haben
Todesdrohungen erhalten, 648 Menschen wurden 2018 getötet, ermordet oder
aussergerichtlich hingerichtet. Zudem wurden über 300 Zivilpersonen bei
Angriffen verletzt und mindestens 66 Menschen gefoltert. Die
Untersuchung ist unvollständig, da sie auf Zeugen- und Opferberichten
sowie Medienartikeln beruht. Sie erlaubt jedoch einen erschreckenden
Einblick in die weit verbreitete Gewalt. Drohungen wie Morde haben dabei
seit 2016 kontinuierlich zugenommen. Ein Grossteil der politischen
Gewalt in Kolumbien richtet sich gegen soziale Basisbewegungen. Oft
finden die Drohungen und Angriffe im ländlichen Raum statt und richten
sich meist gegen Angehörige der kommunalen Aktionskomitees (junta de
acción comunal), resp. die Führungsgremien indigener und
afrokolumbianischer Gemeinschaften. Gemeinsam ist diesen der Einsatz für
die Rechte ihrer Gemeinschaft, insbesondere was den Landbesitz und die
territoriale Kontrolle anbelangt. Die Täterschaft wird dabei von den
Behörden und den Medien meist verschleiert. Oft werden diese einfach als
„unbekannt“ oder „bewaffnete Männer“ registriert, obwohl die regionalen
Gewaltstrukturen gut bekannt sind und meistens von illegalen
bewaffneten Organisationen ausgehen. Diese Verschleierung ist eine
Hauptursache für die hohe Straflosigkeit bei diesen Verbrechen. Behörden
und Medien fördern mit ihrem Verhalten die Straflosigkeit aktiv...“
- „Bajo Cauca: Ein Krieg, über den niemand spricht“ am 16. Juni 2019 bei der Kolumbien Kampagne Berlin
ist ein (von Hans-Peter Schmutz) übersetzter Bericht von Colombia
Informa aus dem Mai 2019, in dem es zur Entwicklung im Bajo Cauca unter
anderem heißt: „… Die Auseinandersetzung um dieses Gebiet hat
Geschichte: Hier waren Aufständische, wie die bis vor kurzem bestehenden
Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC), die Ejército de
Liberación Nacional (ELN) und paramilitärische Gruppen, wie die
Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), präsent. Als Letztere sich in den
Jahren 2003 bis 2006 offiziell demobilisierten, formierten sich neue
Gruppen, die sich dort heute mit Gewalt zu etablieren versuchen.
Aufgrund dieses Krieges steigt die Anzahl der Opfer konstant. Am 15.
April diesen Jahres meldete die siebte Division der Streitkräfte in
Taraza acht Tote, die durch Gefechte ums Leben gekommen sind. Wenige
Stunden danach wurde der Tod zweier Frauen und eines Mannes gemeldet.
Die Kämpfe haben noch kein Ende gefunden, unter Umständen auch das
Morden nicht. Zwischen dem 1. Januar und dem 10. April wurden in
Antioquía 662 Morde gemeldet, davon 111 im Gebiet des Bajo Cauca. Und
obwohl die Kämpfe weitergehen und die Zahl der Toten steigt, werden
viele der Toten weder erfasst noch in den Medien erwähnt.
Einwohner*innen der Zone versichern, dass in den letzten Monaten
verschiedene ermordete Personen einfach verschwunden seien. Unter den
getöteten Personen sind speziell die sieben sozialen Aktivist*innen zu
erwähnen, welche in diesem Jahr in Antioquía ermordet wurden. Der Krieg
zwischen den Gruppen hat diejenigen ausgelöscht, die in ihren
Territorien Widerstand leisteten, und diejenigen vertrieben, die sie
bewohnten. Mehr als 2.000 Personen sind in Anbetracht der Gewalt in die
Zentren ihrer Gemeinden oder nach Medellín geflohen…“
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